Hier und da kommt man in die Situation, dass einem ein L’Aupaire-Song vor die Füße gelegt wird. Dabei hat der Musiker mit seinen zwei bisher veröffentlichten Alben Flowers (2016) und Reframing (2020) sicherlich für den ein oder anderen bleibenden Song gesorgt – allen voran sein Evergreen Rollercoaster Girl. Aber auch die Zeit danach hält fantastische Songs bereit, die ihre ganz eigenen musikalischen Geschichten erzählen. Doch in letzter Zeit zeichnet Robert Laupert eine emotional immer tiefere Welt, die sich irgendwie verändert hat. Mit den zugänglichen Texten und bedacht eingesetzten Instrumenten erweckt er seine Songs nicht nur zum Leben sondern haucht ihnen eine Tiefe ein, die – wie bei Boatman’s Call – unter die Haut gehen. Nun ist mit Winter Sun eine weitere Geschichte dazugekommen, die sich, wie auf dem Singlecover bereits zu erkennen ist, in einer Blockhütte irgendwo in den Bergen erzählen lässt. Bei warmen Kaminfeuer und wohliger Einrichtung ist der Wintersturm vor der Tür ganz weit weg. Erst am nächsten Tag, wenn der Schnee fast einen Meter erreicht hat und die Sonne über der weißen Landschaft leuchtet, fängt die Natur so richtig an, auf uns zu wirken. Doch mit wem teilen wir diesen Moment? Ist es der geliebte Mensch, mit dem man diesen Moment in Zweisamkeit genießt oder gar eine ganze Gruppe von Freunden mit denen man ein Wochenende der Zusammenkunft in den Bergen zum Skifahren und für Spieleabende feiert.

Fast so, als hätte sich der Song die Atmosphäre aus dem Musikvideo zum Wham!-Klassiker Last Christmas geschnappt. Winter Sun hält für beide Varianten was bereit. Klingt der Song in der ersten Hälfte noch zurückhaltend und intim, baut sich Winter Sun im Verlaufe der folgenden vier Minuten von einem Solo zu einem Orchester auf und lässt dadurch viel Raum für noch mehr Menschen. Mit Gitarren, Schlagzeug, hallender Bridge und Banjo hat Winter Sun fast etwas von einem US-Südstaaten-Song. Und da ist er dann eben, dieser überraschende Moment, wieder einmal einen L’Aupaire-Song zu haben, in dem man sich völlig verlieren kann. Diese Moment kommen unverhofft. L’aupaire ist nicht Mainstream, man wird kaum mit News des Musikers konfrontiert. Und doch veröffentlicht der Musiker in einer verlässlichen Regelmäßigkeit kleine Song-Juwele, die uns in den passenden Lebenslagen ein aufs andere Mal direkt ins Herz treffen und begeistern. Sollten die in den vergangenen zweieinhalb Jahren veröffentlichten Songs jemals auf einem Album enthalten sein, dürfen wir uns auf nicht weniger als ein grandioses starkes drittes Album freuen. Bis dahin wird uns L’Aupaire aber weiter verlässlich mit seinen neuesten Songs begleiten.