Dotan – Neues Leben, neue Musik und neues Album?

Mit seinem zweiten Album 7 Layers (2014) schaffte der niederländische Singer/Songwriter Dotan seinen großen Durchbruch. Die darauf enthaltene Single Home wurde sogar in Deutschland zum Hit. Nach seinem 2016er Song Shadow Wind, welcher zum niederländischen Soundtrack der Olympischen Spielen wurde, folgte Anfang des Jahres mit Numb die erste neue Single des Sängers. Nun hat Dotan mit Letting Go eine weitere Single veröffentlicht, die vage eine brisante Zeit in seinem Leben thematisiert. Denn die letzten anderthalb Jahre waren – wenn auch eigenverschuldet – recht hart für den Amsterdamer Sänger. Letting Go ist musikalisch dabei eine feste Nummer und zeigt Dotan mit genau diesem Sound, den wir alle seit 7 Layers von ihm lieben. Große Gesten mit epischen Sound und choralem Gesang dominieren die balladeske Kulisse des Songs und zeigen, dass Dotan sich nicht hinter seinen dunklen Schatten der vergangenen Jahre verstecken muss.

Haim – Dunkle Zeiten musikalisch umgesetzt

Mit ihrem Sommersong Summer Girl meldeten sich die Haim-Schwestern im Sommer zurück mit neuer Musik. Nun haben sie mit Now I’m In It den nächsten Song veröffentlicht und lose für 2020 ihr drittes Studioalbum angekündigt. Dabei steht Now I’m In It unter einem ganz besonderem Stern – behandeln die drei Kalifornischen Schwestern darin doch den harten Weg durch eine Depression, den die drei simultan in den vergangenen Jahren durchlebt hatten. Mit dem Gefühl, nicht aus dem Haus gehen zu wollen und der generellen Motivationslosigkeit ging auch die Einsicht einher, diese dunkle Zeit nur mit Hilfe zu überstehen. So gingen die Schwestern zu Therapeuten und besingen dies nun auf ihrer neuen Single. Diese erinnert dabei anfangs an Donna Lewis‘ Song Always Forever und wechselt durch die prägnanten Stimmen der Schwestern schließlich zu einem typischen Haim-Song. Wann das neue Album erscheinen wird, ist weiterhin offen, doch deuten zwei Singleveröffentlichungen ein baldiges Erscheinen an.

Migthy Oaks - All Things Go

Mighty Oaks – Sind zurück um loszulassen

Nach der Driftwood Seat EP Anfang des Jahres, haben die Mighty Oaks nun mit All Things Go einen ersten Vorgeschmack auf das kommende, dritte Studioalbum des multiinternationalen Berliner Musiktrios veröffentlicht. Wie so oft beschäftigt sich Frontsänger Ian Hopper gleichwohl mit der Liebe, wie mit dem Tod. Und im Falle von All Things Go hat er sich der Liebesbeziehung seiner Eltern angenommen. So singt er mit den Worten; Back in Mullingar. We spent our days in Canton Caseys bar. We spent our summers there. And we drank up the Irish air. And I can see you smile. Still, today when I close my eyes. And I still feel your hands. Holding mine back von dem Verlust, den sein Vater durch den Krebstot Ians Mutter erleben musste. Und von den Momenten, wie es ist, zurückzublicken, ein sanftes Lächeln ins Gesicht zu bekommen und gleichzeitig eine Träne der Trauer, die Wange runterrollen zu spüren. Einmal mehr zeigen die Mighty Oaks, wie großartig ihre Musik, tiefe Gefühle trägt und Hoppers Gesang die richtigen Worte und Zäsuren findet, so, dass wir bereitwillig dieses Gefühl teilen möchten.

Ásgeir - Youth

Ásgeir – Ein Spaziergang durch den Schneesturm

Es ist die Stunde der ruhigen Songs. Mit Bear’s Den und nun Ásgeir Trausti Einarsson – alias Ásgeir – sind dieser Tage Songs veröffentlicht worden, die zu der kalten, ruppigen und dunklen Jahreszeit passen, wie kaum andere. Bei Ásgeir – den wir 2017 auf Unbound mit einem großartigen Elektrosound zurück begrüßen konnten – sieht es mit der neuen Single Youth ganz anders aus. Mit der Begleitung einer Akustikgitarre und Ásgeirs zarter Stimme beginnen wir den Spaziergang durch die kalte Nacht auf er isländischen Insel. Schließlich weht der auffrischende Wind die ersten Schneeflocken ins Gesicht, nur, um in einem kurzen, aber heftigen Schneesturm das rosafarbene Gesicht preiszugeben, dass sich anschließend wieder in die schützende Jacke verkriecht. So passend, wie diese Vorstellung baut sich Youth auf und fällt schließlich am Ende wieder in sich zusammen. Ásgeirs kündigt mit Youth gleichzeitig für den 7. Februar 2020 sein drittes Studioalbum Bury The Moon an und lässt uns mit der ersten Single ein paar warme Momente für die kalten Tage da.

Michael Kiwanuka – Den Soul der 70er Jahre entdecken

Nach den beiden erfolgreichen Alben Home Again (2012) und Love & Hate (2016) ist der britische Soulsänger Michael Kiwanuka nun mit einem neuen Album zurück. Dieses erschien am 25. Oktober und heißt einfach Kiwanuka. Darauf enthalten ist – neben der Vorabsingle You Ain’t The Problem auch der nun ausgekoppelte Song Hero, bei dem sich Kiwanuka auf die Helden und einflussreichsten Menschen der letzten Jahrzehnte bezieht. Mit darunter Marvin Gaye, Tupac, Martin Luther King und John Lennon. Gleichzeitig geht es aber auch darum, zu sich selbst zu finden und mit sich selbst glücklich zu sein. Warum jemand Anderes sein wollen, wenn ich doch mit mir selbst glücklich bin. Dieser Ansatz beflügelt gerade viele und zeigt, dass Kiwanuka einen Nerv trifft. Mit Hero setzt er dies ästhetisch so wunderbar um, dass man sich von seinem Musikvideo gar nicht satt sehen kann. Mit viel Soul, einer ordentlichen Portion Vintage-Sound der 70r Jahre und dem Konzept der Freiheit hat Michael Kiwanuka nicht nur ein neue Album geschrieben, sondern gleichzeitig auch die eigene Seele befriedet. Diese neue Haltung strahlen die Songs von Kiwanukas dritten Album aus und begeistern uns einmal mehr mit einem wanderbar, souligen Sound.

Post Malone - Circles

Post Malone – Auf dem Weg die Welt zu erobern

Er ist momentan einer der angesagtesten Musikacts, die die USA zu beiten haben. Der 24-Jährige Austin Richard Post, der unter seinem Künstlernamen Post Malone mit Stoney (2016) und Beerbongs & Bentleys (2018) bereits zwei äußerst erfolgreiche Alben veröffentlicht hat, ist ein wahrer Genrespringer. Ob mit Rap, R&B, Trap oder Pop – immer wieder klingt der, aus der 150.000 Einwohner großen Stadt Syracuse, im Nordosten der USA, kommende Sänger anders und völlig neu. Mit seinem dritten Album Hollywood’s Bleeding, mit dem er direkt nach erscheinen auf Platz 1 der globalen Albumcharts landete und binnen einer Woche 650.000 Einheiten verkaufte, hat er mittlerweile über 1,5 Millionen Platten verkauft und die Single Circles veröffentlicht. Diese ist eine satte Popnummer und überrascht mit einem verträumt, schwelgerischen Elektropop-Beat. Auf Circles geht es um die Trennung von seiner Freundin, bei der beide immer wieder zusammenfinden und nicht von einander lassen können. Mit sommerlich warmen Sound ist Circles ein – fast schon bittersüßer – Herzschmerzsong, der allerdings ein wenig zu catchy ist, um sich in der Trauer zu verlieren. Mit Sounds wie diesen lässt sich Post Malone nicht aufhalten und wird in den kommenden Monaten sicherlich auch bei uns in Deutschland ankommen.

Lane 8 feat. Poliça – Sie haben es wieder getan

Seitdem der US-Amerikanische Produzent und Musiker Daniel Goldstein 2018 sein vielbeachtetes zweites Studioalbum Little By Little als Lane 8 veröffentlichte, hat sich viel im Leben des – in der Zwischenzeit zum Vater gewordene – Musikers verändert. Den Blickpunkt den, der momentan in Denver lebende, Goldstein durch einschneidende Erlebnisse – wie Vater zu werden oder ein eigenes Label zu gründen – in den vergangenen Jahren hatte, veränderte seine Arbeit immer wieder und zeigt heute einen Musiker, der sehr stark mit der Gegenwart verbunden ist und diese in seine Musik einfließen lässt. Noch 2017 erklärte er auf die Frage, warum er denn in Zeiten von Streaming und Sets noch an einem Album arbeite mit den Worten, dass ein Album eine ganz andere Sprache spreche. Und so heisst es auch 2020 wieder, dass wir mit einem Album des Produzenten verwöhnt werden. Mit dabei ist – wie auch schon auf Little By Little – die US-Amerikanischen Band Poliça, deren Song Brightest Lights nun sogar erneut, nach No Captain auf Little By Little, als Leadsingle des gleichnamigen neuen Albums veröffentlicht wurde. Dabei fängt Goldstein die Harmonien so großartig ein und möchte damit einen Raum der Reflexion schaffen. Von Höhen und Tiefen zehrend gibt es auch immer einen Weg, das Leben und in der heutigen, herausfordernden und mitunter düsteren Welt, etwas Positives zu sehen. Genau diese Energie versprüht Brightest Lights durch einen schnellen, beatlastigen Sound, der von Poliças-Frontfrau Channy Leaneagh durch so sanften und treibenden Gesang bereichert wird, dass man sich in dem Sound verlieren kann.

Flume - Rushing Back

Flume – Und es sprudelt weiter

Es scheint irgendwo in Australien eine nicht versiegen wollende Quelle an Beats und Soundfolgen zu geben. Und genau an dieser Quelle sitzt das einstiege Wunderkind Flume, das mittlerweile 27 Jahre alt ist oder ist diese Quelle gar selbst. Denn aktuell scheint der Australier wieder einmal einen Höhepunkt seiner kreativen Arbeit zu haben. Veröffentlichte er im April sein Mixtape Hi This Is Flume, folgte im August die EP Quits in Zusammenarbeit mit dem Rapper Reo Cragun. Darüber hinaus veröffentlichte Flume im Juni die Single Let You Know, die mit London Grammar einen ebenso würdigen Kollaborations-Act beinhaltete. Nun hat Flume eine weitere Single veröffentlicht und nährt so den Boden für Gerüchte, dass ein baldiges, drittes Album zu erwarten sei. Bleibt es hierbei bislang nur bei Gerüchten, ist Rushing Back ganz real und hat mit Vera Blue eine Stimme dabei, die auf einem ganz ähnlichen Niveau wie Flume spielt. Dabei klingt Rushing Back deutlich poppiger – ohne die quer reinpreschenden Beats des typischen Flume-Sounds zu verlieren. Viel Bass, viele Synthies und der nach Hand gemachter Musik klingende Elektrosound Flumes begeistert immer wieder und liess ihn seit 2011 – als er seinen Durchbruch feierte – zu einem der Soundgenies unserer Zeit avancieren. Auf Rushing Back zeigt der Produzent nun einmal mehr, dass seine Quelle an einzigartigen Soundarangements gerade so richtig gefüllt zu sein scheint.

AnnenMayKantereit – Mit der Vergangenheit abschließen

Sie haben in den letzten Jahren einen unglaublichen Siegeszug im deutschsprachigen Raum erlebt. Mit ihren ersten beiden Alben Alles nix Konkretes und Schlagschatten schafften sie es auf den ersten und zweiten Platz der Albumcharts und verkauften mehr als 500.000 Alben. Ihre Songs Oft GefragtPocahontas und Marie sind bleibende Hymnen der Generation Z geworden und verblüffen auch die Generation davor immer wieder aufs Neue. Nach dem großen Tourerfolg der mittlerweile fünf Kölner Jungs gibt es nun mit Ozean eine erste neue Single, die alle Fans, die auf den Konzerten der Band waren, bereits im Frühjahr hören konnten. Mit einem Livemitschnitt des Frankfurter Konzerts zeigt Henning May und die Band einmal mehr, dass sie live absolut begeistern können und lassen Ozean brüchig und sentimental klingen. Mal drückt May mit seiner Stimme etwas mehr Bedeutung in die Worte, mal lässt er das Publikum leise die Textzeilen singen. Die Mischung aus Wohnzimmerkonzert in großen Hallen und dem Einbeziehen von weit mehr als 10.000 Menschen macht es aus, dass AnnenMayKantereit wie die Jungs von Nebenan wirken und man ihnen all den verdienten Erfolg nur zu sehr gönnt. Ob Ozean ein erster Vorbote für ein baldiges drittes Studioalbum sein wird, ist momentan wohl noch ein Geheimnis der Band. So genießen wir den unverhofften Song und freuen uns über all das, was bald kommt.

Of Monsters And Men - Wars

Of Monsters And Men – Euphorische Melancholie aus Island

Es klingt, wie ein Oxymoron. Zwei Beschreibungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten – Euphorie und Melancholie. Doch im Falle der isländischen Band Of Monsters And Men passt diese Beschreibung, wie keine Andere. Mit ihrem Indiepop, der zwischen mitreißenden Hymnen, Tagträumen und Traurigkeit wechselt, schaffen die fünf Musiker eine Stimmung, die für niedergeschlagene Menschen genauso funktioniert, wie für absolut Glückliche. Dabei haben sie mit ihrem dritten Album Fever Dream wieder einmal Bombastpop par excellence abgeliefert. Nicht verwunderlich, hat doch der amerikanische Produzent Rich Costey einmal mehr die Produktion des neuen Albums in die Hand genommen. Doch bei ihrer aktuellen Single Wars haben sich die Isländer etwas zurückgenommen und eine Song über eine Beziehung geschrieben, der von Streit, Brüchen, Energie und entflammter Liebe handelt. Hier werden die Turbulenzen der Partnerschaft als Teil der ganz großen Liebe erkannt und der Fast-Food-Liebe der heutigen Zeit ein Gegenpol gesetzt. Damit lassen Of Monsters And Men wieder zu, dass man sie entdeckt und mit Spannung dem neuen Album zuhört.