The 1975 – Ein Liebeslied an das Böse

Es sind die Zeilen And all I do is sit and think about you
If I knew what you’d do
 die uns Glauben schenken, dass uns The 1975 eines der besten Liebeslieder der vergangenen Monate schenken. Mit einem fesselnden Synthiebeat und Matty Healys sanft, poppigem Gesang klingt It’s Not Living (If It’s Not With You) so sehr nach einem 80er-Jahre Power-Lovesong, dass wir uns schon freuen, die heimliche Liebe Healys kennenlernen zu dürfen. Doch hört man den Lyrics weiter zu, wird klar, dass Healy hier von einem deutlich ernsteren Thema singt. Denn die Zuneigung, die er hier beschreibt, galt für einige Zeit den Drogen wie Heroin. Dies behandelt Healy in It’s Not Living (If It’s Not With You) so pur in direkt, dass man ihm nur gratulieren kann, wieder clean zu sein. Das dieser Weg schwer sein musste, zeigt die Band nun auch in dem dazugehörigen Musikvideo, indem Healy mit den Nebenwirkungen der Drogen – in Form von Panikattacken und Ängsten – zu kämpfen hatte und selbst auf der Bühne nicht davon verschont blieb. The 1975 stehen mit ihrem, gerade veröffentlichten, dritten Album A Brief Inquiry into Online Relationships gerade davor, weltweit zu einer der größten Rockbands unserer Zeit aufzusteigen. Da kommt die neu entfachte, drogenfreie Energie von Frontmann Healy genau richtig. Mit rotzigen Kommentaren, großen Songs und bereits einem vierten Album für Mai 2019, das Notes on a Conditional Form heißen wird, in der Pipeline, greifen The 1975 nun frontal an und sind auf dem besten Weg ihren Platz im Olymp einzunehmen.

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Foster The People – Mit Ohrwurm in den Winter

Es braucht nicht immer nur einen Hit, um nach ganz oben zu kommen. Foster The People hatten 2010 mit Pumped Up Kicks alles richtig gemacht. War der Song ein so wunderbarer Ohrwurm, sprangen die Radiostationen weltweit schnell auf und sorgten dafür, dass uns die Textzeilen All the other kids with the pumped up kicks. You’d better run, better run, out run my gun. All the other kids with the pumped up kicks- You’d better run, better run, faster than my bullet bis in das Jahr 2011 begleiteten. Nicht zuletzt auch wegen des brisanten Themas der immer wieder aufkeimenden Waffengewalt an Schulen und von Schülern, wurde Pumped Up Kicks zu einem Symbolsong. Ihr dazugehöriges Debütalbum Torches verkaufte sich dann, ob der Präsenz von Pumped Up Kicks, 2011 millionenfach. Mit ihrem Nachfolgealbum Supermodel schafften sie es schließlich, in vielen bedeutenden Musikmärkten, weltweit sogar nich höhere Positionen zu erreichen. Doch ein Hit wie Pumped Up Kicks blieb seitdem aus. Bis heute haben die vier Kalifornier mit den Verkaufszahlen nicht wieder an die der Debütsingle anknüpfen können und dennoch einen Ohrwurm nach dem anderen veröffentlicht. Dass sie sich auf ihrem Ruhm ausruhen, kann man – guckt man sich die aktuelle Veröffentlichungsgeschwindigkeit an – nicht behaupten. Haben sie vor 15 Monaten ihr drittes Album Sacred Hearts Club veröffentlicht, folgt nun mit der Single Worst Night bereits ein Song, der nicht mehr auf dem Album zu finden ist. Ist dies vielleicht ein Indiz auf ein nahendes, viertes Studioalbum oder doch nur eine Möglichkeit, eine limitierte Extended Albumversion zu Weihnachten zu veröffentlichen? Wie auch immer, Worst Night ist ein schmissiger Ohrwurm, ganz in Foster The People Manier, der mit Chorgesang und Mark Fosters markanter Stimme allemal zu einem neuen Radiohit taugt. Nun liegt es an den Stationen, diese Nummer aufzugreifen.

NEØV – Sphärischer Indierock

Vor zehn Jahren gegründet, hat das finnische Trio NEØV bereits einige Turbulenzen durchlaufen – stehen bereits drei Bandmitglieder-Abgänge auf ihrem Lebenslauf und auch der ein oder andere Wechsel der Plattenfirma. Dass sie allerdings eine Idee verfolgen, kann man nicht zuletzt dadurch sehen, dass die Band in Finnland mit Gramofon Fest ihr eigenes Festival organisiert. Dieses ist geprägt von Musik der einzelnen Jahrzehnte und umspannt Songs aus den 60ern bis in die 90er. Im Juni dieses Jahres zum Hamburger Label Clouds Hill gewechselt, veröffentlichen die drei nun mit Elysion eine sphärische Indienummer, die mit Dreampop-Elementen und einem choralen Refrain überzeugt und einen satten Fußabdruck in der hiesigen Indielandschaft hinterläßt. Zeit wird es für die Jungs, den großen Durchbruch zu feiern – haben sie für 2019 ihr drittes Album Volant angekündigt und werden seit ihrem Debütalbum Orange Morning aus dem Jahr 2012 von Magazinen, wie dem Q-Magazine oder dem Rolling Stone hochgelobt und als das nächste, große Ding aus Finnland betitelt. Mit Elysion kommen sie diesem Ziel einen großen Schritt näher.

Lauren Daigle – Stark wie Adele

Lauren Daigle hat bereits drei Alben in den USA auf Platz 1 bringen können – den Christian Top 100 Billboard Album Charts. Nun ist sie auch mit ihrem dritten Album Look Up Child in die Top-5 der Billboard-Top 100 Albumcharts eingestiegen und zeigt damit, dass sie dieses Spartendenken nicht nötig hat. Denn Daigle besticht durch eine so starke Stimme, die völlig konträr zu ihrem Erscheinungsbild steht. Ist die in Louisiana lebende Sängerin doch eine zierliche Frau, die darüber hinaus noch deutlich jünger aussieht, als ihre 27 Jahre es vermuten lassen. Dabei erinnert vor allem der Beginn ihrer aktuellen Single You Say an die britische Sängerin Adele und ihrem kraftvollen Someone Like You. Daigle hat den passenden Song für die zunehmend kälter werdenden Tage, berührt uns durch ihre warme Stimme, sowie dem opulent arrangierten Sound und wird uns sicherlich bis weit in den Winter begleiten.

Jessie Ware – Die Emanzipation einer Britin

Jessie Ware – Midnight

Mit bereits zwei veröffentlichten Alben ist Jessie Ware sicherlich kein Newcomer mehr, doch behält sie weiterhin ihre Stellung als Ausnahmekünstlerin. Denn Ware will nicht so ganz in eine Schublade passen. Arbeitet sie gerne mit Künstlern der elektronischen Szene Großbritanniens, wie SBTRKT und Disclosure, zusammen, hört man auf ihren Soloplatten Soul, R&B und Pop. Dabei ist Ware mit dieser Mischung allgegenwärtig – hat allerdings bis heute den ganz großen Durchbruch noch nicht erlebt. Vielleicht ändert sich das mit ihrem dritten Album. Dazu könnte Wares neue Single Midnight beitragen. Denn so laut, so soulig und so ungewöhnlich direkt haben wir Ware bisher noch nicht gehört. Während Midnight einer großen Liebeshymne nahe kommt, erinnert sie auch an die Zeit, als Alicia Keys mit ihrem reinen R&B ihren Durchbruch feiert. Wurde Keys‘ künstlerische Karriere durch immer mehr Singles mit enormen Schrei-Anteil ausgebremst und besann sie sich deshalb mit ihrem aktuellen Album wieder zu mehr Natürlichkeit zurück, hört man genau diese Natürlichkeit aktuell auch auf Jessie Wares neuer Single. Zwar ist Wares Stimme deutlich lauter geworden und singt sie viel direkter, kommt der Sound allerdings dem eines 80er/90er Soulsongs nahe. Damit überrascht und begeistert Ware gleichzeitig, war sie bisher doch eher durch indirekten Gesang und einem allgegenwärtigen Sound bekannt. Midnight greift dich dort, wo Du nach einer musikalischen Untermalung für emotionale Momente suchst und schlägt dann umso stärker ein.

Highasakite – Für den ganz großen Moment

Sie bestehen erst seit fünf Jahren, haben aber schon ihr drittes Album in der Pipeline. Die Norweger von Highasakite lassen nichts anbrennen und entzünden dabei selbst das Feuer. Ihr Durchbruch kam mit ihrem 2014 veröffentlichten, zweiten Album Silent Treatment, mit dem sie den ersten Platz der Norwegischen Albumcharts erreichten. Im selben Jahr wurde ihr Song Since Last Wednesday zum Titelsong des Berlin Festivals gekürt und schaffte somit auch den Sprung über die Landesgrenze und in den Mainstream. Es folgten Anfragen aus ganz Europa und Australien. Mit ihrem Ende Mai erscheinenden dritten Album Camp Echo legen sie sogar noch eins drauf und hauen regelrecht mit großen epischen Indiehymnen um sich. Ein Vorgeschmack liefert die Single Golden Ticket, die mit einem modernen Bassgerüst startet und sich im Laufe der knapp vier Minuten zu einer großen, exzessiven Hymne entwickelt. Golden Ticket ist ein Song für die ganz großen Momente und die ganz großen Gefühle.