Vor knapp zwei Wochen veröffentlichten Sigur Rós nach zehn Jahren erstmals wieder ein neues Album. Bereits vier Tage vorher wurde mit Blóðberg die erste Single daraus ausgekoppelt. Für einen kleinen Kreis wurde im Berliner Silent Green – einem ehemaligen Krematorium, das zur Kulturstätte umgebaut wurde – ein exklusives Album-Listening Event veranstaltet. Passen hier zu Konzerten bis zu 400 Personen in die Kuppelhalle, waren es dieses Mal nur 40 Personen, die auf Sitzsäcken in der Halle verteilt Platz nehmen konnten. Liegt man einmal, war die Blickrichtung der Kuppeldecke zugewandt, an der Sigur Rós eine fragmentartige Lichtshow ablaufen ließen. Diese nicht zusammenhängenden Lichtkegel und Silhouetten folgten immer wieder einer gleichbleibenden Abfolge und führten so das Auge durch die zehn vorgestellten Songs. Es hatte etwas vertrautes, die Musik zu hören – auch wenn man mit 38 völlig fremden Menschen in einem Raum lag. Etwas friedliches und schmerzerfülltes zugleich. Nun haben Sigur Rós mit Andrá eine weitere Single aus ihrem achten Studioalbum Átta veröffentlicht und zeigen im dazugehörigen Musikvideo genau diese unterschiedlichen Gefühle.

Schaut man den über neun Minuten langen Clip, wird schnell klar, dass die unterschiedlichsten Menschen bei bestimmter Musik in die gleiche Gefühlswelt abdriften. Alle mit unterschiedlichen Bildern vor ihrem inneren Auge. Alle höchstwahrscheinlich mit unterschiedlichen Stories und Erlebnissen. Doch am Ende eint sie, das Erlebnis einen Sigur Rós Song intensiv zu hören. Auf Andrá haben sich Sigur Rós wieder deutlich am Sound der Alben zu Beginn ihrer Karriere orientiert und kehren dem, um die 2010er-Wende aufgekommenen und immer präsenter werdenden Gitarrenanteil, den Rücken. Zu Gunsten der sphärischen Soundgerüste gepaart mit Frontsänger Jónsis Falcettstimme ergeben sich so gefühlvolle Soundbetten, die von Zurückhaltung geprägt sind ehe sie in der Mitte oder zum Ende des Songs in ein satt instrumentiertes Finale übergehen. Die Isländer haben ein Händchen für die zutiefst berührenden Sounds und zeigen auch zehn Jahre nach ihrem letzten Album, dass sie von ihrer Soundästhetik nichts eingebüsst haben. War bisher jedes Musikvideo von Sigur Rós ein eigenes Kunstwerk, kann auch der Clip zu Andrá nun dazugezählt werden und berührt bereits in der ersten Minute. Am Ende der fast 57 Minuten blickte man schließlich in der Kuppelhalle des Silent Green um sich und musste feststellen, dass es allen anderen Menschen um einen herum genauso ging, wie mir – am liebsten hätte man auf Repeat gedrückt um sich nochmal in den Lichtkegeln der Kuppeldecke zu verlieren.