Es gab in den vergangenen Wochen kaum einen Song, der mit größerer Spannung erwartet wurde. Hatte Sam Smith für das Manchester-Konzert eine große Überraschung für das Ende des Konzertes angekündigt – musste Smith gerade dieses Konzert wegen gesundheitlicher Gründe nach vier Songs abbrechen. Blieb zunächst offen, warum das Konzert abgebrochen werden musste, wurde auch nichts weiter über die angekündigte Überraschung mittgeteilt. Ein paar Tage später folgte aber dann doch ein Teaser über Madonnas und Smith‘ Social Media Kanäle. Mit einem einfachen Bild, auf dem einerseits Smith und auf der anderen Seite Madonnas Rücken jeweils in ein Korsett geschnürt zu sehen ist prangten die Buchstaben S&M. Sind dies nicht nur die Initialen der beiden Acts, spielen die beiden genau mit dieser Assoziation. Heute ist er schließlich endlich veröffentlicht worden – der Song Vulgar. Dabei erstaunt der von OneRepublic Frontsänger und Songwriter Ryan Tedder geschriebene Song mit einem gänzlich ungewohnten Sound. Wer hier einen großen Popsong erwartet hat, wird sich nicht bestätigt sehen. Oder ist das noch Pop?

Mit einem dumpfen Beat und orientalischen Perkussion-Sounds kommt der Song einem Mantra-artigen Ausspruch gleich. Dabei ist Smith mit einer so tiefen Stimme zu hören, dass man kaum eine Verbindung zu den bisher veröffentlichten Singles finden kann. Madonna, die ihren Part hier weniger im Singen, denn mehr im Sprechen sieht, baut sich mit Smith zu einem latent aggressiven Zwiegespräch auf. Für Madonna bietet der Song nicht viel Neues, außer einen Song mehr in ihrer doch noch recht jungen Kollaborations-Diskografie. Gleichzeitig zeigt Vulgar, dass Smith sich – wie bereits mit den letzten Veröffentlichungen zu bemerken ist – weiter ausprobiert und die Genregrenzen vorangegangener Alben aufbricht. Mit knapp unter drei Minuten entspricht der Song dabei genau den modernen Ansprüchen an einen Song, um gerade noch gerecht für die junge Hörerschaft zu sein. Mit Vulgar haben Sam Smith und Madonna einen Song veröffentlicht, der einst zur B-Seite einer Single gehört hätte – heute aber Pop mit definiert. Womit die eingangs rhetorische Frage ob das noch Pop sei gleichermaßen beantwortet ist. Vulgar ist streitbar – aber das war Madonna schon immer und kommt Sam Smith hier nun dazu.