Gerade sind sie wieder in aller Munde – die fünf Bandmitglieder der Urbesetzung von Take That. Waren sie 1990 als Popband zusammengecastet worden, zeigt die aktuelle dreiteilige Netflix-Miniserie, wie alles begann. Wie Gary Barlow als Songwriter und Kopf der Band zwar die Hits lieferte, aber weitaus weniger charismatisch war als die anderen Bandmitglieder. Nach einer Reihe von Nummer-1-Alben und -Singles und auf dem Höhepunkt der Band verließ Robbie Williams schließlich die Band, da er sich selbst nicht gesehen und nicht genug wertgeschätzt fühlte. Nur kurze Zeit später trennte sich auch der Rest der Band und ging ab 1996 getrennte Wege – und damit auch Solopfade.
Robbie Williams fackelte nicht lange und brachte direkt erste Songs heraus. Nach kurzer Zeit wurde er zum erfolgreichsten Musiker Großbritanniens und verkaufte Millionen von Alben und Singles weltweit. Heute steht der Brite einem wahren Imperium an Songs aus seinem Musikkatalog vor und könnte sich getrost zurücklehnen und in Rente gehen. Doch Robbie Williams wäre nicht Robbie Williams, würde er nicht immer wieder das Rampenlicht suchen. Sind seine Zeiten, die größten Arenen der Welt zu füllen, zwar klar vorbei, erreicht er auch knapp 30 Jahre nach seinem Solo-Debütalbum Life Thru A Lens mit seinem 13. Studioalbum Britpop gerade erst wieder den ersten Platz der britischen Albumcharts.

Rechnet man seine Greatest-Hits-Alben und das Soundtrackalbum zu seiner Dokumentation Better Man zusammen, war Williams mit Britpop bereits mit insgesamt 16 Alben auf Platz 1 der britischen Albumcharts und hat damit nicht nur die Beatles überholt, sondern ist nun auch alleiniger Rekordhalter mit den meisten Nummer-1-Alben. Mit All My Life hat Williams nun – nach Rocket, Spies, Human und Pretty Face – die fünfte Single aus dem Album veröffentlicht und zeigt damit auch nach 36 Jahren im Musikbusiness, dass seine Songs frisch und drängend klingen. All My Life greift dabei die Hochzeit der Britpop-Zeit der 90er Jahre auf und hält viele Referenzen an Bands wie Oasis und Blur bereit. Mit einem opulenten Refrain, dem fast schon brachialen Gitarrenspiel und einem präsenten Schlagzeug kommen Erinnerungen an Songs wie Wonderwall oder Old Before I Die auf. Robbie Williams ist damit in den vergangenen zwei Jahren so präsent wie schon lange nicht mehr und zeigt auf Britpop, dass er auch nach 35 Jahren noch lange nicht fertig ist.