Es gibt einen neuen Fokus im Leben von Julien Bracht – nun nicht mehr nur nebenbei. Denn was Bracht in den vergangenen 13 Jahren erreicht hat, ist beachtlich. Bereits in jungen Jahren fing Bracht, der aus Frankfurt am Main kommt, mit dem Schlagzeug an. Darauf aufbauend erarbeitete sich der Hesse mit Hilfe von Ableton und Midi-Controller eine kleine DJ-Blase, die 2012 schließlich platzen sollte und ihn nach Ibiza führte, um dort aufzutreten. In etwa zu der Zeit entstand zusammen mit Markus Nikolaus auch das Duo Lea Porcelain. Hier produzierte Bracht die beiden Alben Hymns To The Night und Choirs To Heaven, sowie diverse EPs und Remix-EPs. Zog es die Beiden schon früh von Frankfurt am Main über London nach Berlin, erreichte ihr Sound auch international eine große Resonanz. Der Post-Punk, gemischt mit Indie, Elektro, Industrial und immer einem großen Teil von Wehmut und Melancholie ließen die Songs von Lea Porcelain so besonders klingen. Mit Songs, wie Out Is In, Warsaw Street oder ihrer ergreifenden Interpretation von Streets Of Philadelphia klangen sie dreckig, dunkel, verschwitzt und verlertzlich. Es war genau das was die deutsche Musiklandschaft zu diesem Zeitpunkt nicht besaß. Nach zehn Jahren verkündeten Lea Porcelain kurz vor Weihnachten nun das Aus des Duos und stellten noch ein Paar Bilder ein, welche die Evolution der Beiden zeigte. Vom noch sehr jungen Bild der beiden mit langen Haaren und jugendlichen Gesichtszügen – und noch frei von den ganzen Einrücken, die auf sie einwirken sollten – bis hin zu verschwitzten Kelleraufnahmen, war es ein Jahrzehnt voller starker Musik, die nicht nur dem Duo, sondern auch den Fans viele Momente der Kraft gegeben haben. Gleichzeitig fing Bracht allerdings – nachdem er bereits in der Zeit vor Lea Porcelain erste Songs veröffentlichte – wieder an, eigene Songs zu produzieren. So ist seit 2021 eine klein Werksschau von zumeist durch House und Techno geprägten Songs zu erleben. Da hat der Song 1991 – der gleichzeitig Brachts Geburtsjahr widerspiegelt – satte Technovibes, die aus der Zeit Ende der 90er Jahre kommen könnten. Hier kommen Assoziationen zur Loveparade, der Mayday und DJs und Produzenten, wie Da Hool und Members of Mayday auf – immer mit einer Mischung aus satten Bässen und klaren, kratzigen Tönen.

Nun hat Julien Bracht im vergangenen Sommer einen ersten Song unter dem Projekt EMPIRICAL veröffentlicht, der aufhorchen lässt. Denn während bereits der Name EMPIRICAL – Empirisch – darauf hindeutet, das Erlebte aus dem vergangenen Jahrzehnt und mehr zu nutzen, um daraus neue Kreativität zu ziehen, ist der Debütsong Letz Get It eine auf tiefen Emotionen basierende Elektrowand, die sich mächtig aufbaut um dich aber nicht etwa hart abzuweisen, sondern vielmehr warm aufzusaugen. Als Bracht das Projekt über seine sozialen Kanäle ankündigte, beschrieb er EMPIRICAL so; Ich habe die letzten zwei Jahre damit verbracht, mein Herz und meine Seele in die Aufnahme und Produktion von Songs zu stecken, und ich freue mich unglaublich, dieses neue Projekt endlich mit euch zu teilen. Ich habe mit wunderbaren Stimmen und Autoren zusammengearbeitet, und es zeigt eine andere musikalische Seite von mir. Es ist definitiv kein Techno, wie ich immer sage – es ist meine feminine Seite der Musik, die, wie ich denke, jeder in sich hat. Es ist tanzbar, emotional, tiefgründig und – hoffentlich – zeitlos. Letz Get It ist schnell, melancholisch und gleichzeitig tanzbar, als würde man seine letzte Nacht durchtanzen. Bracht, der mit EMPIRICAL gerade erst am Anfang steht und für die kommenden Wochen bereits neue Musik ankündigt, dürfte in 2025 noch Einiges bereithalten. Letz Get It ist der Pilot dieses neuen Projekts und überzeugt auf Anhieb, als wäre der Song schon immer Teil der Musiklandschaft gewesen. Go for it Julien!