Es ist Pop – aber nicht diese Art Pop, die im Radio nur so in Massen läuft, sondern vielmehr diese Art Pop, die uns dazu bringt, dem Text zu lauschen, dem Sound zu folgen und unsere ganz eigene Auffassung der Geschichte darin zu lesen. Das ist der Sound der Dänisch/Färinger-Sängerin Helena Heinesen Rebensdorff – alias Brimheim – die mit einem ganz eigenen Stil von Pop begeistert. Was Brimheim veröffentlicht, reicht für die Untermalung der aufregendsten Szenen. Mal sind es zärtlich warme und vollmundige Sounds, die sich wie eine Wolldecke um uns legen, mal sind es poppige Elektrobeats und mal eingängige Songzeilen. Brimheim schafft eine so vielschichtige Welt mit ihrer Musik, die bestückt, durch viele verschiedene Instrumente und Synthie-Effekte regelrecht zu pulsieren beginnt. Dabei hebt sich Brimheims Stimme durch einen tiefen voluminösen Sound besonders ab, der mal bassig und mal zärtlich sanft klingt. Hier fangen die Haare auf den Armen an zu tanzen. Ihr zweites Album RATKING, welches Brimheim am 22. März veröffentlicht hat, ist das Abbild dieses aufregenden Mixes.

Hatte Brimheim 2022 mit can’t hate myself into a different shape ihr vielbeachtetes Debütalbum veröffentlicht, steht sie nun, nur zwei Jahre später, mit RATKING als Nachfolger vor unserer Tür. Sind wir hier schon bei Avantgarde oder Alt-Pop, beides passt in diesem Falle und zeigt sich doch so wandelbar, wie packend. Da ist das epische Keep Bleeding Diamonds, das mit seinem ausufernden Soundbett für ein Loslösen vom Jetzt und Hier steht. Im anschließenden Snow Angels wird es dann plötzlich ganz intim, mit stetiger Gitarrenuntermalung und wabernden Synthies wandelt der Song irgendwo zwischen Dreampop und Folk. Die Singleauskopplung Normies zeigt wiederum eine Schwere, die sich nicht ihrer selbst ergeben möchte, akustisch auszubrechen versucht und dabei mal sanft, mal kratzig und mal melancholisch schwer ist. Und dann ist da das wunderbar losgelöste Literally Everything, das mit einer anderen Tonalität aufwartet und Brimheims Stimme Anfangs unglaublich tief zeigt. Im Verlauf des Songs kommen wir schließlich an den Punkt, an dem der Song auch wunderbar zu einer Cabriofahrt durch die sommerlichen Provinzen Italiens passen würde. Mit schnellem, schillernd bassigen Klangbett und flirrenden Synthies beginnt hier das Träumen. Und wer hätte nicht selbst auch Lust, sich einfach für ein paar Minuten in eine sommerlich ferne Gegend zu denken. Brimheim ist Pop, aber anders. Aufregend und mitreißend, ohne dabei plastisch zu sein. Das Gefühl macht den Pop und das kommt bei Brimheim von ganz alleine.