Kraftklub - Teil dieser Band

Kraftklub – Reflektieren die letzten 12 Jahre

Kraftklub waren schon immer dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sei es auf ihrem Debütalbum Mit K (2012), auf In Schwarz (2014) oder Keine Nacht für Niemand (2017). Damit trafen sie direkt ein Gefühl der Jugend und auch von vielen jungen Erwachsenen, die sich mit den Texten identifizieren konnten. Dass das keine Momentaufnahme war, wurde spätestens bei Album drei klar, das – wie auch schon die ersten beiden Alben – direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts einstieg. So der Stand 2017 – seitdem ist viel passiert. Zum einen gab es da natürlich auch bei den Chemnitzern die Pandemie, die vieles unmöglich werden ließ, aber auch einen Soloausflug von Frontsänger Felix Kummer – der mit seinem Solodebüt Kiox 2019 für einen Sensationserfolg sorgte. Nahm das Album-Songwriting drei Jahre in Anspruch, folgte mit Der Letzte Song (Alles Wird Gut) 2021 noch eine – nicht auf dem Album enthaltene – Single zusammen mit Giant Rooks-Frontman Fred Rabe, die beide bis auf Platz 1 der deutschen Singlecharts führte. Somit konnten die fünf Jahre, die Kraftklub-Fans ohne neue Musik auskommen mussten, recht gut überbrückt werden. Nun ist die Band seit dem Frühjahr wieder zurück und hat mit Ein Song reicht, Wittenberg ist nicht Paris und – der Überraschung schlechthin – Fahr mit mir (4×4), zusammen mit Tokio Hotel, gleich drei äußerst heiße Bretter veröffentlicht. Spielen sie auf Ein Song reicht mit der Tatsache, dass sie nun schon eine Band sind, die andere als die Band ihrer Jugend bezeichnen, kommt auf Wittenberg ist nicht Paris die Selbstbeweiräucherung der Großstädter und auf Fahr mit mir (4×4) der immer größer werdende Konservatismus zur Sprache. Dass Kraftklub hier mit Tokio Hotel zusammengearbeitet haben, gleicht einer kleinen Sensation, hätte doch niemand auch nur im Ansatz damit gerechnet, jemals so eine Konstellation zu Gehör zu bekommen.

Aus dem Kraftklub-Archiv Pic: Instagram
Aus dem Kraftklub-Archiv Pic: Instagram

Nun haben Kraftklub mit Teil dieser Band die vierte Single ausgekoppelt und setzen zur Reflexion an. Was haben die letzten 12 Jahre, seit Bandbestehen, für Veränderungen gebracht. Wo sind wir gestartet. Wo stehen wir heute, wie bin ich daran gewachsen. Kraftklub spielen hier nicht nur mit dem eigenen Werdegang, sondern auch mit der Sehnsucht vieler Menschen da draußen. Denn in den Textzeilen Und wär ich jetzt nicht auf Tour, dann säß ich wahrscheinlich in irgendeiner drecks Agentur. Wecker 6 Uhr, Bahnfahrt, kurzes Feedbackgespräch mit dem Chef auf dem Flur. „Bist du zufrieden mit dem, was du leistest?“ „Geht da noch was, Junge? Hast du das Mindset?“ werden sich wohl nicht Wenige wiederfinden und arbeiten Kraftklub hier mit der Sehnsucht derer, die in ihrem Leben gerne gehabt hätten, dass etwas anders gelaufen wäre. Mit gewohnt schnellen Gitarrenriffs, dem ewig energiegeladenen Indiesound und Kummers direkten Gesang setzen Kraftklub auch hier wieder alles auf eine Karte und geben nicht weniger, als die volle Ladung Kraftklub ab. Kargo – ihr viertes Studioalbum – wird damit schon durch die ersten vier Singleauskopplungen zu einem extrem starken Album und erscheint am 10. Oktober. Spätestens dann werden wir wissen, dass fünf Jahre ohne Kraftklub-Musik viel zu lange sind, um es noch einmal soweit kommenzulassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..