Filous – Mit einem Trick sommerlich in den Winter

Er ist so bekannt wie unbekannt. Der österreichische Produzent Filous – alias Matthias Oldofredi – ist in Elektrokreisen weltweit eine Hausnummer. Dabei hat er bereits den ein oder anderen Hit auch in den Mainstream gebracht. Denken wir nur an die Zusammenarbeit mit James Hersey auf How Hard I Try. Doch ebenfalls hat Filous bereits Remixe zu Song von Kodaline, Selina Gomez, Troye Sivan oder James Bay produziert und ist in den letzten Jahren dadurch immer bekannter geworden. Nun hat Filous mit der ebenfalls aus Österreich kommenden klei den Song Bicycle und damit einen wunderbar, verzaubernden Dance-Song veröffentlicht. Mit chilligen Gitarren, kleis zarter Stimme und einem sanft einsetzenden Housebeat wird Bicycle von Sekunde zu Sekunde größer und mündet schließlich in einem satten Dancetrack, zu dem man sich an einem See auf einer hoch bewachsenen Wiese liegen sieht und um einen die Bienen und anderes Getier schwelgerisch wahrnimmt. Bicycle ist eine satte Popnummer, die mit den Elementen aus House, Akustik und Indie einen sehr gelungen Song für den Winter schafft. Und so trickst uns Filous damit aus und lässt uns noch einmal eine sommerlich warme Brise auf der Haut spüren.

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Seinabo Sey – Offener, kräftiger und voller Energie

Mit den Textzeilen There’s a conclusion to my illusion. I assure you this. There’s no end to this confusion. If you let it wish you well. Soul to sell […] When you know you ain’t getting any. Younger, younger, younger, are you? kam für die schwedische Sängerin Seinabo Sey 2013 der große Durchbruch. Mit der Remixversion des norwegischen DJs Kygo bekam Sey 2014 weltweit nochmals deutlich mehr Aufmerksamkeit. Und so folgte im Oktober 2015 mit Pretend ihr Debütalbum und die gleichnamige Single. Für neues Material sollten dann allerdings erst einmal weitere drei Jahre vergehen, bis wir neues Material der eindrucksvollen Sängerin erwarten konnten. Dieses Jahr war es dann schließlich Zeit für neue Musik und so kann 2018 definitiv als das Jahr der Tochter einer Gambierin und eines Schweden angesehen werden – denn Anfang September folgte mit I’m A Dream ihr zweites Studioalbum auf dem die Sängerin deutlich gereifter klang. Mit ihrer aktuellen Single Good In You beweist sie uns genau diese neue Art Soul, R&B und Pop zu verbinden. Mit einem wirbelnden Sound und eingängigen Lyrics klingt Sey so frisch und neu, das die neuen Songs sich nicht hinter den großen Nummern des Debütalbums verstecken müssen.

Querbeat – Große Beats und laute Trompeten

Mehr Freaks braucht das Land! So tönt es aus allen Lautsprechern des Rheinlandes. Auch wenn es noch nicht ganz so ist, könnte die 13-köpfige Band Querbeat aus Bonn bald so etwas wie ein lokaler Hitgarant werden, der es auch fernab des Rheinlandes zur ganz großen Nummer schafft. Denn mit ihrer nun veröffentlichten Single Freaks, die aus dem gerade veröffentlichten dritten Album Randale Und Hurra stammt, reißt die Band förmlich die Decke ein. Die auf Brasspop festgelegte Band hat dabei so viele Einflüsse, wie es Brasspop nur haben kann. Mit elektronischen Beats, Trompeten, Pop-Gesängen und Hip-Hop-Rhymes mischen sie alles zu einer hoch explosiven Soundmischungen zusammen, die in jeder Sekunde zum Ausrasten anregt. Brasspop ist dabei in den letzten Jahren einer angesagtesten Musikrichtungen geworden. Bands wie Querbeat, LaBrassBanda und MEUTE tragen dazu bei, dass Brasspop an die Oberfläche und im Mainstream angekommen ist. Mit der Interpretation des Flume Remixes von Disclosures You & Me hatten gerade die Hamburger von MEUTE einen viralen Hit gelandet. Querbeat hingegen schreiben ihre eigenen Songs und haben dadurch deutlich größeren Einfluss an Soundgerüst ihrer Songs. Querbeat liegt irgendwo zwischen Seeed und Fettes Brot und hat mir Freak einen satten Hit abgeliefert, der keinen stillstehen lässt.

The Best Of 2018 Vol.: 08

01. George FitzGerald – Burns

02. Highasakite – I Call Bullshit

03. Half•Alive – Still Feel

04. Avril Lavigne – Head Above Water

05. Hosini – Capella

06. Hozier feat. Mavis Staples – Nina Cried Power

07. Josh. – Cordula Grün

08. Razorlight – Japanrock

09. SYML – Clean Eyes

10. Lord Huron – The Night We Met

11. Severija – Zu Asche, Zu Staub (Psycho Nikoros)

12. Pool – Moving On

13. Justice – Love S.O.S. (WWW)

14. Parcels – Lightenup

15. Bloodhype – Romeos

16. AnnenMayKantereit – Marie

17. Alice Merton – Why So Serious

18. El Profesor – Bella Ciao (Hugel Remix)

19. Faber – Alles Gute

20. Alt-J feat. Kontra K – In Cold Blood (Kontra K Version)

The Best Of 2018 Vol.: 07

01. Mumford & Sons – Guiding Light

02. MK – 17 (6am Remix)

03. Krystal Klear – Neutron Dancet

04. Maggie Rogers – Give A Little

05. Janet Jackson feat. Daddy Yankee – Made For Now

06. Razorlight – Sorry_

07. William Fitzsimmons – Angela

08. James Hersey – Real For You

09. Isaac Gracie – Running On Empty

10. White Lies – Time To Give

11. Tom Odell feat. Alice Merton – Half As Good As You

12. Razorlight – Olympus Sleeping

13. Synapson feat. Lass – Souba

14. Cher – Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)

15. Jamie XX – Girl

16. Dirty Vegas – Let The Night

17. Coldplay – Adventure Of A Lifetime (Yotto Remix)

18. Kid Simius – The Flute Song (Paul Kalkbrenner Remix)

19. Disclosure feat. Eliza Doolittle – You & Me (Flume Remix)

Haevn – Kino trifft Sommer

Das niederländische Duo Haevn hat bereits einige Veröffentlichungen hinter sich, ehe vor zwei Wochen endlich ihr langerwartete Debütalbum Eyes Closed das Licht der Welt erblickte. Darauf enthalten sind alle bisher veröffentlichten Singles Where the Heart IsBright LightsFinding Out MoreFortitude und die aktuelle Single Back In The Water. Damit ist das Album voller cineastischer Songs, die einem Soundtrack entstammen könnten. Nicht von ungefähr kommt diese Assoziation – besteht das Duo doch aus einem Singer/Songwriter und einem Filmmusikkomponisten. Mit Back In The Water veröffentlichen Haevn nun allerdings eine Remix Version des irischen Produzenten und Remixers Mark McCabe offiziell. McCabe war bereits 2016 als Remixer des Gavin James‘ Songs Nervous beteiligt und bringt mit seiner Version des Haevn-Songs nun etwas Summer-Feeling in die Produktion. Dabei klingt Back In The Water immer noch nach Haevn, hat aber zusätzlich die Leichtigkeit der aktuellen EDM-Trends im Gepäck.

Felix Räuber – Konzertkritik

Wenn ein Mensch einem Anderen die Worte zuwirft Schön, dass du die Zeit findest, deine Aufmerksamkeit meiner Musik zu schenken. Ich würde dir gerne ein paar Worte dazu erzählen. Dann möchte er wirklich etwas teilen. Dass dieser Mensch, der an diesem Abend auf der Bühne steht, eine ganze Menge zu teilen und mitzuteilen hat, liegt an seiner Vergangenheit und wie er seine Gegenwart und Zukunft gestaltet.

Es ist Mittwoch, der 23. Mai 2018 und im Berliner ACUD läuft Felix Räuber mit Wunderkerzen in der einen und einem Kassettenrekorder in der anderen Hand, durch das Publikum zur Bühne. Es ist der Beginn seiner Geschichte. Nach dem herausragenden Erfolg mit der Band Polarkreis 18, kam es 2012 zum Bruch. Was folgte, waren diverse Projekte in Chören oder dem Pop-Duo Zwei von Millionen. Hiebei nagte bei Räuber die Unzufriedenheit immer deutlicher und die Frage kam auf, ob er als Künstler überhaupt noch arbeiten könne.

Mit seiner, am heutigen Freitag erscheinenden EP Wall beweist Räuber eindrucksvoll, wie relevant er noch ist. Denn ähnlich wie das gleichnamige Polarkreis-18-Album aus 2007, ist die EP voller Vielfalt, Mut und Experimentierfreudigkeit. Über 14 Songs und 75 Minuten nahm Räuber das Publikum in diesem intimen Umfeld mit in eine Welt, die sich nicht im Hier abzuspielen schien. Über drei Interludes präsentierte der, mittlerweile in Berlin lebende, Sänger Songs, die selbst auf der Wall EP noch nicht zu finden sind. Zwischen massiven Basslines, Pianostücken, Falsettstimme und Rock, bot Räuber eine Palette, die den verschiedensten Emotionen des Menschen ähneln. Dabei gelang Räuber der Spagat zwischen penibler Perfektion und charmanten Verlieren-im-Sound. Nicht von ungefähr kommt die Perfektion, die er bereits zu Zeiten der Band Polarkreis 18 besaß.

Es sollte alles stimmen, zu wichtig war es Räuber seine Songs so zu präsentieren, wie er sie einst im Kopf hatte. So war er an diesem Abend nicht nur als Sänger und am Keyboard aktiv, sondern gleichzeitig auch immer wieder Dirigent. Als charmanten Höhepunkt, kam es bei er Performance von Wall zu einem Abbruch und Neustart des Liedes, sowie einem zweiten Abbruch und der Wiederaufnahme. Sinngemäß kommentierend, dass es Hits geben soll, bei denen immer etwas schief geht, arbeitete sich Räuber dabei so professionell durch, dass am Ende genau dieser Moment die Einzigartigkeit der intimen Record-Release Show ausmachte.

Kam es erst wenige Tage vor dem Konzert zu der Entscheidung, die beiden Orchesterspieler mit auf die Bühne zu nehmen, zahlte sich die musikalische Vielfalt vollends aus. Schließlich begleiteten sie fast jedes Lied an diesem Abend. Dass sich Räuber hier – im allerbesten Sinne – immer wieder in seiner Musik verlor, sprach nur für die Vielschichtigkeit und übertrug sich auf das Publikum. Dabei wankten Menschen, mit geschlossenen Augen wohlwollend zum Sound und ließen ihre ganz eigenen Erinnerungen Teil des Songs werden.

Mit dem herausragenden Wall-Remix vom deutschen Musiker Geistha, der bisher leider nirgendwo zu finden ist und dem Après Minuit hat sich Räuber mit letzterem Song sogar einen kleinen Die-Fabelhafte-Welt-Der-Amelie-Moment gezaubert. Denn hier hatte er sich für den Auftritt, den ebenfalls aus Berlin kommenden Musiker und Produzenten Schlindwein mit ins Boot geholt. Ebenso dabei war zum Schluß des Konzertes eine Coverversionen des Scott Mathew Songs Effigy, den Räuber völlig auslebte. Dabei griff er sich schließlich das  Kassettenradio und lief mit der Textpassage Find my way home abermals durch das Publikum, um den Raum schließlich zu verlassen.

Mit Wall beginne ich nun eine Reise, die noch viele spontane Momente hervorbringen wird, darauf kann ich endlich wieder vertrauen. Ich freue mich, dir auf diesem Weg zu begegnen erwidert Räuber schließlich am Ende seines EP-Booklettextes. man merkt in jedem Moment, dass Räuber hierbei unglaublich viel Herz und Energie hineingesteckt hat.

Zuletzt auf einem Konzert von Polarkreis 18 im Jahr März 2009 live gesehen, ist Räuber nicht nur erwachsener geworden, sondern präsentiert sich auch angekommen und selbstsicher. Und so endet der Abend schließlich darin, dass man – förmlich überrumpelt von der Frage was man sich in die gerade erworbene EP notieren lassen möchte – keine Antwort parat hat und somit ein schlichtes aber charmantes Liebe Grüße von Felix Räuber zu lesen bekommt. Räuber ist damit mit seiner Wall EP zurück und stärker denn je.

The Best Of 2018 Vol.: 05

01. Royal T feat. Roísín Murphy – Crookers

02. Rüfüs Du Sol – No Place

03. CliQ feat. Alika – Wavey

04. Kid Francescoli – Moon

05. Tash Sultana – Salvation

06. Sam Fender – Play God

07. Clueso – Du und Ich

08. Abi Ocia – Running

09. Noga Erez – Bad Habits

10. Jungle – House in L.A.

11. Jain – Alright

12. Lily Allen – Lost My Mind

13. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Leave A Light On

14. Portugal. The Man – Live In the Moment

15. Lo Moon – Tried To Make You my Own

16. Mallrat – Groceries

17. HAEVN – Back In The Water (Mark McCabe Remix)

18. Goldfrapp feat. Dave Gahan – Ocean

19. The Paper Kites – Bloom

Zola Jesus – Dunkle Elektrovibes

Bereits im September 2017 veröffentlichte die amerikanische Sängerin Zola Jesus ihr fünftes Studioalbum Okovi. Darauf enthalten sind unter anderem die Singles Exhumed, Soak und Siphon, die allesamt auch als Single ausgekoppelt wurden. Nun reiht sich mit Ash To Bone eine vierte Singleauskopplung ein, die eigentlich gar nicht dafür gedacht war. So handelt es sich bei der aktuellen Version von Ash To Bone um einen Remix des Amerikaners Johnny Jewel, der sowohl bei den Chromatics, als auch bei den Glass Candys mitgemacht hat. Diese Bands stehen allesamt für Synthie-Pop. Ash To Bone wird herbei – durch Jewels Hand anlegen – zu einem dunklen Synthie-Pop, fast schon Gothic-angehauchten Soundtrack. Hier geht man durch eine finstere und spannende Nacht, zusammen mit Zola Jesus und dem, was Jewel als Traum hatte, als er das Original hörte. Allemal Wert, dem Song mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, hat ihn Jesus kurzerhand mit einem Musikvideo versehen und nun veröffentlicht. Dass Jesus bereits als Ausnahmekünstlerin gilt, ist unlängst bekannt, doch mit der Fortführung dieses Songs, rückt Johnny Jewel die Sängerin noch ein wenig mehr ins rechte Licht und präsentiert sie als dunkle Popikone mit ganz großer Gestik.

Xavier Rudd – Auf in eine neue Welt

Als Singer/Songwriter und Multiinstrumentalist ist der Australier Xavier Rudd in den letzten Jahren zu einem der größten Geheimtipps geworden. Denn oftmals sitzt er barfuß und umgeben von Perkussion, Trommeln und anderen Instrumenten auf der Bühne, um seinen akustischen Sound zu präsentieren. Mit dem Remix von Follow The Sun hatte er hier bereits vor vier Jahren ein Ausrufezeichen gesetzt. Doch was jetzt auf uns zukommt ist größer – viel größer. Und so veröffentlicht Xavier Rudd im Mai sein nunmehr neuntes Album, welches er passender Weise Storm Boy betitelt hat und arbeitete hier erstmals mit einem Produzenten zusammen. Da der Sound allerdings nicht beliebig klingen sollte, hat er sich mit Chris Bond einen Produzenten ausgesucht, der bereits für Ben Howard und Justin Nozukas Alben verantwortlich war. Genau diesen Sound präsentiert Rudd jetzt mit seiner ersten Singleauskopplung Walk Away, die nicht mehr klein denkt. Da kommen große Momente mit Trommeln und Gitarren genauso vor, wie ein elektronischer Beat, der Rudd allerdings niemals die Show stiehlt. Walk Away lehnt sich an Hymnen à la Dario Gs Sunchyme an und behält sich den akustischen Songwriter-Stil, den Rudd über die letzten Jahre so beliebt werden lassen hat, mit einem neuen, modernen Anstrich, der viele neue Fans dazukommen lassen wird.