Nick Mulvey - Begin Again

Nick Mulvey – Die tiefe Verbindung eines Songs

Es ist eine treibende Akustikgitarre – die Nick Mulvey verwendet – um in uns allen das Gefühl von Reflexion und Besinnung aufkommen zu lassen. Dass der Brite mit seiner handgemachten Musik für ganz besondere Momente verantwortlich ist, zeigte sich bereits durch die Songs Mountain To Move und In Your Hands, auf denen er durch Perkussions und in sich verlierenden Gesangsparts zum Träumen anregte. Nun hat der 35-jährige Sänger mit Begin Again eine erste neue Single – nach seinen beiden Alben First Mind (2014) und Wake Up Now (2017) – veröffentlicht und bezieht sich dabei auf die aktuelle Situation der Pandemie. So stellt der Sänger die Frage, wie wir als Gesellschaft danach wieder beginnen können zu leben. Dabei ist ihm eines unglaublich wichtig – die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und die eigene Familie in diesen Zeiten. Denn wenn wir nicht wissen, was vor uns liegt, ist die Liebe und Wärme der Familie eine Stütze für uns. Ihn selbst hat auf Begin Again die Suche nach der Persönlichkeit hinter seiner Großmutter – die bereits vor Mulveys Geburt gestorben war – angetrieben. Mit Fragen, wie Wer war diese Frau, die meine Familie bis heute so geprägt hat? durchforstete er alte Schriftstücke und fragte in seiner Familie rum. Dabei bildete sich zwischen Mulvey und seiner verstorbenen Großmutter Marie eine Verbindung, die der Sänger auf Begin Again zu transportieren versucht. Die Ehrfurcht vor den aufrichtigen Lehren und Botschaften dieser Frau lässt sich auch auf unsere heutige Situation und das Chaos vor unserer Tür anwenden und uns wieder zu uns selbst finden. Mit viel Liebe in den Worten zeigt sich die aufkommende und reine Liebe zu einer Person zu erkennen, die so ergreifend, wie wunderschön ist. Mary Ethel Roderick, 1912 to ’72. Though we never met in flesh, here I remember you. Were a woman, you were gentle, you were modest, you were kind. A mother, wife and gran, you were a woman of your time. (Mary Ethel Roderick, 1912 bis ’72. Obwohl wir uns nie in echt getroffen haben, erinnere ich mich an dich. Warst eine Frau, du warst sanft, du warst bescheiden, du warst freundlich. Eine Mutter, Frau und Großmutter, du warst eine Frau deiner Zeit.). Nich Mulvey schafft es mit seiner Musik, direkt ins Herz zu treffen und die schönsten und wärmsten Emotionen auszulösen. Begin Again ist dabei der erste Vorbote der gleichnamigen EP Begin Again und wird in den kommenden Wochen noch weitere Songveröffentlichungen seiner wunderschönen Mischung aus Singer/Songwriter und Folk bereithalten, ehe sie am 5. Juni erscheint.

Giant Rooks - What I Know Is All Quicksand

Giant Rooks – Ein finaler Durchbruch mit Verzögerungen

Alles deutete auf den ganz großen Durchbruch hin. Mit ihren drei EPs The Times Are Bursting the Lines (2015), New Estate (2017) und Wild Stare (2019) hatte die Nordrhein-Westfälische Band Giant Rooks einen äußerst langen Anlauf zu ihrem Debütalbum genommen. Gibt es die Band bereits seit 2014 war ihr Output an neuer Musik bis zuletzt kontinuierlich hoch. Mit ihrer groß angelegten Headlinertour Rookery sollte es im April und Mai durch 15 europäische Länder gehen, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Ebenso groß war die Tour von Milky Chance in den USA für März und April geplant gewesen, bei dem die Jungs von Giant Rooks bei zwölf Konzert als Support mit dabei gewesen wären. Schaut man sich darüber hinaus an, dass die aus Hamm kommende Band es in Berlin geschafft hat, die Columbiahalle auszuverkaufen und sogar ein Zusatzkonzert am Folgetag einplanten, wird klar, die Band steht kurz davor, einen grandiosen Durchbruch zu feiern. Doch dann kam die Pandemie und stellte alles auf Eis. Nun haben die Giant Rooks mit What I Know Is All Quicksand eine neue Single veröffentlicht und beglücken uns dazu mit der Ankündigung ihres Debütalbums Rookery, das sie am 28. August veröffentlichen werden. Es sollte sich richtig anfühlen und einen Sound haben, bei dem wir sagen, jetzt ist es Zeit, für ein Debütalbum – beantwortet die Band die Frage, warum es sechs Jahre dauern musste, ehe wir ein erstes Album in den Händen halten können. Dabei bleibt ein wenig offen, welcher Sound genau der Richtige ist – denn mit ihrer neuesten Single What I Know Is All Quicksand arbeiten sich die fünf Jungs durch den bekannten Indie-Rock und zeigt dennoch, dass der große Stadionrock machbar ist. What I Know Is All Quicksand behält sich zurückhaltende Klaviermomente genauso vor, wie die schnellen Gitarren und einen – zum absoluten ausrasten – animierend frischen Vibe. Nach dem hymnenhaften Watershed gehen Giant Rooks mit What I Know Is All Quicksand den Weg zum Epos und lassen auf ein abwechslungsreiches erstes Album der jungen Indie-Rocker hoffen.

Daði Freyr - Think About Things

Daði Freyr – Ein verpasster Sieg?

Es hätte nicht besser laufen können, für den Isländer Daði Freyr und seinem Song Think About Things. Denn mit Diesem wollte er eigentlich am gestrigen 16. Mai am Eurovision Song Contest 2020 teilnehmen. Die Chancen, sich dabei auf einen der vordersten Ränge platzieren zu können, standen – schenkte man den Buchmachern Glauben – gar nicht einmal so schlecht. Doch dann kam der 18. März, an dem der diesjährige Contest aufgrund der Pandemie komplett abgesagt wurde und Daði Freyr nun keine Chance mehr bekam, seinen Song vor mehr als 200 Millionen Zuschauern zu präsentieren. Als Musiker ist der 27-jährige Isländer jedoch bereits seit 2012 aktiv und veröffentlichte mit der Band RetRoBot 2013 das Album Blackout. Kurze Zeit später zog es den Sänger nach Berlin, wo er ein Studium zur Musikproduktion startete, welches er 2017 mit einem Bachelor of Art abschloss. Im selben Jahr trat er in Island mit dem Song Is This Love? am Vorentscheid zum Eurovision Songcontest an und belegte den zweiten Platz. 2019 schaffte er es schließlich mit Think About Things, sein Land international zu vertreten und beweist mit dem Song, dass es in der isländische Musikkultur einfach anders läuft, als auf dem Rest der Welt. Ob Bands wie Sigur Rós, Björk, FM Belfast, Retro Stefson oder Of Monsters And Men – alle haben sie gemein, dass ihre Individualität einen starken Einfluss auf ihre Musik und die Präsentation ihrer Persönlichkeiten hat. Gibt es dies natürlich auch zuhauf weltweit, ist es bei isländischen Acts allerdings fast durchweg anzufinden. Daði Freyr zeigt mit seinem Song daher einmal mehr, dass diese Art wohl in den Genen der Isländer zu liegen scheint. Think About Things ist damit ein frischer, nerdiger Indie-Hit, der als Launenaufheller nicht besser dienen könnte. Dabei gibt es den Song in zwei Sprachen und zwei Bedeutungen. In dem Original auf isländisch singt Daði Freyr darüber, dass seine Band Gagnamagnið – mit der er 2017 am isländischen Vorentscheid teilgenommen hatte – aus der Zukunft kommt, um die Welt mit ihrem Tanz zu retten. Auf der englischsprachigen Version singt er allerdings über die Geburt seiner Tochter im vergangenen Jahr und dem Wunsch, zu erfahren, was ein Baby in den ersten Wochen und Monaten denkt. Diese Bedeutung war auch der ursprüngliche Grund des Songs. Was Daði Freyr bleibt, ist das Wissen um einen großartigen Indie-Song, der sogar das Zeug gehabt hätte, beim diesjährigen Eurovision Songcontest zum Siegersong zu werden.

Backseat - Speak Loud (When You Speak Love)

Werdet laut! – Speak Loud (When You Speak Love)

Die Einschränkungen, die uns die Pandemie beschert hat, hat bei uns allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch wenn wir unseren Alltag noch lange nicht wieder normal nennen können, haben sich weite Teile unseres täglichen Ablaufes zumindest wieder normalisiert. Was nicht für alle Bereiche gilt. Denn speziell in der Kulturlandschaft, den Club- und Konzerthallenbetreibern, sowie allen DJs, Music Acts und Künstler*innen. Auch ich – Marten – der hinter SOML steckt, habe in den vergangenen Wochen immer häufiger gesehen, wie sich die Betroffenen in dieser Situation zu helfen wissen und habe es genossen, Live-Konzerte aus den Wohnzimmern vieler Bands zu sehen. Auch die Clubcommission Berlin e.V. hatte schnell gehandelt und zusammen mit Reclaim Club Culture und Arte Concerts die Plattform United We Stream ins Leben gerufen. Hier streamen regelmäßig DJs aus den Berliner Clubs direkt in die Wohnzimmer der Clubgänger, die wiederum mit ihrer Spende den Clubs direkt helfen können. Mittlerweile sind auch die Radio- und TV-Stationen radioeins, Alex Berlin und Flux FM hinzugekommen und verbreiten so das Angebot immer mehr. Aber auch Konzerthallen wie das Gretchen werden durch die Spendenaufrufe von Konzertkassen wie Koka36 unterstützt – auf deren Homepage man direkt für die kleine Kreuzberger Location spenden kann. Und das ist daher so bemerkenswert, da Koka36 selbst stark von dem Konzertverbot betroffen ist und aktuell ausschließlich die Ticket-Rücknahmen bearbeitet. Auch die SOML-Freunde von der Musikagentur Backseat haben eine Aktion ins Leben gerufen, bei der sie die Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte in der momentanen Situation lenken wollen und den – immer prominenter auftretenden – Hassrednern damit weniger Platz geben wollen. Denn nur wenn wir laut werden, geben wir dem Hass weniger Raum und Aufmerksamkeit und zeigen damit, dass solche Ansichten nicht für den Großteil unserer Gesellschaft gelten. Unterstützt Eure Bands, kauft deren CDs oder Vinyls, downloaded die Songs, streamt die Clubnächte durch und spendet was Ihr wollt – Hier hilft wirklich jeder einzelne Euro. Übrigens ist die Backseat-Aktion offen für alle Stimmen und lädt dazu ein, Videos einzusenden, die dann zu der Youtube-Playlist hinzugefügt werden. Und wer den Song Speak Loud (When You Speak Love) von BRTHR nun nicht mehr aus dem Kopf bekommt, kann ihn sich auf Youtube auch nochmal in voller Länge anhören.

Bruckner - Für Immer Hier

Bruckner – Der Sommer im Kopf

Es sind zwei Sätze, welche die Brüder Matti und Jakob Bruckner so wunderbar auf den Punkt beschreiben. Zwei Stimmen, die in die tieferen Hautschichten dringen, ein blonder Lockenkopf, daneben ein kleinerer, brauner. Die beiden Brüder Jakob und Matti Bruckner machen Musik, die sich anfühlt wie ein Bad in Euphorie, eine Fahrt mit den besten Freunden im VW-Bus an die französische Atlantikküste, der letzte Sommertag, bevor die Tage kälter werden: sie zelebrieren die Kraft des Augenblicks. Diese beiden Sätze können wir auf der Homepage der Band lesen und bekommen sofort ein Gefühl für die Stimmung, die das Duo erzeugen möchte. Auf ihrem aktuellen Song Nichts Tun scheint es fast schon eine selbsterfüllende Prophezeiung gegeben zu haben – schaut man sich an, was die Pandemie aktuell mit uns macht. Da kommen uns Textzeilen, wie: lass uns heut nicht rausgehen […] News nicht ansehen, es ist eh alles schlecht so vor, als wäre der Song eine Reaktion auf die aktuelle Zeit. Doch ist es vielmehr der Song der vor Nichts Tun veröffentlicht wurde, der so wunderbare Vibes versprüht und uns in absolute Sommerlaune versetzt. Mit Für Immer Hier haben die Bruckner-Brüder nämlich einen wunderbar leichtfüßigen Sommersong – als erste Veröffentlichung aus ihrem für den 26. Juni angekündigten Debütalbum Hier – veröffentlicht. Erinnern die Jungs stimmlich an Bosse oder Thees Uhlmann, lehnen sie sich musikalisch an Bands, wie Parcels oder die Jeremias an. Letztere stehen auch gerade erst vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums und zeigen damit, dass eine ganz neue Welle von fantastischen neuen deutschen Bands im Kommen ist. Ob es für eine Neue Deutsche Welle 3.0 reicht – nachdem die 2.0 Welle mit Silbermond, Juli und Wir Sind Helden Mitte der 2000er äußerst erfolgreich war – wird sich erst zeigen müssen. Doch haben Bruckner alles auf eine Karte gesetzt und stehen alle Zeichen mit der Veröffentlichung von Hier unter dem Label von Sony Music auf Erfolg. Vor wenigen Tagen haben Bruckner dann auch eine Zuhause Session-Version von Für Immer Hier veröffentlicht, die an dieser Stelle sehr zu empfehlen ist. Musikalisch hätten es die Jungs auf jeden Fall verdient – steckt in Hier doch so viel Arbeit und Fleiß, dass sich die Jahre des Tourens und Musizierens endlich auszahlen müssen.

Flecks - Hold On

Flecks – Halte inne und lass Dich mitreißen

Mit Samurai und You Bet I Would haben Flecks in den vergangenen zwei Jahren zwei so großartige Hymnen veröffentlicht, dass man sich nur sofort in die Band verlieben konnte. Nun haben Flecks mit Hold On einen neuen Song veröffentlicht, der wie eine Prophezeiung auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt zu passen scheint. Denn geschrieben haben Freya Monks Halliday und Scott Halliday den Song bereits im Sommer 2019 – als eine Pandemie dieses Ausmaßes noch komplett unrealistisch erschien. Heute passen die Worte, als wäre der Song von der Pandemie inspiriert. What becomes of our experience? When we’re done with the game. Everyone around me is ignoring their pain. Too busy fighting. Can we just breathe? (Was wird aus unseren Erfahrungen? Wenn wir mit diesem Spiel fertig sind. Alle um mich herum ignorieren ihren Schmerz. Sind zu beschäftigt mit dem kämpfen. Können wir nicht einfach nur atmen?). Lebt das Duo auf dem Land – knapp 40 Kilometer von Dublin entfernt – ist es egal aus welchem Fenster ihres Hauses es blickt, irgendwo steht immer ein Lamm. Dass die dadurch vorherrschende Ruhe und Abgeschiedenheit so einiges an Macht der Pandemie abfedert, scheint das Duo musikalisch dazu zu bringen, immer feiner in ihrem von Synthies geprägten Sound zu werden. Auf Hold On finden Worte wie Kraft, Energie und Leidenschaft zusammen. Musikalisch stehen sich der Abgrund und die Rettung gegenüber – ist es eine Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was geschieht durch unsere nächste Entscheidung, unseren nächsten Schritt?! Werden wir lernen und gestärkt aus dem hervorgehen, was uns aktuell so sehr schmerzt? Es ist diese Wucht – die Hold On besitzt – wenn Monks Halliday über Hoffnung und Chancen singt und dabei musikalisch wie aus einem Blockbuster aus der dunklen Zukunft klingt. Flecks berühren uns mit Hold On einmal mehr und sorgen in den aktuell unruhigen Zeiten dafür, dass unsere Seele durchatmen kann.

Der Link zum Video wird nachgereicht, sobald es online ist. Solange kann Hold On – wie hier bei Spotify – auf allen Streamingplattformen gehört werden.

Everything Everything - In Birdsong

Everything Everything – Ein audiovisuelles Erlebnis

Wenn wir aktuell die Fenster öffnen, wird den meisten ein Geräusch aufgefallen sein, das man in der Schnelllebigkeit unsere Zeit mit Unachtsamkeit gestraft hatte. Es ist das Gezwitscher der Vögel, das uns momentan deutlich lauter und präsenter vorkommt. Fast so, als würden sie uns mit aller Macht zeigen wollen, dass es für den Menschen Zeit ist, eine Pause einzulegen und die Natur wieder zum Zuge kommen muss. Und tatsächliche sehen wir Berichte über die Rückkehr von Tieren in bewohnte Gebiete – aus denen sie einst der Mensch verdrängt hatte – sauberere Meere und Seen und eine Erholung der Umwelt. Dass dieser Übergang von unserem Alltag – wie er noch bis Mitte Februar ablief – zu der neuen Normalität dabei so machtvoll, wie beeindruckend war, stellt die britische Art-Rock Band Everything Everything auf ihrem neuen Song In Birdsong dar – denn hier ist nichts normal. Bereits früh galt die – 2007 in Manchester gegründete –  Band, die vor allem mit den Songs Distant PastRegret (beide 2015) und Can’t Do (2017) viel Zuspruch erfuhr, als Aushängeschild einer dystopischen Welt, die wir lange Zeit nur aus Science-Fiction Filmen kannten. Doch 2020 macht dieses Gefühl greifbarer. In Birdsong ist dabei ein Zusammenspiel der verschiedenen Gefühle – mal erinnert Jonathan Higgs Falsettgesang an On Melancholy Hill von den Gorillaz, mal klingt der Song so unkontrolliert und eindrucksvoll, als würde er vom Sigur Rós Album () stammen. Dabei gibt uns ein stetig pulsierender Beat die Struktur, über die sich immer wieder exzentrisch Parts legen. Hier treffen knarzende Synthies auf Gitarren und gehen in einem exaltierten Höhepunkt auf. Dass die Briten gerade jetzt In Birdsong veröffentlichen, liegt an der wunderbaren Fähigkeit des Songs, sich wie eine zweite Hülle um die Veränderungen zu legen, welche die Gesellschaft durch die aktuelle Pandemie durchlebt. Dabei macht vor allem auch das Musikvideo diesen Sound sichtbar. Denn wie ein dreidimensionales Bild bauen sich die Ansichten aus den Klänge, Beats und der Stimme Jonathan Higgs auf und werden zu einem eindrucksvollen audiovisuell Erlebnis. Mit In Birdsong setzen Everything Everything einmal mehr einen neuen Standard in Sachen Rock-Musik und gleichzeitig den Startschuss für ein Jahr mit noch weiteren Überraschungen, die von der Band noch kommen werden.

Washed Out - Too Late

Washed Out – Plötzlich tanzbar

Washed Out – das ist der US-Amerikaner Ernest Weatherly Greene Jr. – der aus Georgia kommt und mit seinem Dream Pop und Synthie Chillwave in den vergangenen zehn Jahren eine immer größer werdende Fangemeinde vereinen konnte. Mit seinem so unaufgeregten Elektrosound und einem schwelgerischen Gesang schaffte er es mit zwei – seiner drei veröffentlichten – Alben in die britischen und US-Amerikanischen Charts. Dass Washed Out nun mit Too Late einen ungemein tanzbaren Elektrosong veröffentlicht überrascht dann doch, schaut man sich an, wo der 37-jährige Produzent herkommt. Denn mit Bedroom startete Greene Ende der 2000er eine Band, die sich immer mehr der elektronischen Musik verschrieb – was Greene dazu bewegte, die Band zu verlassen, um an einem stärker auf Chillwave fokussierten Sound zu arbeiten. Bisher mit Within And Without (2011), Paracosm (2013) und Mister Mellow (2017) drei Alben veröffentlicht, deutet mit Too Late alles auf ein neues Studioalbum des Produzenten und Musikers hin. Eine Empfehlung für alle, die Fernweh haben sollte, sei das dazugehörige Musikvideo. Hierfür hatte Greene nämlich schon einen Plan und stand kurz vor den Dreharbeiten, als schließlich auch bei ihm die Pandemie dazwischenfunkte und der Dreh abgesagt werden musste. So rief Greene kurzerhand seine Fans via Social Media auf, ihm Videos von Sonnenuntergängen und der blauen Stunde zu schicken und schnitt hieraus ein wunderbares Musikvideo zusammen, das uns alle an die Zeit erinnert, als wir durch einen kurzen Flug ans Meer, abschalten konnten. Mit dieser Sehnsucht verziert, schafft Washed Out eine starke Rückkehr und lässt auf ein tanzbares, viertes Album hoffen.

Angels & Airwaves - All That's Left Is Love

Angels & Airwaves – Was uns bleibt ist Liebe

Seit der Entstehung der Band im Jahr 2005 gab es Spekulationen über die Zugehörigkeit Tom DeLonges zu Blink-182, als auch zu Angels & Airwaves. War es ein Nebenprojekt während der Blink-182-Bandpause? Oder war es der Aufbau einer ganz neuen Band, die schon bald DeLonges Hauptband sein würde? 15 Jahre später wissen wir es und steht DeLonge mit bereits fünf Studioalben voll im Saft des Angels & Airwaves-Projektes. Bereits seit fünf Jahren von Blink-182 getrennt, zeigte sich, dass DeLonge eine andere Art des musikalischen Ausdrucks favorisierte. Mit introvertierten Sounds und ausufernden Arrangements sorgte DeLonge mit Angels & Airwaves schnell für ein würdiges Zurückkehren der ehemals prägnanten Blink-182-Stimme. Doch auch abseits dessen waren Angels & Airwaves von Beginn an auf etwas Größeres ausgelegt. Mit wechselnden Musikern und der Fokussierung auf andere Bereiche der Kunst – wie auf Film- und Grafikprojekte – umfasste die Band ein immer größer werdendes künstlerisches Feld. Erschien mit The Dream Walker das letzte Angels & Airwaves-Album 2014, hat die Band mittlerweile mit Rebell GirlKiss & Tell zwei Songs veröffentlicht, die nun durch All That’s Left Is Love ergänzt wird und die Vermutung über ein baldiges Erscheinen des sechsten Studioalbums vermuten lässt. Dabei klingt All That’s Left Is Love einmal mehr so mitreissend und nach Alternative Rock, dass wir uns mit der Stimme DeLonges sofort wieder wohlfühlen. Im Verlauf der vier Minuten baut sich All That’s Left Is Love zu einer großen Hymne auf, die der aktuellen Situation, in der wir alle stecken, Tribut zollt. Mit hoffnungsvollen Textzeilen, wie We have never been here before. To not love less, to love more oder We‘re locked inside our beds, but we Laugh at what is said, remember how it all begins A little smile from your friends. lassen Angels & Airwaves keinen Zweifel daran, dass diese Pandemie auch einen enormen Zuwachs an sozialem Zusammenhalt erkennen lassen hat. So kommentiert DeLonge den Song dann auch in einem Interview wie folgt: Freunde – wir alle sitzen gerade zu Hause fest und während wir die unglaublichen Ereignisse, die gerade weltweit geschehen, beobachten, konnten wir auch kleine leuchtende Sterne auf der ganzen Welt entdecken – die die positive Seite der Menschheit zeigen, die manchmal in unserem Alltag verloren gegangen sind. Darum geht es in dieser Band letztendlich seit dem ersten Tag – Hoffnung. Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen, unsere Gefühle in ein Lied zu lenken. Die gesamten Einnahmen von All That’s Left Is Love gehen dabei an eine Organisation, die – ähnlich wie die Archen in Deutschland – den Kindern in den USA eine warme Mahlzeit gibt, die diese durch Schulschließungen und die Armut der Eltern sonst nicht erhalten hätten. Mit Songs wie diesen haben es Angels & Airwaves geschafft, zu einer der großartigsten Alternative-Bands der letzten 15 Jahre zu werden und zeigen einmal mehr, dass die gebündelte Kreativität so Einiges erreichen kann.

Biffy Clyro - Instant History

Biffy Clyro – Veröffentlichen das Abwegigste

Es ist ein bewusster Bruch, den die Schotten von Biffy Clyro auf der Leadsingle Instant History begehen. Denn mit dem Wissen um die ebenfalls veröffentlichte, zweite Single End Of hört sich Instant History so weich und poppig an, wie man es von den Rockern sonst nicht gewohnt ist. Doch gleichwohl klingt auch End Of deutlich rauer, als das, was man sonst an Veröffentlichungen der Band kennt. Zeitweise erinnert dieser Song viel mehr an die Kanadier von Billy Talent. Doch zurück zu Instant History – das sich durch ein verträumtes Intro, bis hin zu Simon Neils kräftige Stimme aufbaut und schließlich im choralen Refrain aufgeht. Es ist der Song, der sich musikalisch am weitesten entfernt vom kommenden Album befindet und wurde gerade deshalb zur Leadsingle. Denn hier haben Biffy Clyro den größten und knalligsten Pop-Moment ihrer musikalischen Laufbahn veröffentlicht, wie Neil hinzufügt. Für die Veröffentlichung ihres achtes Studioalbum A Celebration of Endings war ursprünglich der 15. Mai angesetzt. Doch auch hier greift die weltweite Pandemie um das Corona-Virus immer weiter in den Alltag ein. So hat die Band gestern entschieden, die Veröffentlichung auf den 14. August zu verschieben, da sie hier eine größere Chance sieht, das Album mit der dazugehörigen Tour zu unterstreichen und auf Promo-Tour gehen können. Als Kommentar fügt Neil schließlich hinzu, dass es in dem Song darum geht, aus Fehlern zu lernen. Doch vielmehr passt ein Randsatz zu der allgegenwärtigen Situation und lässt Instant History damit noch viel deutlicher hervorstechen: Lasst uns ohne Angst an die Sache herangehen.