Haiku Hands feat. Sofi Tukker - Fashion Model Art

Haiku Hands feat. Sofi Tukker – Tanzen, bis wir wieder vereint sind

Vor knapp zwei Jahren hatten Haiku Hands mit Squat einen so massiven Dancesong veröffentlicht, dass man sich gewünscht hatte, dieses Trio schnellstmöglich auf den großen Bühnen weltweit zu erleben. Doch schien die Zeit noch nicht gekommen und so spielten sich die Schwestern Claire und Mie Nakazawa sowie Beatrice Lewis die Finger wund, um ihre Fanbase aufzubauen. Als Support-Act von Bands wie Sofi Tukker fanden sie schließlich ein passendes Publikum – sind die Sounds und Songs des US-Amerikanischen Duos doch ähnlich aufgebaut und begeistern mit einem ähnlich treibenden Beat. Mit ihrer neuesten Single Fashion Model Art besiegeln sie nun den Hype und bringen zusammen mit Sofi Tukker einen Song in Umlauf, der sich demnächst auf wohl so einigen Catwalks oder Vernissagen wiederfinden wird. Und das, obwohl der Song gerade diese Events so ironisch aufs Korn nimmt. So besuchte die Band vor einiger Zeit die Sydney Biennale – ein internationales Festival für Contemporary Art – und machte sich über das Getue auf Veranstaltungen wie dieser lustig.

Haiku Hands

Haiku Hands

So entstand im Zug – auf dem Weg nach Hause – der Singsang Fashion Fashion, Model Model, Art Art Art, den sie den Rest der Fahrt immer wieder laut durch den Zug riefen. Mit der passenden Attitüde angereichert ist Fashion Model Art ein pumpender Dancetrack, der sich mit Hilfe von Sofi Tukker ganz genau dort platziert, wo sich die Mädels selbst sehen – auf den Tanzflächen dieser Welt. Mit simplen Beats und aufmüpfigen Texten stehen Haiku Hands nun auch kurz davor, ihr Debütalbum Haiku Hands zu veröffentlichen – welches am 11. September in die Plattenläden kommt. Auch hier hat die Pandemie und der Lockdown dafür gesorgt, dass sich einiges in der Planung geändert hat. So veröffentlichen Haiku Hands ihr erstes Album nun ohne dieses mit Liveperformances promoten zu können. Sind die ersten neuen Konzerte für Januar 2021 angesetzt, versucht das Trio gerade alles, um die Fans zu erreichen und veröffentlicht Livestream-Konzerte. Mit Fashion Model Art haben Haiku Hands einen enormen Ohrwurm veröffentlicht, der sich mit Sicherheit auf kommenden Fashion-Shows wiederfinden wird.

Seeed - Hale-Bopp

Seeed – Überbrücken mit Summervibe

Für einen kurzen Moment kommt nochmal der Vibe der Wonderful Life Coverversion von Seeed auf – hört man sich den neuen Song der Berliner Band an. Mit einem entspannten Reggaebeat lassen Seeed die Liebe in den Vordergrund rücken. Dabei steht der Song nicht ausschließlich für eine Zweierbeziehung, sondern umfasst vielmehr auch die Beziehungen zu ihren Fans. Dass diese Beziehung gerade mehr denn je im Vordergrund steht, zeigt die – mittlerweile hinfällige – Planung für diesen Sommer. Denn hier wollten Seeed für ein absolutes Novum sorgen. Mit insgesamt acht Terminen – fünf in der Wuhlheide und drei in der Waldbühne – hätte die Band vom 11. bis 16. August und vom 17. bis 19. September insgesamt vor 150.000 Menschen gespielt. Dass sich die Band dabei nicht für zwei Tage im Olympiastadion entschied, ist wohl der intimeren Umgebung der beiden Bühnen – die von Wäldern umgeben sind – zu verdanken. Erst im Oktober vergangenen Jahres veröffentlichten Peter Fox, Dellé und die anderen Jungs der Band mit BAM BAM ihr fünftes Studioalbum, das bis auf Platz 2 der deutschen Albumcharts stieg.

Seeed

Seeed

So überrascht es einerseits, dass Seeed nach so kurzer Zeit mit Hale-Bopp bereits einen neuen Song veröffentlichen, anderseits aber auch klarmachen, dass sie ihre Fans – trotz der, durch die Pandemie, verschobenen Berliner Rekordauftritte – nicht vergessen haben. Kommt die Veröffentlichung von Hale-Bopp doch genau zu dem Zeitpunkt, zu dem diese Konzertreihe eigentlich stattfinden sollte. Nachdem die BAM BAM-Singleauskopplungen Ticket und Lass Sie Gehn gerade erst ein Jahr alt sind, lassen die Jungs auf Hale-Bopp wieder frischen und sommerlichen Sound durch die Lautsprecher tönen. Ob in der Yaam-Strandbar, dem Sage Beach oder ganz entspannt an einem der vielen Uferwiesen entlang der Spree und des Landwehrkanals – Hale-Bopp rettet uns durch den Sommer mit einer gehörigen Ladung Summerfeeling. Die Open-Air-Konzerte sind mittlerweile alle auf den Juli und August 2021 verlegt und behalten den intimen Rahmen der Waldbühne und Wuhlheide. Hale-Bopp verkürzt uns die Zeit bis dahin indes ein wenig.

The Coronas - Light Me Up

The Coronas – Wenn ein Jahr die Veränderung bringt

Es ist eine verrückte Zeit für die irische Band The Coronas. Noch im Mai 2019 hatten sie mit Find The Water die erste Single ihres kommenden, sechsten Albums True Love Waits veröffentlicht. Dann gab die Band mitten in der Vorweihnachtszeit plötzlich die Trennung von Gitarristen Dave McPhillips bekannt – der sich auf eigenen Wunsch aus der Band zurückzog. Was zur Folge hatte, dass sich die Band neu strukturieren musste – wer übernimmt den Part McPhillips und wie wird sich das auf die Band auswirken? Im Januar veröffentlichte die – nun zu einem Trio zusammengeschrumpfte – Band mit Haunted schließlich die zweite Single. Plötzlich, nur sechs Wochen später, folgte der nächste Schock. Denn auch in Irland hatte die Pandemie so große Auswirkungen, dass die Band ihre Promotion-Tour für das kommende Album absagen musste – immerhin eine der größten in der Geschichte der Band, mit Gigs in den USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz. Selbst ein eigenes Festival wurde für das Release-Wochenende unter dem Namen Nowhere We’d Rather Be angekündigt und sollte Acts, wie Tom Walker, Gabrielle Aplin, Hudson Taylor und natürlich The Coronas auf der Bühne performen sehen. Auch hier musste die Band den Fans leider mitteilen, dass das Festival nicht stattfinden wird und The Coronas nun ihr neues Studioalbum ohne große Promotion am kommenden Freitag veröffentlichen wird.

The Coronas

The Coronas

Doch The Coronas werden nicht müde – so hat die Band schließlich doch noch eine kreative Lösung für eine Promo-Tour gefunden und fährt ab kommenden Donnerstag bis einschließlich Montag mit einem Eiscremewagen durch das Land mit Stops in Cork, Limerick, Waterford, Galway, Kilkenny und Dublin. Dabei gibt es nicht nur Eiscreme, sondern auch das neue Album zu kaufen. Mit dieser Ankündigung haben der Sänger Danny O’Reilly, Drummer Conor Egan und Bassist Graham Knox gleichzeitig eine neue Version ihrer neuesten Single Light Me Up – veröffentlicht, welche die Band zusammen mit Cian, vom irischen Newcomer-Trio True Tides eingespielt hat. Dabei dürfte den irischen Konzertgängern das Trio True Tides – bestehend aus drei Brüdern – durch die Dubliner Konzerte von The Coronas bekannt sein, spielte die Band doch hier als Support. Mit dem emotionalen Light Me Up haben The Coronas nochmals und kurz vor dem Release des Albums eine Single veröffentlicht, die sich an die ganz großen Momente anschmiegt und einmal mehr zeigt, wie eindrucksvoll die Musik der Dubliner Band ist. Wird das Album True Love Waits an diesem Freitag in Irland veröffentlicht, müssen wir international noch eine Woche warten, bis es auch in anderen Ländern verfügbar sein wird. Bis dahin freuen wir uns über großartigen Rocksound, der schon fast zum Stadionrock gezählt werden kann.

Paul Kalkbrenner - Parachute

Paul Kalkbrenner – Von der Melancholie geschlossener Clubs

Es ist ein toughes Jahr für DJs weltweit. Denn wer seine Fans finden möchte, muss auf digitale Sets umstellen. Nach wie vor sind die meisten Clubs weltweit geschlossen und stehen die Zeichen nicht gut für eine baldige Wiedereröffnung. So haben DJs in den vergangenen Monaten nicht nur Livesets via Facebook-Live Sessions online gestellt, sondern sind für United We Stream auch wieder an die Turntables der Clubs zurückgekehrt und waren sowohl online, als auch auf dem Kultursender ARTE zu sehen. Doch trotz dieser Möglichkeiten bleibt es immer noch dabei, dass eigene Sets vor Menschen weiterhin nicht möglich sind. Deshalb wird erwartet, dass sich in den kommenden Monaten viele Songproduktionen auf diese Zeit beziehen und auch verstärkt Einfluss auf das Songwriting nehmen werden. Mit dem nun veröffentlichten Song Parachute vom Berliner Elektro-Produzenten Paul Kalkbrenner bekommen wir einen ersten Eindruck davon, was alles noch kommen kann. Am Samstag erstmalig auf der digitalen Version des Tomorrowland Festivals präsentiert, ist Parachute eine melancholische Hymne auf bessere Zeiten. Bei diesem Auftritt konnte man Kalkbrenner aus dem Gesicht lesen, wie sehr es ihn erfüllte, wieder aufzulegen und seine Fans zu erreichen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Song, der sich weniger stark in den Vordergrund drängt und mit einem Vibe überzeugt, der sich im Tonfall eher an Kalkbrenners großen Song Cloud Rider orientiert, als an den Sound seiner letzten Veröffentlichungen, wie No Goodbye.

Paul Kalkbrenner by: Studio Olaf Heine

Paul Kalkbrenner by: Studio Olaf Heine

Zusammen mit Joe Cleere und Neil Ormandy – die für das Songwriting verantwortlich waren und bereits Songs für P!nk, Dotan, Aloe Blacc, James Arthur oder Kodaline geschrieben haben – klingt Parachute nach einem letzten Blick zurück. Zurück in einen leeren Raum, den man sich voller Menschen vorstellt, die zu euphorischen Beats tanzen und den Moment der Nacht genießen. Dabei blitzen Episoden aus vergangener Zeit auf und lassen das Gefühl der Freude aufkeimen, ehe sich mit dem Abklingen des Gesangs, die Türen schließen und der Raum auf unbestimmte Zeit verstummt. Wäre die Pandemie-Situation der Clubs ein Film, würde Parachute der Soundtrack dazu sein und zeigt, wie universell Musik interpretiert werden kann. Paul Kalkbrenner – der Ende 2019 in einem Statement davon sprach, kein weiteres Album mehr zu veröffentlichen, da das Format Album nicht mehr zeitgemäß sei – dürfte zumindest bei Sony Music International für Aufregung gesorgt haben, steht er hier doch seit 2015 unter Vertrag und landete gleich mit seiner ersten Veröffentlichung unter dem Hause Sony mit dem Album 7 auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Parachute macht Lust auf mehr und lässt die Hoffnung nicht abflauen, in Zukunft doch noch ein Album des älteren Bruders von Fritz Kalkbrenner in den Händen halten zu können.

Mando Diao - All The People EP

Mando Diao – Neue EP als Überraschung-Release

20 Jahre spielen sie nun schon zusammen. Über 1.500 Konzerte haben sie gegeben und 30 Nationen besucht – dabei stehen die Schweden von Mando Diao nich gerade für einen Mainstreamsound. Mit ihrem gitarrenlastigen Alternative-Rock haben sie es in den vergangenen zwei Dekaden geschafft zehn Alben zu veröffentlichen und stehen kreativ immer noch ganz hoch im Kurs. Nach ihrem fulminanten 2009er Album Give Me Fire – mit dem sie vor allem in Deutschland und durch die Single Dance With Somebody ihre höchsten Chartsplatzierungen feiern konnten – kam es immer häufiger zu Zerwürfnissen innerhalb der Band. Doch diese bedeuteten auch immer wieder neue kreative Einflüsse. So kam 2012 mit Infruset ihr erstes schwedischsprachige Album raus, mit dem sie gleich vier Mal Platin holten und dieses Album zum erfolgreichsten der Band in ihrem Heimatland wurde. Nach den drei weiteren englischsprachigen Alben Ælita (2014), Good Times (2017) und Bang (2019), der Zusammenarbeit mit Klangkarussell auf Jericho und dem Soloausflug des Frontmanns Björn Dixgård auf Wankelmuts I Keep Calling folgte Anfang dieses Jahres mit I Soldnedgången abermals ein Album in ihrer Muttersprache. Damit sollte es durch einen heißen Festivalsommer gehen, doch stehen seit der Pandemie alle Ampeln für Konzerte und Festivals auf rot.

Mando Diao Photo by: Gustaf Elias

Mando Diao Photo by: Gustaf Elias

Nun haben Dixgård und der Rest der Band die Zeit des Lockdowns genutzt und mit All The People eine Überraschungs-EP veröffentlicht. Diese setzt sich aus den fünf Songs All The PeopleHippie SonMagic KissFly To Me und Queen Mary zusammen und verfolgt den Sound der früheren Mando Diao Alben Mitte der 2000er. Es sind Songs, die zurück zum puren Gitarrensound der Band gehen und einen ebenso souligen, wie rockigen Touch besitzen. Auf ihrer Leadsingle All The People präsentieren sie diesen Mix wunderbar und möchten diesen Song gleichzeitig als Widmung an all die Fans verstanden wissen, die seit 20 Jahren dabei sind und sie durch jeden Sommer begleiten. Gleichzeitig kommen auf der EP auch ruhigere Töne zum Vorschein, wie uns Magic Kiss zeigt, der einen Hauch von Psychedelic Rock-Elementen besitzt. Zum Ende der EP wird es mit Queen Mary dann nochmal ganz romantisch. Hier zeigen uns die Schweden, dass ihnen die Natur am Herzen liegt und es die Erde zu schützen gilt. Dabei singen sie sich in einem 1A-Countrysong durch die Strophen und lassen ein wenig Fernweh aufkommen. Die EP All The People ist in jeglicher Hinsicht eine Überraschungsveröffentlichung und zeigt, dass kreative Höhepunkte nichts mit dem Alter einer Band zu tun haben müssen.

Alanis Morissette - Reckoning

Alanis Morissette – Den Dämonen entgegentreten

Alanis Morissette hat uns in den vergangenen Monaten bereits mit den drei Singleveröffentlichungen Reasons I DrinkSmiling und Diagnosis einen ersten Vorgeschmack darauf gegeben, wonach sich das neue und mittlerweile neunte Studioalbum Such Pretty Forks In The Road anhören wird. Dabei ist die Sängerin in den vergangenen acht Jahren – seitdem ihr letztes Studioalbum Havoc & Bright Lights 2012 erschienen ist – durch so einige Aufs und Abs gegangen. Angefangen von der Alkoholsucht, welche die Kanadierin auf Reasons I Drink thematisiert, über Smiling in dem sie den Druck – den sie als Mutter in ihrem Alltag verspürt – behandelt, bis hin zu Diagnosis, bei dem sie über die Stigmatisierung von psychischen Krankheiten, wie Depressionen singt, sind alle Songs von einem starken persönlichen Bild Morissettes geprägt. Viele davon speisen sich aus der eigenen Erfahrung der Sängerin.

Alanis Morissette

Alanis Morissette

Während es nach der Albumverschiebung vom 1. Mai auf den 31. Juli nun nur noch zwei Wochen sind, bis wir das neue Album der Sängerin in den Händen halten können, veröffentlicht Morissette mit Reckoning nochmals eine Single, die sich – im Gegensatz zu den vorherigen Singles, die sich trotz der ernsten Themen deutlich freundlicher anhörten –  durch einen dunklen, monumentalen Sound auszeichnet. Hier wird der behutsame Einsatz von Klavier, Schlagzeug und Streichern zum Orchester der Melancholie und lassen Reckoning opulent und dramatisch klingen. Mit insgesamt elf Songs und Titeln, wie Sandbox LovePedestalNemesis oder Ablaze zeichnet Morissette ein immer größeres Bild ihrer kommenden Platte und scheint sich fast schon in einer Art Rundumschlag einer musikalischen Biografie zu befinden. Zuletzt hatte die Pandemie der Sängerin einen Strich durch die Rechnung mit den Konzerten zum 25-jährigen Jubiläum ihres Erfolgsalbums Jagged Little Pill gemacht. Hier hatte die Kanadierin erst Ende Juni eine Special Edition mit den Liveaufnahmen aus dem Londoner O2 Shepherd’s Bush Empire veröffentlicht. Nun können die Fans mit Such Pretty Forks In The Road erstmals seit acht Jahren wieder einen Morissette-Longplayer in den Händen halten und dürfte Reckoning die Freude darauf nochmals gesteigert haben.

Ela Minus - they told us it was hard, but they were wrong.

Ela Minus – Tiefer Sound für die Nacht

Es beginnt mit tiefen Synthies und einem hauchenden Gesang und baut sich innerhalb der kommenden 4:44 Minuten zu einem dunklen, treibenden Song auf, der von verborgenen Partys in dunklen und feuchten Kellern handeln könnte. Dabei hat Ela Minus – wie sich Gabriela Jimeno als Musikerin nennt – über die vergangenen Jahre immer größere Schritte unternommen, um erfolgreich Musik machen zu können. Mit neun Jahren am Klavier begonnen, zog es die in Bogotá, Kolumbien geborene Musikerin schnell ans Schlagzeug und in die Punk-Band Ratón Pérezin. Damals vor allem durch die Musik von Metallica und Pantera geprägt, wuchs die heute 30 jährige Musikerin eher mit harten Sounds auf – dies spiegelt sich auch in Ela Minus‘ heutiger Musik wieder. Dabei erlebte die ehemalige Punkrockerin in den 2000ern eine wahre Evolution der Rockmusik, die wir alle nur zu gut kennen. Waren es Anfang der 2000er noch die großen Acts aus den USA und Großbritannien, die mit ihren Gitarren für einen Hit nach dem anderen sorgten, floßen zunehmend elektronische Elemente in ihre Musik ein. Heute bilden so gut wie alle großen Bands einen Mix aus Rock und elektronischer Musik ab.

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

2008 zog Ela Minus schließlich nach Boston in Massachusetts, USA um an dem Berklee College of Music zu studieren. Hier studierte sie die beiden Fächer Drum Set Performance und Music Synthesis und schloß diese beiden erfolgreich 2013 ab. Direkt im Anschluss ging es für die Musikerin nach New York, wo sie seitdem in Brooklyn lebt. Mit ihrer 2019er Debüt-EP Adapt. zeigte sie bereits, dass sich ihre Musik komplett vom Schlagzeug gelöst hat und als Hauptinstrument die Synthies einsetzt. Mit ihrer neuen Single they told us it was hard, but they were wrong. setzt sie nach gefeierten Auftritten auf dem Sónar Bogotá 2017, dem Lollapalooza Argentina 2018 sowie geplanten – doch wegen der Pandemie abgesagten – Auftritten auf dem diesjährigen Primavera Sound Festival in Barcelona und dem Coachella Festival ein neues Ausrufezeichen. Denn einhergehend mit der Veröffentlichung von they told us it was hard, but they were wrong. geht auch die Mitteilung über einen Plattenvertrag bei Domino Records raus – bei denen auch Bands wie Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Austra, Georgia oder Hot Chip unter Vertrag stehen. they told us it was hard, but they were wrong. ist eine fluoreszierende Elektrohymne auf das eigen Vertrauen in sich, Dinge zu tun, von denen das Umfeld immer sagt, dass diese nicht möglich seien. Es ist aber auch eine Hymne an die Nacht. Nicht auf der Tanzfläche, sondern viel mehr an das Umherirren in den verworrenen Gängen der Clubs oder dem Rennen durch die Nacht einer Großstadt, bei dem die Straßenlichter für ein wiederkehrendes Lichtspiel im Gesicht sorgen. Ela Minus klingt geheimnisvoll, rau und treibend zu gleich und hat mit ihrer neuesten Veröffentlichung einmal mehr gezeigt, wie großartig der Einfluss von Punk- auf die elektronische Musik sein kann.

Møme, Ricky Ducati - Got It Made

MØME feat. Ricky Ducati – Wenn die Disco zu Dir kommt

Er ist mit neuem Material zurück! Hat der Franzose Jérémy Souillart unter seinem Musik Alter-Ego MØME in den letzten beiden Jahren vor allem die Trilogie Møment I, Møment II (beide 2018) und Møment III (2019) veröffentlicht, ist es sein unverwechselbarer Discosound, der MØME auf jeder Tanzfläche zum Hit werden lässt. Zusammen mit Ricky Ducati veröffentlicht MØME nun abermals einen Song, in dem der kalifornische Sänger mit seiner hohen Stimme glänzen kann. Dabei klingt Ducati auf Got It Made fast schon einem der Bee Gees Brüder zum verwechseln ähnlich. Mit einem hervorstechenden Bassbeat und dem hallenden Gesang Ducatis wird Got It Made zum Ausreißer in die 70er Jahre und lässt uns an die Bilder aus Saturday Night Fever denken. Dabei können wir auf noch deutlich mehr Musik der beiden hoffen, hat MØME doch ein Album angekündigt, welches er zusammen mit Ducati aufgenommen hat, Flashback FM heissen und voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinen wird. Mit der geballten Ladung French House, Elektro, Disco, Synthie und Funk bereitet uns der Franzose mit Got It Made also auf eine satte Ladung Discotunes vor. Zusammen mit dem passenden Musikvideo haben MØME und Ducati eine kleine Zeitreise gewagt, erklärt der Franzose. Wir stellten uns ‚Got It Made‘ als eine Zeitreise in die 70er/80er Jahre von Los Angeles vor, die von einem imaginären Pop-Radiosender stammt – wir hätten Kalifornien zu dieser Zeit wirklich gerne kennengelernt. Wir wollten, dass das Video eine visuelle Interpretation davon ist. Dies ist den beiden gelungen und zeigt gleichzeitig, dass sich MØME für dieses Projekt deutlich persönlicher präsentiert. Hier klingt der Song nicht mehr nur nach einem Sommerhit, sondern gleichzeitig auch noch stärker nach einem Charakter, als wir es von seinen vorherigen Songs gewohnt sind. Mit Got It Made dürfte MØME zusammen mit Ducati für einen heißen Sommer sorgen, der bedingt durch die Pandemie aus unseren Wohnzimmern eine Disco werden lässt.

San Cisco - On The Line

San Cisco – Mit frischer Musik dem Lockdown ade sagen

Die australische Band San Cisco ist äußerst umtriebig. Scheint es doch, als würde die Band ununterbrochen neue Musik veröffentlichen. Doch, auch wenn seit ihrem Debütalbum San Cisco (2012) mit Gracetown (2015) und The Water (2017) erst zwei weitere Alben folgten, hat die – mittlerweile zum Trio zusammengeschrumpfte – Band auch durch ihre EPs Golden Revolver (2011), Awkward (2012) und Flaws (2020) für einen ständigen Output gesorgt. Dabei zeigen die Singles aus den Alben von Gracetown (Run), The Water (SloMo) und der letzten EP Flaws (Reasons) die volle Bandbreite der Band. Ob mit Indie-Beats voller Synthies oder treibenden Folksongs – San Cisco sorgen dafür, dass wir mitsingen und -tanzen können. Nun haben Scarlett Stevens (Schlagzeug), Joshua Biondilla (Gitarre) und Leadsinger Jordi Davieson mit On The Line die erste Single des kommenden, vierten Studioalbums veröffentlicht. Dabei zeigt sich einmal mehr, wie sich das Trio förmlich die Gesangsparts untereinander aufteilt und dadurch eine fast schon lockere Konversation entstehen lässt. Gleichzeitig besingen San Cisco auf On The Line die Tücken einer Liebe und den daraus entstehenden Aufs und Abs. So sagt Davieson über die neue Single: Wo ziehst Du die Grenzen? Wann ziehst Du den Stecker? Woher weisst Du, ob es den Aufwand wert ist? Hebst Du die Scherben auf und fängst was Neues an? Oder hältst Du durch für eine weitere Runde Romantik? Das Spiel der Liebe ist nie leicht zu spielen. Dabei könnte der Sound nicht weiter weg vom Songtext sein. Mit Sätzen, wie too broken too fix. But you don’t wanna give up on this … Could you love me. One more time? und dem lockeren, frischen Sound haben sich San Cisco ein regelrechtes Markenzeichen geschaffen – ist doch der Großteil ihrer Songs so aufgebaut. Mit lockeren Gitarren, den lässigen Gesangsparts der Drei und dem unglaublich eingängigen Refrain bohren sich die Australier in den Kopf und drehen dabei lustig ihre Runden, bis wir dem Song gänzlich verfallen sind. In ihrem dazugehörigen Musikvideo trafen die Drei das erste Mal, nach Monaten des Brot backens oder endlosen daddelns – und dem von der Pandemie bedingten Social Distancing – wieder aufeinander und waren sichtlich erfreut, wieder zusammen zu musizieren. On The Line ist der perfekte Song, um sich das erste Mal wieder mit Freunden – wie im Video zu sehen mit 1,50 Meter Abstand – zu treffen und gemeinsam den Frühling und Sommer zu genießen. Hat die Band eine baldige Veröffentlichung des neuen Albums angekündigt, sollen sich auch alle vier Songs der – im Frühjahr veröffentlichten – EP Flaws auf dem neuen Album wiederfinden.

Myd - Together We Stand

Myd – Schräg, weird, bizarre

Es sind drei Worte, die den französischen Produzenten Myd – alias Quentin Lepoutre – in verschiedenen Sprachen wohl am besten beschreiben. Denn ob auf Deutsch, Englisch oder Französisch – alle drei Worte drücken den gleichen Eindruck aus, den man bekommt, wenn man sich zum ersten Mal das Musikvideo seines neuen Songs We Stand Together anguckt. Dabei ist Myd bereits seit einigen Jahren bekannt dafür, mit Schnauzer, 80er-Jahre-Pornobrille und verrückten Auftritten zu brillieren. Vor 10 Jahren als Teil der französischen Band Club Cheval ins Rampenlicht gerückt, veröffentlichten sie ihr Debütalbum Discipline 2016 auf dem Bromance Records Label. Als dieses schließlich aufgelöst wurde, machte sich Myd mit Remixen und als Produzent einen immer größeren Namen und produzierte unter anderem für Theophilus London, Brodinski und Slim Thug. Remixe steuerte er zu Songs von Yelle und Two Door Cinema Club bei. Während all dieser Jobs schaffte es der Musiker zusätzlich, in den 2010er Jahren satte fünf EPs zu veröffentlichen. Nun ist es an der Zeit für ein Debütalbum, welches Myd auch gleich mit der neuen Single Together We Stand ankündigt. Dabei passt der Titel nur zufällig zu der aktuellen Zeit – ist er doch deutlich vor der Pandemie entstanden. Mit Together We Stand veröffentlicht Myd einen French House Track, der nicht besser zum Ed Banger Label passen könnte. Denn unter diesem Label befinden sich neben Myd auch die Größen, wie Justice, Cassius, Mr. Oizo, Riton und bis zu seinem Ableben auch DJ Mehdi. Dazwischen sieht Myd wie der nerdige Praktikant unter den Stars aus – macht aber mit seiner Musik so viel Dampf, dass man nicht anders kann, als dazu zu tanzen. Nicht ohne ein verschmitztes Lächeln beschreibt Myd We Stand Together dann auch als den Track, zu dem alle auf der Tanzfläche tanzen und überhaupt, Mädchen sind wunderschön. Doch da er das Gefühl hatte, dies nicht so plakativ sagen zu können, ohne damit äußerst plump rüberzukommen, hat er sich die Metapher ausgesucht, eine Gesellschaft zu beschreiben. We Stand Together zeigt, wie dies zu verstehen ist und begeistert mit einem satten, sommerlichen Housebeat, der von einem amüsanten Musikvideo begleitet wird und an großartige Künstler, wie Dirty Vegas, Modjo oder Dax Riders erinnert.