HVOB – Tiefe elektronische Melancholie

HVOB – das ist das österreichische Produzenten-Duo um Anna Müller und Paul Wallner. Haben sie sich 2012 zu HVOB zusammengetan, wurde ihnen schon 2013 mit der melancholisch treibenden Coverversion Always Like This, der britischen Band Bombay Bicycle Club, eine große Aufmerksamkeit zu Teil. Über die nachfolgenden Jahre schaffte es das Duo mit Songs wie MoonCool Melt oder Clap Eyes enormes Interesse auf sich zu lenken. So listete selbst das Billboard Magazin aus den USA das Wiener Duo in seiner Rubrik Next Big Sound unter den Top-15 für 2013. Dass die beiden zu Recht dafür nominiert wurden, zeigt der neue Song 2nd World eindrucksvoll. Dieser ist eine herrlich reduzierte Elektronik-Ballade. Geizt 2nd World zwar mit Lyrics und großen Gesten – lässt der Song aber gerade durch diese minimalistische Produktion eine wunderbar Dreampop angehauchte Stimmung aufkeimen und ehe man sich versieht, ist man im Strudel der Musik gefangen und bricht der Song auf. HVOB machen eine völlig eigenständige Musik und überlassen das Genre einordnen anderen.

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NEØV – Sphärischer Indierock

Vor zehn Jahren gegründet, hat das finnische Trio NEØV bereits einige Turbulenzen durchlaufen – stehen bereits drei Bandmitglieder-Abgänge auf ihrem Lebenslauf und auch der ein oder andere Wechsel der Plattenfirma. Dass sie allerdings eine Idee verfolgen, kann man nicht zuletzt dadurch sehen, dass die Band in Finnland mit Gramofon Fest ihr eigenes Festival organisiert. Dieses ist geprägt von Musik der einzelnen Jahrzehnte und umspannt Songs aus den 60ern bis in die 90er. Im Juni dieses Jahres zum Hamburger Label Clouds Hill gewechselt, veröffentlichen die drei nun mit Elysion eine sphärische Indienummer, die mit Dreampop-Elementen und einem choralen Refrain überzeugt und einen satten Fußabdruck in der hiesigen Indielandschaft hinterläßt. Zeit wird es für die Jungs, den großen Durchbruch zu feiern – haben sie für 2019 ihr drittes Album Volant angekündigt und werden seit ihrem Debütalbum Orange Morning aus dem Jahr 2012 von Magazinen, wie dem Q-Magazine oder dem Rolling Stone hochgelobt und als das nächste, große Ding aus Finnland betitelt. Mit Elysion kommen sie diesem Ziel einen großen Schritt näher.

Like Elephants – M83 oder doch Indie 2.0?!

Bereits vor zwei Jahren hatten Like Elephants aus Österreich mit ihrem Debütalbum Oneironaut alle Liebhaber von 80er Jahre Synthies und M83 aufhorchen lassen. Mit ihrer neuen Platte Kaleidoscope, die Mitte September erscheinen wird, haben Frontsänger Viktor Koch, Gitarrist Martin Wührer, Bassist Roland Gugerbauer und Schlagzeuger Christian Luger ein Stück Musik produziert, bei welchem man sich fragt, woher die Band dieses Gefühl von Weite entwickeln konnte. Bietet ihr Heimatort Grieskirchen doch gerade einmal 5.000 Einwohner und haben Like Elephants somit bereits mehr als den halben Ort dazu bekommen, sie auf Facebook zu liken. Mit der Single Video Game setzen die Jungs nun auch zum Sprung an, in Europa Fans zu gewinnen. Dabei dürfte ihnen die Ähnlichkeit zur französischen Band M83, rund um Anthony Gonzalez, deutlich behilflich sein und ihnen einen ordentlichen Popularitätsschub geben. Lässt man diesen Aspekt einmal beiseite, besticht Video Game durch viel Synthie, einem Gesang, der in Dream-Pop abdriftet und jeder Menge Euphorie und präsentiert sich so als heißer Anwärter für eine Genieße-das-Leben Hymne.

Anna Of The North – Mit 80er Dreampop an die Spitze

Hinter Anna Of The North steckt die 28-jährige Anna Lotterud aus Oslo, die bereits 2014 mit ihrem Internet-Hit Sway auf sich aufmerksam machte. 2017 dürfte dann das Sprungbrett für ihr Debütalbum Lovers gewesen sein. Hatte sie im Vorfeld bereits durch Kollaborationen mit Künstlern wie Tyler the Creator und dem Song 911/Mr. Lonely oder Vessels We Had A Love auf sich aufmerksam gemacht, schwappt jetzt ihre Single Someone immer mehr an die Oberfläche der Radiostationen weltweit. Dabei spielen die 80er Jahre hier eine sehr große Rolle. Ist Someone, mit seinem starken 80er-Jahre Synthiebeat und einem angehauchten Dreampop-Vibe, doch so sanft und schwimmt regelrecht in unsere Ohren. Dabei singt Anna Of The North so weich und zuckersüß, dass man sich an einen Kindheitstraum erinnert fühlt. Diese Musik, die als Kind von nichts als positiven Gefühlen durchzogen war, stellt Anna Of The North auf Someone in den Vordergrund und wirkt bei Sätzen, wie: I’m only human, baby sometimes I act a little crazy unbefangen und rein.

Zoe Durrant – Ein Traum von einem Song

Stellt Euch vor; ihr wart Teil einer schwedischen Band. Habt somit als Little Majorette Musik veröffentlicht, euch auf eine Auszeit geeinigt und macht nun solo Musik – und booom, findet ihr euch im Soundtrack einer Grey’s Anatomy Episode wieder. So geschehen mit Zoe Durrant, die mit ihrem Song Bridge in Episode elf der 13. Staffel zu hören war. Diese wurde Anfang 2017 in den USA ausgestrahlt und hat ihr nicht wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen. Dass ihr Facebookprofil dennoch nur etwas mehr als 200 Likes anzeigt, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass am Tag der Ausstrahlung, der 2. Februar 2017, noch kein eigenes Facebookprofil der Sängerin existierte – welches sie erst vier Tage später eröffnete. Doch ebenfalls in dieser Woche im Februar veröffentlichte Durrant die 4-Song-EP Island, die Bridge enthält. Nun, knapp neun Monate später kriecht der Song auch weltweit in die Köpfe vieler Musikliebhaber. Dabei ist Bridge ein Song, der eine Blase zu sein scheint. Abgeschirmt vom Trubel der Welt und Post-Apokalyptisch klingend, schwellt Bridge mit einem hypnotisierenden Sound, der vom ehemaligen Little Majorette-Bandkollegen Petter Winnberg produziert wurde, und lässt Zoe’s Gesang fast in Dream-Pop übergehen. Aus Großbritannien kommend, suchte sich Durrant vor zehn Jahren in Schweden einen Ort aus, um musikalisch Erfolg zu haben. 2017 ist ihr dies gelungen und wir hoffen, dass die EP Island nicht das Einzige sein wird, was wir von der Sängerin musikalisch hören werden.

Postiljonen – Skandinarviens Dreampoptrio ist zurück!

Postiljonen – Crazy

Mit Euphorie, schwelgenden Beats und einer hauchenden Frontsängerin Mia Brox Bøe hatten Postiljonen vor zwei Jahren mit ihrem Song Go direkt ins Schwarze getroffen. Nicht zuletzt, da ihr Sound eine regelrechte Soundgrandiosität übermittelt. Da kommen Saxophone genauso vor, wie pumpende Beats und Synthies. Nachdem das Trio Bøe, Joel Nostrum Holm und Daniel Sjörs Ende 2015 mit Reverie ihr zweites Album veröffentlicht wurde es ruhig um sie. Widmeten sie sich doch Soloprojekten oder zehrten vom Erlebten des zweiten Albums. Dies musste kompensiert werden und mündet in einer neuen Single. Dabei klingt Crazy einmal mehr nach fabelhaften Dreampop, der in Soundwellen zu einem kommt. Hier treffen Synthies auf schnelle Beats und einem sehnsuchtsvollen Gesang Bøes. Dabei singt Bøe mal verführerisch naiv, mal traurig und verzweifelt und spiegelt Crazy das Gefühl wieder, dass das Trio in den vergangenen Monaten erleben durfte. Abschließend endet Crazy schließlich in einem weichen ausfaden. Dass Postiljonen mit Crazy ihr drittes Album vorbereiten und dennoch nicht auf den Zug der Dreampop-Bands wie Beach House und M83 aufgestiegen sind erstaunt. Das Zeug dazu liefern die drei auf jeden Fall seit Jahren.

San Jua – Nach der Ruhe kommt der Sturm

San Jua – Break You Fall

Vor einem Monat konntet Ihr hier auf SOML die erste Single des Duos San Jua hören. Mit Laid To Waste verzauberten sie uns und trugen uns mit ihrem sphärischen Sound in eine Traumwelt. Jetzt sind San Jua mit ihrem zweiten Song zurück und präsentieren darauf eine weitere Facette der Band. Mit Break Your Fall tauschen sie die Stille des ersten Songs gegen eine hauchende Hymne ein. Dabei beginnt Break Your Fall, wie der Vorgänger auch – ruhig und sensibel – um sich schließlich zu einer satten Dreampop-Nummer aufzubauen, die hier und da nach Größen wie Sarah McLachlan klingt. In den vergangenen 18 Monaten haben die beiden Musiker von San Jua an diesem Sound gearbeitet und zeigen durch ihre zweite Single, wie vielschichtig ihr Sound ist. Mit einem cinematografischen Outro erinnern San Jua hier an Sci-Fi Filme mit großen Bildern. Nach wie vor, gibt es im Internet nichts über die beiden Bandmitglieder zu finden – halten sie diese Information als zu wichtig zurück und versuchen diese auch so lange wie möglich zu verbergen. Dadurch lenkt nichts vom Sound ab und lässt die Songs für sich sprechen.

Dead Sea – Alles auf Start

Dead Sea - 8.50

Dead Sea – 8.50

Nun endlich haben sie es geschafft! Bereits vor knapp 2 Jahren konntet Ihr hier über den Song Keep It High, der französischen Band Dead Sea lesen. Im Interview mit SOML, zwei Monate später, wurde klar, wie sehr diese Band daran arbeitet, einen Plattenvertrag zu bekommen um richtig loslegen zu können. So haben sie in den letzten zwei Jahren viel Material aufgenommen und zahlreiche Konzerte in Paris gespielt. Nun endlich hat es geklappt und Dead Sea veröffentlichen ihrer erste offizielle Single. Dabei hat sich mit dem Song 8.50 doch vom Sound her so einiges getan. War Keep It High noch ein klarer Dreampop-Song, klingt 8.50 nun deutlich mehr nach Shoegaze und dem dazu typischen, schwelgerischen Rocksound. Dabei singt Frontfrau Caro leicht abwesend und ist von verzerrten Gitarren und einem Hall umgeben, der 8.50 zu einer fast schon heilenden Melodie verhilft. Caro selbst beschreibt diesen Song so und fügt hinzu, dass auch auf 8.50 der Produktionsprozess so ablief, dass der Sound des Songs als erstes feststand und sie dann, von der Melodie inspiriert, einfach drauflos geschrieben hat. Herausgekommen ist ein wunderbarer, jung klingender, Song. Damit hat das Quartett den ersten großen Schritt gemacht und ist der nächste Schritt, mit einem Album, zum Greifen nah. Und so drücken wir ihnen die Daumen und werden Dead Sea im Auge behalten.

Austra – Vom Wunsch einer Utopie

Austra - Utopia

Austra – Utopia

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an den Song Lose It, den die kanadische Band Austra vor fünf Jahren veröffentlichte. Ihr Zusammenspiel aus Synthiepop, Dark Wave, Dreampop und House sorgte für ein komplett neues Genre, aus dem nachfolgend, Bands wie MS MR und Poliça nach oben gespült wurden. Somit kann sich das Quartett aus Toronto sicherlich als einer der Vorreiter dieses Genres feiern lassen. Doch unabhängig davon liefern Austra, dessen Bandname nach dem zweiten Vornamen der Frontsängerin Katie Stelmanis gewählt wurde, seitdem stetig einwandfreien Dreampop ab. Mit ihrem, Ende Januar 2017 erscheinenden, dritten Album Future Politics gehen sie direkt auf die politische Stimmung rund um den Globus ein. Bei einem Interview sagte Stelmanis dazu: „Es geht nicht nur darum, Hoffnung in die Zukunft zu setzen, sondern darum, dass jeder gefordert ist, an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken. Die Grenzen, wie die Zukunft aussehen wird, sind ebenso faszinierend wie endlos. Das hat weniger damit zu tun‚ ’politisch’ zu sein, sondern über Grenzen hinaus zu denken – und das in jedem Bereich.“ Auf Austras nun veröffentlichten Song Utopia behandeln sie dann auch das Thema des Interesses am Mitmenschen. An jenen Mitmenschen, die man sonst nicht wahrnimmt. So singt sie von der Zielstrebigkeit der Menschen ihre Arbeit zu verrichten, doch dabei Menschen, die hilfesuchend umherlaufen, nicht zu registrieren. Klanglich ordnet sich Utopia direkt hinter Lose It ein. Folgt doch auf einem kurzen Dreampop-Intro ein stampfender Bass und der Gesang Stelmanis. Mit der klassisch angehauchten Stimmlage Stelmanis wirkt Utopia dann auch eindringlich und klagend. Austra stehen davor, ihrer Band eine neue musikalische Aufgabe zu geben. Politische Aussagen in einen tanzbaren Mantel zu legen und somit eine größere Masse anzusprechen.

Brett – Washington träumt von Wärme

Brett - Claire Drained

Brett – Claire Drained

Das Washingtoner Quartett Brett hat es geschafft. Mit ihrer Single ‚Claire Drained‘, zum gerade veröffentlichtem Album ‚Mode‘, verbinden sie Synthieklänge mit einem Breitwand-Dreampop und sind wohl so, eine der interessantesten neuen Bands am amerikanischen Independent-Himmel.
Irritiert Frontsänger Mick Coogan mit seiner femininen Stimme, waberd der Sound nur so um Coogan herum und lässt uns dabei in eine Traumwelt eintauchen. Diese Songästhetik klingt gleichzeitig frisch sowie auch retro und sorgt auf jeden Fall dafür, dass man mehr von den Amerikanern hören möchte.