Declan J Donovan - Perfectly Imperfect

Declan J Donovan – Der Weg zu sich selbst

Er ist einer dieser stillen Helden im Musikbusiness. Mit Songs, wie Better und Homesick hatte der Brite, der aus dem südosten Englands kommt 2018 und 2019 zwei so wunderbare, wie einfühlsame Songs veröffentlicht, dass man ihn zu sich auf die Bank bitten wollte, um mit ihm über die Sorgen und Nöte zu sprechen. Seine einfühlsame Stimme, der samfte Singer/Songwriter-Sound und die aufflammend, euphorischen Momente in seinen Songs lässt Donovan zu diesem stillen Helden seiner Fans werden. Der Überraschungshit Pieces sollte seinen Song 2018 schließlich in Deutschland zum Radio-Hit werden lassen und damit ein weitaus größeres Publikum ansprechen, als er es in seinem Heimatland bisher geschafft hat. Momentan befindet sich der Brite in Berlin um an seinen Songs zu arbeiten und lernt dabei nicht nur den Berliner Sommer kennen, sondern gleichzeitig auch sich selbst. Steht die Stadt für Offenheit, Toleranz und hat gleichzeitig eine ordentlich Is-mir-doch-egal-Attitüde findet sich der junge Singer/Songwriter gerade hier so wohl, wie selten zuvor. Das zeigt auch seine neueste Single Perfectly Imperfect, die sich mit der eigenen Unzulänglichkeit auseinandersetzt. Hierbei geht es nicht um das Baden im Mitleid oder einer Hingabe an sein Schicksal, sondern wird vielmehr die Tatsache, dass man nicht perfekt sein muss, dafür genutzt, stärker zu werden.

Declan J Donovan

Declan J Donovan

Sich selbst zu sagen, dass nicht alles perfekt sein muss und dennoch gut so ist. Begleitet von einem Piano singt sich Donovan durch eine Liebeserklärung, die schmerzvoller zugleich nicht sein könnte. Dabei sucht der Sänger Zuversicht zu sich selbst und wächst gerade Tag für Tag an seinen Aufgaben, Herausforderungen und persönlichsten Hindernissen. Hat Donovan einen Plattenvertrag bei Polydor in Deutschland unterschrieben, arbeitet er in Berlin zur Zeit an seinem Debütalbum. Mit einem emotionalen Leitweg und ganz viel Gefühl singt sich der Singer/Songwriter nun mit einer neuesten Single noch tiefer in die Herzen der Fans und spricht gleichzeitig über ein Thema, womit viele Menschen und Jugendlich immer wieder ins Hadern kommen. Sanft, gefühlvoll und dennoch voller Kraft lässt uns Declan J Donovan an seinen Gefühlen teilhaben und reisst uns einen Moment raus, aus dem hektischen Alltag. Perfectly Imperfect ist hoch emotional und reinigt gleichzeitig unsere Seele mit einem warmen Gefühl, das uns Donovan in knapp dreieinhalb Minuten so ruhig und authentisch präsentiert, dass wir nicht anders können, als uns auf der Bank an einem ruhigen Ort zu wünschen, er würde sich daneben setzen und ein paar Zeilen singen.

Elderbrook - Why Do We Shake In The Cold?

Elderbrook – Fünf Jahre Warten haben ein Ende

Kaum ein anderer britischer Künstler hat in den vergangenen fünf Jahren im Melancholic-Electronic-Bereich für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, wie der Londoner Alexander Kotz. Unter seinem Künstlernamen Elderbrook hat er 2015 zusammen mit Andhim auf How Many Times zusammengearbeitet. 2017 folgte eine Kollaboration auf der Durchbruchs-Single Cola vom britischen Produzenten-Duo CamelPhat und letztes Jahr schließlich mit dem Song Something About You eine Zusammenarbeit mit Rudimental. Daneben hat Elderbrook allerdings auch immer wieder eigene Songs veröffentlicht, die sich durch tiefgründige Texte, melancholische Sounds und tiefe elektronische Beats auszeichneten. Nun hat der Brite sein Debütalbum Why Do We Shake in the Cold? fertig und veröffentlicht dieses am 18. September. Darauf enthalten sind neben der Kollaboration mit Rudimental auch die bereits veröffentlichten Songs My House und der das äußerst starke Numb. Vor wenigen Tagen hat Elderbrook mit Why Do We Shake in the Cold? eine weitere Single ausgekoppelt und überzeugt abermals mit großen elektronischen Beats.

Why Do We Shake In The Cold?

Why Do We Shake In The Cold?

Hier treffen tiefe House-Bässe auf den fragilen Gesang Elderbrooks und werden durch ein sphärisches Soundgerüst eingerahmt. Dabei passt Why Do We Shake in the Cold? so wunderbar in den Kontext eines Open Air Festivals, dass wir uns vor dem inneren Auge vor der Bühne tanzen sehen, den Sand zwischen den Zehen spüren und kurz vor dem Drop die Hände in die Höhe recken. Diese Gefühle sind ganz bewusst vom Briten gewollte. So soll sein Debütalbum die Menschen zusammenbringen und ihnen Geborgenheit vermitteln. In einem Statement von Warner Music sagt der Produzent dann auch über seine Musik, dass das gesamte Konzept von Why Wo We Shake In The Cold ist, darüber nachzudenken, wie Menschen miteinander interagieren. Rein wissenschaftlich betrachtet zittern wir in der Kälte natürlich, um durch die Reibung unseren Körper aufzuwärmen. Was ich mir jedoch vorstelle ist, dass Menschen vielleicht deshalb zittern, um anderen zu zeigen, dass sie sie brauchen. Diese mächtige Sehnsucht nach Nähe zieht sich durch das gesamte Album und zeigt die Tiefe des Künstlers und seiner Gefühle. Why Wo We Shake In The Cold kommt am Feitag in einer Woche raus und zeigt jetzt schon mit seiner Leadsingle, dass hier kaum etwas schief gehen kann.

SG Lewis feat. Robyn & Channel Tre - Impact

SG Lewis feat. Robyn & Channel Tres – Pulsierendster Sound des Sommers

Es sei der Soundtrack unseres Sommers, der dieses Jahr nur in unseren Köpfen stattfand – so beschreibt das Online-Magazin Resident Advisor den neuen Song des Londoners SG Lewis. Dass SG Lewis damit nicht überrascht, zeigten bereits seine letzten beiden Veröffentlichungen. Nicht nur Chemicals, sondern auch Warrior – welches Lewis zusammen mit Aluna für ihr Debütalbum produzierte – haben in den vergangenen Monaten für eine beatreiche Untermalung des Sommers gesorgt. Dabei hat Samuel George Lewis gerade erst sein Debütalbum fertiggestellt und muss lernen mit der Situation umzugehen, die ihm plötzlich so viel Zeit und auch Leere verschafft. Denn wenn man 18 Monate lang an einem Projekt gearbeitet hat und dieses fertigstellt, kommt die Leere oftmals von ganz allein. Doch da das Album nun fertig ist, bleibt dem Londoner mehr Zeit darüber nachzudenken, was er als nächstes machen wird. Da sich etwaige Promo-Touren oder eine Tournee aktuell nicht ermöglichen lassen veröffentlicht der Brite mit Impact nun den nächsten Track aus seinem noch umbetitelten Debütalbum und begeistert gleich in mehrerer Hinsicht.

SG Lewis, Channel Tre & Robyn

SG Lewis, Channel Tre & Robyn

Zum einen wäre da die Kollaboration mit US-Songwriter und Producer Channel Tre und Schwedens Dancekönigin Robyn zu nennen. Zum anderen hat ihm kein Geringerer, als Totally Enormous Extinct Dinosaurs bei dem Song unterstützt und diesen mitproduziert. Haben die beiden bereit 2018 auf Again zusammengearbeitet, wurde diese Freundschaft auf Impact nun ausgebaut. Mit pulsierenden Bässen, dunklen Beats und einem hypnotisierenden Sound bläst uns Impact förmlich weg und sorgt im wahrsten Sinne des Wortes für einen Impakt. Denn neben Robyns betörendem Gesang – der sich in unserem Kopf festsetzt – kommt Channel Tres tiefe Stimme als starker Gegenpol zur Geltung. Impact ist für die Nacht der Nächte gemacht – voller Lust, Freude und Spaß am Feiern. Während sich SG Lewis gerade nicht sicher ist, was er mit sich anstellen soll, wird die Vorfreude auf sein kommendes Debüt ins unermessliche gesteigert. Solange kein Veröffentlichungstermin feststeht und das Album noch ohne Namen auskommen muss, spielen wir Impact in Dauerschleife und stellen uns den Sommer vor, den wir im Frühjahr im Kopf hatten.

Jamie Cullum - Don't Give Up On Me

Jamie Cullum – Die Reflexion des ewigen Jazz-Jünglings

Es ist eine große Zahl – 40. Im letzten Jahr war es für den britischen Jazz-Pop-Musiker Jamie Cullum soweit und die 3 verschwand in seiner Jahreszahl. Was den ewig jung wirkenden Sänger in den letzten zwanzig Jahren seiner Musikkarriere stets frisch und jung wirkend ließ, wurde mit diesem Datum zur Bewährungsprobe – denn plötzlich fragte ihn jeder nach seinem Alter. Einst mit jungen 20 Jahren das Debütalbum Heard It All Before (1999) ohne Plattenvertrag veröffentlicht, wurde bereits sein zweites Album Pointless Nostalgic (2002) über 100.000 Mal in Großbritannien verkauft. Nicht zuletzt durch einen Major-Plattenvertrag erfolgte schließlich der weltweite Durchbruch mit seiner 2003er Platte Twentysomething, die sich mehr als 2,5 Millionen Mal verkaufte. Es folgten fünf weitere Alben, von denen Taller 2019 das letzte war. Nun ist der britische Jazz-Musiker aus Essex mit der neuen Single Don’t Give Up On Me zurück und spiegelt darauf die Wahrnehmung seiner selbst durch Andere.

Jamie Cullum

Jamie Cullum

Es ist ein Song darüber, dass man sich von dem Bild, das man in den Augen seiner Lieben hat, nicht erschrecken lässt. Es kann einen zum Durchdrehen bringen, weil es ein wahrheitsgetreues Spiegelbild ist, das jeden einzelnen winzigen Makel offenbart – so Cullum in einem Universal Music Interview. Musikalisch gibt es einmal mehr die markanten Klavierpassagen, die sich schnell mit Schlagzeug und Cullums unverwechselbarer Stimme abwechseln. Dabei singt Cullum immer auch so sympathisch direkt, dass man sich sofort wieder an seine großen Songs, wie Mind TrickI’m All Over It oder dem großartigen Love Is In The Picture erinnert fühlt. Cullum selbst sagt, dass dieses Jahr noch einiges an Musik des sympathischen Briten bereithält. Auch wenn die Pandemie nicht an dem Jazz-Musiker vorbei ging und er seine 2020-Auftritte auf das Frühjahr 2021 verlegen musste, dürfen wir gespannt sein, was die kommenden Monate für uns bereithalten. Mit Don’t Give Up On Me können wir zumindest erahnen, in welche Richtung es gehen wird und zeigt uns Cullum eindrucksvoll, dass das Alter auch nur eine Zahl ist.

SG Lewis - Chemicals

SG Lewis – Disco, bei der die Tanzfläche zu beben beginnt

Fünf EPs gibt es mittlerweile vom – in Los Angeles lebenden – Briten SG Lewis. Dabei hat er mit Songs, wie Holding BackTimes We Had oder Again gezeigt, wie sehr sich der Sound des Produzenten im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. Immer wieder hat der Musiker mit Gastsängern, wie Gallant, Toulouse, Totally Enormous Extinct Dinsoraus, AlunaGeorge, Clairo oder zuletzt Aluna für Ohrwürmer gesorgt. Doch auch als Solist begeistert der 26-Jährige mit seinen Songs. Erst kürzlich wurde der Song Hallucinate von Dua Lipa als Single ausgekoppelt, bei der SG Lewis zusammen mit Stuart Price als Produzent und Co-Autor mitgewirkt hat. Mit seiner Trilogie der EPs DuskDark (beide 2018) und Dawn (2019) vereinte der Musiker ein paar seiner bisher größten Songs. Nun hat der – bei PMR Records unter Vertrag stehende – Brite mit Chemicals eine erste Single seines kommenden Debütalbums veröffentlicht und dabei die Jungs von N*E*R*D an seiner Seite. Hier hat Chad Hugo von N*E*R*D die starken Synths beigesteuert und SG Lewis in einen Funk- und Disco-Kontext gesetzt.

SG Lewis

SG Lewis

Auf Chemicals singt SG Lewis schließlich auch wieder selbst und lässt sich von einem Erlebnis in London inspirieren. Hier erlebte er eine Nacht, in der er eine Person kennenlernte, sich in diese verliebte und bereit war, Dinge zu machen, die von der anderen Person forciert wurden, die man selbst aber sonst nie gemacht hätte. Es ist eine Gratwanderung zwischen der eigenen Aufgabe und dem Nervenkitzel, etwas Neues auszuprobieren. Musikalisch setzt SG Lewis dies in einem großartigen Discosound um, wird von Pharrell Williams selbst mit der weisse Junge hat Soul beschrieben und erinnert an Musik von Totally Enormous Extinct Dinosaurs, Roosevelt oder sogar Daft Punk. Chemicals ist für den Moment, bei dem man von einem Hügel auf die pulsierende Stadt hinunterblickt und sich am Abend von der aufsteigenden Partylaune und der untergehenden Sonne berauschen lässt. Gleichzeitig lässt Chemicals auf eine baldige Veröffentlichung des langerwarteten Debütalbums schließen und wird uns mit einem Sound umhauen, den wir dieses Jahr definitiv noch gebrauchen können.

Aluna feat. SG Lewis - Warrior

Aluna feat. SG Lewis – Setzen uns mit Beats in Bewegung

My Weapon is Joy – mit dieser Aussage präsentiert uns Aluna – die vor knapp zwei Wochen bereits mit ihrem Song Body Pump auf SOML zu finden war – ihren neuen Song Warrior. Dabei hat die Britin erfolgreich in der langen Liste der Kollaborationspartner – aus der Zeit als sie ein Teil des Duos AlunaGeorge war – gekramt. Aus namenhaften Acts, wie Disclosure, ZHU, Jack Ü, Baauer, Peking Duk, Far East Movement, Gorgon City, DJ Snake und SG Lewis folgte schließlich die Entscheidung letzteren – SG Lewis – zu wählen, der die frischen und lockeren Elektrosounds beherrscht, wie kaum ein anderer. Auf ihrem Solodebüt ist Aluna dabei besonders wichtig, die Selbstachtung aufzubauen. In Warrior geht es um ein Porträt einer Frau, die ständig im Schatten anderer steht. Sie muss wieder lernen, sich selbst zu sehen, nicht immer nur anderen den Vortritt zu lassen und ruft sich dabei den Geist einer Kriegerin auf um ihre Angst zu besiegt sie selbst zu sein so Aluna Francis. Mit einem flirrenden Beat, Tropical House Elementen und der äußerst präsenten Stimme Alunas ist Warrior der perfekte Song, der im Sommer und auf Balkonparty funktioniert und die dicke, schwere Sommerluft mit Energie füllt.

Aluna - Renaissance

Aluna – Renaissance

SG Lewis hat dabei ebenso gute Erfahrungen gesammelt, was es bedeutet, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten – hat er doch bereits mit Totally Enormous Extinct Dinosaurs, Gallant, Clairo, G-Eazy und Ruel zusammen Songs aufgenommen. Gleichwohl sind sich der Brite SG Lewis und Aluna Francis nicht fremd, arbeiteten sie doch bereits 2018 auf dem gemeinsamen Song Hurting zusammen. Mit verspielten Synthies macht sich Aluna auf, eine ganz eigene Nische zu besetzen und vervollständigt schließlich, die eingangs genannte Ansage mit den Worten – Mit der Musik wähle ich eine meiner Möglichkeiten zu kämpfen aus, um gleichzeitig sicherzustellen, dass diejenigen, die nie zu Partys eingeladen werden, wissen, dass sie selbst die eigentliche Party sind. Wir müssen noch viele Schlachten gewinnen, doch gleichzeitig sollten wir auch auf den Straßen tanzen und für Gleichberechtigung einstehen. Mit Warrior gelingt es Aluna fast spielend, diesem Anspruch gerecht zu werden und schenkt uns einen sommerlichen Elektrosong, der für mehr steht, als nur für die Party. Body Pump und Warrior werden auf Alunas Debütalbum Renaissance enthalten sein, welches am 28. August veröffentlicht wird.

Michael Kiwanuka - Final Days (Bonobo Remix)

Michael Kiwanuka – Durch Bonobo veredelt

Soulige Stimmen waren schon immer gut, für einen Remix, der die Tanzflächen füllen soll. Alleine die beiden Songs Liquid Spirit von Gregory Porter (im Claptone Remix) und Holding On von Disclosure feat. Gregory Porter haben in den vergangenen Jahren immer wieder für volle Tanzflächen gesorgt. Doch bereits in den 70er Jahren waren Discomusik und Soul eng miteinander verbunden und sorgten für eine der erfolgreichsten Zeiten dieses Genres. Für den neuesten Remix dieser Art haben sich zwei Künstler gefunden, die jeweils wahre Könige in ihrem Fach sind. Da wäre zum einen der britische Soulsänger Michael Kiwanuka, der mit seinem dritten, selbstbetitelten Album Kiwanuka 2019 komplett abräumte, zum absoluten Kritikerliebling wurde und bereits Ende 2019 mit dem Claptone Remix von You Ain’t The Problem erste Ausflüge in die Clubs machte. Zum anderen gibt der ebenfalls aus Großbritannien kommende Musiker und Produzent Bonobo mit seinem Remix ein Comeback – ist es doch der erste Remix seit drei Jahren, den der Brightoner Musiker zusammen mit Kiwanuka veröffentlicht.

Michael Kiwanuka

Michael Kiwanuka

Herausgesucht haben sich die beiden Musiker einen Song des Kiwanuka Albums, der bisher noch nicht als Single erschienen ist. Hierbei wird Final Days das folkig, Soulige genommen und von Bonobo mit einem fließenden Elektrosound neu arrangiert. Dabei nutzt Bonobo funkige Elemente und macht daraus einen frischen, hellen Song, den es abzufeiern gilt. Kiwanuka klingt auf dem Final Days Remix anfangs noch melancholisch gedämpft, ehe sich der Song in einem freundlichen, nach vorne gehenden Beat auflöst und somit die geballte Kraft eines Sommersongs entfaltet. Ganz ohne Ohrwurm-Refrain schleicht sich Final Days im Bonobo Remix damit in unser Taktzentrum und bringt erst nur die Finger und Zehen zum tippen, bis schließlich der ganze Körper anfängt mitzugehen. Nachdem Bonobo im Sommer 2019 mit dem neuen Song Linked für Spekulationen um ein neues Album gesorgt hat, dürfte die Remix-Aktivität des Briten nun neue Hoffnung auf ein baldiges Album machen. Zusammen mit Michael Kiwanuka hat Bonobo auf Final Days zumindest jetzt schon Mal dafür gesorgt, dass die Sommerabende heiß und lang werden.

James Blake - Are You Even Real?

James Blake – Das Bindeglied zwischen damals und heute

Nach dem Ausflug in den R&B, Hip-Hop und Pop mit seinem vierten Studioalbum Assume Form, bietet uns der Brite James Blake nun mit seiner neuesten Single wieder einen Sound an, der sich wieder mehr auf den Künstler Blake zu fokussieren scheint. Dabei haben alle seine bisherigen Albumveröffentlichungen eine unterschiedliche Musikrichtung eingeschlagen. War es erst das Debütalbum James Blake, welches zum weltweiten Kritikerliebling wurde und mit einem modern-nostalgischen Mix aus Post-Dubstep und experimenteller Elektro begeisterte, machte sein Zweitling Overgrown bereits zaghafte Gehversuche im R&B. Auf seinem dritten Album The Colour In Anything, welches von Rick Rubin, Justin Vernon (Bon Iver) und Blake produziert wurde, ging es wieder deutlich zurückhaltender zu und wirkte mit Singles, wie Modern Soul und My Willing Heart fast schon ausschließend. Jedoch verband alle Alben eine Intimität, die Blake durch seinen fragilen Gesang bestimmte. Auf seinem letzte Album Assume Form waren jedoch zuletzt eher die Stimmen von Gast-Acts, wie RZA, Travis Scott, Rosalía, André 3000 oder Moses Sumney zu hören.

James Blake

James Blake

Knapp ein Jahr, nach diesem Album veröffentlicht Blake nun mit Are You Even Real? bereits seine zweite neue Single, die aktuell als Stand-Alone-Song veröffentlicht wird. Dabei hat sich der Musiker und Produzent zwei der aktuell renommiertesten Songwriterinnen dazugeholt. Starrah – die bürgerlich Brittany Talia Hazzard heisst und in Los Angeles lebt – hat die Nummer 1 Hits Havana von Camila Cabello und Girls Like You von Maroon 5 geschrieben. Aber auch Acts, wie Rihanna, Madonna, Major Lazer, Calvin Harris, Beyoncé, The Weeknd, Katy Perry oder Drake haben Songs der 30-Jährigen veröffentlicht. Doch Starrah ist nicht nur als Songwriterin beliebt, sondern auch als Featuring-Act, wie bei The Weeknd, Big Sean, G-Eazy oder Halsey. Als zweite Songwriterin ist die ebenfalls 30-jährige Künstlerin Alexandra Tamposi dabei, die sich musikalisch deutlich breiter aufstellt. Denn mit Songwritings für Kelly Clarkson, One Direction, Avicii, Nickelback, BTS, Jake Bugg, Ozzy Osbourne oder Blink-182 gibt es so gut wie kein Genre, welches die in Florida lebende Songwriterin nicht bedient. Zusammen haben Tamposi, Starrah und Blake eine Song veröffentlicht, der sich wie ein Traum anfühlt. Sanfte Synthies, warme Bässe und ein roher Gesang Blakes, der sich immer wieder in Wiederholungen zu verlieren scheint. Dabei leuchtet Blake mit einem R&B-lastigen Gesamtsound auf, der sich mit Geigen ins Melodramatische absetzt. Mit Are You Even Real? ist Blake wieder deutlich mehr zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, ohne den soulig, modernen Weg der vergangenen Jahre auszublenden. Damit funktioniert Are You Even Real? sowohl als Liebessong, als auch an stickig heißen Sommertagen auf einer Decke am Wasser liegend.

Jack Garratt - Better

Jack Garratt – Geläutertes Wunderkind

Er hatte einen kometenhaften Aufstieg hinter sich – mit seinem Trip Hop- und Indie-Sound hatte Jack Garratt von 2014 bis 2016 mit Songs, wie The Love You’re Given und Worry für einen absoluten Hype gesorgt. Dabei war sein Sound tanzbar, dennoch intim und hat gerade deshalb den Hype um den damals 23-jährigen Sänger so hochkochen lassen. In seiner Heimat mit Awards überschüttet, gewann er mit dem BBC Music Introducing Artist of the Year, BBC Sound Of 2016 sowie BRIT Award – Critics‘ Choice Award drei der wichtigsten Barometer für einen großen Durchbruch. Nach sieben ausgekoppelten Singles über zwei Jahre, veröffentlichte Garratt im Februar 2016 schließlich sein Debütalbum Phase und schaffte es bis auf Platz 3 der britischen Albumcharts. Doch nicht nur auf der britischen Insel war der Musiker äußerst beliebt – auch in den USA, Australien, Belgien, Italien, den Niederlanden, Neuseeland, Irland und der Schweiz stieg er mit seinem Album in die Charts ein. Auch in Deutschland schaffte es Garratt so bis auf Platz 28. Doch dann kam es zu einem Moment, in dem Garratt nicht mehr wusste, wie er weitermachen könne. Hatte er gerade die Arbeiten an seinem zweiten Album abgeschlossen, war er so unzufrieden mit dem Ergebnis, dass er das komplette Album löschte. Getrieben von der Aufmerksamkeit und den Erwartungen an ein neues Album wuchs Garratt alles über den Kopf und empfand seine Arbeit als seelen- und ideenlos. Mit genügend Abstand und einem freien Kopf setzte er sich die vergangenen vier Jahre an neue Songs und arbeitete sich durch einen Prozess, seine Angst – nur ein Produkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu sein – abzulegen, in dem er wieder zu sich selbst fand. Herausgekommen sind Songs über das Scheitern, der Neuentdeckung zu sich selbst und dem Drang, sich immer weiter optimieren und verbessern zu müssen. Hat Garratt mit Time – als Leadsingle – und Circles als aktuelle Auskopplung bereits zwei imposante Songs veröffentlicht, ist es die zweite Singleauskopplung Better die für all das steht, was der Brite in den vergangenen Jahren durchgemacht hat. Dabei ist gerade das Musikvideo als eine Art biografischer Schnipsel der vergangenen Jahre zu sehen und zeigt beeindruckend, wie zerrissen der Sänger gewesen sein musste. Zusätzlich sprudelt Better unglaublich vor Energie und ist ein Song, der auf der Tanzfläche zum Solo-Ausrasten anregt. Ganz bei uns selbst kommen wir dem Gefühl Garratts beim Hören von Better ziemlich nah und bekommen eine Emotion geliefert, die sich deutlich von dem ersten Album unterscheiden. Garratt hat etwas zu sagen und sprudelt auf seinen Songs förmlich raus damit. Wir hingegen können nur staunen und uns über die neue Kreativität auf seinem gerade veröffentlichten zweiten Album Love, Death & Dancing freuen.

Amtrac feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs - Radical

Amtrac feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Entspannter House-Sound für den Sommer

Seit Wochen schwirrt er durch die Clubradios und Playlists der DJs, die ihre Sets via Livestreams zu uns nach Hause bringen. Und auch wenn wir aktuell immer noch nicht mit Freunden dazu tanzen können, ist der Song Radical eine großartige Möglichkeit, uns auf einer Wiese im Park zu treffen und die warmen Strahlen der Sonne zu genießen – bis sie untergeht. Dabei kommt der Song vom 33-järigen US-Produzenten, DJ und Multiinstrumentalist Caleb Cornett alias Amtrac. Bereits 2011 – nur ein Jahr nach seinem Start im Musikbusiness – veröffentlicht der Produzent mit Came Along sein Debütalbum. Auch auf seinem neusten Album Oddyssey, das im April veröffentlicht wurde begeistert er wieder mit sphärischen Housetracks. Auf Radical holt sich der Musiker den britischen Produzenten und Sänger Totally Enormous Extinct Dinosaurs dazu, der mittlerweile in den USA lebt und von Los Angeles aber auch anderen Orten aus seine Musik veröffentlicht. Beide zusammen legen mit Radical einen wunderbar entspannten Housetrack auf, der sich für die Open Airs dieses Sommers genauso gut eignet, wie für die dunklen Ecken eines Clubs. Dabei legt sich die Stimme TEEDs – wie sich Totally Enormous Extinct Dinosaurs auch gerne selbst abkürzt – passend zum schwelgenden Sound wie ein Bettlaken über die Produktion und verbindet sich mit den Arrangements Amtracs. Gleichzeitig freut sich TEED darüber, mit Amtrac zusammengearbeitet zu haben und Teil seines neuen Albums zu sein. Radical gibt es auch in einer Radio tauglichen 4-Minuten-Version – entfaltet jedoch auf der über sieben minütigen Version erst sein volles Volumen.