Sie sind bekannt für ihre elektrisierenden House-Tracks, seit Latch 2012 veröffentlicht wurde. War es doch genau dieser Song, der Disclosure vor 14 Jahren weltweit in die Charts katapultierte und zugleich auch für Sam Smith, der damals die Stimme zu Latch war, einen steilen Aufstieg verschaffte. Mit den Alben Settle (2013) und Caracal (2015) füllte das britische Produzentenduo über die Jahre vor allem in Großbritannien die Charts – mal mit melodischen Elektrosongs, die auch im Radio gespielt wurden, mal mit derberen House-Tracks, bei denen der Beat a-rhythmisch und progressiv zu sein schien. Dabei blieben die Brüder Guy Lawrence und Howard Lawrence nie auf der Stelle stehen und veränderten ihren Sound über die Jahre immer wieder.
Mit dem 2020er-Album Energy gab es schließlich eine Platte, die aus Dance, House und Weltmusik bestand und damit einen Sound verband, der sonst nur als Nische funktioniert. Ein weiterer Entwicklungsschritt war ihr 2023er-Album Alchemy, das erstmals über ein unabhängiges Label (AWAL) veröffentlicht wurde und sich weniger den tanzbaren Bässen und Beats verschrieb, sondern deutlich stärker ins Songwriting ging und sich erstmals auch klar auf Howard Lawrences Gesang fokussierte.

Nun haben Disclosure mit The Sun Comes Up Tremendous nach einer Reihe veröffentlichter Songs aus den Jahren 2024 und 2025 erstmals für dieses Jahr einen neuen Track veröffentlicht. Dieser kommt gänzlich ohne Gast-Artist aus und zeigt einmal mehr, wie gut Howard Lawrences Stimme klingen kann. Dabei besteht der Track aus einem verträumten UK-Garage-Groove, der sich mit Streichern und Synthesizern im Verlauf von 3:40 Minuten zu einem Fiebertraum entwickelt – nur, um am Ende wieder in sich zusammenzufallen und uns regelrecht in die Ruhe zu wiegen.
Auf The Sun Comes Up Tremendous geben Disclosure einen Einblick in eine zurückgezogenere Version der britischen Brüder. Hier gibt es Raum zum Abschweifen und Sich-Verlieren. Gleichzeitig war Howard Lawrences stimmliche Präsenz nie größer und zeigt einen Produzenten, der sich zunehmend auch im Singer-Songwriting wiederfindet. Ungewohnt melancholisch, aber dennoch hoffnungsvoll, ist der neue Track warm, leicht verträumt und subtil euphorisch. Einen typischen Drop-Moment, wie man ihn von Festivals oder aus Clubs kennt, vermisst man hier vergeblich. Dafür ist The Sun Comes Up Tremendous fast schon hypnotisch und könnte einer der After-Hour-Songs 2026 werden, während die Sonne langsam am Horizont wieder aufgeht.