Es ist ein warmer Sommerabend, die Luft steht, auf einer Terrasse leuchten Lichterketten der aufkommende Dunkelheit entgegen und aus den Lautsprechern klingt I Could Get Used To This – der neue Song von Jessie Ware. Der Song wirkt offen, fast einladend, als würde er den Raum vorbereiten, in dem er stattfinden will. Man merkt schnell, dass hier nicht auf einen großen Effekt hingearbeitet wird, sondern auf Stimmung.
Jessie Wares Stimme steht dabei im Mittelpunkt. Sie klingt kontrolliert, aber nie kühl. Sie führt durch den Song wie jemand, die genau weiß, wohin sie möchte, ohne den Weg erklären zu müssen. In den Lyrics geht es um Nähe, um das Einlassen auf einen Zustand, der sich gut anfühlt. Worte wie Garten, Licht, Bewegung, Berührung tauchen auf und formen eine Szenerie, die leicht vorstellbar ist: Menschen, die sich in einem grünen, offenen Raum begegnen, umgeben von Musik, Körpern, Farben.
Diese Bilder werden im Musikvideo konsequent aufgegriffen. Man sieht einen üppigen Garten, klassische Skulpturen, weite Flächen, rote Äpfel, fließende Stoffe. Alles wirkt bewusst arrangiert, aber nicht steif. Tanzende Körper bewegen sich zwischen Pflanzen und Wegen, als wäre dieser Ort für genau diesen Moment geschaffen worden. Es geht nicht um Handlung, sondern um Atmosphäre. Um das Gefühl, Teil eines Abends zu sein, der sich langsam entfaltet und keine Eile kennt.

Musikalisch fügt sich der Song nahtlos in das ein, wofür Jessie Ware in den letzten Jahren steht. Seit ihrem Wandel hin zu einem stärker cluborientierten, aber immer noch eleganten Pop-Sound verbindet sie Disco-Elemente mit moderner Produktion und einer sehr physischen Art von Musik. I Could Get Used To This ist tanzbar, ohne laut zu sein. Der Beat hält konstant, die Synths schimmern, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Jessie Ware selbst hat sich über mehr als ein Jahrzehnt von London aus eine Karriere aufgebaut, die von ständiger Weiterentwicklung geprägt ist. Vom introspektiven Debüt Devotion über soulige Pop-Songs bis hin zu ihren letzten, stark von Clubkultur inspirierten Alben hat sie sich immer wieder neu positioniert, ohne ihre Identität zu verlieren. I Could Get Used To This zeigt genau das: Selbstbewusstsein, Klarheit und ein Gespür für Räume, in denen Musik mehr ist als nur Hintergrund. Dabei ist I Could Get Used To This die erste Single von ihrem kommenden, sechsten Studioalbum Superbloom, das am 10. April 2026 erscheinen wird.
Am Ende bleibt von I Could Get Used To This vor allem ein Gefühl von Gegenwart. Ein Abend, der sich richtig anfühlt. Bewegung, Licht, Nähe. Kein großes Drama, kein Bruch – sondern das leise Einverständnis, dass man genau hier bleiben könnte. Und dass man sich daran tatsächlich gewöhnen würde.