Um den Berliner Musiker SCHWARZ konnte man in den vergangenen Jahren kaum drumherum kommen. Mit einer enormen Präsenz des Musikers, der auf allen Promotion-Wegen nicht müde wird – und sich damit im starken Kontrast zu vielen anderen Künstler-Aliassen bewegt – seinen bürgerlichen Namen Roland Meyer de Voltaire unterzubringen, hat es SCHWARZ geschafft, sowohl im TV mit der 3Sat-Dokumentationsreihe Wie ein Fremder – eine deutsche Popmusikgeschichte, als auch als Kollaborationspartner von Schiller, Schlindwein oder Megaloh im Gespräch zu sein. Gleichzeitig bewegt sich der Musiker, der bereits mit seiner Vorgängerband Voltaire in den 2000ern zwei Alben veröffentlichte, in einem bunten musikalischen Kreis und vereint dabei verschiedenste Projekte miteinander. Nun ist – nach seinem, unter dem Projektnamen SCHWARZ veröffentlichten, 2019er Debütalbum White Room – sein zweites Album Red Pill herausgekommen und vereint eine weitere Range seines musikalischen Könnens. Dieses Können setzt sich aus mehr als 20 Jahren musikalischer Erfahrungen zusammen.

Anders, als noch auf White Room, zeigt sich SCHWARZ auf Red Pill introspektiver. Hier herrschen nachdenkliche und melancholische Untertöne vor und zeigen sich trotz einer Produktion, die sich auch auf der internationalen Bühne behaupten kann, sehr intim und sensitiv. Dabei sind die Unterschiede im Verlauf des Albums durch verschiedene Tempi zu erkennen. Doch auch die Stimme von de Voltaire lässt einmal mehr verschiedene Wirkungen der einzelnen SCHWARZ Songs zu. Hier trägt de Voltairs Stimme – die sich mal klagend, mal flehend, mal eindringlich und mal pathetisch zeigt – dazu bei, dass sich die Songs in verschiedenen Gefühlsfarben zeigen. Da kommt das Gefühl von Stärke, Selbstermächtigung, Niedergeschlagenheit und Resignation auf. Der gleichnamige Titelsong red pill zeigt diese Gefühlswandlung dabei recht eindrucksvoll, baut sich zwischen wabernden Beats und drängendem Gesang auf und endet in einem unglaublich großen Finale aus Bässen, hellen Synthis und einer Verlorenheit, die im positivsten Sinne für einen Neuanfang steht. Gleichzeitig ist red pill damit einer der stärksten Songs des Albums, welches sich durchweg mit wunderbar wechselnden Emotionen zu einer Auseinandersetzung mit dem Gehörten empfiehlt. SCHWARZ ist mit seinem zweiten Album unter diesem Alias eine wunderbare Entwicklung in jeglicher Hinsicht gelungen. In der Tiefe, in der Weite in der Universalität und ganz besonders dem dadurch entstehenden Gefühlen. Wer diese Gefühle auch einmal live erleben möchte, sollte nicht lange zögern, sind die meisten Konzerte, die SCHWARZ im Dezember spielt, doch vor intimer und dadurch limitierter Kulisse.