Jess Bays - Love We Had

Jess Bays – Die Woche beginnt dunkel

Während sich in Berlin die Sonne in diesem Jahr bisher noch nicht wirklich zeigen möchte und gerade einmal für ein paar Stunden rausgekommen ist, passt der Track der britischen DJane und Produzentin Jess Bays perfekt zu der daraus entstandenen Stimmung. Etwas gedrückt, dunkel und extrem ekstatisch kommt ihre aktuelle Nummer Love We Had um die Ecke und sorgt dafür, dass wir uns trotz der fehlenden Sonne eigentlich in noch dunklere Räume verziehen wollen. Hier wird der Sound des Undergrounds gepflegt und bleibt dennoch so locker, dass er sich der Tech House dem Mainstream nicht verwehrt. Mit tiefen Bässen und Claps beginnt Love We Had treibend und sucht den Club. Schließlich fängt der hypnotisierende Gesang an und lädt uns zum Zwiegespräch mit uns selbst ein. Hier verfallen wir in Trance und geben uns den Beats vollkommen hin. Mit mystischen Perkussions kreiert Love We Had dann plötzlich das Bild eines fernen Reiseziels und arbeitet sich so aus dem Club heraus.

Jess Bays
Jess Bays

Ob in den Backpacker-Resorts auf kambodschanischen oder indischen Inseln oder auf der Sonneninsel Ibiza – das Surrounding von Palmen, Strand, dem Meeresrauschen und angebeteten Sonnenuntergängen passt genauso gut zu dem Song, wie der dunkle Club. Denn wenn man sich hier in Trance tanzt, entfaltet der Song erst recht seine ganze Kraft. Jess Bays ist dabei zwar keine Unbekannte mehr, gilt aber immer noch als Newcomerin. Mit Auftritten im legendären Café Mambo auf Ibiza hat sie bereits ihre Stellung als eine der aufregendsten Newcomerinnen gefestigt – immerhin treten hier regelmäßig Acts, wie Paul Van Dyk, Swedish House Mafia, David Guetta oder Martin Garrix auf. Aktuell präsentiert Bays eine Playlist im Clash Magazin, bei dem sie Songs von Acts, wie Gorgon City, Todd Terry oder DJ Island featured. Mit Love We Had ist Bays nun bis auf Platz 1 der Beatport Charts gestiegen und lässt auf ein vielversprechendes 2021 blicken.

Passenger - Sword From The Stone

Passenger – Musik in unglaublicher Schlagzahl

Es ist fast schon verrückt – in was für einer Schlagzahl der britische Singer/Songwriter Passenger seine Musik veröffentlicht. Seit 2014 erschien jedes Jahr ein neues Album. Erst 2012 hatte er mit dem Song Let Her Go von seinem fünften Album All The Little Things den großen Durchbruch. Sein siebtes Studioalbum Young As The Morning, Old As The Sea (2016) erreichte mit der Single Hell Or High Water dann erstmals die Spitzenposition der britischen Albumcharts. Mit Sometimes It’s Something, Sometimes It’s Nothing At All (2019) und Patchwork (2020) veröffentlichte Michael David Rosenberg zuletzt zwei Alben, dessen Einnahmen er komplett an Hilfsorganisationen spendete. Die Einnahmen von Sometimes It’s Something, Sometimes It’s Nothing At All gingen hierbei an Shelter – eine Organisation für Obdachlose in England und Schottland. Mit Patchwork spendete Passenger die kompletten Einnahmen an Essensausgaben im Land. Nun ist der 36-jährige Sänger mit dem neuen Album Songs For The Drunk And Broken Hearted zurück und veröffentlicht mit Sword From The Stone heute die Leadsingle des Albums. An dieser hat kein Geringerer als Ed Sheeran mitgearbeitet und den Track – für eine deutlich radiotauglichere Version – neu produziert.

Passenger - Photo by Mila Austin
Passenger – Photo by Mila Austin

Sheeran und Passenger sind dabei bereits seit Jahren gute Freunde und im regen Austausch. Mit gewohnt ruhigen Gitarren und Passengers markant, zittriger Stimme ist Sword From The Stone ein wunderbarer Begleiter durch eine schwere Zeit. Ursprünglich wollte Passenger sein 13. Album bereits letztes Jahr rausbringen, was er durch Produktionsschwierigkeiten, die durch die Pandemie verursacht wurden, verschieben musste. Schließlich – von den Eindrücken der Pandemie überwältigt – überarbeitete der Brite sein Album und schmiss drei Songs von der ehemals fertigen Platte, um drei neu geschriebene mit draufzupacken. Diese sind von den Erlebnissen des Jahres 2020 geprägt und geben dem Album noch einen deutlich aktuelleren Bezug. Auf Sword From The Stone im Gingerbread Mix – hinter dem sich der rothaarige Sheeran verbirgt – hören wir eine deutlich schnellere Version des Originalsongs und erkennen hier deutlich Sheerans Schriftzug. Beide Versionen gehen in unterschiedliche Richtungen und transportieren damit – ob des gleichen Textes – unterschiedliche Gefühle. Passenger ist ein Jongleur der emotionalen Hymnen und spielt sich aufs Neue mit Sword From The Stone in unsere Herzen.

Poolside with DRAMA - I Feel High

Poolside with DRAMA – Im Club der unbegrenzten Möglichkeiten

Vor einem Jahr ist das aus Chicago kommende Duo DRAMA durch ihre Zusammenarbeit mit Gorgon City auf deren Track Nobody erstmals einer größeren Hörerschaft bekannt geworden. Damals wie heute zeichnen sich die beiden US-Amerikaner durch Produktionen von Songs aus, die sich zwischen R&B, Soul und Elektro bewegen und zumeist einen melancholischen Touch haben. Dabei haben DRAMA neben Gorgon City bereits mit Moglii und Pional zusammengearbeitet. Nun haben sich Via Rosa und Na’el Shehade von DRAMA abermals in eine Kollaboration begeben und mit Jeffrey Paradise und seinem Projekt Poolside den Song I Feel High veröffentlicht. Poolside ist dabei kein Unbekannter und hat bereits 2019 mit Panama zusammen den Song Can’t Stop Your Lovin‘ released. Eingeordnet wird Poolside als Daytime Disco, die sich entspannt präsentiert. Auf I Feel High haben Poolside und DRAMA nun eine Atmosphäre geschaffen, bei der man das Gefühl bekommt, so muss es sich anfühlen, die komplette Nacht in einem Club durchzufeiern und dabei, durch unterschiedlichste Hilfsmittel, unvergessliche Impressionen zu erleben.

Poolside & DRAMA
Poolside & DRAMA

So sieht man sich im Refrain fast schon in Trance durch die dunklen Gänge eines Clubs ziehen und immer wieder nach links und rechts in den Durchgängen zum nächsten Raum vorbeischauend die ganze Welt der Freizügigkeit erleben. Da tanzen in einem Raum unter einer riesigen Discokugel die Menschen so ausgelassen und freudig, wie auf einer Abschlussparty, nur um im nächsten Raum den ekstatischen Tanz der nackten Körper zu beobachten. I Feel High ist eine treibende Dancenummer, die uns zum Bewegen animiert und uns mit dem Gesang Via Rosas förmlich hypnotisiert. Und so sind wir auch im dritten Raum des Clubs angekommen, in dem eine Gruppe von Menschen um einen Perkussionspieler tanzt, der von der Menge – wie ein Schlangenbeschwörer – bestaunt wird. Poolside und DRAMA haben einen extrem vielschichtigen Song veröffentlicht, der sich im Verlaufe der etwas weniger als drei Minuten zu einem wahren Kopfkino entwickelt und unseren Körper nicht stillstehen lässt.

JEREMIAS - mio

JEREMIAS – 80er Ballade über die Angst des Versagens

Für die Jungs von Jeremias war 2020 ein Jahr der Extreme, hatten Sie noch im Februar ihre bisher größte Tour in Berlin abgeschlossen, folgte mitten in der Pandemie die Veröffentlichung ihrer EP alma mit den Songs schon okay und keine liebe. Anfang November folgte dann ein eindringlicher Post über ihre sozialen Kanäle, in dem sie über ihre Gefühle und aktuelle Situation bezüglich der Pandemie sprachen. Wenige Tage später folgte mir hdl ein neuer Song, der so viele Parallelen zwischen einer Pandemie und einer zerbrechenden Beziehung aufweist, dass man den Eindruck bekommen kann, Jeremias würden hier kein Beziehungsende thematisieren. Nun haben die Jungs um Frontsänger Jeremias Heimbach mit mio ihren neuesten Song veröffentlicht und geben dem Gefühl von Träumereien einen eigenen Track. Hierbei schreibt die Band zur Veröffentlichung, dass der Track unsere Philosophie beschreibt, unseren Antrieb und unsere Gefühlswelt und bildet den zentralen Kern unserer Passion.

JEREMIAS
JEREMIAS

Dabei fällt auf, dass der Songtext eine ganz andere Sprache spricht und ein Gefühl dafür gibt, wie beispielsweise die Jungs bereits früh ihren eigenen Weg gehen wollten, doch immer wieder damit konfrontiert waren, nicht ernstgenommen zu werden. So flüchten sich Jeremias in den Schreibprozess, um sich vom Druck und der Sicht anderer Menschen abzulenken und verlieren sich hier auch schon mal in einem Tunnelblick. Doch, dass auch fernab der Ansichten anderer ein Druck entstehen kann, der die Jungs damit kämpfen lässt, nicht dem Fluchtreflex zu folgen, sondern den Schritt nach vorne zu gehen, zeigen sie auf mio einmal mehr. Denn hier sind die funkigen Gitarren in den Hintergrund geraten und wird ein 80er-Jahre Beat aus Synthies und Bässen in den Vordergrund gestellt. Ganz, als wäre der Song aus einer Stranger Things Episode gekommen, erzeugen Jeremias so ein Gefühl von Nostalgie, die sich entspannt und nachdenklich anfühlt. Mit mio und hdl lassen Jeremias nun auf eine neue EP hoffen, die durchaus in 2021 erscheinen könnte.

Bear's Den - Christmas, Hopefully

Bear’s Den – Andere Weihnachten, ähnliche Wünsche

In ihrem Post sprechen die Briten von Bear’s Den davon, wie sie sich auf das kommende Weihnachtsfest freuen. Sie sprechen aber auch von einem harten Jahr. Davon, dass für viele Menschen da draußen nichts mehr so ist, wie noch 2019. Als Live-Band bedeutet dieses Jahr aber auch eine Zäsur zu setzen und sich neu zu finden. Wurden mit dem ersten Lockdown im Frühjahr alle Bars und Kneipen geschlossen, blieben auch die Clubs und Konzerthäuser nicht davon verschont – selbst Festivals mussten abgesagt werden. Hat es viele Künstler*innen getroffen, waren auch Bear’s Den mit der Situation konfrontiert, dass die Pandemie nicht nur ihr Privatleben beeinflusste, sondern auch die Ausübung ihres Berufs drastisch eingeschränkt hat. Wie bereits viele andere Künstler*innen, haben sich Bear’s Den einen Weg gesucht, um mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben und boten 360°Konzerte an. Was bleibt, ist aber das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu performen – fehlt doch das direkte Feedback der Fans. Jetzt, zur Weihnachtszeit, ist auch bei Kevin Jones und Andrew Davie das Gefühl von Heimeligkeit und der Wunsch nach Nähe eingekehrt.

Bear's Den
Bear’s Den

Auch wenn diese Weihnachten anders verlaufen werden, als die Familienfeste, die wir sonst all die Jahre über gewohnt waren, zu feiern, so ist der Wunsch nach Nähe zu den uns wichtigen Menschen, wie der Familie, bei jedem gleich. Nun hat sich die Band an ein paar neue Songs gemacht und mit Christmas, Hopefully eine 3-Track EP veröffentlicht, welche nicht nur die gleichnamige Weihnachtssingle beinhaltet, sondern mit Berlin Part II auch die Fortsetzung des großartigen Songs Berlin bereithält. Als dritter Song ist Favorite Patient enhalten und bietet allen Bear’s Den Fans einen Sound, der passender nicht hätte sein können. Auf Christmas, Hopefully wird Davies Stimme vom Klavier und seichten Drums begleitet, die einem das Gefühl von Behaglichkeit vermitteln. Auf der Suche nach der verlorengegangen Nähe zu den Menschen, die uns lieb sind und auf die Momente, die uns so viel bedeuten, haben die Londoner eine EP der warmen Gefühle veröffentlicht. Gleichzeitig gehen die gesamten Einnahmen der Veröffentlichung – die es mit Schal und Hoodie auch in einer limitierten Deluxe Version gibt – an den National Health Service (das staatliche Gesundheitssystem Großbritanniens), dem sich die Band von Anfang an sehr dankbar zeigte. Bear’s Den lassen die Weihnachtszeit ruhig ausklingen und geben uns einen Begleiter mit durch die letzte Periode dieses Jahres, der sich um uns legt und wärmende Nähe aufbaut.

Beatsteaks - In The Presence Of

Beatsteaks – In The Presence Of

Sie ist draußen! Die neue EP In The Presence Of von den Beatsteaks. In den vergangenen Wochen spielte die Promotiontrommel bereits verrückt und veröffentlichten die Jungs mit Monotonie – als ersten Song aus der EP – einen wunderbar entspannten Reggae-Track. Im Original von Annette Humpe und der Band Ideal 1982 veröffentlicht, ist es den Beatsteaks wichtig, Songs von starken Frauen neu zu interpretieren. Mit Glory Box folgte nur zwei Wochen später eine Version des Bristoler Duos Portishead, die sich stark an dem Original orientiert und das mysteriöse Gefühl der ursprünglichen Version beibehält. Vor einer Woche überraschten uns die Beatsteaks schließlich mit der dritten Singleauskopplung aus der EP – denn hier hatten sie keinen Geringeren, als Hildegard Knefs Song Von Nun An Ging’s Bergab veröffentlicht. Süffisant und mit Schalk im Nacken singt sich Gitarrist Peter Baumann durch den Song und baut so eine perfekte Brücke zwischen dem Original und ihrer neuen Version. Bis heute haben es die Beatsteaks geschafft, die weiteren drei Songs der EP geheim zu halten.

Beatsteaks - In The Presence Of
Beatsteaks – In The Presence Of

Nun ist In The Presence Of seit Mitternacht überall zu haben und zeigt, dass sich die Band um Frontsänger Arnim Teutoburg-Weiß mit The Velvet Underground, L7 und Lesley Gore drei weitere Urgesteine der Musikgeschichte ausgesucht haben. Mit dem von Lou Reed geschriebenen Song After Hours, den seine Band The Velvet Underground 1969 veröffentlichte, zollen die Beatsteaks der Schlagzeugerin Maureen Tucker Tribut, die diesen Track damals sang, da Reed selbst sagte, dass der Song zu unschuldig und pur sei, um von ihm vertont zu werden. Auf Shitlist haben sich die Beatsteaks die – dem riot grrrl zugeordnete – Band L7 gegriffen und einen Song ausgesucht, welcher den Sound der Beatsteaks noch am nähesten kommt. Mit You Don’t Own Me gingen die Jungs schließlich am weitesten zurück in der Musikgeschichte und gaben dem von Lesley Gore gesungenem Song aus dem Jahr 1964 einen neuen Drive. In The Presence Of ist eine Songkollektion aus 60 Jahren voller starker Frauen und starker Bedeutungen. So interpretiert, wie es die Beatsteaks auf der neuen EP machen, lassen die Songs eine neue Präsenz entstehen und teilen die Beatsteaks deren wichtige Bedeutung erneut einem großen Publikum mit.

Biig Piig - Feels Right

Biig Piig – Wenn die Party nicht zu mir kommt…

…dann werde ich zur Party. So oder so ähnlich muss es sich Jessica Smyth gedacht haben, als sie den Song Feels Right aufnahm. mit einer kindlichen Naivität in der Stimme und brodelnden Bässen ist Feels Right genau das Richtige, für eine Runde Partystimmung für zu Hause. Damit ist die irische Sängerin, die seit einiger Zeit in London lebt, seit der Veröffentlichung von Feels Right in aller Munde. Ob Mainstream- oder Indieradios, Streamingplattformen oder Playlisten der Bloggercommunity – überhall ploppt die Newcomerin auf. Hat die Sängerin innerhalb von wenigen Wochen bereits die dritte Single veröffentlicht, waren es vorher zumeist ruhigere Songs. Feels Right ist eine vibrierende Dance-Pop-Nummer, die in die Richtung von Künstlerinnen, wie Georgia geht. Mit einer Mischung aus verspielten Clap-Elementen, den pulsierenden Beats, einigen poppigen Momenten und dem unschuldigen Chorgesang im Refrain spricht Biig Piig von allen Genreliebhabern jemanden an.

Biig Piig
Biig Piig

Inhaltlich handelt Feels Right von den Momenten, nach denen sich viele von uns sehen. Durch enge Clubs schweifen, mit hedonistische Partygängern feiern und für den einen Moment – in dem man drauf und dran ist, für einen One-Night-Stand den Club zu verlassen – bereit ist. An diesem Moment lässt uns Biig Piig teilhaben und fragt sich im Refrain laut ‚Cause it feels right. And if I follow you, I know that I should hesitate, but it feels right. And just the thought of you gives me the taste I know I’ll crave. But it feels right. Hierbei fügt Biig Piig zur Entstehung des Songs hinzu, dass sie es so sehr vermisst auszugehen. Das Naheliegendste, was wir also machen konnten, um dieses Gefühl zu bekommen, war es, einen Song darüber zu schreiben. Biig Piig liefert damit einen der heißesten Tracks des Winter ab und lässt uns nach fünf veröffentlichten Songs in diesem Jahr wissen, dass sie aktuell an ihrem Debütalbum arbeitet und wir uns auf ein großes Album freuen können.

Harry Styles - Golden

Harry Styles – Mit aller Macht dem Alltag entfliehen

Selten zeigte sich ein Freigeist in den letzten Jahren stärker, als beim britischen Musiker Harry Styles. Mit seinem aktuellen Album Fine Line, das sich bisher über 3,6 Millionen Mal verkaufte, zeigt der britische Musiker nach seinem Debütalbum Harry Styles (2017) bereits ein zweites Mal, dass man sich nicht sicher sein kann, was man von dem Musiker zu erwarten hat. Denn mit Einflüssen aus Funk, Pop, Britpop, Indie, Soul und Folk, sowie Rock sind seine Songs so vielseitig wie individuell. Mit Lights Up, Adore You, Falling und Watermelon Sugar hat Styles bisher bereits vier Singles aus dem aktuellen Album veröffentlicht. Nun kommt mit Golden die fünfte Single dazu und lässt uns ein noch größeres Fernweh empfinden, als wir es eh bereits in diesem Jahr besitzen. Auch wenn das Musikvideo dieses Gefühl aufgreift, braucht der Song selbst die Bilder von fernen Ländern und ausgelassenen Momenten gar nicht zwingend. Mit schnellen Gitarren und einer unglaublich euphorischen Bridge kommen ab Sekunde eins Bilder in unseren Kopf, die uns aus unserem Alltag und dem runtergefahrenen Lebensgefühl des Jahres 2020 reißen und eine Flucht aus eben diesem Alltag bedeuten.

Harry Styles
Harry Styles

Hier entfesselt sich ein Lebensgefühl, das von der Lust auf Entdeckungen, Abenteuer und pure Freude lebt und in uns den Wunsch auf mehr wachsen lässt. Styles hat es geschafft vom Boyband-Mitglied zum angesehenen Musiker zu werden, der sich individuell, authentisch und eigen zeigt. Gleichzeitig gibt Golden – als ersten Track auf Fine Line – die Richtung des Albums vor und vermittelt ein ungemein sommerliches Gefühl. Im dazugehörigen Musikvideo sehen wir schließlich Styles auf den Straßen Italiens tanzen und den Moment genießen. Dabei kommt es immer wieder zu losen Momenten, bei denen die Italiener, den britischen Musiker erkennen und ihm ein Grinsen entlocken. Harry Styles hat ein Album veröffentlicht, das ein Lebensgefühl vermittelt, welches wir alle brauchen, um unsere Batterien wieder aufzutanken und bleibt dabei durch seinen Musikmix so offen, dass sich Menschen verschiedenster Altersgruppen und Musikgeschmäcker plötzlich treffen. So munkelt das Billboard Magazine auch schon, dass sich Styles gute Chancen auf gleich mehrere Nominierungen für die Grammy Awards ausrechnen kann. Mit Golden beweist er einmal mehr, dass er allemal das Zeug dazu hat.

Beatsteaks - In The Presence Of

Beatsteaks – Von großartigen Frauen inspiriert

In den vergangenen Tagen und Wochen wurden wir immer ungeduldiger. Da haben die Berliner Rockhelden von den Beatsteaks doch immer wieder neue Schnipsel aus dem Tonstudio veröffentlicht und ließen uns gespannt warten, was da heute kommen mag. Doch auch wenn bis gestern nicht ganz klar war, ob wir einen Song, eine EP oder gar eine Albumankündigung erwarten können, ließt sich die Geschichte der Band, wie aus einem Rockmärchen und garantiert somit, dass etwas brillantes kommen wird. Gegründet 1995 spielten die Beatsteaks anfangs auf Straßenfesten und bei Musikwettbewerben, ehe sie 1997 mit 48/49 ihr Debütalbum veröffentlichten. Hier wurden sogar noch einige Songs auf Deutsch gesungen. Mit Launched folgte 1999 das zweite Album. Schließlich gelang der Band mit dem Album Living Targets und den darauf enthaltenen Songs Let Me In und Summer 2002 der Durchbruch. Hier wurden sie erstmals einem großen Publikum bekannt und gleichzeitig im Radio und auf den Musiksender im TV gespielt.

Beatsteaks - Credits Chris Guse
Beatsteaks – Credits Chris Guse

Ihrem Status als Punkband blieben sie dabei, trotz der Kommerzialisierung ihrer Musik, stets treu und schafften es im weiteren Verlauf mit den Alben Smack Smash (2004) und Limbo Messiah (2007) erfolgreich in die deutschen Albumcharts. Seit Boombox (2011) sind sie auch immer wieder ein Garant für Nummer-1 Alben und platzierten neben diesem auch das selbstbetitelte Album Beatsteaks (2014) auf der Pole Position. Mit Yours kam 2017 das achte und bisher letzte Album auf den Markt. Nun sind die Beatsteaks mit neuem Material zurück und überraschen uns mit der neuen EP In The Presence of, die ausschließlich Coverversionen von Musikerinnen enthalten wird. Bis auf den heute veröffentlichten Track Monotonie bleibt vorerst geheim, welche Musikerinnen und Songs sich die Berliner noch für In The Presence ausgesucht haben. Hier werden wir wohl erst im Laufe der kommenden vier Wochen erfahren, was uns erwarten wird. Mit Monotonie zeigen uns die Beatsteaks auf jeden Fall schon Mal, dass sie den Jungs von Seeed in nichts nachstehen und einen ebenso chilligen Sommersound produzieren können. Dabei kommt das Original von Annette Humpe, die eine der erfolgreichsten Musikerinnen Deutschlands ist. Begonnen in den 80ern als Teil der Band Ideal, entstand hier auch der Song Monotonie.

Beatselfie - Credits Beatsteaks
Beatselfie – Credits Beatsteaks

Es folgten Projekte mit den Bands DÖF, Humpe & Humpe – zusammen mit ihrer Schwester Inga Humpe – und zuletzt Ich + Ich – bei dem Humpe zusammen mit Adel Tawil über 4 Millionen Platten verkaufte. Die Beatsteaks wiederum haben sich mit ihrer Version von Monotonie sehr nahe am Original gehalten und nur den Mittelrefrain ausgelassen. Doch auch klanglich übernehmen die Jungs um Arnim Teutoburg-Weiß den sommerlichen Reggaesound und heben den Song so in das Jahr 2020. Monotonie ist eine wahnsinnig lässige neue Single der Beatsteaks, die sich – wie im passenden Musikvideo zu sehen ist – nicht zu ernst nimmt und dabei die herausragende Arbeit weiblicher Musikerinnen verdeutlicht. Wird In The Presence Of am 11. Dezember veröffentlicht, gibt es sie dann überall digital zu bekommen und als Vinyl exklusiv auf der bandeigenen Shopseite http://www.beatstuff.de zu kaufen. Die Beatsteaks schaffen es mit Monotonie einmal mehr, ihren Status als eine der großartigsten Rockbands Deutschlands gerecht zu werden und werden mit der neuen EP alle begeistern.

Hot Chip feat. Jarvis Cocker - Straight To The Morning

Hot Chip feat. Jarvis Cocker – Gehen direkt auf die Tanzfläche

Ein wenig erstaunt hat es ja schon, dass Hot Chip plötzlich mit dem neuen Track Straight To The Morning aufwarteten. Denn während die Band zwischen 2004 und 2012 im Zwei-Jahres-Rhythmus insgesamt fünf Alben veröffentlichte, sollte das sechste Album Why Make Sense? bereits drei Jahre dauern und das siebte Album A Bath Full Of Ecstasy sogar vier Jahre benötigen, um im Sommer 2019 veröffentlicht zu werden. Somit dachte keiner daran, bereits ein Jahr später neue Musik der fünf Londoner zu hören. Mit Straight To The Morning nehmen uns die Briten dann aber doch direkt mit auf die Tanzfläche und zeigen uns, wie wir auch zu Hause unseren Clubmoment haben können. Aufgenommen wurde der Song, als letzte Studiosession noch vor dem Lockdown, zusammen mit der britischen Legende Jarvis Cocker – der als Sänger der britischen Indieband Pulp bereits seit Ende der 70er Jahre Musik macht.

Jarvis Cocker on Straight To The Morning
Jarvis Cocker on Straight To The Morning

Cocker beschrieb den Produktionsprozess dann auch damit, dass es sich ergreifend anfühlte, die ganze Nacht in einem Club ein Lied über das Tanzen zu singen, obwohl man wusste, dass es auf absehbare Zeit nicht möglich sein würde, so etwas zu tun. War dies im März, wissen wir selbst heute – neun Monate später – noch nicht, wann dies wieder der Fall sein wird. So widmen Hot Chip Straight To The Morning dann auch allen da draussen, um ein wenig Spaß zu haben. Straight to the Morning ist eine Disco-Hymne über das Ausgehen und für eine Zeit gedacht, in der die Leute es wirklich nicht können, sagen Hot Chip über den Song. Musikalisch könnte die Beschreibung des Songs nicht besser passen. Mit großartigen Discovibes und Alexis Taylors markantem Gesang fügt sich der Song wunderbar zusammen und versprüht den unweigerlichen Willen, eine Nacht durchzutanzen. Ganz im Sinne von Jarvis Cocker möchten wir mit Straight To The Morning bis in den Morgen tanzen und freuen uns schon jetzt auf den Remix des britischen Überfliegers Mighty Mouse, der auf der Vinyl des Songs – die Mitte Januar in einer limitierten Auflage von 500 Stück rauskommt – enthalten sein wird.