Zola Blood – Satter Elektrobeat mit Tiefe

Es ist nun schon wieder drei Jahre her, dass das britische Quartett Zola Blood mit dem Debütalbum Infinite Games zum festen Bestandteil der Londoner Elektroszene geworden sind. Mit einem Mix aus Techno, Dream-Pop lastige Chants und typischen Elementen von House und Ambient lassen die Jungs um Frontsänger Matt West nichts anbrennen. Nun bereiten uns die Jungs mit einem neuen Song, auf die – am 22. Mai erscheinende – EP Two Hearts vor. Beginnt die gleichnamige Leadsingle Two Hearts mit einem anschwellenden Rauschen, welches an Loud Places von Jamie XX erinnert, geht der Song in einer Synthiewolke voller zuckender 80er-Jahre Beats auf. Als roter Faden zieht sich das Thema Zeit und wie wir mit ihr umgehen durch die EP. Dabei bedienen sich Zola Blood auf ihren Coverbildern zu Two Hearts der traditionellen japanischen Kitsungi, bei der man zerbrochenes Porzellan mit Hilfe von Gold wieder zusammensetzt. Gleichzeitig kommt der Band die philosophische Frage auf, ob wir Dinge nur dann schätzen, wenn sie unversehrt bleiben und wir ihnen dadurch aber auch die Möglichkeit nehmen, sich zu Wandeln? Diese Komplexität verbinden Zola Blood auf Two Hearts gleich in zweierlei Hinsicht äußerst interessant. Denn zum einen klingt Two Hearts derbe und rau – vorrangig durch sein Soundbett und zum anderen fügt sich Wests Stimme so wunderbar in die Produktion ein, dass man das Verschmelzen dieser beiden Elemente förmlich vor seinem Auge zu sehen scheint. Two Hearts ist die Schnittstelle zwischen Club und Homeparty, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft und zwischen Trauer und Euphorie und könnte zum festen Begleiter in die Tiefen der Nacht werden.

Nena - Licht

Nena – Die Neuerfindung perfektioniert

Da steh sie nun, die große Zahl 60. An diesem Dienstag wird eine der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen 60 Jahre alt. Mit 99 Luftballons erreichte Nena 1983 international die Chartspitzen und ging die Single knapp 3 Millionen über den Ladentisch. Doch nicht nur mit 99 Luftballons war die Sängerin erfolgreich – so zählte sie in den 80er Jahren weitere Top-5 Hits wie Nur Geträumt, Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann, ? (Fragezeichen) und Leuchtturm zu den ganz großen Hits. Während sich ihr Erfolg in den 90er Jahren abkühlte, gab es ein zunehmendes Interesse anderer Künstler, ihre Songs zu covern. Allen voran machte Jan Delay mit seiner 1999er Version von Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann Schlagzeilen und schaffte es sogar, das Original sowohl von der Chartplatzierung, als auch von den Verkaufszahlen deutlich zu übertreffen. Denn kam das Original 1984 bis auf Platz 3, schaffte es Delay bis auf Platz 2 und verkaufte mehr als 500.000 Singles. Davon beflügelt, arbeitete Nena Anfang der 2000er an einem Best-Of Album der besonderen Art. Hier veröffentlichte sie mit Nena feat. Nena 2002 ihre größten Songs nochmal – allerdings in einem neuen Gewandt und mit musikalischer Unterstützung von Joachim Witt, Kim Wilde oder Udo Lindenberg. Mit über 1,5 Millionen verkauften Alben zählt es zu den meistverkauften Alben der Sängerin und markierte ihre Rückkehr auf die ganz großen Bühnen des Musikbusiness. Seitdem ist sie aus den oberen Rängen der Charts nicht mehr wegzudenken und erreichte 2005 mit Liebe Ist sogar wieder Platz 1 der deutschen Singlecharts. Trotz der mittlerweile 30 Studioalben, 47 Singleveröffentlichungen und 60 Jahren pfeift Nena auf das Alter und veröffentlicht an ihrem runden Geburtstag mit Licht einen neuen Song, über den es momentan noch nicht all zu viel Informationen gibt. Was allerdings sofort auffällt – der große 80er-Jahre Vibe, den Licht versprüht. Gepaart mit modernen Drums und einem großartigen Soundkostüm, tritt Licht ohne Umschweife in die Fußstapfen des momentan äußerst erfolgreichen Songs Blinding Lights von The Weeknd. Warum gerade Blinding Lights?! Beide nutzen die Synthies der 80er Jahre, haben ein sportliches Tempo, beinhalten melancholische Parts und Textzeilen und bauen auf einem Nostalgiegefühl auf, das momentan äußerst gefragt ist. Natürlich unterscheiden sich beide Künstler deutlich voneinander, doch macht Nena mit Licht so ziemlich alles richtig und erfindet sich einmal mehr neu. Ob mit dem Hashtag #gehtumalles womöglich der Albumtitel ihres neuen Studioalbums gemeint sein könnte, oder er sich einfach aus den Textzeilen zu Licht ergibt, kann nur vermutet werden. Licht ist eine der Überraschungen 2020 und lässt uns mit hochgerissenen Armen durch die Zeit der sozialen Distanz tanzen.

Like Elephants - Coastal Drive

Like Elephants – Wenn The Cure auf Rock trifft

Mit ihren Singles Video Game (2018) und Askja (2019) haben die Österreicher von Like Elephants in den vergangenen zwei Jahren für staunende Reaktionen gesorgt. Ist ihr Sound doch von Gitarren, Synthies und dadurch einer gehörigen Portion 80er Jahre-Vibe geprägt, haben sich Like Elephants aber gleichzeitig weiterentwickelt und genießen das Ausprobieren von verschiedensten Musikelementen. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Coastal Drive nehmen sich Like Elephants die ganz großen der 80er-Jahre-New-Wave-Zeit vor und erinnern auf ihrem neuen Song stark an Bands wie The Cure. Durch einen pulsierenden Beat, einem temperamentvollen Bass und der Stimme von Frontsänger Viktor Koch wird Coastal Drive zu einer großartigen New-Wave Hymne, die gleichzeitig große Stücke des Genres Dream-Pop beinhaltet. Coastal Drive ist die Hymne, wie wir jetzt brauchen, um für eine Nacht all das wegzutanzen, was uns tagsüber den Kopf zerbricht und ist damit nichts Geringeres, als die Flucht aus dem Alltag – auch wenn es nur für etwas mehr als vier Minuten ist.

Fickle Friends – Musikalische Weiterentwicklung

Er überrascht – der neue Song von Fickle Friends. Waren sie mit all ihren vorherigen Songs, wie The Moment (2018) oder Amateurs (2019) stark an den 80er Jahre orientiert, klingt die nun veröffentlichte Single Eats Me Up deutlich moderner und gleichzeitig erwachsener. So ist der verspielte Synthiesound einem schwelgerischen Popsound gewichen, der sich nachdenklich und traurig anhört. Natürlich ist ein Song ohne Synthies kein Fickle Friends Song – und werden die Synthies eingesetzt – allerdings nicht mehr so überbordernd und präsent, wie man es von der Band gewohnt ist. Vielmehr ist es eine Soundwolke und Natassjas Gesang, welche sich präsenter zeigen. Eats Me Up ist dabei eine Verarbeitung des ganzen Drucks, den die Sängerin und die Band in den letzten Jahren erlebten. Und so sind die Songzeilen I need peace of mind. Cos im up all night. Up in the clouds Figuring out. Wondering how I even got here. No I don’t need reminding. Of the thoughts I’ve been hiding. In the back of my head. Rather be dead. Rather than told that I’m lying auch unmissverständlich klar in ihrer Bedeutung. Die schwere des Themas hört man dem Song dieses Mal auch an, so ist Eats Me Up zwar durchgehend ein lupenreiner Popsong, doch schwebt dieses Mal auch immer eine Wolke der Vernunft mit.

Bloodhype - Violent Heart

Bloodhype – Mit Blut und Schweiß zum Hype

Es war im Herbst 2018, als dieser mystisch, dunkle Alternativerock für einen Moment inne halten ließ. Die Single Romeos der Berliner Band Bloodhype ließ aufhorchen. Mit einem epischen Soundbett, wabernden Synthies und Elmar Weylands Stimme, die gleichermaßen intensiv, rau und warm sowie bedrohlich und ausbrechend klang, hatten es Bloodhype innerhalb kürzester Zeit geschafft, die Aufmerksamkeit internationaler Blogs auf sich zu ziehen. Nun sind sie mit Violent Heart wieder da und zeigen, dass ihre Liebe zu dunklen Synthies gar noch stärker geworden ist. Mit einem ausladenden Sound aus Gitarren, Schlagzeug und Saxophon – der nach Gewinnern klingt – scheint es Christopher Kohl, Matt Müller, Erik Laser und Elmar Weyland genau in diese Richtung zu treiben. Dabei bleiben sie zu jeder Zeit präsent und lassen keinen Unterschied, zwischen deutschem Sound und dem der großen Amerikanischen und Britischen Bands, erkennen. 2020 wird für Bloodhype ein Schlüsseljahr werden. Werden sie den Durchbruch schaffen, oder bleiben sie in der Indie-Nische?! Das gilt es zu beobachten. Bloodhype haben mit ihrem angekündigten Debütalbum Modern Eyes – welches sie im Sommer veröffentlichen wollen und sowohl in den Berliner Hansa Studios, als auch in Kellerstudios in Berlin aufgenommen haben – und ersten Tourdates im Herbst 2020 zumindest die besten Vorraussetzungen, um sich diesem Ziel mit großen Schritten zu nähern. Und selbst internationale Termine sollen aktuell im Gespräch sein. Da scheint eine andere Richtung, als die zum Erfolg fast schon ausgeschlossen – wir bleiben dran!

Das Moped – Chaostheorie als Genre

Im Mai 2019 hatten Das Moped mit der Single Wenn Du Ehrlich Bist eine wahre Perle veröffentlicht. Der Sound, der so sehnsüchtig klang und eine pure Reminiszenz an unsere Jugendhelden von ECHT war, schaffte es auf direktem Weg in unser Herz. Nun haben Das Moped mit Niemand Sonst eine neue Single und gleichnamige EP veröffentlicht und kündigen für Sommer 2020 sogar ein Debütalbum an. Zuvor gehen sie aber bereits ab dieser Woche auf eine ausgedehnte Tour und supporten Wanda auf ihren Deutschlandkonzerten. Mit der Single Niemand Sonst haben Martin Brunner (Gesang und Synthies), Augustin Zimmer (Gesang und Gitarre) und Ali Baltz (Bass) – die Das Moped verkörpern – eine so offensichtlich popverliebte Hymne über den Try-and-Fail Moment geschrieben, dass man sich sofort auf einem Abschlussball in die Turnhalle unter die Diskokugel stellen möchte und davon träumt, Derjenige zu sein, der all die coolen Tanzmoves beherrscht und damit den Schwarm der ganzen Schule begeistern kann. Niemand Sonst ist Retropop, der den Vibe der 80er-Jahre vor sich hertreibt und dabei so ansteckend ist, wie der Ohrwurm von Joachim Witts Goldener Reiter. Mit der Kopfstimme Augustins, und dem unglaublich sympathisch, schrägen und chaotischen Musikvideo ist Niemand Sonst ein wahre Perle des Pops und begeistert uns mit seinem leichten, luftigen Sound.

Purity Ring - Stardew

Purity Ring – Mysteriöse Homepage und Album Nr. 3

Es scheint momentan eine Zeitspanne zu sein, die viele Musiker motiviert, wieder ein Album zu veröffentlichen. Nach Shrines (2012) und Another Eternity (2015) hatte sich das kanadische Duo Purity Ring lange fünf Jahre nicht mehr zurückgemeldet. Dabei standen sie Anfang der 2010er-Dekade mir Bands wie MS MR und Poliça für eine Welle mystisch, epischer Synthiepop-Songs. Nach zwei ausgedehnten Tourjahren 2016 und 2017 gab das Duo um Megan James und Corin Roddick 2017 schließlich bekannt, sich eine Auszeit zu nehmen, um an neuem Material zu arbeiten. Nun ist das lange Warten vorbei – denn mit einem kleinen Puzzle auf ihrer Homepage kündigen Purity Ring nun mit der Single Stardew nicht nur neue Musik an, sondern gleichzeitig ihr drittes Studioalbum Womb und eine ausgedehnte Tour, die sie im September auch nach Berlin führen wird. Auf Stardew verbinden Purity Ring einmal mehr ihren typischen Synthiesound mit Glocken und dem mädchenhaften Gesang James‘. Dabei klingt Stardew deutlich positiver und heller, als es die ersten beiden Alben taten. Mit einer regelrecht euphorischen Stimmung singt sich James durch pulsierende Synthies und tanzt förmlich auf einem wabernden Beat. Mit Stardew lassen Purity Ring die letzten fünf Jahre der Stille fulminant enden und versprechen nicht weniger, als ein weiteres großartiges Album zu veröffentlichen.

 

The Strokes - At The Door

The Strokes – 7-Jährige Pause episch beendet

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer – die US-Amerikanische Band The Strokes hat mit At The Door vorgestern die erste Single nach sieben Jahren ohne neue Musik veröffentlicht. Sorgten die Strokes Anfang der 2000er mit großen Indie-Hits, wie Last NightSomeday oder 12:51 für volle Tanzflächen, werden diese Songs auch heute noch auf jeder Indie-Party gespielt. Während es für die Band in den Jahren nach ihrem großen Erfolg zunehmend schwerer wurde, sich im Indie-Bereich an der Spitze zu halten, schafften es viele Bands – vor allem aus Großbritannien – an die Oberfläche und ganz nach oben. Nun sind seit ihrem letzten Album Comedown Machine (2013) sieben Jahre vergangen, in denen die Band zwar noch Konzerte spielte, aber so gut wie keine neue Musik mehr veröffentlichte. Doch immer wieder streute die Band über die Jahre die Nachricht, dass die Jungs um Julian Casablancas an einem neuen Album arbeiten würden – nur, um es kurze Zeit später wieder zu dementieren. Doch mit der Veröffentlichung vom fast sechs-minütigen Song At The Door betreten die Strokes eine Welt, die sich irgendwo zwischen Retro-Futurismus à la Tron und Science-Fiction-Epos einordnet. Mit starken Synthies, einem gänzlichen Verzicht der Gitarre und deutlichen Referenzen an die Franzosen von Daft Punk ist At The Door nichts geringeres, als ein Epos, das melancholisch und in Slow-Motion an uns vorbeizieht. Dabei sehen wir im Musikvideo Zusammenschnitte aus dem Zeichentrickfilm Watership Down – Unten am Fluss mit seinen verstörenden Bildern. The Strokes haben für den 10. April 2020 endlich ihr sechstes Studioalbum The New Abnormal angekündigt, das von Rick Rubin produziert wurde. Mit At The Door als erste Single dürfen wir also gespannt sein, wie sich das neue Album in voller Länge anhören wird.

OTR feat. Ukiyo - Midnight Sun

OTR – Kündigt langersehntes Debütalbum an

Es ist dieser euphorische Moment, den wir im Sound des Künstlers OTR wiedererkennen. Ein Sound, der uns an M83 oder an Flume erinnert. Und tatsächlich zählen diese Künstler sowie auch Petit Biscuit und ODESZA zu den großen Einflüssen des US-Amerikanischen Musikers Ryan Chadwick, der als OTR bereits 2018 mit seiner EP Unfold für Aufsehen sorgte. Nun hat OTR mit Lost At Midnight sein Debütalbum für den 24. April angekündigt und sorgt mit seiner Tracklist erneut für Begeisterung. Denn bereits bei den veröffentlichten Songs Drive – zusammen mit Panama – und Heart – der mit Shallou entstand – hat OTR keine Geringeren als zwei der großartigsten Künstler aus dem Bereich Mood-Electro auf seinem Album dabei. Doch mit seiner nun veröffentlichten und offiziellen Leadsingle Midnight Sun hat sich der 26-Jährige einen weiteren Künstler dieses Bereichs geschnappt und zusammen mit dem 20-jährigen Australier Ukiyo einen epischen und cineastischen Sound produziert, der sich auf eine Stufe mit M83s Meisterwerk Hurry Up, We’re Dreaming stellen kann. Mit großem Sound, flirrenden Synthies und hallendem Gesang passt Midnight Sun wunderbar zum Sonnenaufgang und dem Erwachen von Leben. Denn genau in einem solchen Moment kam OTR die Idee zu dem Song. In einem Flugzeug sitzend, kam ihm dieser Moment – mit Blick über die Wolken zur aufgehenden Sonne – so monumental vor, dass es für ihn klar war, dem Song einen opulenten Sound zu geben. Neben Panama, Shallou und Ukiyo werden aber auch Au/Ra und Vancouver Sleep Clinic mit dabei sein und das Album zu einem Anwärter auf das Debütalbum des Jahres werden lassen.

Gengahr - Icarus

Gengahr – Der große Wurf

Das britische Quartett Gengahr hat in ihrer bisherigen Bandlaufbahn vorrangig mit Psychedelic Rock begeistert, Obendrein beinhaltete ihre Musik auch immer Indie. Nach den Singles Everything & More und Heavenly Maybe haben die Londoner nun mit Icarus eine weitere Single veröffentlicht und feiern heute zusätzlich die Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums Sanctuary. Was sich in den ersten beiden Singleauskopplungen bereits andeutete, wird mit Icarus nun nochmals bestätigt – der Sound der Band hat sich verändert. Durch Synthies und aufwändige Gesangsebenen ist Icarus nicht mehr nur Indierock sondern hat auch deutlich mehr elektronische Elemente zu bieten. Diese kommen nicht von ungefähr, zeichnet sich doch für die Produktion des gesamten Albums der Bombay Bicycle Club Frontmann Jack Steadman verantwortlich. Darum wundert es auch nicht, dass die vier Jungs von Gengahr letztes Jahr bereits als Support-Act auf den Konzerten von Bombay Bicycle Club spielten. Nun sind sie für vier Termine in Deutschland zurück und können Ende Febraur live in Köln, Berlin, München und Hamburg erlebt werden. Mit so vielen neuen Einflüssen ist das neue Album eine Entdeckung wert und zeigt, dass Gengahr mit der Veränderung ihrer Musik überzeugen können.