Bosse – Euphorisch und Sentimental

Wenn Bosse etwas ganz sicher beherrscht, dann ist es euphorische Popsongs mit Sentimentalität zu verbinden. Ob bei 3 Millionen, Yipi, Dein Hurra oder Frankfurt/Oder – mit dem Bosse, durch die Coverversionen Zoutelande der Niederländischen Band Bløf übrigens Chartrekorde in den Niederlanden und Belgien gebrochen hat – überall schwebt dieses Gefühl von Trauer, begleitet von Freude, mit. Nun hat Bosse sein siebtes Album Alles Ist Jetzt angekündigt und die gleichnamige Single daraus veröffentlicht. Darauf klingt Bosse poppiger, schneller und energiegeladen. Mit Textzeilen Was du träumst das musst du machen. All die besten super Sachen. Einfach machen, einfach machen hat er uns sofort und löst ein Gefühl der Sehnsucht nach genau diesem Gefühl aus. Und genau das ist es, was Bosse immer und immer wieder schafft und damit auch eine Schar an musikalischen Freunden um sich vereint. Da ist es nicht verwunderlich, dass im dazugehörigen Video unter anderem Romano, Anna Maria Mühe, die Mighty Oaks oder Madsen mitmachen wollten. Ein Hoch auf Aki. Ein Hoch auf Bosse!

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Rüfüs Du Sol – Ein Name für Alle

Acht Jahre haben sie es durchgehalten, doch am Ende hat ein Name alles vereinfacht. Und so wird aus Rüfüs, Rüfüs Du Sol. Wurde der längere Name seit der Gründung 2010 ausschließlich für den US-Amerikanischen Markt verwendet, wird das australische Trio mit seinem dritten Studioalbum nun unter diesem Namen weltweit auftreten. Mit dieser Ankündigung einher, geht die Veröffentlichung des ersten Songs No Place, aus dem kommenden Album. War ihr Sound auf dem 2016er Album Bloom noch von Weite geprägt, klingt No Place nun deutlicher nach Club-Atmosphäre. Dabei greifen Rüfüs Du Sol in den ersten 40 Sekunden die Basis des Welthits Insomnia auf, welcher die britische Band Faithless über Nacht zu weltweiten Stars machte. Mit melodischen Bässen und mehrfachen Breaks geben Rüfüs Du Sol einmal mehr das, was wir von ihnen verlangen – treibende Beats und große, elektronische Emotionen.

Clueso – Sommervibe im Handgepäck

Einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands geht neue Wege. Mit zwei Nummer-1-Alben im Gepäck steuert der Erfurter Sänger nun mit seinem neuen Album die dritte Pole Position an. Dabei macht er sich Lieder zu nutzen, die über die letzten Jahre auf Tour entstanden sind, allerdings niemals auf eine Platte gepresst wurden. Sie sind zu den unterschiedlichsten Zeiten mit den unterschiedlichsten Problemen entstanden und erzählen den dem Gefühl eines Rastlosen. So wird das – Ende August erscheinende – Album Handgepäck I heißen und der Nummerierung zufolge wohl die Erwartungen auf eine Serie erhöhen. Die erste Singleauskopplung daraus hört auf Du Und Ich und steht dem Sound eines Jack Johnson oder Jason Mraz in nichts nach. Hier gibt sich Clueso lässig, freigeistig und produziert mit seiner Gitarre einen Sound, der Entspannung pur bedeutet. Da singt Clueso vom nach Hause kommen und dem Gefühl, sich daran zu erinnern, wo man herkommt. Du Und Ich klingt dabei, als würde der 38-Jährige gerade erwachsen werden und mit der Sturm und Drang Zeit abschließen. Die erste Single aus dem kommenden, achten Studioalbum überrascht, klingt erfrischend und zeigt Clueso in einer wiederentdeckten Gelassenheit, die vor ein paar Jahren kaum vorstellbar war.

Lenny Kravitz – Zeitreise ins Jahr 1998

Es war sein bisher größter Erfolg – das 1998 veröffentlichte Album 5 welches ihm 6 Millionen verkaufte Platten und zwei Grammys als Best Male Rock Vocal Performance für Fly Away und American Woman einbrachte. Seiner Zeit weit voraus verband 5 die Musikstile Rock, Pop, Funk und Soul und brachte sie in den Mainstream. 20 Jahre später und sechs Alben weiter veröffentlicht Lenny Kravitz im September mit Raise Vibration sein mittlerweile elftes Studioalbum. Darauf zu finden ist auch, die nun veröffentlichte Single Low. Hier klingt Kravitz, als hätte er die Zeit angehalten. So viel Funk, Coolness und Soul, wie auf Low hat es seit dem Album 5 nicht mehr von ihm zu hören gegeben. Dabei holt er sich eine Stimme dazu, die eigentlich seit Jahren nicht mehr verfügbar ist – Michael Jackson. Denn noch zu Lebzeiten hatte Kravitz an dem Song gearbeitet und Jackson die typischen Schreie aufnehmen lassen. Herausgekommen ist ein Song voller Sexappeal, Soul und Wärme und ein Lenny Kravitz, der zu seiner absoluten Höchstform aufläuft.

Passenger – Unaufgeregt und mit Herz zurück

Fluch und Segen zugleich – so könnte man Let Her Go vom britischen Folksänger Passenger beschreiben. Sicherlich ein deutlich größerer Segen als Fluch. Denn hatte dieser Song den Sänger einst 2012 an die Spitze von 19 Ländern gebracht, wurde er so häufig gespielt, dass Passengers markante Stimme danach kaum noch Gehör fand – so sehr reduzierte man ihn auf Let Her Go. Doch ermöglichte gerade dieser Song ihm auch, dass er mehr von seiner Musik veröffentlichen konnte und sich schließlich alle Alben in den Charts wiederfanden und mit dem 2016er Album Young as the Morning, Old as the Sea sogar wieder auf Platz 1 in Großbritannien stand. Nun kündigt der Sänger mit der Single Hell Or High Water sein neuntes Studioalbum an, für das allerdings noch kein Veröffentlichungstermin feststeht. Dabei singt sich Passenger entspannt und wie auf einem Roadtrip befindend durch die 3:40 Minuten. Mit dabei sind Gitarren, ein Banjo und Schlagzeug, der er sanft und verträumt nutz. Schließlich setzt mit einem Violinenspiel der intensivste Teil ein und könnte nun wunderbar als Break-up-Song dienen. Passenger hat sich in den letzten Jahren keine Zeit gelassen und unnachgiebig Material veröffentlicht und dennoch hat er uns die Zeit gegeben, uns loszureißen und seinen größten Hit zu verarbeiten. Nur, um nun wieder mit vollem Herzen seiner Musik zu folgen.

The Kooks – Doppelsingle zum 5. Album

Doppelsingles scheinen aktuell stark in Mode zu sein. Nicht anders ist es zu erklären, dass Honne, Snow Patrol oder nun auch The Kooks gleich zwei Singles veröffentlichen, um ein neues Album anzukündigen. Ihr fünftes Studioalbum hört auf den Namen Let‘s Go Sunshine und ist für Ende August angekündigt. Mit den beiden Singles No Pressure und All The Time haben The Kooks um Frontsänger Luke Pritchard zwei äußerst unterschiedliche Singles veröffentlicht. Klingt No Pressure noch typisch nach The Kooks, ist es gerade die Single All The Time, die überrascht. Denn hier haben The Kooks einen Song produziert, der sich an großen Künstlern wie Kansas und Arctic Monkeys orientiert. Nicht von ungefähr kommentieren viele YouTube-Nutzer, dass sie sich an den Song Dust In The Wind erinnert fühlen. Musikalisch auch mit im Rennen, ist ein rauerer Klang, der Pritchards Stimme verfremdet und damit den bekannten Kooks-Sound verlässt. Dabei gehen sie einen Tanz mit Pop und Rock ein und liefern einen Refrain ab, der im Ohr bleibt. Nach dem Album Listen haben The Kooks entschieden, tanzbarer zu werden und beweisen auf den ersten beiden Singles, das ihnen dies vorzüglich gelungen ist.

She & Him – Freches Genderspiel

She & Him sind seit jeher für ihren folkigen Countrypop berüchtigt. Dieser klingt immer auch verschmitzt und ist mit einem Hauch von Süffisanz versetzt. Dabei lassen sich Zooey Deschanel und Matthew Ward nie irritieren und bleiben ihrem ganz eigenen Stil treu. Ist ihr letztes, selbst geschriebenes Studioalbum bereits fünf Jahre her, hatten sie mit den Interpretationen auf Classics und dem zweiten Weihnachtsalbum Christmas Party in den letzten Jahren dennoch Material veröffentlicht. Inspiriert durch die Compilation Universal Love, auf der Bob Dylan, Kesha, Kele Okereke, St. Vincent und Benjamin Gibbard große Klassiker uminterpretieren und jeweils immer das Geschlecht des Songs verändern, haben She & Him einen Song geschrieben, den sie nun in zweifacher Ausführung veröffentlicht haben. So gibt es die Versionen She Gives Her Love To Me und He Gives His Love To Me, die – wie auch Universal Love – als Soundtrack für gleichgeschlechtliche Hochzeiten fungieren soll. Mit Gitarren beginnend, hakt sich Deschanel harmonisch in den Song ein und singt in gewohnt herzlicher Manier. Dabei kommt die Atmosphäre eines Aufenthaltes auf einem Südstaaten-Rastplatz auf, bei dem alle friedlich zum Song mitgehen. She & Him schaffen es immer wieder, durch ihren ganz eigenen Stil, als Ausreißer, aus der Popwelt, zu fungieren und sind mit She Gives Her Love To Me/He Gives His Love To Me endlich wieder mit einem selbst produzierten Song zurück.

Aurora – Engel des Nordens

Sie ist wie eine Fee. Die norwegische Sängerin Aurora hatte mit einem ihrer ersten Songs Awakening (2013) und dem im Frühjahr 2016 veröffentlichten Debütalbum All My Demons Greeting Me as a Friend alle begeistert. Nicht zuletzt durch die beiden Singles Running with the Wolves und Half the World Away welche in Werbespots für Vodafone und John Lewis eingesetzt wurden – hatte sie europaweit große Aufmerksamkeit erlangt. Dabei ist die 21-jährige Sängerin genau das Gegenteil – ist sie doch in sich gekehrt und bereits mit kleinen Dingen zufrieden und versprüht auf Konzerten eine außergewöhnliche Aura von Glück, Frieden und unglaublich viel Freude. Hierzu bewegt sich Aurora so grazil – einer Fee gleich – über die Bühnen und verzaubert alle im Publikum mit ihrer bloßen Anwesenheit. Nun hat Aurora zur Ankündigung ihres zweiten Studioalbums die Single Queendom veröffentlicht, die durch einen schnellen Sound und elektronischen Beats begeistert. Dabei singt Aurora gewohnt klar und bildet so einen fantastischen Kontrapunkt. Queendom ist eine lebensbejahende Hymne für all diejenigen, die etwas fühlen wollen und sowohl Geborgenheit, als auch Freiheit suchen. All dies schüttet Aurora so lässig aus dem Ärmel, dass man sich ihr hingeben und einfach nur zuhören möchte.

Madsen – Brachial zurück

Da ist er wieder, der Klang, als würde eine Schülerband gerade eine neue Single veröffentlichen. Doch, dass die neue Single Rückenwind von End-Dreißigern gesungen wird, kann man sich bei Madsens neuer Single kaum vorstellen. Genau das ist aber eines der Erfolgsgeheimnisse, die Madsen haben. Bereits seit 14 Jahren machen sie nun schon zusammen Musik und haben dabei sechs Studioalben veröffentlicht. Nun kündigt die Band für den 15. Juni 2018 ihr neues Album Lichtjahre an und hat mit der Leadsingle Rückenwind einen wahren Kracher im Gepäck. Denn hier zeigen sich Madsen brachial und schroff. Dabei singt Johannes Madsen energisch und mündet in einem Song zum Anführen. Man stellt sich förmlich vor, wie die Band an der Spitze einer Demonstration läuft und hinter ihnen die Menge folgt. Dabei klingen sie nicht aggressiv, sondern viel mehr direkt und nach Aufbruch. Am Ende steht eine großartige Hymne an das Fernweh und lässt Madsen – als eine der großartigsten Indiebands des Landes – zurück auf die Bühne kommen.

Zola Jesus – Dunkle Elektrovibes

Bereits im September 2017 veröffentlichte die amerikanische Sängerin Zola Jesus ihr fünftes Studioalbum Okovi. Darauf enthalten sind unter anderem die Singles Exhumed, Soak und Siphon, die allesamt auch als Single ausgekoppelt wurden. Nun reiht sich mit Ash To Bone eine vierte Singleauskopplung ein, die eigentlich gar nicht dafür gedacht war. So handelt es sich bei der aktuellen Version von Ash To Bone um einen Remix des Amerikaners Johnny Jewel, der sowohl bei den Chromatics, als auch bei den Glass Candys mitgemacht hat. Diese Bands stehen allesamt für Synthie-Pop. Ash To Bone wird herbei – durch Jewels Hand anlegen – zu einem dunklen Synthie-Pop, fast schon Gothic-angehauchten Soundtrack. Hier geht man durch eine finstere und spannende Nacht, zusammen mit Zola Jesus und dem, was Jewel als Traum hatte, als er das Original hörte. Allemal Wert, dem Song mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, hat ihn Jesus kurzerhand mit einem Musikvideo versehen und nun veröffentlicht. Dass Jesus bereits als Ausnahmekünstlerin gilt, ist unlängst bekannt, doch mit der Fortführung dieses Songs, rückt Johnny Jewel die Sängerin noch ein wenig mehr ins rechte Licht und präsentiert sie als dunkle Popikone mit ganz großer Gestik.