The Strokes - At The Door

The Strokes – 7-Jährige Pause episch beendet

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer – die US-Amerikanische Band The Strokes hat mit At The Door vorgestern die erste Single nach sieben Jahren ohne neue Musik veröffentlicht. Sorgten die Strokes Anfang der 2000er mit großen Indie-Hits, wie Last NightSomeday oder 12:51 für volle Tanzflächen, werden diese Songs auch heute noch auf jeder Indie-Party gespielt. Während es für die Band in den Jahren nach ihrem großen Erfolg zunehmend schwerer wurde, sich im Indie-Bereich an der Spitze zu halten, schafften es viele Bands – vor allem aus Großbritannien – an die Oberfläche und ganz nach oben. Nun sind seit ihrem letzten Album Comedown Machine (2013) sieben Jahre vergangen, in denen die Band zwar noch Konzerte spielte, aber so gut wie keine neue Musik mehr veröffentlichte. Doch immer wieder streute die Band über die Jahre die Nachricht, dass die Jungs um Julian Casablancas an einem neuen Album arbeiten würden – nur, um es kurze Zeit später wieder zu dementieren. Doch mit der Veröffentlichung vom fast sechs-minütigen Song At The Door betreten die Strokes eine Welt, die sich irgendwo zwischen Retro-Futurismus à la Tron und Science-Fiction-Epos einordnet. Mit starken Synthies, einem gänzlichen Verzicht der Gitarre und deutlichen Referenzen an die Franzosen von Daft Punk ist At The Door nichts geringeres, als ein Epos, das melancholisch und in Slow-Motion an uns vorbeizieht. Dabei sehen wir im Musikvideo Zusammenschnitte aus dem Zeichentrickfilm Watership Down – Unten am Fluss mit seinen verstörenden Bildern. The Strokes haben für den 10. April 2020 endlich ihr sechstes Studioalbum The New Abnormal angekündigt, das von Rick Rubin produziert wurde. Mit At The Door als erste Single dürfen wir also gespannt sein, wie sich das neue Album in voller Länge anhören wird.

OTR feat. Ukiyo - Midnight Sun

OTR – Kündigt langersehntes Debütalbum an

Es ist dieser euphorische Moment, den wir im Sound des Künstlers OTR wiedererkennen. Ein Sound, der uns an M83 oder an Flume erinnert. Und tatsächlich zählen diese Künstler sowie auch Petit Biscuit und ODESZA zu den großen Einflüssen des US-Amerikanischen Musikers Ryan Chadwick, der als OTR bereits 2018 mit seiner EP Unfold für Aufsehen sorgte. Nun hat OTR mit Lost At Midnight sein Debütalbum für den 24. April angekündigt und sorgt mit seiner Tracklist erneut für Begeisterung. Denn bereits bei den veröffentlichten Songs Drive – zusammen mit Panama – und Heart – der mit Shallou entstand – hat OTR keine Geringeren als zwei der großartigsten Künstler aus dem Bereich Mood-Electro auf seinem Album dabei. Doch mit seiner nun veröffentlichten und offiziellen Leadsingle Midnight Sun hat sich der 26-Jährige einen weiteren Künstler dieses Bereichs geschnappt und zusammen mit dem 20-jährigen Australier Ukiyo einen epischen und cineastischen Sound produziert, der sich auf eine Stufe mit M83s Meisterwerk Hurry Up, We’re Dreaming stellen kann. Mit großem Sound, flirrenden Synthies und hallendem Gesang passt Midnight Sun wunderbar zum Sonnenaufgang und dem Erwachen von Leben. Denn genau in einem solchen Moment kam OTR die Idee zu dem Song. In einem Flugzeug sitzend, kam ihm dieser Moment – mit Blick über die Wolken zur aufgehenden Sonne – so monumental vor, dass es für ihn klar war, dem Song einen opulenten Sound zu geben. Neben Panama, Shallou und Ukiyo werden aber auch Au/Ra und Vancouver Sleep Clinic mit dabei sein und das Album zu einem Anwärter auf das Debütalbum des Jahres werden lassen.

Khruangbin feat. Leon Bridges - Texas Sun

Khruangbin feat. Leon Bridges – Thai-Funk oder Südstaaten-Rock?

Es ist eine interessante Mischung, die das US-Amerikanische Trio Khruangbin in seiner Musik vereint. Kommen die Songs zumeist instrumental daher, verbinden Laura Lee, Mark Speer und Donald Johnson hauptsächlich Funk, Soul und Rock und hören sich dabei auch immer authentisch nach Südstaaten-Rock an. Erstaunlich ist hier wiederum, dass die Band, bis auf wenige Ausnahmen wie Leon Bridges, durchweg als Support von elektronischen Künstlern, wie Bonobo, Massive Attack oder Tycho gebucht wird und damit ein weitaus größeres und moderneres Publikum anspricht, als es ihr eher traditioneller Sound vermuten lässt. Nach ihrem dritten Album Hasta el cielo dass im Sommer 2019 erschien, haben sie nun für diesen Freitag die neue EP Texas Sun angekündigt. Diese ist eine Kollaboration mit dem US-Amerikanischen Soulsänger Leon Bridges, den sie 2018 auf seiner Tour supporten dürften. Dabei wird deutlich, wie sehr ihr instrumentaler Rock nach einer Stimme zu greifen scheint, denn auf der Single Texas Sun zeigt sich, wie sich Bridges‘ Gesang an die Harmonien anschmiegt und die feinen Nuancen von Schlagzeug und Gitarren deutlich werden. Die Kollaboration von Khruangbin und Leon Bridges ist eine der unerwartetsten aber gleichzeitig auch spannendsten und zeigt, dass sich unterschiedliche Musikstile wunderbar zu einem großartigen Sound zusammenfinden können.

AY AY feat. QNTN - Break

AY AY – Der Realität ins Auge blicken

Es ist nicht viel über den deutschen Produzenten AY AY bekannt. Bisher hat der Berliner mit Intro und What You Need zwei Songs veröffentlicht. Gesigned bei dem Majorlabel BMG wird dort ein großes Potential in dem Produzenten gesehen. Schaut man sich seine neueste Auskopplung an, wird klar, warum BMG so denkt. Denn mit Break hat der Produzent AY AY einen verdammt guten Drum’n’Bass Song veröffentlicht, der eine klare Sprache spricht. Wir sind die Jugend, wir werden uns von den Alten nicht sagen lassen, wie wir zu leben haben, wenn diese nicht mehr sind. Break spricht über den Generationskonflikt und der heutigen Jugend, die auf die Straße geht und dafür demonstriert, das alte Denken abzulegen. Mit eindrucksvollen Bildern untermalt AY AY im Musikvideo seinen Sound und zeigt Momente des Wohlstandes, der Liebe, des Hasses, des Todes und der Verzweiflung, die je nach Land und Herkunft deutliche Unterschiede aufweisen. Die musikalische, wie auch gemeinte Botschaft ist klar: We Won’t Break For No One – Wir werden vor Euch nicht in die Knie gehen.

Giant Rooks - Watershed

Giant Rooks – Sound im Wandel

Die Giant Rooks haben über die letzten Jahre eine beachtliche Größe erreicht. Ganz aus sich heraus gewachsen, haben die fünf aus Nordrhein-Westfalen kommenden Musiker es geschafft, binnen nur zwei Jahren – seit ihrer Gründung 2014 – zur Vorband von The Temper Trap oder Kraftklub zu werden und verkaufen mittlerweile sogar die Berliner Columbiahalle aus. Dabei war es sicher hilfreich, dass am 1. Dezember 2019 eine Tatort Folge mit gleich drei Songs der Band über 9 Millionen TV-Zuschauer fand und somit bei einer nicht zu unterschätzende Zuschauerzahl Interesse weckte. Doch auch fernab dieser Zuspiele sind die Giant Rooks ein absoluter Garant für großartigen Indie aus Deutschland und spielen sich live in alle Herzen. Denn ihre Aufrichtigkeit und Direktheit kommt an. So wirken sie dem Publikum immer nah, zeigen Spielwut und genießen jedes Konzert sichtlich. Nach den drei EP’s The Times Are Bursting the Lines (2015), New Estate (2017) und Wild Stare (2019) wird es Zeit für ein Debütalbum – und dieser Weg wird gerade geebnet. Denn, dass die Band nicht stehen bleibt, zeigten sie im Herbst 2019 mit der Veröffentlichung des Songs King Thinking – der erstmals einen anderen Ton anschlug. Jetzt sind sie mit Watershed zurück und überzeugen mit einem – schon ziemlich passenden – Stadionsound, der sich deutlich größer anhört, als ihre bisherigen Songs. Mit einem Klavierspiel, treibenden Beats und mehrstimmigen Gesang begeistern Giant Rooks vollends und ist dabei das Kratzige in der Stimme des Frontsängers Frederik Rabe zugunsten einer wärmeren Stimmlage gewichen. Watershed neigt dazu, ein neues Kapitel der Giant Rooks einzuläuten und dürfte gleichzeitig große Hoffnungen auf ein baldiges Debütalbum schüren. Gleichzeitig füllt die kommende Europatour, die im April und Mai 30 Städte anlaufen wird, den Namen Rookery der nicht passender für das Debütalbum sein könnte.

Jeremias - Schon Okay

Jeremias – Das Funk-Phänomen

Mit der EP Du Musst An Den Frühling Glauben haben die vier Jungs von Jeremias im Herbst vergangenen Jahres ein unglaubliches Ausrufezeichen gesetzt. Mit ihrer Mischung aus lockeren Indie-Sounds, gepaart mit Funk und Pop haben sich die Hannoveraner durch Songs, wie Alles und Sommer in die Köpfe gespielt. Land auf, Land ab wurden sie mit offenen Armen empfangen und dürften auf unzähligen Radiokonzerten zeigen, wie die neue Lockerheit der jungen Wilden funktioniert. Denn gerade diese Lockerheit steht auch für den Sound der Band. Nachdem Jeremias im Dezember den Song Grüne Augen Lügen Nicht veröffentlichten und damit erstmals mit einem Sound überzeugten, der weiser und erwachsener klang, kehren sie nun mit ihrer neuesten Single Schon Okay wieder in das Muster der jungen Wilden zurück. Zwischen Leidenschaft und Gier, Hingabe und Gleichgültigkeit schwingt Schon Okay gekonnt durch treibend, funkige Gitarrensolos. Hinzu kommt, dass sich Frontmann Jeremias Heimbach auf Schon Okay stimmlich ausprobiert und mit einer großartigen Kopfstimme überzeugt. Gleichzeitig läutet die Band mit der neuen Single ihre bevorstehende Tour ein, die sie durch 18 deutsche Städte führen wird. Wer daher einen guten Mix aus Indie, Disco und Funk sucht ist bei Jeremias goldrichtig.

The Coronas - Haunted

The Coronas – Bewegende Zeiten

2019 war für die Dubliner Band The Coronas ein bewegendes Jahr. Zum einen veröffentlichten sie die Single Find The Water, die mit einer unglaublichen Intensität für eine begeisterte Resonanz sorgte. Dann gab es im September einen Gig auf dem Berliner Lollapalooza Festival, welches ihren bisher größten Auftritt in Deutschland markierte und schließlich folgte Ende November die Nachricht, dass der Gitarrist Dave McPhillips die Band zum Ende des Jahres nach 12 Jahren verlassen würde. Diese Nachricht schaffte es sogar auf die Titelseiten der irischen Presse und zeigt, wie sehr die Iren mit ihren irischen Helden verbunden sind. Nun haben The Coronas mit Haunted eine weitere Single veröffentlicht, die eine Aufbruchstimmung versprüht und dabei so aufrichtig und ehrlich, wie verschlossen ist. Denn hierbei geht es darum, in einer Partnerschaft offen und aufrichtig zu sein. Dass das als Musiker manchmal schwieriger ist, als die gleichen Worte in Songs zu verarbeiten, wissen die irischen Jungs nur zu gut. Haunted überzeugt einmal mehr mit mehrstimmigen Refrain, Danny O’Reillys familiärem Gesang und neuen elektronischen Elementen. Einmal mehr haben es The Coronas geschafft eine Stadionhymne zu schreiben und gleichzeitig die Gebrochenheit zu transportieren, die das Lied zeichnet. Mit neuen Konzerttermin für die USA, Großbritannien und Irland im Gepäck, dürfte die Ankündigung, eines baldigen neuen Albums nur noch eine Frage der Zeit sein. Wir sehen also gespannt einem aufregenden neuen Jahr für The Coronas entgegen.

Lomboy - Like Me (Baillie Jnr Remix)

Lomboy – Mit Synthie-Pop aus Österreich in die internationale Musikszene

Lomboy – das ist die österreichische Musikerin Tanja Frinta – hat, nach ihren 2019er Veröffentlichungen Friend’s RomancePerfect World und Like Me nun eine neue Version ihres Songs Like Me veröffentlicht, der deutlich weiter aus sich herauskommt, als es die anderen Songs bisher taten. Mit Einflüssen aus Tokyo, Brüssel und Paris hat die Musikerin eine verspielte Popwelt erschaffen. Aus diesen Erfahrungen speisen sich die Songs der Österreicherin. Dabei scheint Zurückhaltung nicht zu ihren vorrangigen Stärken zu zählen. Nicht anders wäre es sonst zu erklären, dass sich Lomboy für die Produktion ihrer Musik keinen geringeren, als den Londoner Produzenten Yoad Nevo geangelt hat, der bereits Songs für Morcheeba, Sia, Goldfrapp, Sophie-Ellis Bextor oder Moby produzierte. Nun also der Remix des Glasgower Produzenten und DJ’s Baillie Jnr, den der Brite so respektvoll bearbeitet hat, dass selbst Lomboy findet, Baillie Jnr habe dem Song etwas mehr Klarheit in dem Wirrwarr gegeben. Like Me im Baillie Jnr Remix ist dabei eine psychedelische Popnummer, die sowohl irritiert, als auch motiviert und auf jeden Fall immer eine Emotion erzeugt.

Millie Turner – Resetbutton mit vollem Schub voraus

Mit ihrem relaxten Indie-Sommer-Hit Swimming Pool hatte die britische Sängerin Millie Turner letzten Sommer eine wahre Perle an Song veröffentlicht. In den Folgemonaten arbeitete die Britin an weiteren Songs und veröffentlichte am 15. November ihre EP Hide+Seek. Darauf enthalten ist die aktuelle Single January, auf der sich Turner einem Reboot verpflichtet, ohne sich dabei zu sehr verändern zu wollen. Vielmehr geht es bei ihr darum in den Januar zu kommen und dem Leben einen Neustart zu geben, ohne dabei auszuschließen, dass gleiche Fehler auch ein zweites Mal gemacht werden. Mit den ganzen Vorsätzen, im neuen Jahr alles anders zu machen, hat Turner nicht viel gemein und tritt dabei gleich zu Beginn des Jahres 2020 mit January einen weiteren Schritt ins Rampenlicht der britischen Musikwelt. So gilt sie als eine der vielversprechendsten Newcomerinnen und zeigt mit January, dass sie wunderbare Laissez-faire-Hymnen beherrscht. Denn January kommt komplett unaufgeregt rüber und ist so relaxt, dass der Song wunderbar als Soundtrack eines Sonntags auf der Couch, zum Filmeschauen passt. Turner wird unterdessen ihren aktuellen Drive nicht verlangsamen und uns mit Sicherheit auch 2020 mit neuem Material versorgen.

Mountain Bird - Tears Won't Get My Anywhere

Mountain Bird – Fusion aus Kraft und Furcht

Es ist ein zutiefst persönlicher Song, den der Schwedische Musiker Adam Öhman unter seinem Pseudonym Mountain Bird veröffentlicht hat. Denn in den vergangenen Jahren hat sich bei dem Musiker eine soziale Angst aufgebaut, die ihn in ein Leben der Isolation führten. Hinzu kommen Depressionen, die ihn zusätzlich belasten. Mit dieser Bürde schreibt der in Stockholm lebende Sänger Songs, die sich so sehr mit seinen Erfahrungen füllen, dass man als Zuhörer eine extreme Betroffenheit erfährt. Denn mit seiner aktuellen Single Tears Won’t Get Me Anywhere hat Mountain Bird nicht nur eine zutiefst berührende Kampf-Hymne gechrieben, sondern gleichzeitig auch noch einen durch Breakbeats geformten Fusionsound veröffentlicht. Mit schnellen Beats und der langsamen Gesangsstimme – die stark an Antony Hegarty erinnert – ist Tears Won’t Get Me Anywhere ein so intensiver Song, dass man sich der Geschichte dahinter bereitwillig hingibt. Gleichzeitig bedeutet Tears Won’t Get Me Anywhere auch eine Art Befreiungsschlag, denn hiermit versucht sich der Sänger freizumachen, von dem eigenen Druck, der ihn bis zu den Momenten brachte, an denen er kurz davor war, zu zerbrechen und in seiner Isolationen vor sich hin weinte. Tears Won’t Get Me Anywhere ist ein spannender, aufwühlender und unglaublich berührender Song, der mit seinem Fusionsound absolut faszinierend klingt.