Agnes Obel - Broken Sleep

Agnes Obel – Ein Theaterstück von Musik

Schon 1995 besangen Faithless mit Insomnia die Schlaflosigkeit, die sie umtrieb. Damals wie heute ist Schlaflosigkeit ein Thema – vor allem bei Künstlern. Der Drang kreativ zu sein und seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, ist oftmals der Ursprung dieser Insomnie. Auch die dänische Sängerin Agnes Obel hatte damit zu kämpfen. Während sich Obel genau in Mitten ihrer Schlaflosigkeit aufgemacht hat, diese zu erforschen, wurde ihr bewusst, wie sehr sich Tod und Schlaf in unserer Gesellschaft ähneln. Dabei hat sich Obel von diesem Thema so sehr inspirieren lassen, dass sie ihm einen eigenen Song auf ihrem kommenden Album Myopia gewidmet hat. Broken Sleep ist hierbei so wunderbar unaufgeregt und mystisch, dass man sich in eine Fabelwelt voller beeindruckender gestallten wiederfindet. Mit einer Dramatik im Gesang lässt uns Obel teilhaben an einer Fabelwelt, die gespickt ist, von schlaflosen Wandlern, mystischen Tieren und beeindruckenden Farben. Wer Obels Songs hört, wird dies schnell erleben. Zeugt ihre Musik doch von warmen, gesättigten Farben, die an Ausdruck nichts verlieren und stets das innerste Verlangen nach Geborgenheit ansprechen. Myopia wird am 21. Februar erscheinen und Obel anschliessend auf Tour gehen.

Filv & Edmofo – Französische Eleganz trifft auf osteuropäischen Beats

Erstmals wurde der Song Clandestina bereits 2016 vom marokkanisch-französischen Musiker Youssef Akdim i Bakalianass – alias Lartiste – veröffentlicht und war auf seinem Album Clandestino zu finden. Damals nur ein moderater Erfolg, hat sich nun das russische DJ Duo Filv & Edmofo diesen Song noch einmal vorgenommen und ihn mit der Stimme der französischen Sängerin Emma Peters versehen. Dabei greifen die Jungs den ursprünglichen Gedanken des Songs wunderbar wieder auf und thematisieren auch auf der neuen Version den Verlust eines Freundes durch die Droge Kokain. Mit funkelndem Sound, Westerngitarren und modernen Housebeats – gepaart mit ganz viel Nostalgie, wie knisternden Schallplattengeräuschen und einem melancholischen Grundtenor – ist Clandestina eine orientalische Housenummer, deren Hitpotential, durch die unterschiedlichen Elemente, enorm hoch ist. Clandestina ist der perfekte Hybrid zwischen Winterhit und Sommerstimmung und wird uns wohl die kommenden Monate noch weiter begleiten.

Georgia - Started Out

Georgia – Hypnotisierender Dancebeat

In zwei Wochen ist es soweit und das zweite Album Seeking Thrills der britischen Sängerin Georgia steht zum Download, Streaming und Kauf bereit. Darauf enthalten sind die beiden Nummern About Work The Dancefloor und Never Let You Go die jeweils eine ganz eigen Welt der elektronischen Musik regieren. Ist About Work The Dancefloor ein absoluter Partysong, klingt Never Let You Go deutlich kratziger und schneller. Nun ist, kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums, mit Started Out eine weitere Single erschienen, die wiederum eine ganz andere Ecke der Dancemusik füllt. Denn mit Started Out singt sich die Londoner Sängerin mit einem hypnotisierenden Beat durch den fast vier Minuten langen Song und mischt dabei Synthies mit afrikanischen Trommelsounds und schweren Bässen. Hinzu kommen verschwommene Backingvocals und ein Beat, der dazu einlädt, sich auf der Tanzfläche zu verlieren. Seeking Thrills verspricht damit, ein erfrischend abwechslungsreiches Album zu werden und gleichzeitig so tanzbar zu sein, wie es Georgia vorher noch nicht war.

Icarus feat. Rae Morris - Dreams Of You

Icarus – Mit Melodic House zum Höhepunkt

Hat man den Song einmal gehört, wird man das Bild von ekstatisch feiernden Festivalbesuchern auf einem Feld, welche die Augen schließen, die Hände spirituell in die Höhe strecken und dabei tanzen nicht mehr los. Bei Icarus ist dieses Gefühl Alltag. Denn mit ihrem Melodic-House schaffen sie es immer wieder wahre Hymnen zu produzieren. Hatten sie 2016 mit Home und der Stimme der norwegischen Sängerin Aurora bereits einen grandiosen Song veröffentlicht, folgten in der Zeit danach mehrere EPs wie die 2019er EP This Must Be The Place. Nun haben die beiden Brüder Ian & Tom Griffiths aus Bristol neues Material veröffentlicht, welches wieder einmal mit Gastsängern begeistert. Auf Dreams Of You haben sich die beiden Produzenten die britische Art-Pop Sängerin Rae Morris dazugeholt und einen wunderbaren Housetrack produziert, der nach einem langen Intro zu einem intimen, energiegeladenen Powersong wird. Gerade diese Mischung ist es, die Icarus ausmacht und sie ein ums andere Mal frisch inszeniert. Denn das Zusammenspiel aus schnellen Beats und einem verstohlen, balladesken Gesang sorgen immer wieder dafür, dass sich die Songs ins Ohr brennen und den Körper zum Feiern anregen. Ob in der U-Bahn, auf der Straße oder zu Hause – mit euphorischer Freude am Song tanzen wir uns durch knapp fünf Minuten und vergessen fast, wo wir gerade sind.

Maggie Rogers - Love You For A Long Time

Maggie Rogers – Mit Grammy Nominierung und neuem Song zurück

Es war ein bewegendes Jahr für Maggie Rogers. Hatte sie Anfang 2017 ihre Debüt-Ep Now That The Light Is Fading veröffentlicht, folgte mit Heard It In A Past Life Anfang dieses Jahres endlich ihr Debütalbum. Darauf enthalten waren die Songs On + Off, FallingwaterLight On und Give A Little. Diesem – hochgelobten – Debütalbum folgten ausgedehnte Konzertauftritte und auch das erste Straucheln. Denn während Rogers immer bekannter wurde, war sie auch immer öfter verbalen Anmachsprüchen ausgesetzt, die sie auf das minimum einer Sängerin reduzierten – ihren Körper. Nachdem Rogers vor wenigen Wochen ihrem Ärger in Form eines aufwühlenden Posts Luft machte, hat sie nun mit Love You For A Long Time einen neuen Song veröffentlicht, der so positiv klingt, dass man sich nur zu gerne davon anstecken lässt. Love You For A Long Time entstand bereits vor anderthalb Jahren, doch schaffte es nie, von Rogers fertiggestellt zu werden. Während es die Melodie und einige Songzeilen allerdings in diesen anderthalb Jahren schafften präsent zu bleiben, entschied sich Rogers, dem ganzen noch einmal einen Stoß zu geben, schrieb eine Bridge und ließ den Song von Ricky Reed produzieren. Herausgekommen ist ein Lied, in dem es um die Liebe geht – um die Liebe zu einem Menschen, zu Rogers Band, zu dem, was sie machen darf und zu ihren Fans. Dieses Glück, die Dankbarkeit und Freude hört man auf Love You For A Long Time in jeder Sekunde raus und freut sich einmal mehr wieder über einen neuen Song der US-Amerikanerin.

Alanis Morissette – Kompromisslos direkt

Im kommenden Jahr feiert das Album Jagged Little Pill der kanadischen Rockröhre Alanis Morissette sein 25-jähriges Jubiläum. Um dies gebührend zu feiern, hat Morissette für den Sommer 2020 eine Jubiläumstour angekündigt, für die bisher ausschließlich Daten für die USA veröffentlicht wurden. Darüber hinaus wird es Jagged Little Pill auch ans Broadway schaffen und in Form eines Musicals zu sehen sein. Als wäre der Kalender für Morissette somit nicht schon voll genug, hat die 45-jährige Sängerin für den 1. Mai 2020 ihr neuntes Studioalbum Such Pretty Forks In The Road angekündigt und mit Reasons I Drink auch gleich noch eine neue Single veröffentlicht. Morissette hat es damit geschafft dass wir uns plötzlich zurück in den 90er Jahren fühlen. Denn mit ihren direkten Songtexten erreicht sie sowohl damals, wie auch heute ein großes Publikum. Auf Reasons I Drink thematisiert die Kanadierin ihre Probleme mit einer Essstörung,  Alkohol- sowie Medikamentensucht, die vor einiger Zeit ihr Leben bestimmten. Hierbei singt sie aus der Ich-Perspektive (Here are the reasons I eat. Reasons I feel everything so deeply when I’m not medicated.), sowie auch aus der Perspektive anderer (Nothing can give reprieve like they do. Nothing can give a break for this soldier like they do.) und hält so ein Thema hoch, das weit verbreitet in der Gesellschaft ist und doch viel zu selten wirklich besprochen wird. Hinzu kommt, dass Reasons I Drink mit einem messerscharfen Gesang Morissettes glänzt und ihren gewohnt rockigen Sound einmal mehr in Bestform präsentiert. 2020 wird wohl eines der aufregendsten und größten Jahre für die dreifache Mutter und wir alle können einen Teil davon abbekommen.

Låpsley - Ligne 3

Låpsley – Dass Innerste nach aussen gekehrt

Vor fast genau vier Wochen hatte die britische Sängerin Låpsley mit My Love Was Like The Rain einen Song veröffentlicht, welcher der Beginn eines Reinigungsprozesses darstellte. Mit dem nun veröffentlichten Song Ligne 3 führt die Sängerin diesen Prozess konsequent fort und singt über die Gefühle, die sie hatte, nachdem eine Beziehung scheiterte und sie realisierte, dass es eben nicht so ist, dass mit dem Ende der Beziehung auch die Gefühle verschwinden. Ligne 3 dreht sich um das Verarbeiten dieser Gefühle und den Wunsch Abstand zu gewinnen. Dabei singt sich Låpsley durch einen schläfrig geborgenen Sound, der mal akustisch, mal als wabernder Bass erklingt und der Britin die Möglichkeit gibt, durch Nuancen in ihrem Gesang die Zerbrechlichkeit eines Menschen in solchen Momenten darzustellen. Låpsley legte den Song damals zur Seite und holte ihn nach ungefähr einem halben Jahr wieder hervor um sich anzusehen, wie ihre intensiven Gefühle zum damaligen Zeitpunkt ihr Songwriting beeinflussten. Diese Arbeitsweise ist spannend und zeigt die künstlerische Offenheit, die Låpsley in ihrem musikalischen Entstehungsprozess zulässt. Ligne 3 ist eine unglaublich verletzliche Ballade, die so wunderschön beruhigend klingt und die Erwartungen an die kommende EP nur noch steigert.

Moyka – Music for Cyborgs

Moyka verdient es, bekannter zu werden. Mit jedem ihrer Songs hat die norwegische Sängerin Monika Engeseth eine grandiose Qualität an mystisch, dunklen aber tanzbaren Songs veröffentlicht. Dieses Jahr waren darunter die großen Songs Colder und Bones die so faszinierten. Mit ihrer neuesten Single Ride bringt die Sängerin nun einen Soundtrack für die Zukunft raus. Mit einem dunklen, pulsierenden Beat, einer tiefen Stimme und sphärisch, hallendem Chorgesang hebt sich Moyka in die Welt des Science-Fiction. Zusätzlich unterstützt wird dies durchs eine computerbasierte Backgroundstimme, ehe der ganze Song eine epische Metamorphose erlebt und zum wabernden Dancetrack wird. Moyka macht den Sound der Zukunft – dunkel, euphorisch und mystisch bleiben ihre Songs auch immer ein Rätsel.

Mallrat – Wächst in ihre Schuhe

Wer die australische Sängerin Mallrat seit längerem beobachtet hat, der wird die Evolution der Sängerin bemerkt haben. Hat sich ihr Sound seit 2017 von Uninvited über Better, bis zu Groceries doch immer wieder durch das Anreichern von elektronischen Elemente geformt. Nun hat Grace Shaw unter ihrem Alias Mallrat mit Driving Music eine neue EP veröffentlicht, die in Drive Me Round eine Wandlung vollzieht. Beginnen die ersten zwei Minuten des dreiminütigen Songs, als würde sich Mallrat in einer Blase befinden – mit verträumten Gesang und hallenden fast unverständlichen Backvocals – blüht das letzte Drittel mit einem Uptempo-Beat auf, der einen plötzlichen Ausbruch des Songs bedeutet. Mallrat, die in ihren Songs gerne mit Klischees und gesellschaftlichen Normen spielt, lässt sich hier einmal völlig los und wirkt dabei entspannt und gleichzeitig erwachsen. Wir können uns allerdings sicher sein, dass die Brisbanerin noch eine Menge Material hat, das uns für die kommenden Jahre unterhalten wird – daher kommt der Ruf nach einem Album immer öfter auf. Doch so lange Mallrat ihre EP’s veröffentlicht, freuen wir uns über jeden neuen Song.

Billie Eilish – Rotzgöre ganz verträumt

Billie Eilish hat ein unglaubliches Jahr hinter sich. Mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums When We All Fall Asleep, Where Do We Go? erreichte sie in 20 Ländern die Spitzenposition und hat gleichzeitig das meistverkaufte Album des Jahres 2019 abgeliefert. Nun hat sich Eilish mit der Single Everything I Wanted an das nächste Kapitel gewagt und hat einen Song veröffentlicht, der nicht mehr auf dem Album zu finden ist. Gleichzeitig veröffentlichte die Sängerin via Instagram im Oktober die Info, dass sie an neuer Musik arbeite. Everything I Wanted ist ein Song, der so sehr Billie Eilish präsentiert, wie es ihre verrückte Musik nur kann. Geschrieben für ihren Bruder Finnias, der den Song schließlich auch produziert hat, ist es ein Dankeschön und wunderbarer Beweis einer Zugehörigkeit zweier Geschwister zueinander. Darüber hinaus ist Everything I Wanted musikalisch eine wunderschöne Ballade, die das verruchte Image der 17-Jährigen durch gekonnt eingesetzte Spielereien trägt und hervorragend in die kalte Jahreszeit passt.