Seafret - Fall

Seafret – Erwachsen und berührend

Das britische Duo Seafret hat sich, seitdem es ihr Debütalbum Tell Me It’s Real (2016) veröffentlicht wurde, nicht ausgeruht. Mit EP’s und neuen Songs haben sich Harry Draper und Jack Sedman immer wieder ins Gedächtnis gerufen und dabei klammheimlich am Sound gearbeitet. Waren ihre ersten Veröffentlichungen allesamt noch deutlich vom Rhythmus eines Popsongs dominiert, schwimmen sich die Beiden nach und nach frei von Erwartungshaltungen und Druck. Dies hört man vor allem, wenn man die früheren Songs, wie WildfireBlank You Out oder Loving You mit der neuen Single Fall vergleicht. Entgegen ihres Hangs zu Balladen ist Fall ein großartiger Powerpopsong, der mit viel Energie und starker Stimme des Sängers Jack Sedman überrascht. Denn eigentlich ist Sedman eher in den hohen Tönen zu Hause. Sicherlich wäre es falsch Fall als tief gesungen Song zu bezeichnen, doch hat sich die Stimme des Sängers auf der neuen Single deutlich mehr Raum genommen und klingt weniger kopflastig. Fall ist eine Hymne, die dem Aufbau von Songs der Killers oder Coldplay ähnelt. Dies wird vor allem im Refrain deutlich, der durch Gitarren und ein voluminöses Schlagzeug an Stärke gewinnt und das komplette Gegenteil zu ihrer hochgelobten Single Wildfire darstellt. Fall ist die Leadsingle ihres, im Februar erscheinenden, zweiten Albums Most Of Us Are Strangers und kann im Februar und März 2020 auf der Europatour live erlebt werden.

Hollow Coves - Anew

Hollow Coves – Ein Feuerwerk an Veröffentlichung

Jetzt starten die Hollow Coves noch einmal das finale Feuerwerk, bevor in der nächsten Woche am Freitag ihr Debütalbum Moments veröffentlicht wird. Hatten die Brisbaner im August When We Were Young veröffentlicht, folgte im September mit Borderlines die nächste Single. Nun ist kurz vor ihrem großen Wurf ein weiterer Song von Ryan Henderson und Matt Carins veröffentlicht worden. Dabei haben sie sich bei der heutigen Singleauskopplung für den epischen Song Anew entschieden, der in immer größerer Ähnlichkeit zu Coldplays Anfangsjahren und dessen Sound steht. Mit akustischem Intro geht es über einen euphorischen Refrain in ein fast schon ekstatisches Finale. Dabei hören wir hallende und emotionale Gesänge und einen treibenden Sound, der uns wahlweise traurig werden lässt oder ein Lächeln in unser Gesicht zaubert und wir zu jeder neuen Tat bereit sind. Anew klingt dabei, wie ein Abschied von Etwas und ist gleichzeitig Aufbruch in eine neue Welt. So steht der Song sinnbildlich für den Werdegang der australischen Band und lässt uns einmal mehr vor Begeisterung jubeln.

Roberto Surace - Joys

Roberto Surace – Genießt es!

Es ist wieder diese Zeit des Jahres, an der die großen Ibiza-Hymnen ihren Weg aus den Clubs der Sonnen- und Partyinsel in die Clubs nach ganz Europa schaffen. Dies liegt zum einen daran, dass die ganzen Touristen diese Songs mit aus ihrem Urlaub nach Hause nehmen und die Nachfrage daher steigt. Zum anderen aber auch, weil sich Plattenfirmen die besten Tracks greifen und die Künstler für Veröffentlichungen unter Vertrag nehmen. So ist es auch im Falle des italienischen DJs und Produzenten Roberto Surace gewesen, der mit seinem Song Joys zum diesjährigen Sommerhit auf Ibiza geworden ist und von Defected Records unter Vertrag genommen wurde. Mit Rotationen bei den angesagten DJs, wie dem Urgestein Ibizas Marco Carola oder Joey Daniel wurde Joys bin in kürzester Zeit zum absoluten Überhit der Houseszene der Partyinsel. Dabei funktionieren vor allem die vielfachen Drops und das Sample des 1986er Songs The Finest der The S.O.S. Band so wunderbar und machen den Song gerade catchy genug, im auch im Mainstream anzukommen aber dennoch weiterhin ein absoluter Banger im Club zu bleiben. Surace selbst hat, seitdem er 17 Jahre als ist – und damit seit 2008 – kontinuierlich darauf hingearbeitet und sich über die Jahre ein wunderbares Gespür für Beats und Melodien angeeignet. Und so ist Joys verspielt und tanzbar zugleich und bleibt mit seiner Bassline immer auch so stark, dass man ihn im Club einfach nur genießen kann. Dabei ist der Songtitel durchaus amüsant zu Stande gekommen, singen The S.O.S. doch im Refrain If I had to choose und hört sich dies – ohne den Songtext genau anzuhören – wie If I had a joys was damit wiederum auf die Namensgebung des Songs hinweist.

Gerry Read – DJ Koze legt Hand an

DJ Koze hat mit seinem letztjährig veröffentlichten Album Knock Knock ein wahres Meisterwerk herausgebracht. Dabei ist die Zusammenstellung aus House, Deep-House und Disco eines der ganz großen Markenzeichen des Flensburger DJs. Auf dem Album bündelt er instrumentale Songs mit denen, die von Größen wie Róisín Murphy gesungen werden und schaffte es erstmals, mit einem Album in die Top-10 der deutschen Albumcharts zu gelangen. Gleichzeitig tauchte Knock Knock auf allen wichtigen Jahreslisten auf und überzeugte die Kritiker von NME, Rolling Stone, Billboard, Resident Advisor und Pitchfork. Nun hat sich Stefan Kozalla – wie Koze mit vollständigem Namen heißt – wieder an das Remixen gemacht und dabei einen Song des britischen Produzenten Gerry Read – der bei Kozes Plattenlabel Pampa Records unter Vertrag steht – geremixt. Dabei hat sich Koze auf den Refrain des Originals beschränkt und mit It’ll All Be Over einen Song produziert, der nahtlos and sein letztes Album anknüpft. Mit wilden Trommeln, treibenden Beats, dem typischen Koze Disco-House und einem leichten Schall ist It’ll All Be Over ein satter Sommertrack, zu dem es sich ekstatisch tanzen lässt und bei dem man selbst in Endlosschleife nicht genug bekommen kann.

Sparkling - We Don't Want It

Sparkling – Vom Kribbeln im Körper

We Don’t Want It – Der Satz hallt nach. We Don’t Want It – der Satz regt an. Die europäische Band Sparkling setzt damit ihre Messlatte dort an, wo normalerweise erst, über einige Jahre, gereifte Bands hinkommen. Aber der Reihe nach. Kommen Frontsänger Levin Krase, Bassist Luca Schüten und Schlagzeuger Leon Krasel ursprünglich aus Köln, haben sie verstanden, die Vorzüge der Europäischen Union zu nutzen und sind 2014 nach London gezogen. Gleichzeitig entwickelte ihre Musik in Frankreich und rund um Paris ein Eigenleben und sorgte dafür, dass die Band ihrem bisherigen Songtext-Mix aus Deutsch und Englisch nun auch Französisch hinzufügte. Damit vollkommen im Herzen Europas angekommen, besingen sie zusätzlich Themen, die sich um den Fortschritt drehen und einen Blick zurück, kaum zulassen. So klingt dann auch ihre aktuelle Single We Don’t Want It. Beginnend mit den deutschen Worten Du willst, dass alles gleich bleibt. Für immer, alles gleich bleibt. Wir gehen, zurück in der Zeit wechseln sie schliesslich ins Englische und zum absoluten Ohrwurmrefrain, der nicht besser für die Indiedisko geschrieben hätte werden können. Hier kann man schon vor seinem inneren Auge sehen, wie die Menge immer und immer wieder auf der Tanzfläche die Worte We Don’t Want It skandiert – wie man es sonst nur von Songs wie Little Lion Man von Mumford & Sons gewohnt ist, bei dem man immer wieder lauthals But it was not your fault but mine… singt. Sparkling sind frisch, rotzig, kribbeln im Körper und scheinen sich herzlich wenig dafür zu interessieren, was Andere denken. Solange es Fortschritt gibt, sind die Jungs mit in der ersten Reihe dabei.

Sea Girls - Closer

Sea Girls – Und plötzlich gehts ganz schnell

Ob die Jungs von Sea Girls gedacht hätten, dass es so schnell geht?! Daraufhin gearbeitet haben sie zumindest. 2015 gegründet, hat das britische Quartett mit Henry Camamile als Frontsänger in den letzten vier Jahren große Schritte gemacht, die schließlich 2018 und Anfang dieses Jahres ihren vorläufigen Höhepunkt – einen Plattenvertrag zu unterschreiben – markierten. Waren sie bereits im letzten Jahr auf den Listen der großen Radiostationen als Act To Watch vertreten, folgte im Mai die große Verkündung, dass Sea Girls einen weltweiten Plattenvertrag mit Polydor unterschrieben haben. Mit der aktuellen Single Closer, welche die Londoner Jungs am vergangenen Freitag veröffentlichten, zeigen sie dann auch recht flott, was man von ihnen erwarten kann. Denn hier treffen schnelle Gitarrenriffs auf die klare aber auch drängende Stimme Camamiles und bilden mit einem eingängigen Refrain einen wunderbaren Rock-Ohrwurm. Sea Girls haben das Zeug, sich eine riesige Fangemeinde aufzubauen, denn solche Musik aus Großbritannien zu hören, gab es das letzte Mal Mitte der 2000er und endete Anfang der 2010er mit den Worte Rock ist tot. Durch Sea Girls müsste man nun sagen Rock ist tot, lang lebe der Rock!

Michael Kiwanuka & Tom Misch - Money

Michael Kiwanuka & Tom Misch – Plötzlich groovy

Michael Kiwanuka ist bisher eher durch seine soulige Stimme bekannt, die sich mal falsettartig hoch, mal dunkel und tief zeigt. Dabei nutzt Kiwanuka die Schreibweise des Indie und Folks und hat auf seinen beiden bisher veröffentlichten Alben stets abgeliefert. Nun hat sich Kiwanuka mit Tom Misch allerdings einen zweiten Singer/Songwriter geschnappt und zusammen den Song Money eingespielt. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Denn rausgekommen ist ein Sound, der – geprägt von den 70er und 80er Jahren, in dem Disco eines der populärsten Genres war – Kiwanuka erfrischend selbstironisch zeigt und einen flotten Gute-Laune-Beat besitzt. Misch ist dabei für die Gitarre und den – ebenfalls – falsettartigen Gesang des Refrains zuständig. Beide ergänzen sich hierbei so wunderbar, dass man sich fast schon an dieses Duo gewöhnen könnte. Kam Kiwanukas letztes Album vor fast genau drei Jahren raus, wird mit Money die Gerüchteküche über ein baldiges, neues Album einmal mehr ordentlich angeheizt.

SYML - Break Free

SYML – Geht rabiat ins Ohr

Brian Fennell ist seit gut zwei Jahren ein gern gesehener Gast bei SOML. Mit seiner Band Barcelona ebenso, wie als Solokünstler unter dem Pseudonym SYML. Mit Songs wie Where’s My Love und The Bird zeigte er in der Vergangenheit eindrucksvoll, wie vielseitig seine Musik sein kann. Nun ist SYML mit Break Free zurück, bei dem er das Thema der Misogynie verarbeitet. So entwickelte sich ein Gespräch mit einem, SYML nahestehenden Musikers, plötzlich in eine Richtung, in der Frauen als minderwertig und abschätzig thematisiert wurden. Über seine eigene Verwunderung hinweg, entstand eine Wut, die SYML in diesen Song gepackt hat. Von dieser Wut angetrieben, klingt Break Free nach genau solch einen Moment, in dem man sich selber wach rütteln und für seine Werte einstehen muss. Break Free ist dabei – nach The Bird – abermals sehr rockig und geht mit seinem Refrain direkt ins Ohr. Seit dem 3. Mai ist das selbstbetitelte Debütalbum SYML auch in Deutschland erhältlich, weist eine hohe Schlagzahl an Hits auf und kann daher nur bestens empfohlen werden!

Moyka - Bones

Moyka – Kühler Elektropop

Mit ihrer Debütsingle Colder hatte die Norwegerin Moyka bereits im März alle Blicke auf sich gezogen. Nun ist mit Bones die zweite Single online und zeigt die Anfang 20-jährige Sängerin deutlich tanzbarer, als auf ihrem Debüt. Dabei lässt sie abermals eine gewisse Verbindung zu Sängerinnen, wie Aurora, aufkommen. Hier ist Moyka vor allem im Refrain mit ihrer Klangfarbe deutlich an der, ebenfalls aus Norwegen kommenden, Sängerinn dran. Moyka selbst beschreibt ihren Musikstil auf Bones als eisigen, in den Achtzigern verorteten Tanztrack, getragen von sprudelnden Synthies. Dabei geht es um diesen Drang, etwas zu erschaffen, und das Gefühl zu haben, dass es Dir genommen wird. Als ich den Song 2017 schrieb, fühlte es sich so an, als könnte ich nichts richtig machen, ich habe mich sehr angestrengt und alles hat sich als schlecht herausgestellt. Moyka schreibt ihre Songs selbstreflektiv und trifft dabei einen Sound, der von schweren – auf einen zurollenden – Beats geprägt ist und im Verlauf an noch mehr Größe gewinnt. Tanzbar, dunkel und euphorisch klingt Bones nach einem 80er Jahre Computerspiel, bei dem wir auf der Zielgeraden kurz davor stehen zu gewinnen.

Kaiser Chiefs - Record Collection

Kaiser Chiefs – Duck Sound

Sie sind in ihrem 20. Jahr der Bandgeschichte und haben vieles durchgemacht. Von einem der größten Hypes in Großbritannien – dem Indierock – profitiert, hatten die fünf Jungs aus Leeds Mitte der 2000er mit Songs, wie Oh My GodI Predict A Riot, Ruby oder Never Miss A Beat ihre erfolgreichste Zeit erlebt. Bis plötzlich, mit der 2011er Veröffentlichung des vierten Albums The Future Is Medieval ein Dämpfer einsetzte, denn erstmals verpassten sie damit die Top-10 der britischen Albumcharts. Doch bereits mit dem nachfolgenden Album Education, Education, Education & War war ihnen Platz 1 wieder sicher. Nun stehen die Kaiser Chiefs davor – am 26. Juli – ihr siebtes Studioalbum DUCK zu veröffentlichen und kündigen dies mit den Worten an: Wir hatten für das neue Album zwei Grundideen. Einerseits wollten wir, dass das kommende Album die typische DNA der Kaiser Chiefs besitzt, andererseits arbeiteten wir daran, den Geist von Northern-Soul-Platten mit einzubeziehen. All das ist auf DUCK zu finden und zeigt ein Kaiser Chiefs Album aus rhythmischen Hooks und einem Refrains, der zum tanzen einlädt. Mit der ersten Singleauskopplung Record Collection sind die Kaiser Chiefs wieder am Anfang ihrer Karriere angekommen. Klingen sie doch frisch, frech und zeigen mit ihrem lauten Gitarren- und Synthiesound, wie sehr sie ihre Spielwut zurückerlangt haben. Record Collection zeigt den wunderbaren Weg der Band auf, den wir alle in den vergangen 20 Jahren mit der Band und ihrer Musik erlebt haben. Und trotzdem bleiben die Jungs um Frontsänger Ricky Wilson eine Band der Nachbarschaft und wirken auch nach so langer Zeit noch wie Freunde von nebenan – nur eben mit einem neuen Album.