Klee - Danke Nein

Klee – Die Pophelden sind zurück

Es waren zwei Jahrzehnte, die für die Kölner Band Klee nicht unterschiedlicher hätten sein können. Nachdem die Band um die Jahrtausendwende zu einem Trio geschrumpft war, setzte mit großartigen Songs, wie Erinner Dich, Tausendfach und Gold eine Welle des Erfolgs ein, die nicht zuletzt auf die Geschichte der Band zurückzuführen war und vor allem mit dem Song Erinner Dich und dem Album Unverwundbar (2003) eine große Geschichte trug. In Folge der, von vielen als NNDW (Neue Neue Deutschen Welle) bezeichneten, Erfolge von Bands, wie Juli, Silbermond, Wir Sind Helden und Quarks fanden sich Klee plötzlich in einem Genre wieder, das eine wahre Blütezeit erlebte. Mit ihren Alben Jelängerjelieber (2004), Zwischen Himmel Und Erde (2006) und Berge Versetzen (2008) kletterten sie in den deutschen Albumcharts zu immer neuen Höhepunkten. Nur, um mit dem Album Aus Lauter Liebe (2011) schließlich mit Platz 6 erstmals in die Top-10 zu gelangen. Kurz zuvor war mit Tom Deininger bereits der Gitarrist der Band ausgestiegen. Doch plötzlich wurde es ruhig um das nun aus Suzie Kerstgens und Sten Servaes bestehende Duo. Als hätte jemand den Strom abgestellt, war die Band plötzlich nicht mehr da. 2015 gab es kurzeitig mit dem Cover-Album Hello Again einen Hoffnungsschimmer, welches zeigte, dass die Band weiterhin besteht, ehe es weitere sechs Jahre brauchte, bis wir neues Material von den Kölnern hören durften.

Klee - Trotzalledem
Klee – Trotzalledem

In einem Interview mit n-tv sagte Servaes nun über die lange Pause Wir mussten ein paar Brocken aus dem Weg räumen. Und ruckzuck waren ein paar Jahre um. Kerstgens fügt hinzu: Eine kreative Pause war das eigentlich nicht. Uns ist einfach das Leben dazwischen gekommen. Unausweichliche Ereignisse. Schönes wie Schreckliches. Trennungen, Trauer, Tod, Krankheiten, Liebe, neue Leben. Klee besangen schon immer das, was sie beschäftigte. Niemals beschönigend aber immer melodiös und voller Leichtigkeit. Auf ihrer neuen Single Danke Nein geht es deshalb auch um den Drang des Optimierens in unserer heutigen Gesellschaft. Ob im Job, mit unserem Körper oder dem Außenbild – alle optimieren sich (ich nicht), alle retuschieren sich (ich nicht), alle reduzieren sich (ich nicht) oder reproduzieren sich (ich nicht) – singt Kerstgens in Danke Nein und singt einen euphorischen Abgesang auf den Zwang stets perfekt zu sein. Schließlich kommen im Refrain immer wieder die Textzeilen Danke, ich bleib‘ so wie ich bin. I don’t regret a thing. Alle so: „Yeah! Yeah! Yeah!“ Ich so: „No! No! No!“ Zehn Jahre nach ihrem letzten Album zeigen Klee, warum sie so sehr in der deutschen Poplandschaft gefehlt haben und begeistern, wie von jeher mit ihrem wunderbaren Popsound, der ehrlich, euphorisch und energiegeladen ist. Am 30. April folgt dann mit Trotzalledem Klees sechstes Studioalbum und lässt uns Danke für die Rückkehr sagen.

Big Scary - Stay

Big Scary – Pfiffiger Indie-Pop

Mit ihren 2010 veröffentlichten Jahreszeiten-EPs Autumn, Winter, Spring und Summer begeisterte das Australische Duo Big Scary nicht nur Musikliebhaber im eigenen Land sondern sorgte auch weltweit für Aufsehen. Die darauf enthaltenen Songs Winter, Autumn, Thinking About You und The Deep Freeze waren solche Schmachtsongs, dass man sich fast wünschte, die kalte Jahreszeit würde nie vorübergehen. Hierbei haben Joanna Syme und Tom Iansek – die hinter Big Scary stehen – ihre ganze Kraft in die Macht der Melodien gepackt. Hinzu kommt, dass Iansek mit seiner warmen Stimme für eine wohlig, melancholische Atmosphäre sorgte, dass man sich nur in die Band verlieben kann. Das die Band aber auch anders klingen kann, zeigte sie auf ihrer Debüt-EP The Mini EP 2009. Hier waren es noch die satten Indie-Gitarren, die federführend waren und einen schnellen Sound befeuerten. Nachdem Big Scary mit The Big Scary Four Seasons alle vier EPs nochmals zusammengefasst veröffentlichten, folgten die Alben Vacation 2011 und Not Art (2013). Auf letzterem wurde der Sound dann plötzlich progressiver. Mit irritierenden Soundkostümen – über die der emotionale Gesang Ianseks gelegt wurde – entstand ein ganz neues Gefühl der Band.

Big Scary - Daisy
Big Scary – Daisy

Mit ihrem 2016er Album Animal veröffentlichten Big Scary ihre bisher letzte Platte, auf der die Singles Organism und Over Matter enthalten waren, die wahlweise an Blur und treibenden Indiepop erinnerten. Nun haben Big Scary mit Stay die erste neue Single seit fünf Jahren veröffentlicht und gleichzeitig mit Daisy ihr viertes Studioalbum angekündigt, welches am 30. April rauskommt und neun Songs beinhalten wird. Auf Stay dreht sich alles um die Angst, die Du manchmal fühlst, wenn du von jemanden eingeladen wirst, dein Haus und deine sichere Umgebung zu verlassen, aber dankbar bist, dass es Freunde gibt, die dir dieses Angebot anbieten – so die Band im Newsletter zur Ankündigung. Gleichzeitig kommen Big Scary mit Stay äußerst verspielt zurück und bieten uns mit dumpfen Synthies, Claps und Perkussions eine wohlige Abwechslung an, die sich schnell steigert und schließlich in einem Höhepunkt aufgeht, der sich nach einem satten Indiesong anhört und gleichzeitig fast schon der nerdige Aussenseiter der Indiehits sein könnte. Big Scary haben sich mit ihrem neuen Album vorgenommen ihre bisher verspielteste Sammlung von Tracks zu veröffentlichen, die voller Dramen, Grusel und Albernheit ist. Mit Stay bekommen wir nun einen ersten Eindruck, wie sie dies umgesetzt haben und freuen uns auf ein abwechslungsreiches neues Album.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me

FKA Twigs, Headie One & Fred Again… – Nicht greifbares Meisterwerk

Was FKA Twigs anfasst, ist in der Regel wahre Kunst. Ob mit den Songs Two Weeks und Video Girl von ihrer Debütplatte LP1, mit Good To Love als musikalische Untermalung für einen Werbespot von Calvin Klein oder der Kollaboration mit TY DOLLA $IGN, Kanye West und Diplo auf Ego Death – der Anspruch steht bei der britischen Sängerin Tahliah Debrett Barnett immer ganz oben. Hierbei ist es das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente das ganz besondere an FKA Twigs. Zum einen sorgt ihre sensible Stimme – die immer fragil, feminin und sanft klingt – für eine warme Note, ehe der Beat einsetzt, der sich futuristisch, kalt und oftmals kaum greifbar zeigt. Diese Mischung fasziniert und irritiert gleichzeitig und macht die Magie der Sängerin aus. Doch nicht nur als Sängerin ist FKA Twigs bekannt, sonder seit ihrer Jugend auch als Tänzerin. Seit einiger Zeit kann sich Twigs nun auch Produzentin, Schauspielerin und Regisseurin nennen. Auf ihrer neuen Single Don’t Judge Me vereint sie dabei gleich mehrere ihrer Talente. Während der britische Produzent Fred Again.. zusammen mit dem Londoner Newcomer, Songwriter und Rapper Headie One die Lyrics geschrieben und am Sound gearbeitet hat, kümmerte sich Twigs um die Visuals und fügte ihren Gesang, sowie einige Beats hinzu.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me (Photo by Creativedisc.com)
FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. – Don’t Judge Me (Photo by Creativedisc.com)

Dabei hat vor allem das Musikvideo Kurzfilm-Qualität und begeistert mit einem verstörenden Kampf gegen das Unsichtbare. Dieses Unsichtbare möchten FKA Twigs und Headie One als den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft verstanden sehen. Denn Anhand des Aussehens einer Person können wir nicht beurteilen, ob diese Person über Farbe, Geschlecht, Religion oder der Identität des Geschlechts diskriminiert. Die Unterdrücker in der Gesellschaft, die uns umgeben, bleiben meistens unsichtbar, bis ihr Missbrauch gegen andere aufgedeckt wird. Dies ist einer der Gründe, warum Diskriminierung seit Generationen so schwer zu bekämpfen ist. Gegen wen muss das Opfer kämpfen, wenn es den Täter nicht identifizieren kann? sagte Headie One über den Text des Songs. Don’t Judge Me ist mehr, als nur ein R&B/Elektropop-Song, wieder einmal hat FKA Twigs, nun zusammen mit Headie One und Fred Again.., einen Avantgard-Popsong veröffentlicht, der beklemmend, faszinierend und eindringlich ist und ebnet den Weg für FKA Twigs drittes Studioalbum, das noch dieses Jahr erscheinen könnte.

The Knocks feat. Foster The People - All About You

The Knocks feat. Foster The People – Ein Song für die Nacht

Es klopft nachts immer wieder an ihrer Tür. Der Nachbar beschwert sich, dass die Musik zu laut sei. Einige Jahre später sollte dieser wiederkehrende Moment der Namensgeber für das New Yorker Elektro-Duo sein. Denn heute kennen wir die, 2010 gegründete, Band unter dem Namen The Knocks. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichten The Knocks mit 55 (2016) und New York Narcotic (2018) zwei Alben, fünf EPs und über 40 Singles. Auf diesen 40 Tracks vereinen The Knocks Künstler, wie St. Lucia, X Ambassadors, Alex Newell, Wyclef Jean, Carly Rae Jepsen, Crystal Fighters oder Foster The People. Mit Letzteren haben sie sich nun erneut zusammengetan und nach ihrer 2018er Kollaboration Ride Or Die – die sich mit so markanten Textzeilen wie I know I’m getting older but that don’t mean it’s over oder I know we’re getting sober, but that’s not on my mind! in unser Gedächtnis bohrte – einen Song eingespielt. War der Sound der beiden Acts auf Ride Or Die noch äußerst verspielt, kommen sie auf All About You nun größer und schwelgender zurück.

The Knocks feat. Foster The People - All About You (Video)
The Knocks feat. Foster The People – All About You (Video)

Mit einem verträumten Elektrosound sorgen The Knocks hier dafür, dass wir einen der besten Songs für einen einsamen Spaziergang durch die Großstadt zu hören bekommen. Während Mark Foster von Foster The People völlig unaufgeregt singt, schieben The Knocks ein Sample des 1972 veröffentlichten Songs Like A Ship…(Without A Sail) von Pastor T.L. Barrett and the Youth for Christ Choir unter seinen Gesang. Herausgekommen ist ein Song, der wie Schlafwandeln klingt. Samtige Elektropop-Beats verbinden sich mit dem Kinderchor des Samples und lassen uns einsam durch die Straßen der Stadt streunen. Immer etwas Melancholie mit dabei, ist All About You gleichzeitig erfrischend clean strukturiert und lässt uns dabei eine warme Freude fühlen. Mit spacigen Parts wird All About You zum Begleiter durch die frühlingshafte Nacht der aktuellen Februartage und lässt uns sehnsüchtig auf den tatsächlichen Frühling hoffen. All About You ist die zweite Singleauskopplung aus The Knocks drittem Studioalbum, das noch keinen Namen und kein Veröffentlichungsdatum hat.

Charlotte Cardin - Meaningless

Charlotte Cardin – Ist der Sturm unserer Lautsprecher

In den YouTube-Kommentaren können wir Sätze, wie Sie ist eine Legende, Sie hat es verdient, richtig bekannt zu werden oder Sie sollte den nächsten James Bond Song singen lesen – all das, obwohl die Musikerin und Model erst 26 Jahre alt ist. Von ihrer Stimme und dem ganz besonderen Gefühl, den die kanadische Sängerin Charlotte Cardin in ihre Songs packt, konnten wir uns bereits auf Fous N’importe Où überzeugen. Damals hatte sie zusammen mit dem kanadischen Produzenten CRi eine eigene Interpretation des – im Original 2001 von Daniel Bélanger veröffentlichten – Songs rausgebracht. Nachdem sie mit Big Boy 2016 ihre Debüt-EP veröffentlichte, folgte nur ein Jahr später mit Main Girl die zweite EP. Dabei ist ihr Wechsel zwischen Jazz, Elektro und Pop bemerkenswert und lässt sie, je nach Genre komplett anders wirken. Nachdem sie mit Passive Agressive im vergangenen Herbst eine erste neue Single veröffentlichte, folgte im Januar mit Daddy eine zweite Single. Nun hat Cardin mit Meaningless einen weiteren Song veröffentlicht und damit auch die Info, dass wir uns im April auf ihr lang erwartetes Debütalbum Phoenix freuen können, auf dem alle drei Songs zu finden sind. Dieses hat Cardin in den vergangenen zwei Jahren abgeschottet aufgenommen und dabei in sich selbst reingeguckt. Denn seitdem die Kanadierin mit 15 das erste Mal auch als Model tätig war, bereits mehrmals auf dem Cover des Modemagazins ELLE stand und für CHANEL als Markenbotschafterin tätig ist, versteckt sie ihre eigene Identität, um in der Öffentlichkeit so zu wirken, wie man es von ihr erwartet.

Charlotte Cardin - Phoenix
Charlotte Cardin – Phoenix

Dies wollte und musste die – aus Montreal kommende – Sängerin ändern, entstand dadurch doch bei ihr eine zunehmende Leere. Auf Meaningless singt Cardin darüber, sich von den Erwartungen der Aussenwelt zu befreien und wieder zu sich selbst zurückzufinden. Sich nicht zu verkaufen, sich nicht selbst zu verlieren und einfach sich selbst zu vertrauen. Herausgekommen ist ein Song, der so unterschiedlich ist, dass wir hier regelrecht erkennen können, welche Zerrissenheit in ihr herrschte. Da beginnt es gleich in den ersten Sekunden mit einem ruhigen Einstieg aus Cardins Gesang und einer Gitarre, ehe plötzlich ein drückender Aufschrei den Moment zerreisst und in einem treibenden Elektrosound übergeht – niemals erdrückend aber immer bedrückend. Hier kommt man unweigerlich zu dem Moment, bei dem man sich nicht sicher ist, ob der Aufschrei sich trägt, ehe mit dem Einsetzen des Elektrobeats ein WOW aufkommt und alle vorherigen Gedanken förmlich wegfegt. Charlotte Cardin hat mit Meaningless eine sehr starke Single veröffentlicht, die wunderbar die Vielfalt ihrer Stimme zeigt, durch die Produktion aber das Augenmerk auf das Gefühl der Sängerin lenkt.

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks - Fireworks

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks – Die Disco geht weiter

Noch immer hallt und schallt der Song Hypnotized aus allen Boxen und Playlisten. Dass dieser Song nun bereits seit über einem halben Jahr nicht mehr aus den Streaming- und Downloadcharts wegzudenken ist, hat einen einfachen Grund. Denn mit Hypnotized hat der Dresdner Produzent Purple Disco Machine einen Disco-Klassiker erschaffen, der sich modern anhört, allerdings ausreichend Referenzen an die große Zeit des Disco-Sounds in den 70er und 80 Jahren beinhaltet. Damit so perfekt von der Zeit losgelöst, kann man sich einfach nicht an der Kollaboration mit Sophie And The Giants satthören. Dabei folgte doch bereits Ende November 2020 mit Exotica eine weitere neue Single. Diese ging jedoch im Fahrtwind des großen Hypnotized völlig unter und dürfte daher nur den eingefleischten Fans als Folgesingle bekannt sein. Nun hat sich Tino Piontek mit gleich zwei weiteren Acts zusammengetan und die neue Single Fireworks veröffentlicht. Hierauf finden wir neben Purple Disco Machine auch den Londoner Newcomer Moss Kena – der mit einer Mischung aus Singer/Songwriter, Soul und Hip-Hop seit gut drei Jahren von sich Reden macht.

Purple Disco Machine
Purple Disco Machine

Arbeitet Moss Kena doch vor allem mit seiner hohen Stimme und springt galant zwischen den verschiedenen Genres umher. Mit The Knocks tauchen zusätzlich noch zwei alte Bekannte auf, die bereits 2018 mit Sofi Tukker zusammen an Best Friend gearbeitet haben. Hier hatte das New Yorker House-Duo bereits viel Beachtung erhalten. Nun haben sich diese drei Acts auf Fireworks zusammengetan und eine orhwurmträchtige Nu-Disco-Bombe geschrieben, die mit Tropical-Beats, Xylophonklängen, choralem Kindergesang und ganz viel guter Laune um die Ecke kommt, die uns direkt umhaut. Mit Fireworks schreibt Purple Disco Machine seine ganz eigene Geschichte weiter und begeistert uns mit richtig viel Discosound. Nach Hypnotized und Exotica ist Fireworks die dritte Singleauskopplung aus seinem – für Sommer 2021 angekündigten – neuen Album. Dieses würde auf das 2017er Soulmatic folgen und dürfte nicht weniger, als die erneute randvoll gefüllte Ladung Disco enthalten.

Freyr - Nicotine Bunker

Freyr – Erfrischend klar

Bisher kennen wir den schwedisch/isländischen Musiker Freyr durch melancholisch, introvertierte Folkballaden, die sich so intim anhören, dass wir uns wünschten, mit ihm einen Abend verbringen und seinen Geschichten lauschen zu können. Doch schon mit der letzten Veröffentlichung American Poster zeigte sich der Singer/Songwriter mit einem helleren Sound und ließ einen Aufbruch erkennen. Nun ist der Musiker mit einer weiteren Single zurück und lässt diese Helligkeit weiter wachsen. Auf Nicotine Bunker singt der Singer/Songwriter von neuen Eindrücken und der Herausforderung, sich zu finden und gleichzeitig offen für Neues zu sein. So nimmt er das Beispiel einer Kommune, in der Tarotkarten gelegt werden, viel geraucht wird und sich alle glückselig übereinander freuen. Auch wenn Freyr selbst Nichtraucher ist und nicht all zu viel mit dem Tarotkartenlegen zu tun hat, kam er mit der Offenheit der Kommune, ihn willkommen zu heißen, in Berührung. Dieses natürliche Vertrauen in den Menschen hat den Musiker tief beeindruckt. Gleichzeitig kündigt Freyr mit Nicotine Bunker auch sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 28. Mai erscheinen wird.

Freyr
Freyr

Darauf enthalten, sind neben American Poster auch Avalon, You Want Love und vier weitere Songs. Freyr selbst hat erst heute auf Twitter geschrieben, dass sich seine neun bisher veröffentlichten Songs schon wie ein Album anfühlen. Daher war der Schritt hin, zu seinem Debüt, nur noch ein Katzensprung. Mit der Mischung aus Folk, Singer/Songwriter und einfließenden Elementen des Pop hat Freyr eine starke Richtung in seiner Diskografie vorgegeben. Doch mit nicht einem einzigen Song, der enttäuscht, können wir sicher sein, dass uns sein Debütalbum vom ersten bis zum letzten Track packen, berühren, aufbauen und beruhigen wird. Erstmals hat Freyr mit der Single Nicotine Bunker auch ein offizielles Musikvideo veröffentlicht, das ihn bei einem Pärchen in einem Wohnmobil zeigt, welches ihn am Straßenrand aufgegriffen hat. Mit Nicotine Bunker hat Freyr einmal mehr den gelassenen, warmen Sound seiner Musik und Stimme eingefangen, um ihn uns zu präsentieren.

Alex Somers

Alex Somers – Ein Mastermind wird sichtbar

Er zeigt sich in vielen Gestalten. Mal ist der US-Amerikanische Musiker Alex Somers als Produzent tätig und ist unter anderem verantwortlich für die Sigur Rós-Songs Varúð, Ekki Múkk, Valtari oder die gesamten Songs der Soloplatte Go des Sigur Rós-Frontsängers Jónsi – mit dem er auch das 2009er Album Riceboy Sleep veröffentlichte. Mal zeichnet er sich als Visual Artist für die Alben der isländischen Band verantwortlich. Zusätzlich tritt er noch als Tontechniker, Produzent und Mixer in Erscheinung. Dass die Zusammenarbeit mit der isländischen Band allerdings so üppig ausfällt ist kein Zufall – lebt Alex Somers doch mittlerweile fest in Reykjavík und ist mit Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi – seit nunmehr 18 Jahren leiert. Entstanden sind daraus immer wieder aufregende Projekte und noch viel aufregendere Songs. Nun hat Somers – nachdem er Soundtracks unter anderem für Black Mirror, Captain Fantastic oder Manhattan geschrieben hat – mit Siblings One & Siblings Two sein Debütalbum angekündigt das damit gleichzeitig auch ein Doppelalbum sein wird. Debütalbum deshalb, da Somers erstmals eine Platte unter seinem bürgerlichen Namen rausbringt.

Während ein Großteil der Songs des Doppelalbums zwischen 2014 – 2016 entstanden, verfolgt Somers auf den beiden Platten unterschiedliche Stimmungen. Gleichzeitig zur Ankündigung von Siblings One & Siblings Two veröffentlicht Somers mit Deathbed und Sooner auch jeweils einen ersten Song von jeder Platte. Bereits hier kann man erkennen, dass mit Deathbed deutlich düstere Stimmungen eingefangen werden. Dabei hält sich Somers an das Unperfekte und nimmt einzelne Sounds immer wieder auf, bis so nichts mehr von ihrem sauberen Sound vorweisen können. Gleichzeitig hören wir hier aber auch die starke Nähe zu Sigur Rós heraus, welche durch die wabernden Sounds und einem verschleierten Gesang an die Band erinnert. Mit der zweiten Auskopplung Sooner könnte man fast meinen, einen Song aus der Sigur Rós-Zeit von () (Untitled) zu hören zu bekommen. Mit einem prägnanten Klavierspiel und vertrakteten Stimmelementen kommt eine Stimmung auf, die an das Erwachen von Leben erinnert. Stark kinematographisch beschreibt Somers hier eine akustische Auferstehung, die schließlich wieder in sich zusammenfällt und leise verschwindet. Alex Somers hat damit ein Doppelalbum angekündigt, welches viel Zuspruch erhält und als eine Art Brücke, zwischen Sigur Rós und seinem eigenen Schaffen gesehen werden kann.

Satin Jackets feat. Tailor - Relapse

Satin Jackets feat. Tailor – Ein sehnsüchtiges Gefühl nach Sommer

Ob als Remixer, wie bei KRAAK & SMAAKs Sommeron, als Act mit Kollaborationen, wie bei Electric Blue mit Panama oder Shadow Of You mit David Harks, oder als Soloact, wie bei Little Airplanes – der deutsche Nu-Disco Produzent Satin Jackets hat ein Händchen für die smoothen Electrosounds und einen Sinn für das sommerliche Gefühl in seinen Tracks. Sein Little Airplanes war im Frühjahr 2020 der Startschuss in einen fast schon unschuldigen Sommer. Keine Clubs, keine Konzerte, keine Geburtstagsfeiern oder andere Events. Damit einhergehend auch kein Termindruck. So ausgebremst und fast schon runtergefahren, war es für uns alle eine ganz neue Erfahrung. Satin Jackets hatte damals einen sehnsüchtigen aber auch beruhigenden Song veröffentlicht, der uns den Kummer abnahm. Mit seinem neuen Song Relapse holt sich Satin Jackets nun wieder eine Stimme dazu, die sich wieder einmal wunderbar in den Sound des Produzenten einfügt. Fast schon anschmiegsam klingt der britische Newcomer Tailor mit seiner warmen und sensiblen Stimme. Dass es in dem Track um Sehnsucht, Liebe und Zerwürfnisse geht, lässt uns Tailor schließlich wissen.

Satin Jackets
Satin Jackets

In Relapse geht es um eine Beziehung, von der wir wissen, dass sie auf lange Sicht destruktiv ist, zu der wir jedoch immer wieder zurückkehren. Diese Momente der Glückseligkeit, Aufregung und der Gelassenheit sind flüchtig, aber wir möchten uns lieber darin verlieren, als sich der Realität zu stellen. Das Lied wird von der Tanzfläche und der Stimmung beeinflusst, die man bekommt, wenn man sich im Moment verliert. Tief im Inneren aber wissen wir, dass das Gefühl nicht von Dauer sein kann. Damit hat Satin Jackets wieder einen Track veröffentlicht, der sich wunderbar für das Einfangen der ersten warmen Sonnenstrahlen über schneebedeckte Wiesen eignet oder aber auch ganz gekonnt, de Stimmung einer Strandbar mit dem Rauschen der brandenden Wellen erzeugt. Ob es von Satin Jackets bald auch ein zweites Album geben wird, ist derzeit noch offen, doch lassen uns die veröffentlichten Tracks hoffen, dass 2021 das Jahr sein könnte, in dem wir in den Genuss eines zweiten Longplayers des Produzenten kommen dürfen.

Dayglow - Close To You

Dayglow – Party mit sich selbst

Was macht man in der Pandemie, wenn man an einem Abend alleine zu Hause ist, keinen Bock darauf hat, mit der nächsten Serie das Zeitkonto der Streamingdienste weiter auszureizen und alle anderen Aktivitäten nicht möglich sind?! Man tanzt! Ganz so, wie es der US-Amerikanische Indie-Held Sloan Struble unter dem Alias Dayglow in seinem neuesten Musikvideo zu Close To You macht. Dabei ist der aus Austin in Texas kommende Musiker so unterhaltsam anzusehen, dass man sich das Schmunzeln über das 3:15 Minuten lange Video nicht verkneifen kann. Mit farbenfrohen Aufbauten, ein paar absurd lustigen Tanzbewegungen und 80er-Jahre Topfschnittfrisur bewegt sich der 21-jährige Musiker zu einer satten 80er-Jahre Pop-Nummer, die ebenso charmant, wie eingängig ist. Mit klebrigen Synthiebeats, Lyrics, die einen Ohrwurm garantieren und dem hippen Musikvideo kann sich Dayglow unserer Aufmerksamkeit gewiss sein. Und eine Menge Aufmerksamkeit hat der US-Amerikaner bereit vor knapp drei Jahren erhalten. Damals veröffentlichte er mit Fuzzybrain sein Debütalbum und ging mit der dazugehörigen Single Can I Call You Tonight? durch die Decke.

Dayglow ©Pooneh Ghana
Dayglow ©Pooneh Ghana

Heute zählen die verschiedenen Musikvideos dieses Hits auf YouTube über 70 Millionen Views. Dabei geht es in seinem neuen Song darum, eine überzogene Erwartungshaltung an eine andere, ganz konkrete Person zu überdenken. So stellt sich Dayglow im Song vor, dass er auf eine Party geht, und dort einer Person begegnet, die er nicht begrüßt und mit ihr kein Wort wechselt, in seinem Kopf aber so viele Reize verrücktspielen, dass er sich eine Idee davon aufbaut, wie die Person sein könnte – vom Reden, Denken und Handeln. Nur, um schließlich feststellen zu müssen, dass die Person doch ganz anders ist, als in seiner Vorstellung. Dies hat der Musiker in ein so leichtes Popgewand gesteckt, dass man ihm gerne von der anderen Seite des Raumes – in dem die Party steigt – zugucken möchte und gespannt ist, wie dieser Plot sich schließlich entwickelt. Mit Close To You vom nerdig-sympathischen Dayglow ist die gute Laune vorprogrammiert und die Tatsache, dass wir gerade alleine zu Hause um den Tisch tanzen eine willkommene Abwechslung. Und mit seinem, für dieses Jahr angekündigten, zweiten Album, dürfen wir uns auf weitere spaßige Nummern freuen.