Tones And I - Dance Monkey

Tones And I – Mit 200 km/h um die Welt

Sie ist wie ein Sturm – die australische Sängerin Toni Watson – die unter dem Alias Tones And I gerade mit ihrer zweiten Single überhaupt die Charts rund um den Globus erklimmt. Dabei ist die musikalische Karriere, der aus einer Bucht südlich von Melbourne kommenden Sängerin, gerade einmal knapp ein Jahr alt. So hat sie in ihrem Heimatort nebenher in Bars gespielt, ehe sie in das Mekka der australischen Musikszene – Byron Bay – zog und sich dort als Straßenmusikerin schnell einen Namen machte. Schließlich schaffte sie es hier 2018, bei einem Wettbewerb von Straßenmusikern, zu gewinnen und entschied sich, ihren Fokus zu 100 Prozent auf die Musik zu legen. Dass diese Entscheidung wohl die wichtigste war, zeigt der Erfolg mit ihrer – bereits im Mai veröffentlichten – Single Dance Monkey. Denn diese schiebt sich gerade weltweit an allen Songs vorbei und erreicht in immer mehr Ländern einen der vordersten Plätze oder sogar den ersten Platz. Dance Monkey ist dabei ein sehr eingängiger Pop-Song, der durch Watsons kratzig, rotzige Stimme und verspielte Beats eine sehr interessante Gegensätzlichkeit besitzt. Gleichzeit kommt Watson, vor allem durch das humorvolle Musikvideo, sympathisch rüber und lässt an Stimmen wie Gin Wigmore und Duffy denken. Dance Monkey hat sein Potential noch lange nicht ausgeschöpft und wird uns mit Sicherheit die kommenden Monate noch begleiten.

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Milky Chance feat. Tash Sultana - Daydreaming

Milky Chance & Tash Sultana – Schräg und überraschend

Mit dieser Kombi hätte wohl niemand gerechnet. Hatte Tash Sultana gerade erst mit Talk It Out und Matt Corby die erste Kollaboration veröffentlicht, steht nun mit Daydreaming die nächste Veröffentlichung an, die Tash mit dem deutschen Duo Milky Chance aufgenommen hat. Milky Chance wiederum stehen nicht zuletzt durch ihren weltweiten Hit Stolen Dance auch international hoch im Kurs und gehen mit Tash Sultana eine Zusammenarbeit ein, die zwei ungewöhnliche Musikacts zusammenbringt. Dabei ist Daydreaming von einem Reggaesound durchzogen, der es schafft so locker und entspannt zu klingen und gleichzeitig mit Tash Sultanas Part sommerlich verträumt zu wirken. Das dazugehörige Musikvideo sollte darüber hinaus nicht verpasst werden – erzählt es doch in schräger Art und Weise vom Finden eines Schatzes, zurückerlangendem Augenlicht sowie eines Sultans in Form von Tash Sultana auf einem Fliegenpilz sitzend. Das ganze wird gekrönt von einem Flug über die Alpen und Alpentäler. Daydreaming ist eine wilde Zusammenarbeit aus zwei der derzeit ambitioniertesten Acts und begeistert mit einem verqueren Musikvideo und kündigt gleichzeitig Milky Chance‘ drittes Studioalbum Mind The Moon an, das am 15. Oktober scheinen wird.

Elderbrook & Rudimental – Tanz dich frei

Beide Acts blicken bereits auf eine ausgiebige Diskografie zurück. Sind Rudimental für ihre Kollaborationen mit Blick auf Diversität, Akzeptanz, Inklusion und Freiheit bekannt und haben in der früheren Vergangenheit mit Acts wie Jess Glynne, Macklemore, Tom Walker und James Arthur zusammengearbeitet, steht das Londoner Kollektiv für tanzbare, elektronische Musik, die auch genreübergreifend funktioniert. Elderbrook – der ebenfalls aus London kommende Singer/Songwriter und Produzent – hat in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Zusammenarbeit mit CamelPhat auf Cola von sich hören lassen. Nun haben sich beide Acts für Something About You zusammengetan und einen Song veröffentlicht, der sich sanft aber gleichzeitig euphorisierend anhört. Genau diese Mischung transportiert die Intention hinter dem Song – zeigt das Video doch eine Selbsthilfegruppe von Männern, die sich öffnet und dem vergifteten Maskulinismus – der sich jeder Verletzbarkeit bei Männern verwehrt – zu entziehen versucht. Dabei braust Something About You zwischenzeitlich mit Trompeten auf und bedeutet damit das emotionale Freitanzen der Protagonisten. Einmal mehr haben Elderbrook, sowie Rudimental einen Song veröffentlicht, der radiotauglichen Elektro, clubtaugliche Beats und gesellschaftskritische Themen so wunderbar miteinander verbindet, dass man fast spielerisch an schwere Themen herangeführt wird.

Lea Porcelain - Clock Of Time

Lea Porcelain – Die Kunst der Verwandlung

Lea Porcelain haben schon eine beachtliche Wandlung hinter sich. Von einem Sound, der an die dunklen musikalischen Zeiten während der 90er Jahre in Großbritannien angelehnt ist, über den akustisch, folkigen Einschlag, den die beiden Jungs zuletzt auf I Am OK gingen, bis zu den neuesten Songs, die wieder zurück zu den Wurzeln der Band gehen, hat das Duo eine lebendige Diskografie vorzuweisen. Dabei setzen sie sich mit schwierigen Themen auseinander und verpacken diese in große Soundgerüste. Mit der neuesten Single Clock Of Time schließen sie gerade den Kreis und kehren zu ihrem Ursprung zurück. Dabei sind es abermals großartige Bilder des Musikvideos, die den Song so eindringlich werden lassen. Am vergangenen Freitag ist mit der EP Love Is Not An Empire schließlich auch wieder eine neue Platte herausgekommen und zeigt, wie umtriebig das, in Berlin lebende, Duo ist.

Cassia – Keine Band für schlechte Momente

Wer seine Musik mit den Worten Wir möchten ein Gefühl der Lebendigkeit und leuchtender Resonanz bei den Leuten erzeugen, die uns hören. Wir möchten Musik schreiben, zu der sich Menschen locker machen und zueinander finden können beschreibt, hat großes vor. Im Falle der britischen Newcomer-Band Cassia scheint gerade das punktgenau zuzutreffen. Und das ist, ob der irgendwie zurückhaltend klingenden Soundästhetik, nicht selbstverständlich. Zwar kling ihre neueste Singleauskopplung Movers & Shapers, aus ihrem im April veröffentlichten Album Replica wieder einmal wie die pure Freude am Dasein, doch ist da eben auch diese Zurückhaltung zu erkennen, die sich auch im dazugehörigen Musikvideo, welches die Band im Juni in Berlin drehte, zeigt. Hier sind eben keine großspurigen Luftschlösser zu sehen, sondern die drei Jungs im Wald und am See – eben passend zu einem entspannten Sommertag am See und nicht im Club. Cassia haben es mit dieser Mischung geschafft, zu einer der angesagtesten Livebands Großbritanniens zu werden. Wir selbst können uns Mitte September davon überzeugen, denn hier kommen Rob Ellis, Lou Cotterill und Jacob Leff für einige Konzerte nach Deutschland. Derweil geht der Sommer weiter und Cassia ist ein stetiger Begleiter.

Seeed - Lass Sie Gehn

Seeed – Lässig durch den Sommer

Nachdem Ticket bereits das erste Anzeichen, für eine Rückkehr der Berliner Band Seeed war, haben die Jungs um Peter Fox und Dellé nun mit Lass Sie Gehn eine zweite Single veröffentlicht, die wieder zurück, zu den Wurzeln der Band findet. Dass Seeed dabei dieses Jahr wieder auf der Tanzfläche erschienen sind, ist so erfreulich, wie stark. Nachdem im Mai 2018 mit Demba Nabé eines der Gründungs- und wichtigsten Mitglieder verstorben und das letzte Album Seeed 2012 erschienen war, wurde bei vielen Fans die Hoffnung geschmälert, jemals wieder neue Musik der Band zu hören. Doch mit dem Song Ticket zollte das Berliner Kollektiv einmal mehr Tribut und bedankte sich damit bei Demba Nabé. In ihrem nun veröffentlichten Song Lass Sie Gehn klingen Seeed dann plötzlich wieder wie Anfang der 2000er, als alles mit der Band so richtig ins Rollen kam. Dass jedoch zwischen den Zeilen des Songs auch eine bevorstehende Veränderung gelesen werden kann, lässt Raum für viel Spekulationen. Denn klingen sie auf Lass Sie Gehn auffällig stark nach ihrer Anfangszeit, vermittelt der Text und auch das Musikvideo eine Atmosphäre des Aufbruchs in neue Zeiten. Da werden Altlasten abgestreift und ein öder Planet verlassen. Wie sich Seeed hierbei und auf ihrem kommenden, fünften Studioalbum, welches sie für Ende 2019 angekündigt haben, entwickeln werden, bleibt somit eine Überraschung. Dass wir uns allerdings sicher sein können, wieder vollkommen von den Music Monks abgeholt zu werden, ist sicher.

Lui Hill - I Owe You

Lui Hill – Dankbarkeit in 3:49 min.

Woraus entstehen bei einem Musiker die Ideen für Songtexte? Oftmals sind es die Erlebnisse, die sie prägen. Im Falle des deutschen Musikers Lui Hill sind es ganz konkret die Erlebnisse mit seinen Eltern und vor allem seiner Mutter, die ihm zu dem Song I Owe You gebracht haben. Denn während im Entstehungsprozess seines selbstbetitelten – 2018 veröffentlichten – Debütalbums Lui Hill Hills Vater verstarb, ist es seine Mutter, der er auf I Owe You ein Denkmal setzt. Ein Denkmal der verletzlichen Art. Denn sind Eltern für die Kinder immer die unbesiegbar starken Menschen, bröckelte diese Sicht nach dem Tod des Vaters. Denn Hills Mutter erkrankte am Demenz. I Owe You hat Hill schließlich mit dem Gefühl der Dankbarkeit und des Zurückgebens geschrieben. Doch wie könnte man die gesamte Zeit der Eltern, in denen sie auf einen aufpassten, einen beschützten und Mut zusprachen jemals zurückgeben? I Owe You versucht eindrucksvoll dieser Aufgabe gerecht zu werden, was sich auch im dazugehörigen Musikvideo zeigt. Hier sehen wir Hill durch das verwaiste Elternhaus laufen, die Sitzgarnitur unter Lacken verhüllt, alte Fotoalben durchblätternd – das Gefühl des enormen Verlustes so einfühlsam vermittelt. Hinzu kommt der musikalische Wechsel innerhalb des Songs vom Klavierspiel – zu Beginn des Songs – hin zu einem tanzbaren und aufrichtigen Sound aus Synthies. Hier wollte Hill seiner Mutter ein musikalisches Geschenk machen, weiss er doch, dass sie auf tanzbare Musik steht. Lui Hill schafft auf I Owe You einen beeindruckenden Spagat aus zeitgemäßer Musik, verknüpft mit einer berührenden Geschichte und sehr viel – in Bildern verpackter – Emotionen und klingt dabei dennoch komplett zeitlos.

Moon Willis & Etta Bond - I Like The Way

Moon Willis & Etta Bond – Das Wochenende kann kommen!

Für Moon Willis scheint 2019 zu seinem Jahr zu werden. Denn der Londoner Produzent hat in den letzten Monaten mit ein paar wirklich starken Songs spürbare Aufmerksamkeit erhalten. Mit Gone, On Me und Trouble hat sich Moon Willis gerade einen festen Platz in den Clubs weltweit gesichert. So wird er mittlerweile auch von Größen wie Duke Dumont und den Disciples nach einen Remix gefragt. Nun hat sich Moon Willis mit Etta Bond eine der heißesten Newcomer Londons gegriffen und mit ihr zusammen den Song I Like The Way produziert. Mit einem euphorischen Rhythmus, der unwiderstehlichen Stimme Bonds und einem treibenden Bass passt I Like The Way perfekt zur Hitzewoche in Europa und dem Einstieg in das Wochenende. Hinzu kommt, dass das dazugehörige Musikvideo von seiner Machart an All-Time-Favorites wie Sweet Like Chocolate von Shanks & Bigfoot, Starlight von The Superman Lovers oder One More Time von Daft Punk erinnert. Wenn Ihr bis jetzt noch keinen Sommerhit hattet, wäre I Like The Way ein würdiger Anwärter.

Editors - Frankenstein

Editors – Ein Song für die Freaks

Die Editors sind bekannt dafür, ihrer Musik einen neuen Schwung zu geben und mit Genres zu spielen – So werden die Fans immer wieder aufs Neue auf die Probe gestellt und gefordert. Nun haben die Editors um Frontsänger Tom Smith mit Frankenstein ein ganz neues Niveau erreicht. Gab es im Frühjahr bereits mit der The Blanck Mass Sessions einen ersten Vorgeschmack auf den Ausflug, den die britischen Jungs hier ins elektronische Genre machten, haben sie dabei ausgewählte Tracks ihres letzten Albums Violence unter der Regie des Produzenten Leo Abrahams neu aufgenommen und deutlich tanzbarer gemacht. Nun geht mit der Veröffentlichung des Songs Frankenstein gerade einen Raunen durch die Lande – ist der Song doch elektronisch aufgeheizt, hedonistisch und es­ka­pis­tisch. Deshalb geht es bei Frankenstein auch darum, auszubrechen – den Freak in einem rauszulassen – sei es nur für eine Nacht. Produziert von Jacknife Lee, der sich auch für das Durchbruchsalbum der Editors An End Has A Start (2007) verantwortlich zeichnet, haben die Editors ein schräges Musikvideo veröffentlicht, welches von einer Fanbesessenheit erzählt, die beängstigend weit geht. Die Editors haben damit einmal mehr überrascht und gleichzeitig überzeugt und lassen den Frankenstein in uns tanzen.

Heather Nova - Just Kids

Heather Nova – Wenn Weite in der Stimme liegt

Heather Nova war – gefühlt – schon immer da. Nie ganz oben, nie wirklich weg. Mit ihren bisherigen neun Alben hat sie es immer wieder geschafft, Songs zu platzieren, die von einer Weite geprägt sind und Sehnsucht ausdrücken. In Deutschland dürfte Heather Nova vor allem durch ihren 2001er Song I’m No Angel bekannt geworden sein. Dabei kommt dieses Gefühl der Weite nicht von ungefähr. Ist sie auf der Insel Bermuda geboren, verbrachte sie den Großteil ihrer Kindheit mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem Segelboot. Davon beeinflusst klingt Novas Alternative Folk sehnsuchts- und liebevoll. Nun ist die Überseebritin mit ihrem zehnten Album Pearl zurück und zeigt darauf einen zeitgemäßen Sound, der allerdings von ihrem Debütalbum Oyster inspiriert ist. Hier geht es um Liebe, Trennung und dem Weg, zu sich selbst zurückzufinden. Die aktuelle Single Just Kids zeigt dies eindrucksvoll und ist getragen von der Sehnsucht, einfach loslassen zu können. Sich wieder ohne Ballast dem Leben hinzugeben und Dinge zu tun, die einem Spaß machen – ohne daran zu denken, wie es wirken könnte. Diese Haltung hat Nova schließlich minimalistisch im dazugehörigen Musikvideo umgesetzt und lässt uns immer wieder Schmunzeln. Heather Nova schafft es sommerliche Wärme mit Sehnsucht und Weite zu verbinden und trifft damit immer wieder direkt ins Herz.