FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me

FKA Twigs, Headie One & Fred Again… – Nicht greifbares Meisterwerk

Was FKA Twigs anfasst, ist in der Regel wahre Kunst. Ob mit den Songs Two Weeks und Video Girl von ihrer Debütplatte LP1, mit Good To Love als musikalische Untermalung für einen Werbespot von Calvin Klein oder der Kollaboration mit TY DOLLA $IGN, Kanye West und Diplo auf Ego Death – der Anspruch steht bei der britischen Sängerin Tahliah Debrett Barnett immer ganz oben. Hierbei ist es das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente das ganz besondere an FKA Twigs. Zum einen sorgt ihre sensible Stimme – die immer fragil, feminin und sanft klingt – für eine warme Note, ehe der Beat einsetzt, der sich futuristisch, kalt und oftmals kaum greifbar zeigt. Diese Mischung fasziniert und irritiert gleichzeitig und macht die Magie der Sängerin aus. Doch nicht nur als Sängerin ist FKA Twigs bekannt, sonder seit ihrer Jugend auch als Tänzerin. Seit einiger Zeit kann sich Twigs nun auch Produzentin, Schauspielerin und Regisseurin nennen. Auf ihrer neuen Single Don’t Judge Me vereint sie dabei gleich mehrere ihrer Talente. Während der britische Produzent Fred Again.. zusammen mit dem Londoner Newcomer, Songwriter und Rapper Headie One die Lyrics geschrieben und am Sound gearbeitet hat, kümmerte sich Twigs um die Visuals und fügte ihren Gesang, sowie einige Beats hinzu.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me (Photo by Creativedisc.com)
FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. – Don’t Judge Me (Photo by Creativedisc.com)

Dabei hat vor allem das Musikvideo Kurzfilm-Qualität und begeistert mit einem verstörenden Kampf gegen das Unsichtbare. Dieses Unsichtbare möchten FKA Twigs und Headie One als den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft verstanden sehen. Denn Anhand des Aussehens einer Person können wir nicht beurteilen, ob diese Person über Farbe, Geschlecht, Religion oder der Identität des Geschlechts diskriminiert. Die Unterdrücker in der Gesellschaft, die uns umgeben, bleiben meistens unsichtbar, bis ihr Missbrauch gegen andere aufgedeckt wird. Dies ist einer der Gründe, warum Diskriminierung seit Generationen so schwer zu bekämpfen ist. Gegen wen muss das Opfer kämpfen, wenn es den Täter nicht identifizieren kann? sagte Headie One über den Text des Songs. Don’t Judge Me ist mehr, als nur ein R&B/Elektropop-Song, wieder einmal hat FKA Twigs, nun zusammen mit Headie One und Fred Again.., einen Avantgard-Popsong veröffentlicht, der beklemmend, faszinierend und eindringlich ist und ebnet den Weg für FKA Twigs drittes Studioalbum, das noch dieses Jahr erscheinen könnte.

Freyr - Nicotine Bunker

Freyr – Erfrischend klar

Bisher kennen wir den schwedisch/isländischen Musiker Freyr durch melancholisch, introvertierte Folkballaden, die sich so intim anhören, dass wir uns wünschten, mit ihm einen Abend verbringen und seinen Geschichten lauschen zu können. Doch schon mit der letzten Veröffentlichung American Poster zeigte sich der Singer/Songwriter mit einem helleren Sound und ließ einen Aufbruch erkennen. Nun ist der Musiker mit einer weiteren Single zurück und lässt diese Helligkeit weiter wachsen. Auf Nicotine Bunker singt der Singer/Songwriter von neuen Eindrücken und der Herausforderung, sich zu finden und gleichzeitig offen für Neues zu sein. So nimmt er das Beispiel einer Kommune, in der Tarotkarten gelegt werden, viel geraucht wird und sich alle glückselig übereinander freuen. Auch wenn Freyr selbst Nichtraucher ist und nicht all zu viel mit dem Tarotkartenlegen zu tun hat, kam er mit der Offenheit der Kommune, ihn willkommen zu heißen, in Berührung. Dieses natürliche Vertrauen in den Menschen hat den Musiker tief beeindruckt. Gleichzeitig kündigt Freyr mit Nicotine Bunker auch sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 28. Mai erscheinen wird.

Freyr
Freyr

Darauf enthalten, sind neben American Poster auch Avalon, You Want Love und vier weitere Songs. Freyr selbst hat erst heute auf Twitter geschrieben, dass sich seine neun bisher veröffentlichten Songs schon wie ein Album anfühlen. Daher war der Schritt hin, zu seinem Debüt, nur noch ein Katzensprung. Mit der Mischung aus Folk, Singer/Songwriter und einfließenden Elementen des Pop hat Freyr eine starke Richtung in seiner Diskografie vorgegeben. Doch mit nicht einem einzigen Song, der enttäuscht, können wir sicher sein, dass uns sein Debütalbum vom ersten bis zum letzten Track packen, berühren, aufbauen und beruhigen wird. Erstmals hat Freyr mit der Single Nicotine Bunker auch ein offizielles Musikvideo veröffentlicht, das ihn bei einem Pärchen in einem Wohnmobil zeigt, welches ihn am Straßenrand aufgegriffen hat. Mit Nicotine Bunker hat Freyr einmal mehr den gelassenen, warmen Sound seiner Musik und Stimme eingefangen, um ihn uns zu präsentieren.

AronChupa & Little Sis Nora - Trombone

AronChupa & Little Sis Nora – Holt die Tanzschuhe raus!

Der schwedische Produzent AronChupa und Little Sis Nora sind zurück! 2014 hatten sie mit ihrer Mischung aus House und Electro Swing auf der Debütsingle I’m An Albatraoz einen so durchschlagenden Erfolg, dass sie in ganz Europa durch die Decke gingen. Während der Song es in 21 Ländern weltweit in die Top 10 schaffte – davon fünf Mal bis an die Spitze der Charts – gehört das dazugehörige Musikvideo mit über 1,2 Milliarden Views zu den am meisten angesehenen Musikvideos aller Zeiten auf YouTube. Dabei startete Aron Michael Ekberg – wie AronChupa bürgerlich heißt – erst zwei Jahre zuvor mit der Band Albatraoz seine musikalische Laufbahn. Sein Solodebüt I’m An Ablatraoz war gleichzeitig aber auch ein Familienprojekt – ist die Sängerin des Songs doch Ekbergs jüngere Schwester Nora Ekberg. Sind die meisten der bisher veröffentlichten zwölf Songs in Zusammenarbeit mit seiner Schwester entstanden, arbeitete der Schwede darüber hinaus auch schon mit Cazzette, The High und J & The People zusammen.

AronChupa & Little Sis Nora - Trombone (Video)
AronChupa & Little Sis Nora – Trombone (Video)

Nun hat AronChupa mit Trombone eine neue Single veröffentlicht, die abermals mit Little Sis Nora entstanden ist. Dabei setzt AronChupa alles auf die Electro-Swing Karte und veröffentlicht eine satte Club-Nummer, die nur eines von uns möchte – uns zum Tanzen einladen. Hier reiht sich der Produzent in die Riege der großen Hits von Acts wie Yolanda Be Cool & DCUP, Caro Emerald, Caravan Palace oder Parov Stelar ein. Dabei nimmt Trombone gleich zu Beginn so viel Fahrt auf, dass man kaum mit dem Atmen hinterherkommt. Mit schnellen Schritten, vielen Trompeten und einem mitreissenden Musikvideo lässt Trombone keinen Zweifel daran, dass es uns dazu auffordert, viel Spaß damit zu haben. Bisher hat AronChupa noch kein Album veröffentlicht, ist aber bei Sony Music unter Vertrag. Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis wir von dem Produzenten ein erstes Album vorgestellt bekommen werden. Trombone wäre auf jeden Fall die beste Werbung, die man dafür machen könnte.

Provinz - Hymne gegen euch

Provinz Was heisst hier „werden“?

Es ist in fast jedem Artikel zu lesen – nun werden sie politisch. Gleichzeitig wird auf das neue Musikvideo der Band Provinz hingewiesen. Selbst die eigen Plattenfirma nutzt dieses Schlagzeile. Dabei hat die Band schon in früheren Songs mit gesellschaftskritischen Themen eine Jugend skizziert, die fernab von unreflektiertem Verhalten ist. Mit ihrer neuen Single Hymne gegen euch sprechen sie das aus, was diese Generation immer öfter umtreibt. Denn unpolitisch ist die Generation Z bei weitem nicht. Sie stehen auf, gehen auf die Barrikaden, zeigen Probleme auf und stellen Forderungen. Die Bandmitglieder von Provinz sind Teil dieser Generation, der viel zu oft die hochnäsige Haltung entgegengebracht wird, sich für nichts einzusetzen und doch nur an Partys interessiert zu sein. Ob mit Organisationen wie Fridays For Future, Extinction Rebellion, Sunrise Movement, Greenpeace oder den Bewegungen Black Lives Matter, #MeToo und der Abschaffung des Abtreibungsparagraphen § 219a – alle werden von der Jugend im großen Stile getragen, unterstützt und werden Veränderungen gefordert. Somit ist klar, dass junge Erwachsene und Jugendliche politisch sind und es nicht erst werden, wenn sie es das erste mal aussprechen. Ähnlich findet dies gerade bei Provinz statt, die mit ihrem Debütalbum Wir Bauten Uns Amerika und Singles, wie Wenn Die Party Vorbei Ist, Nur Freunde oder Tanz Für Mich im vergangenen Jahr auf Platz 4 der deutschen Albumcharts einstiegen.

Provinz Photo: Mike Kipper
Provinz Photo: Mike Kipper

Denn mit ihrer neuen Single Hymne gegen euch möchten sie klar machen, dass die Jugend es selbst in die Hand nimmt, wie ihre Zukunft auszusehen hat. Dabei sagte schon der Titel des Debütalbums mit Wir bauten uns Amerika aus, dass die Do-it-yourself-Haltung schon damals fest verankert war. Mit drängendem Sound aus Schlagzeug und Klavier singt sich Frontmann Vincent mit aufbrausender Kraft gegen die Haltung des stumm bleibens. Er [Der Song Hymne gegen Euch] soll die Leute aufwecken, die denken, sie hätten kein Recht dazu, sich jetzt zu äußern, weil sie sich vielleicht nicht hundertprozentig auskennen. Die derselben Meinung sind, aber kein Ventil finden und nicht so richtig wissen: Was mache ich jetzt? Wie soll ich mich verhalten? Denen will ich damit eine Stimme geben. Auf Hymne gegen euch ist es nicht der tanzbare Sound, der die Stimmung anheizt, sondern der Druck, den die Jungs nicht zuletzt mit den Worten und der Musik aufbauen. Produziert wurde der Song – wie auch die dazugehörige EP Zu spät um umzudrehen die am 11. Juni erscheinen wird – von Tim Tautorat, der sich auch schon für den Sound von AnnenMayKantereit verantwortlich zeichnet. Geschrieben hat Vincent die Texte dieses Mal jedoch nicht mehr alleine – wie sonst üblich – sondern hat sich mit dem Hamburger Singer/Songwriter Fayzen zusammengesetzt. Wir dürfen daher gespannt sein, was sich auf der kommenden EP noch alles befindet und können schon mit Hymne gegen euch sagen, dass Provinz einfach nicht aufhören uns mit starken Songs zu begeistern.

Fickle Friends - Weird Years (Season 1)

Fickle Friends – Quitschbunter Pop gegen den Lockdownblues

Zugegeben, manchmal kann man schon in den Moment verfallen, an dem man sich fragt, ob das quietschbunte Auftreten der Brightoner Band Fickle Friends nicht ein wenig zu viel ist. Doch gleichzeitig pustet auch der kindlich, frische Sound diese Gedanken sofort wieder weg. Denn Fickle Friends können es einfach – gute Laune mit ihren Songs verbreiten. Voller Energie springen sie auf der Bühne rum, jagen nach Festival-Auftritten durch die Menge und nehmen jeden Moment so mit, wie er kommt. Denn diese Momente sind es, die uns alle wieder verbinden und nach denen wir uns aktuell mehr denn je sehnen. Da passt es wunderbar, dass die vier Südengländer vor zwei Wochen mit Weird Years (Season 1) eine EP veröffentlicht haben, die das verrückte Jahr 2020 musikalisch zusammenfasst. Mit Season 1 in Klammern stehend, deuten die Briten dann auch die potentielle Möglichkeit einer Season 2 an, die uns Angst macht – wollen wir doch nicht noch ein volles Jahr mit Pandemie, Lockdown und Social-Distancing verbringen. Gleichzeitig weckt es aber auch die Vorfreude auf eine weitere Platte voller gut gelaunter Tracks. Auf ihrer aktuellen Single IRL singt sich Frontsängerin Nat Shiner über die Tücken des Datings in Zeiten von Social-Distancing. Da wischt man nach rechts und links, vergibt Herzchen, chattet mit einem interessanten Menschen und telefoniert oder videochattet zusammen.

Fickle Friends - IRL
Fickle Friends – IRL

Doch wie kann man herausfinden, ob die Chemie auch im echten Leben – in real life – stimmt? Denn dafür steht die Abkürzung IRL. Im dazugehörigen Video sehen sich die Bandmitglieder nach den ersten Lockerungen des harten Lockdowns im Sommer erstmals wieder und wollten ein Musikvideo machen, das die angestaute Energie der vergangenen Monate komplett rauslässt. Nach so einem Song und Video finden wir uns schlussendlich dann – wie schon bei Songs, wie Swim, Could Be Wrong, Say No More, Cry Baby, The Moment, Amateurs oder Eats Me Up – wieder in einem Moment der kindlichen Freude um einen Song, der es ganz locker schafft, uns um den Finger zu wickeln und den unbekümmerten Partygänger in uns zu wecken. Gleichzeitig steht für dieses Jahr auch das zweite Album der Band an, das den Titel Weird Years tragen und in Form einer Serie veröffentlicht wird. So planen Fickle Friends gerade, dass sie über die kommenden Monate mit mehreren EPs – wie bei einer Serie – einzelne Seasons veröffentlichen werden und am Ende daraus eine Art Box-Set, in der vielleicht bis zu 20 Songs landen können, entsteht. Doch ob es soweit kommt oder noch viel weiter geht, hält sich die Band offen und lässt es einfach auf sich zukommen. Wir können gespannt sein, womit uns die Briten dieses Jahr noch so überraschen werden.

Jon Batiste - I Need You

Jon Batiste – Ein Song für die gute Laune

Er ist ein Allrounder im wahrsten Sinne des Wortes. Als Musiker trat er in den vergangenen 22 Jahren in den verschiedensten Rollen in Erscheinung – und das, obwohl der US-Amerikaner erst 34 Jahre alt ist. Dabei kommt Batiste aus einer wahren Musikerdynastie. Denn bereits die Familienmitglieder Lionel Batiste, Milton Batiste, Harold Battiste und Russell Batiste Jr. spielen im Südstaatensoul und Jazz eine große Rolle. So hat Harold Battiste einst mit Sonny & Cher und Sam Cooke zusammengearbeitet. Für Jon Batiste ging es daher bereits mit 8 Jahren in der Familienband Batiste Brothers Band los. Hier arbeitete er über Jahre an seinem Profil und fokussierte so den Einstieg, in eine Solokarriere, die er mit seinem 2005er Debütalbum Times in New Orleans schließlich begann. In den folgenden Jahren absolvierte Batiste an der New Yorker Privatschule Juilliard School seinen Bachelor und Master für Musik. Von hier kommen auch so berühmte Absolvierende, wie Nina Simone, Miles Davis, John Williams, David Garrett und Philip Glass.

Jon Batiste - We Are
Jon Batiste – We Are

Seit 2015 fungiert Batiste mit seiner Band Stay Human als Hausband in der US-Amerikanischen Late Night Talkshow The Late Show with Stephen Colbert und erreicht damit allabendlich zwischen 4 und 6 Millionen Zuschauer. Als bisheriger musikalischer Höhepunkt können definitiv die Grammy-Nominierungen 2018 als Best American Roots Performance und 2020 für Best Contemporary Instrumental Album und Best New Age Album genannt werden. Seit diesen Winter können wir ihn auch auf dem Soundtrack des Disney-Films Soul hören, zu dem er über ein dutzend Songs beigesteuert hat. Nun hat Batiste mit I Need You den ersten Song aus seinem kommenden Soloalbum We Are veröffentlicht, das am 19. März scheinen wird. Dieser Song sprüht nur so vor Spaß, Energie und Lebensfreude und begeistert mit einer Mischung aus Jazz, Soul und R&B und einem Musikvideo, das diese Mischung perfekt widerspiegelt. I Need You ist eine wahre Bombe und lässt uns keine Sekunde Zeit, darüber nachzudenken, ob uns der Song gefällt, sondern reisst uns direkt, rein, in eine Welt, voller Euphorie und Freude an der Musik.

Julia Stone feat. Matt Berninger - All We Have

Julia Stones feat. Matt Berninger – Völlig entsagt

Julia Stone hatte es in der Vergangenheit nicht immer leicht. Mit ihren ersten beiden Alben The Memory Machine (2010) und By The Horns (2014) versuchte sich die Australierin von ihrem Geschwistergespann zu lösen und sich als eigenständige Musikerin zu etablieren – wurde sie oftmals doch nur als die eine Hälfte von Angus & Julia Stone angekündigt. Hinzu kam, dass sich Rezensenten bei ihren früheren Alben auf die Stimme der Sängerin fokussierten und sie als zu mädchenhaft kritisierten. Spätestens mit der ersten Singleauskopplung Break aus ihrem dritten Studioalbums Sixty Summers, das am 19. Februar erscheinen wird, zeigte Stone eine Facette, welche die härtesten Kritiker erstaunt zurücklässt. Denn mit einem offenen Sound, der in Richtung Weltmusik geht, zog uns Stone ab Sekunde Null in ihren Bann und fegte uns gleichzeitig mit einem berauschenden Musikvideo weg. Es folgten die Singles Unreal und Dance bei dem vor allem der letztgenannte Song warm von Vertrauen und Zuneigung erzählt und mit Susan Sarandon und Danny Glover zwei Hollywood-Stars im Musikvideo vereint.

Julia Stone feat. Matt Berninger - All We Have (music video)
Julia Stone feat. Matt Berninger – All We Have (music video)

Nun hat Julia Stone mit We All Have die vierte Single veröffentlicht und erzählt von der Liebe, die wir alle so sehr benötigen. Dabei meint die Australierin nicht die Liebe zu jemand anderen, sondern die Liebe, die wir in uns tragen und die uns ausmacht. Wie schon bei den letzten Songveröffentlichungen kommt auch die neue Single nicht ohne eine Überraschung aus. Hier entschied sich die Folksängerin dafür, die einzige Kollaboration auf ihrem neuen Album zu veröffentlichen und hat sich mit Matt Berninger von The National gleich einen der renommiertesten Musiker unserer Zeit geangelt. Dabei überraschen The National aktuell durch eine rege Beteiligung an Songs und Platten anderer Künstler, wie die Zusammenarbeit von Aaron Dessner auf Ben Howards neuem Album  Collections From The Whiteout zeigt. We All Have hat eine wunderbar gemütliche Atmosphäre, die durch Stones Gesang davonzuschweben scheint und durch Berningers tiefe, brummende Stimme eingefangen und am Boden gehalten wird.

Cassia - Powerlines

Cassia – Mit Frohsinn durch den Lockdown

Bereits Anfang 2019 hatte das britische Trio Cassia mit Small Spaces einen Song veröffentlicht, der sie aus ihrer Realität reißen sollte. Mal nicht die Aufgaben und Pflichten eines Erwachsenen erfüllen müssen, war damals der Hintergrund dieses Tracks. Nun – zwei Jahre später – stehen Rob Ellis, Lou Cotterill und Jake Leff erneut vor dieser Aufgabe, stecken die – mittlerweile zu Wahlberlinern gewordenen – Jungs doch wegen des Lockdowns in ihrer Heimat nahe Manchesters fest. Was bleibt da anderes übrig, als neue Musik zu machen. Und so haben Cassia die letzten Monate damit verbracht, an Songs zu arbeiten und eine neue EP zusammenzustellen. Diese wird Powerlines heißen und am 5. Februar erscheinen. Bereits nach wenigen Stunden und der Ankündigung diverser, limitierter EP-Bundles, waren diese auch schon wieder ausverkauft. Das unterstreicht die enorme Fanbase, welche die Band mittlerweile aufgebaut hat. Neben Small Spaces war es vor allem Movers & Shapers, das vor knapp zwei Jahren zu dem Hype um die junge Band führte.

Cassia
Cassia

Damals schaffte es ihre Debüt-EP Replica auf anhieb bis auf Platz 79 der britischen Albumcharts. Nun kommt also die zweite EP der Briten raus und hat mit der gleichnamigen Leadsingle Powerlines gleich wieder eine wunderbar lockere und verschmitzte Single in petto. Hier begeistern uns Cassia erneut mit luftigen Indieklängen und ihrem typischen Calypso-Sound. Gleichzeitig ist Powerlines die perfekte Musik, um sich auf den Frühling und die ersten milden Sonnenstrahlen einzulassen. Ganz, wie in ihrem dazugehörigen Musikvideo, wünscht man sich, in einem Cabrio die Arme in die Luft zu strecken und die Frühlingsluft auf der Haut spüren zu können. Cassia sind keine Band für dunkle Momente und passen doch direkt zu diesen, um sie mit der vollen Ladung Spaß wegzupusten. Auf Powerlines, werden – neben der gleichnamigen Leadsingle – mit Do Right, Drifting und Don’t Make A Scene noch drei weitere Songs zu finden sein und den positiven Sound der Band fortschreiben.

Ben Howard - What A Day

Ben Howard – Die Stille bricht auf

Er ist bekannt für seine zurückhaltenden Songs. Die irgendwo zwischen unnahbar und zutiefst berührenden Songs, spielen sich bisher auf den drei Alben Every Kingdom (2011), I Forget Where We Were (2014) und Noonday Dream (2018) ab. Dabei sind es vor allem die letzten beiden Longplayer, die den Sänger mitunter nicht greifbar werden lassen. Denn hier sorgt ein Mix aus Folk, Ambient und Psychedelic dafür, dass sich das weite Publikum die Songs nur schwer erschließen kann. Nun hat der Brite mit What A Day einen ersten neuen Song aus seinem kommenden, vierten Studioalbum veröffentlicht, das am 26. März erscheinen und Collections From The Whiteout heissen wird. Darin handeln die zehn Songs von unterschiedlichen Geschichten und stellen somit eine Art Geschichtsband dar – wie Howard zur Ankündigung hinzufügt. Gleichzeitig überrascht er auf What A Day mit einem fröhlichen, bis humorvollen Tenor und grenzt sich damit stark von seinen früheren Veröffentlichungen ab. Hier kommen auch erstmalig andere Musiker zum Zuge – hat sich Howard doch auf Collections From The Whiteout nicht nur musikalisch geöffnet, sondern auch bezüglich der Personalien seines neuen Albums.

Ben Howard - Collections From The Whiteout
Ben Howard – Collections From The Whiteout

Mit dabei ist Bassist und Gitarrist Aaron Dessner von The National, der nicht zuletzt als Produzent durch die beiden Folkalbem Folklore und Evermore von Taylor Swirft im vergangenen Jahr zwei der meistverkauften Alben des Jahres produziert hat. Mit What A Day legt sich Howards neuer Song durch einen folkig, luftigen Sound wie eine leichte Decke über uns und lässt das schelmische Katz und Mausspiel beginnen. Mit wenigen verspielten Loops kommt der Track schnell in Fahrt und gibt ein Tempo vor, das zusammen mit Howards markanter Stimme verspielt und neckisch klingt. Hier treffen leichte Synthies und Gitarren, sowie ein Klavierspiel aufeinander und sorgen für einen Moment der Unbekümmertheit. Gleichzeitig zur Songveröffentlichung gibt es auch ein passendes Musikvideo, welches in absurder Weise zeigt, worauf wir uns bei Howards neue Musik einstellen können. Ben Howard hat einen Song veröffentlicht, der die Fassade des sonst so zurückhaltenden Musikers einreisst und Platz für einen neuen Teil seiner Persönlichkeit macht.

Middle Kids - Questions

Middle Kids – Melancholische Rebellion

Zugegeben, die Kombination, die das australische Trio Middle Kids mit ihrer neuen Single Questions gewählt hat, ist fast schon ungooglebar. Gibt man es doch ein, bekommt man wahlweise die Top-10, Top-20 oder Top-50 Fakten über Kinder und Jugendliche, die sich als Middle Kids einordnen lassen. Hier werden so interessante Positionen, wie Kids, die jüngere und ältere Geschwister haben, werden immer vernachlässigt oder Kids, die jüngere und ältere Geschwister haben, bekommen immer die Kleidung, die von den älteren Geschwistern schon getragen wurden. Doch wenn es um das australische Trio, rund um Frontsängerin Hannah Joy, geht, gelangen wir unweigerlich wieder zu dem starken Indiesound der Band, den wir bereits auf Real Thing und R U 4 Me? hören konnten. Letzterer kam im vergangenen Oktober raus und setzte alle Zeichen auf ein kommendes Album. Überhaupt sind die Middle Kids sehr rege am Veröffentlichen von Platten. Hatten sie 2017 mit Middle Kids ihre Debüt-EP veröffentlicht, folgte nur ein Jahr später mit Lost Friends das Debütalbum. Wiederum ein Jahr später legten sie mit New Songs For Old Problems eine weitere EP nach und kommen nun zurück mit einem zweiten Album, das Today We’re The Greatest heißen wird und am 19. März erscheint.

Middle Kids
Middle Kids

Während Lost Friend 2018 aus dem Stand in die australischen Top-10 der Albumcharts einsteigen konnte, gewann das Trio zusätzlich mit Album Of The Year einen der wichtigsten Preise des australischen Radiosender Triple J. Auf ihrer neuen Single Questions stellen die Middle Kids Fragen des Vertrauens, des Respekts und der Aufrichtigkeit in einer Beziehung. So beginnt der Song gleich mit den direkten Fragen Wie soll ich Dir vertrauen, wenn du mich die ganze Zeit belügst. Woher soll ich wissen, wer du bist, wenn du die ganze Zeit betrunken bist. Es ist die Wahl dieser direkten Worte, die Middle Kids auch auf Questions wieder so spannend werden lassen und in einen Sound umwandeln, der erneut zwischen Melancholie und Aufbäumen changiert. Mit großen Trompeten kommen die drei schließlich zu dem Punkt, an dem sie sich fragen Ich habe Fragen und Du kennst die Antworten. Aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Tatsachen oder nur Einbildungen sind. Das dazugehörige Musikvideo ist ein One-Take-Clip, bei dem sich die Band in einem Café wiederfindet und mit Blaskapelle und weißem Schimmel durch den Song singt. Die Middle Kids sind ein absoluter Grower. Ihre Songs entfalten ihre Wirkung erst nach mehrmaligem Hören, werden dann aber zu großartigen Indiehymnen und sorgen immer dafür, dass wir zu den Songs der Band tanzen wollen.