Blanks - Sweaters

Blanks – Schärft sein Profil spielerisch

Letztes Jahr hatte der junge Influencer, Instagram- und Youtubestar Blanks mit gleich zwei Songs für ein erstes Aufhorchen gesorgt. Denn sowohl Don’t Stop als auch Let’s Get Lost waren zwei satte Ausrufezeichen in die Richtung des Pop-Olymps. Sein Markenzeichen: verspielte Sounds mit enormen Ohrwurmcharakter. Dabei kommt hinzu, dass Simon de Wit – wie Blanks bürgerlich heißt – eine unglaublich markante Stimme hat und hier und da an die verrückten Songs von Mika erinnert. Während Mika sich momentan mit einem Abflauen seines Erfolges beschäftigen muss, zeigen die Zeichen für Blanks genau in die entgegengesetzte Richtung. Nun hat der Niederländer mit Sweaters einen neuen Song veröffentlicht und tritt dabei in die Fußstapfen so großer Hits wie von den Bag Raiders,  Empire Of The Sun oder vor allem Gipsy & The Cat. Denn mit einem sommerlich leichten Sound und Blanks markant, hoher Stimme wird Sweaters schnell zu einem lockeren Sommerhit, der sich so sehr in den Kopf setzt, dass man ihn mindestens bis zum kommenden Sommer nicht mehr rausbekommt. Dass Blanks auch mit dem dazugehörigen Musikvideo zu überzeugen weiss, liegt an seinem Youtube-Kanal, der mehr als eine Million Follower hat – denn hierfür produzierte der 22-jährige Musiker schon mehr als 70 Videos. Blanks hat alles, was man braucht, um einen Hit zu landen – nun fehlen nur noch die Radiostationen, die Sweaters in ihre Playlists aufnehmen müssen.

Blossoms – Ein Song, wie ein alter Freund

Schaut man sich das Musikvideo an, bekommt man das Gefühl eine Videokassette des New York Urlaubs 1987 anzusehen. Mit ganz viel  Nostalgie, Schlaghosen, schlechter Bildqualität und wunderbarem Refrain präsentieren sich die Briten von Blossoms auf ihrem neuesten Song The Keeper so wunderbaren, dass man sich an die großen Pophymnen der 80er Jahre zurückerinnert fühlt. Hier trifft neuer, herzlicher Indiepop auf sein altes Ich und lässt Vergleiche mit den Singles Getaway und Blown Rose kauf zu. Denn mit The Keeper sind Blossoms zwar irgendwie glatter geworden, haben aber trotzdem ihre Identität nicht verloren und klingen nach wie vor so sehr nach Indie, dass man schmerzlich daran zurückerinnert wird, dass Indie und Rock in den 2010ern einen langsamen Tod starben. Umso erfreulicher ist es, dass Blossoms mit Foolish Loving Spaces nun am 31. Januar endlich ihr drittes Studioalbum veröffentlichen werden. Laut Frontsänger Tom Ogdens ist The Keeper eine fundamentale Liebeserklärung an die Liebe und konnte von den Jungs einzig und allein in New York umgesetzt werden.Mit dieser euphorischen Liebe zur Musik und zu sich selbst lassen Blossoms The Keeper zu einem zeitlos wundervollen Stück der Musikgeschichte werden.

Eminem - Darkness

Eminem – Die brutale Realität

Vor genau 20 Jahren veröffentlichte Eminem mit Stan einen Song, der die fanatische Liebe eines Fans beschreibt. Im Verlauf des Songs verändert sich jedoch die einstige Verehrung zu blanker Aggression, denn obwohl Stanley – kurz Stan – seinem Idol unzählige Briefe schreibt, folgt nie eine Antwort. Fanatismus ist kein Phänomen, welches es nur in den USA gibt, doch gleichwohl ist es hier äußerst ausgeprägt. Denn 20 Jahre nach Stan ist Eminem nun mit dem Song Darkness zurück, der das Massaker von Las Vegas 2017 zum Thema macht. Dabei teilt sich der Song in zwei Positionen auf. Die ersten knapp 4 Minuten singt und rappt Eminem aus dem Blickpunkt des Attentäter mit all seiner kruden Sichtweise. Im zweiten Teil des Songs kommen die Beobachtungen der Öffentlichkeit zum tragen und zeigen mit unzähligen Breaking News Schnipseln, wie die Medien darauf reagieren. Gleichzeitig ruft Eminem aktiv auf, dass die Menschen ihre Stimme erheben und für eine Veränderung der Waffengesetze stimmen sollen. Mit der Frage When Will This End? stellt Eminem den Betrachter des Musikvideos die Aufgabe zu reagieren und beantwortet die Frage schließlich mit dem Satz When Enough People Care. Dass Eminem dieses Thema so konfrontativ angeht, und damit riskiert in den USA in Ungnade zu fallen, scheint dem Rapper nicht zu interessieren. Mit Darkness hat sich Eminem gleichzeitig eine der bekanntesten Textzeilen der Musikgeschichte ausgesucht und untermalt den kompletten Song immer wieder mit Hello Darkness, My Old Friend aus dem Simon & Garfunkel Song The Sound Of Silence. Eminem schafft es immer wieder sowohl das Rap- und Hip-Hop-Lager zu erreichten, als auch den großen Mainstream mitzunehmen und hat sich so in den vergangenen 25 Jahren – seit seines Debütalbums Infinite – eine beachtliche Fangemeinde und Diskografie aufgebaut. Diese nutzt er nun, um die US-Bevölkerung aufzurütteln. Gleichzeitig ist heute mit Music to Be Murdered By sein elftes Studioalbum erschienen und wird dem Titel zufolge noch weitere, politisch untersetzte, Songs beinhalten.

The Blaze feat. Octavian - Somewhere

The Blaze – Ready für Album Nr. 2

Im Dezember 2018 berichtete ich über das französische Elektro-Duo The Blaze. Hierbei stach nicht nur deren Musik vor, sondern auch deren gewaltige Bildsprache. Denn jedes ihrer Musikvideos aus ihrem Debütalbum Dancehall entspricht der Dichte eines Kurzfilms, die allesamt so cinematografisch sind, dass man sich völlig abgeholt fühlt. Nach einer phänomenalen Tour, die auch in der Berliner Columbiahalle Halt machte und beeindruckend in Bild und Ton war, haben Guillaume und Jonathan Alric nun mit Somewhere einen komplett neuen Song veröffentlicht, der abermals mit treibenden Housesound und der Stimme des französischen und in Großbritannien lebenden Rappers Octavian begeistert. Ungewohnt ist, dass die Jungs den Song bisher ohne ein Musikvideo veröffentlichen und somit eine wichtige Komponente als Gefühlstreiber fehlt. Dieses wird mit Sicherheit noch folgen und schließlich seine ganze Kraft entfalten. The Blaze transportieren mit ihrer Musik ganz besondere Gefühle und erzeugen somit eine tanzbare Intimität, die sich wunderbar auf der Tanzfläche ausleben lässt.

Noah Gundersen - Lose You

Noah Gundersen – Ein neuer Mensch

Als der amerikanische Sänger/Songwriter vor fast genau vier Jahren im Berliner Privatclub die Bühne betrat, war es wie ein weisses Blatt Papier. Sowohl der Name, als auch seine Songs waren gänzlich unbekannt und die Überraschung umso größer, als das Konzert seinen Lauf nahm. Damals noch mit langen Haaren singend, hat sich Gundersen im Verlauf der Zeit deutlich gewandelt. So steht er heute mit kurzen, blond gefärbten Haaren und sichtbaren Tattoos vor dem Publikum und singt so wunderbare Songs, wie seine neueste Veröffentlichung Lose You. Diese kommt von Gundersens viertem Album Lover und zeigt den Sänger angekommen. Angekommen in einer Welt, die für den Musiker so viel bereithält und die Inspiration für neue Songs gibt. Auf der dazugehörigen Tour spielte Gundersen innerhalb von zwei Monaten 40 Shows und war danach völlig energielos – so beschreibt Gundersen in einem Post die Tage nach dem Tourfinale. Mit der nun ausgekoppelten Single Lose You hat Gundersen gestern auch ein passendes Musikvideo veröffentlicht. Dieses untermalt die gewaltige Wärme, die der Song durch seine zurückhaltende Art besitzt, die im Verlaufe des Songs als Emotion ausbricht und zu einem satten Liebessong voller Energie wird. Gundersen klingt mit seinen 30 Jahren unglaublich reif und transportiert eine Phase der Liebe, die von Freude, Vertrauen, Verläss

lichkeit und einem Kampf erzählt, der eine Beziehung retten soll. Lose You ist ein so wunderbarer Song, dass man sich fast wünscht, von Gundersen gerettet zu werden.

Gengahr - Heavenly Maybe

Gengahr – Im Berliner Club angekommen

Fast könnte man meinen, dass es am Ende alle in die deutsche Hauptstadt zieht. Ob Platten von The Ting Tings, Snow Patrol, Sigur Rós oder anderer großer Bands, alle landen früher oder später in Berlin um Songs aufzunehmen. Nun hat es auch das britische Quartett Gengahr nach Berlin verschlagen. Für ihre dritte Platte Sanctuary, die am 31. Januar 2020 erscheinen wird, kamen die Jungs nach Berlin und drehten zwei Musikvideos in den dunklen Clubs der Stadt. Ihre Musik klingt dabei gereifter und zeigt seit ihrem Debütalbum A Dream Outside (2015) und der Single She’s A Witch woher sie kommen, was ihren Werdegang über das 2018er Album Where Wildness Grows und der Single Mallory ausmachten, bis hin zu ihren aktuellen Songs Everything & More und die nun veröffentlichte Single Heavenly Maybe, dass sich die 2013 gegründete Band nicht auf einen Stil festlegen möchte. Denn auf Heavenly Maybe klingen Gengahr plötzlich funky und nach Disco und greifen den Sound von Künstlern, wie Parcels oder Daft Punk auf. Dieser French-Touch steht den Briten äußerst gut und unterstreicht ihren soundästhetischen Sinn für Produktionen. Gengahr klingen auf ihren ersten Songs des neuen Albums so abwechslungsreich, und frisch, dass man sich fast fragt, wie sie diese Latte auch auf dem dritten Longplayer noch so hoch halten können. Das neue Material ist tanzbar und unglaublich rhythmisch und lässt die Vorfreude auf das kommende Album noch weiter wachsen.

Bombay Bicycle Club - Everything Else Has Gone Wrong

Bombay Bicycle Club – Ihren Frieden gefunden

In knapp sieben Wochen steht das neue Album Everything Else Has Gone Wrong der britischen Indie-Band Bombay Bicycle Club in den Läden. Bis dahin war es ein langer Weg, hatten Bombay Bicycle Club doch ihr letztes Album So Long, See You Tomorrow sechs Jahre zuvor veröffentlicht und damit so lange, wie nie zuvor für ein neues Album gebraucht. Doch hört man sich die erste Single Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) und den heute veröffentlichten Song – und gleichzeitig Titeltrack des Albums – Everything Else Has Gone Wrong an, wird klar, dass die Jungs in den vergangenen Jahren wohl einiges durchlaufen haben müssen. So fügt die Band auf ihrer Facebook-Seite der Veröffentlichung des Songs auch noch die Info hinzu, dass Everthing Else Has Gone Wrong eine Art Katharsis bedeutet, aus der es gilt, das Licht in all dem Dunkel zu finden und damit auch durch Hoffnung und Sicherheit aus einer Verzweiflung zu kommen. Die kathartische Rolle, die Musik hierbei spielt, zeigt sich auf Everything Else Has Gone Wrong als heilend und Hoffnung stiftend. Gleichzeitig ist Everything Else Has Gone Wrong ein typischer Bombay Bicycle Club Track, der allerdings etwas schroffer wirkt – vergleicht man ihn mit den Songs der vorherigen Alben. Besonders empfehlenswert ist das dazugehörige Musikvideo, welches vom talentierten britischen Nachwuchs-Regisseur Louis Bhose kommt, der bereits zu Eat, Sleep, Wake (Nothing But You), Lewis Capaldis Grace und Michael Kiwanukas Kollaboration mit Tom Misch zu Money Regie führte. Mit einer klaren Erzählstruktur und Spannungsbogen verfolgen wir hier, wie sich Bombay Bicycle Club Frontsänger Jack Steadman auf einer Straße liegend wiederfindet und über viele Momente der Rettung hinweg aussichtslos im Sterben befindet. Dabei ist Everthing Else Has Gone Wrong mal dramatisch laut, mal treibend und wabernd – doch immer klar als Song der Londoner Band erkennbar. Bombay Bicycle Club haben viel zu erzählen und bauen drum herum einmal mehr ihren wunderbaren Indie-Rock-Sound.

Michael Kiwanuka – Den Soul der 70er Jahre entdecken

Nach den beiden erfolgreichen Alben Home Again (2012) und Love & Hate (2016) ist der britische Soulsänger Michael Kiwanuka nun mit einem neuen Album zurück. Dieses erschien am 25. Oktober und heißt einfach Kiwanuka. Darauf enthalten ist – neben der Vorabsingle You Ain’t The Problem auch der nun ausgekoppelte Song Hero, bei dem sich Kiwanuka auf die Helden und einflussreichsten Menschen der letzten Jahrzehnte bezieht. Mit darunter Marvin Gaye, Tupac, Martin Luther King und John Lennon. Gleichzeitig geht es aber auch darum, zu sich selbst zu finden und mit sich selbst glücklich zu sein. Warum jemand Anderes sein wollen, wenn ich doch mit mir selbst glücklich bin. Dieser Ansatz beflügelt gerade viele und zeigt, dass Kiwanuka einen Nerv trifft. Mit Hero setzt er dies ästhetisch so wunderbar um, dass man sich von seinem Musikvideo gar nicht satt sehen kann. Mit viel Soul, einer ordentlichen Portion Vintage-Sound der 70r Jahre und dem Konzept der Freiheit hat Michael Kiwanuka nicht nur ein neue Album geschrieben, sondern gleichzeitig auch die eigene Seele befriedet. Diese neue Haltung strahlen die Songs von Kiwanukas dritten Album aus und begeistern uns einmal mehr mit einem wanderbar, souligen Sound.

OK KID - E05 Im Westen

OK KID – Absurde Männlichkeit

OK KID sind bekannt dafür, mit kritischen Texten eine Atmosphäre in ihren Songs zu schaffen, die zwischen Feierlaune und dem Realisieren der wahren Situation pendeln. Mit Songs wie Grundlos,Warten Auf den Starken Mann, Stadt Ohne Meer oder Gute Menschen thematisieren sie immer wieder die aktuelle  Lage der Gesellschaft und wird so jedes neue Album der Gießener Band zum Spiegelbild und einer Momentaufnahme. Auf ihrem neuen Song 05 Im Westen geht es dabei um die absurden Männlichkeitsbilder, die in unserer Gesellschaft immer noch dafür stehen, bloß keine Emotionen zu zeigen oder sensibel zu sein. Die Band sagt daher im Interview mit NOIZZ, dass es ihnen wichtig ist, mit E05 Im Westen vor allem darauf aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren, dass männlich sein eben nicht auf patriarchalische Attribute beschränkt sein muss. Vor allen im Musikvideo, in dem Wilson Gonzalez Ochsenknecht den depressiver Sohn eines patriarchalen Vaters spielt, wird die Spannung visualisiert, die dabei in ihm entsteht. Mit E05 Im Westen haben OK KID damit einen weiteren Song aus ihrer Audioserie Woodkids veröffentlicht und starten heute im Österreichischen Linz eine ausgedehnte Tour.

AVEC - Home

AVEC – Wenn ein Mensch dich komplettiert

Vor etwas mehr als einem Jahr konnten wir uns selbst von der großartigen österreichischen Sängerin AVEC überzeugen und im Gretchen in Berlin ihren Songs lauschen. Denn dabei passte das Wort lauschen wie selten ein anderes zu ihrem Konzert aus viel Gefühl, Herzlichkeit und Authentizität. Dabei spielte sie nicht einfach nur Songs ihrer beiden Alben Heaven/Hell (2018) und What If We Never Forget (2016), sondern hauchte ihnen regelrechtes Leben ein – wie mit dem Song Love. Nun hat die Österreicherin mit Home erneut einen Song veröffentlicht, der sich so sehr aus den Gefühlen der Sängerin speist und uns gleichzeitig so vertraut vorkommt. So singt sie darüber, wie es ist nach Hause zu kommen. Allerdings meint AVEC damit nicht etwa die vier Wände und das Dach über dem Kopf, sondern viel mehr den Partner, den liebsten und engsten Menschen neben sich. Dieses Gefühl – wohl eines der Stärksten, das wir fühlen – von Vertraut- und Geborgenheit, vom Auffangen und Aufbauen. All diese Gedanken und Gefühle halten allerdings nur so lange, wie wir sie auch ertragen können. Denn dann kommt der Twist. AVEC hat dafür ein wunderbares Musikvideo gewählt, welches dieses Gefühl und die Umkehr dessen, was es bedeutet, sich bei jemanden zu Hause zu fühlen, sehr emotional transportiert.