Bon Iver - Naeem

Bon Iver – Ein Evolution in vier Akten

Bon Iver ist ein Aussätziger unter den Musikern. Mit seinen Soundmustern, die sich mit jedem seiner Alben verändern, über die Art zu singen, bis hin zu seinen kryptischen Titeln – kaum etwas ist richtig greifbar. Mit seinem nun veröffentlichten I,I setzt der US-Amerikaner Justin Vernon seinem Alter Ego Bon Iver einen vierten Akt auf und komplettiert damit die Soundästhetik, der vier Jahreszeiten. Auf seiner nun veröffentlichten Single Naeem kehrt Venon zurück zu den Anfängen seines Sounds und lässt eindringliche Pianoklänge über sanfte Bässe zu einem kratzig fordernden Gesang des Sängers legen. Dabei wirkt Naeem wie eine Folkballade, die sich aus den Einflüssen von Sigur Rós, The Lumineers und The Slow Show zusammensetzt. Einmal mehr schafft es Bon Iver so, dass seine Musik eine Kunstform annimmt, die sich für viele immer wieder aufs Neue als völlig eigenständig etabliert und zum Einfluss vieler anderer Künstler wird und ist darüber hinaus der perfekte Begleiter für den rauen Ton des nahenden Herbstes.

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Iggy Pop - James Bond

Iggy Pop – Eine Legende findet sich neu

Iggy Pop ist jemand ganz besonderes. Hat er mit seinen 17 bisherigen Alben nie den ganz großen kommerziellen Erfolg feiern können, gilt der in Michigan, USA, geborene Sänger als Ikone des Punks und hat unzählige Bands und Musiker beeinflusst. Zwischenzeitlich lebte Pop zusammen mit David Bowie in einer WG in Berlin Schöneberg und schrieb mit ihm an zwei seiner erfolgreichsten Alben. Heute kennt Iggy Pop fast jeder – ist er doch der Rockstar, der immer Oberkörper frei auf der Bühne steht und mit seinen langen, blonden Haaren die Menge begeistert. Doch seine Songs sind vielen auch heute noch ehe unbekannt. Nun hat Pop mit Free sein – unglaubliches – 18. Studioalbum veröffentlicht und zeigt sich hier von einer gänzlich anderen Seite. Reflektiert, ruhig aber auch außer Atem präsentiert Pop seine Musik als völlig neue Interpretation seiner Person. Pop selbst sagt darüber, dass auf dem Album andere Künstler von ihm reden, Pop ihnen aber seine Stimme geliehen hat. So zeigt sich auf der aktuellen Single James Bond, dass Pop diese Schnittstellen hervorragend herausstellt. Denn hier klingt Pops Stimme, der, des 2003 verstorbenen Country-Sängers Johnny Cash fast zum verwechseln ähnlich. Diese Stimme ist nicht neu, nur nutzt sie Pop sehr selten und zeigt auf James Bond einen jazzigen Sound mit Trompeten und funkigen Elementen. Free ist Iggy Pops „Durchatmen“ vom bisherigen Sound und erfindet den Ausnahmemusiker, der seit 60 Jahren im Musikgeschäft ist, fast gänzlich neu. James Bond zeigt dabei die Erhabenheit des Sängers, sich diesem Moment anzuvertrauen.

Thees Uhlmann - Avicii

Thees Uhlmann – Stampfendes Tribut

In knapp zwei Wochen ist es soweit und das dritte Album Junkies und Scientologen des Hamburgers Thees Uhlmann kommt in die Läden. Bereits mit seiner ersten Singleauskopplung Fünf Jahre Nicht Gesungen vor gut vier Wochen zeigte uns Uhlmann, warum er so wichtig für die Deutsche Musiklandschaft ist. Mit seinen Songtexten, die immer direkt beim Hörer landen und seinen cleveren Wortkonstellationen ist Uhlmann bereits seit Tomte-Zeiten ein hoch angesehener Musiker. Auf seiner nun veröffentlichten, neuen Single Avicii besingt der Label-Mitbegründer des Grand Hotel van Cleef Plattenlabels, die Liebe zu dem schwedischen Musikproduzenten Avicii, der im April letzten Jahres so plötzlich verstarb. Dabei lässt uns Uhlmann textlich etwas im Dunkeln. Stehen sich doch Zeilen wie Du wartest auf die Liebe und ich auf das nächste Bier. Der Platz am Tresen neben mir bleibt heute leider leer. Eine gute letzte Reise, zum Abschied leise winken. Elektronische Musik kann man sich so selten schöntrinken. gegenüber, als könnten sie gar nicht zusammengehören. Mit der Musik jedoch, hat sich Uhlmann wieder an dem tanzbaren Indierock seiner Stammband Tomte orientiert. Thees Uhlmann ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Musikwelt und zeigt, was Songwriting und der richtige Sound mit Themen machen kann, die unbequem sind.

Duke Dumont feat. Zak Abel - The Power

Duke Dumont feat. Zak Abel – Voller Energie auf die Tanzfläche

Duke Dumont ist mittlerweile ein Garant für euphorische Clubsounds. Mit Songs wie Won’t Look Back oder The Giver (Reprise) hat sich der Brite in den letzten Jahren eine sehr ansehnliche Fangemeinde erspielt. Auf seinem neuesten Track The Power hat Dumont den Shootingstar Zak Abel mit dabei. Dieser macht zwar schon seit einigen Jahren Musik, doch so richtig gezündet hat es für den marokkanisch-stämmigen Musiker bisher noch nicht. Und das, obwohl er in den vergangenen Jahren vor allem durch Kollaborationen mit erfolgreichen Acts, wie Avicii, Jonas Blue, Gorgon City und Tom Misch zusammengearbeitet hatte. Nun ist er auf Duke Dumonts Song The Power zu hören und bedienen beide Acts hier ihre Paraderollen. Duke Dumont mit seinem Deep-House Sound, lässt uns auf der Tanzfläche garantiert nicht stehen. Mit euphorischen Synthies und dumpfen Bässen zeigt der DJ und Produzent, wie mit Highs und Lows gespielt werden kann. Abel hingegen setzt mit seinem Gesang auf volle Emotionen. Dabei wird seine Stimme mal hallend, mal vibrierend in Szene gesetzt und bleibt immer präsent. Als ob das nicht schon reichen würde, um einen Hit zu landen, hat sich das Liverpooler Duo CamelPhat des Songs angenommen und ist sowohl für die Produktion, als auch für das Songwriting verantwortlich. Bei dieser Kombination aus Talenten und gestandenen Größen der britischen Houseszene kann am Ende nur ein Hit herauskommen.

Anna Of The North - Playing Games

Anna Of The North – Norwegischer Elektropop

Mit Someone hatte Anna Of The North vor knapp zwei Jahren eine so wunderschöne 80er-Jahre Powerballade veröffentlicht, dass man sich nur in die Stimme des Nordens verlieben konnte. Damals galt Someone als Leadsingle ihres Debütalbums Lovers (2017). In der Zwischenzeit hat Anna Lotterud viele Musiker begeistert und so Kollaborationen mit Tyler, the Creator, G-Eazy und Honne gehabt. Nun ist die aus Oslo kommende Sängerin mit ihrer bereits vierten neuen Single Playing Games zurück und bleibt uns einer Ankündigung für ein zweites Album weiterhin schuldig. Auf dem Weg dorthin begleitet uns allerdings von nun an die wunderbare Dreampopsingle, die mit der klaren Stimme Lotteruds begeistert und einen verträumten Rundumsound bietet. Gleichzeitig klingt Playing Games mit seinen Handclap-Affekten, schnellen Beats und schwelgerischem Gitarrengezupfe fast schon euphorisch und voller Energie. Anna Of The North changiert in den Genres und lädt dazu ein, sich in ihren Songs zu verlieren. Was könnte es Schöneres geben!

Hollow Coves - When We Were Young

Hollow Coves – Jetzt kommt der große Schritt

Nach ihrer 2017er Debüt-EP Wanderlust hat sich das australische Duo Hollow Coves – welches aus den beiden Musikern Ryan Henderson und Matt Carins aus Brisbane besteht – nochmal ordentlich Zeit gelassen, um an ihrem Debütalbum zu arbeiten. Dabei war es der Song Coastline, der sich 2017 so zärtlich in unsere Gehörgänge setzte und mit einer Gänsehautakustik und großer Wärme begeisterte. Genau diese hervorragende Mischung aus Folk, Pop und Akustik ist es, die Hollow Coves über die Landesgrenzen hinaus zu einem der heißesten Anwärter für das Auslösen der nächsten großen Folkwelle macht. Nun haben die beiden Australier mit der neuen Single When We Were Young eine Reflexion ihrer selbst veröffentlicht. Denn ist das Soundgerüst wieder einmal großartig intim und hört man fast das Knistern eines Lagerfeuers, fanden sich Carins und Henderson beim Komponieren des Songs plötzlich in einer Art Rückblende wieder, die ihnen die wunderbaren Momente ihrer Jugend und Kindheit widerspiegelte. Eine Zeit, in der sie unbeschwert und frei von Zeitdruck und To-Do’s lebten – so die Beschreibung der beiden Musiker, fragt man sie nach der Entstehung des Songs. Schließlich schrieben sie den Text mit einem Twist, der den Hörer am Ende nicht Wehmütig in die Vergangenheit blicken lassen soll, sondern vielmehr den wunderbaren Moment der Jetzt-Zeit verdeutlichen soll. Mit When We Were Young haben Hollow Coves allerdings nicht nur eine neue Single veröffentlicht, sondern kündigt gleichzeitig auch ihr langerwartetes Debütalbum Moments an, welches am 14. Oktober erscheinen wird.

Kesmar - Crushing

Kesmar – Das Chamäleon Sydneys

Vielseitigkeit bringt der Beruf des Musikers zwangsläufig mit sich. Ob ganz zu Anfang als mittelloser Musiker, oder mit etwas Erfolg bei der Wahl der Locations, bis hin zum komfortabelsten Moment, dem des Auswählens der Musik. Bei Kesmar – hinter dem sich der australische Musiker und Singer/Songwriter Nathan Hawes verbirgt – war dies vor knapp drei Jahren der Schritt, weg vom Akustikkünstler, hin zu einem disco- und synthieorientierten Sound. Dabei verliebte sich Kesmar in den wunderbaren Klang von Bands und Künstlern wie Metronomy und Roosevelt und arbeitete fortan mit australischen Größen wie Panama zusammen. Auf seiner im April veröffentlichten Debüt-EP Up To You ist dann auch die aktuelle Single Crushing enthalten, die mit einem Retrosound aufwartet, welcher an Künstler wie Parcels und Two Door Cinema Club erinnert. Frisch, spritzig und voller Energie klingt Crushing nach einer vollen Ladung Sommerlaune und lässt uns an warmen Tage angenehm abkühlen und Kesmar zum Begleiter der Stunde werden.

Lui Hill - I Owe You

Lui Hill – Dankbarkeit in 3:49 min.

Woraus entstehen bei einem Musiker die Ideen für Songtexte? Oftmals sind es die Erlebnisse, die sie prägen. Im Falle des deutschen Musikers Lui Hill sind es ganz konkret die Erlebnisse mit seinen Eltern und vor allem seiner Mutter, die ihm zu dem Song I Owe You gebracht haben. Denn während im Entstehungsprozess seines selbstbetitelten – 2018 veröffentlichten – Debütalbums Lui Hill Hills Vater verstarb, ist es seine Mutter, der er auf I Owe You ein Denkmal setzt. Ein Denkmal der verletzlichen Art. Denn sind Eltern für die Kinder immer die unbesiegbar starken Menschen, bröckelte diese Sicht nach dem Tod des Vaters. Denn Hills Mutter erkrankte am Demenz. I Owe You hat Hill schließlich mit dem Gefühl der Dankbarkeit und des Zurückgebens geschrieben. Doch wie könnte man die gesamte Zeit der Eltern, in denen sie auf einen aufpassten, einen beschützten und Mut zusprachen jemals zurückgeben? I Owe You versucht eindrucksvoll dieser Aufgabe gerecht zu werden, was sich auch im dazugehörigen Musikvideo zeigt. Hier sehen wir Hill durch das verwaiste Elternhaus laufen, die Sitzgarnitur unter Lacken verhüllt, alte Fotoalben durchblätternd – das Gefühl des enormen Verlustes so einfühlsam vermittelt. Hinzu kommt der musikalische Wechsel innerhalb des Songs vom Klavierspiel – zu Beginn des Songs – hin zu einem tanzbaren und aufrichtigen Sound aus Synthies. Hier wollte Hill seiner Mutter ein musikalisches Geschenk machen, weiss er doch, dass sie auf tanzbare Musik steht. Lui Hill schafft auf I Owe You einen beeindruckenden Spagat aus zeitgemäßer Musik, verknüpft mit einer berührenden Geschichte und sehr viel – in Bildern verpackter – Emotionen und klingt dabei dennoch komplett zeitlos.

Kummer - 9010

Kummer – Aus Teilen Kraftklubs bricht es heraus

Es reicht! Das dachten sich die Jungs von Kraftklub – die bekennende Karl-Marx-Stadt-Jungs sind – also aus dem heutigen Chemnitz kommen. Über Chemnitz wurde im letzten Jahr viel berichtet. Von einer Gesellschaft, die sich aufteilt – in ausländerfreundlich und ausländerfeindlich. Jedoch zeigt sich letztere Gruppe vor allem in den vergangenen Jahren seit der Flüchtlingswelle 2015 so präsent und radikal, dass selbst die Politikverdrossenen nun dagegen aufstehen. Kraftklub haben sich allerdings seit jeher politisch engagiert und angesprochen, was schief läuft. So ist es auch kein Wunder, dass Felix Kummer – Frontsänger Kraftklubs – nun mit seinem Song 9010 (die Zahl gibt den ehemaligen Postleitzahlenbezirk zu DDR-Zeiten wieder) dieses Thema abermals aufgreift und einen aggressiven Rap-Song über die Zustände in seiner Heimatstadt veröffentlicht. Kummer will und kann sich nicht damit abfinden, dass sich der Osten und im Speziellen Chemnitz seinem Schicksal als Hochburg der Rechtsradikalen ergeben soll. So rappt sich Kummer auf 9010 durch seine eigene Jugend, die davon geprägt war, seine antifaschistische Haltung zu bewahren. Oftmals endete diese Haltung – von Rechten gejagt – blutend auf dem Bordstein. 9010 ist ein deutscher Rap-Song, der sich nicht um vollbusige Frauen und Bling-Bling-Autos dreht, sondern die politische Verantwortung übernimmt, als Musiker und Sprachrohr die Menschen zu erreichen und seine eigenen Erfahrungen zu schildern. 9010 ist der erste Vorbote des Solodebüts Felix Kummers, welches er unter dem Namen Kummer später in diesem Jahr veröffentlichen wird.

Blanks - Let's Get Lost

Blanks – Er macht, was er am Besten kann…

.. und das ist – gute Laune verbreiten. Mit Don’t Stop hatte der niederländische Instagram-Star und Musiker Blanks Anfang des Jahres bereits für einen ordentlichen Hype gesorgt. Ein paar Monate später, veröffentlichte er dann mit Wave seine zweite Single. Diese ist gleichzeitig, mit 200.000 Instagram-Followern entstanden. Vor einer Woche folgte nun mit Let’s Get Lost seine dritte Single, die deutlich professioneller geworden ist, als die ersten beiden Singles. So sieht man bereits im Musikvideo, dass es einen Regisseur gegeben haben muss – oder viel mehr eine Regisseurin. Denn Simon de Witt (wie Blanks bürgerlich heißt) hat sich mit Natalia Boorsma ebenfalls eine junge Regisseurin geschnappt, die noch relativ unbekannt ist. Let’s Get Lost ist dabei eine waschechte Feel-Good Popnummer, die etwas glatter daher kommt, als es bei Don’t Stop und Wave der Fall war, doch nicht minder eingängig ins Ohr geht. Dabei bleibt Blanks als Charmbolzen unglaublich sympathisch und frisch und wird damit seinen Instagram-Fame sicherlich um ein vielfaches ausbauen können.