Blanks - Sweaters

Blanks – Schärft sein Profil spielerisch

Letztes Jahr hatte der junge Influencer, Instagram- und Youtubestar Blanks mit gleich zwei Songs für ein erstes Aufhorchen gesorgt. Denn sowohl Don’t Stop als auch Let’s Get Lost waren zwei satte Ausrufezeichen in die Richtung des Pop-Olymps. Sein Markenzeichen: verspielte Sounds mit enormen Ohrwurmcharakter. Dabei kommt hinzu, dass Simon de Wit – wie Blanks bürgerlich heißt – eine unglaublich markante Stimme hat und hier und da an die verrückten Songs von Mika erinnert. Während Mika sich momentan mit einem Abflauen seines Erfolges beschäftigen muss, zeigen die Zeichen für Blanks genau in die entgegengesetzte Richtung. Nun hat der Niederländer mit Sweaters einen neuen Song veröffentlicht und tritt dabei in die Fußstapfen so großer Hits wie von den Bag Raiders,  Empire Of The Sun oder vor allem Gipsy & The Cat. Denn mit einem sommerlich leichten Sound und Blanks markant, hoher Stimme wird Sweaters schnell zu einem lockeren Sommerhit, der sich so sehr in den Kopf setzt, dass man ihn mindestens bis zum kommenden Sommer nicht mehr rausbekommt. Dass Blanks auch mit dem dazugehörigen Musikvideo zu überzeugen weiss, liegt an seinem Youtube-Kanal, der mehr als eine Million Follower hat – denn hierfür produzierte der 22-jährige Musiker schon mehr als 70 Videos. Blanks hat alles, was man braucht, um einen Hit zu landen – nun fehlen nur noch die Radiostationen, die Sweaters in ihre Playlists aufnehmen müssen.

Meadows - Empty Windows

Meadows – Sanft, wie eine Gutenachtgeschichte

Am Anfang steht ein warmes Gitarrenspiel. Schließlich kommt eine ebenso warme Stimme hinzu, welche die Worte so beruhigend singt, dass man in jedem Wort das warme Feuer eines Kamins knistern hören kann. Hinter einem so imposanten Song verbirgt sich der Künstler Meadows, der bürgerlich Christoffer Wadensten heißt und aus der schwedischen Provinz kommt. Ob der Provinz scheint es gleichzeitig so reichhaltig an Eindrücken, die Emotionen auslösen, zu sein, dass Meadows hiermit besonders auffällt. Mit seiner tiefen Stimme, die an den wunderbaren Ben Hamilton erinnert, singt sich Meadows durch so wunderschöne Textzeilen, wie I know you never lie but this whole you and I. Who thought that this would fly? I turn my eyes down low and I see the stars below. I know I have to go. And break through the glass of empty windows. Hierbei ist es fast so, als würde er uns eine Gutenachtgeschichte erzählen, während uns – von der Wärme des Kamins – die Schläfrigkeit überkommt. Geprägt vom Lyriker Frank O’Hara, der die wunderbare Fähigkeit hatte, Gefühlszustände – die in Notfällen aufkommen – einzufangen, hat sich Meadows durch das neue Album The Emergency Album gearbeitet. Herausgekommen ist mit den ersten Veröffentlichungen Emergency Song und Empty Windows eine sympathisch heimelige Stimmung, die sich so vertraut und geborgen anfühlt, dass wir uns gar nicht die Frage stellen, dass dieser Musiker noch größtenteils unbekannt ist. Meadows schafft es mit seinen Songs eine Wärme um uns herum zu legen, die sich förmlich an uns anzuschmiegen scheint. Für alle, die diese Kaminfeuerakustik auch einmal live sehen wollen, gibt es ab Mitte Mai auf 13 Konzerte in Deutschland Gelegenheit dazu. Für alle anderen gibt es ab dem 27. März das Album The Emergency Album zu kaufen.

Filv & Edmofo – Französische Eleganz trifft auf osteuropäischen Beats

Erstmals wurde der Song Clandestina bereits 2016 vom marokkanisch-französischen Musiker Youssef Akdim i Bakalianass – alias Lartiste – veröffentlicht und war auf seinem Album Clandestino zu finden. Damals nur ein moderater Erfolg, hat sich nun das russische DJ Duo Filv & Edmofo diesen Song noch einmal vorgenommen und ihn mit der Stimme der französischen Sängerin Emma Peters versehen. Dabei greifen die Jungs den ursprünglichen Gedanken des Songs wunderbar wieder auf und thematisieren auch auf der neuen Version den Verlust eines Freundes durch die Droge Kokain. Mit funkelndem Sound, Westerngitarren und modernen Housebeats – gepaart mit ganz viel Nostalgie, wie knisternden Schallplattengeräuschen und einem melancholischen Grundtenor – ist Clandestina eine orientalische Housenummer, deren Hitpotential, durch die unterschiedlichen Elemente, enorm hoch ist. Clandestina ist der perfekte Hybrid zwischen Winterhit und Sommerstimmung und wird uns wohl die kommenden Monate noch weiter begleiten.

Mura Masa - Teenage Headache Dreams

Mura Masa – Kontinuierlicher Wandel

Mura Masa ist ein Produzent, der vieles verbindet. Vor allem verbindet er Genres – denn mit seinem Mix aus House, Funk, R&B, Pop und Elektro zieht sich der 23-Jährige Musiker das Beste aus den jeweiligen Genres raus, um seinen eigenen Sound zu kreieren. Nach dem Erfolg des Debütalbums Mura Masa – vor allem bei den Kritiken – hat sich Alexander Crossan auf ausgiebige Tour begeben und an seinem zweiten Album R.Y.C. gearbeitet. Dieses erscheint in der nächsten Woche und hält mit Teenage Headache Dreams eine weitere Überraschung parat. Denn mit diesem Song holte der Brite Ellie Rowsell von der ebenfalls aus Großbritannien kommenden Indie/Alternative-Rockband Wolf Alice mit ins Boot und produzierte einen Song, der vom verträumten Folkpop in einen schwelgerischen Dreampop übergeht und schließlich zu einem euphorischen Kuss an alle Träumer mutiert. Durch seine rohe Sanftheit und den engelsgleichen Gesang Rowsells ist Teenage Headache Dreams ein Song, der für sich alleine steht und im Kontext der bisher veröffentlichten Musik nicht recht passen mag. Doch genau diese Ambivalenz ist es, die Mura Masa zu einem der spannendsten Künstler der letzten Jahre werden lässt.

Noah Gundersen - Lose You

Noah Gundersen – Ein neuer Mensch

Als der amerikanische Sänger/Songwriter vor fast genau vier Jahren im Berliner Privatclub die Bühne betrat, war es wie ein weisses Blatt Papier. Sowohl der Name, als auch seine Songs waren gänzlich unbekannt und die Überraschung umso größer, als das Konzert seinen Lauf nahm. Damals noch mit langen Haaren singend, hat sich Gundersen im Verlauf der Zeit deutlich gewandelt. So steht er heute mit kurzen, blond gefärbten Haaren und sichtbaren Tattoos vor dem Publikum und singt so wunderbare Songs, wie seine neueste Veröffentlichung Lose You. Diese kommt von Gundersens viertem Album Lover und zeigt den Sänger angekommen. Angekommen in einer Welt, die für den Musiker so viel bereithält und die Inspiration für neue Songs gibt. Auf der dazugehörigen Tour spielte Gundersen innerhalb von zwei Monaten 40 Shows und war danach völlig energielos – so beschreibt Gundersen in einem Post die Tage nach dem Tourfinale. Mit der nun ausgekoppelten Single Lose You hat Gundersen gestern auch ein passendes Musikvideo veröffentlicht. Dieses untermalt die gewaltige Wärme, die der Song durch seine zurückhaltende Art besitzt, die im Verlaufe des Songs als Emotion ausbricht und zu einem satten Liebessong voller Energie wird. Gundersen klingt mit seinen 30 Jahren unglaublich reif und transportiert eine Phase der Liebe, die von Freude, Vertrauen, Verläss

lichkeit und einem Kampf erzählt, der eine Beziehung retten soll. Lose You ist ein so wunderbarer Song, dass man sich fast wünscht, von Gundersen gerettet zu werden.

Shallou - Fading

Shallou – Mit großen Schritten Richtung Erfolg

Shallou ist immer für einen guten Song zu haben. Bereits mit der EP Souls (2018) und der Single All Your Days hat der US-Amerikanische Sänger und Produzent Joe Boston gezeigt, wie seine Interpretation von Elektro, Pop und Soul klingen kann. Hier treffen sanfte Beats auf hauchende Gesänge und treibende Sounds und brechen hier und da in einem schnellen Lauf aus. Dabei verbindet Shallou gefühlvolle Texte mit einem weichen Sound und bleibt trotzdem immer so weit im elektronischen Bereich, dass wir uns den Produzenten auch auf Open Air Festivals an warmen Sommertagen vorstellen können. Noch im Sommer dieses Jahres hatte sich Shallou für seine Abwesenheit auf Facebook entschuldigt und gleichzeitig angekündigt, dass ein Album in der finalen Phase der Produktion sei. Nun hat sich Shallou mit Fading zurückgemeldet und damit den Weg für einen grandiosen Aufstieg geebnet. Mit Island Records hat der Musiker gleichzeitig einen Vertrag bei einem Unterlabel der Universal Music Group unterschrieben, der ihm eine große Plattform garantiert. So hört man auf Fading schließlich auch die Weite und neue Impulse, die Shallou zu einem Elektroact wachsen lassen, die es selbst international mit den ganz Großen Acts aufnehmen könnten. Dabei wirkte bisher alles so klein und intim. Doch gerade das ist es, was verwundert, denn intim und in sich gekehrt klingt Fading auch trotz seiner Größe weiterhin und schafft damit den Spagat zwischen Alt und Neu.

The Weeknd - Blinding Lights

The Weeknd – Das neue Kapitel kling verträumt

Er ist einer der erfolgreichsten Musiker der letzten Jahre und hat die Latte mit seinem Neo-R&B Sound ganz hoch angesetzt. Dabei ist der kanadische Sänger Abel Makkonen Tesfaye alias The Weeknd mit seinen bisherigen drei Alben äußerst erfolgreich gewesen und gilt als aktuell einer der kreativsten Musiker überhaupt. Nach seiner EP My Dear Melancholy, – die im Frühjahr 2018 erschien – und dem darauf enthaltenen Hit Call Out My Name war es jedoch auffällig ruhig um den Produzenten geworden. Man könnte fast sagen, dass Funkstille herrschte, hatte er doch sogar seine Social Media Accounts pausieren lassen. Nun ist er mit gleich zwei neuen Songs zurück und hat mit Blinding Lights auch noch eine Überraschung parat. Denn verbindet man den Songwriter bisher vorrangig mit R&B und Soul, ist Blinding Lights eine treibende Elektrohymne, die etwas verspielt und mit Synthesizern schafft, eine Art Wehmut auszudrücken. Blinding Lights klingt so Retro und gleichzeitig modern, dass man ein halbes Leben vor seinem inneren Augen vorbeiziehen zu sehen vermag. Dieses Gefühl hat sich schließlich auch der deutsche Autobauer Mercedes zu nutzen gemacht und damit seine Werbung zum aktuellen Elektrowagen EQC untermalt. Auch hier spielt die Retrospektive eine wichtige Rolle und passt somit umso besser zum – durch die Häuserschluchten – rasenden The Weeknd, der im Werbeclip eine tragende Rolle spielt. Sowohl Mercedes mit seinem EQC, als auch The Weeknd mit seinem neuen Song, verkünden, dass ein neues Kapitel angefangen hat. Wir dürfen also mit Vorfreude gespannt sein, was uns als nächstes vom Kanadier zu erwarten hat.

Bonaparte - Was Mir Passiert

Bonaparte – Mal ganz anders und doch so typisch

Bonaparte ist Hau-Drauf-Musik. Immer mit einer Message, die einem direkt ins Gesicht knallt, hat Tobias Jundt seit nunmehr zehn Jahren immer eine untypische Lösung für so manche Herausforderungen parat. Mit einem Sound, der sich aus allem zusammensetzt, was der Wahlberliner in die Hände bekommt, hat er auf mittlerweile sechs Alben schon fast jeden Sound einmal durch. Dabei hat er sich von seinem einstigen Markenzeichen des Trashpunks hin zu einem Musiker entwickelt, der die Kunst des absurden beherrscht und dennoch auch großartige Sehnsuchtssongs schreiben kann. Nicht zuletzt mit mit dem dystopischen Into The Wild aus seinem selbstbetitelten Album Bonaparte zeigte sich Jundt düster und melancholisch. Nun ist Bonaparte mit seinem, im Sommer veröffentlichten, sechsten Album Was Mir Passiert zurück und hat die gleichnamige Single ausgekoppelt. Dabei mischt Bonaparte hier einen heiß, wabernden Sommersound, der mit der einfachen Textzeile Ich will nur das was mir passiert so leicht ins Ohr geht, dass man sich selbst am Strand wiederzufinden vermag und gleichzeitig eine Leichtfüßigkeit erlebt, wie sie bei Bonaparte so noch nicht zu hören war. Was Mir Passiert ist eine Streicheleinheit an den Künstler Bonaparte und wird wohl bei seinen kommenden Konzerten, zwischen all den Exzessen für einen Moment der Entspannung und des Schwelgens sorgen.

SYML - Take Me Apart

SYML – Vom unendlichen Repertoire eines Musikers

2019 markiert ein Jahr der kreativen Hochphase bei dem US-Amerikanischen Musiker und Produzenten SYML. War es nicht schon bedeutend genug, dass Anfang des Jahres sein selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlicht wurde, folgte mit Symmetry vor sechs Wochen bereits eine erste neue Single, die nicht mehr auf dem Album enthalten war. Nun hat Brian Fennell mit Take Me Apart einen weiteren neuen Song veröffentlicht, der sich nahtlos in die kinematographische Kultur seiner Diskografie einfügt. Dabei verfolgt SYML die Linie, sich in keinem festen Genre zu bewegen, sondern springt viel mehr von Song zu Song in den Genre umher. Mal rockig und kratzig, mal soulig oder sogar so leise, dass man während des Songs meint, das Studio knarzen zu hören. Mit Take Me Apart hat sich SYML nun der Liebe zu Horror- und Mysteryfilmen hingegeben. Beginnt der Song mit einem melancholisch, mystischen Klavierspiel, setzt Fennells Gesang kurze Zeit später ruhig und geheimnisvoll ein. Hierbei startet unwillkürlich eine Retrospektive vor dem inneren Auge und lässt gleichzeitig eine Art Zeitraffer entstehen. Schließlich trifft der Höhepunkt des mystischen Moments bei knapp 2:45 Uhr ein und verliert sich in einer großen Soundwolke aus Geigen, Bassbeats und verworrenen Gesangsparts, nur, um schließlich wieder vom melancholischen Klavierspiel eingangs abgeschlossen zu werden. SYML ist in seiner Kreativität nicht zu stoppen und zeigt seine Leidenschaft der musikalischen Untermalung von Momenten auf Take Me Apart einmal mehr eindrucksvoll.

Róisín Murphy – Für die Tanzfläche geboren

Róisín Murphy wurde für die Musik geboren. Hatte sie bereits mit ihrem Vater einen Musiker – der in verschiedensten Bands war und diverse Instrumente spielte – in der Familie, war es Murphys Mutter, die sie mit einer CD des Don’t Cry For Me Argentina Soundtracks dazu brachte, das Singen anzufangen. Geschah dies im Teenageralter, sorgte sie mit dem Umzug nach Manchester für die nötige musikalische Grundlage und begann Musik zu produzieren. Wenige Jahre später war Moloko geboren und die Geschichte des Britischen House-Duos geschrieben. Die Jahre nach Moloko wurden für Murphy zur absoluten Herausforderung, kam es nach ihrem zweiten Album Overpowered doch so einer Art Sinneskrise, aus der sie selbst nur sehr zögerlich herauskam und Diese erst durch die Unterstützung Anderer vollends überwinden konnte. Daraus resultierten mit Hairless Toys (2015), Take Her Up To Monto (2016) und der diesjährigen Einzelveröffentlichung Incapable eine große Anzahl an neuen Songs und Ideen. Mit ihrer nun veröffentlichten Discohymne Narcissus haut uns Murphy jedoch wieder einmal um und gibt uns eine 7:40 Minuten lange Vorstellung davon, wie sie in einer Disco zu feiern versteht. Mit einem wunderbar eingängigen Beat und vielen zarten Spielereien heizt uns die Irin die Tanzfläche von Dublin, über Manchester, bis nach Italien ein und zeigt sich als Europäische Club-Königin. Dabei ist die Exzentrik in ihrer Stimme eines der Hauptmerkmale ihrer Produktionen und fungiert fast schon als Drop – wie es bei den angesagten Clubsongs üblich ist. Bisher hat sich Murphy noch nicht zu einem neuen Album geäußert, doch tröstet die Schlagzahl neuer Veröffentlichungen allemal darüber hinweg.