Hugo Barriol - Don't Let Me Down

Hugo Barriol – Ich singe über das, worüber ich nicht sprechen möchte

Es ist ein Sound, dem man hinterhergreifen, den man festhalten und bei sich tragen möchte. Ein Sound, der die Sehnsüchte und Emotionen so präsent trägt, dass man sich darin verlieren kann. Hugo Barriol ist der Mann dahinter. Mit seiner zurückhaltenden Art sich selbst zuzutrauen, gute Musik zu erzeugen, zog es den Franzosen für eine Abenteuerreise nach Australien, wo er – um sich über Wasser zu halten – irgendwann anfing, in den U-Bahnhöfen von Sydney seine Songs zu spielen. Bis dahin nur im eigenen Heim gespielt, war diese Erfahrung so intensiv, dass sich Barriol – zurück in seiner Heimat – nach Paris aufmachte und dort in der Metro anfing zu spielen. Komplett akustisch fiel er so einem Mitarbeiter der Plattenfirma Naïve auf und wurde für eine EP unter Vertrag genommen. So warm, wie seine Musik ist, sind auch die Worte, die Barriol für seine Musik findet. Meine Musik ist melancholisch, manchmal auch traurig aber immer auch voller Hoffnung. Ich singe über Dinge, über die ich nicht sprechen mag. Ich erzähle Geschichten und versuche das Dunkle und Schmerzvolle in etwas schönes zu verwandeln. Es kann zart und warm sein und ich versuche immer aufrichtig in dem zu sein, was ich schreibe. Inspiriert von Folk, Pop, Rock und Indie ist meine Musik ein Mix aus alle dem.

Hugo Barriol

Hugo Barriol

Hören wir uns die Songs an, wird klar, dass der Franzose, der mittlerweile in London lebt, ganz genau weiss, wie seine Musik ankommt. Mit dem Debütalbum Yellow gab es 2019 einen ersten Longplayer. Nun veröffentlicht Barriol im November seine neue EP Hey Love auf der die wunderbare – im Juli veröffentlichte – Single Stay und seine neueste Veröffentlichung Don’t Let Me Down zu finden ist. In dieser geht es um das Ende eines Streits, den man in der Beziehung führt und nach diesem man den Partner darum bittet den anderen nicht aufzugeben – so erklärt Barriol es auf seiner Facebookseite. Die Sehnsucht, die Don’t Let Me Down dabei ausstrahlt, lässt uns reflektieren, wie wichtig es ist zu einem Menschen dazuzugehören. Mit großen Folk-Elementen und einer gleichzeitigen Lagerfeuer-Intimität ist Don’t Let Me Down dabei eine große musikalische Show des zurückhaltenden Franzosen Barriol und berührt uns mit jeder Sekunde.

Roosevelt - Echoes

Roosevelt – Mit Disco-Orchester auf die Tanzfläche

Bereits zwei Mal dürften wir uns dieses Jahr über neue Musik von Roosevelt alias Marius Lauber freuen. Zum einen war da die Zusammenarbeit auf One More Song mit dem US-Produzentenduo Classixx, auf dem Roosevelt mit einem funkigen French-House-Beat singt. Zum anderen veröffentlichte der Musiker und Produzent Mitte Juni mit Sign eine erste neue Single, seit seinem zweiten Album Young Romance. Nun folgt auf Sign die nächste Single und bietet sich als opulentere Version der Vorgängersingle an. Denn auch Echoes hat alles, was ein 80er-Jahre Synthie-Hit haben muss, bildet aber gleichzeitig ein akustisches Volumen ab, das durch die verschiedenen, überlagernden, Sounds eher vermuten lassen würde, dass hier eine komplette Band am Werk ist. Dass dies kein Zufall ist, erklärt Roosevelt dann auch zur Veröffentlichung des Tracks. Versucht der Musiker sich immer wieder aufs Neue daran, seinen Sound bis an das Maximum einer Ein-Personen-Band vorzuarbeiten, besteht die Intention darin, wie weit der Produzent mit den überlagernden Sounds gehen und gleichzeitig alles als einzelne Person umsetzen kann. So lassen ihn die verschiedenen Klangschichten zu einem Disco-Orchester werden, sagt Roosevelt.

Marius Lauber a.k.a. Roosevelt

Marius Lauber a.k.a. Roosevelt

Im Zuge der Veröffentlichung des Songs verrät er dann noch, dass auf Echoes auch etwas passiert, das ich so schon lange nicht mehr gemacht habe: Eine musikalische und lyrische Auflösung als zweiten Teil des Stücks, die als Antwort auf den Anfang funktioniert. Während es in der ersten Hälfte um den Versuch geht, eine Phase hinter sich zu lassen, und gewisse Erinnerungen reuevoll auslöschen zu wollen, geht es in der zweiten Hälfte darum, sich mit der Tatsache abzufinden, dass man diese Erinnerungen gemacht hat, mit dem Wissen, sie jederzeit wieder abrufen zu können und wieder in die Gefühle eintauchen zu können, die man einmal hatte. Es baut sich zu einem sehr nostalgischen und euphorischen Moment auf und macht aus der Vergangenheitsbewältigung etwas Positives und Ekstatisches. Sind seine beiden, bisher veröffentlichten, Alben Roosevelt (2016) und Young Romance (2018) im zweijährigen Abstand erschienen, dürften wir uns so langsam wieder an die Hoffnung auf einen baldigen Release eines dritten Albums machen. Mit dem opulenten Echoes haben wir auf jeden Fall einen Track in unserer Playlist, der uns den bevorstehenden Herbst noch ordentlich einheizen wird.

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball - This Feeling

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball – Ein Sommer, wie 2004

Sie gelten als Pioniere der elektronischen Szene Großbritanniens. Mit ihrem Mix aus Dance, House und Trip-Hop beherrschten Faithless die Clubs der 1990er und frühen 2000er. Neben ihren größten Erfolgen mit Insomnia (1995) und God Is A DJ (1998) waren es in den 2000ern vor allem die sommerlichen Sounds, wie One Step To Far (zusammen mit Dido), Mass Destruction und I Want More, die jeweils auf dem Thron aller Playlisten saßen. 2011 setzte die Band schließlich eine Pause ein und konzentrierte sich darauf, privaten Plänen nachzugehen. Während Sister Bliss und Maxi Jazz vereinzelt auf Kollaborationen zu hören waren, gab es für Rolle Armstrong – dem älteren Bruder von Sängerin Dido – unterdessen einiges zu tun. So hat sich der Produzent von Faithless unter anderem um die Produktionen der zwei letzten Alben von Dido gekümmert und unter dem Alias R+ 2019 sogar mit seiner Schwester zusammen ein komplettes Album rausgebracht. Nun sind Faithless, nachdem sie Anfang Juni – nur für wenige Stunden – einen neuen Track mit dem Namen Let The Music Decide veröffentlichten, mit einer weiteren neuen Single zurück und beenden damit ihre zehnjährige Schaffenspause.

This Feeling (Musikvideo)

This Feeling (Musikvideo)

Dabei haben sich die drei Musiker mit Nathan Ball und Suli Breaks zwei äußerst interessante und vielversprechende Künstler mit ins Boot geholt und begeistern mit einem enormen Sommersong, der wie gemacht, für die aktuelle Hitzewelle ist. Über die Zusammenarbeit mit Nathan Ball freue ich mich persönlich am meisten, begleitet SOML den Südengländer doch bereits von Beginn seiner Karriere an und interviewte den Singer/Songwriter noch in seiner Anfangszeit. Suli Breaks wiederum ist ein Spoken Words Poet, der bereits erste Erfahrungen im Musikbusiness gesammelt hat. Zusammen haben sie nun mit This Feeling einen Song veröffentlicht, der durch tropische Beats, eingängige Basslines und der leichten, markanten Stimme Nathan Balls begeistert. Faithless beschreiben den Song schließlich mit den Worten: Es ist ein Song, der in unseren Augen textlich und musikalisch die Erinnerungen an die großartigen, hinter uns liegenden Sommer transportiert. Mit den beiden ersten neuen Songs, innerhalb von zehn Jahren haben Faithless genau das Gefühl eingefangen, das wir alle diesen Sommer so sehr vermisst haben – mit Freunden an schweisstreibenden Tagen zum See zu fahren oder die tropischen Nächte der Großstadt unsicher zu machen. Die Hoffnungen, auf ein baldiges, neues Album dürften mit der neuesten Veröffentlichung gar nicht mehr so unrealistisch sein – wird doch in der britischen Presse bereits mit einer Veröffentlichung, noch in diesem Jahr gerechnet. This Feeling ist ein Song für den Moment und klingt dabei so zeitlos, dass wir ihn auch noch in den kommenden Sommern auflegen werden.

Paul Kalkbrenner - Parachute

Paul Kalkbrenner – Von der Melancholie geschlossener Clubs

Es ist ein toughes Jahr für DJs weltweit. Denn wer seine Fans finden möchte, muss auf digitale Sets umstellen. Nach wie vor sind die meisten Clubs weltweit geschlossen und stehen die Zeichen nicht gut für eine baldige Wiedereröffnung. So haben DJs in den vergangenen Monaten nicht nur Livesets via Facebook-Live Sessions online gestellt, sondern sind für United We Stream auch wieder an die Turntables der Clubs zurückgekehrt und waren sowohl online, als auch auf dem Kultursender ARTE zu sehen. Doch trotz dieser Möglichkeiten bleibt es immer noch dabei, dass eigene Sets vor Menschen weiterhin nicht möglich sind. Deshalb wird erwartet, dass sich in den kommenden Monaten viele Songproduktionen auf diese Zeit beziehen und auch verstärkt Einfluss auf das Songwriting nehmen werden. Mit dem nun veröffentlichten Song Parachute vom Berliner Elektro-Produzenten Paul Kalkbrenner bekommen wir einen ersten Eindruck davon, was alles noch kommen kann. Am Samstag erstmalig auf der digitalen Version des Tomorrowland Festivals präsentiert, ist Parachute eine melancholische Hymne auf bessere Zeiten. Bei diesem Auftritt konnte man Kalkbrenner aus dem Gesicht lesen, wie sehr es ihn erfüllte, wieder aufzulegen und seine Fans zu erreichen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Song, der sich weniger stark in den Vordergrund drängt und mit einem Vibe überzeugt, der sich im Tonfall eher an Kalkbrenners großen Song Cloud Rider orientiert, als an den Sound seiner letzten Veröffentlichungen, wie No Goodbye.

Paul Kalkbrenner by: Studio Olaf Heine

Paul Kalkbrenner by: Studio Olaf Heine

Zusammen mit Joe Cleere und Neil Ormandy – die für das Songwriting verantwortlich waren und bereits Songs für P!nk, Dotan, Aloe Blacc, James Arthur oder Kodaline geschrieben haben – klingt Parachute nach einem letzten Blick zurück. Zurück in einen leeren Raum, den man sich voller Menschen vorstellt, die zu euphorischen Beats tanzen und den Moment der Nacht genießen. Dabei blitzen Episoden aus vergangener Zeit auf und lassen das Gefühl der Freude aufkeimen, ehe sich mit dem Abklingen des Gesangs, die Türen schließen und der Raum auf unbestimmte Zeit verstummt. Wäre die Pandemie-Situation der Clubs ein Film, würde Parachute der Soundtrack dazu sein und zeigt, wie universell Musik interpretiert werden kann. Paul Kalkbrenner – der Ende 2019 in einem Statement davon sprach, kein weiteres Album mehr zu veröffentlichen, da das Format Album nicht mehr zeitgemäß sei – dürfte zumindest bei Sony Music International für Aufregung gesorgt haben, steht er hier doch seit 2015 unter Vertrag und landete gleich mit seiner ersten Veröffentlichung unter dem Hause Sony mit dem Album 7 auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Parachute macht Lust auf mehr und lässt die Hoffnung nicht abflauen, in Zukunft doch noch ein Album des älteren Bruders von Fritz Kalkbrenner in den Händen halten zu können.

Michael Kiwanuka - Final Days (Bonobo Remix)

Michael Kiwanuka – Durch Bonobo veredelt

Soulige Stimmen waren schon immer gut, für einen Remix, der die Tanzflächen füllen soll. Alleine die beiden Songs Liquid Spirit von Gregory Porter (im Claptone Remix) und Holding On von Disclosure feat. Gregory Porter haben in den vergangenen Jahren immer wieder für volle Tanzflächen gesorgt. Doch bereits in den 70er Jahren waren Discomusik und Soul eng miteinander verbunden und sorgten für eine der erfolgreichsten Zeiten dieses Genres. Für den neuesten Remix dieser Art haben sich zwei Künstler gefunden, die jeweils wahre Könige in ihrem Fach sind. Da wäre zum einen der britische Soulsänger Michael Kiwanuka, der mit seinem dritten, selbstbetitelten Album Kiwanuka 2019 komplett abräumte, zum absoluten Kritikerliebling wurde und bereits Ende 2019 mit dem Claptone Remix von You Ain’t The Problem erste Ausflüge in die Clubs machte. Zum anderen gibt der ebenfalls aus Großbritannien kommende Musiker und Produzent Bonobo mit seinem Remix ein Comeback – ist es doch der erste Remix seit drei Jahren, den der Brightoner Musiker zusammen mit Kiwanuka veröffentlicht.

Michael Kiwanuka

Michael Kiwanuka

Herausgesucht haben sich die beiden Musiker einen Song des Kiwanuka Albums, der bisher noch nicht als Single erschienen ist. Hierbei wird Final Days das folkig, Soulige genommen und von Bonobo mit einem fließenden Elektrosound neu arrangiert. Dabei nutzt Bonobo funkige Elemente und macht daraus einen frischen, hellen Song, den es abzufeiern gilt. Kiwanuka klingt auf dem Final Days Remix anfangs noch melancholisch gedämpft, ehe sich der Song in einem freundlichen, nach vorne gehenden Beat auflöst und somit die geballte Kraft eines Sommersongs entfaltet. Ganz ohne Ohrwurm-Refrain schleicht sich Final Days im Bonobo Remix damit in unser Taktzentrum und bringt erst nur die Finger und Zehen zum tippen, bis schließlich der ganze Körper anfängt mitzugehen. Nachdem Bonobo im Sommer 2019 mit dem neuen Song Linked für Spekulationen um ein neues Album gesorgt hat, dürfte die Remix-Aktivität des Briten nun neue Hoffnung auf ein baldiges Album machen. Zusammen mit Michael Kiwanuka hat Bonobo auf Final Days zumindest jetzt schon Mal dafür gesorgt, dass die Sommerabende heiß und lang werden.

Celeste - I Can See The Change

Celeste – Im großen Moment ganz leise

Spätestens seit Stop This Flame ist die in London lebende Sängerin Celeste ganz plötzlich auch international ganz oben auf den Act-To-Watch-Listen gelandet und arbeitet seitdem kontinuierlich an ihrem ganz großen Durchbruch. Denn schon 2019 lief es für die Britisch-Jamaikanische Sängerin mit ihren beiden EPs richtig gut. Nun hat die Sängerin mit I Can See The Change eine neue Single und damit gleich auch eine tragende Ballade veröffentlicht. Unterstützt wurde Celeste dabei vom US-Amerikanischen Produzenten Finneas Baird O’Connell, der als Produzent und Bruder von Billie Eilish maßgeblich am erfolgreichsten Album 2019 – When We All Fall Asleep, Where Do We Go? – beteiligt war. Auf I Can See The Change haben Celeste und Finneas eine wunderschöne Version des Gefühls eines verloren fühlens geschaffen. Denn das ist die Geschichte hinter dem Song – so Celeste. Er ist in einer Phase entstanden, in der um Celeste herum extrem viel passiert war und sich die Sängerin trotzdem völlig leer gefühlt hatte. Im Song geht es um Hoffnung und Veränderung, aber auch um das Wissen, dass das Erreichen davon Aufwand, Geduld und Überzeugung benötigt – so Celeste. Dabei erinnert vor allem der Anfangspart an Christina Aguileras Beautiful und verläuft sich später in so typischen Neuinterpretationen, die alljährlich in einem John Lewis Weihnachtswerbespot verwendet werden und mit herzlich warmen Bildern untermalt wird. Mit der Stripped-Down-Ballade I Can See The Change zeigt Celeste, dass sie nicht nur die großen Popsongs mit Tanzfaktor beherrscht, sondern auch die leisen Töne mag. Finneas kommentiert die Zusammenarbeit mit Celeste als in der glücklichen Lage zu sein, dass er für einige Künstler Songs produziert habe, von denen er der Ansicht sei, dass sie für die Ewigkeit Musik machen und Celeste gehört eindeutig dazu. Ihr Debütalbum Celeste ist für Anfang September angekündigt und wird die Sängerin spätestens dann, weltweit zum Erfolg führen – denn was die Briten so richtig gut können, ist, einen talentierten Musik-Act so zu hypen, dass die Veröffentlichung zu einem wahren Happening wird. Wir werden sehen und behalten uns bis dahin die ruhigen Töne Celestes für die ganz besondere Momente.

Flecks - Hold On

Flecks – Halte inne und lass Dich mitreißen

Mit Samurai und You Bet I Would haben Flecks in den vergangenen zwei Jahren zwei so großartige Hymnen veröffentlicht, dass man sich nur sofort in die Band verlieben konnte. Nun haben Flecks mit Hold On einen neuen Song veröffentlicht, der wie eine Prophezeiung auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt zu passen scheint. Denn geschrieben haben Freya Monks Halliday und Scott Halliday den Song bereits im Sommer 2019 – als eine Pandemie dieses Ausmaßes noch komplett unrealistisch erschien. Heute passen die Worte, als wäre der Song von der Pandemie inspiriert. What becomes of our experience? When we’re done with the game. Everyone around me is ignoring their pain. Too busy fighting. Can we just breathe? (Was wird aus unseren Erfahrungen? Wenn wir mit diesem Spiel fertig sind. Alle um mich herum ignorieren ihren Schmerz. Sind zu beschäftigt mit dem kämpfen. Können wir nicht einfach nur atmen?). Lebt das Duo auf dem Land – knapp 40 Kilometer von Dublin entfernt – ist es egal aus welchem Fenster ihres Hauses es blickt, irgendwo steht immer ein Lamm. Dass die dadurch vorherrschende Ruhe und Abgeschiedenheit so einiges an Macht der Pandemie abfedert, scheint das Duo musikalisch dazu zu bringen, immer feiner in ihrem von Synthies geprägten Sound zu werden. Auf Hold On finden Worte wie Kraft, Energie und Leidenschaft zusammen. Musikalisch stehen sich der Abgrund und die Rettung gegenüber – ist es eine Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was geschieht durch unsere nächste Entscheidung, unseren nächsten Schritt?! Werden wir lernen und gestärkt aus dem hervorgehen, was uns aktuell so sehr schmerzt? Es ist diese Wucht – die Hold On besitzt – wenn Monks Halliday über Hoffnung und Chancen singt und dabei musikalisch wie aus einem Blockbuster aus der dunklen Zukunft klingt. Flecks berühren uns mit Hold On einmal mehr und sorgen in den aktuell unruhigen Zeiten dafür, dass unsere Seele durchatmen kann.

Woodkid - Goliath

Woodkid – Die musikalische Sprache der Dystopie

Unter dem Pseudonym Woodkid hat der französische Singer/Songwriter, Musikvideo-Regisseur und Grafikdesigner Yoann Lemoine mit seiner 2013er Debüt-EP Iron für einen Aufschrei gesorgt. Denn war der Franzose zum damaligen Zeitpunkt vor allem als Regisseur für Musikvideos von Katy Perry (Teenage Dream) Lana Del Rey (Born To Die) verantwortlich, brachte er damit auch in sein musikalisches Projekt Woodkid eine visuelle Ästhetik, die in der Folge alles hinter sich lassen sollte. Das Debütalbum The Golden Age schaffte es dann 2013 bis in die Top 10 in Frankreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz und verkaufte sich knapp 300.000 Mal weltweit. Überzeugend war vor allem der futuristische Sound, den man durch all seine Songs hören konnte. Die elektronischen Beats, die irgendwo zwischen Utopie, Dystopie und Science-Fiction pendeln, die charakteristische Klangfarbe seiner Stimme und die epischen Sounds lassen Woodkid zu einem Künstler werden, der über alles steht und gleichzeitig kein Massenphänomen ist. Denn im Mainstream ist der Künstler – trotz des massiven Einsatzes von Run Boy Run in Werbefilmen – weiterhin eher unbeschrieben. Nach sieben Jahren der Stille – in der Woodkid lange Zeit keine Hoffnung auf neues Material machte – hat der 37-jährige Sänger aus Tassin-la-Demi-Lune bei Lyon nun mit Goliath einen ersten neuen Song – fernab von Soundtracks – veröffentlicht und setzt dort an, wo er 2013 mit The Golden Age aufhörte. Mit einem episch ausufernden Sound und einem Musikvideo, das Bilder aus einem Tagebau zeigt, wirkt das Zusammenspiel, wie ein dunkler Sci-Fi-Actionfilm, der sich mystisch auf die Suche nach Goliath macht. Gleichzeitig erklingt Woodkids tiefe, heißere Stimme und sorgt gleichermaßen für ein effektreiches und beklemmendes Gefühl. Goliath könnte die perfekte Untermalung für Endzeitserien und -filme à la DarkRain oder I Am Legend sein, greift dabei Furcht, Wucht und Macht auf und zeigt, wie sehr Woodkid den kinematografischen Sound beherrscht.

The Best Of 2020 Vol. 06

The Best Of 2020 Vol.: 06

01. Aquilo – Just Asking (zum Artikel)

02. Elderbrook – Numb (zum Artikel)

03. BENEE feat. Gus Dapperton – Superlonely (zum Artikel)

04. Charlotte Cardin feat. CRi – Fous N’importe Ou (zum Artikel)

05. Classixx feat. Roosevelt – One More Song (zum Artikel)

06. Gorgon City feat. DRAMA – Nobody (zum Artikel)

07. Duke Dumont & RY X – Let Me Go (zum Artikel)

08. E^ST – Flight Path (zum Artikel)

09. Electrocute – Escapade

10. Purple Disco Machine feat. Sophie And The Giants – Hypnotized (zum Artikel)

11. Alice Ivy feat. Cadence Weapon – Sunrise (zum Artikel)

12. Empress Of – Give Me Another Chance (zum Artikel)

13. CRi feat. Ouri & Odile Myrtil – Why I Love You

14. Jack Peñate – Murder (zum Artikel)

15. Sara Hartman – Girl (zum Artikel)

16. Kindness feat. Robyn – The Warning (zum Artikel)

17. Two People – A Taste (zum Artikel)

18. Yaeji – What We Drew (zum Artikel)

19. Yoste – Empty (zum Artikel)

20. Anna Of The North – What We Do (zum Artikel)

21. Amber Run – Worship (zum Artikel)

22. Tocotronic – Hoffnung (zum Artikel)
Angels & Airwaves - All That's Left Is Love

Angels & Airwaves – Was uns bleibt ist Liebe

Seit der Entstehung der Band im Jahr 2005 gab es Spekulationen über die Zugehörigkeit Tom DeLonges zu Blink-182, als auch zu Angels & Airwaves. War es ein Nebenprojekt während der Blink-182-Bandpause? Oder war es der Aufbau einer ganz neuen Band, die schon bald DeLonges Hauptband sein würde? 15 Jahre später wissen wir es und steht DeLonge mit bereits fünf Studioalben voll im Saft des Angels & Airwaves-Projektes. Bereits seit fünf Jahren von Blink-182 getrennt, zeigte sich, dass DeLonge eine andere Art des musikalischen Ausdrucks favorisierte. Mit introvertierten Sounds und ausufernden Arrangements sorgte DeLonge mit Angels & Airwaves schnell für ein würdiges Zurückkehren der ehemals prägnanten Blink-182-Stimme. Doch auch abseits dessen waren Angels & Airwaves von Beginn an auf etwas Größeres ausgelegt. Mit wechselnden Musikern und der Fokussierung auf andere Bereiche der Kunst – wie auf Film- und Grafikprojekte – umfasste die Band ein immer größer werdendes künstlerisches Feld. Erschien mit The Dream Walker das letzte Angels & Airwaves-Album 2014, hat die Band mittlerweile mit Rebell GirlKiss & Tell zwei Songs veröffentlicht, die nun durch All That’s Left Is Love ergänzt wird und die Vermutung über ein baldiges Erscheinen des sechsten Studioalbums vermuten lässt. Dabei klingt All That’s Left Is Love einmal mehr so mitreissend und nach Alternative Rock, dass wir uns mit der Stimme DeLonges sofort wieder wohlfühlen. Im Verlauf der vier Minuten baut sich All That’s Left Is Love zu einer großen Hymne auf, die der aktuellen Situation, in der wir alle stecken, Tribut zollt. Mit hoffnungsvollen Textzeilen, wie We have never been here before. To not love less, to love more oder We‘re locked inside our beds, but we Laugh at what is said, remember how it all begins A little smile from your friends. lassen Angels & Airwaves keinen Zweifel daran, dass diese Pandemie auch einen enormen Zuwachs an sozialem Zusammenhalt erkennen lassen hat. So kommentiert DeLonge den Song dann auch in einem Interview wie folgt: Freunde – wir alle sitzen gerade zu Hause fest und während wir die unglaublichen Ereignisse, die gerade weltweit geschehen, beobachten, konnten wir auch kleine leuchtende Sterne auf der ganzen Welt entdecken – die die positive Seite der Menschheit zeigen, die manchmal in unserem Alltag verloren gegangen sind. Darum geht es in dieser Band letztendlich seit dem ersten Tag – Hoffnung. Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen, unsere Gefühle in ein Lied zu lenken. Die gesamten Einnahmen von All That’s Left Is Love gehen dabei an eine Organisation, die – ähnlich wie die Archen in Deutschland – den Kindern in den USA eine warme Mahlzeit gibt, die diese durch Schulschließungen und die Armut der Eltern sonst nicht erhalten hätten. Mit Songs wie diesen haben es Angels & Airwaves geschafft, zu einer der großartigsten Alternative-Bands der letzten 15 Jahre zu werden und zeigen einmal mehr, dass die gebündelte Kreativität so Einiges erreichen kann.