Jono McCleery - Call Me

Jono McCleery – Ein Fels in der Brandung

Seine Songs bilden das Fundament für ein losgelöstes Wesen. Wurde der 37-jährige Singer/Songwriter Jono McCleery in London geboren, ist er zwar Teil der dortigen Musikszene, doch erzählt sein Schaffen eine Sprache, die vielmehr mit der rauen Landschaft der südenglischen Ländereien verbunden ist, als es die Millionenmetropole kann. In der Londoner Musikszene aufgewachsen, ist der introvertierte Musiker als Teil des dortigen Projektes One Taste Collective immer weiter in den Vordergrund gerückt. Hier hat McCleery dafür gesorgt, dass er londonweit zum Namen wurde. Unterstützt das Projekt One Taste Collective Bands bei ihren ersten Schritten, verhalf es unter Anderem Little Dragon und Jamie Woon zum Durchbruch. McCleery hat dabei in den vergangenen Jahren die Alben Darkest Light (2008), There Is (2011), Pagodes (2015) und Seeds Of A Dandelion (2018) veröffentlicht. Mit Here I Am And There Are You kommt am 20. November McCleerys fünftes Album auf den Markt und konzentriert sich wieder auf die warmen Sounds des Musikers. Mit der nun veröffentlichten Single Call Me zeigt der Brite, wie es sich anfühlt, getrennt zu sein. Dabei steht nicht im Vordergrund, ob durch eine räumliche Distanz getrennt, oder durch eine endende Beziehung. Vielmehr packt uns McCleery mit seiner unglaublich warmen Stimme und reisst uns mit, auf eine Tour durch den schönen Schmerz der Einsamkeit.

Jono McCleery
Jono McCleery

Dass dieser Schmerz nicht immer negativ sein muss und durchaus produktive und euphorische Momente hervorbringen kann, sehen wir im dazugehörigen Musikvideo. Hier sehen wir einen Mann, der sich, bedingt durch die Einsamkeit, in eine Welt flüchtet, in der er mit einer imaginären Freundin all die mitreissenden Momente erlebt, die er so vermisst. Dabei wirkt die Szenerie manchmal abstrakt, manchmal überzeichnet und wiederum einige Male einfach nur tief verbunden. Call Me begleitet die Bilder dabei mit einem sanften Gitarren- und Schlagzeugspiel, welches durch die kräftige Stimme McCleerys eine Wehmütigkeit entstehen lässt. War McCleery bereits mit Bonobo, Fink, Little Dragon und Jamie Woon zusammen auf Tour, sind seine Einflüsse vor allem durch die Musik von Fink und Bonobo geprägt. Das warme Timbre von Finian Paul Greenall – alias Fink – zusammen mit der introvertierten Weite von Bonobos treibenden Sound, lassen Jono McCleery in einem tiefen und berührenden Soundkostüm aufgehen, in das seine Stimme wie maßgeschneidert passt. Call Me ist damit der musikalische Ruf des Herbstes geworden, uns einen warmen und geborgenen Augenblick zu verschaffen.

Middle Kids - R U 4 Me?

Middle Kids – Der Indiesound der Stunde

Bereits mit ihrer letztjährigen EP New Songs For Old Problems und dem darauf enthaltenen Song Real Thing haben die drei Australier von Middle Kids gezeigt, wie frisch sich Indie auch in dem zu Ende gehenden 2010er Jahrzehnt noch anhören kann. Nun kommen Hannah Joy, Tim Fritz und Harry Day mit einer neuen Single zurück und stecken uns mit einer satten Ladung Indierock an, den man so nur aus den frühen 2000ern aus Großbritannien kannte. Mit R U 4 Me? trumpft das Trio mit schnellen Gitarren, energievollen Drums und einem Refrain auf, der sich an die Hochzeit der Indiewelle um Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Orson oder Peter, Björn & John anlehnt. Dabei kam der Band die Idee zu dem neuen Song in der Universität, an dessem schwarzen Brett Joy den Schriftzug Sei schön, es ist nicht so schwer entdeckt hatte. So besingt die Band den Wunsch, sich in eine Community einzugliedern und Anerkennung zu erlangen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass wir uns womöglich anbiedern und uns selbst fremd werden.

Middle Kids
Middle Kids

Auf knapp 2:50 Minuten haben die Middle Kids eine Energie verarbeitet, die wie geschaffen für die Indietanzflächen rund um den Globus sind. Mit einem Sound bei dem man sich nicht mehr auf den Stühlen halten kann, senden uns die Australier eine klare Botschaft, was wir womöglich 2021 von ihnen erwarten dürfen. Ist es der Band aus Sydney aktuell nicht möglich irgendwelche Konzerte zu spielen und durch die Welt zu reisen, wird es am 22. Oktober ein Live-Streaming-Event geben, in dem die Band aus der ehemaligen Zug-Lackiererei Eveleigh Paint Shop im stillgelegten Teil des Sydneyer Bahnhofs Eveleigh ein Konzert gibt. Zu finden sind die Karten auf der Middle Kids Homepage und markiert den ersten und wohl einzigen Auftritt der Band in diesem Jahr. Mit R U 4 Me? haben Middle Kids den ersten neuen Song seit ihrer letzten EP aus dem Mai 2019 veröffentlicht und lassen die Herzen der Fans höher schlagen, die nun alle Hoffnung in ein neues Album setzen.

Mallrat - Rockstar

Mallrat – Mit einem Rockstar in Richtung Debütalbum

SOML begleitet die australische Sängerin Mallrat nun bereits seit ihrer Debüt-EP 2016 und hat über die Jahre von Releases der Songs Uninvited, Better, Groceries und Drive Me Round berichtet. Im Verlauf dieser Veröffentlichungen konnten wir sehen, wie sich die – damals 17-Jährige Brisbaner – Sängerin musikalisch weiterentwickelte. Waren ihre ersten Songs noch von einer Sturm und Drang Phase geprägt, bei der sich Grace Shaw hippelig und jugendlich zeigte, ging bereits die letztjährige EP Driving Music in eine Richtung, die für die Sängerin ein Erwachsen werden bedeutete. Hier spielte sie mit musikalischen Umbrüchen (Drive Me Round) und gesanglichen Facetten (Charlie). Nun hat sich Mallrat mit der neuen Single Rockstar zurückgemeldet und beendet damit eine ungewöhnlich lange Phase von einem Jahr ohne neue Musik – der mittlerweile in Los Angeles lebenden Sängerin – zu veröffentlichen. Darauf finden wir deutliche Referenzen an den Dream-Pop-Star der 90er Jahre Mazzy Star.

Mallrat
Mallrat

Mallrat klingt gleich zu Beginn des neuen Songs durch treibende Gitarren und einem verträumten Synthiesound so weich und entspannt, wie wir es selbst auf ihrer letzten EP nicht kennengelernt haben. Hier zeigt sich die Sängerin mit einer neu gewonnenen Gelassenheit, die sich erst in den letzten Monaten einstellte. Denn während sie noch vor einem Jahr von sich selbst behauptete, keine all zu großartige Sängerin zu sein, schärfte sich das Bild mit der Single Rockstar zu ihrem Erstaunen zu einer Stimme mit einem gewachsenen Stimmumfang. Sie selbst sagt, dass ihr die letzten Monate mehr Selbstvertrauen gegeben haben. Dies scheint auch durch die Zusammenarbeit mit dem Songwriter und Produzenten Tommy English gewachsen zu sein. English – der bereits mit Adam Lambert, Dagny, Ladyhawke, und BØRNS zusammenarbeitete – gab Mallrat das Selbstvertrauen und ein größeres Bewusstsein für ihre Stimme. Mit Rockstar deutet sich nach bald fünf Jahren der Musikkarriere ein erstes Album an, das die Sängerin selbst als kurz vor der Fertigstellung kommentiert. Wir können uns daher auf einen Winter mit viel neuer Musik der sympathischen Sängerin freuen.

Amy MacDonald - Crazy Shade Of Blue

Amy MacDonald – Ein Song für die eigene Interpretation

Vor knapp vier Wochen kam Amy MacDonald mit der ersten Singleauskopplung The Hudson aus ihrem kommenden, fünften Studioalbum The Human Demands zurück. Ging es in dem Song um die Erlebnisse ihres Vaters aus den Reisen seiner Eltern in das New York der 70er Jahre, ist der Song eine emotionale Liebeserklärung an ihre Eltern. Nun hat MacDonald mit Crazy Shade Of Blue die zweite Single ausgekoppelt und begibt sich damit in ungewohntes Fahrwasser. Denn hier gibt es keine schnellen Gitarren, sondern vielmehr einen reduzierten Austausch zwischen der Gitarre und MacDonalds Gesang. Es ist ein Song, in dem man sich verlieren kann. Denn sobald das Orchester hinzukommt, wird aus Crazy Shade Of Blue eine opulente Liebesballade, die nicht mit den typischen Texten aufwartet. Vielmehr geht es hier um die Momente, einen Menschen so sehr zu vertrauen und ihn zu lieben, dass man sich förmlich nackig macht. Mit der Person all die Macken und Verletzbarkeiten teilt und sich so auf eine neue Ebene des Vertrauens begibt. Gleichzeitig klingt Crazy Shade Of Blue kräftig aber bedrohlich – immer auch wissend, dass diese Verletzbarkeit ausgenutzt werden kann.

Amy MacDonald - The Human Demand
Amy MacDonald – The Human Demand

Es ist ein Song, in dem man sich in eine Retrospektive begibt, in seinem inneren Auge Situationen aus dem eigenen Leben Revue passieren lässt und Momente beleuchtet, in denen man sich geborgen und beschützt gefühlt hat. Amy MacDonald schafft es mit Crazy Shade Of Blue eine neue Tür in ihrem Sound aufzumachen und zeigt sich vielschichtiger, als es auf ihren letzten Alben zu hören war. Mit ihrem – in knapp vier Wochen erscheinenden – neuen Album The Human Demands lässt uns die schottische Sängerin an ihren Gefühlen teilhaben und verspricht ein äußerst persönliches Album zu veröffentlichen. Mit Crazy Shade Of Blue zeigt MacDonald eindrucksvoll, dass sie sich aus ihrer Komfortzone herauswagt, aber auch genug Raum für eine eigene Interpretation des Songs lassen möchte. So fügt sie Sängerin schließlich zu der Veröffentlichung des Songs noch hinzu; Ich weiss, wie ich mich mit dem Song fühle, möchte Euch aber selbst entscheiden lassen, was Ihr fühlt.

Spoon And The Forkestra - Pirates

Spoon And The Forkestra – Melancholischer Hedonsimus

Wir alle kennen diesen Moment, der unweigerlich kommt, doch den man nur all zu gerne hinausschieben möchte. Es ist der Moment, an dem man einem guten Freund – ja vielleicht sogar dem besten Freund – Lebewohl sagen muss, da er die Stadt verlässt, um ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen. Zumeist kommen diese Abschiede in der Zeit zwischen Schulende und Anfang der Ausbildung oder des Studiums vor. Doch was ist, wenn es erst mit Ende 20 oder in den 30ern soweit ist? Das Duo Spoon And The Forkestra haben aus diesem Gefühl einen Song gemacht und überraschen damit zugleich. Denn während ihre Debütsingle Mosquitoes noch auf einer völlig intimen Basis aufbaute, gehen Emily-Mae Lewis und Timo Zell auf ihrer zweiten Single Pirates ordentlich nach vorne. Ganz nach dem Gefühl – wenn schon denn schon, lassen sie uns nicht nur musikalisch, sondern auch visuell mit ihrem Musikvideo daran teilhaben, wie sie einen solchen Abschied verarbeiten würden.

Spoon And The Forkestra - Pirates (Video)
Spoon And The Forkestra – Pirates (Video)

Nämlich mit einer ordentlichen Portion an melancholischem Hedonismus. Das Gefühl, mit der besseren Hälfte noch einmal alles niederzureissen und die Nacht zum Tag zu machen, sich gegenseitig bis ins Unendliche zu necken und den Anderen dabei eher an sich binden zu wollen, als ihn gehen zu lassen und zeitgleich nicht eine Sekunde vergessen zu können, dass es das letzte Mal sein wird – kennen wir alle nur zu gut. Lewis und Zell gehen auf Pirates musikalisch genau diesen Zwiespalt zwischen lauten Gitarrenriffs, ruhigen Gesängen, mächtigen Bässen und einem Aufschrei als Refrain ein. So ist Pirates eine Indie-Hymne von Abschied, Zugehörigkeit und dem Willen, an etwas festzuhalten, das eigentlich schon losgesagt ist. Vergleicht man Mosquitoes mit Pirates könnte der Unterschied im Sound nicht größer sein. Als zweite Auskopplung, aus ihrer bevorstehenden Debüt-EP verheisst es allerdings nicht weniger, als ein enorm spannendes Debüt zu werden, das offen für Richtungswechsel und neue Musik ist.

SIND - Batallion d'Amour

SIND – sind SIND

Es ist, als würde man zwischen zwei Spiegeln stehen. Schaut man in die eine Richtung, spiegelt die rückwärtige Seite nicht das, was man auf dem zugewandten Spiegelbild sieht und doch ist es das selbe Objekt. Wenn sich eine Band wie SIND, so sehr transformiert, dass sich die Hülle ändert, ohne dass das Herz dieser Veränderung all zu sehr folgt, kommt ein Gemisch raus, welches die Vergangenheit über das Jetzt mit der Zukunft verbindet. Spulen wir noch einmal zurück. Mit dem 2018er Debütalbum Irgendwas Mit Liebe wurde ein Freundschaftstraum plötzlich so sehr Realität, dass es die Band auseinander trieb. Nicht im Streit, sondern ganz freundschaftlich. Doch wenn Träume plötzlich wahr werden, wird Einigen klar, dass dieser Traum vorbei ist, wenn man ihn erreicht hat. So hat die Band sowohl ihren Bassisten, als auch ihren Frontsänger verloren und musste sich neu sortieren. Mit Johannes Husten, der vormals an der Gitarre war, wurde die Personalie um einen neuen Sänger ganz unkonventionell gelöst und sollte sich als wahrer Hauptpreis herausstellen. Denn während der vorherige Sänger eine genügsam, angenehme Gesangsstimme hatte, füllt Husten die Songs aus dem neuen Album Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst mit Wut, Trauer, Resignation und einer emotionalen Gewichtung, die man so von der Band noch nicht kannte.

SIND - Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst

SIND – Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst

Gleichzeitig spielt Husten mit einem Kratzen in seiner Stimme – sollte es dem Ausdruck dienen – dass uns jedes einzelne Wort nachempfinden lässt. Mit weiten Indie-Gitarren, einem hymnischen Refrain und einem Text, der den Mix aus kraftvoller Wut und enttäuschter Resignation so gekonnt verbindet, haben SIND auf ihrer dritten Singleauskoplung Batallion d’Amour einen Song für die Ewigkeit geschaffen. Bereits mit Welt Verändern hatten SIND für einen der stärksten deutschen Indiesongs 2020 gesorgt. Diesen übertreffen sie nun mit Batallion d’Amour sogar noch einmal spielerisch und setzen ein Ausrufezeichen hinter ihren Sound. SIND sind SIND – auch wenn die Hülle sich verändert, hält das Herz aufrecht, was sich in den letzten Jahren – durch all diese Veränderungen – angesammelt hat. Batallion d’Amour ist nichts Geringeres, als eine der fulminantesten, deutschen Indiehymnen, die uns dieses Jahr bringen konnte und wird mit dem zweiten Album Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst, das am 23. Oktober erscheinen wird, noch für so einige großartige Überraschungen sorgen.

 

SIND - Welt verändern (Cover Copyright Johannes Schröder und EyeCandy)

SIND – Von der Resignation, die Welt zu verändern

Schnelle Gitarren, ein wehmütiger Unterton und der singende Sprech von Sänger Hannes – das alles klingt vertraut. Aus der Bubble des Berliner Holzmarktes und dem suburbanen Raum Berlins lassen SIND nun mit ihrer neuen Single Welt Verändern einem Schmerz freien Lauf, der in uns allen schlummert. Mit den Worten Ich wollte nur, die Welt ein wenig verändern. Aber wenn dann nur mit dir. schreit SIND in genau diese Welt hinaus, was sich unser innerstes Gefühl seit jeher wünscht. Die Welt regieren – im übertragenen Sinne. Zusammen das Gefühl haben, Grenzen einreissen zu können und für ein paar Momente die Größten zu sein. Sei es, in dem wir auf den Dächern Berlins in den Sonnenuntergang tanzen oder rebellisch für Gerechtigkeit kämpfen. Die Sturm und Drang Zeit der Jugend zieht sich bis weit in das Erwachsenenalter hinein – wird nur nicht mehr so stark ausgelebt. Die Komfortzone nicht mehr verlassen wollen – genau hier setzten SIND an und fragen sich selbst, was eigentlich vom Aktivismus bleibt, wenn Facebook und Instagram auf dem Smartphone geschlossen werden?

SIND (Copyright EyeCandy)

SIND (Copyright EyeCandy)

Denn in dieser Welt sind wir die größten Verfechter des Guten. Und am Morgen davor, wenn es so richtig losgehen soll, stellen SIND fest: Doch wenn mir einfällt, dass Du weg bist, bleib ich liegen. Dabei erinnert die Kombo – bei der im Netz widersprüchliche Informationen über die Bandgröße und -mitglieder zu finden sind – an Bands, wie Frittenbude oder OK KID. Ihre neue Single Welt Verändern transportiert dieses Gefühl der Rastlosigkeit, gepaart mit einer Resignation und dem Wunsch eines Neuanfangs. Der treibende Gesang, die schnellen Gitarren und ein euphorischer Refrain sorgen für ein Gefühl von Unbekümmertheit – mitten in der erwähnten Resignation. SIND stehen damit kurz davor, ihr zweites Album zu veröffentlichen, welches am 23. Oktober erscheinen wird und den Namen Vielleicht ist es anders als Du denkst tragen wird. Doch sollte sich die Richtung von Welt Verändern durch das Album ziehen, wären sie eine würdige Ablöse auf dem Thron, auf dem bisher Frittenbude und OK KID residierten.

Ela Minus - they told us it was hard, but they were wrong.

Ela Minus – Tiefer Sound für die Nacht

Es beginnt mit tiefen Synthies und einem hauchenden Gesang und baut sich innerhalb der kommenden 4:44 Minuten zu einem dunklen, treibenden Song auf, der von verborgenen Partys in dunklen und feuchten Kellern handeln könnte. Dabei hat Ela Minus – wie sich Gabriela Jimeno als Musikerin nennt – über die vergangenen Jahre immer größere Schritte unternommen, um erfolgreich Musik machen zu können. Mit neun Jahren am Klavier begonnen, zog es die in Bogotá, Kolumbien geborene Musikerin schnell ans Schlagzeug und in die Punk-Band Ratón Pérezin. Damals vor allem durch die Musik von Metallica und Pantera geprägt, wuchs die heute 30 jährige Musikerin eher mit harten Sounds auf – dies spiegelt sich auch in Ela Minus‘ heutiger Musik wieder. Dabei erlebte die ehemalige Punkrockerin in den 2000ern eine wahre Evolution der Rockmusik, die wir alle nur zu gut kennen. Waren es Anfang der 2000er noch die großen Acts aus den USA und Großbritannien, die mit ihren Gitarren für einen Hit nach dem anderen sorgten, floßen zunehmend elektronische Elemente in ihre Musik ein. Heute bilden so gut wie alle großen Bands einen Mix aus Rock und elektronischer Musik ab.

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

2008 zog Ela Minus schließlich nach Boston in Massachusetts, USA um an dem Berklee College of Music zu studieren. Hier studierte sie die beiden Fächer Drum Set Performance und Music Synthesis und schloß diese beiden erfolgreich 2013 ab. Direkt im Anschluss ging es für die Musikerin nach New York, wo sie seitdem in Brooklyn lebt. Mit ihrer 2019er Debüt-EP Adapt. zeigte sie bereits, dass sich ihre Musik komplett vom Schlagzeug gelöst hat und als Hauptinstrument die Synthies einsetzt. Mit ihrer neuen Single they told us it was hard, but they were wrong. setzt sie nach gefeierten Auftritten auf dem Sónar Bogotá 2017, dem Lollapalooza Argentina 2018 sowie geplanten – doch wegen der Pandemie abgesagten – Auftritten auf dem diesjährigen Primavera Sound Festival in Barcelona und dem Coachella Festival ein neues Ausrufezeichen. Denn einhergehend mit der Veröffentlichung von they told us it was hard, but they were wrong. geht auch die Mitteilung über einen Plattenvertrag bei Domino Records raus – bei denen auch Bands wie Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Austra, Georgia oder Hot Chip unter Vertrag stehen. they told us it was hard, but they were wrong. ist eine fluoreszierende Elektrohymne auf das eigen Vertrauen in sich, Dinge zu tun, von denen das Umfeld immer sagt, dass diese nicht möglich seien. Es ist aber auch eine Hymne an die Nacht. Nicht auf der Tanzfläche, sondern viel mehr an das Umherirren in den verworrenen Gängen der Clubs oder dem Rennen durch die Nacht einer Großstadt, bei dem die Straßenlichter für ein wiederkehrendes Lichtspiel im Gesicht sorgen. Ela Minus klingt geheimnisvoll, rau und treibend zu gleich und hat mit ihrer neuesten Veröffentlichung einmal mehr gezeigt, wie großartig der Einfluss von Punk- auf die elektronische Musik sein kann.

Hollow Coves - Evermore

Hollow Coves – Wenn der Moment die Musik schreibt

Es ist eine Liebeserklärung an all die wundervollen Gefühle, die man entwickelt, wenn man auf eine Person trifft, die in uns das Herz zum Pochen bringt. Oder diese Gefühle, die unsere Brust vor Stolz und Liebe fast bersten lassen. Ein Moment, der von so viel Herzlichkeit getragen wird, dass man fast schon eine Träne die Wange runterrollen fühlt. Das australische Duo Hollow Coves zieht uns immer wieder mit Songs, wie CoastlineWhen We Were YoungBorderlines oder Anew in diesen Strudel aus Emotionen und starken Gefühlen. Nun haben Ryan Henderson und Matt Carins mit Evermore eine erste Single nach ihrem gefeierten Debütalbum Moments – das im Oktober 2019 erschien – veröffentlicht und schlagen direkt wieder in unser Herz ein. Als Idee hinter dem Song hatten die beiden Jungs den Moment, jemanden zu finden, mit dem man den Rest seines Lebens zusammen verbringen möchte. Dabei zeigt vor allem das dazugehörige Musikvideo, wie dies aussehen kann. Modern und für das Smartphone gerecht im Hochformat gefilmt, begleiten wir ein Paar von ihrer ersten Begegnung, ihren Reisen, unvergessliche Momente und Ausschnitte, die Zuneigung, Wärme und Liebe transportieren. Musikalisch bleiben Henderson und Carins dabei bei ihrem sanften Folksound und singen zu leichten Gitarren. Dass dieser Song nicht nur für den Hörer etwas ganz besonderes sein soll, zeigt die Geschichte hinter dem Track. Wurde Evermore doch geschrieben, um den Moment hervorzuheben, bei dem Carins Schwester auf ihrer Hochzeit auf den Traualtar zuläuft. Dieser Moment, an dem alle Beteiligten nur eines im Kopf haben, dieses Gefühl für immer in Erinnerung halten zu können. Evermore könnte dafür nicht besser passen und erreicht genau diese Wärme, welche die Band beabsichtigt hat. Ob Evermore auch gleichzeitig der Vorbote für ein neues Album sein könnte, dürfte – nachdem das Debütalbum gerade einmal 8 Monate alt ist – eher unwahrscheinlich sein. Doch auch über einzelne Veröffentlichungen freuen wir uns immer wieder und kommen bei Evermore sofort wieder ins Schwelgen.

G-Eazy - Free Porn, Cheap Drugs

G-Eazy – Ehrlich und rein zum neuen Sound

Er ist aktuell einer der aktivsten Rapper, die die USA zu bieten haben und hat nicht nur selbst mit Songs, wie Me, Myself & I mit Bebe Rexha (2015), Good Life mit Kehlani, No Limit mit ASAP Rocky & Cardi B oder Him & I mit Halsey (alle 2017) international so richtig abgeräumt – sondern ist auch immer wieder ein gern gesehener Featuring-Act bei Stars, wie Britney Spears, Chris Brown, Vic Mensa oder Dillon Francis. Doch was uns Rapper G-Eazy nun präsentiert, ist ein wahrer WTF-Moment. Denn mit seiner neuesten Single Free Porn, Cheap Drugs überrascht der 31-Jährige Rapper nicht nur all seine Fans – sondern schockt sie regelrecht. Denn mit Free Porn, Cheap Drugs krempelt der US-Amerikaner seinen Sound komplett um und liefert plötzlich einen soften Indie-Rock-Song ab, der mit richtigem Gesang und einer Kopfstimme aufwartet. Dabei kündigte G-Eazy bereits an, dass er während der Pandemie- und Lockdown-Zeit viel mit seiner Musik experimentiert hat und es Zeit ist, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dass sich dieses Kapitel allerdings so deutlich anders anhören würde, hätte wohl keiner geglaubt. Doch die wabernden Indie-Gitarren und der melancholische Vibe stehen dem Musiker äußerst gut und zeigen erstaunlich viel Mut in einem Business, das immer noch vor allem durch protzende Männlichkeit geprägt wird. In einem Post auf seinen sozialen Kanälen kommentiert G-Eazy – der bürgerlich Gerald Earl Gillum heisst – dass ihn die letzten Wochen komplett verändert haben und er in der Phase des Social Distancing viel über sich selbst nachgedacht hat. Gegen eventuelle Hater seines neuen Sounds schließt er dann auch mit dem Satz ab, dass dieses Projekt eine Darstellung davon ist, wo mein Herz und mein Kopf jetzt sind. Es ist ehrlich und rein – ich bin es auch. Nehmt es an oder lasst es – so fühle ich mich eben nun mal gerade. Mit dem Projekt meint G-Eazy Everything’s Strange Here, welches er am 5. Juni auf Spotify veröffentlicht hat und sich mehr auf Gesang konzentriert. Mit Free Porn, Cheap Drugs erreicht der Rapper auf jeden Fall ein ganz neues Publikum und überrascht positiv mit einem verträumten Indiesound.