Katie Melua - A Love Like That

Katie Melua – Europa in einer Stimme

Katie Melua ist wahrlich das, was man eine europäische Musikerin nennen kann. Geboren 1984 in Kutaissi, der drittgrößten Stadt Georgiens und mit einer erstmaligen Erwähnung um 13. Jahrhundert vor Christus auch eine der ältesten Städte der Welt, flüchteten Meluas Eltern mit ihr 1993 aus dem georgischen Bürgerkrieg nach Belfast in Nordirland. Von dort aus absolvierte sie ihre Oberschule und ging an die BRIT School für Performing Art mit der Ausrichtung für die Musik. Hier begann Melua Musik und Songtexte zu schreiben und überzeugte den Singer/Songwriter, Produzenten und Labelchef Mike Batt von ihrer Stimme. Mit Batt produzierte Melua dann auch ihre ersten drei Alben Call Off The Search (2003), Piece By Piece (2005), Pictures (2007) und das fünfte und sechste Album Secret Symphony (2012) und Ketevan (2013). Das vierte Album In House wurde von William Orbit produziert, der unter anderem Alben von Madonna, Beth Orton, All Saints und Blur produzierte. Mit ihrem siebten Album In Winter (2016) reiste die Sängerin schließlich nach Georgien zurück und nahm ein Album auf, das mit dem georgischen Gori Women’s Choir eingespielt wurde. Darauf enthalten waren unter Anderem traditionelle georgische Songs, sowie Neuinterpretationen von Liedern und Kompositionen von Joni Mitchell, Sergei Rachmaninoff oder Adolphe Adam. In den Jahren zwischen In Winter und heute veröffentlichte die Sängerin die Neuinterpretation von Blacks Song Wonderful Life und war immer wieder auch im deutschen Fernsehen und Bühnen zu sehen, so trat Melua zusammen mit Peter Maffey auf und sang Lieder, wie Freiheit, die ich meine oder Ich wollte nie erwachsen sein. Nun hat die Georgisch-Britische Sängerin mit der neuen Single A Love Like That einen ersten Vorgeschmack auf ihr achtes Studioalbum gegeben – welches sie pragmatisch Album No. 8 betitelt hat. Mit dem Hintergrund ihrer georgischen Wurzeln, spielt Ihr Mutterland auch hier wieder eine große Rolle und ist auf dem neuen Song A Love Like That in Form des Georgian Philharmonic Orchestra zu hören. Dieses bildet die wunderbar erhabene Stimmung eines James-Bond-Songs und trägt Meluas glasklare Stimme darauf weich und prominent. Melua lässt uns mit A Love Like That dazu kommen, wie sehr wir ihren klaren und ruhigen Folk-Pop und Blues vermisst haben. Doch das Warten ist vorbei und Album No. 8 ist für den 16. Oktober angekündigt. A Love Like That wird bis dahin unsere Abende mit Freunden bereichern und uns entspannt, freudig auf das Album vorbereiten.

BRONSON feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs - Dawn

BRONSON – Sound von Meistern ihres Genres

Sie klingt wie eine endlose Nacht auf einem der hiesigen Elektrofestivals – die Musik, die das Trio BRONSON veröffentlicht. Sie ist so treibend, dass wir uns kaum zurückhalten können das Projekt – das auch gerne als Supergroup bezeichnet werden kann – zu loben. Denn hinter BRONSON steckt zum einen der australische House-DJ Thomas George Stell – alias Golden Features – der mit Songs wie Tell Me (mit Nicole Millar), No One (mit Thelma Plum) oder Wolfie (mit Julia Stone) und seinem 2018er Debütalbum Sect einen fantastischen Start in die Szene hinlegen konnte. Zum anderen sind keine Geringeren, als die US-Amerikaner Harrison Mills und Clayton Knight – alias ODESZA – mit dabei. Diese sind mit ihrem Mix aus Breakbeat, House und Indietronic und Songs, wie Say My NameLine of Sight und Late Night und ihren bisher veröffentlichten drei Alben zu absoluten Festival-Giganten avanciert. Nun haben diese beiden Acts das Projekt BRONSON ins Leben gerufen und mit Vaults und Heart Attack bereits zwei Songs mit absoluten Statementcharakter veröffentlicht.

Auf ihrer dritten und finalen Singleauskopplung Dawn – welche auf dem am 7. August erscheinenden gleichnamigen Debütalbum BRONSON den letzten Titel darstellen wird – haben sie sich keinen Geringeren als den britischen Soundtüftler Totally Enormous Extinct Dinosaurs dazugeholt. Hier liefert die Supergroup sogar noch einen Supergroupsong ab, der mit Totally Enormous Extinct Dinosaurs nochmals alles toppt. Dabei besitzt der Sound von Dawn eine Dramaturgie, die sich durch den mehr als sieben minütigen Song schlängelt und so Platz bietet, für verschiedenste Emotionen. Zwischen House, treibenden Synthies und Elemente, die an Trance erinnern, lässt sich Dawn nur schwer in ein Gerüst stecken. Dabei bieten die verschiedenen Einflüsse von ODESZA, Golden Features und Totally Enormous Extinct Dinosaurs eine Soundkulisse, die zu begeistern weiss und gleichzeitig auch den Horizont weiter in die Ferne setzt. Denn als Idee hinter Dawn hatte BRONSON, einen Song zu produzieren, den man mit auf eine Reise nehmen kann. Ob über Bergpässe und dem damit verbundenen weiten Blick, einer Fahrt durch Täler voller satter, grüner Wiesen oder einfach als Open Air-Moment an einem Strand irgendwo auf dieser Welt – Dawn weiss diese Momente musikalisch zu untermalen und setzt die Messlatte für das Debütalbum der drei Musiker enorm hoch.

Jónsi - Swill

Jónsi – Progressiv, futuristischer Sound

Mit seiner ersten Singleauskopplung Exhale hat Jónsi uns im April überrascht und gleichzeitig auf einen neuen Sound vorbereitet. Denn hier präsentierte uns der isländische Künstler eine moderne und frische Hymne, die hier und da in den Pop zu rutschen schien. Nun hat der Musiker – nach seiner Kollaboration mit Julianna Barwick auf In Light – eine zweite Single seines kommenden Soloalbums Shiver veröffentlicht und setzt abermals auf einen ungewöhnlichen Sound. Mit einem progressiven Anfangsbeat singt sich Jónsi auf Swill mit Hilfe von Autotune-Elementen durch einen auffällig hellen Song. Dabei ist auch der Hintergrund des Songs eher auf eine lockere Art zu sehen. Hat sich Jónsi doch auf Swill damit auseinandergesetzt, wie es ist, wenn man einen Abend zu viel getrunken hat, etwas Dummes tut und sich damit zum Narren macht. Mit dem futuristischen Sound des britischen Produzenten A. G. Cook – der sich unter anderem für die letzten beiden Alben und letzten beiden Mixtapes von Charli XCX verantwortlich zeichnet – hat Jónsi es geschafft, dem Song eine freundliche Stimmung zu verleihen. Damit einhergehend, hat der Sigur Rós-Sänger nun auch das Veröffentlichungsdatum seines zweiten Soloalbums angekündigt. Shiver wird am 2. Oktober erscheinen und damit zehn Jahre nach seinem Solodebüt Go veröffentlicht. Die Songs des Albums sind hauptsächlich während der vergangenen zehn Jahre entstanden, wenngleich auch Songs auf dem Album enthalten sein werden, die bereits vor 15 Jahren – und damit in der Hochzeit seiner Band Sigur Rós – entstanden sind. Während der Musiker in den vergangenen zehn Jahren zwei Alben mit seiner isländischen Band veröffentlicht hat, kamen in den vergangenen Jahren auch immer häufiger Nebenprojekte dazu. So hat der Musiker zusammen mit dem Schweden Carl Michael von Hausswolff das Projekt Dark Morph gestartet und zwei Alben veröffentlicht. Gleichzeitig tritt Jónsi aber auch immer öfter als Visual Artist auf und hatte in Los Angeles bereits Ausstellungen mit seinen Installationen. Das alles gibt dem Musiker die Möglichkeit, Inspirationen zu sammeln, die er in seiner Musik verarbeitet. Auf Swill hört man diese Einflüsse wunderbar heraus und lässt der Track auf ein Album hoffen, bei dem man mit Acts, wie Robyn und Liz Fraser zusätzliche aufhorchen kann.

Julianna Barwick feat. Jónsi - In Light

Julianna Barwick feat. Jónsi – Wie ein Papierschiff im reißenden Bergbach

Die Magie geht weiter. So könnte man diesen Beitrag nach dem gestrigen von Markéta Irglová und Emiliana Torrini mit ihrem Song Quintessence betiteln. Denn auch heute präsentiert SOML eine Kollaboration von zwei so großartigen Musizierenden, dass man schon jetzt förmlich ins Schwärmen kommt. Auf In Light treffen sich keine Geringeren, als die amerikanische Musikerin Julianna Barwick und der isländische Kopf der Band Sigur Rós – Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi. Barwick ist über die vergangenen zehn Jahre durch ihren Sound immer bekannter geworden. Dieser setzt sich aus losen Gesangsfetzen und einer Musikkomposition zusammen, die durch den Einsatz einer Loop-Station umrahmt wird. Dabei nutzt Barwick die Loop-Station so gekonnt, dass sich fast schon eine Art musikalischer Sturm entfaltet und im Surroundsound erst so richtig aufgeht. Nach ihren Alben The Magic Place (2011), Nepenthe (2013) und Will (2016) steht nun für den 10. Juli ihr viertes Studioalbum Healing Is A Miracle an. Inspiriert vom Heilungsprozess, in den der Mensch sich selbst versetzen kann, kommt es auf den Songs zu großen cineastischen Momenten voller Gefühl und lebendigen Bildern. Auf ihrer neuen Single In Light wird Barwick von Jónsi begleitet, der gerade selbst vor der Veröffentlichung eines neuen Soloalbums steht und mit seinem zarten, introvertierten und zerbrechlichen Gesang für eine Stimmung sorgt, die immer wieder aufs Neue berührt.

Auf Healing Is A Miracle arbeitete Barwick mit dem Produzenten und Jónsis Lebenspartner Alex Somers zusammen, der ihr für dieses Album Monitorboxen schenkte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Ambient-Musikerin all ihre Songs ausschließlich mit Kopfhörern aufgezeichnet. Mit der neuen Erfahrung, ihre Musik auf Lautsprechern – und damit den Raum füllend – zu hören, kam es bei der Sängerin zu einem ganz neuen Erlebnis ihrer Musik. Hinzu kommt, dass für Barwick ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen ist, mit Jónsi zusammen einen Song einzuspielen. Herausgekommen ist ein sechsminütiger Track, in dem sich nicht nur die verschiedenen Einflüsse der beiden Musizierenden widerspiegelt, sondern auch das einzigartige Gefühl, welches die Beiden immer wieder so wunderbar transportieren können. Mit langsamen Perkussions, wiederholenden Gesangsfetzen und einem aufbauenden, allumfassenden Sound, ist In Light so warm, groß und zugleich klein, dass man sich ergriffen und gleichermaßen bestärkt fühlt. Als würde ein Papierschiff in den reißenden Fluten eines Bergbachs die Oberhand behalten, fließt In Light förmlich durch enge Passagen voller Geröll um anschließend sanft durch weite, ruhige Bachläufe zu gleiten. Mit ihrem, am 10. Juli erscheinenden, neuem Album werden wir hoffentlich noch weitere solcher großartigen Songs hören.

Melanie C - Blame It On Me

Melanie C – Zurück zur EDM-Stärke

Es ist eine Musikkarriere die so besonders, wie einzigartig ist – Melanie C ist in ihrem 26. Jahr als Musikerin. Begonnen 1994 als Teil der Spice Girls und damit der erfolgreichsten Girlgroup der Welt, hat Melanie Chisholm zusammen mit Victoria Beckham, Emma Bunton, Geri Halliwell und Melanie Brown innerhalb von nur 4 Jahren ihrer Kernzeit als Band über 85 Millionen Tonträger verkauft. Als es schließlich 2000 zur Auflösung der Band kam, hatte Chisholm bereits mit der Zusammenarbeit auf Bryan Adams‘ Single When You’re Gone den Weg für eine Solokarriere geebnet. Was folgte, waren Singles, wie Never Be The Same Again (mit Lisa ‚Left Eye‘ Lopes), I Turn To You oder First Day Of My Life. Mittlerweile hat Melanie C sieben Alben veröffentlicht und über 20 Millionen Tonträger als Solokünstlerin verkauft, konnte jedoch zuletzt nicht mehr an den Erfolg ihrer ersten Alben anknüpfen. Mit ihrer neuen Single Blame It On Me begibt sich die Sängerin nun allerdings zurück zu ihrer Anfangsphase und stößt mit einem modernen Elektrobeat Erinnerungen an I Turn To You wach. Auch oder gerade wegen des dazugehörigen Musikvideo, wird klar, dass die Britin auf frühere Zeiten anspielt. Denn hier sehen wir eine Mitarbeiterin an einem Bürotisch sitzen und auf einem Apple iMac der Generation 4 aus dem Jahr 2002 – der sogenannten Tischlampe – ein Spiel spielen, das stark an die berühmte Videospielreihe Mortal Kombat aus den 90er Jahre erinnert. Einer der Charaktere ist Melanie C, die ihren Gegner besiegt. Blame It On Me bildet dabei die Fortsetzung ihrer, im März veröffentlichten Leadsingle Who I Am, die Melanie C als wichtigen Baustein ihrer musikalischen Laufbahn sieht. Denn hier zeigt sie einen Einblick in die vergangenen Jahre oder sogar Jahrzehnte und den damit verbundenen Entscheidungen. Mal sind sie zu Gunsten der Sängerin, mal dagegen entschieden und bedeuteten immer auch einschneidende Veränderungen. Diese kann man auch in Chisholms Diskografie sehr gut erkennen. Auf Blame It On Me singt die Britin darüber, dass ihre Liebe zur Dancemusik auch immer etwas Toxisches beinhaltet und somit zu gleichermaßen gefährlich, als auch förderlich sein kann. Mit Blame It On Me ist Melanie C im großartigen EDM-Popzirkus zurück und spielt sich damit hoffentlich wieder in die vordersten Reihen – das Potential hat ihre neue Single auf alle Fälle.

Dream Wife - Temporary

Dream Wife – Für eine neue Kultur der Musik

Braucht es im Jahr 2020 noch die Riot grrrl Bewegung? Klar ist, dass auch heute noch ein großes Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern existiert. Doch mit unserer zunehmenden Politisierung des Lebens durch soziale Medien und großen Bewegungen, wie zuletzt mit #metoo oder #blacklivesmatter zeigt sich ein immer stärkerer Druck, Stellung zu beziehen. In der Musikbranche ist dies nicht anders. Mit großen Entscheidungen, wie der Ehe für Alle oder der Einführung eines dritten Geschlechts haben sich auch viele Musik-Acts klar positioniert. Im Zusammenhang mit dieser neuen Art sich für Gleichberechtigung einzusetzen, gibt es immer mehr erfolgreiche Musikerinnen und Musiker sowie Bands, die sich dafür einsetzen oder dafür stehen. So gibt es mit Alex The Astronaut und Tash Sultana zwei großartige Acts, die für Gleichberechtigung und Akzeptanz von LGBTQ-Menschen stehen. Aber auch Bands, wie Dream Wife setzen sich ganz bewusst dafür ein, Frauen in der Musikbranche in die erste Reihe zu bringen und unterstützen dies dadurch, dass sie in alle Produktionsschritte und -positionen Frauen wählen – ob als Produzentin ihrer Alben, als Toningenieurin oder Mastering-Engineer. Für ihr neues Album So When You Gonna… haben sich Dream Wife für Themen, wie Abtreibungen, Geschlechtergleichstellung und Fehlgeburten entschieden und thematisieren. Letzteres auf ihrer aktuellen Single Temporary. Hier geht es darum, dass die Band für eine Freundin da war, als diese durch mehrere Fehlgeburten ging und Unterstützung brauchte. Dabei sind die Textzeilen How is it to love and live temporary. If the heartbeat fails. (Wie ist es, vorübergehend zu lieben und zu leben? Wenn das Herz aufhört zu schlagen). Dieses Gefühl können nur wenige nachempfinden und war es der Band wichtig – die aus Alice Go, Rakel Mjöll und Bella Podpadec besteht – dieser Thematik eine Plattform zu geben, da sie selbst finden, dass dieses Thema viel zu wenig in der Öffentlichkeit besprochen wird. Gleichzeitig hört sich Temporary deutlich melodischer an, als man es von der Indie-Band – mit ihren Punksongs – gewohnt ist. Mit einem lockeren Gitarrenspiel und sanften Gesang schaffen Dream Wife mit Temporary eine Umgebung, die sich dem Thema anpasst und es gleichzeitig progressiv an die Oberfläche bringt. Ihr dazugehöriges, zweites Album So When You Gonna… wird am 3. Juli veröffentlicht und enthält eine spannende Mischung aus Punk, Rock, Indie und Pop.

Honne - No Song Without You

Honne – Mit ganz viel Wärme wieder da

Honne und SOML verbindet eine kleine Tradition. Bereits vor fünf Jahren, als die Band ihre dritte EP Coastal Love veröffentlichte, supportete SOML die zwei Briten aus East London und verliebte sich sofort in die Musik. Dabei hatten Andy Clutterbuck und James Hatcher einen so wunderschön, warmen Sound kreiert und klangen gänzlich unaufgeregt nach warmen Sommernächten und einem Großstadtfeeling, dass durch leere Straßen und weite Blicke geprägt war. Seitdem sind mit Warm On A Cold Night (2016) und Love Me / Love Me Not (2018) zwei Alben veröffentlicht worden, die uns wunderschöne Songs, wie Coastal Love3amSomeone That Loves You (mit Izzy Bizu), Good TogetherJust Dance oder Day 1 bescherten. Nun haben Honne – nach fast zwei Jahren ohne neue Musik zu veröffentlichen – mit No Song Without You eine erste neue Single vorgestellt und lassen uns abermals erkennen, dass nach dem zweiten Album Love Me / Love Me Not auch auf ihrer neuen Single No Song Without You eine Weiterentwicklung des Duos stattgefunden hat, welches sich dieses Mal mit einem warmen Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug zu einem verträumten Sing-a-long Sound treiben lassen hat. Produziert wurde der Song bei einem Aufenthalt des Duos im Januar dieses Jahres in Los Angeles, bei dem Honne auf den Produzenten Pomo trafen, der unter anderem für Mac Miller und Anderson Paak im Rap-Bereich tätig ist. Das dazugehörige Musikvideo, wurde von der Grafikerin und Illustratorin Holly Warburton produziert und erzählt eine kleine, warme Geschichte über ein grünes Wesen, dass sich – durch die Straßen einer Großstadt laufend – alleine fühlt und schließlich durch einen Lichtschein neuen Mut findet. Honne selbst sagen über ihre neue Musik, dass sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen wollen und den großen Drang verspüren, sich selbst immer wieder neu herauszufordern und mit ihrer Musik zu experimentieren. Auf dem Song No Song Without You kann man dieses Experimentieren gut herauszuhören und gleichzeitig ist trotzdem auch der typische Honne-Vibe zu erkennen. Einmal mehr zeigen uns Honne, dass gute, satte und warm klingende Musik keine Aufgeregtheit benötigt, um uns alle sofort begeistern zu können.

Kodaline - Sometimes

Mit dem starken Song All I Want hatte die Dubliner Band Kodaline 2012 plötzlich alle Augen auf sich gerichtet. Denn hier war nicht nur der Song mit seinen emotionalen Ebenen stark, sondern auch das dazugehörige Musikvideo – vielmehr, beide Musikvideos. Denn hier hatte das irische Quartett eine herzerwärmende Geschichte erschaffen, die zwei Kurzfilmen gleicht. Nach der großartigen Resonanz auf ihre Musik, folgte ein Jahr später mit In A Perfect World das Debütalbum der Band, sowie Platz 1 der irischen und Platz 3 der britischen Charts. Nach den Alben Coming Up For Air (2015) und Politics Of Living (2018) – die sich ebenfalls auf Platz 1 der irischen Charts positionieren konnten – haben die Jungs um Frontsänger Steve Garrigan nun mit Sometimes bereits die zweite Single, aus ihrem vierten Studioalbum One Day at a Time veröffentlicht – welches am kommenden Freitag erscheint. Entstanden ist der Song während einer Asientour im Hotelzimmer Garrigans – wie er schreibt. Dabei hatte der Sänger mit Angstzuständen zu kämpfen und schrieb den Song, um etwas Positives daraus zu ziehen und sich vor Augen zu halten, dass es immer wieder mal schwierige Zeiten gibt, die es zu überstehen gilt, man aber immer auch etwas Positives daraus ziehen kann. Sometimes kommt dabei äußerst folkig rüber und zeigt uns Kodaline wieder beim Sound des ersten Albums angekommen. Nicht viel mehr, als eine Gitarre und Schlagzeug unterstützen Garrigan, ehe zum Refrain kurzzeitig ein Chor aufflammt und den Song eine aufbauende Dynamik verleiht. Dabei hallen die Songzeilen All of my friends don’t understand. Maybe I’m crazy. Maybe I’m blind. Maybe we all get lost sometimes. Sometimes hallt auch noch nach, wenn der Song schon längst verstummt ist und erzählt von einem Aussenseiter, der in einer großen Band singt und gleichzeitig einsam ist, obwohl ständig Menschen um ihn herum sind. Während die Irish Times dem Album nur zwei von fünf möglichen Sternen vergibt und das Album als technisch fast schon perfekt, vom Gefühl allerdings vorhersehbar und einfallslos beschreibt, werden die bisher veröffentlichten Songs von den Fans äußerst positiv aufgenommen. Bleibt abzuwarten, ob es Kodaline ein weiteres mal schaffen, den Thron der irischen Albumcharts zu besteigen. Sometimes überzeugt auf jeden Fall bereits jetzt.

Travis - A Ghost

Travis – Mit kreativen Lauf und voller Energie zurück

23 Jahre und acht Alben ist es her, dass die Schottische Band Travis erstmals in die britischen Charts einstieg. In den darauffolgenden Jahren ging es für Travis – bis zu ihrem Höhepunkt 2001 mit dem dritten Album The Invisible Band – immer schneller und höher hinaus. Alles fing mit einem denkwürdigen Auftritt auf dem Glastonbury Festival 1999 an. Bestand die Band da bereits neun Jahre, sollte es ihr Song Why Does It Always Rain On Me sein, der zur modernen Legende wurde. Denn als die Band um Frontsänger Fran Healy 1999 die Bühne betrat und diesen Song anstimmte, begann es auf dem Festival zu regnen. Dieser Moment wurde in Großbritannien schnell weitererzählt und entwickelte – ganz ohne Social Media – eine Dynamik, die der Band nicht nur eine erste Top-10 Platzierung in den Singlecharts einbrachte, sondern das Album in den nachfolgenden Wochen bis auf Platz 1 klettern ließ. Mit ihrem dritten Studioalbum The Invisible Band – auf dem Travis thematisierte, dass ihre Musik so viel größer sei, als die eigentlich Band dahinter (was sich am Albumtitel ableiten lässt) – gelangten sie schließlich in 15 Ländern in die Charts und schafften es in Großbritannien, Irland und Norwegen bis an die Spitze. Was folgte, waren die Alben 12 Memories (2003), The Boy With No Name (2007), Ode To J. Smith (2008), Where You Stand (2013) und Everything At Once (2016) die alle – bis auf Ode To J. Smith – die Top-5 der Albumcharts erreichten. Nun haben Travis, nach 4-jähriger Pause, mit 10 Songs ihr neuntes Studioalbum für den Oktober angekündigt und daraus die Single A Ghost veröffentlicht. Hierbei kehren Healy und die Band wieder zu dem alten Folksound ihrer Anfangszeit zurück, ohne dabei nostalgisch zu klingen. Mit einer schnellen Gitarre, einem erfrischenden Piano und Healys energischen Gesang bekommt A Ghost ein wunderbares Tempo, dass der Band gut tut. Healy selbst sagt über die Entstehung des Albums, dass er durch seinen Sohn – beide leben in Berlin – einen regelrechten Tritt in den Hintern bekommen hat und von ihm dazu gedrängt wurde, sich wieder der Musik zu widmen. So hat Healy in den vergangenen vier Jahren Material für 10 Alben geschrieben und daraus die stärksten zehn Songs auf das neue Album gepackt. A Ghost kommt nun mit einem Musikvideo auf den Markt, das von Healy selbst gezeichnet wurde und ihn wochenlang an den Schreibtisch fesselte. Denn hier hat er in mühsamer Arbeit täglich 16 Stunden verbracht, bei dem am Ende 10 Sekunden des Musikvideos herauskamen. Das Ergebnis ist mehr als sehenswert und wurde auch durch die Zusammenarbeit mit seinem Sohn erst realisierbar, der ihn mit seiner Drohne filmte. Travis sind wieder auf einem kreativen Hoch angekommen, das sich nicht nur im Musikvideo auszeichnet, sondern viel mehr auch in der Musik, die frisch und drängend klingt und voller Energie steckt.

Nick Mulvey - Begin Again

Nick Mulvey – Die tiefe Verbindung eines Songs

Es ist eine treibende Akustikgitarre – die Nick Mulvey verwendet – um in uns allen das Gefühl von Reflexion und Besinnung aufkommen zu lassen. Dass der Brite mit seiner handgemachten Musik für ganz besondere Momente verantwortlich ist, zeigte sich bereits durch die Songs Mountain To Move und In Your Hands, auf denen er durch Perkussions und in sich verlierenden Gesangsparts zum Träumen anregte. Nun hat der 35-jährige Sänger mit Begin Again eine erste neue Single – nach seinen beiden Alben First Mind (2014) und Wake Up Now (2017) – veröffentlicht und bezieht sich dabei auf die aktuelle Situation der Pandemie. So stellt der Sänger die Frage, wie wir als Gesellschaft danach wieder beginnen können zu leben. Dabei ist ihm eines unglaublich wichtig – die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und die eigene Familie in diesen Zeiten. Denn wenn wir nicht wissen, was vor uns liegt, ist die Liebe und Wärme der Familie eine Stütze für uns. Ihn selbst hat auf Begin Again die Suche nach der Persönlichkeit hinter seiner Großmutter – die bereits vor Mulveys Geburt gestorben war – angetrieben. Mit Fragen, wie Wer war diese Frau, die meine Familie bis heute so geprägt hat? durchforstete er alte Schriftstücke und fragte in seiner Familie rum. Dabei bildete sich zwischen Mulvey und seiner verstorbenen Großmutter Marie eine Verbindung, die der Sänger auf Begin Again zu transportieren versucht. Die Ehrfurcht vor den aufrichtigen Lehren und Botschaften dieser Frau lässt sich auch auf unsere heutige Situation und das Chaos vor unserer Tür anwenden und uns wieder zu uns selbst finden. Mit viel Liebe in den Worten zeigt sich die aufkommende und reine Liebe zu einer Person zu erkennen, die so ergreifend, wie wunderschön ist. Mary Ethel Roderick, 1912 to ’72. Though we never met in flesh, here I remember you. Were a woman, you were gentle, you were modest, you were kind. A mother, wife and gran, you were a woman of your time. (Mary Ethel Roderick, 1912 bis ’72. Obwohl wir uns nie in echt getroffen haben, erinnere ich mich an dich. Warst eine Frau, du warst sanft, du warst bescheiden, du warst freundlich. Eine Mutter, Frau und Großmutter, du warst eine Frau deiner Zeit.). Nich Mulvey schafft es mit seiner Musik, direkt ins Herz zu treffen und die schönsten und wärmsten Emotionen auszulösen. Begin Again ist dabei der erste Vorbote der gleichnamigen EP Begin Again und wird in den kommenden Wochen noch weitere Songveröffentlichungen seiner wunderschönen Mischung aus Singer/Songwriter und Folk bereithalten, ehe sie am 5. Juni erscheint.