Shimza & Elderbrook - Falling

Shimza & Elderbrook – Afro-Tech zwischen Rhythmus und Gefühl

Elektronische Musik aus Südafrika wird zunehmend stilprägender. Dabei ist es vor allem der Mix aus derben Elektrobeats, Afro-House und organischen Percussionsounds, der einen luftigen Song möglich macht. Dabei fühlt man sich beim hören fast schwebend und immer mit einem sommerlichen Vibe elektrisiert. Nachdem Black Coffee in den letzten Jahren ein immer größeres Publikum in Europa und weltweit erreichte, ist nun auch Shimza auf dem besten Weg, dies zu erreichen.

Dabei gibt es Songs, die hört man. Und es gibt Songs, in die man hineinrutscht, ohne genau sagen zu können, wann das passiert ist. Falling gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Kein großes Anklopfen, kein dramatisches Hereinbrechen – eher dieses leise Nachgeben, wenn man merkt, dass man den Boden unter den Füßen gerade ein kleines Stück verloren hat. Und es ist okay so.

Der Track beginnt nicht mit einem Versprechen, sondern mit einem Zustand. Ein Puls, der nicht antreibt, sondern trägt. Shimza legt kein rhythmisches Fundament, um uns zu kontrollieren – er legt eines, um uns loszulassen. Afro-Tech nicht als Statement, sondern als Raum. Man spürt darin Erfahrung, Geduld, dieses Wissen darum, dass Intensität nicht laut sein muss. Dass sie sich auch im Zurücknehmen zeigen kann.

Und dann ist da diese Stimme. Elderbrook singt nicht, um zu überzeugen. Er singt, als würde er sich selbst beim Denken zuhören. Fragil, aber nicht schwach. Klar, aber nie aufdringlich. Seine Worte schweben über dem Beat wie Gedanken, die man nachts hat, wenn man eigentlich schlafen sollte – diese Sätze, die nicht gelöst werden wollen, sondern nur da sein müssen.

Falling fühlt sich an wie dieser Moment zwischen zwei Entscheidungen. Nicht mehr dort, wo man war, aber auch noch nicht angekommen. Der Song drängt nicht auf Erlösung, er verspricht keine Katharsis. Stattdessen bleibt er in der Schwebe. Und genau das macht ihn so ehrlich. Denn echtes Fallen ist selten dramatisch. Meist merkt man es erst, wenn man schon mittendrin ist.

Was an diesem Track berührt, ist seine Weigerung, sich festzulegen. Er funktioniert im Club, ja – aber nicht als Eskalation. Eher als kollektives Innehalten. Gleichzeitig ist er perfekt für Kopfhörer, für Wege ohne Ziel, für dieses leicht melancholische Gefühl, das entsteht, wenn man merkt, dass Veränderung unvermeidlich ist. Und vielleicht sogar nötig.

Falling ist kein Song über Verlust. Er ist ein Song über Hingabe. Über das Akzeptieren von Unsicherheit. Darüber, dass Kontrolle manchmal überschätzt wird. Shimza und Elderbrook erzählen keine Geschichte mit Anfang und Ende – sie öffnen einen Zustand, in dem man sich selbst begegnet. Und wenn der Track endet, bleibt etwas zurück. Kein großes Aha. Sondern dieses stille Okay.

Und manchmal ist genau das der Moment, in dem Musik zum Soundtrack des eigenen Lebens wird.

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