Es gibt Bands, bei denen kann man kaum besser beschreiben, was deren Musik mit den Hörenden macht, was sie ihnen bedeutet und was die Songs auslösen, als die Songs tatsächlich selbst zu hören. Dieser Blog und seine Beiträge leben oftmals von dem ganz individuellen Gefühl, welche die einzelnen Songs beim Hören auslösen – sozusagen, welche Assoziationen dadurch aufkommen. Mit dem Berliner Trio SIND klappt das immer wieder, als hätte man den Text selbst mitgeschrieben, wäre man bei den Geschichten – die ihre Songs erzählen – dabei gewesen. Ihr letztes Album Kino Kosmos hielt eine Menge dieser Momenten parat. Nun stehen Hannes Husten, Ludwig Noack und Mathias Völzke vor der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums Erstmal Für Immer, das am 15. November erscheinen wird. Daraus veröffentlicht sind, bereits die Songs, Was Bleibt, Römerweg, Es Kommt Mit Der Zeit Zurück und Wonderwall. Besonders mit Römerweg setzten die Berliner erneut auf die ganz besondere Stimmung, die SIND mit ihren Songs verbreiten. Eine Stimmung, die zwischen Sehnsucht, Melancholie und introvertierter Retrospektive wandelt. Dabei benutzen SIND Worte, die direkt und zugänglich sind und dadurch sofort einen Platz in unserem Herzen finden. Nun haben SIND mit Erstmal Für Immer den gleichnamigen Titelsong des Albums veröffentlicht und treffen genau auf den Punkt. Wie fühlt man sich, wenn man nicht etwa einer von diesen zugänglichen Menschen ist, die mit einer Leichtigkeit alles erleben und Kontakte knüpfen und aufrecht erhalten können?! Dabei geht es nicht etwa um eine soziale Disfunktion, sondern vielmehr um eine Verschlossenheit, ein in sich gekehrt sein und innere Stille benötigen. Gleichzeitig aber auch den Drang nach Exzess, nach Fühlen in der intensivsten Version. Wie passt das zusammen? Meist könnte man sagen gar nicht – und doch formt es den Menschen und zeichnet ein Verlangen nach Geborgenheit zu anderen Menschen.

Husten besingt dieses Gefühl so kraftvoll und gleichermaßen lethargisch, dass daraus eine Authentizität entsteht, die fesselt. Gleichzeitig bewegen Völzke an der Gitarre und Noack am Schlagzeug eine treibende Melancholie vor sich her, die aus zurückhaltenden Akkorden und einem weiten hellen Gitarrenspiel hervorgehen. Mit dieser musikalischen Untermalung werden die eben genannte Emotionen derart stark unterstützt, dass man schnell zu sich selbst findet und erkennt, welcher Zusammenhalt einem die Energie gibt, die man so sehr benötigt. Was ist, wenn einem daraus bewusst wird, welche Entscheidungen man einst getroffen hat – und damals nicht etwa als Intention benennen konnte – bei der man sich nun so sicher ist. Wenn man sich bewusst wird, zu seinem Partner zu sagen Du bist mein erstes Mal für immer. Meine Liebe für Dich ist für immer – komme was wolle. Und man weiss, wir haben uns. SIND schaffen es mit ihren Songs, Worte verstummen zu lassen und den Gedanken zu folgen, dem Gefühl Raum zu geben, die wir sonst viel zu oft zur Seite schieben. Erstmal Für Immer ist dieses Gefühl, dieser Gedanke, bei dem es so wertvoll, wie wichtig ist, diesen Gedanken bewusst zu halten. Mit der nunmehr fünften Songveröffentlichung der Band wird immer deutlicher, wie sehr sich das Berliner Trio nochmals – im direkten Vergleich zu ihrem ohnehin schon starkem dritten Album Kino Kosmos – steigern konnte und lässt auf ein Album hoffen, das an Tiefe, Emotionen und Klarheit dieses musikalische Jahr zu einem neuen Höhepunkt führen wird.