Of Monsters And Men - Visitor

Of Monsters And Men – Schneller, Größer, Weiter

Der Drang nach neuer Musik schien bei der isländischen Folk-Band Of Monsters And Men groß gewesen zu sein. Nachdem ihr drittes Album Fever Dream und die Single Wars gerade erst vor 13 Monaten veröffentlicht wurden, kamen die fünf in Reykjavík lebenden Musiker im August mit einer Coverversion des Post Malone-Songs Circles wieder auf die Bildfläche zurück. Nun haben Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, Ragnar Þórhallsson, Brynjar Leifsson, Kristján Páll Kristjánsson und Arnar Rósenkranz Hilmarsson mit Visitor eine komplett neue Single veröffentlicht und damit den Startschuss für eine ganze Reihe neuer Songs und anderer Inhalte gegeben. Damit wollen Of Monsters And Men das zehnjährige Bandjubiläum feiern und kündigen für das Jahr 2021 noch weitaus mehr Musik an. Visitor ist damit die erste große Veröffentlichung, die ihren einst so reduzierten Folksound weiter in Richtung Stadionsound bringt und gleichzeitig nichts vom sympathischen Gerüst der Musik der Isländer verloren hat.

Of Monsters And Men

Of Monsters And Men

Darin geht es darum, sich von der Welt, wie sie jetzt ist, loszulösen und zu sehen, wie die alte Welt immer weiter verschwindet, sich dabei aber plötzlich als Besucher dieser neuen Welt wahrzunehmen. Geschrieben wurde der Song lange vor der Pandemie und doch passt der Song, als hätte die Band geahnt, was kommen würde. Haben sie das Musikvideo noch vor dem großen Ausbruch im Februar in Island aufgenommen, präsentiert die Band ihren Fans nun diesen so erschreckend passenden, wie großartigen Song. Mit großen Gesten, einem schnellen Schlagzeug und voluminösen Synthies ist Visitor ein Song für die ganz große Bühne. Nach ihrem Kritikerliebling Fever Dream, sowie dem Debütalbum My Head Is An Animal (2011) und dem zweiten Album Beneath The Skin (2015) – von dem die starken Singles Crystals, I Of The Storm und Wolves Without Teeth kamen – könnte sich 2021 damit anstelle eines neuen Albums ein erstes Best-Of-Album ankündigen. Mit Visitor holen uns Of Monsters And Men – auch wenn es kein neues Studioalbum geben sollte – zumindest akustisch mit einem frischen Sound ab und lassen uns im kommende Jahr auf spannendes, neues Material hoffen.

GASHI feat. Sting - Mama

GASHI feat. Sting – Das Schicksal selbst bestimmen

Die bewegendsten Geschichten gibt es oftmals von den unscheinbarsten Menschen. Dabei ist der in New York lebende Musiker GASHI optisch alles andere als unscheinbar. Mit seiner kräftigen Statur und seinem modernen Sound lässt GASHI aktuell immer öfter von sich hören. War es im Frühjahr der Song Sicko von Felix Jaehn, bei dem GASHI als Featuring-Act beteiligt war, arbeitete der Musiker, Rapper und Songwriter in der Vergangenheit bereits mit Musikern, wie Travis Scott und Chris Brown zusammen. Nun kam vor wenigen Tagen sein neuestes Album 1984 raus. Dabei hat der Musiker nicht nur eine lebhafte Diskografie vorzuweisen – so hat er seit Beginn seiner Karriere bereits drei weitere Alben, sechs EPs und drei Mixtapes veröffentlicht. Doch auch sein eigenes Leben schreibt eine lebendige Geschichte. Geboren in Tripoli, Libyen ist er das Kind albanischer Eltern aus dem Kosovo, die in den 90er Jahren als Flüchtlinge in mehreren Flüchtlingsunterkünften in ganz Europa lebten. Schließlich führte ihr Weg sie nach Brooklyn in New York, von wo aus Labinot Gashi – so sein bürgerlicher Name – seit 2008 Musik macht.

GASHI - 1984

GASHI – 1984

Auf seinem neuesten Album 1984 – dessen Name an das Hochzeitsjahr seiner Eltern angelehnt ist – gibt sich GASHI vollends dem Sound der 80er Jahre hin. Seine neueste Single Mama zeigt nun eindrucksvoll, wie zeitlos die Musik der 80er Jahre sein kann. Denn zusammen mit der britischen Rocklegende Sting hat sich GASHI einen Traum erfüllt und eine Kollaboration mit seinem Idol aufgenommen. Mama lehnt sich dabei mit seinen großartigen Synthies und Drums an den aktuell aufkommenden Hype um den Sound der 80er Jahre an. Mit einem Mix aus Dance- und Hip-Hop-Elementen ist Mama nicht mehr länger nur eine Single von einem – vornehmlich im Rap agierenden – Musikers, sondern reiht sich in den aktuellen Trend der großartigen 80er-Jahre-Soundwelle ein, mit der The Weeknd mit seinem Blinding Lights so richtig durchgestartet ist. Mama hat mit Stings Stimme, GASHIS Gesang einem eingängigen Refrain und einer clubtauglichen Produktion alles, was ein guter Song braucht und könnte sich so in den kommenden Wochen durchaus zu einem Hit mausern.

Glasvegas - Keep Me A Space

Glasvegas – Die große Rückkehr

Sie hatten einen kometenhaften Aufstieg und einen ebenso tiefen Fall. Glasvegas waren mit ihrem gleichnamigen Debütalbum Glasvegas 2008 aus dem Nichts bis auf Platz 2 der britischen Albumcharts gekommen – mit über 300.000 verkauften Platten ein wahnsinniger Erfolg. Auch in zehn weiteren Ländern – darunter Deutschland – konnte die Band eine Chartnotierung vermelden. Hier war der Erfolg vor allem der Single Geraldine und Daddy’s Gone zu verdanken. Während Geraldine in einer üppigen Stadionhymne aufgeht, konnte Daddy’s Gone mit einem düsteren Tenor überzeugen. Mit dem zweiten Album EUPHORIC /// HEARTBREAK \\\ holten sie schließlich den großen Sound raus und veröffentlichten die großartige Rockhymne Euphoria, Take My Hand. Überzeugte das Album viele Kritiker, blieb es jedoch hinter den Erwartungen und schaffte nur noch mit Mühe den Einstieg in die britischen Top-10 auf einem 10 Platz. Mit dem 2013 veröffentlichten Album Later…When the TV Turns to Static ging die Schere aus positiver Kritik und kommerziellen Erfolg schließlich so weit auseinander, dass sich die Band in eine Schaffenskrise flüchtete. Denn während abermals die Kritiken überwiegend positiv ausfielen, verkaufte sich ihr Album in der ersten Woche nur knapp 3.000 Mal. Was folgte, war eine siebenjährige Pause von der Musik, die der Band zunehmend zusetzte. Als Resultat dessen, wurde im Juni dieses Jahres verkündet, dass Jonna Löfgren – die seit 2010 am Schlagzeug saß – die Band verlassen hatte.

Glasvegas

Glasvegas

Mit einem ehrlichen Post auf Facebook wandte sich Frontsänger James Allan schließlich vor wenigen Tagen an seine Fans und erklärte, warum es so lange dauerte, neue Musik der schottischen Band zu hören. Denn für das kommende Album hatte sich Allan den Wunsch des alleinigen Produzierens, Einspielens und Abmischens erfüllt. Gleichzeitig kündigte er damit neue Musik an und hatte nur vier Tage später mit Keep Me A Space sein Wort gehalten. Einher ging die Ankündigung des vierten Studioalbums Godspeed, welches am 2. April 2021 veröffentlicht wird. Mit 13 Konzerten in Großbritannien verkündete die Band darüberhinaus auch wieder erste Konzerte. Keep Me A Space ist die erste Veröffentlichung seit sieben Jahren für die Band und überzeugt mit dem einst so fulminanten Indie Rock, der sich aus Theatralik und großen Momenten zusammensetzt. Dabei ist es einmal mehr der persönliche Text von Allan, der dem Song so viel Tiefe und Aufrichtigkeit verleiht – bittet er in Keep Me A Space doch seine Cousine darum, immer einen Platz für ihn bereitzuhalten, auch wenn man sich nicht mehr so regelmäßig sieht, wie es noch in Kindertagen der Fall war. Glasvegas haben in den vergangenen Jahren viel erlebt. Vom Verlust ihres Plattenvertrages über den Ausstieg von Löfgren, bis hin zu einer kreativen Schaffenskrise. Mit Keep Me A Space und Godspeed kehrt die Glasgower Band zu ihrem Ursprung zurück und begeistert mit einem großen und emotionalen Indie-Sound, der sicher auch das Geburtsland des Indierocks überzeugen wird.

Bob Marley feat. Robin Schulz - Sun Is Shining

Bob Marley feat. Robin Schulz – Der ewige Sommerhit

Es ist ein Song, der im Sommer kaum präsenter sein könnte. Dabei wurde Sun Is Shining bereits vor rund 50 Jahren veröffentlicht und musste lange Zeit auf seinen Ruhm warten. Wurde der von Bob Marley And The Wailers aufgenommene Song erstmals auf dem 1971 veröffentlichten Album Soul Revolution rausgebracht, fand er sich 1973 auf African Herbsman und 1978 auf Kaya – neu aufgenommen – nochmals wieder. Ist der Song heute ein großartiger Sommerhit und wird jedes Jahr wieder in der Sommerzeit rauf- und runtergespielt, hatte Marley den Song zu Lebzeiten nur sehr selten performed – so sind bis heute nur zwei Momente bekannt, zu denen Marley den Song jeweils als Opening Track gesungen hatte. Nach seinem Tod sollten noch knapp 18 Jahre vergehen, bis dieser Song endlich zu seinem verdienten Ruhm gelangte. Dieses Mal galt allerdings eine Remixversion als Auslöser. Denn der dänische Produzent Funkstar De Luxe remixte Sun Is Shining so herausragend, dass ihm damit der internationale Durchbruch und Erfolg gelang. So schaffte es der Song in 20 Ländern in die Charts und in 13 davon bis in die Top-10. Dabei haben die Songs Marleys seit jeher immer wieder ihren Weg in die Clubszene gefunden, wie der Remix Is This Love von den Produzenten und DJs LVNDSCAPE & Bolier zeigt.

Bob Marley

Bob Marley

Nun – abermals knapp 20 Jahre später – ist es der deutsche DJ und Produzent Robin Schulz, der sich des Songs nochmal angenommen hat und eine pumpende Reggae-Fusion präsentiert. Mit dem Vibe von dicker, heißer Sommerluft zeigt uns Schulz seine Interpretation des Marley-Klassikers. Dabei bearbeitete Schulz Sun Is Shining ähnlich zurückhaltend, wie zuletzt auf seiner Interpretation des Wes‘-Songs Alane. Hier wechseln sich die typischen Elemente des Originals mit einer stampfenden, von Trompeten begleiteten Bridge ab und weisen mit frickligen Soundspielereien auf einen modernen Anstrich hin. Nach mehreren erfolgreichen Singles, wie SpeechlessIn Your Eyes und Alane ist Sun Is Shining bereits die achte Single, die ohne ein dazugehöriges Album veröffentlicht wurden. Ob es von Schulz demnächst ein viertes Studioalbum geben wird, steht aber weiterhin noch nicht fest. Doch lassen uns so sommerliche Songs, wie Sun Is Shining darüber hinwegsehen und Robin Schulz‘ neuen Song direkt wieder auf unsere Playlist setzen.

Washed Out - Time To Walk Away

Washed Out – Der Soundtrack für große Erinnerungen

Es klingt nach der Erinnerung, nach der wir uns alle sehnen. Ob es der Abschlussball, Albernheiten mit dem Partner machen, eine Hochzeit, eine Geburt, von den Klippen auf den Atlantik schauen oder den endlosen Küstenstraßen beim Sonnenuntergang folgen ist – all diese Momente und viele mehr bergen eine schier unbegrenzte Möglichkeit sich so reich an Liebe, Vertrauen, Zuneigung, Stärke oder Melancholie zu fühlen. Dabei sind es oftmals auch die Songs, die wir in diesen Momenten hören, die uns jedes Mal erneut – wenn der Song einmal läuft – zurück in diesen Augenblick katapultieren. Im Grunde weiss man vorher nicht, dass dieser Song einmal unverwechselbar mit einer Situation verbunden sein wird, an die wir uns immer wieder zurückerinnern werden. Doch was ist, wenn ein Song es ist, der dieses Gefühl transportiert – ohne, dass es so einen Moment bisher gab?

Washed Out - Purple Noon

Washed Out – Purple Noon

Mit Washed Outs neuester Single Time To Walk Away stehen wir gerade vor so einem Song. Mit der im April veröffentlichten Single Too Late hatte Washed Out eine neue Richtung eingeschlagen und sich schneller und poppiger präsentiert. Nun ist mit Time To Walk Away die neueste Single da und zeigt, wie obsessiv sich Ernest Weatherly Greene Jr. in seiner Musik verlieren kann. Dabei ist es Washed Outs Anspruch, sich zwar mit neuen Klangideen weiterzuentwickeln, doch immer auch nach Washed Out zu klingen. Abschließend gibt Washed Out im Interview auch zu, dass seine Melodien oft eine Sehnsucht haben, die sich ziemlich melancholisch und traurig anfühlen kann – aber er habe das Gefühl, dass in seltenen Fällen dieselben Melodien gleichzeitig seltsam erhebend und hoffnungsvoll sein können. Dieses Erhabene greift zu 100 Prozent auf den Hörer über und erzeugt das Gefühl in einem Moment zu stecken, der so einzigartig ist, dass man ihn nur mit einem euphorisch aber entspannten Synthiesound untermalen kann. Time To Walk Away ist ein Song für die Erinnerung und gleichzeitig baut er selbst Momente auf, an die man sich gerne erinnern möchte. Time To Walk Away wird sich auf Washed Outs viertem Studioalbum Purple Noon befinden, das am 7. August veröffentlicht wird.

James Blake - Are You Even Real?

James Blake – Das Bindeglied zwischen damals und heute

Nach dem Ausflug in den R&B, Hip-Hop und Pop mit seinem vierten Studioalbum Assume Form, bietet uns der Brite James Blake nun mit seiner neuesten Single wieder einen Sound an, der sich wieder mehr auf den Künstler Blake zu fokussieren scheint. Dabei haben alle seine bisherigen Albumveröffentlichungen eine unterschiedliche Musikrichtung eingeschlagen. War es erst das Debütalbum James Blake, welches zum weltweiten Kritikerliebling wurde und mit einem modern-nostalgischen Mix aus Post-Dubstep und experimenteller Elektro begeisterte, machte sein Zweitling Overgrown bereits zaghafte Gehversuche im R&B. Auf seinem dritten Album The Colour In Anything, welches von Rick Rubin, Justin Vernon (Bon Iver) und Blake produziert wurde, ging es wieder deutlich zurückhaltender zu und wirkte mit Singles, wie Modern Soul und My Willing Heart fast schon ausschließend. Jedoch verband alle Alben eine Intimität, die Blake durch seinen fragilen Gesang bestimmte. Auf seinem letzte Album Assume Form waren jedoch zuletzt eher die Stimmen von Gast-Acts, wie RZA, Travis Scott, Rosalía, André 3000 oder Moses Sumney zu hören.

James Blake

James Blake

Knapp ein Jahr, nach diesem Album veröffentlicht Blake nun mit Are You Even Real? bereits seine zweite neue Single, die aktuell als Stand-Alone-Song veröffentlicht wird. Dabei hat sich der Musiker und Produzent zwei der aktuell renommiertesten Songwriterinnen dazugeholt. Starrah – die bürgerlich Brittany Talia Hazzard heisst und in Los Angeles lebt – hat die Nummer 1 Hits Havana von Camila Cabello und Girls Like You von Maroon 5 geschrieben. Aber auch Acts, wie Rihanna, Madonna, Major Lazer, Calvin Harris, Beyoncé, The Weeknd, Katy Perry oder Drake haben Songs der 30-Jährigen veröffentlicht. Doch Starrah ist nicht nur als Songwriterin beliebt, sondern auch als Featuring-Act, wie bei The Weeknd, Big Sean, G-Eazy oder Halsey. Als zweite Songwriterin ist die ebenfalls 30-jährige Künstlerin Alexandra Tamposi dabei, die sich musikalisch deutlich breiter aufstellt. Denn mit Songwritings für Kelly Clarkson, One Direction, Avicii, Nickelback, BTS, Jake Bugg, Ozzy Osbourne oder Blink-182 gibt es so gut wie kein Genre, welches die in Florida lebende Songwriterin nicht bedient. Zusammen haben Tamposi, Starrah und Blake eine Song veröffentlicht, der sich wie ein Traum anfühlt. Sanfte Synthies, warme Bässe und ein roher Gesang Blakes, der sich immer wieder in Wiederholungen zu verlieren scheint. Dabei leuchtet Blake mit einem R&B-lastigen Gesamtsound auf, der sich mit Geigen ins Melodramatische absetzt. Mit Are You Even Real? ist Blake wieder deutlich mehr zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, ohne den soulig, modernen Weg der vergangenen Jahre auszublenden. Damit funktioniert Are You Even Real? sowohl als Liebessong, als auch an stickig heißen Sommertagen auf einer Decke am Wasser liegend.

Julianna Barwick feat. Jónsi - In Light

Julianna Barwick feat. Jónsi – Wie ein Papierschiff im reißenden Bergbach

Die Magie geht weiter. So könnte man diesen Beitrag nach dem gestrigen von Markéta Irglová und Emiliana Torrini mit ihrem Song Quintessence betiteln. Denn auch heute präsentiert SOML eine Kollaboration von zwei so großartigen Musizierenden, dass man schon jetzt förmlich ins Schwärmen kommt. Auf In Light treffen sich keine Geringeren, als die amerikanische Musikerin Julianna Barwick und der isländische Kopf der Band Sigur Rós – Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi. Barwick ist über die vergangenen zehn Jahre durch ihren Sound immer bekannter geworden. Dieser setzt sich aus losen Gesangsfetzen und einer Musikkomposition zusammen, die durch den Einsatz einer Loop-Station umrahmt wird. Dabei nutzt Barwick die Loop-Station so gekonnt, dass sich fast schon eine Art musikalischer Sturm entfaltet und im Surroundsound erst so richtig aufgeht. Nach ihren Alben The Magic Place (2011), Nepenthe (2013) und Will (2016) steht nun für den 10. Juli ihr viertes Studioalbum Healing Is A Miracle an. Inspiriert vom Heilungsprozess, in den der Mensch sich selbst versetzen kann, kommt es auf den Songs zu großen cineastischen Momenten voller Gefühl und lebendigen Bildern. Auf ihrer neuen Single In Light wird Barwick von Jónsi begleitet, der gerade selbst vor der Veröffentlichung eines neuen Soloalbums steht und mit seinem zarten, introvertierten und zerbrechlichen Gesang für eine Stimmung sorgt, die immer wieder aufs Neue berührt.

Auf Healing Is A Miracle arbeitete Barwick mit dem Produzenten und Jónsis Lebenspartner Alex Somers zusammen, der ihr für dieses Album Monitorboxen schenkte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Ambient-Musikerin all ihre Songs ausschließlich mit Kopfhörern aufgezeichnet. Mit der neuen Erfahrung, ihre Musik auf Lautsprechern – und damit den Raum füllend – zu hören, kam es bei der Sängerin zu einem ganz neuen Erlebnis ihrer Musik. Hinzu kommt, dass für Barwick ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen ist, mit Jónsi zusammen einen Song einzuspielen. Herausgekommen ist ein sechsminütiger Track, in dem sich nicht nur die verschiedenen Einflüsse der beiden Musizierenden widerspiegelt, sondern auch das einzigartige Gefühl, welches die Beiden immer wieder so wunderbar transportieren können. Mit langsamen Perkussions, wiederholenden Gesangsfetzen und einem aufbauenden, allumfassenden Sound, ist In Light so warm, groß und zugleich klein, dass man sich ergriffen und gleichermaßen bestärkt fühlt. Als würde ein Papierschiff in den reißenden Fluten eines Bergbachs die Oberhand behalten, fließt In Light förmlich durch enge Passagen voller Geröll um anschließend sanft durch weite, ruhige Bachläufe zu gleiten. Mit ihrem, am 10. Juli erscheinenden, neuem Album werden wir hoffentlich noch weitere solcher großartigen Songs hören.

San Cisco - On The Line

San Cisco – Mit frischer Musik dem Lockdown ade sagen

Die australische Band San Cisco ist äußerst umtriebig. Scheint es doch, als würde die Band ununterbrochen neue Musik veröffentlichen. Doch, auch wenn seit ihrem Debütalbum San Cisco (2012) mit Gracetown (2015) und The Water (2017) erst zwei weitere Alben folgten, hat die – mittlerweile zum Trio zusammengeschrumpfte – Band auch durch ihre EPs Golden Revolver (2011), Awkward (2012) und Flaws (2020) für einen ständigen Output gesorgt. Dabei zeigen die Singles aus den Alben von Gracetown (Run), The Water (SloMo) und der letzten EP Flaws (Reasons) die volle Bandbreite der Band. Ob mit Indie-Beats voller Synthies oder treibenden Folksongs – San Cisco sorgen dafür, dass wir mitsingen und -tanzen können. Nun haben Scarlett Stevens (Schlagzeug), Joshua Biondilla (Gitarre) und Leadsinger Jordi Davieson mit On The Line die erste Single des kommenden, vierten Studioalbums veröffentlicht. Dabei zeigt sich einmal mehr, wie sich das Trio förmlich die Gesangsparts untereinander aufteilt und dadurch eine fast schon lockere Konversation entstehen lässt. Gleichzeitig besingen San Cisco auf On The Line die Tücken einer Liebe und den daraus entstehenden Aufs und Abs. So sagt Davieson über die neue Single: Wo ziehst Du die Grenzen? Wann ziehst Du den Stecker? Woher weisst Du, ob es den Aufwand wert ist? Hebst Du die Scherben auf und fängst was Neues an? Oder hältst Du durch für eine weitere Runde Romantik? Das Spiel der Liebe ist nie leicht zu spielen. Dabei könnte der Sound nicht weiter weg vom Songtext sein. Mit Sätzen, wie too broken too fix. But you don’t wanna give up on this … Could you love me. One more time? und dem lockeren, frischen Sound haben sich San Cisco ein regelrechtes Markenzeichen geschaffen – ist doch der Großteil ihrer Songs so aufgebaut. Mit lockeren Gitarren, den lässigen Gesangsparts der Drei und dem unglaublich eingängigen Refrain bohren sich die Australier in den Kopf und drehen dabei lustig ihre Runden, bis wir dem Song gänzlich verfallen sind. In ihrem dazugehörigen Musikvideo trafen die Drei das erste Mal, nach Monaten des Brot backens oder endlosen daddelns – und dem von der Pandemie bedingten Social Distancing – wieder aufeinander und waren sichtlich erfreut, wieder zusammen zu musizieren. On The Line ist der perfekte Song, um sich das erste Mal wieder mit Freunden – wie im Video zu sehen mit 1,50 Meter Abstand – zu treffen und gemeinsam den Frühling und Sommer zu genießen. Hat die Band eine baldige Veröffentlichung des neuen Albums angekündigt, sollen sich auch alle vier Songs der – im Frühjahr veröffentlichten – EP Flaws auf dem neuen Album wiederfinden.

Two Door Cinema Club - Tiptoes

Two Door Cinema Club – Ein wenig Nostalgie

Vor knapp einem Jahr erst veröffentlichte das Nordirische Trio Two Door Cinema Club mit False Alarm ihr viertes Studioalbum und näherte sich wieder mehr dem Sound der frühen Jahre an. Mit dem dritten Album Gameshow (2016) schien schließlich doch einiges an Glas zerbrochen zu sein zwischen den Fans und er Band. Dabei ging es mit dem Debütalbum Tourist History (2010) erst steil bergauf und sorgte für absolute Gassenhauer, wie Something Good Can WorkI Can Talk und Undercover Martyn und mündete in top Platzierungen mit ihrem zweiten Album Beacon (2012). Ihr letztjähriges Album False Alarm erreichte mit Platz 28 nicht nur die schlechteste Chartplatzierung bisher, sondern konnte auch keine einzige Singleauskopplung in den Charts platzieren. Nun haben Frontsänger Alex Trimble, Gitarrist Kevin Baird und Bassist Sam Halliday allerdings in der Mottenkiste gekramt und mit der EP Lost Songs (Found) am gestrigen Freitag eine Platte voll mit Raritäten veröffentlicht. Mit dabei ist nicht nur eine Demoversion eines ihrer größten Hits Something Good Can Work, sondern auch der Song Tiptoes, den das Trio nun als Singleauskopplung veröffentlicht hat. Weitere B-Seiten aus der Zeit des Debütalbums wurden bisher entweder überhaupt noch nicht live gespielt, oder nur einmal auf einem Konzert in York. Tiptoes beginnt dabei mit einem ungewöhnlich harten Elektrobeat, der sich jedoch schnell in den typischen Gitarrensounds der Band auflöst und sofort zeigt, warum man sich einst so in die Musik der Band verliebt hatte. Dabei sollte Tiptoes eigentlich sogar auf dem Debütalbum landen, kam jedoch – aus Zeitmangel – nicht über eine Demoversion hinaus. Dabei hört man Tiptoes den charakteristischen Sound zum Ausrasten auf einem Konzert oder Festival an und fragt sich ungläubig, warum der Song es nie auf ein Album geschafft hat. Nun haben Two Door Cinema Club dem Song die Ehre erwiesen und uns eine EP geschenkt, die voll von Liedern ist, die aus der frühen Zeit der Nordirischen Band stammt. Tiptoes ruft uns unterdessen wieder auf die Tanzfläche und lässt uns ausflippen, als wäre es 2010.

Khruangbin - So We Won't Forget

Khruangbin – Dem Vergessen entgegenwirken

Es ist der perfekte Song für eine lange Autofahrt im Frühling, den Khruangbin gerade rausgebracht haben. Erst Anfang Februar veröffentlichte das texanische Trio mit Texas Sun eine EP, die ordentlich Wellen schlug. Denn zusammen mit Leon Bridges verzauberte die EP nicht nur durch den gleichnamigen Titelsong, sondern vor allem durch einen verträumten Südstaaten-Rock. Nun zeigen Laura Lee, Mark Speer und Donald Johnson mit ihrer neuen Single So We Won’t Forget und der Ankündigung ihres vierten Albums Mordechai für den 26. Juni, dass sie produktiver denn je sind. Denn ist es kaum ein Jahr her, dass das Trio mit Hasta El Cielo ihr letztes Album veröffentlichten. Doch auf Mordechai ist alles etwas anders, denn hier hat sich die US-Amerikanische Band dazu entschieden, erstmals auch gesanglich aktiv zu werden. So ziert die Stimme von Bassistin Laura Lee die zehn Songs des neuen Albums und umspannt das Album satte 14 Sprachen, wie die Band mitteilt. Auf So We Won’t Forget trifft ihr Musikstil – der vormals aus Elementen, wie Funk, Soul, Rock und elektronischen Einflüssen bestand – auf Dreampop und nimmt uns mit in eine Welt, die sich an Erinnerungen klammert, um die darin enthaltenen Momente nicht zu vergessen. Denn, dass dies auch wichtig ist, um seine eigene Geschichte erzählen zu können, zeigt das von Scott Dungate (unter anderem für großartige Honda- und Nokia-Werbeclips verantwortlich zeichnend) produzierte Musikvideo, in dem sich ein Vater dagegen wehrt, seine verstorbene Tochter zu vergessen. Mit den verträumt gesungenen Songzeilen Ooooo… One to remember. Writing it down now. So we won’t forget. Ooooo… Never enough paper. Never enough letters. So we won’t forget. lädt uns Khruangbin dazu ein, sich in Erinnerungen zu verlieren. Und so könnte So We Won’t Forget nicht passender für einen Roadtrip sein, der ins über Landstraßen durch die blühenden Rapsfelder und satten, grünen Wälder treibt. Khruangbin sind der unaufgeregteste Hype, denn es seit der Beach House Single Myth gegeben hat und lässt von mehr solcher verzaubernden Songs träumen.