Noah Gundersen - Lose You

Noah Gundersen – Ein neuer Mensch

Als der amerikanische Sänger/Songwriter vor fast genau vier Jahren im Berliner Privatclub die Bühne betrat, war es wie ein weisses Blatt Papier. Sowohl der Name, als auch seine Songs waren gänzlich unbekannt und die Überraschung umso größer, als das Konzert seinen Lauf nahm. Damals noch mit langen Haaren singend, hat sich Gundersen im Verlauf der Zeit deutlich gewandelt. So steht er heute mit kurzen, blond gefärbten Haaren und sichtbaren Tattoos vor dem Publikum und singt so wunderbare Songs, wie seine neueste Veröffentlichung Lose You. Diese kommt von Gundersens viertem Album Lover und zeigt den Sänger angekommen. Angekommen in einer Welt, die für den Musiker so viel bereithält und die Inspiration für neue Songs gibt. Auf der dazugehörigen Tour spielte Gundersen innerhalb von zwei Monaten 40 Shows und war danach völlig energielos – so beschreibt Gundersen in einem Post die Tage nach dem Tourfinale. Mit der nun ausgekoppelten Single Lose You hat Gundersen gestern auch ein passendes Musikvideo veröffentlicht. Dieses untermalt die gewaltige Wärme, die der Song durch seine zurückhaltende Art besitzt, die im Verlaufe des Songs als Emotion ausbricht und zu einem satten Liebessong voller Energie wird. Gundersen klingt mit seinen 30 Jahren unglaublich reif und transportiert eine Phase der Liebe, die von Freude, Vertrauen, Verläss

lichkeit und einem Kampf erzählt, der eine Beziehung retten soll. Lose You ist ein so wunderbarer Song, dass man sich fast wünscht, von Gundersen gerettet zu werden.

Christian Löffler - Versailles (Hold)

Christian Löffler – Vom Abschied und Aufbruch

Mit Like Water hatte der Rostocker Produzent Christian Löffler diesen Mai für einen so wunderschönen Elektrosong gesorgt, dass man gar nicht wusste, wohin mit den daraus erwachenden Gefühlen. Gleichzeitig veröffentlichte Löffler mit Graal (Prologue) sein drittes Album. Doch nach dem Album ist vor dem Album und so hat Löffler mit Lys bereits das vierte Album für März 2020 angekündigt und mit Versailles (Hold) gleich noch eine neue Single drangehängt. Darauf geht der Produzent wieder mehr nach vorne und lässt durch seinen rauschend, treibenden Housebeat ein Klangbett der Geborgenheit entstehen. In Verbindung mit einem verträumten Gesang und frickelig kalten Phasen erzählt der Song die Geschichte vom Abschied nehmen von Gedanken und Erinnerungen, die unwiderruflich gegangen sind. Aber auch vom Aufbruch und dem Finden von Mut und Stärke. Löffler hat damit einmal mehr gezeigt, wie sehr seine Musik durch Gefühle und Gedanken geprägt ist und holt uns genau dort ein ums andere Mal wieder ab.

Digitalism - jpeg

Digitalism – Steigen in neue Sphären auf

Seit gut 20 Jahren begleitet uns das Hamburger Duo Digitalism bereits mit seinem Crossover aus Elektro-, Rock- und Indiesound und ist mit Songs wie Idealistic (2007), 2 Hearts und Zdarlight (2011) oder auch der Zusammenarbeit mit Youngblood Hawke auf Wolves (2014) immer wieder äussert erfolgreich gewesen. Mit ihrem – am kommenden Freitag – erscheinenden Album jpeg haben sich Jens Moelle und İsmail Tüfekçi wieder mehr zum sphärischen Housesound hinbewegt und die Gesänge etwas in den Hintergrund gesetzt. Mit der dazugehörigen Single Panavision zeigen sie nun auch, wie sich das ganze anhört und laden uns gleich zu Beginn in ein chaotisches Soundwirrwarr ein, ehe nach anderthalb Minuten der Beat einsetzt und der Clubmoment beginnen kann. Dabei setzt sich Panavision aus French-House Elementen und späteren – vor allem aus der australischen Clubszene kommenden – Housebeats zusammen und erinnert mit seiner Euphorie sogar an DJ Kozes letztes Album Knock Knock. Digitalism veröffentlichen damit ein Album, welches die Energie der Nacht in gebündelter Form wiedergibt und zum absoluten Clubsoundtrack wird.

Al Pride - Sober By Tomorrow

Al Pride – Melancholischer Optimismus

Es heißt, dass ihr viertes Studioalbum, welches für 2020 angekündigt ist, optimistischer sein soll und weniger melancholisch. Dabei hat die Schweizer Band Al Pride gerade in diesem Sektor eine grandiose Auswahl an großartigen Songs zu bieten. Um einen Eindruck von den neuen Songs zu erhalten, ohne auf das kommende Album warten zu müssen, haben uns Al Pride vor einigen Wochen mit einer Livesession einiger ihrer neuen Songs versorgt. Diese wurden dabei opulent eingespielt und glänzen durch nostalgische Gitarrenriffs, Trompeten und einem verträumt, traurigen Gesang. Mit dem Song Sober By Tomorrow haben sie all diese Elemente zusammengesetzt und einen wunderbar zum Winter passenden Song veröffentlicht, der von Heimeligkeit und Melancholie geprägt ist. Mit zarten Lyrics und einer behaglichen Produktion der Livesession zeigen uns Al Pride, was wir 2020 von ihnen erwarten können und freuen uns schon jetzt auf das neue Album.

Agnes Obel – Wie aus einer Fabelwelt

Berlin ist laut. Berlin ist schnell. Berlin ist aber vor allem auch ein Anziehungspunkt für den neuesten und heißesten Scheiß, denn es zu erleben gibt. Und in dieser urbanen Welt der Schnelllebigkeit, hat sich die Dänin Agnes Obel 2006 ihren Platz im Musikbusiness erarbeitet. Doch nicht etwa mit lauter Vereinnahmung – vielmehr hat Obel mit genau dem Gegenteil von sich Reden gemacht. Denn mit ihrer wunderbar, einnehmenden Klaviermusik hat es die Sängerin geschafft, einen ganz neuen Bereich zu bespielen. Mit Ihren drei bisher veröffentlichten Alben Philharmonics (2010), Aventine (2013) und Citizen Of Glass (2016) schaffte Obel es eine wahre Fabelwelt der Vorstellung zu erschaffen. Ob mit kleinen Trollen über die Wiese rennend, oder als eine romantische Situationsdarstellung fungierend, trifft uns die Stimme Obels immer wieder und reißt uns mit in die Welt der Träume. Auch mit ihrer neuen Single Island Of Doom zeigt uns die Sängerin, wie versiert sie mit dem Klavier umgehen kann und wie zart sie ihre Stimme einsetzt. Mit dem nächsten Album Myopia, dass am 21. Februar 2020 erscheinen wird, stellt sich die Sängerin der Frage, inwieweit sie ihrem eigenen Ich trauen kann und welche Entscheidungen und Urteile eventuell auch auf falschen Vermutungen fußen. Island Of Doom ist ein wahr gewordener Traum von zaghafter Sanftmut nach dem Wegfall von Liebe. Die Aufrichtigkeit der Zuneigung durchzieht jedes Wort, welches Obel singt und wirkt wie ein Heilungsprozess für die Seele. Agnes Obel bleibt in ihrer Intimität sehr nahe am Sound ihrer vorangegangenen Alben und zeigt doch, dass allein durch ihr Songwriting und die stimmlichen Nuancen, eine Weiterentwicklung ihres Sounds nicht durch eine Veränderung ihrer Musik geschehen muss.

Mumford & Sons - Blind Leading The Blind

Mumford & Sons – Lang gehegtes Geheimnis gelüftet

Mit Delta veröffentlichten Mumford & Sons 2018 ihr viertes Studioalbum und entfernten sich immer mehr vom Folksound der Anfangszeit. Nun haben die Londoner Jungs mit Blind Leading The Blind einen neuen Song veröffentlicht, den der Ein oder Andere auch schon auf den letzten Konzerten der Band gehört haben könnte. Denn Blind Leading The Blind schlummert bereits seit vier Jahren in der Schublade der Band. Einst für Delta geschrieben, reichte es letztlich nicht, um auf die Platte zu kommen. Doch verworfen haben ihn Marcus Mumford und der Rest der Band nie. So arbeiteten sie in den vergangenen Jahren immer wieder mal an dem Song und sind nun glücklich, ihn fertig zu haben und zu veröffentlichen. Auf Blind Leading The Blind erhält nun auch das Banjo wieder eine größere Bedeutung und zieht sich prominent durch den gesamten Song. Dabei kommen aber auch die neuen Sounds, die den Stadionsound auf Delta und dem 2015er Wilder Minds prägten, vor und sorgen für einen Energie, die für Mumford & Sons so typisch ist. Blind Leading The Blind ist das perfekte Bindeglied zwischen den von Folk geprägten Alben Sigh No More und Babel und dem Alternative- und Elektro-Rock Alben Wilder Mind und Delta und füllt eine Lücke, bei der wir vorher nicht wussten, dass es sie gibt, sie aber nun unsere Mumford & Sons Diskografie vervollständigt.

Bombay Bicycle Club - Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)

Bombay Bicycle Club – Nach halbem Jahrzehnt zurück

Als Band fünf Jahre keine neue Musik zu veröffentlichen, ist im Musikbusiness schon ein gewagter Schritt. Doch bei den Bombay Bicycle Clubs war es bitter nötig. So konnte man es 2014 zumindest lesen, als die Band mit dem Post After 10 years of doing this—and it being the only thing we’ve known since we were 16—we thought it was time for all of us to try something else das letzte Lebenszeichen – vor einer für fünf Jahre andauernden Stille – veröffentlichte. In der Zwischenzeit hatten Ed Nash, unter dem Alias Toothless, und Frontsänger Jack Steadman, unter dem Alias Mr. Jukes, jeweils Soloalben auf den Markt gebracht. Nun hat das Londoner Quartett seine Bandpause beendet und mit der Single Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) eine fulminante Comebacksingle veröffentlicht. Darin scheint es so, als würden die Briten den stetigen Wunsch er Fans Tribut zollen und gleichzeitig auch selbst in der Band gespürt haben, dass es Zeit wäre, wieder zusammenzukommen. Mit Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) machen die Bombay Bicycle Clubs dort weiter, wo sie 2014 mit ihrem vierten Studioalbum So Long, See You Tomorrow aufhörten. In einem Interview mit Annie Mac beschrieben die Jungs den neuen Song schließlich als eines der besten Gitarrenriffs, die sie jemals geschrieben hatten und wollen damit eine Art Back-To-Basic mit ihrem neuen Material signalisieren. Das fünfte Studioalbum ist für das Frühjahr 2020 angekündigt und so dürfen wir sicher sein, dass uns bis dahin nicht nur die wunderbare Single Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) begleiten wird.

Ed Sheeran feat. Yebba - Best Part Of Me

Ed Sheeran – Er kann es noch – intim und verletzlich

Was seinen Erfolg angeht, kann dem Briten Ed Sheeran aktuell keiner das Wasser reichen. Als momentan erfolgreichster Künstler weltweit wird jede seiner Veröffentlichungen zum Hit. Doch hat sich der Stil des Sängers in den letzten Jahren drastisch verändert. Vom Debütalbum + das aus Folksongs bestand, zum heutigen Elektropop und R&B hat Sheeran fast alle populären Genres einmal durch. Nun  – mit seinem vierten Album No.6 Collaborations Project setzt Sheeran noch einen drauf und arbeitet sich durch die Hip-Hop Szene der USA. Darauf enthalten sind Songs mit Künstlern wie Cardi B, Camila Cabello, Chance The Rapper, Eminem, 50 Cent, Skrillex oder Justin Bieber. Doch ein Song sticht besonders hervor und ist mit der Grammy-Award-Gewinnerin Yebba produziert – die in den letzten 12 Monaten durch ihre Zusammenarbeit mit Rudimental und Mark Ronson bereits ins Rampenlicht trat und bis dahin vorrangig als Songschreiberin tätig war. Nun hat sie zusammen mit Sheeran den Song Best Part Of Me veröffentlicht, der sich an der Musik des Debütalbums + orientiert und mit Folk und Akustik begeistert, wie wir sie seit der Single The A Team nicht mehr von dem Briten hörten. Bei dem unglaublichen Erfolg des Sängers ist es schön zu sehen, dass er nach wie vor mit allen Genres spielt und mit solche wunderbaren Songs wie Best Part Of Me überrascht.

The Asteroids Galaxy Tour - Dynamite

The Asteroids Galaxy Tour – Explosiv, wie Dynamit

Mit Around The Bend hatte das Dänische Psychedelic Popduo The Asteroids Galaxy Tour – alias Sängerin Mette Lindberg und Produzent Lars Iversen – 2008 einen satten Indiehit gelandet. Dabei wurden sie weltweit in den Clubs gespielt und begeisterten mit einem euphorisch, fröhlichen Popsound, der mal schräg war und mal einfach nur Partystimmung verbreitete. Nun, elf Jahre nach Around The Bend, veröffentlichen The Asteroids Galaxy Tour mit Dynamite bereits ihren fünften Song aus einem Album, welches nach fünf Jahren Pause, noch dieses Jahr erscheinen soll. Dabei ist Dynamite eine energiegeladene Pophymne, die mit Trompeten und 70er-Jahre-Funk aufwartet und so einen satten Ohrwurm in The Asteroids Galaxy Tour-Manier kreiert. So kündigten The Asteroids Galaxy Tour den Song letzte Woche dann auch mit dem kurzen Kommentar Die Trompeten sind zurück! an. Wann genau das vierte Album veröffentlicht wird, steht noch nicht fest. Doch nach fünf ausgekoppelten Songs, dürfte es sich nicht mehr all zu lange hinziehen. Wir sind gespannt und bleiben am Ball.

Caravan Palace - Plume

Caravan Palace – Gewohnt vielseitig

Caravan Palace haben diesen ganz bestimmten Stil – mit Electroswing, Jazz und Pop, Musik zu erzeugen, die ins Ohr geht und darüber hinaus stets frisch und locker klingt. Mit Miracle konnten wir uns dieses Frühjahr bereits vom ersten Vorboten des kommenden, vierten Albums Chronologic, überzeugen und verliebten uns sofort. Nun sind Caravan Palace, um Frontsängerin Zoé Colotis, mit einer weiteren Singleauskopplung zurück, ehe am 30. August Chronologic in den Läden steht. Plume ist dabei eine Verschmelzung aus Spiritualität – hört man auf den Songtext, wird dies schnell klar – und tanzbaren Klängen. Herausgekommen ist ein hüpfender Beat, der durch Colotis‘ verträumten Gesang zu einer Art Gegenpol anschwillt. Hierbei wird man als Hörer zwischen der Tanzfläche und einem verträumten-auf-dem-Sofa-liegen-Moment hin- und hergerissen, doch entscheidet sich am Ende immer wieder für das, wofür Caravan Palace stehen – einen unglaublich tanzbaren und Freude-weckenden Sound zu kreieren.