Vor einem Jahr haben Depeche Mode mit Memento Mori ihr fünfzehntes Studioalbum veröffentlicht. Damals kam als Lead Single Ghosts Again raus. Nun, ein Jahr später, folgt mit People Are Good die siebte Singleauskopplung. Hier haben sich Depeche Mode etwas ganz besonderes überlegt und legen ein Musikvideo vor, dass uns den Spiegel vorhält – sofern wir es denn zulassen. Denn während People Are Good mit einem schweren treibenden Synth-Sound vor sich hin köchelt und immer einen kurz vor dem Ausbruch bestehenden Drop suggeriert, hat sich das Duo im Musikvideo überlegt, wie man die aktuelle Gesellschaft am Besten darstellen kann. Im Falle von People Are Good sehen wir Szenen von prügelnden Gruppen, wir sehen Menschen, die ein Paar an ihrem Auto überfallen, Rocker, die an einem Tisch Da Vincis Abendmahl nachstellen und ein Frau, die Nachts am Hafen eine Leiche verscharren will. All diese Szenen wechseln sich in schnellen Schnittfolgen ab, die in sich allerdings oftmals in Zeitlupe dargestellt werden. So wird schnell ausgemacht, wer die Guten und wer die Bösen sind – scheint es.

Doch plötzlich ändern sich die Positionen, wird eine Hand der Person gereicht, die in der prügelnden Gruppe zu Boden gefallen ist, küssen sich die Rocker und greift beim Überfall jemand ein Notfalltasche. Nur wenige Szenen weiter lösen sich schließlich die Szenen auf und zeigen anstatt einer prügelnden Gruppe, feiernde Menschen, die sich gegenseitig animieren, sehen wir eine Hochzeit einer Männerliebe, wird der Epipen gezückt und dem vermeintlich Überfallenen in den Oberschenkel gerammt. Es scheint, als wollen uns Depeche Mode zeigen, wie die Urteilsbildung heute von Bildern und den in Szene gesetzten Situationen genutzt werden kann, um uns eine Wahrheit zu verkaufen, die so gar nicht existiert. Was ist der Hintergrund dieser Bilder, was passierte zuvor, was danach? Diese Fragen sollten wir uns immer wieder stellen – vor allem in Zeiten der medialen Flut an Kurzvideos auf Instagram, TikTok oder Facebook. Depeche Mode präsentieren mit People Are Good einen Song, der sich einmal mehr politisch und gesellschaftskritisch zeigt und dabei zwar gewohnt dunkel und nach Dark Wave klingt, allerdings auch mit modernem Bass und Synthies begeistert. Es gleicht einer Geschichte, die sich mal gespenstisch, mal mystisch und dann wieder ekstatisch anfühlt. Depeche Mode werden nicht müde, ihre Songs werden es auch nicht und so reichen uns Dave Gahan und Martin Gore immer wieder neue Songs, die ankommen.