In den letzten Jahren hat das Nordirische Trio Two Door Cinema Club einige Höhen und Tiefen durchlaufen. Hat das Trio mit seinem vierten Studioalbum False Alarm 2019 mit Platz 28 als Höchstposition in den britischen Albumcharts ihre bisher schlechteste Chartplatzierung eingefahren, sollte das fünfte Album Keep On Smiling (2022) gar nicht erst der Einstieg in die Charts weltweit gelingen. Dass dies allerdings nichts mit der Relevanz oder dem Sound der Band zu tun hat, zeigt ein zweiter Blick auf die Gründe. Denn mit Keep On Smiling protestierten die Nordieren gegen die zunehmende Bedeutungslosigkeit der Musikcharts auf den britischen Inseln. Wie auch in Deutschland, werden Alben, die als Box-Sets mit T-Shirts, Stickern, aufwändigen Vinyl-Pressungen oder ähnlichem angeboten werden, anders gewertet und gelangen dadurch in der ersten Chartwoche ganz nach oben in den Charts, ehe sie in Woche 2 mitunter gänzlich aus den Charts fliegen. Dass der Weg der Nordiren dabei doch recht drastisch war, zeigt sich darin, dass Sänger Alex Trimble, Bassist Kevin Baird und Gitarrist Sam Halliday die Master-Aufnahmen des Albums Keep On Smiling verbrannten, damit es auch zu keinem späteren Zeitpunkt für eine Vermarktung verwendet werden kann. Nachdem die Band ihre 2022er Europatour wegen einer Autoimmunerkrankung Bairds absagen mussten, veröffentlichten sie Ende September 2023 mit Sure Enough einen ersten neuen Song. Auffallend dabei war, dass die Stimme von Trimble und er Sound des Songs starke Ähnlichkeiten zu Sam Fender Songs besitzt. Nun hat das Trio mit Happy Customer einen weiteren neuen Song veröffentlicht, der sich in die Ära der von Gitarren getriebenen Songs einreiht.

Mit einem für Two Door Cinema Club typischen Fender Gitarrensound gehen sie hier zwar nicht das Tempo der Anfangsjahre ein, zeigen allerdings dennoch deutliche Parallelen zu den Alben Tourist History (2010) und Beacon (2012). So sagt die Band in einem Interview mit dem NME Magazin dann auch über den neuen Song; Es fühlt sich so an, als wären wir mit dem hyperproduzierten Hi-Fi-Zeug durch. Hier ging es nun nur darum, etwas Einfacheres zu tun. Die Dinge, die uns im Moment begeistern, sind große Riffs mit High-Tempo-Elektro-Elementen. Anscheinend ist das wieder cool, der alte Indie-Sleaze, aber das kam bei uns ganz natürlich. Es ist nicht so, als hätten wir Tracks irgendwo reingezwängt, wenn sie nicht wie Two Door Cinema Club aus 2010 klingen. Happy Customer ist immer noch ganz anders als das, was wir vor 17 Jahren getan hätten. Die Texte sind augenzwinkernd und kontrastieren die Happy-Go-Lucky-Natur der Musik, die sehr stark Teil der modernen Two Door Cinema Club DNA ist, so Bassist Baird. Nach der Entwicklung in den vergangenen Jahren lassen Two Door Cinema Club aktuell allerdings keine Hoffnung auf ein neues Album aufkommen. Im Moment sehen wir nur, was passiert. Wir haben gerade Ideen zwischen uns dreien geteilt und aufgenommen, was sich am aufregendsten anfühlt. So haben wir die Band damals gegründet. Doch innerhalb weniger Jahre änderte sich das und verbrachten wir zwei Monate damit, ein Album aufzunehmen, nachdem wir sechs Monate damit verbracht hatten, darüber zu sprechen. Es ist sehr befreiend, Singles wie diese veröffentlichen zu können. Unsere neuen Songs sind immer unsere Favorit, also ist es gut, diese Songs den Fans so schnell wie möglich zugänglich zu machen, so Gitarrist Halliday. Doch auch ohne Album bleiben die Songs der Indie-Helden große Bretter und liefern jedes Mal aufs Neue einen Moment der Indie-Hochzeit ab.