Noah Gundersen – Konzertkritik

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Es zeigt sich immer wieder, dass die vielleicht besten Konzerte die sind, zu denen man einfach mitgeht. Mit, zu einem Künstler, den man vorher noch nie gehört hatte, von dem man nicht einmal wusste, dass es ihn gibt. Denn so entstehen im Vorfeld keine Erwartung. Kein Lied, auf das man sich ein ganzes Konzert hinsehnt. Man ist einfach offen und nimmt alles auf. Genau das beschreibt den vergangenen Freitagabend im Berliner Privatclub, als der aus der Nähe von Seattle kommende Noah Gundersen ganz unprätentiös die Bühne betrat.
Dachte man im ersten Moment noch, dass es einer der Roadies sein könnte, wurde mit einsetzen des Applauses klar – jetzt geht’s los.
Da saß nun also ein gut gebauter Mittzwanziger, mit seinen langen, schwarzen Haaren und setzte sich auf einen Barhocker. Mit auf der Bühne – nichts weiter als seine Gitarre, ein Mikrofonständer, zwei Monitoringboxen und ein kleiner Beistelltisch mit einem Glas Wasser (das fast gänzlich unangerührt bleiben sollte) und einem Barglas, gefüllt mit einem goldbraunen Getränk, an dem er immer wieder nippte. Das alles stand auf einem rund 1,5 x 2 Meter großem Teppich. Um Gundersen herum gab es viel Raum, der nur durch den roten Vorhang am Rand der Bühne begrenzt wurde.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

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Er wirkte schüchtern. Nicht, wie ein Sänger, der bereits zwei Alben und vier EP’s veröffentlicht hat. Und so saß er auf seinem Hocker und stimmte ‚Halo (Disappear/Reappear)‘ an. Einem langsam intensiver werdenden Song, bei dem einen das Herz aufging. Schloß man die Augen, kam einem immer wieder ein Name in den Sinn – David Gray. Klingt Noah Gundersen doch stimmlich und auch von seinem Sound fast wie eine junge Version des britischen Sängers.
Mit ‚Boathouse‘, ‚Nashville‘ und First Defeat‘ sang er sich dann auch mehr und mehr ein. Wobei auffiel, dass sich oftmals die Stimmungen und Worte seiner Songs nicht mit seiner Gesichtsmimik und seinem Auftreten verbinden ließen. So kam es einem anfangs hier und da vor, als würde er die Erzählerrolle übernehmen, ohne das Gesprochene bewerten zu wollen. Dies sollte sich durch den ganzen Abend ziehen und nur zögerlich verschwinden. Mit jedem weiteren Song wurde Gundersen dann auch mutiger und begann mit dem Publikum zu agieren und ihnen Fragen zu stellen. So plauderte man über die unterschiedlichen Küchen in Großbritannien, Spanien und Deutschland und darüber, dass der erste Song, denn Gundersen nach seiner Ankunft in Berlin, in einem Taxi hörte, ‚Born In The USA‘ von Bruce Springsteen war. Zuvor spielte er dann auch passend von Springsteen ‚Dancing In The Dark‘ und stellte Springsteen kurz als eine kleine Indiegröße aus den USA vor, die vielleicht der ein oder andere kennen könnte.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Mit ‚Young In The City‘, ‚Family‘ und ‚David‘ folgten drei ebenso tief-akustische Songs, ehe eine theoretische Version des Zugabeprozederes durchgespielt wurde und er dem Publiklum sagte, dass er jetzt nicht von der Bühne gehen werde und darauf warten würde, dass der Applaus unendlich lange gehen würde, um schließlich wieder auf die Bühne zu kommen. Dies war so erfrischend wie in der Konzertwelt lange überfällig. Wird doch die Zugabe heute bereits als fester Teil und Schauspiel über alle Genres greifend derart zelebriert, dass man es mittlerweile schon fast als störend empfindet.
So folgten ‚Cigarettes‘ und ‚Poor Man’s Son‘ als letzte Songs ehe Gundersen die Bühne verließ und im Publikum genauso unterging wie er aus diesem zu Beginn heraus schritt.
Gundersens Songs sind gleichmäßig, intensiv und gefühlvoll und unterscheiden sich nicht großartig voneinander. Doch wer mag schon ein Buch lesen, in dem auf jeder Seite eine komplett neue Geschichte geschrieben steht?! Wer auf tiefen Singer/Songwriter Sound steht, ist bei Noah Gundersen zu 100% richtig und kann sich durch ein umfangreiches Repertoire hören.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

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4 Kommentare

  1. Noah Gundersen ist ein fabelhafter Sänger, der auch die Nähe zum Publikum nicht scheut. Seine Songs sind zum Teil ähnlich, zum Teil aber auch abwechslungsreich, das Gitarrenspiel sehr gekonnt und er singt mit soviel Gefühl, dass es eine Freude ist ihm zuzuhören. Keine Riesenshow, sondern einfach nur ein Mikro und eine Gitarre. Ein Muss für jeden, der auf handgemachte Musik steht. Das Konzert im Berliner Privatclub war großartig und hätte für meinen Geschmack noch Stunden gehen können. Er hat sich für jeden Fan nach dem Konzert Zeit genommen für Fotos, Autogramme und Fragen. Selbst beim Bier an der Bar nach dem Konzert, konnte man ihn ansprechen.Was mich überrascht hat, dass viele ihn gar nicht kannten. Danke Noah für einen tollen Abend. Ich hoffe du kommst bald wieder nach Deutschland und verwöhnst unsere Ohren mit deinen schönen Songs. Dafür fahre ich gern wieder durch halb Deutschland.

    • Hallo Ines, ich selbst kannte ihn vorher auch nicht und war überrascht, dass er schon so lange Musik macht. Du hast vollkommen recht mit, das Konzert war wirklich wunderbar und er war sehr bodenständig.

      • Hallo Marten, ich freue mich, dass es noch jemandem so gut gefallen hat. Leider ist Noah weltweit noch nicht bekannt genug, um bald wieder nach Deutschland zu kommen. Aber wenn es ein Konzert gibt, bin ich mit Sicherheit wieder dabei. Wen ich dir auch noch empfehlen kann ist Joshua James. Hör ihn dir mal an. Liebe Grüße Ines

  2. Hallo Marten, ich kannte ihn bereits. Deswegen hatte ich mir eine Karte gekauft. Nach dem Konzert habe allerdings noch Leute kennengelernt, die ihn nicht kannten und auch sehr begeistert waren. Ich denke, beim nächsten Mal reicht der Privat-Club vielleicht nicht mehr aus. LG

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