David Gray – Und plötzlich klingt er glücklich

Mit großen Songs wie BabylonSail AwayDraw The Line oder Fugitive hat der britische Musiker David Gray in den vergangenen 26 Jahren mehrere Generationen geprägt. Schallt heute durch die Supermarktlautsprecher auf den britischen Inseln einer seiner Songs, singen die Kunden ungeniert, laut und fröhlich mit. Dabei ist Gray jemand, der seine Musik für sich selbst stehen lässt. Hier werden keine Promotionräder angekurbelt und gibt es über Gray selbst recht wenig zu berichten. Dies liegt auch daran, dass sich der Singer/Songwriter stets voll auf seine Musik konzentriert und damit die typisch Greysche Melancholie erzeugt. Doch gerade diese ist auf der neuen Single A Tight Ship plötzlich wie weggeblasen. Dabei stellte die zweite Singleauskopplung aus seinem, im März erscheinenden, Album Gold in a Brass Age einen großen Unterschied zu seinen bisher veröffentlichten Singles dar. Hier besteht das Gesamtbild aus melodischen und eher fröhlichen Soundteppichen, in denen Grey seine Stimme deutlich weicher als sonst erklingen lässt. Weg ist die schwere, kratzige Stimme. Gekommen ist ein falsettähnliche Stimmlage und ein durchproduziertes Klangbett. Damit legt Gray musikalisch einen Zahn zu und zeigt sich auf A Tight Ship mit seinen 50 Jahren frischer und probierfreudiger denn je.

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Dermot Kennedy – Beängstigend kräftig

Es braucht keine 60 Sekunden, bis uns der Songs Young & Free packt und einen betroffenen Schauder über den Rücken laufen lässt. So emotional, so kräftig und drückend singt der irische Singer/Songwriter Dermot Kennedy seinen gerade veröffentlichten Song. Dabei begeistert Kennedy durch eine rauchig, raue Stimmefärbung und einen emotionalen Songtexte. Mit Vorbildern wie David Gray und Glen Hansard wuchs Kennedy auf und traf letzteren sogar bei Hansards alljährlichen Heiligabend-Streetgigs in Dublin. Dabei spielt Kennedy zusammen mit Hansard ein paar Minuten und schaffte es ein paar Jahre später sogar für einen Song auf die Bühne eines Hansard-Konzertes. Dass dieser Eindruck prägend sein sollte, hört man nun auf seiner neuen Single Young & Free, die so emotional und ruhig ist und letzte Woche veröffentlicht wurde. Dermot Kennedy ist damit ein Künstler den wir verfolgen und 2018 wohl noch so einiges zu hören bekommen werden.

Gløde – Von der Insel in die Welt

Gløde – As We Speak

 Ø – ein Buchstabe – nicht mehr. Zugegeben, ein sehr interessanter Buchstabe. Doch im dänischen ist das nicht nur ein Buchstabe, sondern auch ein Wort. Denn Ø  steht für Insel. Und gleichzeitig hat die Hamburger Band Gløde diese Insel in ihrer Mitte. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt der Name des Frontsänger, Simon Gløde, der aus Dänemark kommt und 2014 in Hamburg auf der Suche nach einer Band war. Dass diese Suche erfolgreich war, bestätigt das Facebook-Geburtsjahr der Band, das den 1. Juni 2016 angibt. Doch von der Entstehungsgeschichte abgesehen ist heute auch ein ganz besonderer Tag für Gløde. Denn heute kommt ihr Debütalbum Ø raus, welches so abwechslungsreich ist, wie nur wenige Alben dieses Jahr. Darauf enthalten sind Songs, der verschiedensten Genres. Haben wir mit der Debütsingle As We Speak einen wunderschönen und starken Alternativesong mit sanftem Schlagzeug, weichen Gitarren und Simon Glødes warmer Stimme, zeigt sich die Band auf Lady In A Dress mit einem gwissen Bezug zum Jazz. Bei Rose wiederum klingen Gløde in den lauten Momenten fast schon nach 80er-Jahre-Balladenrock. Dazwischen findet sich viel atmosphärischer Indie-Pop. Gløde zeigen beeindruckend, wie gut ein Debütalbum, von einer Band, die sich gerade mal vor gut einem Jahr gegründet hat, klingen kann. Glødes Stimme, die mal rauchig, mal glasklar klingt, hat viel von Künstlern wie Damien Rice und David Gray und auch die akustische Nähe zu diesen Künstlern lässt sich nicht ganz ablegen. Gløde sind spannend und haben mit Ø  ein Debütalbum veröffentlicht, dass neun Songs voller Abwechslung und Spannung hat und die sich beim Hörer in Neugier und Interesse verwandeln. Mit dem starken Opener As We Speak blasen sie so zum Angriff. Stark, intensiv und frisch – eine Insel voller musikalischer Vielfalt – das ist Ø von Gløde.

Seafret – Mit einer Mischung aus David Gray und Foals

Seafret - Blank You Out

Seafret – Blank You Out

Vor einem Jahr hatte das britische Duo Seafret die Single Wildfire veröffentlicht und damit für Begeisterungsstürme gesorgt. War doch sowohl das Video, als auch der Song von einer ganz besonders intimen Atmosphäre geprägt. Nun ist mit Blank You Out die erste Single des neuen Albums veröffentlicht und lässt an emotionaler Soundgewalt nichts aus. Waren ihre bisherigen Veröffentlichungen eher ruhig kommt mit Blank You Out nun ein Song raus, der eine Größe und Direktheit erreicht, die man sich vorher nicht vorstellen konnte. In bester Stadionrock-Manier singt Jack Sedman einem die Worte regelrecht um die Ohren. Dabei nicht minder präsent ist Gitarrist Harry Draper, der mit einem voluminösen Sound an Bands wie Snow Patrol, Kodaline oder Foals erinnert. War ihr Debütalbum Tell Me It’s Real vielleicht noch zu nett um den Durchbruch zu erzielen, kommt die erste Single des zweiten Albums mit einer gänzlich größeren Präsenz daher. Mit Blank You Out wird es nicht lange dauern um in die Playlisten der Radiosender zu kommen.

Kaleo – Island trifft auf David Gray

Kaleo - Way Down We Go

Kaleo – Way Down We Go

Klein aber Oho.. So könnte man Island, im Bezug auf die dortige Musikszene, beschreiben. Leben doch auf der Insel gerade einmal knapp 330.000 Menschen, präsentiert sich Island musikalisch so, vielseitig und auf hohem Niveau. Hier kommen bekannte Bands wie Sigur Rós, Emiliana Torrini, FM Belfast oder eben Kaleo her.
Letzere Band ist gerade damit beschäftigt, ihr erstes weltweit vermarktetes Album zu veröffentlichen. Auf diesem Album enthalten, sind so große Songs wie ‚All The Pretty Girls‘, ‚I Can’t Go On Without You‘ und ‚Way Down We Go‘. Die allesamt absolute Anspieltipps sind. Letzterer ist so stark, dass man sich an Soul der 90er Jahre zurück erinnert sieht. Da mischt ein Beat mit, der an En Vogue’s ‚Don’t Let Go‘ erinnert. Ebenfalls an jemanden erinnert, fühlt man sich beim hören der Stimme von Frontsänger Jökull Júlíusson, dessen Stimme sich auf ‚Way Down We Go‘ so anhört, als wäre es David Gray zu besten ‚White Ladder‘ Zeiten. Hier singt er rau, soulig und lässt den schweren Beat unter sich wabern. Mitte Juni ist es dann soweit und wir werden sehen, wie gut sie sind. Mit drei hervorragenden Songs aus dem Album ‚A/B‘ können sie jedenfalls schon einmal überzeugen. Wir wollen mehr!

Noah Gundersen – Konzertkritik

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Es zeigt sich immer wieder, dass die vielleicht besten Konzerte die sind, zu denen man einfach mitgeht. Mit, zu einem Künstler, den man vorher noch nie gehört hatte, von dem man nicht einmal wusste, dass es ihn gibt. Denn so entstehen im Vorfeld keine Erwartung. Kein Lied, auf das man sich ein ganzes Konzert hinsehnt. Man ist einfach offen und nimmt alles auf. Genau das beschreibt den vergangenen Freitagabend im Berliner Privatclub, als der aus der Nähe von Seattle kommende Noah Gundersen ganz unprätentiös die Bühne betrat.
Dachte man im ersten Moment noch, dass es einer der Roadies sein könnte, wurde mit einsetzen des Applauses klar – jetzt geht’s los.
Da saß nun also ein gut gebauter Mittzwanziger, mit seinen langen, schwarzen Haaren und setzte sich auf einen Barhocker. Mit auf der Bühne – nichts weiter als seine Gitarre, ein Mikrofonständer, zwei Monitoringboxen und ein kleiner Beistelltisch mit einem Glas Wasser (das fast gänzlich unangerührt bleiben sollte) und einem Barglas, gefüllt mit einem goldbraunen Getränk, an dem er immer wieder nippte. Das alles stand auf einem rund 1,5 x 2 Meter großem Teppich. Um Gundersen herum gab es viel Raum, der nur durch den roten Vorhang am Rand der Bühne begrenzt wurde.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Er wirkte schüchtern. Nicht, wie ein Sänger, der bereits zwei Alben und vier EP’s veröffentlicht hat. Und so saß er auf seinem Hocker und stimmte ‚Halo (Disappear/Reappear)‘ an. Einem langsam intensiver werdenden Song, bei dem einen das Herz aufging. Schloß man die Augen, kam einem immer wieder ein Name in den Sinn – David Gray. Klingt Noah Gundersen doch stimmlich und auch von seinem Sound fast wie eine junge Version des britischen Sängers.
Mit ‚Boathouse‘, ‚Nashville‘ und First Defeat‘ sang er sich dann auch mehr und mehr ein. Wobei auffiel, dass sich oftmals die Stimmungen und Worte seiner Songs nicht mit seiner Gesichtsmimik und seinem Auftreten verbinden ließen. So kam es einem anfangs hier und da vor, als würde er die Erzählerrolle übernehmen, ohne das Gesprochene bewerten zu wollen. Dies sollte sich durch den ganzen Abend ziehen und nur zögerlich verschwinden. Mit jedem weiteren Song wurde Gundersen dann auch mutiger und begann mit dem Publikum zu agieren und ihnen Fragen zu stellen. So plauderte man über die unterschiedlichen Küchen in Großbritannien, Spanien und Deutschland und darüber, dass der erste Song, denn Gundersen nach seiner Ankunft in Berlin, in einem Taxi hörte, ‚Born In The USA‘ von Bruce Springsteen war. Zuvor spielte er dann auch passend von Springsteen ‚Dancing In The Dark‘ und stellte Springsteen kurz als eine kleine Indiegröße aus den USA vor, die vielleicht der ein oder andere kennen könnte.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Mit ‚Young In The City‘, ‚Family‘ und ‚David‘ folgten drei ebenso tief-akustische Songs, ehe eine theoretische Version des Zugabeprozederes durchgespielt wurde und er dem Publiklum sagte, dass er jetzt nicht von der Bühne gehen werde und darauf warten würde, dass der Applaus unendlich lange gehen würde, um schließlich wieder auf die Bühne zu kommen. Dies war so erfrischend wie in der Konzertwelt lange überfällig. Wird doch die Zugabe heute bereits als fester Teil und Schauspiel über alle Genres greifend derart zelebriert, dass man es mittlerweile schon fast als störend empfindet.
So folgten ‚Cigarettes‘ und ‚Poor Man’s Son‘ als letzte Songs ehe Gundersen die Bühne verließ und im Publikum genauso unterging wie er aus diesem zu Beginn heraus schritt.
Gundersens Songs sind gleichmäßig, intensiv und gefühlvoll und unterscheiden sich nicht großartig voneinander. Doch wer mag schon ein Buch lesen, in dem auf jeder Seite eine komplett neue Geschichte geschrieben steht?! Wer auf tiefen Singer/Songwriter Sound steht, ist bei Noah Gundersen zu 100% richtig und kann sich durch ein umfangreiches Repertoire hören.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin