Noah Gundersen - Lose You

Noah Gundersen – Ein neuer Mensch

Als der amerikanische Sänger/Songwriter vor fast genau vier Jahren im Berliner Privatclub die Bühne betrat, war es wie ein weisses Blatt Papier. Sowohl der Name, als auch seine Songs waren gänzlich unbekannt und die Überraschung umso größer, als das Konzert seinen Lauf nahm. Damals noch mit langen Haaren singend, hat sich Gundersen im Verlauf der Zeit deutlich gewandelt. So steht er heute mit kurzen, blond gefärbten Haaren und sichtbaren Tattoos vor dem Publikum und singt so wunderbare Songs, wie seine neueste Veröffentlichung Lose You. Diese kommt von Gundersens viertem Album Lover und zeigt den Sänger angekommen. Angekommen in einer Welt, die für den Musiker so viel bereithält und die Inspiration für neue Songs gibt. Auf der dazugehörigen Tour spielte Gundersen innerhalb von zwei Monaten 40 Shows und war danach völlig energielos – so beschreibt Gundersen in einem Post die Tage nach dem Tourfinale. Mit der nun ausgekoppelten Single Lose You hat Gundersen gestern auch ein passendes Musikvideo veröffentlicht. Dieses untermalt die gewaltige Wärme, die der Song durch seine zurückhaltende Art besitzt, die im Verlaufe des Songs als Emotion ausbricht und zu einem satten Liebessong voller Energie wird. Gundersen klingt mit seinen 30 Jahren unglaublich reif und transportiert eine Phase der Liebe, die von Freude, Vertrauen, Verläss

lichkeit und einem Kampf erzählt, der eine Beziehung retten soll. Lose You ist ein so wunderbarer Song, dass man sich fast wünscht, von Gundersen gerettet zu werden.

The Best Of 2020 Vol. 01

The Best Of 2020 Vol.: 01

01. The Blaze feat. Octavian – Somewhere (zum Artikel)

02. Alanis Morissette – Reason I Drink (zum Artikel)

03. AnnenMayKantereit & Parcels – Can’t Get You Out Of My Head

04. Ásgeir – Youth (zum Artikel)

05. Bear’s Den – Only Son Of The Falling Snow (zum Artikel)

06. Bonaparte – Was Mir Passiert (zum Artikel)

07. Barbatuques – Bajaná (Pablo Fierro Eidt)

08. Christian Löffler – Versailles (Hold) (zum Artikel)

09. Declan J Donovan – Homesick (zum Artikel)

10. Digitalism – Panavision (zum Artikel)

11. Foals – The Runner (Rüfüs Du Sol Remix) (zum Artikel)

12. Icarus feat. Nathan Ball – Meet Me There (zum Artikel)

13. Shallou With Daya – Older (zum Artikel)

14. Noah Gundersen – Lose You (zum Artikel)

15. SYML – Flags (zum Artikel)

16. The Coronas – Haunted (zum Artikel)

17. The Naked And Famous – Bury Us (zum Artikel)

18. Yeah But No – Run Run Run (zum Artikel)

Noah Gundersen – Konzertkritik

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Es zeigt sich immer wieder, dass die vielleicht besten Konzerte die sind, zu denen man einfach mitgeht. Mit, zu einem Künstler, den man vorher noch nie gehört hatte, von dem man nicht einmal wusste, dass es ihn gibt. Denn so entstehen im Vorfeld keine Erwartung. Kein Lied, auf das man sich ein ganzes Konzert hinsehnt. Man ist einfach offen und nimmt alles auf. Genau das beschreibt den vergangenen Freitagabend im Berliner Privatclub, als der aus der Nähe von Seattle kommende Noah Gundersen ganz unprätentiös die Bühne betrat.
Dachte man im ersten Moment noch, dass es einer der Roadies sein könnte, wurde mit einsetzen des Applauses klar – jetzt geht’s los.
Da saß nun also ein gut gebauter Mittzwanziger, mit seinen langen, schwarzen Haaren und setzte sich auf einen Barhocker. Mit auf der Bühne – nichts weiter als seine Gitarre, ein Mikrofonständer, zwei Monitoringboxen und ein kleiner Beistelltisch mit einem Glas Wasser (das fast gänzlich unangerührt bleiben sollte) und einem Barglas, gefüllt mit einem goldbraunen Getränk, an dem er immer wieder nippte. Das alles stand auf einem rund 1,5 x 2 Meter großem Teppich. Um Gundersen herum gab es viel Raum, der nur durch den roten Vorhang am Rand der Bühne begrenzt wurde.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Er wirkte schüchtern. Nicht, wie ein Sänger, der bereits zwei Alben und vier EP’s veröffentlicht hat. Und so saß er auf seinem Hocker und stimmte ‚Halo (Disappear/Reappear)‘ an. Einem langsam intensiver werdenden Song, bei dem einen das Herz aufging. Schloß man die Augen, kam einem immer wieder ein Name in den Sinn – David Gray. Klingt Noah Gundersen doch stimmlich und auch von seinem Sound fast wie eine junge Version des britischen Sängers.
Mit ‚Boathouse‘, ‚Nashville‘ und First Defeat‘ sang er sich dann auch mehr und mehr ein. Wobei auffiel, dass sich oftmals die Stimmungen und Worte seiner Songs nicht mit seiner Gesichtsmimik und seinem Auftreten verbinden ließen. So kam es einem anfangs hier und da vor, als würde er die Erzählerrolle übernehmen, ohne das Gesprochene bewerten zu wollen. Dies sollte sich durch den ganzen Abend ziehen und nur zögerlich verschwinden. Mit jedem weiteren Song wurde Gundersen dann auch mutiger und begann mit dem Publikum zu agieren und ihnen Fragen zu stellen. So plauderte man über die unterschiedlichen Küchen in Großbritannien, Spanien und Deutschland und darüber, dass der erste Song, denn Gundersen nach seiner Ankunft in Berlin, in einem Taxi hörte, ‚Born In The USA‘ von Bruce Springsteen war. Zuvor spielte er dann auch passend von Springsteen ‚Dancing In The Dark‘ und stellte Springsteen kurz als eine kleine Indiegröße aus den USA vor, die vielleicht der ein oder andere kennen könnte.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Mit ‚Young In The City‘, ‚Family‘ und ‚David‘ folgten drei ebenso tief-akustische Songs, ehe eine theoretische Version des Zugabeprozederes durchgespielt wurde und er dem Publiklum sagte, dass er jetzt nicht von der Bühne gehen werde und darauf warten würde, dass der Applaus unendlich lange gehen würde, um schließlich wieder auf die Bühne zu kommen. Dies war so erfrischend wie in der Konzertwelt lange überfällig. Wird doch die Zugabe heute bereits als fester Teil und Schauspiel über alle Genres greifend derart zelebriert, dass man es mittlerweile schon fast als störend empfindet.
So folgten ‚Cigarettes‘ und ‚Poor Man’s Son‘ als letzte Songs ehe Gundersen die Bühne verließ und im Publikum genauso unterging wie er aus diesem zu Beginn heraus schritt.
Gundersens Songs sind gleichmäßig, intensiv und gefühlvoll und unterscheiden sich nicht großartig voneinander. Doch wer mag schon ein Buch lesen, in dem auf jeder Seite eine komplett neue Geschichte geschrieben steht?! Wer auf tiefen Singer/Songwriter Sound steht, ist bei Noah Gundersen zu 100% richtig und kann sich durch ein umfangreiches Repertoire hören.

Noah Gundersen @Privatclub Berlin

Noah Gundersen @Privatclub Berlin