Lollapalooza Berlin 2015 – Das große Unbekannte – Tag 2

Der zweite Tag auf dem Festivalgelände des Lollapalooza Festivals zeichnete sich durch eine Mischung aus absoluten Newcomern und alten Hasen aus. So ging es direkt um halb eins auf der Mainstage 2 mit den Briten von Coasts los. Hier überzeugten die fünf Jungs mit einem Sound, der auf keine kleinere Bühne gepasst hätte. Der großer, weiter Sound kam einem da schon fast selbstverständlich hervor. Noch dazu hat Sänger Chris Caines eine so markante Stimme, dass die Bekanntheit der Band bei weitem noch steigen wird. Hörte man sich Songs wie ‚Modern Love‘ und ‚Oceans‘ an, konnte man schnell erahnen wie weit es die Jungs noch bringen werden. Doch auch bei ruhigeren Songs wie ‚Lions‘ und ‚A Rush Of Blood‘ konnte Coasts überzeugen. Manchmal erschreckte es, wie professionell solche Newcomer wirken können.

Lollapalooza Berlin 2015

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Kind, Du bist verrückt, du gehörst zu Pond

Auf der Alternative Stage spielten indes wahre Individualisten. Waren doch die Australier von Pond auf der Bühne, die mit psychedelischer Rockmusik und extrovertiertem Auftreten auf sich aufmerksam machten. Ist ihr Sound eine Mischung aus wirklich allem, was Gitarrenmusik hergeben kann, ist auch die Band, durch ein ewiges rotieren der Musiker, die reinste musikalische Vielfalt. Aktuell steht mit Nick Allbrook als Frontman, der ehemalige Gitarrist Tame Impalas auf der Bühne und singt ‚Giant Tortoise‘ so unglaublich verrückt, dass man annehmen musste, diese Band schreibt ihre Stücke auf den härtesten Trips, die es nur geben kann. Auch live zeigten sich die Jungs ganz entspannt. So hatte Allbrook eine goldene Robe an und trug dazu eine auffallend große Kette um den Hals. Sein Outfit kommentierend, ließ er das Publikum wissen, dass ihm heute mal nach etwas femininen gewesen war und er das Gefühl hatte, dass dies sehr gut zu dieser Stadt passen würde.

Lollapalooza Berlin 2015

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Und auf einmal, ohne Wolf Alice vorher gekannt zu haben, stand man vor der Mainstage 1 und ertappte sich beim mittanzen zu Songs wie ‚Lisbon‘, ‚Storm‘ und ‚Bros‘. Hier war man über den sachlichen und gut strukturierten Rock erfreut und hatte Spaß am entdecken dieser Band.

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Pop-Disko aus Großbritannien

Zwischenzeitlich auf dem Festivalgelände herumlaufend, fiel auf, dass die Veranstalter tatsächlich ihr Versprechen eingehalten hatten, waren doch dutzende Dixie-Toiletten zusätzlich aufgestellt worden und dadurch keine Schlange mehr vorhanden, die man hätte abwarten müssen. Ein paar Songs auf der Alternative Stage von Clean Bandit erhaschend, tanzte das Publikum zu einem Cover von Robin S‘ Song ‚Show Me Love‘ ehe zum Überhit ‚Rather Be‘ angestimmt wurde. Natürlich waren hier ungemein viele Besucher vor der Bühne, die allesamt, tanzten wie in einer
Open-Air-Disko.

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Auf dem Weg zur Mainstage 1 zurück wurde man fast schon wie ein Magnet von einer Stimme mit Rocksound zur Mainstaige 2 gezogen, auf der die Band Brand New auftrat. Mit Songs wie ‚At The Bottom‘, ‚Degausser‘ oder ‚Jesus‘ wurden immer wieder Erinnerungen an die ersten beiden Alben der Kings Of Leon wach. Sang doch Frontmann Jesse Lacey mit einer ähnlich angekratzten Stimme und war die Musik gleichzeitig brachial wie auch melodisch.

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Durch die Wüste mit alten Bekannten

Doch es sollte weiter zur Mainstage 1 gehen, auf der die britische Alternative-Band Stereophonics spielte. Gleich beim Betreten der Bühne und ersten anstimmen des Songs ‚I Wanna Get Lost With You‘ fühlte man sich gleich wie im Westen Amerikas und spürte die Weite der Wüste. Mit ‚Graffiti On The Train‘ wurden dann auch die ruhigen Songs gespielt, wobei Kelly Jones‘ Stimme hier stark an Bryan Adams erinnert, was allerdings passend und harmonisch klang. Es folgte mit ‚Moviestar‘ noch ein Song, der musikalisch zu der ersten Phase der Stereophonics zu zählen war, ehe mit ‚Mr. Writer‘ gleich das Gegenteil folgte, bei dem sich die Band mehr auf den Sound und die Melodien konzentrierte. Mit ‚Just Looking‘, ‚Maybe Tomorrow‘, ‚Have A Nice Day‘ und ‚The Bartender And The Thief‘ kamen schließlich ausnahmslos typische Stereophonics-Hymnen, die das Publikum zum mitsingen und ausrasten brachte um letztendlich mit ‚Dakota‘ den Auftritt zu beenden. Dass ‚Dakota‘ auf jede Festivalbühne gehört, wenn die Stereophonics auftreten, ist selbstverständlich und so schrie das Publikum aus vollstem Herzen mit und ließ sich einfach treiben.

Lollapalooza Berlin 2015

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Herbe Enttäuschung

Direkt im Anschluss folgte auf der Hauptbühne ein weiterer Act bei dem die Vorfreude groß war – Belle & Sebastian. Hatten sie doch vor allen mit ihren letzten beiden Alben ‚Belle & Sebastian Write About Love‘ und ‚Girls In Peacetime Want To Dance‘ durchschlagenden Erfolg.
Doch was man hier auf der Bühne geboten bekam, war live eine unglaubliche Ernüchterung. Kann man sich den Twee Pop der Band, auf CD gepresst, ohne weiteres jederzeit anhören, war die Darbietung auf der Bühne zwar nett aber auch unwahrscheinlich fade und langweilig. Da standen also Mittvierziger auf der Bühne und hatten sich freundlich zu einem Sit-in getroffen bei dem sich die anderen darauf stürzten, etwas Heruntergefallenes dem anderen vom Boden zu reichen. Nicht, dass die Band nicht genau das macht, was sie auch auf ihren Alben darstellt, nur war hier die Erwartung definitiv eine andere und ließ einen dadurch schnell das Weite suchen.

Lollapalooza Berlin 2015

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Derbes Erlebnis

Doch was nach dieser Ernüchterung folgte, war ein Bommerrangeffekt der es in sich hatte, denn die nächste Band zählte ebenso zu den Lokalhelden, wie es am Samstag die Mighty Oaks waren, mit dem Unterschied, dass die Beatsteaks bereits auf eine zwanzigjährige Bandgeschichte zurückblicken können. So wurden auf dem Konzert alle, aber auch wirklich alle relevanten Songs der Band gespielt und sorgten dafür, dass es Moshpits und Crowdsurfer gab. Ob bei ‚Hello Joe‘, ‚Hand In Hand‘, ‚Sumer‘, ‚Jane Became Insane‘, ‚Cut Off The Top‘, oder ‚Hey Du‘, das Publikum kannte jeden Text und schrie voller Inbrunst bis auch die letzten Stimmbänder kratzten. Zum Abschluss folgte noch ‚Let Me In‘ und ‚I Don’t Care As Long As You Sing‘, bei dem schließlich so viele Crowdsurfer über die Köpfe hinweg getragen wurden, dass man meinen konnte, das Publikum räume sich von hinten nach vorne selber weg.
So war man bis auf die Socken durchgeschwitzt aber glückselig über so einen bombastischen Auftritt und musste sich danach erst einmal sammeln um sich wieder auf sein Festivalprogramm zu konzentrieren.

Lollapalooza Berlin 2015

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Und so kam man zwischenzeitlich an der Mainstage 1 vorbei, auf der der viermalige Grammy-Gewinner Sam Smith performte. Mit ‚Like I Can‘ und einem Madley von ‚Tears Dry On Their Own/Ain’t No Mountain High Enough/Le Freak‘ brachte er ohne Weiteres die Leute vor der Bühne in Tanzstimmung und verbreitete eine wunderbar, friedliche Atmosphäre. Mit ‚Not In That Way‘ folgte nochmals ein Song der ein Sample des Elvis Preslay Songs ‚Can’t Help Falling In Love‘ beinhaltete ehe er mit ‚La La La‘ einen seiner, bis dato, größten Hits sang.

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Schüttel Deinen Speck

Bereits zur Mainstage 2 gewechselt, auf der in wenigen Sekunden Seeed auftreten sollten, hörte man von der Hauptbühne kommend den Sam Smith‘ Song ‚Stay With Me‘ in einem so klaren Sound, dass auch hier das Publikum mitsang und sich so das Warten auf die Berliner Band versüßte. Nur kurze Zeit später kamen Seeed dann auch auf die Bühne um ein Songfeuerwerk von satten 23 Tracks abzuliefern. Hier folgten entspannte Nummern wie ‚Augenbling‘, ‚Release‘ und ‚Cherry Oh‘ auf absoluten Ausrastsongs wie ‚Molotov‘ um gleich danach mit ‚Schwinger‘, ‚Dickes B‘ und ‚Music Monks‘ wieder auf groovige Beats zu setzen. Immer wieder wurden auch Songs des Soloalbums von Peter Fox gespielt, bei denen selbst die Stadtaffen ihre Trommeln schwangen und zu den letzten Songs ‚Ding‘, ‚Dancehall Caballeros‘ und Aufstehen‘ anstimmten.
So hatte man am Sonntag den direkten Vergleich zwischen zwei der größten Berlin Bands. So konnte man feststellen, dass sowohl die Beatsteaks als auch Seeed ein perfektes Konzert ablieferten und die Massen nicht nur begeisterten, sondern auch animierten und so selbst zum Teil des Auftritts machten.

Lollapalooza Berlin 2015

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Die totale Show

Von soviel Spaß gezeichnet kündigte sich auf der Mainstage 1 der Headliner des Lollapalooza-Festivals an. Was hier an Lichtshow und Extras aufgefahren wurde, glich einem riesigen Event. Von Papierbannern über Konfetti bis zu riesigen Gummibällen die über die Köpfe des Publikums hinwegfegten, sangen sich Muse durch Songs wie ‚Supermassive Black Hole‘, Hysteria‘, ‚Mercy‘, ‚Time Is Running Out‘ und ‚Starlight‘. Nach einem kurzen Bühnenabgang folgten als Zugabe noch ‚Uprising‘ und ‚Knights Of Cydonia‘ ehe sie die mittlerweile fast vollständig versammelten Festivalbesucher in der fest schon leeren und stillen Nacht zurückließen. Auch wenn man kein Fan dieser Band war, beeindruckte die unglaublich opulente Show genauso wie die erstaunlich sympathisch rüberkommende Band.

Lollapalooza Berlin 2015

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Und so ging das erste Lollapalooza Festival in Berlin zu Ende und hatte bereits am Ausgang mit den Worten „Thank you Berlin. See you 2016“ die Vorfreude auf das kommende Jahr geweckt. Was bleibt, sind viele Erinnerungen an gute Konzerte, verrückte Gefährte, überfüllte Toiletten und jeder Menge Spaß und Unterhaltung.Dieses Festival lohnt sich und wird hoffentlich zu einer festen Instanz für Berlin und Deutschland.

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