Lollapalooza Berlin 2015 – Das große Unbekannte – Tag 1

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Lollapalooza Berlin 2015

Viel wurde in den Wochen vor der ersten europäischen Variante des Lollapalooza Festivals in Berlin berichtet. Von einer Abkehr der amerikanischen Originalversion die, vor allen Dingen, viele Alternativ- und Rock-Künstlern eine Bühne bot, bis zu der Ankündigung eines Kidzapalooza-Areals, wurde viel geschrieben. Letztes Wochenende war es dann endlich soweit und die erste Ausgabe startete. Wunderten sich einige, dass die ersten Bands bereits um 12 Uhr spielten, war dies dem Fakt geschuldet, dass das Lollapalooza auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof stattfand und somit mitten in der Stadt lag. Hier mussten dann auch Lärmschutzauflagen eingehalten werden, was ein Bespielen der Bühnen nach 23 Uhr unmöglich machte.

Gleich zu Beginn des Samstags viel auf, dass das Bändchen tauschen, im Gegensatz zu anderen Festivals, relativ reibungslos verlief. Gab es zwar unendlich lange Schlangen vor den Tauschzelten, wanderten diese aber stetig Richtung Einlass und ließen so keinen Moment lang Stillstand entstehen. Einmal das Ticket gegen das Festivalbändchen eingetauscht musste man nur noch den Securitycheck durchqueren und befand sich schon auf dem Festivalgelände.
Wem das Gelände bereits vom Berlin Festival früherer Tage bekannt war, wird die großzügige Erweiterung des Areals aufgefallen sein. Schließlich wurden knapp 45.000 Besucher erwartet.

Lollapalooza Berlin 2015

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 Von  Mad Max bis Kleinkunst

Auf dem Festivalgelände angekommen gab es ein reichhaltiges Angebot an verschiedenen Unterhaltungsinseln. Da waren Marken vertreten wie Smart, Marlboro oder Radio Fritz aber auch Umweltorganisationen und Streetart sowie Straßenartisten die auf verrosteten Metallrädern durch die Menge fuhren und an den Film Mad Max erinnerten.
Hinzu kam eine Vielzahl an Imbissbuden die so ziemlich alles anboten, was man sich nur vorstellen konnte. Von veganen Burgern über Crepes bis hin zu Pizza und Nudelboxen fand hier wohl jeder etwas für seinen Geschmack. Wäre da nur nicht falsch kalkuliert worden. Aber dazu später mehr.

Lollapalooza Berlin 2015

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Die Newcomer mit der großen Show

Das erste Konzert fand gleich auf der Mainstage 2 statt und hatte die Emsländer Jungrocker von Razz in der Pipeline. Sind die blutjungen Musiker doch erst dieses Jahr so richtig durchgestartet und stehen kurz vor ihrer Debütalbum-Veröffentlichung spielten sie sich einmal mehr diesen Sommer die Finger wund. Mit großen Hymnen wie ‚Black Feather‘, ‚Turning Shadows‘ und ‚Youth and Enjoyment‘ waren sie ein wunderbarer Opener des Wochenendes und versammelten nicht wenige Festivalgänger vor ihrer Bühne. Mit schnellen Gitarrenriffs und dem Gesang Niklas Keisers reichte die Soundqualität schon jetzt an große Acts heran und ließ Stadionrock verspüren. Der Abschluss des Konzertes konnte mit eben erwähnten ‚Youth and Enjoyment‘ dann auch nicht besser gewählt worden sein und entfaltete schließlich eine Rockbombe die sich bis in die hinterste Ecke des Tempelhofer Feldes erstreckte.

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Knapp 45 Minuten später spielten auf selbiger Bühne dann die Indie-Rocker von Everything Everything, die mit einer Mischung aus Rock, Indie und einer extrovertierten Gesangsart auf sich aufmerksam machten. War doch Jonathan Higgs Stimme ein Zusammenspiel aus falcett und rotziger Attitüde. Schließlich sorgten Granaten wie ‚To The Blade‘, ‚Regret‘ und ‚Spring/Summer/Winter/Dread‘ für gute Stimmung und hatten mit dem, als letztes angestimmten Song, ‚Distant Past‘ wirklich jeden zum tanzen gebracht.

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Weiter ging es zur Perry’s Stage, die mit clublastige Acts überzeugen konnte. Hier stand Hayden James auf der Bühne der sowohl visuell als auch durch seinen Sound überzeugen konnte. Hatte man anfangs eher an ein Track-by-track Auftritt gedacht wurde schnell klar, dass er sich in der Rolle des auflegenden und mixenden DJ’s gefiel. So eröffnete James den Dancefloor des Festivals.

Lollapalooza Berlin 2015

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Neue Musik entdecken

Experimentell ging es dann kurzzeitig auf der Alternative Stage zu, als Glass Animals mit ihrem fast schon psychedelischen Indie-Rock auftraten. ‚Black Mambo‘ und ‚Gooey‘ sind hier die besten Beispiele für das Soundkostüm dieser interessanten und auffordernden Band.

Lollapalooza Berlin 2015

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Auf der Mainstage 1 spielte sich derweil James Bay mit seinem sympathischen Folk in die Herzen der Besucher. Auch nicht müde mit dem Publikum zu kommunizieren kündigte er Songs wie ‚Need The Sun To Break‘ als Aufforderung, an die Wolke an, zu verschwinden. Mit ‚Let It Go‘ hatte Bay dann schließlich auch einen seiner beiden bekanntesten Songs in petto bevor er mit ‚Scars‘ noch verletzlicher sang und klang. Nur, um dann mit ‚Best Fake Smile‘ die bedächtige Stimmung durch diesen so ironisch wie aufdringlichen Song zu brechen. Da auf der Mainstage 2 bereits alles für Mighty Oaks vorbereitet wurde, musste auch Bay von einigen im Publikum verabschiedet werden. Doch hörte man zum Ende ‚Hold Back The River‘ auch problemlos vor der Mainstage 2.

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Das einzig passende Wort für die Mighty Oaks – Großartig

Hier ging es gleich nahtlos mit einem der Berliner Lokalheroes weiter. Hatte man auf dem Festivalgelände bis dahin noch ausreichend Freiflächen, änderte sich dieser Zustand mit Konzertbeginn der Mighty Oaks schlagartig. Hier füllte sich der Bereich vor der Mainstage 2 mit jedem Song weiter bis hinter den Kameratower und ließ das Publikum zu einer Oberfläche verschmelzen. Gleich der Opener ‚Horsehead Bay‘ öffnete beim Publikum die Herzen und trug dazu bei, dass die Stimmung trotz der Massen an Menschen an ein Lagerfeuer erinnerte. Über ’seven Days‘ steigerte sich die Spielfreudigkeit der Jungs dann bis zu ‚Back To You‘. Hier setzte dann auch das Publikum durch mitsingen ein. Überhaupt zeigte sich die Masse als ziemlich textsicher, folgten doch mit ‚Brother‘ und ‚Just One Day‘ zwei der bekanntesten Songs und ließen einmal mehr die Stimmung nach einem kollektiven ‚Wir‘ aufleben. Während die Jungs auch neue Songs spielten, ließen sie auch wissen, dass dieser Auftritt wohl für eine ganze Weile der letzte sein würde, da es für die Band nun zurück ins Tonstudio gehen würde. Und so konnte man nach dem Auftritt in so viele zufriedene Gesichter gucken wie bei keinem anderen Act bis dato.

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Auf der Alternative Stage sollte sich indes bereit der nächste Favorit ankündigen, denn Hot Chip waren bereit loszulegen. Doch schon der erste Track ließ argwöhnisch aufhorchen. Hörte sich ‚Huarache Lights‘ doch irgendwie an, als hätte die Band den Sound nicht ganz aufgedreht. Was einen zuerst nur verwundert zurückließ wurde durch Songs wie ‚One Life Stand‘, Night And Day‘ oder ‚Over And Over‘ nur noch bestätigt. Es schien als würde man Hot Chip durch ein Blechtrommeltelefon hören. Die Musik kam beim Publikum der hinteren Ränge nicht an und hinterließ fragende bis enttäuschte Gesichter. Ob es der Sound der Band war mochte man bezweifeln, doch dadurch verkauften sich Hot Chip weit unter dem was man von ihnen erwartet hatte.

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Gleich nebenan ging es mit den Hamburgern von Digitalism weiter, die durch ein DJ-Set führten und den Platz vor der Bühne eng werden ließen. Dem nicht ganz zugeneigt, ging es wieder zurück zur Alternative Stage auf der die Briten von Chvrches ihre neuen Songs aus, dem in wenigen Wochen erscheinenden Album, ‚Every Open Eye‘ vorstellten. Doch einen besonderen Moment erzeugten Chvrches durch das Performen des Songs ‚Under The Tide‘. War dieser Song auf Konzerten vorher nie großartig aufgefallen, entfaltete er auf dem Lollapalooza seine volle Strahlkraft und ließ Chvrches episch und unglaublich groß erscheinen. Vergleicht man diesen Song mit den eher hoch gesungenen Songs von Lauren Mayberry hat die Band bei ‚Under The Tide‘ einen unglaublichen Song geschaffen.

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Anarchie auf der Bühne

Indes kam es fernab der Bühnen zu chaotischen Zuständen an den Toiletten und Imbissständen. Wuchsen hier die Schlangen ins Unermessliche und ließen die hungrigen Festivalbesucher resignieren. An den Toiletten verschärfte sich die Situation schließlich, durch ein Überlaufen der Kanalisation, so sehr, dass sich hunderte Besucher, egal ob männlich oder weiblich, an den Zäunen auf dem gesamten Gelände erleichterten. Hierzu gab es etwas später dann auch eine offizielle Entschuldigung über die Lallapalooza-App sowie die Ankündigung von Besserung am Sonntag.

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Mittlerweile 20 Uhr kündigt sich auf der Mainstage 2 einer der Hauptacts des gesamten Festivals an – Deichkind. Die Hamburger Combo, die für direkte Worte steht und sich zwischen Party, Ballerman und Fingerzeig bewegen, hatten geladen und alle kamen. Mit ‚So’ne Musik‘ starteten sie dann auch in ihren Auftritt der nur so durch farbenfrohen Bühnenbildern, digitalen Kostümen und abgedrehten Einlagen glänzte. Dabei war es natürlich auch kein Wunder, dass das Publikum bei jedem einzelnen Song ins unermessliche mitmachte und so zu einer Masse aus ekstatisch, feiernden Menschen wurde. ‚Denken Sie Groß‘, ‚Bück Dich Hoch‘, ‚Leider Geil‘, ‚Illegale Fans‘, ‚Arbeit Nervt‘, ‚Bon Voyage‘ folgten um dann mit ‚Roll Das Fass Rein‘ letztendlich noch eine politische Botschaft zu verkünden. So hatten Deichkind weiße Pullover mit der Aufschrift „Refugees Welcome“ an und rollten mit einem überdimensionalen Weinfass durch die Menge um dann fast schon im Anschluß ein Sample des Frankie Goes To Hollywood Klassikers ‚The Power Of Love‘ zu spielen. Waren Deichkind bis hier wie eine anarchische Boygroup über die Bühne gesprungen, löste sich diese Art der Performance zunehmend auf und setzte mit ‚Prost‘ und ‚Limit‘ zum Endspurt an. Bei ‚Prost‘ noch mit meterlangen Schläuchen, aus denen das Publikum ein – höchstwahrscheinlich – alkoholisches Getränk genießen konnte, singend hatte nicht nur die Band einen riesen Spaß.
Den Abschluß markierte, wie erwartet ‚Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) bei dem sich die gesamte Bühne in ein riesiges Kinderzimmer verwandelte und Hüpfburgen, Pixelfiguren und Schlauchboote herumsprangen. Letzteres wurde dann auch mit unzähligen Säcken voll von Federn über die Köpfe des Publikums getragen, die gleichzeitig in einer großen Wolke voll Federn verschwanden.
Dieser Auftritt holte wohl jeden ab und beeindruckte im Nachhinein sogar ausländische Festivalbesucher. So war von Amerikanern zu hören, dass sie Deichkind als besten Act des ersten Festivaltages betitelten. Dem konnte man nur beipflichten.

Lollapalooza Berlin 2015

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Den Abschluss mit den Libertines einläuten

Von Deichkind noch gezeichnet neigte sich der erste Lollapalooza-Festivaltag dem Ende entgegen. Aber nicht ohne noch mal für eine Zwickmühle zu sorgen. Waren doch gleich drei gute Acts zur selben Zeit angesetzt. Und so ging es bei allen einmal vorbei, beginnen mit den Libertines, bei denen man vermutete, dass sie wohl gar nicht erst auftauchen würden. Doch weit gefehlt. Pete Doherty und Carl Barât sangen zusammen. Die Vermutung, dass der Hype um The Libertines nur durch die Exzesse Dohertys und seiner Beziehung zu Kate Moss, getragen wurde, konnte man nicht ganz abwerfen, war der typische BritRock doch zu schrammelig und rotzig. Gleichzeitig folgten dann jedoch Songs wie ‚Can’t Stand Me Now‘ und ‚Music When The Lights Go Out‘, die The Libertines professionell und wohlwollend zeigten. Nach kurzer Pause auf anderen Bühnen nochmal zurück bei den Libertines konnte man mit jedem Song sehen, dass Doherty an Körperspannung verlor und mal mehr, mal weniger kontrolliert über die Bühne stolperte. Doch immer konzentriert auf das Spiel mit Text und Gitarre schaffte er es bis zum letzten Stück. Dieses war dann auch um Punkt 23 Uhr zu Ende, woraufhin die Tontechnik die Mikrofone abschaltete und Doherty und Barât sich mit umschmeißenden Mikrofonständern bedankten. So folgten noch ein, zwei Gesten beim Verlassen der Bühne und ein Auftritt, an den man sich sowohl musikalisch als auch hinsichtlich der Unterhaltung noch gerne zurückerinnern wird.

Lollapalooza Berlin 2015

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In der, eben bereits erwähnten Pause, ging es dann kurz zu Fatboy Slim auf die Perry’s Stage. War man voller Vorfreude auf so einige Hits seiner mehr als 30 jährigen DJ-Geschichte, muste man feststellen, dass der Auftritt des Briten aus einem DJ-Set bestand. Darüber hinaus noch mit einer digitalen Leinwand im Hintergrund, die Videos zeigte, als würde man direkt in einem Club aus den 90er Jahren katapultiert werden. Von diesem Schreck nicht ganz erholt, ging es schnurstracks zur Mainstage 1 , auf der Macklemore & Ryan Lewis spielten und gerade den Song ‚Same Love‘ ankündigten. In dieser Einleitung packte Macklemore dann auch große Worte wie die Wichtigkeit der Gleichberechtigung und die unglaublich großartige Unterstützung Deutschlands in Bezug auf die aktuellen Flüchtlingsströme. Vor und nach ‚Same Love‘ kam jeweils ein mehr oder weniger bekannter Song des Hitalbums ‚The Heist‘. Diese wurden allerdings so amerikanisch performed, mit Chevrolets und amerikanischen Flaggen auf den digitalen Leinwänden, dass es für die meisten im Publikum wohl zu viel war um einfach nur die Musik zu feiern. Schließlich war das Konzert – aus dieser Momentaufnahme heraus – dann doch unerwartet verhalten verlaufen.

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So ging der erste Festivaltag mit vielen verschieden gesammelten Einflüssen zu Ende und ließ Vorfreude auf den Sonntag aufkommen.

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