Bicep - Apricots

Bicep – Der Große Sprung in die Vergangenheit

Er klingt ein wenig, wie ein Trance-Hit aus den 90er Jahren – der neue Song des britischen House-Duos Bicep. Mit Vocal-Loops, die an Dario Gs Sunchyme erinnern, schraubt sich Apricots in unseren Kopf und sorgt für eine Stimmung, die aus entspannten Phasen und dem Drang zu tanzen angeführt wird. Dabei hallen die kathedralenhaften Synthies durch den Raum und lassen nochmals Erinnerung aufkommen – nur ist es nun der wabernde Hintergrund, der an Paul Kalkbrenners Soundaufbau erinnert. Diese Elemente zusammengeführt, klingt Apricots damit nach einem schweren, lethargischen Housetrack, der sich auf dem neuen Album der Briten wiederfinden wird. Hier haben Andrew Ferguson und Matthew McBriar für Januar 2021 ihr zweites Album Isles angekündigt, welches auch den bereits veröffentlichten Song Atlas enthalten wird. Bereits ihr Debütalbum Bicep (2017) war eine sehnlichst erwartete erste Platte des Duos und wurde in der Zeit nach der Veröffentlichung zu einem regelrechten Hypealbum hochgepusht.

Bicep
Bicep

Zurecht überboten sich damals Medien, wie Pitchfork, Guardian, Mixmag, und Resident Advisor mit Lobeshymnen, was zur Folge hatte, dass die Jungs in den darauffolgenden Monaten einen Gig nach dem anderen spielten. Auch das MELT!-Festival bespielten sie bereits in den Jahren 2013 und 2017 und sollten dieses Jahr ein weiteres mal in der Stadt aus Eisen auftreten. Doch bekanntlich kam alles anders und so konzentrieren sich Bicep nun voll und ganz auf die kommende Veröffentlichung ihres Albums. Dieses wird den aktuellen Geschehnissen um die runtergefahrene Clubkultur Tribut zollen und eine Home Listening Version ihres Sounds wiedergeben, so das Duo. Auf Apricots hören wir, neben der trancelastigen Produktion einen typisch malawischen Gesang, der zusammen mit einer Aufnahme aus den 1950er Jahren des Bulgarian State Radio & Television Female Vocal Choir einen großartigen Weltmusik-Dancetrack entstehen lässt. Bicep werden mit ihrem neuen Album ein weiteres Mal begeistern und lassen auf eine verheißungsvolle Toursaison 2021 hoffen.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure feat. Fatoumata Diawara – Weltmusik im Dance

Weltmusik verbreitet sich immer häufiger über das Sprachrohr der elektronischen Musik. War dieses Musikgenre sonst nur eine Nische in den hiesigen Plattenläden, erreichen die Künstler dieses Genres immer öfter auch die Musikcharts der westlichen Länder. Ob es die brasilianische Rhythmus-Gruppe Barbatuques mit ihrem Song Baianá ist – der seit Jahren durch alle DJ-Sets geistert und für absolute Glücksgefühle sorgt – oder Wes, der durch das Remake von Alane wieder zurück in den Charts ist, bis hin zu Fatoumata Diawara – die bereits auf dem Disclosure-Hit Ultimatum zu hören war. Die Relevanz der Interpreten nimmt zu und beschert den Musikern, wie im Falle von Diawara, sogar Grammy-Nominierungen als Best Dance Recording. Natürlich gilt diese Nominierung hauptsächlich dem Produzenten-Brüdern von Disclosure. Doch zählt so auch Diawara zu den Nominierten. Im Zuge des neuen Albums der beiden britischen Brüder Guy und Howard Lawrence hat die Zusammenarbeit mit Diawara zu Ultimatum schließlich so viel Spaß gemacht, dass das Duo sich ein zweites Mal mit der malischen Sängerin ins Studio begeben und für ihr drittes Studioalbum Energy den Song Douha (Mali Mali) aufgenommen haben.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure & Fatoumata Diawara – Douha (Mali Mali)

Dabei klingen Disclosure und Diawara einmal mehr verbindend und vereinen die verschiedenen Einflüsse ihrer Musikstile. Doch ist es vielleicht das Statement des Musikvideo-Regisseurs Mahaneela, der den Song und das Musikvideo nicht hätte passender beschreiben können. So sagt er in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazin: Gerade jetzt, gehen wir überall auf der Welt durch eine absolut verstörende Zeit. Ich wollte daher etwas kreieren, das eine visuelle Schönheit präsentiert aber dennoch auch als eine Art Symbol für das steht, was wir gerade durchmachen. Die Menschen fühlen sich isolierter als je zuvor und ich hatte die Idee etwas Freude zu ihnen nach Hause bringen, die von der Kraft der Musik und ihrer Bewegung ausgeht und uns somit wieder verbindet. Es hätte keine bessere Beschreibung für den energiegeladenen Housetrack geben können, den uns Disclosure mit Diawara hier präsentieren. Das dazugehörige Musikvideo ähnelt dem, des 1998er Wes-Hits Alane auffällig und versprüht eine ganz ähnliche Dynamik. Nach Know Your WorthEcstasyEnergy und My High ist Douha (Mali Mali) bereits die fünfte Singleauskopplung und wird wohl der letzte Anheizer für das in vier Wochen erscheinende Album Energy sein. Disclosure wissen, was von ihnen erwartet wird und überraschen dennoch jedes Mal aufs Neue mit ihren Musik.

The Avalanches feat. Jamie XX, Neneh Cherry & CLYPSO - Wherever You Go

The Avalanches feat. Jamie XX, Neneh Cherry & CLYPSO – Ein Song, zu groß für das Jetzt

The Avalanches sind eine Band mit einer enormen Geschichte. Haben sich Ende der 90er Jahre ein paar Australier zusammengetan und unter dem Bandnamen Alarm 115 erste Songs veröffentlicht, folgte erst mit der Umbenennung in The Avalanches der erste Erfolg. 2000 waren sie auf ihrem ersten Höhepunkt und erreichten mit Since I Left You als Single und mit dem gleichnamigen Album die Charts weltweit. Nach wiederholten Ankündigungen, an einem zweiten Album zu arbeiten, folgte 16 Jahre lang keine neue Musik. Schließlich – von einem Sextett zu einem Duo zusammengeschrumpft – wurde mit Wildflower und der Single Subways 2016 wieder neue Musik veröffentlicht. Dabei schloß Wildflower an den Sound des ersten Albums an, konnte jedoch deutlich bessere Chartsplatzierungen vermelden, landete in ihrem Heimatland Australien auf Platz 1 und vermeldete mit Platz 27 erstmals auch eine Chartnotierung in den USA. Für ihr drittes Album wollten sich Robbie Chater und Tony Di Blasi schließlich nicht mehr so viel Zeit lassen und veröffentlichen gerade – nur vier Jahre nach ihrem zweiten Album – neue Songs. Dabei fällt auf, dass sich fast alle Songs mit namhaften Kollaborationen schmücken können. Ist es auf der ersten Single We Will Always Love You der US-Amerikanische Singer/Songwriter Blood Orange, sind auf der zweiten Auskopplung Running Red Lights Rivers Cuomo und Pink Siifu dabei. Nun veröffentlichen The Avalanches mit Reflecting Light feat. Sananda Maitreya, Vashti Bunyan und Wherever You Go feat. Jamie XX, Neneh Cherry & CLYPSO gleich zwei neue Songs.

The Avalanches

The Avalanches

Dabei wird Sananda Maitreya den meisten unter Terence Trent D’Arby etwas sagen – hat er doch unter diesem Namen Ende der 80er Jahre mit Songs, wie Wishing WellSign Your Name und dem ’93er Hit Delicate – zusammen mit Des’ree – mehrere Hits gehabt. Doch beschäftigt uns der zweite Song Wherever You Go viel mehr. Denn hier mischen The Avalanches einen Sound zusammen, der jenseits unserer Zeit ist. Mit Weltmusik, dem Hauch der frühen 2000er, einem modernen Housebeat und verspielten Future-Dance-Elementen holt das Duo zusammen mit seinen Featuring-Acts zum Rundumschlag aus und weisst die elektronische Gemeinschaft auf ihre Plätze. Dabei ist Wherever You Go keineswegs als purer Elektrosong zu sehen – vielmehr ist es das Zusammenspiel der verschiedensten Elemente, die den Song so universell klingen lassen. Gleichzeitig lassen alle Involvierten ihren typischen Sound einfließen. Da hören wir den Mix aus Jungle und Afropunk von CLYPSO, die Hip-Hop-Rhymes von Neneh Cherry und den Future-Dance eines Jamie XX‘. Gleichzeitig streuen sie mit Samples von Sergio Mendes‘ Magalenha und dem Beach Boys Snippet Vegetables – Ballad Insert Referenzen an eine Zeit ein, die dem heutigen Zuhörer wie aus einer anderen Welt vorkommen. Mit Wherever You Go haben The Avalanches einen Song veröffentlicht, der auch nach mehrmaligem Hören nicht greifbar ist und dennoch durch seine homogene Zusammensetzung zum Ohrwurm wird.

 

Robin Schulz & Wes - Alane

Robin Schulz & Wes – Ein Sommerhit kehrt zurück

Es war der große Sommerhit 1997 in Frankreich – Wochen später belegte er schließlich auch in Deutschland und in ganz Europa die vordersten Chartränge und war über Monate hinweg der absolute Radiohit. Die Songzeilen Alanné mba yi woma wé. Ho tou sondé. Ho ma yé konnte jeder mitsingen, auch wenn einem die Bedeutung der Worte nicht geläufig war. Der aus Kamerun kommende Musiker Wes Madiko hatte mit seinem Hit Alane dafür gesorgt, dass Weltmusik plötzlich in halb Europa gespielt wurde. Dieses Genre, das sich nur schwer in eine Richtung einordnen lässt und im Falle von Wes mit dem französischen Produzenten Michel Sanchez einen Sound erhielt, der sich deutlicher am europäischen Musikmarkt orientierte, führte zu unzähligen Gold-, Platin- und Diamant-Auszeichnungen und sagenhaften 40 Wochen in den deutschen Singlecharts. Mit Walenga wurde schließlich auch ein Album veröffentlicht, welches allerdings nicht an den Erfolg der Single anknüpfen konnte, sich dennoch aber in Frankreich, Portugal, Österreich und den Niederlanden in den Top-10 platzieren konnte. Alane sollte Madikos einziger Hit bleiben und bedeutete für den Sänger einen Platz unter den One-Hit-Wondern einzunehmen. Was über Jahre hinweg blieb – war das unvergessene Gefühl von Sommer, Ferne und einem unglaublich sympathischen Sänger, der mit einem Musikvideo voller akrobatischer Bewegungen begeisterte – legendär ist hier die Bauchwelle, die auch auf den Bühnen von The Dome oder Top Of The Pops performed wurde. Nun ist Madiko – 23 Jahre nach seinem großen Hit – wieder in einem Musikvideo zu sehen und singt dabei die gleichen Textzeilen, wie einst bei seinem großen Erfolg. Denn heute hat der Osnabrücker DJ Robin Schulz eine Version des Hits Alane veröffentlicht, die sich stark am Original orientiert und das Gefühl vom Sommer 1997 zurückbringt. Dabei kommt gleich in den ersten Momenten ein unglaubliches Gefühl von Freude auf und bringt den Hörer durch den Gesang Madikos sofort wieder zurück in die 90er Jahre – sofern man bereits zum Original getanzt hatte. Mit modernen EDM-Elementen – und einem ebenfalls choreografisch am Original erinnernden Musikvideo – kehrt auch Madiko im Musikvideo zurück in die Öffentlichkeit und lässt uns eine gute Zeit haben. Mit einer gehörigen Portion Airplay und dem prominenten Namen von Robin Schulz könnte es Alane so – satte 23 Jahre später – abermals zum Sommerhit schaffen. Zu gönnen wäre es Madiko mit seinem zeitlosen Song auf jeden Fall.

Los Unidades feat. Pharrell Williams – Wenn Coldplay ruft

Viel Wind wurde in den letzten Tagen um den Instragram-Post des Plattenlabels Parlophone gemacht. Kündigten Sie doch mit dem Signing von Los Unidades an, eine neue und vielversprechende Band unter Vertrag genommen zu haben und würden in Kürze großes Berichten können. Das dazugehörige Foto, zeigte schemenhaft vier Bandmitglieder in einem farbenfrohen Mittelpunkt. Gleichzeitig werden Los Unidades als Teil des Compilation-Albums Global Citizen EP neben Künstlern, wie David Guetta und Stormzy vertreten sein. Und spätestens hier wird klar, wer sich hinter Los Unidades verbirgt – keine geringere Band als Coldplay um Frontsänger Chris Martin. Dieser unterstützt seit einigen Jahren die Global Citizen Organisation, die das Ziel hat, die weltweite Armut zu bekämpfen. Dabei gibt es neben der Organisation auch seit 2012 das Global Citizen Festival, welches Chris Martin als Kurator unterstützt. Auf der nun veröffentlichten Single E-Lo hören wir klar die Einflüsse Coldplays – allerdings auch einen größeren Einfluss von Weltmusik. Neben der Produzentin Jozzy, die bereits mit Timbaland, Beyoncé, Chris Brown und Pitbull zusammenarbeitete ist auch Pharrell Williams an dem Song beteiligt. Mit dieser geballten Kraft von Kreativität und Bekanntheit, erreichen Los Unidades mit E-Lo sicherlich eine große Hörerschaft und werden viel Aufmerksamkeit für die Global Citizen Organisation erhalten. E-Lo ist dabei eine wunderbar leichtfüßige Popnummer, die ein wenig exotische Klänge vermittelt, doch sich dennoch im Pop wiederfindet.

Disclosure feat. Fatoumata Diawara – Läuten den Sommer ein

Pünktlich zur warmen Jahreszeit und pünktlich zur ersten Hitzewelle 2018 hauen die Brüder Guy und Howard Lawrence alias Disclosure ihre erste Single aus dem kommenden, dritten Album raus. Dabei haben sich die Briten die malische Sängerin und Schauspielerin Fatoumata Diawara dazugehört und brechen damit aus ihrem bisherigen Muster aus, in dem sie zumeist auf große und bekannte Namen gesetzt hatten. Ultimatum ist gewohnt tanzbar, zeigt aber auch, dass Ihr Deep-House wunderbar mit Weltmusik kombinierbar ist und diese in die Clubs der westlichen Welt trägt. Wann wir mit dem dritten Album rechnen können, steht indes noch nicht fest, haben sich die Jungs doch 2017 für eine mindestens einjährige Pause für Auftritte entschieden, um an gerade diesem Album zu arbeiten. Sollte sich der Musikstil auch auf anderen Songs zeigen, dürfen wir uns auf ein abwechslungsreiches Clubalbum freuen.

MELT! 2017 – 20. Geburtstag mit MELT!Frieden – Tag 1

MELT! Festival 2017

Alles begann 1997 am Bernsteinsee im brandenburgischen Velten. Hier noch vom lokalen Berliner Radiosender 98,8 KissFM präsentiert, gab es eine Künstlerin, die auch heute, 20 Jahre später noch auf dem MELT! auflegt. Die Berliner DJ-Ikone Ellen Allien ist mit dem MELT! Festival verwurzelt, wie ein Jahrhundertbaum im Boden Kanadas. Dass das MELT! Festival mittlerweile zu einem der größten Festivals Deutschlands und einem der beliebtesten Europas gehört, beweisen die Zahlen. Immer knapp an die 20.000 Tickets verkauft wurde vor allem in den letzten zehn Jahren eine enorme Internationalität erreicht. Die größten Fans des Festivals, außerhalb Deutschland, markieren Briten, Niederländer und Skandinavier. Ebenso hat sich im Laufe der Jahre das Line-Up deutlich gewandelt. Standen in den Anfangsjahren hauptsächlich lokale DJ’s und Elektrokünstler auf den Bühnen, kommen heute große Künstler aus aller Welt um in der Stadt aus Eisen zu spielen. Mit dabei sind Künstler wie Röyksopp, The Streets, Underworld, Pet Shop Boys, Oasis oder Portishead.

Diesen Juli gaben sich Die Antwoord, The Kills, Hercules & Love Affair und M.I.A. die Klinke in die Hand und brachten Ferropolis zum Beben. Diese Beben sollte am Freitag mit der Neuentdeckung Maggie Rogers beginnen. Hat sie während ihres Musikstudiums die Bekanntschaft mit Pharell Williams gemacht, sorgte das dazugehörige Video, weltweit für einen Hype. Mit ihrer unvergleichbar, sympathischen Art, die einerseits verträumt und andererseits kindlich wirkt, bezauberte sie live das ganze Publikum. Mit den Songs Color Song und Split Stones tanzt sie sich völlig frei, um nicht unerwähnt zu lassen, dass es das erste Mal sei, dass sie auf einer Hauptbühne spiele. Ihr Charakter ist es allemal Wert genau auf einer solchen Bühne zu stehen – füllte sie doch die Bühne und den Publikumsbereich vollends aus. Speziell bei Split Stones war das Publikum gefesselt und feierte seinen (noch) heimlichen Star. Mit Dog Years und Resonant Body kam dann sogar der Spirit einer ganz großen Künstlerin ans Licht – weiss Rogers doch ganz genau, wie sie einen einzigartigen Moment erzeugen kann, der für die Fans genauso, wie auch für sie einen Moment der Entfernung vom Umfeld darstellt. Schwelgerisch, hymnenhaft und eingekehrt klang Dog Years und schallte über das Festivalgelände, um Festivalgänger, die vorher noch nichts von der 23-jährigen Amerikanerin gehört hatten, anzuziehen. Mit Resonant Body hatte sie schliesslich sogar einen ihrer ältesten Songs aus der 2014 veröffentlichten EP Blood Ballet dabei.

Es folgten Say It, Hashtag und Little Joys. Mit Better aus ihrer aktuellen EP Now That the Light Is Fading und dem Cover des Neil Young Songs Harvest Moon hatte sie schließlich auch einen kurzen, ruhigen Block performt – wobei Rogers Harvest Moon mit einem schnellen, elektronischen Beat unterlegte. War die Bühne so aufgebaut, dass es im vorderen Bereich einen Kameragraben gab, sprang Rogers immer wieder zwischen der Hauptbühne und der vorgelagerten Bühne hin und her und musterte das ganze Konzert über das Publikum. So zogen ihre Augen über die Köpfe und suchte immer wieder Augenkontakt mit dem Publikum. Als schließlich On + Off  und Alaska kamen, gab es auch vor der Bühne kein Halt mehr und das Publikum tanzte zu einer lebensfrohen Maggie Rogers. Dass diese beiden Songs eine der Stärksten ihrer bisherigen Karriere sind, zeigte sich nicht zuletzt an einer selbstsicheren, fröhlichen Sängerin, die einem Publikum gegenüberstand, dass einfach nur den Moment genoß. Und so war es auch kein Zufall, das Rogers als letzten Song ein Cover der Band The Sundays spielte, dass den Titel Here’s Where The Story Ends trug. Maggie Rogers ist fantastisch, sympathisch und überzeugt auf ganzer Linie und sollte auf jeder Konzertliste stehen.

Erste Eindrücke vom neuen Forest konnte man unterdessen in der Umbaupause der Hauptbühne sammeln. Stand der Forest dieses Jahr doch ganz im Zeichen des Berliner Clubs Sisyphos, der dieses Stück der Insel zu einem interaktiven Spielwald verwandelte. So gab es ein Open-Air-Kino, einen Strand, einer Bar – die auf dem Dach eine kreative Bastellstube für Festivalgänger anbot – und ein Waldtelefon, von dem aus die Bar zu erreichen war um sich Getränke bestellen zu können (sofern man Willens war, diese auch im Gedränge abzuholen). Dass dieses Prinzip Erfolg hat, zeigte bereits die Premiere 2016. Das Sisyphos hat, im Vergleich zum letzten Jahr, allerdings noch einmal dran gefeilt und den Forest zum, gern in Anspruch genommenen, Aufenthaltsraum werden lassen.

Von Wegen Lisbeth @ Melt! Festival 2017

Währenddessen machte sich auf der Hauptbühne die Berliner-Indie-Sensation Von Wegen Lisbeth bereit, das Publikum zu unterhalten. Dieses war schließlich auch in Scharen gekommen und wollte sich von der Instrumenten-Kunst der fünfköpfigen Band überzeugen. Mit gewieften Texten zwischen Sperma, Sushi und neuen Freunden in seiner Kneipe, schreibt Matthias Rohde – Frontsänger der Band – Texte die bissig, frech und vor allem direkt sind. Dabei hat Rohde einen ganz eigenen Stil zu singen. Sind die langsamen Passagen fast gesprochen und klingen tief, geht es im Refrain schnell zu und wirkt fast, als würden Kumpels zusammen singen. Komm Mal Rüber, Sushi, Chérie und Der Untergang Des Abendlandes waren regelrechte Granaten und ließen das Publikum ausrasten. Dabei sprang Rohde über die Bühne, die nach einer Hippie-Kommune aussah und die Initialien des Bandnamens VWL in vertikalen Beeten vor Schmetterlingstapete zeigte. Mit Das Zimmer, Bitch, Bärwaldpark und Lisa kam dann das ein oder andere ruhigere Lied aus den Lautsprechern und ließ den Moment im Sonnenlicht wie beim Picknick mit Freunden erscheinen. Dass sich Von Wegen Lisbeth so sehr behaupten ist nicht zuletzt der Situation geschuldet, dass clevere deutsche Bands wie Virginia Jetzt oder Wir Sind Helden nicht mehr existieren und deren Deutsch-Indie zur Mangelware geworden ist. Mit Drüben Bei Penny, Lang Lebe Die Störung Im Betriebsablauf, Wenn Du Tanzt und Meine Kneipe spielten sie dann auch fast alle Songs ihres Debütalbums Grande. Dabei wurde Meine Kneipe zum absoluten Höhepunkt, bei dem nicht nur die Band auf der Bühne den größten Spaß hatte, sondern auch das Publikum mitsprang, gröllte und tanzte. Mit Freigetränk kündigten Von Wegen Liesbeth schließlich das Finale an und verschwanden sympathisch, kumpelhaft von der Bühne. Eine Band, die man sich bei einem Wohnzimmerkonzert vorstellen könnte und mit der man gerne mal ein Bier trinken geht – nur nicht in der Kneipe von Matthias Rohde.

Von Wegen Lisbeth @ Melt! Festival 2017

Bis zum nächsten Act sollte noch Zeit ins Land streichen und das Gelände erkundet werden. Neben einem sehr kargen Eingangsbereich, der fast ausschließlich aus einem, aus Paletten zusammengeschusterten, MELT-Zeichen bestand, gab es hier nicht viel zu erkunden. Erst zur Medusa-Stage öffnete sich das Festivalgelände mit Sponsoring-, Bier- und Imbiss-Ständen und hauchte dem Gelände Leben ein. Hiebei gab es so wunderbare Highlights, wie des Arte-Containers, in dem man 180 Grad Fotoaufnahmen von sich machen und als GIF zuschicken lassen konnte.

Gegen 23:30 Uhr kündigte sich dann einer der Hauptacts des Wochenendes an und blies mit satten Bässen alles aus einem heraus. M.I.A. war schließlich keine normale Künstlerin – und was ist auf dem MELT! Festival schon ein normaler Künstler?! Die Britin sorgte mit ihrem Mix aus experimentellen Dance, Rap, Pop und einem nicht zu verachtenden Anteil Weltmusik für eine wahre Soundexplosion bei der die Lunge und das Trommelfell auf eine harte Probe gestellt wurden. Schließlich sollten Songs wie Borders, Pull Up The People, 20 Dollar und Bad Girls passend präsentiert werden. Im rot-schwarzen Gewand, einer bühnengroßen Leuchtstoffröhrenwand und einem DJ dahinter, machte sich M.I.A. die ganze Bühne zu eigen und scheute auch nicht davor zurück, im Platzregen auf den Bühnenvorbau zu gehen und mit dem Publikum zu performen. Als es dann allerdings so stark anfing zu regnen, dass man sich ohne Poncho zwischen triefenden Klamotten und einer halbtrockenen Verlängerung des Abends entscheiden musste, gewann die Verlängerung und die Hälfte des Publikums machte sich auf, irgendwo einen trockenen Platz zu finden. Zum großen Finale kamen dann allerdings alle zurück und Paper Plans zuckte mit seinen Beats und der Lichtshow durch die Nacht.

Die Schuhe triefend nass und großen Pfützen ausweichend, ging es zum Gremmin Beach, auf dessen Bühne der dänische DJ Kölsch auflegte. Mit einem Mix aus poppigen Tracks und langen Soundschienen hatte Kölsch dafür gesorgt, dass selbst das letzte Stückchen Strand mit tanzenden Beinen belegt war. Ob mit Loreley, Goldfisch, All That Matters oder Gray – Kölsch fand immer den richtigen Moment um ein euphorisches Raunen und hymnenhafte Momente zu erzeugen. Wer Elektro mag aber gleichzeitig auch Melodien benötigt, fand bei Kölsch den richtigen Mix aus beidem.

Und so endete der Abend – wetterbedingt – doch recht früh und die durchnässte Uhr zeigte 3 Uhr an. Während die Strahler den Himmel und Ferropolis erleuchteten, setzte sich der Shuttlebus Richtung Zeltplatz in Bewegung und ließ müde bereits die Vorfreude auf den nächsten Tag aufkommen, der mit Newcomern wie Noga Erez, Honne, Nao und Bilderbuch aufwarteten.

Jain – Das Wunderkind des französischen Pops

Jain – Dynabeat

Die französische Sängerin Jain in ein bestimmtes Genre einzuordnen dürfte nach den Singles Come und Makeba schwer sein. War die Erste ein waschechter Radiohit und zuckersüßer Pop, hatte Makeba einen deutlichen Anteil Weltmusik und afrikanischen Einfluss. Nun hat die aus Toulouse kommende Sängerin ihr Debütalbum Zanaka noch einmal in einer Deluxeversion veröffentlicht, auf der auch die neue Single Dynabeat zu finden ist. Dynabeat ist damit Jains vierte Singleauskopplung aus dem 2015 veröffentlichten Debüt und weist ein weiteres Mal musikalisch in eine Richtung, die neu für die 25-Jährige ist. Mit leichtem Pop und einem Indie-Beat der locker von The Ting Tings Debütalbum hätte kommen können, startet Dynabeat, und schreckt sogar vor einen Rap-Part nicht zurück. Dabei kommt der Song so sommerlich und frisch rüber, dass man sich mit Jain glatt aufmachen möchte, den Sommer zu genießen. Hier müssen die Beine unweigerlich mitgehen – alles andere wäre vergeudete Zeit.

Mumford & Sons feat. Baaba Maal, The Very Best & Beatenberg – Vampire Weekend trifft auf The Lumineers

Mumford & Sons feat. Baaba Maal, The Very Best & Beatenberg - Wona

Mumford & Sons feat. Baaba Maal, The Very Best & Beatenberg – Wona

Es ist eine der Kollaborationen des Jahres! Die britischen Folkriesen von Mumford & Sons haben in Johannesburg mit Künstlern der südafrikanischen, senegalesischen,  Musikszene ein paar Songs aufgenommen. Herausgekommen ist ein starker Song, der Afrobeats, Weltmusik, Rock- und Folkelementen vereint und ein unglaubliches Tempo vorlegt. Gehören Beatenberg aktuell zu den angesagtesten Indie-Bands Südafrikas, singt der senegalesische Künstler Baaba Maal seit mehr als 27 Jahren in seiner der Sprache Pulaar. Gemischt und produziert wurde der Song ‚Wona‘ dann auch vom Londoner DJ- und Produzenten-Trio The Very Best, dass sich auf Afro- und malawische Beats fokussiert. So ist ‚Wona‘ Folk, Dance, Weltmusik und Indie in einem und zeigt die unglaubliche Spiellust der einzelnen Künstler.

Mumford & Sons feat. Baaba Maal, The Very Best & Beatenberg - Wona

Mumford & Sons feat. Baaba Maal, The Very Best & Beatenberg – Wona