The Avalanches feat. Jamie XX, Neneh Cherry & CLYPSO - Wherever You Go

The Avalanches feat. Jamie XX, Neneh Cherry & CLYPSO – Ein Song, zu groß für das Jetzt

The Avalanches sind eine Band mit einer enormen Geschichte. Haben sich Ende der 90er Jahre ein paar Australier zusammengetan und unter dem Bandnamen Alarm 115 erste Songs veröffentlicht, folgte erst mit der Umbenennung in The Avalanches der erste Erfolg. 2000 waren sie auf ihrem ersten Höhepunkt und erreichten mit Since I Left You als Single und mit dem gleichnamigen Album die Charts weltweit. Nach wiederholten Ankündigungen, an einem zweiten Album zu arbeiten, folgte 16 Jahre lang keine neue Musik. Schließlich – von einem Sextett zu einem Duo zusammengeschrumpft – wurde mit Wildflower und der Single Subways 2016 wieder neue Musik veröffentlicht. Dabei schloß Wildflower an den Sound des ersten Albums an, konnte jedoch deutlich bessere Chartsplatzierungen vermelden, landete in ihrem Heimatland Australien auf Platz 1 und vermeldete mit Platz 27 erstmals auch eine Chartnotierung in den USA. Für ihr drittes Album wollten sich Robbie Chater und Tony Di Blasi schließlich nicht mehr so viel Zeit lassen und veröffentlichen gerade – nur vier Jahre nach ihrem zweiten Album – neue Songs. Dabei fällt auf, dass sich fast alle Songs mit namhaften Kollaborationen schmücken können. Ist es auf der ersten Single We Will Always Love You der US-Amerikanische Singer/Songwriter Blood Orange, sind auf der zweiten Auskopplung Running Red Lights Rivers Cuomo und Pink Siifu dabei. Nun veröffentlichen The Avalanches mit Reflecting Light feat. Sananda Maitreya, Vashti Bunyan und Wherever You Go feat. Jamie XX, Neneh Cherry & CLYPSO gleich zwei neue Songs.

The Avalanches

The Avalanches

Dabei wird Sananda Maitreya den meisten unter Terence Trent D’Arby etwas sagen – hat er doch unter diesem Namen Ende der 80er Jahre mit Songs, wie Wishing WellSign Your Name und dem ’93er Hit Delicate – zusammen mit Des’ree – mehrere Hits gehabt. Doch beschäftigt uns der zweite Song Wherever You Go viel mehr. Denn hier mischen The Avalanches einen Sound zusammen, der jenseits unserer Zeit ist. Mit Weltmusik, dem Hauch der frühen 2000er, einem modernen Housebeat und verspielten Future-Dance-Elementen holt das Duo zusammen mit seinen Featuring-Acts zum Rundumschlag aus und weisst die elektronische Gemeinschaft auf ihre Plätze. Dabei ist Wherever You Go keineswegs als purer Elektrosong zu sehen – vielmehr ist es das Zusammenspiel der verschiedensten Elemente, die den Song so universell klingen lassen. Gleichzeitig lassen alle Involvierten ihren typischen Sound einfließen. Da hören wir den Mix aus Jungle und Afropunk von CLYPSO, die Hip-Hop-Rhymes von Neneh Cherry und den Future-Dance eines Jamie XX‘. Gleichzeitig streuen sie mit Samples von Sergio Mendes‘ Magalenha und dem Beach Boys Snippet Vegetables – Ballad Insert Referenzen an eine Zeit ein, die dem heutigen Zuhörer wie aus einer anderen Welt vorkommen. Mit Wherever You Go haben The Avalanches einen Song veröffentlicht, der auch nach mehrmaligem Hören nicht greifbar ist und dennoch durch seine homogene Zusammensetzung zum Ohrwurm wird.

 

Zola Blood – Satter Elektrobeat mit Tiefe

Es ist nun schon wieder drei Jahre her, dass das britische Quartett Zola Blood mit dem Debütalbum Infinite Games zum festen Bestandteil der Londoner Elektroszene geworden sind. Mit einem Mix aus Techno, Dream-Pop lastige Chants und typischen Elementen von House und Ambient lassen die Jungs um Frontsänger Matt West nichts anbrennen. Nun bereiten uns die Jungs mit einem neuen Song, auf die – am 22. Mai erscheinende – EP Two Hearts vor. Beginnt die gleichnamige Leadsingle Two Hearts mit einem anschwellenden Rauschen, welches an Loud Places von Jamie XX erinnert, geht der Song in einer Synthiewolke voller zuckender 80er-Jahre Beats auf. Als roter Faden zieht sich das Thema Zeit und wie wir mit ihr umgehen durch die EP. Dabei bedienen sich Zola Blood auf ihren Coverbildern zu Two Hearts der traditionellen japanischen Kitsungi, bei der man zerbrochenes Porzellan mit Hilfe von Gold wieder zusammensetzt. Gleichzeitig kommt der Band die philosophische Frage auf, ob wir Dinge nur dann schätzen, wenn sie unversehrt bleiben und wir ihnen dadurch aber auch die Möglichkeit nehmen, sich zu Wandeln? Diese Komplexität verbinden Zola Blood auf Two Hearts gleich in zweierlei Hinsicht äußerst interessant. Denn zum einen klingt Two Hearts derbe und rau – vorrangig durch sein Soundbett und zum anderen fügt sich Wests Stimme so wunderbar in die Produktion ein, dass man das Verschmelzen dieser beiden Elemente förmlich vor seinem Auge zu sehen scheint. Two Hearts ist die Schnittstelle zwischen Club und Homeparty, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft und zwischen Trauer und Euphorie und könnte zum festen Begleiter in die Tiefen der Nacht werden.

The Best Of 2018 Vol.: 07

01. Mumford & Sons – Guiding Light

02. MK – 17 (6am Remix)

03. Krystal Klear – Neutron Dancet

04. Maggie Rogers – Give A Little

05. Janet Jackson feat. Daddy Yankee – Made For Now

06. Razorlight – Sorry_

07. William Fitzsimmons – Angela

08. James Hersey – Real For You

09. Isaac Gracie – Running On Empty

10. White Lies – Time To Give

11. Tom Odell feat. Alice Merton – Half As Good As You

12. Razorlight – Olympus Sleeping

13. Synapson feat. Lass – Souba

14. Cher – Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)

15. Jamie XX – Girl

16. Dirty Vegas – Let The Night

17. Coldplay – Adventure Of A Lifetime (Yotto Remix)

18. Kid Simius – The Flute Song (Paul Kalkbrenner Remix)

19. Disclosure feat. Eliza Doolittle – You & Me (Flume Remix)

The xx – Konzertkritik

The xx - I See You - European Tour www.soundtrack-of-my-life.com

The xx – I See You – European Tour http://www.soundtrack-of-my-life.com

Es war eine Art Heimspiel. Das britische Trio von The xx kamen, 4 Jahre nach ihrem letzten Berlinbesuch wieder in die Hauptstadt – und alle waren da. Spätestens nachdem ihr drittes Album I See You im Januar auf Platz 1 der deutschen Albumcharts einstieg, war klar, dass diese drei schüchternen Londoner keine kleine Indieband mehr sind. Dies sollte auch am vergangenen Samstag noch einmal eindrucksvoll bewiesen werden. Gaben sie doch in der Arena Berlin ein Konzert und füllten diese nicht nur, sondern sorgten für ein ausverkauftes Haus und spielten somit vor rund 9.000 Fans. Überraschend war auch, welches Publikum das Trio in die Arena zog. Hatten The xx 2013 noch im Spreepark mit ihrem eigenen Festival Night + Day vorrangig die, in Berlin so beliebten, Hipsters angezogen, fanden sich nun in der Arena von Hipsters, über Fanschal-tragende, bis hin zu Fans, nahe des Rentenalters alle Gruppen wieder. The xx sind zu einer Mainstreamband, fernab des Mainstreams geworden und erfreuen sich vor allem in Berlin einer enormen Beliebtheit.

Nur am Rande sei hier kurz erwähnt, dass die Arena Berlin keine ideale Location für Konzerte ist, die eine gewisse Klangästhetik voraussetzen. Ein James Blake oder eben The xx leiden deutlich unter der großen Halle und dem Stahlgebäude, das die Bässe blechern zurückwirft. Doch versuchen die Veranstalter und Tontechniker stets das beste und gaben so auch am Samstag alles, um die Defizite wettzumachen.

Die neue Leichtigkeit

Als Support legte der britische DJ Floating Point die erste halbe Stunde auf und untermalte das Warten mit Songs wie Argenté, Kuiper und Silhouettes (I, II & III). Floating Points moderner und entspannter Elektro war die perfekte Einstimmung auf The xx und ließ bei dem ein oder Anderen bereits die Tanzlust steigern. Um 21:15 sollte es schließlich soweit sein und Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie xx betraten die Bühne. Mit Say Something Loving eröffneten sie den Abend und präsentierten damit gleich die Richtung, in die es mit der Neuausrichtung von The xx gehen sollte. Ist doch ihr drittes Album deutlich poppiger und freundlicher geworden. Dies steht der Band so gut, dass man am Samstag auch auf der Bühne ein ausgetauschtes Trio sehen konnte. Da stand Jamie xx im Hawaiihemd erhöht an seinem DJ-Pult und Romy und Oliver in schwarz gekleidet (manche Dinge ändern sich dann doch nicht) an den Mikros. Auffällig bei Say Something Loving war, dass Romy deutlich direkter sang und sich fast schon wie eine Frontsängerin präsentierte. Dies war zuvor nie der Fall, waren die drei doch viel zu schüchtern und zurückhaltend. Mit Crystalised und Island folgten dann zwei der wohl beliebtesten Songs aus dem Debütalbum xx und sorgten so für Begeisterung beim kompletten Publikum.

Der Einfluss eines Soloalbums

In den fünf Jahren, die The xx kein neues Album veröffentlichten war vor allem Jamie xx rege unterwegs und veröffentlichte mit In Colour sein hochgelobtes erstes Soloalbum. Auf diesem präsentiert sich Jamie xx deutlich positiver als noch bei den Produktionen für The xx. Und genau das sollte sich schließlich auch auf die neuen Songs von I See You auswirken. So sind die Songs Lips und Performance, die als nächstes folgten, von der neuen Präsenz Romy und Olivers geprägt. Stehen sie doch jetzt deutlich im Mittelpunkt und versuchen sich nicht mehr als unbedeutendes Beiwerk zu präsentieren. Mit einem Cover des Drake Songs Too Good überraschten sie schließlich durch ein intimes Duett, um dann mit Brave For You gleich einen weiteren ruhigen Song des neuen Albums zu spielen. Mit Infinity und VCR starteten The xx dann auch richtig durch und bekamen hier auch den letzten Fan dazu mitzusingen und zu tanzen. War die Bühne als riesiges Spiegelkabinett aufgebaut, strahlten die Scheinwerfer diffus durch die Halle und ließen die Bühne in einem Farbenmeer erscheinen. Hinzu kam, dass sich einige Spiegel- und LED-Säulen bewegten und somit die Farben in alle Richtungen projizierte.

Pop hält Einzug

Mit I Dare You folgte schließlich eine positive Hymne, bei der man mitsingen und auch mal Oooohhhhhhooohoo rufen konnte. Allein ein solcher Gesangspart war vorher nie mit The xx in Verbindung zu bringen und stand ihnen doch am Ende so gut. Mit Dangerous folgte eine Clubnummer bei der die gesamte Arena zu tanzen begann und damit den größten Dancefloor des Abends in Berlin schuf. Mit dem ruhigen A Violent Noise brachen The xx dann noch einmal die Tanzwut des Publikums auf, um dann Jamie xx so richtig zum Zuge kommen zu lassen. Hatte er doch einen Remix der beiden Songs Fiction und Sunset gespielt. Dieser war mit einer Lichtshow versehen und ließ nicht nur die Beats in der Brust spüren, sondern gleichzeitig auch ein Gefühl der Zugehörigkeit aufkommen. Dass dieses mit den schnelleren Nummern geschah, kann man dem enthusiastischen Publikum zuschreiben, das jeden Song und jeder Version dankbar annahm und zelebrierte. Darauf folgte Shelter, ehe sie mit Loud Places aus Jamie xx Album In Colour zum vorerst letzten Song ansetzten. Hier kam es dann noch einmal auf, dieses Gefühl zwischen Tausenden zu stehen, die den Song ganz unterschiedlich aufnahmen aber alle bis zur letzten Sekunde genossen. Da tanzten ausgeflippte Südamerikaner und drückten ihre Freude mit Sprüngen und wilden Gestiken aus, sowie es den ruhigen bärtigen Mittzwanziger gab, der einfach nur die Augen schloß und man erkennen konnte, wie der Song ihn durchdrang. Diese Facetten und der Reichtum, den Songs wie Loud Places auslösen, sind das eigentliche Geheimrezept des Erfolges von The xx. Und so gingen die drei von der Bühne und ließ Jamie xx den Beat einfach weiterlaufen, um dann zwei Minuten später zurückzukehren und mit On Hold diese positive Stimmung noch einmal zu erhöhen. On Hold ist derart positiv und strahlt eine Weite aus, die gleichzeitig mit Sehnsucht verbunden ist und einfach nur zum genießen anregte. Was folgte war Intro, der als gewaltiger Instrumental-Song vom Debütalbum xx bereits seit seiner Veröffentlichung begeistert.

The xx & Berlin – Eine Verbindung die bleibt

Zum Schluß setzte Oliver schließlich, mit den Worten, dass Berlin schon immer eine besondere Stadt für die Band sei, ein und beschwor die Verbindung, die Romy, Jamie xx und er zu ihr und den Menschen haben. Mit einem danke in die Menge setzten sie zu Angels an und zeigten so, wie sehr sie dem Berliner Publikum dankbar sind. Heißt es in Angels doch They would be
As in love with you as I am, they would be, in love, love, love. The xx haben in Berlin das geschafft, was die wenigsten von ihnen für möglich gehalten hätten. Erfolgreich zu sein, große Hallen auszuverkaufen und sich dennoch fernab des Poprummels abzuspielen. Dieses britische Du, dass im Teenageralter angefangen hatte mit sensiblen und introvertierten Songs die Welt zu begeistern ist zu einer großen und wichtigen Band gewachsen. Dies haben sie in der Arena Berlin gezeigt. Und so wird die Fanbindung auch die nächsten Jahre eine konstante Bank für die Band sein.

The XX - On Hold

The XX – Mut zur Veränderung

Dieser Artikel sollte eigentlich damit anfangen, dass man bei The XX auch schon eine zweijährige Pause als lang empfindet. Doch schaut man sich ihre Diskografie an, stellt man fest, dass er zweites Album Coexist bereits fünf Jahre her ist. Damit relativiert sich dann auch das Gefühl wieder, sie so sehr vermisst zu haben. Mit der ersten Single On Hold, ihres im Januar erscheinenden dritten Albums I See You läutet das Trio eine Veränderung ein, die nach all den Jahren und verschiedensten Einflüssen fast schon absehbar war. Nachdem Jamie XX 2015 sein viel gelobtes Album In Colour veröffentlichte, auf dem Romy Madley Croft und Oliver Sim gesanglich mit an Board waren, hatte sich eine musikalische Veränderung abgezeichnet. Man könnte so In Colour fast als ein Zwischenalbum The XX‘ bezeichnen. Und so klingt On Hold dann auch, als wäre es die Weiterführung des In Colour Sounds. Da steigen Croft und Sim gesanglich eher ruhig ein, bevor bei Sekunde 0:50 ein typischer, positiver Jamie XX-Sound beginnt. On Hold ist schneller, positiver und doch ruhig. Eine Mischung, die sie bereits bei anderen Kollaborationen beweisen konnten. Nun hat sich dieser Sound mit On Hold durchgesetzt und lässt The XX auf einem Niveau arbeiten, das wenige so konsequent durchhalten und selbst an Veränderungen nicht scheitern. On Hold steht in dem Fall fast schon für Move On.

 

Bon Iver - 22, A Million

Bon Iver – Eines dieser Wunderkinder

Justin Vernon, wie Bon Iver bürgerlich heißt, kann in einer Reihe mit Musikern wie Ben Howard, Damien Rice, oder selbst Jamie XX genannt werden. Warum? Alle samt sind Musiker, die ihrer Musik so viel Intimität und Zerbrechlichkeit verleihen, dass es gar nicht mal so sehr auf das Genre ankommt, um Gefühle zu erzeugen. Der Amerikaner Bon Iver hat bereits mit seinen ersten beiden Alben For Emma, Forever Ago (2007) und Bon Iver, Bon Iver (2011) für viele positive Kritik gesorgt und war in den letzten Jahren immer wieder Vorbild für viele Bands und Musiker. Nun ist Bon Iver überraschend mit dem neuen Album 22, A Million zurückgekehrt und verblüfft gleich doppelt – hört man sich erst einmal die Songs genauer an. So klingen die Songs zwar immer noch nach dem typischen Bon Iver Sound, gepaart mit Kopf- und Bruststimme, doch ist bei der Produktion deutlich mehr Wert auf eine passende, elektronische Untermalung gelegt worden. Da ist die aktuelle Single 33″GOD“ das beste Beispiel. Fängt der Song mit einem Klaviersolo an, gesellt sich schnell Bon Ivers Stimme hinzu, um nach ca. 1:20 Minute plötzlich in einen düsteren Bass überzugehen, der 33″GOD“ verstörend wirken lässt. Da klingt der Song plötzlich chaotisch, gar bedrohlich. Nur, um dann wieder in eine ruhige Phase überzugehen. Diesen Wechsel vollzieht Bon Iver noch ein paar mal und steigert so die Intensität des Songs. Mit 33″GOD“ zeigt Bon Iver, dass sein Einfluss auf die Popkultur nie weg war und seine Songs fast schon als Kunstwerke gesehen werden können.

MELT! 2016 – Alles neu in Ferropolis – Tag 2

MELT! Festival 2016

MELT! Festival 2016

Tag zwei kam mit einem üblichen Ritual daher – Baden gehen, Duschen, die Klorollen weiterreichen und die Getränke vorbereiten. Denn auch heute gab es neben Two Door Cinema Club und Deichkind so einiges zu erleben.

Newcomer der großen Worte

Fing der heutige Tag erst um 20 Uhr an, legte Drangsal auf der Medusa Stage eine Show hin, die an Pomp und 80’s-Sound kaum zu überbieten war. So klang der 23 Jährige wahlweise wie The Cure, The Smith oder Depeche Mode und könnte so in den 80er Jahren Millionen Platten verkaufen. Was in den 80er Jahren Mainstream war, ist heute ein Überbleibsel für den Indie- und Alternative-Fan. Auf dem MELT! konnten sich allerdings – und das war zu erwarten – sehr viele mit dem Sound des Wahlberliners identifizieren. Und so war die Medusa vollgepackt bis hinter die Bars. Der Pathos, mit dem Drangsal Songs wie Love Me Or Leave Me Alone, Hinterkaifeck und Allan Align performte, hätte bei vielen Bands ausgesehen, wie aufgesetzt oder angeeignet. Bei Drangsal jedoch wirkte alles stimmig und spätestens mit dem Cover des Lady Gaga Hits Paparazzi setzte er noch eins drauf und wandelte irgendwo zwischen 80’s-Kitsch und New-Wave Sounds.

Drangsal @ MELT! Festival 2016

Drangsal @ MELT! Festival 2016

Alte Bekannte präsentieren neues Material

Keine dreiviertel Stunde später ging es bereits auf der MELT! Stage mit Two Door Cinema Club los. Was hier zu erwarten war, wurde bei weitem übertroffen. Satte 19 Songs spielten die Nordiren und vereinten so alle Hits ihrer beiden, bereits veröffentlichten, Alben Tourist History und Beacon und ihrem, im Oktober erscheinenden Album Gameshow. So dauerte es gerade einmal einen Song, bis das Publikum direkt vor der Bühne anfing ekstatisch zu tanzen. So ging es über etwas mehr als eine Stunde durch Songs wie Sleep Alone, Undercover Martyn, Gameshow, Are We Ready (Wreck), Sun, I Can Talk, Something Good Can Work und Someday. Beendet hatten das Trio den Auftritt mit What You Know – einem letzten Aufbäumen der Masse um sich bei der Band für den Auftritt zu bedanken. Da wurde gesprungen und gepogt und ganz viel gejubelt und am Ende tief durchgeatmet.

Während auf der MELT! Stage umgebaut wurde, spielten in der Orangerie die Jungs von Kytes. Die Münchener Indierock Band ist seit geraumer Zeit ein Geheimtip, was Indie aus Deutschland angeht. So klingen sie wahlweise nach Phoenix oder Two Door Cinema Club. Mit Songs wie As We Row, Future Kids oder On The Run und einem unglaublich fidelen Auftritt, schafften das Quartett es problemlos, die Menge zum tanzen zu bekommen. So war der knapp 40-Minütige Auftritt mit ganz viel Energie gefüllt und sorgte für gute Stimmung.

Anarchie als Popkultur

Die Uhr zeigt 23:45 Uhr an – es wurde also Zeit für den wohl besten Auftritt des Abends. Waren doch Deichkind angekündigt. Wer bereits einige Jahre MELT!-Besucher ist, kann sich vielleicht an den legendären 2006er Auftritt der Combo erinnern. Den MELT!-Veranstaltern steckt dieser Auftritt wohl heute noch in den Knochen. Hatten Deichkind doch im letzten Song, Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah), welches um halb sieben Uhr in der früh gespielt wurde, alle Fans auf die Bühne gerufen und so für den absoluten Sicherheitsgau gesorgt. So bestiegen hunderte Fans die Bühne, drückten sich an Security’s vorbei und sorgten dafür, dass nicht nur der Strom ausfiel, sondern auch ernsthafte Gefahr bestand, dass die Bühnenkonstruktion zusammenbricht. So war es nicht verwunderlich, dass es sage und schreibe 10 Jahre gedauert hat, bis man Deichkind wieder auf einer MELT! Bühne zu sehen bekam – sicherlich auch mit strengen Auflagen. War 2006 der totale Abriss als Konzept geplant, könnte man das 2016er Konzept mit viel Pomp und Anarchie beschreiben. So gab es Wodkaduschen, Schlauchbote über den Köpfen des Publikums, Federn und jede Menge Konfetti. Deichkind sind schon lange nicht mehr die unprofessionelle Band, die mit Mülltüten auf der Bühne für absolutes Ausrasten stand. 2016 sind die Shows durchgestylt, mit Boygroup-Synchron-Performances und ganz viel Lichttechnik versehen. Da gab es Kostüme, die an Daft Punk erinnerten, Technik, die bei Kylie Minogue nicht besser passen könnte und einer Band, die den absoluten Exzess seit knapp 20 Jahren lebt. Mit diesem Performancekonzept wäre es dann auch nur zu verständlich gewesen, wenn keine weitere Band mehr die Bühne betreten hätte – kamen doch große Probleme auf, die ganzen Federn wegzubekommen. Von den Songs stachen vor allem Bück Dich hoch, Leider Geil, Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) und Roll das Fass rein hervor. Bei letzterem wurde, wie schon auf dem letztjährigen Lollapalooza Festival, ein riesiges Fass in die Menge gerollt, auf dem Deichkind den Song sangen. Mit jeder Menge politischer Messages versehen, nutzten Deichkind nicht nur einmal die Gunst so viele zu erreichen. Anderthalb Stunden, 90 Minuten, von 23:45 Uhr bis 1:20 Uhr, ging das Konzert und beanspruchte die komplette Energie der Fans.

Vom Deichkind Auftritt noch körperlich gezeichnet, trat um 2:30 Jamie XX auf der MELT! Stage auf. Musste letztes Jahr wegen ihm die Gremmin Beach Bühne, wegen zu vielen Menschen, gesperrt werden, hatte er nun mit der MELT! Stage alle Möglichkeiten, die es zu haben gibt. Durch seine teilweise sehr ruhigen Songs, setzten sich so einige vor die Bühne hin und ließen so den Abend ausklingen. Mit Loud Places, dem You’ve Go The Love Cover oder I’ll Take Care Of You hatte Jamie XX genau den richtigen Übergang gefunden, um das Publikum von seinen Studioproduktionen mit, zu einem DJ-Set zu nehmen. War doch gerade der zweite Teil des Konzertes mehr Live-Mix als Studioaufnahmen.

Körperlich, nach Konzerten von Two Door Cinema Club und Deichkind, ein Wrack, freute man sich nur noch auf das Zelt. Und wer als erstes auf seiner Luftmatratze lag, war für diesen Abend auch nicht mehr gesehen. So ging Tag 2 zu Ende und wurden die Eindrücke verarbeitet. Mit Digitalism, Lea Porcelain und Disclosure warteten dann an Tag 3 noch weitere Highlights des letzten Tages.

Two People - Fading

Two People – Wenn sich Wege kreuzen

Da können Musiker noch so weit weg leben und Musik machen, irgendwann lernt man dann doch einmal einen Song kennen, folgt der Band einige Monate, stellt dann fest, dass sie sich aufgelöst hat um gleichzeitig zu realisieren, dass man eine neue Band entdeckt hat, die zwei Mitglieder der ersten Band beinhaltet. Was sich so komplex erzählt – gilt für das australische Duo Two People. So simple wie ihr Bandname vermuten lässt, klingt die Musik dann allerdings nicht. Denn Phoebe Lou und Joey Clough sind schon lange im Musikbusiness dabei. Waren sie doch von 2010 bis 2014 teil der recht erfolgreichen australischen Band Snakadaktal, mir der sie neoverträumte Popsongs wie Air und Dance Bear veröffentlichten. Gibt es die Band seit 2014 nicht mehr, haben Lou und Clough nicht lange die Füße still halten können. So kam es zu dem neuen Musikprojekt und Duo Two People. Auf der Single Fading klingt Cough’s kreiertes Soundkostüm so tiefenentspannt, dass sich Lou’s Stimme durch eine leichte, laszive Art wunderbar an dieses Kostüm anschmiegt. Hier kommen Assoziationen zu Jamie XX und Romy auf, die auf ähnlichem Niveau produzieren. So ist Fading der perfekte Wegbegleiter für eine lange Zugfahrt, für den Moment am Strand, oder auch um einfach auf der Couch zu liegen und zu entspannen.

Japanese Wallpaper - Arrival

Japanese Wallpaper – Musik die so klingt wie der Künstler heißt

Wenn eine Plattenfirma, die unter anderem Sufjan Stevens, FKA twigs oder Jamie XX unter Vetrag hat, einen unbekannten Künstler ins Boot holt, wird dieser nicht mehr lange unbekannt bleiben. In diesem Falle trifft es den jungen Australier Gabriel Strum, der sich Japanese Wallpaper nennt und Musik von der ganz ruhigen Sorte macht, die perfekt zu einen Sonntag im Bett passt. So wird doch bei dem Song Arrival der ein oder andere wohl abdriften und in seinen Träumen versinken. Arrival möchte nicht aufregen, möchte auch nicht um jeden Preis auffallen. Hier geht es dem jungen Künstler nur darum, eine bestimmte Gefühlslage zu erzeugen und den Hörer zu beruhigen. Und wie Japanese Wallpaper dies schafft.

Jamie XX feat. Romy - Loud Places

Jamie XX feat. Romy – Und man verliebt sich in einen Song

Es ist dieser Moment, in dem man zum aller ersten Mal einen Song hört und nach den ersten fünf Sekunden das warme Gefühl der Geborgenheit spürt. Das in sich kehren und abschweifen. So geschehen bei Jamie XX‘ neuen Song. Mit ins Boot geholt hat er sich seine langjährige The XX-Bandkollegen Romy. Doch wer jetzt denkt, dass The XX jetzt etwa getrennte Wege gehen, der hat weit gefehlt. Auch hier wird an neuem Material gearbeitet, das mit viel Glück bereits Ende 2015 erscheinen könnte. Nun war Jamie XX, der bereits seit einigen Jahren auch als Remixer und DJ unterwegs ist, eben schneller. So kommt am 1. Juni sein zweites Album In Colours raus das Loud Places heißen wird. Wie eingangs erwähnt ist Romy hierbei die gesangliche Unterstützung und singt so verzaubernd wie eh und je. Hinzu kommt ein tiefer, fast schon Dreamdance angehauchter, Housebeat und ein singender Männerchor. Dies alles verbindet sich in 5:04 Minuten zu einem Gesamtkunstwerk wie es nur aus dem Hause rund um The XX kommen kann.