The Coronas - Light Me Up

The Coronas – Wenn ein Jahr die Veränderung bringt

Es ist eine verrückte Zeit für die irische Band The Coronas. Noch im Mai 2019 hatten sie mit Find The Water die erste Single ihres kommenden, sechsten Albums True Love Waits veröffentlicht. Dann gab die Band mitten in der Vorweihnachtszeit plötzlich die Trennung von Gitarristen Dave McPhillips bekannt – der sich auf eigenen Wunsch aus der Band zurückzog. Was zur Folge hatte, dass sich die Band neu strukturieren musste – wer übernimmt den Part McPhillips und wie wird sich das auf die Band auswirken? Im Januar veröffentlichte die – nun zu einem Trio zusammengeschrumpfte – Band mit Haunted schließlich die zweite Single. Plötzlich, nur sechs Wochen später, folgte der nächste Schock. Denn auch in Irland hatte die Pandemie so große Auswirkungen, dass die Band ihre Promotion-Tour für das kommende Album absagen musste – immerhin eine der größten in der Geschichte der Band, mit Gigs in den USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz. Selbst ein eigenes Festival wurde für das Release-Wochenende unter dem Namen Nowhere We’d Rather Be angekündigt und sollte Acts, wie Tom Walker, Gabrielle Aplin, Hudson Taylor und natürlich The Coronas auf der Bühne performen sehen. Auch hier musste die Band den Fans leider mitteilen, dass das Festival nicht stattfinden wird und The Coronas nun ihr neues Studioalbum ohne große Promotion am kommenden Freitag veröffentlichen wird.

The Coronas

The Coronas

Doch The Coronas werden nicht müde – so hat die Band schließlich doch noch eine kreative Lösung für eine Promo-Tour gefunden und fährt ab kommenden Donnerstag bis einschließlich Montag mit einem Eiscremewagen durch das Land mit Stops in Cork, Limerick, Waterford, Galway, Kilkenny und Dublin. Dabei gibt es nicht nur Eiscreme, sondern auch das neue Album zu kaufen. Mit dieser Ankündigung haben der Sänger Danny O’Reilly, Drummer Conor Egan und Bassist Graham Knox gleichzeitig eine neue Version ihrer neuesten Single Light Me Up – veröffentlicht, welche die Band zusammen mit Cian, vom irischen Newcomer-Trio True Tides eingespielt hat. Dabei dürfte den irischen Konzertgängern das Trio True Tides – bestehend aus drei Brüdern – durch die Dubliner Konzerte von The Coronas bekannt sein, spielte die Band doch hier als Support. Mit dem emotionalen Light Me Up haben The Coronas nochmals und kurz vor dem Release des Albums eine Single veröffentlicht, die sich an die ganz großen Momente anschmiegt und einmal mehr zeigt, wie eindrucksvoll die Musik der Dubliner Band ist. Wird das Album True Love Waits an diesem Freitag in Irland veröffentlicht, müssen wir international noch eine Woche warten, bis es auch in anderen Ländern verfügbar sein wird. Bis dahin freuen wir uns über großartigen Rocksound, der schon fast zum Stadionrock gezählt werden kann.

Sion Hill - Speak Up

Sion Hill – Die irische Tradition im Popsong tragen

Nach wie vor übt Berlin eine enorme Anziehungskraft auf Musikacts weltweit aus, um den Einstieg in das Business zu schaffen. Ob die Parcels oder Yates aus Australien, Travis‚ Frontsänger Fran Healy aus Großbritannien oder RY X – der einige Zeit in Berlin lebte – für viele Künstler gehört es mittlerweile dazu, sich für eine Zeit lang in der kulturellen Hauptstadt Europas aufzuhalten. Auch der Ire Sion Hill – der bürgerlich Nathan Johnston heißt – hat diesen Schritt vor einigen Jahren gewagt, ist in der Stadt geblieben und sollte dafür belohnt werden. Mit seiner 2017er Single Elephant konntet ihr hier auf SOML bereits früh über den Singer/Songwriter lesen. Damals noch im Pop zu Hause – der mit Gitarre angereichert sogar Pete Dorherty überzeugte, ihn als Support mit auf seine Tour zu nehmen – schaffte der Sänger es auch, die ersten Radioplays zu erhalten. Nun ist der 25-Jährige mit seiner neuesten Single Speak Up zurück und  bezieht sich noch stärker auf seine irischen Wurzeln. Nicht nur, dass sein Künstlername Sion Hill auf deutsch in etwas Himmel auf dem Hügel bedeutet, hat der Ire auf Speak Up nun auch traditionelle irische Folkmusik im Einsatz. Dabei dürfte der aktuelle Einfluss der irischen Musik international gerade in den letzten Jahren stetig gestiegen sein und bringt neben Dermot Kennedy, Hozier und Walking On Cars auch Songs, wie Galway Girl von so großen Künstlern, wie Ed Sheeran hervor. Mit einem wunderbaren Mix aus Pop, Folk und Tradition, streut der Sänger auch eine leichte Note elektronischer Musik unter die starke Instrumentierung. Ob die knapp 21.000 Einwohner große Stadt Mullingar – aus der Sion Hill kommt – weiss, wie großartig der Sänger in Deutschland ankommt, kann nur vermutet werden, seine irische Herkunft präsentiert der Singer/Songwriter mit seinem neuesten Song auf alle Fälle mit Stolz. Mit Speak Up hat der Ire es geschafft, einen Song zu veröffentlichen, der die traditionelle irische Musik mit Instrumenten, wie der Fidel, dem Dudelsack, dem Akkordeon oder der Flöte modern präsentiert, und damit für frischen Wind im Radio sorgt.

Jeremy Loops - Mortal Man

Jeremy Loops – Singer/Songwriter mit südafrikanischem Flair

Man könnte die letzten beiden Jahre wirklich als eine Art Traum für den südafrikanischen Singer/Songwriter Jeremy Loops betrachten. Doch ist sein kommendes, drittes – noch unbetiteltes – Album viel mehr das Resultat seiner bisherigen Arbeit und seiner Person selbst. Denn geboren und aufgewachsen in Südafrika, ist Jeremy Hewitt – wie Loops bürgerlich heißt – der Sohn einer Schweizerin und hat damit auch eine direkte Verbindung zu Europa. Neben der Musik, setzt sich der studierte Immobilienfachwirt auch für die Umwelt – und im Besonderen für die Erhaltung von Wäldern ein. Hierbei ist er sogar Mitbegründer der Organisation Greenpop. Zurück zur Musik – denn hier hatte sich der 36-jährige Sänger nach einer zweijährigen Weltreise dafür entschieden, als Singer/Songwriter sein Leben zu bestreiten. Als wäre nichts leichter als das, sowie es der Wunsch von so vielen Menschen weltweit und ohnehin Herausforderung genug ist, gelang Loops gleich mit seinem Debütalbum Trading Change (2014) der Durchbruch und erreichte er Platz 1 der südafrikanischen Albumcharts. Dabei hat sich der Singer/Songwriter zum Merkmal gemacht, mit einer Loop-Station zu arbeiten und diese auch während seiner Konzerte einzusetzen. Hierbei spielt Loop nacheinander die jeweilen Tonfolgen einzeln ein und legt die Tonspuren schließlich übereinander, die so in der Gesamtheit mitunter Songs erzeugen, die klingen, als würde ein Orchester im Hintergrund sitzen. Nach dem zweiten Album Critical as Water (2018) folgten schließlich weltweite Touren als Support von unter anderem Twenty One Pilots und damit einhergehend, dass Loops vor einem immer größer werdenden Publikum spielte. Um die Leiter des Erfolges jedoch noch weiter aufwärts zu steigen, kam es im Zuge einer Konzert-Aftershow-Party von Ed Sheeran – zu dessen ÷ Tour in Kapstadt – und einem Zusammentreffen der beiden Musiker. Hier lud ihn Sheeran ein, nach England zu kommen und ein paar Songs aufzunehmen. Nun hat Loops bei Universal Music einen Plattenvertrag unterschrieben, der dem Musiker die Freiheit eines Independent-Labels einräumt, allerdings die Distribution eines Weltkonzerns nutzt. Somit wird sein drittes Studioalbum auch weltweit veröffentlicht werden und auch Songs aus der Zusammenarbeit mit Ed Sheeran enthalten. Mit der ersten Singleauskopplung daraus, gibt uns Loops nun das Gefühl von Sommer, Strand und Urlaub – nach dem wir uns so sehr sehnen. Dabei klingt Mortal Man so unglaublich entspannt und warm, dass man sich auch vorstellen kann an ein Lagerfeuer bei Nacht am Strand zu sitzen und dem sanften Gesang Jeremy Loops zuzuhören. Was Jack Johnson für Mitte der 2000er und Jason Mraz für den Übergang in die 2010er war, könnte nun Jeremy Loops für den Anfang der 2020er werden und uns mit seiner wunderbar entspannten Musik den ein oder anderen Sommersong bescheren.

Howling - Colure

Howling – Jetzt geht alles ganz schnell

Alles began mit ersten Ankündigungen zu neuen Auftritten für das Jahr 2020. So hatte das Duo Howling im Januar mit dem Sónar Festival in Barcelona und einer kleinen Headline-Tour durch Europa die ersten Auftritte seit Jahren angekündigt. Dass sich im Zuge der Pandemie allerdings alle Tourdaten und Festivalauftritte – zu dem das Paradise City und Sacred Ground Festival hinzugekommen waren – durch Absagen oder Verschiebungen drastisch auf die Promotion des Albums auswirken würden, konnte zum damaligen Zeitpunkt keiner wissen. Doch unbeirrt der fortschreitenden Ereignisse hatten Frank Wiedemann und Ry Cuming Ende April mit Bind ihren ersten neuen Track veröffentlicht. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt verkündete das Duo, dass Ende Juli ihr neues Album Colure erscheinen wird. Nun – vier Wochen nach der Veröffentlichung von Bind – haben Howling mit Need You Now und Healing gleich zwei neue Songs veröffentlicht und begeistern einmal mehr mit einem treibend, sphärischen Elektrosound, der sich im Hier und Jetzt verliert. Mit rauer Schönheit werfen sich frickelige Elektroarrangements zu einem Klangteppich zusammen, auf dem sich RY X‘ Gesang bewegt, als würde er auf einer großen leeren Tanzfläche eines altehrwürdigen Ballsaals tanzen. Hier und da blitzen die Reflexionen der Diskokugel an den Wänden auf und lassen den nostalgischen Charme der Umgebung durch eine moderne Soundwolke miteinander verschmelzen. Howling transportieren immer auch ein Gefühl mit ihren Songs. Oftmals durch Melancholie geprägt, läuten sie eine Art Schulterzucken ein, durch das sie den Hörenden sich völlig unbesorgt mit sich selbst auseinandersetzen lassen. Dabei bieten sie den Spiegel an, sich in der Musik des Duos wiederzufinden und somit die Musik zu einem ganz persönlichen Teil werden zu lassen. Mit Colure – das in nunmehr acht Wochen erscheinen wird – lassen Howling auf ein kräftiges und emotionales Elektroalbum hoffen, welches uns schnell begeistern wird. Folgt man der Veröffentlichungspolitik der einzelnen Songs, könnten wir mit etwas Glück ableiten, dass wir – noch bevor das Album am 24. Juli veröffentlicht wird – einen weiteren Songrelease erwarten dürfen. Mit Need You Now und Healing arbeiten wir uns allerdings erst einmal durch zwei großartige Elektrosongs, die uns die nächsten Wochen begleiten werden.

Giant Rooks - What I Know Is All Quicksand

Giant Rooks – Ein finaler Durchbruch mit Verzögerungen

Alles deutete auf den ganz großen Durchbruch hin. Mit ihren drei EPs The Times Are Bursting the Lines (2015), New Estate (2017) und Wild Stare (2019) hatte die Nordrhein-Westfälische Band Giant Rooks einen äußerst langen Anlauf zu ihrem Debütalbum genommen. Gibt es die Band bereits seit 2014 war ihr Output an neuer Musik bis zuletzt kontinuierlich hoch. Mit ihrer groß angelegten Headlinertour Rookery sollte es im April und Mai durch 15 europäische Länder gehen, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Ebenso groß war die Tour von Milky Chance in den USA für März und April geplant gewesen, bei dem die Jungs von Giant Rooks bei zwölf Konzert als Support mit dabei gewesen wären. Schaut man sich darüber hinaus an, dass die aus Hamm kommende Band es in Berlin geschafft hat, die Columbiahalle auszuverkaufen und sogar ein Zusatzkonzert am Folgetag einplanten, wird klar, die Band steht kurz davor, einen grandiosen Durchbruch zu feiern. Doch dann kam die Pandemie und stellte alles auf Eis. Nun haben die Giant Rooks mit What I Know Is All Quicksand eine neue Single veröffentlicht und beglücken uns dazu mit der Ankündigung ihres Debütalbums Rookery, das sie am 28. August veröffentlichen werden. Es sollte sich richtig anfühlen und einen Sound haben, bei dem wir sagen, jetzt ist es Zeit, für ein Debütalbum – beantwortet die Band die Frage, warum es sechs Jahre dauern musste, ehe wir ein erstes Album in den Händen halten können. Dabei bleibt ein wenig offen, welcher Sound genau der Richtige ist – denn mit ihrer neuesten Single What I Know Is All Quicksand arbeiten sich die fünf Jungs durch den bekannten Indie-Rock und zeigt dennoch, dass der große Stadionrock machbar ist. What I Know Is All Quicksand behält sich zurückhaltende Klaviermomente genauso vor, wie die schnellen Gitarren und einen – zum absoluten ausrasten – animierend frischen Vibe. Nach dem hymnenhaften Watershed gehen Giant Rooks mit What I Know Is All Quicksand den Weg zum Epos und lassen auf ein abwechslungsreiches erstes Album der jungen Indie-Rocker hoffen.

Biffy Clyro - Instant History

Biffy Clyro – Veröffentlichen das Abwegigste

Es ist ein bewusster Bruch, den die Schotten von Biffy Clyro auf der Leadsingle Instant History begehen. Denn mit dem Wissen um die ebenfalls veröffentlichte, zweite Single End Of hört sich Instant History so weich und poppig an, wie man es von den Rockern sonst nicht gewohnt ist. Doch gleichwohl klingt auch End Of deutlich rauer, als das, was man sonst an Veröffentlichungen der Band kennt. Zeitweise erinnert dieser Song viel mehr an die Kanadier von Billy Talent. Doch zurück zu Instant History – das sich durch ein verträumtes Intro, bis hin zu Simon Neils kräftige Stimme aufbaut und schließlich im choralen Refrain aufgeht. Es ist der Song, der sich musikalisch am weitesten entfernt vom kommenden Album befindet und wurde gerade deshalb zur Leadsingle. Denn hier haben Biffy Clyro den größten und knalligsten Pop-Moment ihrer musikalischen Laufbahn veröffentlicht, wie Neil hinzufügt. Für die Veröffentlichung ihres achtes Studioalbum A Celebration of Endings war ursprünglich der 15. Mai angesetzt. Doch auch hier greift die weltweite Pandemie um das Corona-Virus immer weiter in den Alltag ein. So hat die Band gestern entschieden, die Veröffentlichung auf den 14. August zu verschieben, da sie hier eine größere Chance sieht, das Album mit der dazugehörigen Tour zu unterstreichen und auf Promo-Tour gehen können. Als Kommentar fügt Neil schließlich hinzu, dass es in dem Song darum geht, aus Fehlern zu lernen. Doch vielmehr passt ein Randsatz zu der allgegenwärtigen Situation und lässt Instant History damit noch viel deutlicher hervorstechen: Lasst uns ohne Angst an die Sache herangehen.

MIA. - No Bad Days

MIA. – Es lohnt sich Fan zu sein

In genau einer Woche steht das neue MIA.-Album Limbo – mit den Singles Limbo und KopfÜber – überall in den Regalen. Doch obwohl die Möglichkeit, das Album tatsächlich auch physisch zu erhalten, momentan so gut wie nicht vorhanden ist, gibt es einige Ausnahmen um an die CD zu kommen. Natürlich ist das mittlerweile siebte Studioalbum digital über alle Kanäle zu erhalten – ob als Download, im Stream oder eben doch physisch über die Onlineseiten vom eigenen Shop über Amazon, JPC, Saturn/Media Markt und Ähnlichen – an Möglichkeiten mangelt es nicht. Dass es in diesen Zeiten darauf ankommt unsere Kultur am Leben zu halten – obwohl den Künstlern mit den verschobenen oder abgesagten Konzerten eine enorme Einnahmequelle verloren geht – wird vielen immer bewusster. Und so können wir die Bands unterstützen, indem wir ihre Musik hören, sie kaufen und im Bestfall natürlich selber – durch den Erwerb einer physischen CD – etwas am Ende in den Händen halten. Dass es auf die Verbindung zwischen Künstlern und Fans ankommt, zeigen MIA. nun mit ihrer neuen Singleveröffentlichung No Bad Days. Hier schenken sie nicht nur einem ihrer größten Fans einen Song, sondern zeigen gleichzeitig auch, wie sehr die Fans die Band zu Songs inspirieren können und am Ende sogar als Single veröffentlicht wird. Auf No Bad Days begleiten wir MIA. durch den Tag, an dem die Berlinerin Marie – MIA.-Fan mit Leib und Seele – von der Band überrascht wird und daraus ein Musikvideo dreht. Dabei kommt sowohl die Band, als auch Marie unglaublich sympathisch rüber. Mit gewohntem Pop/Rock, der sogar ein wenig an das Debütalbum Hieb & Stichfest erinnert, singt Mieze eine Hymne auf eine positive Grundeinstellung und dem Willen, sich durch alles durchzuboxen und das Positive zu sehen. Genau dieses Gefühl kennen und lieben wir von der Band und wird auch diese Zeit überwinden. Durch laute Gitarren und präsentem Schlagzeug lassen MIA., so – im Wohnzimmer von Marie – die Katze aus dem Sack. Mit dem neuen Album im Gepäck, geht es dann hoffentlich im Herbst auf Tour. Wir holen uns aber ab kommenden Freitag das Album nach Hause – egal ob auf digitalem Weg oder durch die physische CD. MIA rocken halt.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – Vom überflüssigen Ballast lösen – Ein Interview

Es war ein milder aber verregneter Donnerstag im Februar, an dem ich Felix und Hugh von Gengahr im Berliner Maze Club zum Interview traf. Zwei Menschen aus einer Band, die momentan als eine der Wenigen gilt, die den britischen Indie hoch halten. Im Maze Club – bekannt für seinen rauen Kellercharme – sprachen wir über den Einfluss, den Bombay Bicycle Club Frontmann Jack Steadman hatte, über das Jonglieren mit Erwartungen und Druck und über den frischen Mix der verschiedensten Genreeinflüsse, die Sanctuary enthält.

 

 

 

SOML:
Als ich Euch das erste Mal sah, standet Ihr auf der Mainstage des Melt! Festivals Mitte Juli 2015 – ungefähr vier Wochen nach der Veröffentlichung eures Debütalbums A Dream Outside. Vor Euch standen vielleicht 100 Leute und es hat regelrecht geschüttet vor Regen. Könnt ihr euch noch daran erinnern, we es sich anfühlte, in solch einer frühen Phase der Band, auf einer derart großen Bühne zu stehen

Hugh:
Absolut, das war eine abgefahrene Erfahrung. Das war bis dato die größte Bühne, auf der wir gespielt hatten und gleichzeitig war es das Festival mit den wenigsten Leuten, vor denen wir gespielt hatten. Doch es war ein reinstes Wasserspiel. Zu diesem Zeitpunkt fegte ein Unwetter über das Festivalgelände und alle versteckten sich in ihren Zelten und unter Imbissständen. Obendrein wurde das Konzert auch noch gefilmt und auf ARTE Concert übertragen, was eigentlich ganz gut war, wäre da nicht dieses Unwetter gewesen. Aber uns hat das nichts anhaben können. Wir lieben es weiterhin Musik zu machen und es war sonst auch ein wunderschönes Festival mit einer atemberaubenden Kulisse. Wir würden uns freuen, irgendwann zurückzukommen und einen richtigen Auftritt hinzulegen – solange es nicht wie aus Eimern regnet.

Felix:
Das ist perfekt zusammengefasst, es war wirklich so. Es war eine Erfahrung, auf die wir uns alle im Vorfeld gefreut hatten und am Ende ziemlich enttäuschend war. Aber leider ist die Realität manchmal einfach nicht ganz so, wie man es sich vorgestellt hat. Und das alles nur, durch widrige Wetterbedingungen.

 

 

SOML:
Ihr habt angefangen professionell Musik zumachen, das war 2014/2015, als Indie Musik eigentlich komplett am Boden lag. Speziell in Großbritannien war dies so. Doch dann beschrieb der The Clash Magazine Journalist euch als Retter der britischen Gitarrenmusik. Woher habt ihr damals eure Inspiration gezogen Gitarrenmusik zu machen?

Felix:
Der Einfluss von Gitarrenmusik begann bei uns recht früh. Wir hatten in unserer Kindheit recht ähnliche Bedingungen, wenn es um unsere Eltern geht. Denn die waren allesamt Kinder der Hochzeit britischer Gitarrenmusik. Von den Stones bis zu den Beatles. Deren Begeisterung hat uns angesteckt. Denn irgendwie wachsen wir alle in einer solchen Umgebung auf und hören als erstes das, was die Eltern hören. Bei uns kam dann noch Musik von John Martin, James Taylor und Joni Mitchell hinzu. Hier steckt das Herz unserer Musik drin und kommt der Einfluss her. Und schließlich wuchs unsere Musik auch durch unser erwachsen und Teenager werden weiter. Wir begannen Nirvana und ähnliche Bands zu hören, bei denen die Gitarre nicht einfach nur eine Begleitung darstellte, sondern vielmehr zum Hauptakteur des Songs wurde. Es gibt also verschiedene Einflüsse, die bei unserer Musik mitspielen. Wir studierten regelrecht Bands wie The Smashing Pumpkins, bei denen recht klar zu erkennen ist, dass die Gitarre ein Hauptteil der Songs ausmacht. Was wiederum bei einem Großteil der Musik aus den 60er und 70er Jahren nicht so offensichtlich ist. 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Ihr seid aber nicht nur im Indie zu Hause, sondern habt mit einem Mix aus Psychedelic Rock, Indie und atmosphärischen Gesangsparts angefangen. Wenn wir uns euer neues Album Sanctuary anhören, finden wir zwar immer noch Indie und dem atmosphärischen Gesang aber auch große Unterschiede zwischen den Songs. Everything And More hat immer noch genau dieses psychedelic Rock Gefühl, während AnimeIcarus und Atlas Please deutlich beeinflusster vom Pop erscheinen. Heavenly Maybe und Soaking In Formula gehen sogar einen großen Schritt in Richtung Disco. Was hat euch dazu gebracht, einen so diversen Sound einzuspielen?

Hugh:
Ich denke, dass wir schon immer diese Aspekte der verschiedenen Genres in unserer Musik vereint haben – auch schon in unseren ersten beiden Alben – allerdings nie so produziert, dass sie deutlich wurden. Mit dem jüngsten Album Sanctuary haben wir uns bemüht, die Richtung unserer früheren Songs beizubehalten und sie dennoch auf den neuen Songs weiter voranzutreiben. Wir haben versucht, unser Album so vielfältig wie möglich zu gestalten, ohne zu verwirrt zu sein – hoffen wir zumindest. (lacht)

Felix:
Vieles davon kommt auch durch die Art und Weise zustande, wie diese Aufnahmen entstanden sind. Auf unseren ersten beiden Alben sind wir ins Studio gegangen, haben das Schlagzeug aufgestellt und den Klang des Raumes genutzt, in dem wir aufgenommen haben. Ungeachtet des Genres der Songs gibt es immer einen roten Faden, der den Sound dann doch ziemlich ähnlich klingen lässt. Zumindest die Art und Weise, wie wir diese Aufnahmen gemacht haben, hat viel Zeit in Anspruch genommen, denn die Songs sind in den verschiedenen Schlafzimmern von allen Beteiligten geschrieben und aufgenommen worden. Daher gab es also, auf der gesamten Platte, keinen linearen Produktionssound. Jedes Lied darf also ein bisschen mehr für sich sein, als er es vielleicht gewesen wäre, wenn wir ihn auf traditionellere Weise aufgenommen hätten.

 

 

SOML:
Auch dein Songwriting hat sich während deiner Bandpräsenz weiterentwickelt. Wie fühlt es sich heute im Vergleich zur Früher an, Musik zu schreiben und was bedeutet es für dich?

Felix:
Natürlich willst du immer das Gefühl haben, dass du besser wirst. Was ich auf jeden Fall fühle, ist, dass es immer etwas zu lernen gibt. Immer wenn du ein Album machst, kommst du am Ende etwas weiser heraus – auch mit ein paar neuen Tricks natürlich. Der gesamte Prozess, in einer Band zu sein, ist ein Prozess des Wachstums und der Evolution. Wir versuchen immer, das zu verbessern, was wir zuvor getan haben, und versuchen, ein Album zu machen, auf das wir wirklich, wirklich stolz sein können.

Hugh:
Wir können nicht einfach dasselbe zweimal tun. Wir versuchen es zu vermeiden, doch es könnte trotzdem etwas Ähnliches herauskommen. Wir versuchen immer, an jedes Album anders heranzugehen.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Einige Songs sind überraschend direkt und andere eher vage gehalten. Ihr als Band, aber auch jeder einzelne Bandkollege habt in der Vergangenheit einige Herausforderungen erlebt. Wie wirken sich persönliche oder von außen einprasselnde Erfahrungen auf eure Songs aus?

Hugh:
Persönliche Erfahrungen oder Eindrücke von außen – insbesondere stark emotional aufgeladene, finden ihren Weg in unsere Kompositionen. Ob das nun durch Texte oder nur über den Ton und Stimmungen bestimmter Noten oder Akkordproduktionen ist. Ich denke, wir hatten alle unsere Höhen und Tiefen und sie alle helfen der Kreativität.

Felix:
Ich denke, wir alle wissen, dass ich diese Emotionen nutzen und versuche, daraus etwas Positives zu kreieren. Einige der besten Musikstücke sind auch gleichzeitig die Herzzerreißendsten. Und ich denke, dafür gibt es einen Grund. Die Art und Weise, wie ein Zuhörer sich verbinden und in Beziehung zu einem Song setzen kann, ist etwas sehr Mächtiges. Bei unterschiedlichen Musikstilen und natürlich mit wirklich großen Popsongs existiert diese Verbindung irgendwie nicht und dennoch funktioniert sie trotzdem noch aus irgendeinem Grund. Aber der wirkliche Höhepunkt eines großartigen Songwritings ist, wenn man Songs hat, die auf beiden Ebenen funktionieren: die sich musikalisch und emotional verbinden. Und dann wirst Du zum Gewinner.

SOML:
Felix, in einem Interview hast du gesagt, dass du eine Zeit lang alle Songs, die du geschrieben hattest, auf ein Soloalbum packen wolltest. Warum hast du dich entschieden, dies nicht zu tun und stattdessen eine neue Gengahr-Platte daraus zu machen?

Felix:
Es war nicht so, dass ich alle Songs auf eine Soloplatte bringen wollte. Aber als wir mit der Arbeit an Where Wildness Grows fertig waren, schrieb ich bereits eine Menge Sachen auf, die mir durch den Kopf gingen, denn ich wollte schreiben und weiterarbeiten. Und wir als Band waren zu diesem Zeitpunkt alle ein bisschen müde und ich konnte mir gut vorstellen, dass einige Bandmitglieder nicht unbedingt Teil dieser nächsten Platte sein wollten oder hatten erst einmal genug. Umso überraschter war ich im positiven Sinne, dass ich in diesem Punkt falsch lag. Einige von uns brauchten länger, um wieder an Bord zu kommen und ihren Fokus voll auf die Band zu setzen als andere. Aber am Ende sind wir alle irgendwie wieder dort angekommen. 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Euer Plattenlabel Liberator Music ist die Heimat vieler Independent-Bands und Künstler wie Totally Enormous Extinct Dinosaurs und RY X. Aber auch großer Acts wie Kylie Minogue, CHVRCHES und alt-j. Wie positioniert ihr euch in dieser Umgebung? Und in die Zukunft gedacht – gebt ihr euch eine Chance, vielleicht mit einem dieser Acts etwas gemeinsam zu machen?

Hugh:
Ja, sag niemals nie. Kylie Minogue kann immer ein paar Back-Vocals auf unseren Tracks machen, wenn sie ihre Freuden zeigt. Wir sind seit Anfang an Liberate Music gesigned. Sie waren unser australisches Label, bevor wir in Großbritannien einen Plattenvertrag unterschrieben. Schließlich haben wir mit ihnen die Entscheidung getroffen, eine weltweite Vermarktung unserer Musik zu versuchen. Aus heutiger Sicht, sind wir sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Sie sind einfach großartig und unterstützen uns in allen Bereichen tatkräftig. In Australien ist es ein riesiges Label und machen riesige Fortschritte auch im Rest der Welt als Label bekannter zu werden. Es ist daher wirklich aufregend, ein Teil ihrer größeren Pläne und Projekte zu sein.

Felix:
Ja, und ihre neuen Horizonte. Wir sind das Zentrum dieser neuen Horizonts. (lacht)

 

 

SOML:
Ihr habt kürzlich mit Jack Steadman von Bombay Bicycle Clubs zusammengearbeitet. Er produzierte auch Sanctuary.
Wie kam es zu dem Kontakt?

Felix:
Jack ist mittlerweile ein alter Freund von uns. Hugh und ich gingen beide auf das Sixth-Form Collage – was in Deutschland dem Gymnasium gleich kommt. Hier trafen wir Ed, den Bassisten von Bombay Bicycle Club, denn wir waren mit ihm in der selben Musikklasse. Der Klasse für Music Technology, um genau zu sein. Jack haben wir schließlich auf einer Privatparty getroffen. Da waren wir um die 17 oder 18 Jahre alt und hatten uns damals zunächst noch nicht so oft gesehen, um ehrlich zu sein. Dann trafen wir uns im Laufe der Jahre auf einigen Festivals immer wieder und sprachen irgendwann darüber, einmal einen Song zusammen aufzunehmen. Wir wollten damals, dass der Song etwas anders wird, als das, was wir bisher gemacht hatten. Daher suchten wir Jemanden, der unserer Musik etwas gibt, das wir selbst vielleicht nicht hatten beitragen können. Die fiel die Auswahl auf Jack. Er ist nicht nur ein großartiger Produzent, ich denke, einen anderen Songwriter im Raum zu haben, hilft jedem, sich ein bisschen auszuprobieren. Und gleichzeitig möchte man sicherstellen, dass man sein Bestes gibt. Es gibt dir nicht die Möglichkeit, dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen und es schafft eine wirklich positiv aufgeladene Atmosphäre, wenn du jemanden hast, den du respektierst – nicht nur als Produzent – sondern eben auch als Songwriter. Nachdem wir diesen Song zusammen gemacht hatten, kam die Frage über die Aufnahme eines kompletten Albums wie von selbst auf. Und zum Glück waren alle begeistert und neugierig darauf. Und hier sind wir jetzt.

Hugh:
Ja, es ist eine schöne Kombination aus Alt und Neu mit Jack, weil wir diese Vertrautheit haben. Aber, wie Felix sagte, hatten wir nie wirklich einen richtigen Produzenten mit im Studio, als wir an den ersten beiden Platten arbeiteten. Das war eine schöne Kombination.

 

 

SOML:

Als Jemand, der Bombay Bicycle Club wirklich gerne hört, erkenne ich in vielen Songs die Stimmung von Jacks musikalischer Note wieder. War diese Wendung in eurer Musik geplant und was war anders, im Vergleich zu den vorherigen Platten, durch die Zusammenarbeit mit Jack?

Felix:
Jack hat sehr unterschiedliche Spielmuster. Er hat seine Rolle in unserer Band sehr effizient gestaltet. Er ist sehr gut darin, den richtigen Ort zu finden, um sich zu positionieren. Ich denke, er hatte nie das Gefühl, sich in einen der Songs gegen unseren Willen einzumischen. Aber es ist auch sehr klug, wenn es darum geht, die Arrangements zusammenzustellen und sie zu verbessern. Ich bin mir sicher, dass unsere Musik durch Jack viel mehr von diesem verzögerten Sound erhalten hat – diese kleinen Macken, die er im Sound von Bombay Bicycle Club benutzt. Ich denke, wir haben gelernt uns selbst als sehr effektive Werkzeuge zu sehen, um einige unserer Arrangements zu verbessern.

Hugh:
Ja, den Mist einfach rauszuschneiden. Einfach die vielen unnötigen Teile in unseren Arrangements zu entfernen, die nicht zum Gesamteindruck beitragen.

Felix:
Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich die größte Stärke ist, die er hat. Wenn wir uns eine aussuchen müssten, wäre es wahrscheinlich sein Gespür für die Arrangements. Er hat ein sehr gutes Ohr für das, was da drin sein sollte und was nicht notwendig ist.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Ihr habt das Musikvideo von Heavenly Maybe in Berlin gedreht. Wie kam es dazu und was für eine Beziehung habt ihr zu Berlin?

Hugh:
Wir lieben Berlin. Wir haben im Laufe der Jahre viele Male hier gespielt und einige unserer Urlaube in der Stadt verbracht. Uns war es wichtig, das Video definitiv nicht in Großbritannien zu drehen. Irgendwo in Europa sollte es sein. Und da wir eine ziemlich starke Verbindung zu Berlin haben, dachten wir, dass wir hierher kommen müssten. Wir haben hier Freunde, die uns beim Dreh des Videos helfen würden. Also machte es wirklich Sinn. Heavenly Maybe geht wirklich schon in die Richtung eines Disco-Songs, es machte also total Sinn, das Musikvideo daher auch in einem Club zu filmen. In Heavenly Maybe geht es darum zu Feiern, um nicht an deine Probleme zu denken oder sie zu unterdrücken. Und ich denke, viele Leute kommen nach Berlin, um das zu tun. Wir dachten also, das wäre das Richtige, dieses Gefühl in Berlin zu erzählen.

 

 

SOML:
Viele Bands haben Druck, dadurch, dass sie sich hohe Ziele setzen oder mit hohen Erwartungen konfrontiert werden – und scheitern daran. Wie geht ihr mit solchen Erwartungen um? Sei es auf die Entstehung eurer Songs bezogen, eurem Erfolg oder euren ganz persönlichen Erwartungen und Zielen?

Felix:
Es ist immer eine herausfordernde Situation, sich selbst zu finden. Ich denke, jeder wird das wahrscheinlich sehr ähnlich fühlen. Ob du ein Ed Sheeran bist oder ob du in einer Band – wie wir es sind – bist, die ihr drittes Album veröffentlicht haben und immer noch unermüdlich dafür arbeiten und so viel wie möglich touren, während wir den Rest unseres Tages damit verbringen, alles unter einen Hut zu bekommen. Du willst immer das Gefühl haben, dass du dich vorwärts bewegst. Natürlich haben auch wir ganz persönliche Erwartungen. Wir fordern viel von uns. Aber ich denke, es ist oft wichtig, zurückzutreten und das Gesamtbild zu betrachten. Du solltest dich immer wieder fragen; würde mein jüngeres Ich glücklich sein, damit, wo ich jetzt bin? Ich bin der Meinung, dass wir diese Frage – glücklicherweise – fast immer mit Ja beantworten können. Wir haben also einen ziemlich guten Job gemacht. Ich denke, es schadet aber auch nicht, auf mehr zu hoffen und sich auch mehr zu wünschen.

Hugh:
Ja, es ist schwierig mit den Erwartungen. Auch für mich persönlich. Ich denke, dass es in allen Lebensbereichen aber auch immer sehr nützlich ist, die Erwartungen mal runterzuschrauben. Denn es kann sehr starken psychischen Druck erzeugen, wenn man sich sich zu hohe Erwartungen setzt. Aber es geht auch darum, ein Gleichgewicht zu finden und Fortschritte zu machen und die Ziele, die man sich setzt, auf verschiedenen Wegen zu erreichen aber ohne sich Einzelheiten zu verlieren.

Felix:
Mach Dich nicht fertig!

Hugh:
Auch Mitgefühl für sich selbst zu haben ist wichtig.

Felix:
Aber dennoch auch das harte Arbeiten. (lacht)

 

 

 

 

Interview: Marten Zube

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – Getting rid of unnecessary parts – An interview

It was quite a mild but wet Thursday in February, when I met Felix and Hugh of Gengahr two days ago in Berlin Maze Club to have that interview with these two of one of currently best British Indie-keeping bands. In a very rough surrounding of Maze Club we talked about the influences of Jack Steadman. About handling expectations so as pressure and about their mixture of various numbers of genres.

 

 

 

SOML:
The first time I saw you was at the MELT Festival in mid-July 2015. That was around four weeks after releasing your debut album A Dream Outside. You played the Mainstage, with around 100 people in front of you and it was raining. Can you remember how it felt to be in that early phase of the band playing on that big stage?

Hugh:
Yeah, that was a strange show for us. That was probably the biggest stage we’ve played on at that stage of our career. And it was the festival with the fewest people we’ve played on a festival. So, it was a wash out. Everyone was hiding in their tents. And they filmed it and put it on TV which was actually good. But I think we were still loving life back then as we are now and it was a beautiful festival to play and an amazing surrounding. So, love to come back again and do it properly when it’s not pissing down.

Felix:
You summarized that one quite perfectly, really. It was a disappointing opportunity we were very excited about. But sadly sometimes the reality is just not quite what you had envisaged. But yeah, by nothing other than unfortunate weather circumstances.

 

 

SOML:
You guys started your music career in 2014 and 2015 where Indie based music was nearly dead. Especially in the UK and then Haydon Spenceley of the Clash Magazine just called you the saviors of British guitar music. So what interests me is: who has influenced you and where does your interest in guitar music come from?

Felix:
I think with guitar music influences, something that starts very early. We all have kind of similar backgrounds in music when it comes to our parents, I think. They were all that sort of children of the kind of prime time for British guitar music. You know The Stones and the Beatles. So, the hype of their kind have influenced us. And I think we all grew up on the background of listening to that. And lots of other folk music like John Martin, James Taylor, Joni Mitchell. And I feel like that is sort of somewhere the heart of the music we write were those influences still there. And we kind of expand of ourselves growing up, becoming teenagers. Start to listen to things like Nirvana and heavier guitar music where the guitar is less of a kind of a companying instrument and becomes a lot more the lead. So, there is also a kind of that throwing in. I think there was a lot of time obsessing and listening to bands like Smashing Pumpkins and with those guys in particular you can see the guitar is really a very direct lead instrument which I think is less obvious in a lot of the 60’s and 70’s music we like. 

 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
But you’re not all indie. You’ve started with a mixture of Psychedelic Rock, Indie and an atmospheric singing part. If we listen to your new album Sanctuary, there is still Indie and a few parts of that atmospheric singing. But also huge differences between the songs. Everything and More still has that psychedelic rock feeling, whereas songs like Anime, Icarus and Atlas Please are more Pop influenced and Heavenly Maybe or Soaking In Formula is even going to a Disco direction. What was your intention behind this diversity of sound?

Hugh:
I think we’ve always had aspects of those different genres in our music – in the other two albums. But they weren’t ever produced in a way to draw them out. So, I think with the recent album Sanctuary we made an effort to retain the early direction of the songs and pushed them further. I think we’re trying to make our album as diverse as possible without being too confused – I hope.

Felix:
I think a lot of it comes as well through the way this record was made. On previous albums you go into the studio, you set up the drums, you kinda have that sound of the room when you’re recording things. Despite what the genre the songs might be – there’ll always be that sort of continuous thread where the sound is quite similar. The way we made this record, a lot of time it was written and recorded within peoples’ bedrooms and stuff. So, it didn’t have that sort of linear production sound across the record. So, every song is kind of allowed to be itself a little bit more than perhaps it would had been if we recorded it in a more traditional fashion. 

 

 

SOML:
Also your songwriting has evolved during your band presence. Compared to the early time how does it feel today to write music and what does it mean to you?

Felix:
I think, naturally you always wanna feel as though you’re getting better. What I  certainly feel is though there is always so much to learn. Whenever you make an album you come out the other end a little wiser. With a few more tricks obviously, I think. The whole process of being in a band is one of growth and evolution. We’re always trying to do better what we’ve done before and try to make an album that you can be really, really proud of. 

Hugh:
Yeah, I think you can’t do the same thing twice. You try not to but it might come out similar. We always trying to do something different every album.

 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Some songs are surprisingly direct and some others are more vague. You as a British band but also as every single band mate has experienced some challenging time in the past. How do personal or external experiences affect your songs?

Hugh:
Well, personal and external experiences, especially heavily emotional charged ones, naturally seek into ones composing. Whether that would be with lyrics or just tone and vibe of specific notes or chord productions. I think, we all had our ups and downs and I think they all help to the creative melting pot.

Felix:
I think you know I’ve to got to harness those emotions and try to turn it into something positive, I think. Some of the most amazing music is also the most heartbreaking. And I think there is a reason for that. The way a listener can connect and relate is something very powerful. Very different styles of music and of course with big, big pop tunes often there isn’t that connection but it still works for whatever of reason. But the sort of real pinnacle of great songwriting is when you have some which works on both levels: where it can kind of connect musically and emotionally. And that’s when you’re onto  a real winner. 

 

 

SOML:
In an interview you, Felix, described that – in some time – you wanted to put  all the songs you wrote on a solo record. What made you decide to not do this and instead make a new Gengahr record out of this?

Felix:
I’m not so tried to put all the songs onto a solo record. But when we finished working on Where Wildness Grows, I was already writing a lot of in the kind of headset to write and continue working. And we were all a little bit tired and fatigued at that point and I can sort of envisage perhaps the potential that certain band members wouldn’t really necessarily want to be a part of this next record. Or perhaps maybe they had enough and I was pleasantly surprised that I wasn’t right in that aspect. It did sort of take a few of us longer to kinda get back on board and get their head in the game than others. But we all kinda got there in the end. There was certainly a period where things were slightly more lonesome and less collaborative than they were at the end. 

 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Your record label Liberator Music is home for independent bands and artists like Totally Enormous Extinct Dinosaurs and RY X but also for big players like Kylie Minogue, CHVRCHES and alt-j. How do you position yourself in that surrounding? And talking about the future. Do you see a possibility to collaborate with one of these artists in future?

Hugh:
Yeah, never say never. Kylie Minogue can always do some back vocals on our tracks if she shows her pleases. We’ve signed to Liberator Music from the start. They’d been our Australian label before we were singed in the UK. And we made the decision with them to do a world wide release. We are really happy with that decision. They’ve been great, very supportive in all different realms. It’s a massive label in Australia and they’re making inroads in the rest of the world. So, it’s exciting to be part of their bigger plans and project. 

Felix:
Yeah, their new horizons. We’re the center of the new horizon. 

 

 

SOML:
You recently collaborated with Bombay Bicycle Clubs lead singer Jack Steadman. He produced Sanctuary. How did you get in contact with him?

Felix:
So, Jack is kind of an old friend of ours, really. Hugh and I both went to sixth form Collage. So, we met Ed, who’s the bass player in Bombay Bicycle Club and we were in the same music class. Music technology class, to be precise. And then we met Jack through going to kind of house parties. So, we met Jack when we were 17 or 18 years old and hadn’t seen a lot of each other, to be honest. We bumped into each other at a few festivals over the years. And we were talking about doing a one-off single. We wanted it to be kind of different I guess to what we’ve done before and find somebody to come on board who’d add something we didn’t perhaps already have within the four of us. So, the selection of Jack was quite an astute one in that sense. He isn’t just a great producer. Having another songwriter in the room I think helps push everybody to just try up their game a bit. You wanna make sure that you’re giving your best self in those circumstances. It doesn’t afford you the ability to sort of like rest on your laurels. It creates a really  a positively charged atmosphere when you have someone that you respect, not just as a producer but also as the writer in the room. After doing that stand-alone single we had a discussion about recording an album. And thankfully everyone was really excited about doing that. And here we are now.

Hugh:
Yeah, it’s a nice combination of old and new with Jack cause we have this familiarity with him because we go so far back. But also pushing ourselves, as Felix said, we never really had a proper producer in the room with us when we were working on records. It was a nice combination. 

 

 

SOML:
As a Bombay Bicycle Club listener I can hear in many songs the vibe of Jacks music. Was that turn in your music planned and what was different in working with Jack compared to your previous records?

Felix:
I think Jack has some very distinctive kind of patterns of play. He has created his own role in our band very efficiently. He’s very good in finding the right place to position himself. I think he never feels as though he was encroaching or in sort of writing any of the songs. But also it’s very astute when it comes to putting together and enhancing the arrangements. A lot the more loopy delayed stuff was come about through Jack I think more than anything. Those kinda little quirks that he does use in a lot of Bombay Bicycle Club stuff. We found to be quite effective tools in sort of spoosing up some of our arrangements as well I think. 

Hugh:
Yeah, cutting the crap. Getting rid off lots of unnecessary parts in arrangements that are not adding to the overall.

Felix:
I think, it’s probably the biggest strength he has, if we had to pick one, it would  probably is his sense of within the arrangements, I think. He’s got a very good ear for what should be in there and what isn’t necessary, I think.

 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
You’ve filmed the music video of Heavenly Maybe in Berlin? How come and what’s your relationship to Berlin?

Hugh:
We love Berlin. We’ve played many times over the years. We also visited just for holidays. We wanted to do it definitely not in the UK. Somewhere in Europe. And given we have quite a strong connection with Berlin, we thought that we would come here. We have friends here that were gonna help us out shooting the video. So it made sense, really. For Heavenly Maybe, the song is actually kinda disco song. So filming it in a discotheque made a lot of sense too. It’s all about partying to avoid or suppress your problems. And I think a lot of people come to Berlin to do that. So, we thought that would the right thing to do.

 

 

SOML:
Many bands having pressure by setting goals or being confronted with high expectations and failing. How do you work with expectations? That is: in your music, in your success or expectations with personal goals?

Felix:
It is a challenging predicament to find yourself in. I think of everybody will  probably feel very similar. Whether you’re sort of Ed Sheeran, whether you’re a band like us who are on their third album and still working tirelessly and touring as much as possible whilst juggling the rest of our lives. You always wanna feel is that you moving forward. We have our own personal expectations. We demand a lot of ourselves. But I think it’s important often to try and step back and have a look of the bigger picture. You know, you often gotta kinda say to yourself. Would your younger self be happy with where you are now. And I think often, we’re thankful enough to say Yes is the answer. We kinda have done a pretty good job. I think there is no harm in hoping for more and wishing for more.

Hugh:
Yeah, it’s a tricky one with expectations. Also for me personally. I think lowering expectations is always quite useful in all works of life. It can create mental health pressures by giving yourself to too high expectations. But it’s about finding the balance and wanting to progress and carry on doing what you doing in various ways. But without being hung up on specifics. 

Felix:
Don’t beat yourself up

Hugh:
Self compassion

Felix:
But also work pretty hard. (laughing)

 

 

 

 

Interview: Marten Zube

Bloodhype - Violent Heart

Bloodhype – Mit Blut und Schweiß zum Hype

Es war im Herbst 2018, als dieser mystisch, dunkle Alternativerock für einen Moment inne halten ließ. Die Single Romeos der Berliner Band Bloodhype ließ aufhorchen. Mit einem epischen Soundbett, wabernden Synthies und Elmar Weylands Stimme, die gleichermaßen intensiv, rau und warm sowie bedrohlich und ausbrechend klang, hatten es Bloodhype innerhalb kürzester Zeit geschafft, die Aufmerksamkeit internationaler Blogs auf sich zu ziehen. Nun sind sie mit Violent Heart wieder da und zeigen, dass ihre Liebe zu dunklen Synthies gar noch stärker geworden ist. Mit einem ausladenden Sound aus Gitarren, Schlagzeug und Saxophon – der nach Gewinnern klingt – scheint es Christopher Kohl, Matt Müller, Erik Laser und Elmar Weyland genau in diese Richtung zu treiben. Dabei bleiben sie zu jeder Zeit präsent und lassen keinen Unterschied, zwischen deutschem Sound und dem der großen Amerikanischen und Britischen Bands, erkennen. 2020 wird für Bloodhype ein Schlüsseljahr werden. Werden sie den Durchbruch schaffen, oder bleiben sie in der Indie-Nische?! Das gilt es zu beobachten. Bloodhype haben mit ihrem angekündigten Debütalbum Modern Eyes – welches sie im Sommer veröffentlichen wollen und sowohl in den Berliner Hansa Studios, als auch in Kellerstudios in Berlin aufgenommen haben – und ersten Tourdates im Herbst 2020 zumindest die besten Vorraussetzungen, um sich diesem Ziel mit großen Schritten zu nähern. Und selbst internationale Termine sollen aktuell im Gespräch sein. Da scheint eine andere Richtung, als die zum Erfolg fast schon ausgeschlossen – wir bleiben dran!