Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook - Never Gonna Forget

Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook – Wie drei Dance Produzenten so verträumt klingen können

Allesamt sind sie in der elektronischen Musik zu Hause. Mal ist es mehr Soul und R&B, mal sind es fette Beats oder wiederum auch nur der ruhige chillige House-Sound, welche die drei Produzenten und DJs voneinander unterscheiden. Als Hauptact des Songs Never Gonna Forget zeichnet sich der Südafrikanische Produzent Black Coffee verantwortlich, der erst vor wenigen Wochen mit seinem Song Ready For You und der Zusammenarbeit mit der britischen Soulsängerin Celeste durch die Decke ging. Bei der Entstehung des neuen Songs Never Gonna Forget erzählt sich die Entstehungsgeschichte allerdings anders. Denn hier war es der US-Amerikanische Star-Produzent Diplo und der britische Newcomer Elderbrook, die diesen Song zusammen geschrieben hatten. War Diplo allerdings schon seit längerem von Black Coffees Arbeit begeistert, wollte er unbedingt mit ihm zusammenarbeiten. So schickte er dem Südafrikaner den Song und ließ Black Coffee die Freiheit den Sound darunterzulegen. Schließlich fügte Diplo noch einige seiner Nuancen hinzu. So kam ein äußerst entspannter EDM-Song heraus, der sich, wie zuvor schon Ready For You in einer ungemein ruhigen Atmosphäre präsentiert.

Black Coffee, Elderbrook, Diplo
Black Coffee, Elderbrook, Diplo

Dabei haben Black Coffee und Diplo den Gesang des britischen Produzenten und Sängers Elderbrook so wunderbar herausgearbeitet, dass man von den einzelnen Lyrics förmlich eingesogen wird. Elderbrook, der erst letzten Herbst mit Why Do We Shake In The Cold? sein Debütalbum veröffentlichte, zeigt dabei einmal mehr eine Anpassung seiner Stimme an die verschiedenen Tempi im Song. Damit ist mit Never Gonna Forget ein so wunderschön verträumter Housetrack erschienen, der drei absolute Superstars zusammenbringt, die Awards, wie den Grammy oder BET-Award, gewonnen haben oder dafür nominiert wurden. Never Gonna Forget ist hierbei bereits die siebte Singleauskopplung aus dem, am 5. Februar erscheinenden Album Subconsciously, welches neben Celeste, Diplo und Elderbrook auch Kollaborationen mit Pharrell Williams, RY X, David Guetta, Usher oder Cassie enthält. Alle Songs eint der unaufgeregt, entspannte House-Sound, der deutlicher zur Stimmung einer Strandbar passt, als auf die Tanzflächen der großen Clubs. Black Coffee berührt, lädt zum Träumen ein und hat ein wahnsinniges Gespür für die richtigen Stimmen.

Poolside with DRAMA - I Feel High

Poolside with DRAMA – Im Club der unbegrenzten Möglichkeiten

Vor einem Jahr ist das aus Chicago kommende Duo DRAMA durch ihre Zusammenarbeit mit Gorgon City auf deren Track Nobody erstmals einer größeren Hörerschaft bekannt geworden. Damals wie heute zeichnen sich die beiden US-Amerikaner durch Produktionen von Songs aus, die sich zwischen R&B, Soul und Elektro bewegen und zumeist einen melancholischen Touch haben. Dabei haben DRAMA neben Gorgon City bereits mit Moglii und Pional zusammengearbeitet. Nun haben sich Via Rosa und Na’el Shehade von DRAMA abermals in eine Kollaboration begeben und mit Jeffrey Paradise und seinem Projekt Poolside den Song I Feel High veröffentlicht. Poolside ist dabei kein Unbekannter und hat bereits 2019 mit Panama zusammen den Song Can’t Stop Your Lovin‘ released. Eingeordnet wird Poolside als Daytime Disco, die sich entspannt präsentiert. Auf I Feel High haben Poolside und DRAMA nun eine Atmosphäre geschaffen, bei der man das Gefühl bekommt, so muss es sich anfühlen, die komplette Nacht in einem Club durchzufeiern und dabei, durch unterschiedlichste Hilfsmittel, unvergessliche Impressionen zu erleben.

Poolside & DRAMA
Poolside & DRAMA

So sieht man sich im Refrain fast schon in Trance durch die dunklen Gänge eines Clubs ziehen und immer wieder nach links und rechts in den Durchgängen zum nächsten Raum vorbeischauend die ganze Welt der Freizügigkeit erleben. Da tanzen in einem Raum unter einer riesigen Discokugel die Menschen so ausgelassen und freudig, wie auf einer Abschlussparty, nur um im nächsten Raum den ekstatischen Tanz der nackten Körper zu beobachten. I Feel High ist eine treibende Dancenummer, die uns zum Bewegen animiert und uns mit dem Gesang Via Rosas förmlich hypnotisiert. Und so sind wir auch im dritten Raum des Clubs angekommen, in dem eine Gruppe von Menschen um einen Perkussionspieler tanzt, der von der Menge – wie ein Schlangenbeschwörer – bestaunt wird. Poolside und DRAMA haben einen extrem vielschichtigen Song veröffentlicht, der sich im Verlaufe der etwas weniger als drei Minuten zu einem wahren Kopfkino entwickelt und unseren Körper nicht stillstehen lässt.

Black Coffee Fest. Celeste - Ready For You

Black Coffee feat. Celeste – Von der Annahme der Liebe eines Anderen

Vier Alben hat der südafrikanische Musiker und Produzent Nkosinathi Innocent Maphumulo seit seinem 2005er Debütalbum Black Coffee bereits veröffentlicht, gleichzeitig tritt Maphumulo unter diesem Namen auch musikalisch in Erscheinung. Weitere EPs folgten und zeichnete sich Black Coffee 2017 für den Song Get It Together mitverantwortlich, den Drake auf seinem Album More Life veröffentlicht hatte. Nur ein Jahr später folgte schließlich mit Drive eine Zusammenarbeit mit David Guetta. Damit ist Black Coffee bei weitem kein Unbekannter mehr, auch wenn er in Europa bisher als relativ unbeschriebenes Blatt gilt. Dies ändert sich nun mit der Zusammenarbeit der britischen Soul-Newcomerin Celeste. Denn mit ihr nahm er den Song Ready For You auf, der sich mit so sanften Beats und einem noch viel weicheren Gesang Celestes förmlich in unser Gedächtnis arbeitet. Celeste selbst ist erst dieses Jahr der Durchbruch gelungen. Vor allem mit ihrer Single Stop This Flame, die Anfang des Jahre erschien erreichte sie den Status, die nächste große Stimme zu werden. Die Briten schreckten hier selbst mit Vergleichen, wie sie sei die nächste Amy Winehouse, nicht zurück.

Black Coffee
Black Coffee

Nach der Single I Can See The Chance, die von Billie Eilishs Bruder Finneas O’Connell produziert wurde, verkündete Celeste, dass am 21. Februar 2021 ihr Debütalbum Not Your Muse erscheinen wird. Nun hat sie auf dem Song von Black Coffee mitgewirkt und einen Song veröffentlicht, der sich verträumt und absolut losgelöst anhört. Hier singt Celeste davon, dass sie nun bereit sei, eine Beziehung einzugehen und die Liebe des Anderen anzunehmen – ein Moment, der die komplette Loslösung von Ängsten und Bedenken beinhaltet. Dass sich diese Loslösung so leicht anfühlt, haben wir der behutsamen Arrangements des Produzenten Black Coffee zu verdanken, der dem Song, mit zurückhaltenden Saxophon-Loops und sanfte Beats, ein ruhiges und äußerst stimmiges Soundkostüm geschneidert hat. Ready For You ist eine musikalische Liebeserklärung, die sich nicht dem schmalzigen Druck hingibt, klischeebehaftet zu sein und gleichzeitig so betörend und verträumt klingt, dass wir uns insgeheim wünschten, Celeste würde uns die Worte I think I‘m ready for you entgegensingen.

Moglii feat. Panama - Push Me

Moglii feat. Panama – Wie sich Sound fügt

Diese beiden Künstler enttäuschen einfach nie. Während der Düsseldorfer Produzent Simon Ebener-Holscher, der mittlerweile in Köln lebt und als Moglii auftritt, seit einigen Jahren so ungewöhnliche, wie fantastisch, elektrisierende Songs produziert – wie auf Breath zusammen mit Island Fox zu hören ist – hat der Australische Produzent und Sänger Panama bereits so einige Male den Weg hier zu SOML gefunden. Um genau zu sein, ist er insgesamt acht Mal auf SOML mit einem Feature vertreten. Dabei sind nicht nur seine Solosongs, wie Jungle und The Highs stilprägend – vielmehr ist Panama in den vergangen Jahren zu einem äußerst beliebten Kollaborations-Act mutiert, der zum Beispiel mit dem ebenfalls aus Deutschland kommenden Produzenten Satin Jackets auf Automatic und Electric Blue zusammenarbeitete. Doch auch mit Petit Biscuit (Waterfall), Hazey Eyes (Emotion), den Bag Raiders (How Long) oder zuletzt mit pluko auf Higher hat der Australier, der aktuell in L.A. lebt, bereits zusammengearbeitet. Damit versprechen die beiden Acts, eine explosive Mischung zu werden, sollten sie einmal einen gemeinsamen Song veröffentlichen. Gesagt, getan, hat Moglii den Australier kurzer Hand via Instagram angeschrieben und stellten die beiden relativ schnell fest, dass ihre Arbeit an Musik sich so sehr ähnelte, dass es den beiden nicht schwer fiel, einem gemeinsamen Song Leben einzuhauchen.

Moglii & Panama
Moglii & Panama

Herausgekommen ist ein Song voller Loops, Samples, Soul, organischen Sound mit Perkussions und einem elektronischen Touch, der sich so sehr zurückhält, dass man sich kaum sicher ist, ihn überhaupt zu realisieren. Moglii steht mit seinen ansteckenden Elektrosounds für eine neue Form der elektronischen Musik, die sich frei vom Bombast-Gestampfe in den Charts macht und so clever arrangiert ist, das wir uns erst nach mehrmaligen Hören sicher sein können, alle Facetten auch wirklich wahrgenommen zu haben. Push Me ist die intime, musikalische Antwort auf ein Candlelight-Diner, das wir uns schon immer ausgemalt haben. Moglii ist dabei aktuell so umtriebig, dass er auf allen Plattformen enorm am Wachsen ist. Hat er im Oktober mit Skoda einen Song veröffentlicht, der den Sommer noch hochgehalten hat, gab es im November den Solosong OxYgen. Schließlich folgte am 2. Dezember die Zusammenarbeit mit den Italienern von Eugenio In Via Di Gioia, mit denen er gleichzeitig das erste Mal einen nicht-englischsprachigen Song veröffentlicht hat. Moglii hat die Frische für seine Songs förmlich gepachtet und begeistert mit jeder neuen Veröffentlichung durch einen organischen und mitreißenden Sound.

HONNE - Warm On A Christmas Night

HONNE – Weihnachtliche Neuinterpretation

Vor sechs Jahren begann alles mit einem synthiegeladenen, nächtlichen Traum von einem Song. Mit der Debütsingle Warm On A Cold Night hatten die britischen Musiklehrer Andy Clutterbuck und James Hatcher einen Hybriden aus Soul, Funk, Elektro und Pop geschaffen, der sich nicht in die normalen Genremixe einreihen wollte. HONNE kreierten etwas Neues. Mit Ansätzen von Jazz funktioniert ihre Musik sowohl im gediegeneren Umfeld, als auch auf Festivals. Binnen kürzester Zeit von anderthalb Jahren veröffentlichten HONNE mit Warm On A Cold Night und All In The Value (beide 2015), Coastal Love und Over Lover (beide 2016), sowie Gone Are The Days (2016) fünf EP’s welche die Band in ein kollektives Bewusstsein hob. Mit dem 2016er Debütalbum Warm On A Cold Night folgte schließlich eine Auswahl der besten Songs der fünf EP’s, sowie neue Songs. Hierauf enthalten war der, bisher erfolgreichste, Song des Duos Someone That Loves You, den sie zusammen mit Izzy Bizu veröffentlichten. 2018 folgte mit Love Me/Love Me Not das zweite Album, ehe dieses Jahr mit No Song Without You und der gleichnamigen Single No Song Without You schließlich ihr drittes Album veröffentlicht wurde.

HONNE
HONNE

Doch ein Song zieht sich durch die Diskografie der Band, wie kein anderer. Warm On A Cold Night ist die aller erste Single des Duos gewesen, ist Titelgeber ihrer Debüt-EP und ihres Debütalbums und wurde unter anderem mit dem US-Amerikanischen Rapper Aminé 2017 neu eingespielt. Nun haben HONNE sich erneut an den Song gemacht, der so viel für die Briten bedeutet. Für ein winterlich-weihnachtliches Gefühl haben HONNE den Song Warm On A Christmas Night veröffentlicht. Dieser basiert auf der Debütsingle, hat aber eine gänzlich andere Atmosphäre zu bieten. Mit Streichern und einem ruhigen Klavierspiel erinnert der Song an die klassischen Weihnachtssongs von Dean Martin und Frank Sinatra. Leichte textliche Veränderungen heben den Song von Clutterbuck und Hatcher auf eine weihnachtliche Stimmung und sorgen so einmal mehr für wärmende Gefühle. HONNE sind musikalisch auf einem Gebiet unterwegs, das nur von sehr wenigen anderen Künstler*innen bedient wird und zeigen nun selbst bei Weihnachtssongs ein Gespür für heimelige Kamin-Stimmung.

Harry Styles - Golden

Harry Styles – Mit aller Macht dem Alltag entfliehen

Selten zeigte sich ein Freigeist in den letzten Jahren stärker, als beim britischen Musiker Harry Styles. Mit seinem aktuellen Album Fine Line, das sich bisher über 3,6 Millionen Mal verkaufte, zeigt der britische Musiker nach seinem Debütalbum Harry Styles (2017) bereits ein zweites Mal, dass man sich nicht sicher sein kann, was man von dem Musiker zu erwarten hat. Denn mit Einflüssen aus Funk, Pop, Britpop, Indie, Soul und Folk, sowie Rock sind seine Songs so vielseitig wie individuell. Mit Lights Up, Adore You, Falling und Watermelon Sugar hat Styles bisher bereits vier Singles aus dem aktuellen Album veröffentlicht. Nun kommt mit Golden die fünfte Single dazu und lässt uns ein noch größeres Fernweh empfinden, als wir es eh bereits in diesem Jahr besitzen. Auch wenn das Musikvideo dieses Gefühl aufgreift, braucht der Song selbst die Bilder von fernen Ländern und ausgelassenen Momenten gar nicht zwingend. Mit schnellen Gitarren und einer unglaublich euphorischen Bridge kommen ab Sekunde eins Bilder in unseren Kopf, die uns aus unserem Alltag und dem runtergefahrenen Lebensgefühl des Jahres 2020 reißen und eine Flucht aus eben diesem Alltag bedeuten.

Harry Styles
Harry Styles

Hier entfesselt sich ein Lebensgefühl, das von der Lust auf Entdeckungen, Abenteuer und pure Freude lebt und in uns den Wunsch auf mehr wachsen lässt. Styles hat es geschafft vom Boyband-Mitglied zum angesehenen Musiker zu werden, der sich individuell, authentisch und eigen zeigt. Gleichzeitig gibt Golden – als ersten Track auf Fine Line – die Richtung des Albums vor und vermittelt ein ungemein sommerliches Gefühl. Im dazugehörigen Musikvideo sehen wir schließlich Styles auf den Straßen Italiens tanzen und den Moment genießen. Dabei kommt es immer wieder zu losen Momenten, bei denen die Italiener, den britischen Musiker erkennen und ihm ein Grinsen entlocken. Harry Styles hat ein Album veröffentlicht, das ein Lebensgefühl vermittelt, welches wir alle brauchen, um unsere Batterien wieder aufzutanken und bleibt dabei durch seinen Musikmix so offen, dass sich Menschen verschiedenster Altersgruppen und Musikgeschmäcker plötzlich treffen. So munkelt das Billboard Magazine auch schon, dass sich Styles gute Chancen auf gleich mehrere Nominierungen für die Grammy Awards ausrechnen kann. Mit Golden beweist er einmal mehr, dass er allemal das Zeug dazu hat.

Chet Faker - Low

Chet Faker – Ist zurück!

Es waren verheissungsvolle fünf Jahre Anfang der 2010er für das Projekt Chet Faker gewesen. Hatte der Australier Nick Murphy von 2011 bis 2016 ausschließlich Songs unter dem Namen Chet Faker veröffentlicht, legte er diesen Namen 2016 schließlich ab und veröffentlichte seitdem ausschließlich unter seinem Geburtsnamen weitere Musik. Bekannt geworden ist Faker/Murphy international vor allem durch die Zusammenarbeit mit Flume auf dem Song Drop The Game (2013). Was folgte, waren die äußerst angesehenen Songs Talk Is Cheap, 1998, Bend, Gold und The Trouble With Us zusammen mit Marcus Marr. Als Faker veröffentlicht Murphy mit Built On Glass 2013 nur ein Album, ehe sich das Projekt in eine Pause begeben musste. Damit war vorerst auch Schluss mit dem Mix aus Elektro, Pop und Soul, den Faker so perfektionierte. Als Nick Murphy folgten mit Run Fast Sleep Naked (2019) und Music For Silence (2020) zwei Alben innerhalb kürzester Zeit. In diesen Zeitraum fielen auch die Songveröffentlichungen Fear Less (2016), Your Time (2017) oder Sanity (2019). Unter seinem Geburtsnamen folgte ein Musikstil, der sich nicht all zu sehr von dem des Chet Fakers unterschied. Auch hier waren es große Beats, und eingängige Melodie, die den Sound prägten. Allerdings hatte sich die Art des Gesangs verändert. So klingt er hier offener und zeigt deutlich extrovertiertere Züge in seiner neuen Musik. Während einige Medien das Ende von Chet Faker 2016 so auslegten, als hätte Murphy das Projekt für immer an den Nagel gehängt, erfolgte nun Ende September wieder ein Lebenszeichen.

Chet Faker aka Nick Murphy
Chet Faker aka Nick Murphy

Denn mit der Reaktivierung der sozialen Kanäle von Chet Faker kündigte sich an, dass hierauf etwas geschehen werde. Am 1. Oktober war es dann soweit und veröffentlichte Murphy als Chet Faker, mit Low den ersten neuen Song des Projektes seit 2016. Dabei kommentierte Murphy das wiederaufleben des Chet Faker als eine Frage der Zeit. In einem Interview mit dem britischen Magazin NME klang das ganze 2016 dann so: Als ich Chet Faker startete, war es mehr als eine Art Projekt gedacht. Nun habe ich fast ein halbes Jahrzehnt damit verbracht, für dieses Projekt Musik zu machen und ich bin an einem Punkt angekommen, an dem sich das ganze eher anfühlt, als wäre es mein Leben. Daher möchte ich das Projekt nicht als beendet gesehen haben, sondern die Wandlung eher als eine Art Fortschritt. Es ist nicht etwas so, dass das, was ich getan habe nun beendet ist, es ist mehr so, dass das, was ich heute mache mehr von meinem Leben widerspiegelt und es eine Art Erweiterung meines musikalischen Horizontes bedeutet. Nun war es für Murphy an der Zeit, den Blick wieder auf das Projekt zu richten und mit Low ein Lebenszeichen als Chet Faker auszusenden. Low erinnert dabei ein wenig an Massive Attacks Teardrop, ein wenig an Western und gleichzeitig schleicht er sich so elegant in unseren Kopf, dass wir uns dessen gar nicht so schnell bewusst werden können. Chet Faker ist mit seinem einzigartigen Mix der verschiedenen Stile zurück und verzaubert uns erneut mit seinem neuen Song, als wäre er nie weggewesen.

Beck - Wow

Beck – 4-jähriger Boomerang

Da war er wieder – der Moment, in dem man einen Song zum ersten mal hört und nach Stunden des Shazamens und Googelns rausbekommt, dass es den Song bereits seit 4 Jahren gibt. Mindestens einmal hat das wohl jeder schon Mal erlebt. Auch wenn der Künstler des heutigen Songs seit über 35 Jahren Musik macht, ist er nie als der große Popstar in Erscheinung getreten. Nur, um letztendlich doch einer der größten Popstars zu sein. Mit Beck Hansen – kurz Beck – haben wir einen Künstler der genresprengend und probierfreudig ist, wie kaum ein anderer Künstler. Denn in seiner Musiklaufbahn hat der US-Amerikanische Singe/Songwriter und Produzent bereits Tracks produziert, die in die Sparten Folk, Singer/Songwriter, Alternative, Elektro, Hip-Hop, Country, Soul oder Funk fallen. Damit ist er einer der kreativsten und gleichzeitig selten greifbaren Musiker unserer Zeit. Hat Beck zuletzt Ende 2019 mit Hyperspace sein 14. Studioalbum veröffentlicht, welches er zusammen mit Pharrell Williams und Paul Epworth produzierte, sorgt gerade ein Song aus seinem 13. Album Colors für ordentlich Furore. Denn mit der zweiten Singleauskopplung Wow – die bereits ein Jahr früher als das Album Colors veröffentlicht wurde – wird gerade ordentlich die Werbetrommel für eine elektrische Zahnbürste gerührt. Dabei ist der futuristisch anmutende Song in einem guten Umfeld.

Beck - Wow (Musikvideo)
Beck – Wow (Musikvideo)

Mit der dazugehörigen TV- und Internetwerbung hat sich die Marke BRAUN einen ikonischen Werbeclip gegönnt, der fernab von einer normalen Promotion eines Hygieneartikels ist. Hier wird ein ganz neues Gefühl transportiert, dass an Werbeclips von Apple erinnert. Beck als musikalische Untermalung vervollständigt den Clip und gibt dem Song damit nochmal einen neuen Push. Mit einem ikonischen Flötenintro, pulsierenden Basslines und dem euphorischen Gesang Becks ist Wow ein wahnsinniger Ohrwurm, der nicht nur schon 2016 wirkte, sondern auch 2020 noch genauso stark klingt und einen zeitlos, frischen Sound besitzt. Die Vorzüge eines Beck-Songs liegen damit auf der Hand – seine zeitlose Arbeit mit genreübergreifenden Elementen schafft es, auch Jahre später noch top-aktuell zu klingen. Und während wir uns dessen bewusst werden, kommt Beck mit seinen euphorischen Lyrics um die Ecke und wir alle stimmen ein, zu Bored of these limits, let me get, let me get it like. Wooooow! It’s like right now. It’s like woooow!

Janelle Monáe - Turntables

Janelle Monáe – Der ewige Kampf als Sound

Sie war schon immer politisch und sang über gesellschaftskritische Themen. Doch was die US-Amerikanische Sängerin Janelle Monáe nun veröffentlicht hat, bezieht mehr und offener denn je Stellung. So wird Monáe in der US-Amerikanischen Musikszene immer mehr zu dem weiblichen Freigeist, deren männliches Pendant in Childish Gambino aufgeht. Monáe – die ebenso wie Gambino als Schauspielerin, Musikproduzentin und Songwriterin tätig ist – hat mit ihrem dritten Album Dirty Computer (2018) und der Singleveröffentlichungen Make Me Feel gezeigt, wo ihre Schmerzgrenze des Erträglichen an tagtäglichen Diskussionen um die Diskriminierung von Frauen, Farbigen und Menschen der LGBTQ-Gemeinschaft liegt. Mit diesem Album konnte Monáe sogar eine Grammy-Nominierung für das Album des Jahres 2018 einsacken. Auf ihrer neuen Single Turntables ist nun der Songname Programm. Hier singt Monáe gleich zu Beginn die Zeilen the table bout to turn, the table bout to turn – was gleichzusetzen ist, mit der Aufforderung, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Gleichzeitig sehen wir im Musikvideo – neben Monáe, die durch ein großzügiges Einfamilienhaus läuft – immer wieder auch Einspieler und Straßenszenen, auf denen die Black Lives Matter-Bewegung zu sehen ist.

Turntables (Video) Turntables (Video)

Der Kampf auf der Straße um Gleichbehandlung und -berechtigung so vieler unterdrückter Menschen ist dabei ein zentrales Thema Monáes. Musikalisch greift die Sängerin dabei nochmals den Sound des dritten Albums auf und mischt funkige Sounds mit Hip-Hop und Soul. Monáe, die sich selbst als Kämpferin dieser Menschen sieht, präsentiert uns mit Turntables einen starken Song, der vielleicht als einer der wichtigsten Songs über die aktuelle Lage in den USA eingehen könnte. Monáe ist dabei Rebellin, Kämpferin und Anführerin einer Generation, die politisiert ist und sich für Freiheit in jeglicher Form und für jeden Menschen in diesem Land einsetzt. My city cryin’ out heisst es schliesslich an einer anderen Stelle im Song und zeigt ebenfalls auf, wie zerrissen die USA und Monáes Heimat ist. Turntables ist dabei einer der anspruchsvollsten und wichtigsten Statements, das wir zur Zeit haben können und bildet nach Childish Gambinos This Is America erneut Potential für Diskussionen. In einer kleinen Cameorolle im Musikvideo zu Turntables können wir sogar des Öfteren Childish Gambino erkennen, der damit die Verbundenheit zu Monáe und ihren Intentionen darstellt. Wenn Monáe mit ihrer kommenden Musik in eine ähnliche Richtung geht, dürften wir ein großes Album erwarten.

Master KG feat. Nomcebo - Jerusalema

Master KG feat. Nomcebo – Der perfekte Sommerhit

Bereits bevor Jawsh 685 und Jason Derulo mit Savage Love überhaupt die Spitze der deutschen Charts erreicht hatten, wurde von der GfK – Gesellschaft für Konsumgüter – die für die offiziellen deutschen Charts verantwortlich sind – verkündet, dass Savage Love der Sommerhit 2020 sei. Immerhin, innerhalb der vergangenen Wochen konnte sich Savage Love tatsächlich bis auf Platz 1 der deutschen Singlecharts vorschieben. Auf den Fersen ist ihm allerdings seit einigen Wochen der Song Jerusalema, der bereits in anderen Ländern, wie Frankreich, Belgien, der Schweiz oder Italien bis auf die vordersten Ränge gekommen ist. Ein Ende des Aufwärtstrends ist noch nicht zu erkennen und erobert der Song in immer mehr Ländern die Chartspitze. Dabei wurde der Song bereits im Dezember 2019 veröffentlicht und beinhaltet neben dem Südafrikaner Master KG – der bürgerlich Kgaogelo Moagi heisst – auch seine Schwester Nomcebo Zikode, die für die Vocals verantwortlich ist.

Master KG & Nomcebo

Master KG & Nomcebo

Nachdem der Song auf YouTube durch die Decke ging und Master KG im Januar sein Album Jerusalema veröffentlichte, wuchs das Interesse auch außerhalb Südafrikas an und so wurde der Song schließlich im Juli von Warner Music Frankreich veröffentlicht. Von hier aus hat sich Jerusalema zu einem absoluten Sommerhit gemausert. Hier haben Master KG und Nomcebo ihren authentisch, afrikanischen Sound aus Soul und Gospel mit einem eingängigen Housebeat versehen und gleichzeitig für einen viralen Trend gesorgt. Denn aktuell finden wir im Netz Tanzvideos, die basierend auf dem Song, zur Jerusalema-Challenge aufrufen. Dabei wird der Tanz aus dem Video getanzt und lässt so Erinnerungen an die ganz großen Sommerhits, wie Macarena oder The Ketchup Song aufkommen. Jerusalema ist wahrscheinlich seit dem 1997er-Hit Alane – vom Kameruner Musiker Wes, der erst dieses Jahr von Robin Schulz geremixt wurde – der erste große Song aus Afrika, der weltweit zum Hit werden könnte. In insgesamt zehn Ländern feiert der auf Khelobedu gesungene Song bereits Charterfolge und wird dadurch in den kommenden Wochen sicherlich noch deutlich an Aufmerksamkeit gewinnen.