Madonna feat. Maluma - Medellín

Madonna – Is Back!

Vier Jahre zwischen zwei Madonna Alben war bisher die größte Spanne, die es in der Diskografie der US-Amerikanerin gab. Diese waren zwischen Bedtime Stories (1994) und Ray Of Light (1998), sowie zwischen Hard Candy (2008) und MDNA (2012). Im Falle des ersten Beispiels lieferte Madonna mit Ray Of Light einen Meilenstein ihrer Karriere ab. Bei ihrem letzten 4-Jahres-Break setzte die Sängerin nicht all zu sehr auf Veränderungen und lieferte einmal mehr ein, durch Rap und von Hip-Hop Beats beeinflusstes, Nachfolgealbum ab. So steht es aktuell 50/50, dass die – mittlerweile in Lissabon lebende – Sängerin – ein innovatives, neues Album veröffentlichen wird. Nun hat Madonna mit Medellín ihre erste Single aus ihrem kommenden, 14. Studioalbum Madame X veröffentlicht und sich gleich für die erste Single den kolumbianischen Shootingstar Maluma geangelt. Dieser hat es 2018 mit seinem dritten Studioalbum F.A.M.E. und einem Sprachenmix aus Spanisch und Englisch, sowie einem Soundmix aus Reggaeton und Latin Pop geschafft, in zehn Ländern in die Charts zu kommen – darunter Deutschland, Frankreich und den USA. Auf der Single Medellín vereint Madonna daher Latin Pop, Hip-Hop-Beats und Reggaeton und mischt diese Genres mit dem übergroßen Wurzeln ihrer Karriere – dem Pop. Dabei erinnert Medellín vom Takt an Michael Jacksons They Don’t Care About Us hat dabei aber den Autotune des American Life Albums und eine Leichtigkeit eines entspannten Sommersongs. So abwechslungsreich, wie Medellín ist dann auch ihr neues Album Madame X angelegt. Hier schlüpft Madonna in die verschiedensten Charaktere und widmet diesen jeweils einen Song. Somit wird das Album allein schon vom Storyboard aus interessant und verspricht eine Vielschichtigkeit, die zuletzt auf den Alben der Queen of Pop eher selten zu finden waren. Wir dürfen gespannt sein, was uns erwarten und freuen uns, dass Madonna zurück ist.

Werbeanzeigen
Ruti - Racing Cars

Ruti – Eine große Stimme ist geboren

Ruti Olajugbagbe – kurz Ruti – hat im vergangenen Jahr bei der britischen Version von The Voice alle überzeugt und ging am Ende als Gewinnerin raus. Mit der im Anschluss an die Sendung veröffentlichten Single Dreams – die eine Coverversion des The Cranberries Songs war – schaffte sie es bis auf Platz 14 der britischen Singlecharts. Nun, ein Jahr später, hat Ruti mit Racing Cars ihre erste EP veröffentlicht, die den gleichnamigen Song als Singleauskopplung hat. Dabei überzeugt sie mit einem vielschichtigen Sound, der zum großen Teil von Rutis Stimme lebt, allerdings auch mit einprägsamen Elektrobeats immer wieder für Clubatmosphäre sorgt. Dabei erinnert die Stimme der 19-Jährigen stark an die Frontsängerin von London Grammar – Hannah Reid – und hat selbst in den hohen Tönen die selbe dunkle Färbung. Zusätzlich klingt Racing Cars reduziert ehe der Beat immer wieder durchbricht und dem ganzen Song eine Art Herzschlag verleiht. Ruti ist – trotz des Fluches – das britische The Voice Gewinner keine Hits landen können – auf dem besten Weg in die Top-10 mit ihrer EP und hat für dieses Jahr bestimmt noch das ein oder andere heiße Eisen im Feuer.

Dirty Radio X Giuliano Rascan – Your Disco Needs You

Vor wenigen Tagen hattet Ihr bereits die Ehre, mit der Single von Mokoa auch wieder etwas Neues von Dirty Radio zu hören. Nun stehen sie selbst als Hauptact im Rampenlicht und haben mit dem, ebenfalls aus Vancouver kommenden, Produzenten Giuliano Rascan ein heißes Eisen als Featuring im Feuer. Überraschend bei dem nun veröffentlichten Musikvideo zur Single Is It Enough ist, dass der Song bereits Ende November das Licht der Welt erblickte, doch bisher keine passende visuelle Umsetzung erfolgte. Mit der Produktionsfirma TiV Productions ist dies nun gelungen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Spiegelt das Video doch mit seinen Lichteffekten, Lasern, schwindelerregenden Kamerafahrten und Dirty Radio, sowie Giuliano Rascan selbst auf der Bühne, eine perfekte Clubnacht wieder. Dabei ist natürlich Is It Enough selbst ein absoluter Banger und hat mit seinen 70er-Vibes und einem ansteckenden Rhythmus das Zeug zum Partyanthem zu werden. Große Hooks und ein perfekt gesetzter Gesang dürften Keinen auf den Stühlen halten und so ist Is It Enough ein Garant für eine volle Tanzflächen.

Bear’s Den – Eine Band für die Ewigkeit

Es gibt Bands, die begleiten uns ein Leben lang nur nebenbei und nehmen wir deren Musik als angenehm berieselnd war. Und es gibt Bands, die eine große Auswirkung auf uns haben. Deren Musik wir mit Erinnerungen, Gefühlen, einem Geruch oder einer bestimmten Entscheidung verbinden. Bear’s Den gehört zu der letzteren Kategorie von Bands. Durch ihre großen Songs bieten sie Raum dafür, selber Gefühle und Emotionen mit ihren Songs zu verknüpfen oder gar mit der Band selbst Erlebnisse zu generieren. Schaut man sich das Veröffentlichungsdatum ihres letzten Albums Red Earth & Pouring Rain an, welches im Sommer 2016 erschien, ist man fast sprachlos, wie schnell drei Jahre vorbeiziehen können. Mit Auftritten im Berliner Huxley’s 2016, auf dem Lollapalooza 2017 und zum Reeperbahn Festival in der Elbphilharmonie 2018 blieb allerdings auch gar keine Zeit zu denken, die Band habe eine Pause eingelegt. Nun steht für Ende April mit So That You Might Hear Me ihr drittes Album an und zeigt mit der ersten Singleauskopplung Fuel On The Fire, dass die Reise kontinuierlich weitergeht. Was sich bereits auf Red Earth & Pouring Rain ankündigte, wird nun konsequent weitergeführt und so klingen Bear’s Den nicht mehr nur nach Folk. Fuel On The Fire besitzt – ähnlich wie der gleichnamige Titelsong des zweiten Albums – ein elektronisches Soundbett und besticht durch Andrew Davie intensive Stimme. Ab der Mitte des Songs kommen dann noch epische Synthies hinzu, die nach der ganz großen Bühne rufen. Dabei hat es das britische Duo in den knapp vier Minuten geschafft einen emotionalen und intensiven Song, sowie eine Stadionhymne zu produzieren, bleiben dabei immer auf dem höchsten Niveau und enttäuschen bisher nicht ein Mal.

Kele Okereke – Mit Soundtrack für Theaterstück zurück

Mit seiner Band Bloc Party beeinflusst Kele seit Anfang der 2000er die Indiewelt und elektronische Musik Großbritanniens. Aktuell sind sie sogar mit einer Anniversary-Tour ihres Debütalbums Silent Alarm wieder auf Welttournee. Währenddessen schreibt Kele weiter unentwegt Songs und hat nun erstmals einen Soundtrack für das Theaterstück Leave To Remain, des britischen Theaterregisseurs Matt Jones, geschrieben. Tritt Jones als Co-Schreiber auf, stehen die Songs im Zeichen des alten Bloc Party Sounds. Zwar fehlt der elektronische Beat, dabei kommt Keles Stimme so klar zum Ausdruck, dass man sich an die warmen Songs Bloc Partys der frühen 2000er erinnert fühlt. Mit der Single The Sea Between Us wird dies eindrucksvoll bewiesen. Denn mit Leave To Remain zeigt Kele einmal mehr, dass er musikalisch unglaublich vielseitig ist und lässt uns mit dem dazugehörigen Musikvideo an einer warmen aber herzzerreißenden Theaterinszenierung teilhaben.

Circa Waves – Der dritte Streich

Hört man, dass sich eine Band 2013 gegründet hat, erwartet man noch nicht all zu viel. Vielleicht ein Album, vielleicht aber auch erst das harte hocharbeiten durch hunderte von Auftritten pro Jahr, um sich einen Namen zu machen. Schaut man sich die Circa Waves aus Liverpool an, stehen sie gerade vor der Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums. Somit ist die Historie des britischen Quartetts also alles andere als gemächlich. Denn bereits mit ihrem Debütalbum Young Chasers und der Single T-Shirt Weather hatten Kieran Shudall, Sam Rourke, Colin Jones, Joe Falconer sowie der mittlerweile ausgestiegene Sian Plummer es geschafft, die Indieherzen europaweit zu erobern. Mit schnellen Gitarrenriffs, zappeligen Beats und eingängigem Gesang waren sie für so einige Ohrwürmer verantwortlich. Nun sind sie mit der ersten Singleauskopplung Movies ihres, Anfang April erscheinenden, dritten Studioalbums What’s It Like Over There? zurück und sorgen einmal mehr für einen satten Ohrwurm, der nur so vor Indiepower strotzt. Dabei bedienen sich die vier Jungs im Video bei kultigen Filmen wie Clockwork OrangeThelma & Louise oder Wayne’s World und lassen das Musikvideo amüsant Fahrt aufnehmen. Die Circa Waves liefern mit Movies das ab, was Fanherzen höher schlagen lässt, auch wenn sie bereits angekündigt haben, dass sich ihr drittes Album etwas weiter weg, von der Indiemusik bewegen wird. Wir dürfen also gespannt sein und lassen uns von der neuen Platte der Circa Waves gerne überraschen.

David Gray – Und plötzlich klingt er glücklich

Mit großen Songs wie BabylonSail AwayDraw The Line oder Fugitive hat der britische Musiker David Gray in den vergangenen 26 Jahren mehrere Generationen geprägt. Schallt heute durch die Supermarktlautsprecher auf den britischen Inseln einer seiner Songs, singen die Kunden ungeniert, laut und fröhlich mit. Dabei ist Gray jemand, der seine Musik für sich selbst stehen lässt. Hier werden keine Promotionräder angekurbelt und gibt es über Gray selbst recht wenig zu berichten. Dies liegt auch daran, dass sich der Singer/Songwriter stets voll auf seine Musik konzentriert und damit die typisch Greysche Melancholie erzeugt. Doch gerade diese ist auf der neuen Single A Tight Ship plötzlich wie weggeblasen. Dabei stellte die zweite Singleauskopplung aus seinem, im März erscheinenden, Album Gold in a Brass Age einen großen Unterschied zu seinen bisher veröffentlichten Singles dar. Hier besteht das Gesamtbild aus melodischen und eher fröhlichen Soundteppichen, in denen Grey seine Stimme deutlich weicher als sonst erklingen lässt. Weg ist die schwere, kratzige Stimme. Gekommen ist ein falsettähnliche Stimmlage und ein durchproduziertes Klangbett. Damit legt Gray musikalisch einen Zahn zu und zeigt sich auf A Tight Ship mit seinen 50 Jahren frischer und probierfreudiger denn je.

Sunflower Bean – Rotzig, Laut, Indie!

Es gibt sie noch, die rotzigen Bands, die irgendwo in New York an ihrer Musik feilen und plötzlich durch die Decke gehen. So war es auch vor fünf Jahren mit dem, in Brooklyn residierenden, Trio Sunflower Bean. In diesem hippen Stadtteil New Yorks arbeitet die Band an neuen Songs, spielt ununterbrochen Gigs und hat so mittlerweile zwei Alben und zwei EP’s veröffentlicht. Mit ihrer Mischung aus Psychedelic Rock, Indie, Alternative und Punk-Rock lassen sich Sunflower Bean nur grob in eine Genre-Schublade schieben und zeigen, durch die Einflüsse von Bands, wie Tame Impala, The Cure, T. Rex, Sex Pistols, The Ramones, Fleetwood Mac oder Nirvana, wo dies seine Grundlage findet. Mit ihrer – für den 26. Januar 2019 – angekündigten EP King Of The Dudes kommt abermals, nur elf Monate nach ihrem zweiten Album Twentytwo In Blue, neue Musik auf den Markt. Dabei ist die Singleauskopplung Come For Me ein Stinkefinger, gegen die höfliche Normgesellschaft. Hier emanzipiert sich Frontsängerin Julia Cumming mit den Textzeilen Do you really wanna come for me? You know I got all night. Do you really wanna waste my time? If you do, then do it right und begründet dies mit den Worten, dass es Zeit ist, die Faust in die Luft zu strecken, sich auszudrücken und natürlich auch sexuell zu emanzipieren. Dabei ist Come For Me eine explosive Indie-Punk-Hymne, die mit viel rotzfrechem Pathos bestückt ist und sich keinen Zentimeter darunter verkaufen will. Dies haben Sunflower Bean auch gar nicht nötig und begeistern abermals mit ihrem rebellischen Punkrock.

Mark Ronson – Mischt mit Miley Cyrus auf

In den letzten Jahren ist Mark Ronson immer häufiger mit bekannten Namen, wie Amy Winehouse, Boy George und Bruno Mars in Erscheinung getreten. Dabei ist der Brite als Produzent für die Musik anderer Künstler noch deutlich erfolgreicher als im Veröffentlichen von eigenen Songs. So hat er alleine in den vergangenen acht Jahren Alben von Adele, Lady Gaga, Bruno Mars, Queens Of The Stone Age, Lil Wayne, Duran Duran oder Paul McCartney produziert. Darüber hinaus folgen noch unzählige Singleproduktionen wie dem aktuellen Hit Shallow von Bradley Cooper und Lady Gaga aus dem Film A Star Is Born. Nun hat er sich für die erste Single seines kommenden, fünften Studioalbums keine Geringere als Miley Cyrus mit ins Boot geholt. Hierbei gilt es auch für Cyrus ein kleines Comeback zu feiern. So greift Cyrus auf Nothing Breaks Like A Heart die frühere Vergangenheit auf und thematisiert klein aber punktiert Themen, wie ihren Wrecking Ball Hype, die aktuelle politische Lage in den USA und auch die schweren Waldbrände in Kalifornien. Dabei klingt Nothing Breaks Like A Heart nach entspannten Pop mit Einflüssen des Country’s und vor allem auch durch den Einsatz von Violinen und Gitarren besitzt der Song einen lateinamerikanischen Touch. Hier schaffen es Ronson und Cyrus, eine Abgebrühtheit mit eingängigem Popsound zu verknüpfen, der ins Ohr geht und nicht mehr rauskommen möchte.

Clueso – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt 2018)

Er kam, sah, siegte! Nicht anders ist zu beschreiben, was der Thüringer Musiker Clueso am vergangenen Dienstag in Huxley’s Neue Welt ablieferte. Clueso hat Erfahrung, ist in die Popwelt hinein gewachsen und hat alle Phasen eines Musikers durchlaufen. Vom Newcomer-Dasein, über die ersten Hypes, bis zu Zweifeln und einer Neuausrichtung – die ihm abermals einen Erfolgsschub bescherte – verpackt der 38-jährige Sänger all seine Erfahrungen und Emotionen immer wieder in Songs und erreicht damit ein Publikum zwischen Jung und Alt. Mit seinem aktuellen Album Handgepäck I schaffte es Clueso zum dritten Mal hintereinander die Pole-Position der deutschen Albumcharts zu erreichen und überraschte gleichzeitig mit einem Sound, der von akustischer Musik und Zurückhaltung geprägt ist. Sind doch alle Songs auf Handgepäck I im Laufe der vergangenen sieben Jahre entstanden, als der Sänger auf Reisen war. Davon beeinflusst, klingt Handgepäck I nach Weite, vorbeiziehenden Landschaften und einer entspannten Grundhaltung, die selbst Cluesos entspannte Art nochmal steigern lässt.

An diesem kalten Novemberabend rief er nun schließlich seine Fans auf, in die Konzerthalle am Neuköllner Hermannplatz zu kommen. War die Halle zum bersten voll und ausverkauft, folgten diesem Aufruf anscheinend viele seiner Fans. Pünktlich wie ein Maurer betrat der Sänger um 20:30 Uhr – ohne Vorband – die Bühne und begann mit den ersten Songs Morgen Ist Der Winter VorbeiEs Ist Schon Spät und Neue Luft. Dabei knisterte es still in der Halle und klangen die Gitarrensaiten voluminös und warm. Hiernach begrüßte er das Berliner Publikum und ließ sympathisch von der Stange, dass er ja doch immer etwas aufgeregt sei, das Publikum hier ihn aber so herzlich empfangen habe, dass dieses Gefühl schon fast verflogen sei.

Songs seiner Idole

Mit Vier Jahreszeiten An Einem Tag kündigte Clueso im weiteren Verlauf sein erstes Cover an diesem Abend an. Hat es der – im Original von der Australischen Band Crowded House geschriebene – Song tatsächlich in übersetzter Version auf das Album und sogar zur Singleauskopplung geschafft, kommentierte der Sänger, dass Englisch nicht so sein Ding sei und er diesen Song aber so sehr mochte, dass er ihn übersetzte und neu interpretiert habe. Dabei blieb der Sänger sehr nahe am Original und erhielt die traurig, emotionale Stimmung des der englischen Version. Mit Du Und Ich folgte anschließend eine poppigere Nummer, die ebenfalls als Singleauskopplung im vergangenen Sommer durch die Radios hallte und die gedämpfte Stimmung im Publikum wieder mit Energie füllte.

Mit den folgenden Songs läutete Clueso schließlich eine Strecke von älteren Songs ein, die auf die akustische Tour angepasst wurden. Da fielen mit Keinen Zentimeter und der Udo Lindenberg Kollaborationssingle Cello spätestens hier alle Hemmungen mitzusingen und hörte man bei den einschlägigen Textzeilen das Publikum um sich herum mal ruhig, mal frenetisch mitsingen. Mit den Worten, dass das Berliner Publikum immer etwas anders sei, quittierte er die Aussage mit dem Zusatz, dass es den Sänger mit einer ruhigen und offenen Haltung aufgenommen habe und er sich pudelwohl fühlte. Nach Cello kam der Sänger allerdings nicht drumherum, vom Hamburger Panikrocker Udo Lindenberg zu reden und teilte Anekdoten wie, dass Lindenberg rauchend in der Lobby eines Hotels darauf hingewiesen wurde, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei und es noch nicht einmal einen Aschenbecher gäbe, mit den Worten Ja… früher stand hier mal einer. Diese Erinnerungen zauberten Clueso, während er sie erzählte, eine kindliche Begeisterung ins Gesicht und man mochte fast eine Art Heimeligkeit durch das Geschichten erzählen zu vernehmen.

Mit Chicago folgte schließlich einer seiner stärksten Songs und erzeugte dabei mit der Tragik, die der Text ausdrückt eine Gänsehautstimmung unter dem Publikum, die eine Mischung aus Empathie und Willenskraft ausstrahlte. Im Anschlus folgte mit Es Brennt Wie Feuer eine deutsche Interpretation des Bruce Springsteen Songs I’m On Fire. Dabei outete sich Clueso als großer Springsteen Fan und sorgte zur Mitte des Songs für einen – fast schon ekstatischen – Moment als er in den Refrain des Kings Of Leon Hits Sex On Fire überging und auf der Bühne kurzzeitig durch flirrende Gitarren das Gefühl, ein Rockkonzert zu besuchen, aufflammte.

Clueso mit Baguette aber ohne Annett Louisan

Fanpost war schließlich der älteste Song seiner Diskografie an diesem Abend – wurde dieser doch auf dem 2005er Album Gute Musik veröffentlicht. Mit Freidrehen und Gewinner drehte Clueso schließlich noch einmal voll auf und animierte das Publikum mitzusingen, bevor mit Paris eine kleine Chansonnummer folgte. Hierbei erinnerte Paris an Songs aus Annett Louisans Repertoire und würde sicherlich auch eine wunderbare Kollaboration mit ihr ergeben. Mit einer kurzen Verabschiedung kam die Band und Clueso nach knapp einer Minute wieder auf die Bühne um mit dem Mash-Up Achterbahn und Zusammen – eine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier – nochmal richtig durchzustarten. Im Anschluss mit einer Jam-Session über Berlin, Zugehörigkeit, Toleranz und Umwelt rappend, zeigte Clueso, dass er immer noch die Skills des Freestyles beherrscht und beendete schließlich das Konzert mit dem melancholisch, schönen Barfuß.

Nach 18 Songs, 2 Stunden und 10 Minuten voller Power, einem unglaublichen Unterhaltungswert und Musik aus den Genres Hip-Hop, Rock, Pop und Chanson, verabschiedete sich Clueso schließlich endgültig von der Bühne und bedankte sich für die Herzlichkeit und das mal totenstille Lauschen, mal begeisterte Abgehen.
Hatte Clueso in den letzten vier Jahren insgesamt sechs Konzerte in der Hauptstadt gegeben, überraschte und begeisterte die Stimmung der Fans, die keine Ermüdungserscheinungen – den Musiker zu sehen – zeigten. Ebenso legte Clueso eine Energie an den Tag, die in Anbetracht der Anzahl an Berliner Konzerten zusätzlich begeisterte. Clueso ist ein Profi durch und durch. Er weiss, worauf es ankommt und wie er ein Publikum mitziehen kann. Dies schafft er allerdings so sympathisch und unterschwellig, dass man das Gefühl bekommt, einen Freund auf der Bühne zu haben.