Chela - Delivery

Chela – Musik, als wäre es der Abschlussball 1987

Chela ist momentan eine der flirrendsten Newcomerinnen Australiens. Mit ihrer – im Herbst 2019 veröffentlichten – EP Delivery hat die philippinisch-australisch-stämmige Musikerin Chelsea Wheatley – wie Chela bürgerlich heißt –  eine Platte veröffentlicht, die so schimmernd und lebensbejahend klingt, dass man sich einfach in sie verlieben muss. Mit der aktuellen Single Delivery überzeugt sie schließlich auch genau in diesem Feld und veröffentlicht eine Retro-Hymne, die nicht passender klinge könnte. Mit 80er-Jahre Beats, hitzigen Synthesizern und ihrer hohen Stimme, hat Chela mit Delivery, eine Partyhymne produziert, die so direkt vom Abschlussball 1987 kommen könnte. Einen dieser Abende, den man in der Aula oder der Turnhalle der Schule mit unzähligen Luftballons, Diskokugel und lauter Menschen, die scheu, aufgeregten und unsicher sind, verbringt. In Chelas Vorstellung war es allerdings weniger der Abschlussball, als vielmehr eine Welt, die dem Science-Fiction aus Filmen wie Das 5. Element oder Blade Runner entstammt. So spielt das Musikvideo zu Delivery in einem futuristischen Club, bei dem sich Chelo als Hologramm auf die Bühne projiziert und mit zwei Tänzerinnen den Song präsentiert. Delivery ist eine mitreissende, poppige Nummer, die keinen kalt lässt und mindestens ein dutzend Momente bereithält, um dazu zu tanzen, als würde man auf seinem Abschlussball selbst gerade den Moment feiern.

Millie Turner – Resetbutton mit vollem Schub voraus

Mit ihrem relaxten Indie-Sommer-Hit Swimming Pool hatte die britische Sängerin Millie Turner letzten Sommer eine wahre Perle an Song veröffentlicht. In den Folgemonaten arbeitete die Britin an weiteren Songs und veröffentlichte am 15. November ihre EP Hide+Seek. Darauf enthalten ist die aktuelle Single January, auf der sich Turner einem Reboot verpflichtet, ohne sich dabei zu sehr verändern zu wollen. Vielmehr geht es bei ihr darum in den Januar zu kommen und dem Leben einen Neustart zu geben, ohne dabei auszuschließen, dass gleiche Fehler auch ein zweites Mal gemacht werden. Mit den ganzen Vorsätzen, im neuen Jahr alles anders zu machen, hat Turner nicht viel gemein und tritt dabei gleich zu Beginn des Jahres 2020 mit January einen weiteren Schritt ins Rampenlicht der britischen Musikwelt. So gilt sie als eine der vielversprechendsten Newcomerinnen und zeigt mit January, dass sie wunderbare Laissez-faire-Hymnen beherrscht. Denn January kommt komplett unaufgeregt rüber und ist so relaxt, dass der Song wunderbar als Soundtrack eines Sonntags auf der Couch, zum Filmeschauen passt. Turner wird unterdessen ihren aktuellen Drive nicht verlangsamen und uns mit Sicherheit auch 2020 mit neuem Material versorgen.

Das Ding Ausm Sumpf - Genau Du

Das Ding Ausm Sumpf – Monsterrap auf Dancebeats

Kein bisschen bescheidener könnte man es beschreiben, was der Münchener Musiker Stefan Mühlbauer da unter dem Pseudonym Das Ding Ausm Sumpf raushaut. Mit einer Mischung aus Rap und derben elektronischen Beats erinnert Das Ding Ausm Sumpf auf seiner aktuellen Single Genau Du stark an Deichkind. Neben diesen Elementen kommt aber auch eine Portion Balkanbeats hinzu und erinnert der Song hier und da sogar ein klein wenig an den Sound, den Fettes Brot auf ihrem Überhit Schwule Mädchen hatten. Das Ding Ausm Sumpf behandelt dabei Themen, die bewusst provozierend sind und anecken – denn dem Druck der Leistungsgesellschaft erteilt der Musiker einen fetten Mittelfinger. Mit kränk wird der Münchener am 6. März sein Debütalbum veröffentlichen und gleichzeitig auf eine ausgedehnte Konzerttour gehen, die sagenhafte 38 Städte ansteuert.

Mountain Bird - Tears Won't Get My Anywhere

Mountain Bird – Fusion aus Kraft und Furcht

Es ist ein zutiefst persönlicher Song, den der Schwedische Musiker Adam Öhman unter seinem Pseudonym Mountain Bird veröffentlicht hat. Denn in den vergangenen Jahren hat sich bei dem Musiker eine soziale Angst aufgebaut, die ihn in ein Leben der Isolation führten. Hinzu kommen Depressionen, die ihn zusätzlich belasten. Mit dieser Bürde schreibt der in Stockholm lebende Sänger Songs, die sich so sehr mit seinen Erfahrungen füllen, dass man als Zuhörer eine extreme Betroffenheit erfährt. Denn mit seiner aktuellen Single Tears Won’t Get Me Anywhere hat Mountain Bird nicht nur eine zutiefst berührende Kampf-Hymne gechrieben, sondern gleichzeitig auch noch einen durch Breakbeats geformten Fusionsound veröffentlicht. Mit schnellen Beats und der langsamen Gesangsstimme – die stark an Antony Hegarty erinnert – ist Tears Won’t Get Me Anywhere ein so intensiver Song, dass man sich der Geschichte dahinter bereitwillig hingibt. Gleichzeitig bedeutet Tears Won’t Get Me Anywhere auch eine Art Befreiungsschlag, denn hiermit versucht sich der Sänger freizumachen, von dem eigenen Druck, der ihn bis zu den Momenten brachte, an denen er kurz davor war, zu zerbrechen und in seiner Isolationen vor sich hin weinte. Tears Won’t Get Me Anywhere ist ein spannender, aufwühlender und unglaublich berührender Song, der mit seinem Fusionsound absolut faszinierend klingt.

The Naked And Famous - Bury Us

The Naked And Famous – Zurück zu alter Stärke

Nach ihrem Ausflug in die Dancepop-Welt mit ihrer Single Sunseeker haben die Neuseeländer von The Naked And Famous nun mit Bury Us eine erste offizielle Single aus ihrem – im Mai erscheinendem – vierten Album veröffentlicht. Dieses wird Recover heißen und der Name wohl bedacht gewählt worden sein. Denn mit ihrem dritten Album Simple Forms verpassten sie nicht nur in ihrem Heimatland die Top-10 der Albumcharts, sondern verloren in allen Musikmärkten, in denen sie vormals erfolgreich waren, an Platzierungen oder generellen Einstiegen in die Albumcharts. Hier klingt das Wort Recover gleich viel gewichtiger. Heißt es doch sinngemäß, dass sich das einstige Quintett selbst retten und regenerieren möchte. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Bury Us scheint ihnen dieses auch vollends gelungen zu sein. Denn hier klingen The Naked And Famous wieder wie auf ihrem Debütalbum und gehen mit ordentlich Dampf durch die etwas mehr als drei Minuten. Gleichzeitig durchlebte die Band in den letzten Jahren ein wahres Erdbeben. Denn aus dem Quintett von vor 4 Jahren ist nun mit Alisa Xayalith und Thom Powers ein Duo geworden, welches Gastmusiker für ihre Liveauftritte verpflichtet. Für The Naked And Famous beginnt mit Recover ein komplett neues Kapitel, welches spannend ist und gleichzeitig musikalisch alles umhaut.

Shallou feat. Daya - Older

Shallou – Steigert sich mit Kollaboration

Es ist eine traurige Grundstimmung, die uns Shallou auf seiner neuen Single Older eingangs präsentiert. Nur von einem Klavier begleitet singt sich der Featuring-Act Daya durch den Anfang des Songs und blüht schließlich zum Refrain auf, wie eine Blühte, die sich nach einer frischen Nacht, für die ersten Sonnenstrahlen des Tages, bereithält und die Blühte öffnet. Dabei setzt ein epischer Elektrosound ein, der an große Balladen erinnert. Gleichzeitig geht Dayas Gesang in eine, vom Vocoder, künstlich bearbeitete Stimme über, die dem Song hierbei eine gewisse Distanz verleiht. Mit Older veröffentlicht Shallou, nach Fading im Dezember, bereits die zweite Single innerhalb von nur sechs Wochen und lässt damit einmal mehr die Frage nach einem Album aufkommen. Denn mit der Marketingstrategie, die sich hier gerade wahrnehmen lässt, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis der US-Amerikaner sein Debütalbum veröffentlicht. Gleichzeitig hat Shallou aber auch zwei EP’s in kürzester Zeit veröffentlicht und lässt damit, zumindest auf eine neue EP hoffen, obgleich der Wunsch nach einem Debütalbum deutlich überwiegt.

2raumwohnung - Das ist nicht das Ende Baby

2raumwohnung – 20 Jahre da, 20 Jahre Sound

Sie gehen mit den Jahren, was 2000 mit dem Song zu einer Zigarettenwerbung begann, entwickelte sich über die Jahre zur riesigen Spielwiese der beiden Bandmitglieder Tommi Eckart und Inga Humpe. Mit ihrem Debütalbum Kommt Zusammen schossen sie ein Feuerwerk an Songs raus, die so sympathisch und direkt waren, dass man sich nur in ihre Lieder verlieben konnte. Mit 2 von Millionen von Sternen folgte schließlich sogar ein zweites Mal eine Untermalung eines Werbeclips. Mit ihren Nachfolgealben wurde das Berliner Duo im weiteren Bandverlauf immer elektronischer – ohne dabei seine Identität zu verlieren – und landete schließlich mit 36 Grad einen absoluten Radiohit der sich mit Platz 22 der Singlecharts gleichzeitig als ihr größte Erfolg, als eigener Release, erwies. Nun wird die Band im Jahr 2020 20 Jahre alt und veröffentlicht hierfür tatsächlich erstmalig eine Best-Of Album. Dieses kommt am 28. Februar in die Läden und heißt passenderweise 20 Jahre. Hierauf finden sich auch neue Songs. Einer davon ist die heute veröffentlichte Single Das Ist Nicht Das Ende Baby. Dieser Song läutete gleichzeitig eine Rückkehr in die Anfangsjahre der Band ein. Denn Das Ist Nicht Das Ende Baby klingt so sehr nach dem Deutschpop der frühen 2000er, dass man seine alte Liebe zur sympathisch, verspielten Band neu entfacht fühlt. Mit leichten Synhtie- und Dancesounds und einer wunderbar hohen Stimme Humpes geht der Refrain so unglaublich schnell ins Ohr, dass man sich in allen Momenten dabei erwischt, den Song zu Summen oder mit den Beinen den Takt nachzugehen. 2raumwohnung sind nach ihrem 2017er Album Nacht und Tag, welches bereits eine Verschmelzung des elektronischen Sounds mit dem Popsound ihrer Diskografie besaß, wieder vollends zurück und begeistern mit direktem, verspielten Deutschpop, der weiß, was er machen muss, um sich in seine Songs zu verlieben.

Noah Gundersen - Lose You

Noah Gundersen – Ein neuer Mensch

Als der amerikanische Sänger/Songwriter vor fast genau vier Jahren im Berliner Privatclub die Bühne betrat, war es wie ein weisses Blatt Papier. Sowohl der Name, als auch seine Songs waren gänzlich unbekannt und die Überraschung umso größer, als das Konzert seinen Lauf nahm. Damals noch mit langen Haaren singend, hat sich Gundersen im Verlauf der Zeit deutlich gewandelt. So steht er heute mit kurzen, blond gefärbten Haaren und sichtbaren Tattoos vor dem Publikum und singt so wunderbare Songs, wie seine neueste Veröffentlichung Lose You. Diese kommt von Gundersens viertem Album Lover und zeigt den Sänger angekommen. Angekommen in einer Welt, die für den Musiker so viel bereithält und die Inspiration für neue Songs gibt. Auf der dazugehörigen Tour spielte Gundersen innerhalb von zwei Monaten 40 Shows und war danach völlig energielos – so beschreibt Gundersen in einem Post die Tage nach dem Tourfinale. Mit der nun ausgekoppelten Single Lose You hat Gundersen gestern auch ein passendes Musikvideo veröffentlicht. Dieses untermalt die gewaltige Wärme, die der Song durch seine zurückhaltende Art besitzt, die im Verlaufe des Songs als Emotion ausbricht und zu einem satten Liebessong voller Energie wird. Gundersen klingt mit seinen 30 Jahren unglaublich reif und transportiert eine Phase der Liebe, die von Freude, Vertrauen, Verläss

lichkeit und einem Kampf erzählt, der eine Beziehung retten soll. Lose You ist ein so wunderbarer Song, dass man sich fast wünscht, von Gundersen gerettet zu werden.

Icarus feat. Nathan Ball - Meet Me There

Icarus – Mit großer Ankündigung ins neue Jahr

Jetzt scheint es Schlag auf Schlag bei den britischen Brüder Ian und Tom Griffiths – alias Icarus – zu gehen. Hatten sie vor ein paar Wochen bereits mit Rae Morris die Single Dreams Of You veröffentlicht, folgt nun mit Meet Me There die nächste großartige House-Nummer. Dieses Mal als Sänger dabei ist der mittlerweile zum Wahllondoner gewordene Sänger Nathan Ball, den SOML seit einigen Jahren begleitet und bereits zum Interview hatte. Herausgekommen ist ein weiterer treibender House-Track, der mit Balls sehnsuchtsvollem Gesang perfekt die Mischung der Brüder verkörpert. Mit langen Bridges und deutlich größerem Gesangsanteil läuten Icarus eine Zeit ein, die vom Aufbruch und Beenden erzählt. Denn in den letzten Jahren haben die Brüder vieles erlebt und durchlebt, haben Bekanntschaften geschlossen und andere beendet, die ihre Persönlichkeit maßgeblich prägten. Diese Songs, aufgenommen mit ausgewählten Künstlern, zeugen von dieser Phase und lassen die Jungs gerade enorm wachsen. Bereits jetzt steht fest, dass Icarus im kommenden Jahr auf Clubtour gehen und mit UNFOLD ein Projekt veröffentlichen wird, welches noch viele weitere spannende Künstler parat halten wird.

 

Georgia - Started Out

Georgia – Hypnotisierender Dancebeat

In zwei Wochen ist es soweit und das zweite Album Seeking Thrills der britischen Sängerin Georgia steht zum Download, Streaming und Kauf bereit. Darauf enthalten sind die beiden Nummern About Work The Dancefloor und Never Let You Go die jeweils eine ganz eigen Welt der elektronischen Musik regieren. Ist About Work The Dancefloor ein absoluter Partysong, klingt Never Let You Go deutlich kratziger und schneller. Nun ist, kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums, mit Started Out eine weitere Single erschienen, die wiederum eine ganz andere Ecke der Dancemusik füllt. Denn mit Started Out singt sich die Londoner Sängerin mit einem hypnotisierenden Beat durch den fast vier Minuten langen Song und mischt dabei Synthies mit afrikanischen Trommelsounds und schweren Bässen. Hinzu kommen verschwommene Backingvocals und ein Beat, der dazu einlädt, sich auf der Tanzfläche zu verlieren. Seeking Thrills verspricht damit, ein erfrischend abwechslungsreiches Album zu werden und gleichzeitig so tanzbar zu sein, wie es Georgia vorher noch nicht war.