Charlotte Cardin - Meaningless

Charlotte Cardin – Ist der Sturm unserer Lautsprecher

In den YouTube-Kommentaren können wir Sätze, wie Sie ist eine Legende, Sie hat es verdient, richtig bekannt zu werden oder Sie sollte den nächsten James Bond Song singen lesen – all das, obwohl die Musikerin und Model erst 26 Jahre alt ist. Von ihrer Stimme und dem ganz besonderen Gefühl, den die kanadische Sängerin Charlotte Cardin in ihre Songs packt, konnten wir uns bereits auf Fous N’importe Où überzeugen. Damals hatte sie zusammen mit dem kanadischen Produzenten CRi eine eigene Interpretation des – im Original 2001 von Daniel Bélanger veröffentlichten – Songs rausgebracht. Nachdem sie mit Big Boy 2016 ihre Debüt-EP veröffentlichte, folgte nur ein Jahr später mit Main Girl die zweite EP. Dabei ist ihr Wechsel zwischen Jazz, Elektro und Pop bemerkenswert und lässt sie, je nach Genre komplett anders wirken. Nachdem sie mit Passive Agressive im vergangenen Herbst eine erste neue Single veröffentlichte, folgte im Januar mit Daddy eine zweite Single. Nun hat Cardin mit Meaningless einen weiteren Song veröffentlicht und damit auch die Info, dass wir uns im April auf ihr lang erwartetes Debütalbum Phoenix freuen können, auf dem alle drei Songs zu finden sind. Dieses hat Cardin in den vergangenen zwei Jahren abgeschottet aufgenommen und dabei in sich selbst reingeguckt. Denn seitdem die Kanadierin mit 15 das erste Mal auch als Model tätig war, bereits mehrmals auf dem Cover des Modemagazins ELLE stand und für CHANEL als Markenbotschafterin tätig ist, versteckt sie ihre eigene Identität, um in der Öffentlichkeit so zu wirken, wie man es von ihr erwartet.

Charlotte Cardin - Phoenix
Charlotte Cardin – Phoenix

Dies wollte und musste die – aus Montreal kommende – Sängerin ändern, entstand dadurch doch bei ihr eine zunehmende Leere. Auf Meaningless singt Cardin darüber, sich von den Erwartungen der Aussenwelt zu befreien und wieder zu sich selbst zurückzufinden. Sich nicht zu verkaufen, sich nicht selbst zu verlieren und einfach sich selbst zu vertrauen. Herausgekommen ist ein Song, der so unterschiedlich ist, dass wir hier regelrecht erkennen können, welche Zerrissenheit in ihr herrschte. Da beginnt es gleich in den ersten Sekunden mit einem ruhigen Einstieg aus Cardins Gesang und einer Gitarre, ehe plötzlich ein drückender Aufschrei den Moment zerreisst und in einem treibenden Elektrosound übergeht – niemals erdrückend aber immer bedrückend. Hier kommt man unweigerlich zu dem Moment, bei dem man sich nicht sicher ist, ob der Aufschrei sich trägt, ehe mit dem Einsetzen des Elektrobeats ein WOW aufkommt und alle vorherigen Gedanken förmlich wegfegt. Charlotte Cardin hat mit Meaningless eine sehr starke Single veröffentlicht, die wunderbar die Vielfalt ihrer Stimme zeigt, durch die Produktion aber das Augenmerk auf das Gefühl der Sängerin lenkt.

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks - Fireworks

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks – Die Disco geht weiter

Noch immer hallt und schallt der Song Hypnotized aus allen Boxen und Playlisten. Dass dieser Song nun bereits seit über einem halben Jahr nicht mehr aus den Streaming- und Downloadcharts wegzudenken ist, hat einen einfachen Grund. Denn mit Hypnotized hat der Dresdner Produzent Purple Disco Machine einen Disco-Klassiker erschaffen, der sich modern anhört, allerdings ausreichend Referenzen an die große Zeit des Disco-Sounds in den 70er und 80 Jahren beinhaltet. Damit so perfekt von der Zeit losgelöst, kann man sich einfach nicht an der Kollaboration mit Sophie And The Giants satthören. Dabei folgte doch bereits Ende November 2020 mit Exotica eine weitere neue Single. Diese ging jedoch im Fahrtwind des großen Hypnotized völlig unter und dürfte daher nur den eingefleischten Fans als Folgesingle bekannt sein. Nun hat sich Tino Piontek mit gleich zwei weiteren Acts zusammengetan und die neue Single Fireworks veröffentlicht. Hierauf finden wir neben Purple Disco Machine auch den Londoner Newcomer Moss Kena – der mit einer Mischung aus Singer/Songwriter, Soul und Hip-Hop seit gut drei Jahren von sich Reden macht.

Purple Disco Machine
Purple Disco Machine

Arbeitet Moss Kena doch vor allem mit seiner hohen Stimme und springt galant zwischen den verschiedenen Genres umher. Mit The Knocks tauchen zusätzlich noch zwei alte Bekannte auf, die bereits 2018 mit Sofi Tukker zusammen an Best Friend gearbeitet haben. Hier hatte das New Yorker House-Duo bereits viel Beachtung erhalten. Nun haben sich diese drei Acts auf Fireworks zusammengetan und eine orhwurmträchtige Nu-Disco-Bombe geschrieben, die mit Tropical-Beats, Xylophonklängen, choralem Kindergesang und ganz viel guter Laune um die Ecke kommt, die uns direkt umhaut. Mit Fireworks schreibt Purple Disco Machine seine ganz eigene Geschichte weiter und begeistert uns mit richtig viel Discosound. Nach Hypnotized und Exotica ist Fireworks die dritte Singleauskopplung aus seinem – für Sommer 2021 angekündigten – neuen Album. Dieses würde auf das 2017er Soulmatic folgen und dürfte nicht weniger, als die erneute randvoll gefüllte Ladung Disco enthalten.

Freyr - Nicotine Bunker

Freyr – Erfrischend klar

Bisher kennen wir den schwedisch/isländischen Musiker Freyr durch melancholisch, introvertierte Folkballaden, die sich so intim anhören, dass wir uns wünschten, mit ihm einen Abend verbringen und seinen Geschichten lauschen zu können. Doch schon mit der letzten Veröffentlichung American Poster zeigte sich der Singer/Songwriter mit einem helleren Sound und ließ einen Aufbruch erkennen. Nun ist der Musiker mit einer weiteren Single zurück und lässt diese Helligkeit weiter wachsen. Auf Nicotine Bunker singt der Singer/Songwriter von neuen Eindrücken und der Herausforderung, sich zu finden und gleichzeitig offen für Neues zu sein. So nimmt er das Beispiel einer Kommune, in der Tarotkarten gelegt werden, viel geraucht wird und sich alle glückselig übereinander freuen. Auch wenn Freyr selbst Nichtraucher ist und nicht all zu viel mit dem Tarotkartenlegen zu tun hat, kam er mit der Offenheit der Kommune, ihn willkommen zu heißen, in Berührung. Dieses natürliche Vertrauen in den Menschen hat den Musiker tief beeindruckt. Gleichzeitig kündigt Freyr mit Nicotine Bunker auch sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 28. Mai erscheinen wird.

Freyr
Freyr

Darauf enthalten, sind neben American Poster auch Avalon, You Want Love und vier weitere Songs. Freyr selbst hat erst heute auf Twitter geschrieben, dass sich seine neun bisher veröffentlichten Songs schon wie ein Album anfühlen. Daher war der Schritt hin, zu seinem Debüt, nur noch ein Katzensprung. Mit der Mischung aus Folk, Singer/Songwriter und einfließenden Elementen des Pop hat Freyr eine starke Richtung in seiner Diskografie vorgegeben. Doch mit nicht einem einzigen Song, der enttäuscht, können wir sicher sein, dass uns sein Debütalbum vom ersten bis zum letzten Track packen, berühren, aufbauen und beruhigen wird. Erstmals hat Freyr mit der Single Nicotine Bunker auch ein offizielles Musikvideo veröffentlicht, das ihn bei einem Pärchen in einem Wohnmobil zeigt, welches ihn am Straßenrand aufgegriffen hat. Mit Nicotine Bunker hat Freyr einmal mehr den gelassenen, warmen Sound seiner Musik und Stimme eingefangen, um ihn uns zu präsentieren.

Birdy - Loneliness

Birdy – Ist die Einsamkeit Freud oder Leid?

Dieser Frage geht die britische Sängerin Birdy auf ihrer neuen Single Loneliness nach. Dabei besingt sie den Moment, aus einer Beziehung zu kommen und zwischen tiefem Trennungsschmerz und wiedergewonnener Freiräume zu pendeln. Es sind diese Momente, bei denen wir uns nicht festlegen können, ob wir uns der tiefen Trauer hingeben wollen und damit den gesamten Seelenschmerz voller schöner Erinnerungen an eine Zeit, in der man mit inniger Liebe die Zärtlichkeiten des Partners oder der Partnerin genossen hat, aufarbeiten möchten. Oder an diese Momente, in denen ein fast schon rivalisierender Kampf in der Partnerschaft das Zusammenleben vergiften konnte. Dabei ist Loneliness kein klarer Trennungssong. Vielmehr möchte die Britin, dass wir ihn als Liebessong an die Einsamkeit verstehen. Hierbei fungiert das von Musikvideo-Regisseurin und Grammy-Gewinnerin Sophie Muller gedrehte Video so wunderbar mystisch und passend, dass sich die Atmosphäre des Songs multipliziert. Für Muller – die über 300 Musikvideos gedreht und mit Acts, wie Eurythmics, No Doubt, Beyoncé, Kylie Minogue, London Grammar oder Kings Of Leon zusammengeabeitet hat – ist Loneliness bereits die zweite Zusammenarbeit mit Birdy – hat sie doch auch bei Surrender Regie geführt.

Birdy - Loneliness (Video)
Birdy – Loneliness (Video)

Birdy schafft es mit ihrer klaren und fragilen Stimme abermals, Gefühlen einen Sound zu geben, die uns dadurch direkt erreichen. Hier braucht es keine Erklärung, keine Anleitung, sondern einzig die Stimme der 24-jährigen Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerde. Mit Loneliness veröffentlicht Birdy auch neue Informationen um ihr kommendes Studioalbum Young Heart. Dieses wird satte 16 Songs enthalten und sich um den Schmerz des Vermissens einer geliebten Person drehen. Dabei bleibt offen, ob dies eine Beziehungsperson oder eine Person aus dem persönlichen Umfeld der Sängerin ist. Hierbei ist es allerdings nebensächlich, um wen es in den Songs geht, schafft es Birdy doch mit ihrer Musik diverse Situation zu untermalen und uns damit einen Halt in schweren Momenten zu geben. Gleichzeitig hören wir auf Loneliness auch eine Art von Aufbruch heraus, der den Weg an hellere Orte leitet. Birdy zeigt sich auf ihrer zweiten Singleauskopplung verletzlich und stark zugleich und lässt uns in weiten Teilen an ihren Emotionen teilhaben.

Alex Somers

Alex Somers – Ein Mastermind wird sichtbar

Er zeigt sich in vielen Gestalten. Mal ist der US-Amerikanische Musiker Alex Somers als Produzent tätig und ist unter anderem verantwortlich für die Sigur Rós-Songs Varúð, Ekki Múkk, Valtari oder die gesamten Songs der Soloplatte Go des Sigur Rós-Frontsängers Jónsi – mit dem er auch das 2009er Album Riceboy Sleep veröffentlichte. Mal zeichnet er sich als Visual Artist für die Alben der isländischen Band verantwortlich. Zusätzlich tritt er noch als Tontechniker, Produzent und Mixer in Erscheinung. Dass die Zusammenarbeit mit der isländischen Band allerdings so üppig ausfällt ist kein Zufall – lebt Alex Somers doch mittlerweile fest in Reykjavík und ist mit Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi – seit nunmehr 18 Jahren leiert. Entstanden sind daraus immer wieder aufregende Projekte und noch viel aufregendere Songs. Nun hat Somers – nachdem er Soundtracks unter anderem für Black Mirror, Captain Fantastic oder Manhattan geschrieben hat – mit Siblings One & Siblings Two sein Debütalbum angekündigt das damit gleichzeitig auch ein Doppelalbum sein wird. Debütalbum deshalb, da Somers erstmals eine Platte unter seinem bürgerlichen Namen rausbringt.

Während ein Großteil der Songs des Doppelalbums zwischen 2014 – 2016 entstanden, verfolgt Somers auf den beiden Platten unterschiedliche Stimmungen. Gleichzeitig zur Ankündigung von Siblings One & Siblings Two veröffentlicht Somers mit Deathbed und Sooner auch jeweils einen ersten Song von jeder Platte. Bereits hier kann man erkennen, dass mit Deathbed deutlich düstere Stimmungen eingefangen werden. Dabei hält sich Somers an das Unperfekte und nimmt einzelne Sounds immer wieder auf, bis so nichts mehr von ihrem sauberen Sound vorweisen können. Gleichzeitig hören wir hier aber auch die starke Nähe zu Sigur Rós heraus, welche durch die wabernden Sounds und einem verschleierten Gesang an die Band erinnert. Mit der zweiten Auskopplung Sooner könnte man fast meinen, einen Song aus der Sigur Rós-Zeit von () (Untitled) zu hören zu bekommen. Mit einem prägnanten Klavierspiel und vertrakteten Stimmelementen kommt eine Stimmung auf, die an das Erwachen von Leben erinnert. Stark kinematographisch beschreibt Somers hier eine akustische Auferstehung, die schließlich wieder in sich zusammenfällt und leise verschwindet. Alex Somers hat damit ein Doppelalbum angekündigt, welches viel Zuspruch erhält und als eine Art Brücke, zwischen Sigur Rós und seinem eigenen Schaffen gesehen werden kann.

Satin Jackets feat. Tailor - Relapse

Satin Jackets feat. Tailor – Ein sehnsüchtiges Gefühl nach Sommer

Ob als Remixer, wie bei KRAAK & SMAAKs Sommeron, als Act mit Kollaborationen, wie bei Electric Blue mit Panama oder Shadow Of You mit David Harks, oder als Soloact, wie bei Little Airplanes – der deutsche Nu-Disco Produzent Satin Jackets hat ein Händchen für die smoothen Electrosounds und einen Sinn für das sommerliche Gefühl in seinen Tracks. Sein Little Airplanes war im Frühjahr 2020 der Startschuss in einen fast schon unschuldigen Sommer. Keine Clubs, keine Konzerte, keine Geburtstagsfeiern oder andere Events. Damit einhergehend auch kein Termindruck. So ausgebremst und fast schon runtergefahren, war es für uns alle eine ganz neue Erfahrung. Satin Jackets hatte damals einen sehnsüchtigen aber auch beruhigenden Song veröffentlicht, der uns den Kummer abnahm. Mit seinem neuen Song Relapse holt sich Satin Jackets nun wieder eine Stimme dazu, die sich wieder einmal wunderbar in den Sound des Produzenten einfügt. Fast schon anschmiegsam klingt der britische Newcomer Tailor mit seiner warmen und sensiblen Stimme. Dass es in dem Track um Sehnsucht, Liebe und Zerwürfnisse geht, lässt uns Tailor schließlich wissen.

Satin Jackets
Satin Jackets

In Relapse geht es um eine Beziehung, von der wir wissen, dass sie auf lange Sicht destruktiv ist, zu der wir jedoch immer wieder zurückkehren. Diese Momente der Glückseligkeit, Aufregung und der Gelassenheit sind flüchtig, aber wir möchten uns lieber darin verlieren, als sich der Realität zu stellen. Das Lied wird von der Tanzfläche und der Stimmung beeinflusst, die man bekommt, wenn man sich im Moment verliert. Tief im Inneren aber wissen wir, dass das Gefühl nicht von Dauer sein kann. Damit hat Satin Jackets wieder einen Track veröffentlicht, der sich wunderbar für das Einfangen der ersten warmen Sonnenstrahlen über schneebedeckte Wiesen eignet oder aber auch ganz gekonnt, de Stimmung einer Strandbar mit dem Rauschen der brandenden Wellen erzeugt. Ob es von Satin Jackets bald auch ein zweites Album geben wird, ist derzeit noch offen, doch lassen uns die veröffentlichten Tracks hoffen, dass 2021 das Jahr sein könnte, in dem wir in den Genuss eines zweiten Longplayers des Produzenten kommen dürfen.

Dayglow - Close To You

Dayglow – Party mit sich selbst

Was macht man in der Pandemie, wenn man an einem Abend alleine zu Hause ist, keinen Bock darauf hat, mit der nächsten Serie das Zeitkonto der Streamingdienste weiter auszureizen und alle anderen Aktivitäten nicht möglich sind?! Man tanzt! Ganz so, wie es der US-Amerikanische Indie-Held Sloan Struble unter dem Alias Dayglow in seinem neuesten Musikvideo zu Close To You macht. Dabei ist der aus Austin in Texas kommende Musiker so unterhaltsam anzusehen, dass man sich das Schmunzeln über das 3:15 Minuten lange Video nicht verkneifen kann. Mit farbenfrohen Aufbauten, ein paar absurd lustigen Tanzbewegungen und 80er-Jahre Topfschnittfrisur bewegt sich der 21-jährige Musiker zu einer satten 80er-Jahre Pop-Nummer, die ebenso charmant, wie eingängig ist. Mit klebrigen Synthiebeats, Lyrics, die einen Ohrwurm garantieren und dem hippen Musikvideo kann sich Dayglow unserer Aufmerksamkeit gewiss sein. Und eine Menge Aufmerksamkeit hat der US-Amerikaner bereit vor knapp drei Jahren erhalten. Damals veröffentlichte er mit Fuzzybrain sein Debütalbum und ging mit der dazugehörigen Single Can I Call You Tonight? durch die Decke.

Dayglow ©Pooneh Ghana
Dayglow ©Pooneh Ghana

Heute zählen die verschiedenen Musikvideos dieses Hits auf YouTube über 70 Millionen Views. Dabei geht es in seinem neuen Song darum, eine überzogene Erwartungshaltung an eine andere, ganz konkrete Person zu überdenken. So stellt sich Dayglow im Song vor, dass er auf eine Party geht, und dort einer Person begegnet, die er nicht begrüßt und mit ihr kein Wort wechselt, in seinem Kopf aber so viele Reize verrücktspielen, dass er sich eine Idee davon aufbaut, wie die Person sein könnte – vom Reden, Denken und Handeln. Nur, um schließlich feststellen zu müssen, dass die Person doch ganz anders ist, als in seiner Vorstellung. Dies hat der Musiker in ein so leichtes Popgewand gesteckt, dass man ihm gerne von der anderen Seite des Raumes – in dem die Party steigt – zugucken möchte und gespannt ist, wie dieser Plot sich schließlich entwickelt. Mit Close To You vom nerdig-sympathischen Dayglow ist die gute Laune vorprogrammiert und die Tatsache, dass wir gerade alleine zu Hause um den Tisch tanzen eine willkommene Abwechslung. Und mit seinem, für dieses Jahr angekündigten, zweiten Album, dürfen wir uns auf weitere spaßige Nummern freuen.

Balthazar - On A Roll

Balthazar – Kommen ins Rollen

Anfang November veröffentlichten die Belgier von Balthazar mit Losers einen ersten Vorgeschmack auf ihr kommendes Album Sand. Mit funkigen Gitarren und einem gewohnt charmanten Gesang, arbeitete sich der Song zu uns vor. Nachdem dann vier Wochen später mit You Won’t Come Around die zweite Single veröffentlicht wurde, steht nun mit On A Roll die dritte Single in den Startlöchern und geht nach You Won’t Come Around wieder mehr nach vorne. Dabei hat sich die Herangehensweise der Band mit den Aufnahmen der neuen Platte gänzlich von denen der Fever-Platte unterschieden. Denn selbst für ein Band, die im selben Land, sogar in der selben Region lebt, war der Lockdown prägend und hinderlich zugleich. So haben die Frontmänner Maarten Devoldere und Jinte Deprez das erste mal an einem Album gearbeitet, ohne sich direkt gegenüber gestanden zu haben. In unzähligen Onlinesessions und Telefonaten haben sich die beiden durch die Songs ihres neuen Albums gearbeitet und dieses Mal einen deutlich größeren Fokus auf Drum-Samples und Synthesizer gelegt. Herausgekommen ist ein Album, das von diesen Erfahrungen geprägt ist und einer Zeit, die zur Reflexion einlud.

Balthazar
Balthazar

Über das Album Sand sagen Balthazar nun, dass es eine Geschichte gibt, die sich durch alle Tracks zieht: Warten, Unruhe, nicht in der Lage zu sein, im Moment zu leben oder Vertrauen in die Zukunft zu setzen. Wir sind an einem Punkt in unserem Leben, an dem wir diese Aspekte des Lebens berücksichtigen müssen. Deshalb heißt das Album Sand – nach dem Sand in einer Sanduhr. Etwas kryptisch gesprochen, werden sie dann bei On A Roll konkreter – der Song und das Video handeln von dem wiederholten Mangel an Kontrolle, den wir über Situationen, unser Leben und unsere eigenen Wege haben. Selbst für einen Moment, in dem wir glauben, wir könnten unseren eigenen Gewohnheiten entkommen, finden wir uns plötzlich am Anfang wieder und finden heraus, dass die Veränderungen weder das Ergebnis noch uns verändert haben. Damit haben Balthazer ihre dritte Single etwas düsterer werden lassen, ohne, dass dabei auf die hypnotisierenden Sounds der Belgier verzichtet werden muss. Sollte Sand bereits am 29. Januar erscheinen, wurde es nun auf den 26. Februar geschoben. Nach Fever wird das fünfte Album Sand den erfolgreichen Weg des Vorgängers aber weitergehen.

Arlo Parks - Hope

Arlo Parks – Die Hoffnung in uns

Sie ist eine der aufstrebendsten Acts, die es zur Zeit gibt. Die Britin Arlo Parks verbindet so viele einzelne Teile miteinander, dass zusammengenommen ein großartiges Gesamtbild entsteht. Mit gerade einmal 20 Jahren hat es die Britin geschafft, sich Gehör bei so vielen Menschen zu verschaffen und gleichzeitig ein Sprachrohr der heutigen Generation von jungen Heranwachsenden zu werden. Denn auch bei Parks hat die Pandemie nicht halt gemacht. Mit ihrem sehnsuchtsvollen und melancholischen Sound und der Zerrissenheit der heutigen Jugend hat uns Parks mit ihrer Musik zu einer Zeit in eine Traumwelt mitgenommen, in der wir uns alle nach einer Realitätsflucht sehnen. Doch was es mit den Menschen macht, wenn sie auf Distanz gehen müssen, wurde in den vergangenen Monaten nur all zu oft besprochen. Wie ist es aber für eben diese Generation von jungen Menschen, einen Teil ihrer Charakterfindung in diese Zeit fallen zu sehen? Ihr neuer Song Hope behandelt daher das Gefühl, dass einem nur Negatives passiert, man aber realisieren sollte, dass es da draußen so viele Menschen gibt, denen genau das gleiche Gefühl zu schaffen macht. Gemeinsam entsteht dadurch eine Hoffnung und die Stärke, sich gegenseitig in den Arm nehmen zu können.

Arlo Parks Photo by Tamiym Cader
Arlo Parks Photo by Tamiym Cader

Arlo Parks ist eine faszinierende Musikerin, die mit ihrer Tiefe und einer – von gesellschaftlichen Normen losgerissenen – Selbstständigkeit begeistert und mit ihrem Debütalbum Collapsed in Sunbeams eines der wichtigsten Album 2021 veröffentlicht hat. Dieses ist heute auf Platz 3 der britischen und Platz 10 der deutschen Albumcharts eingestiegen und untermauert das Verlangen nach zeitlosem, gefühlvollen und aufrichtigen Sounds. Das britische Musikmagazin NME schreibt nicht ohne Grund über das Album; Arlo Parks mag die Stimme der Generation Z sein. Doch gibt es keinen Zweifel daran, dass dieses Album eine universelle Sammlung von Geschichten ist, die Hörern aller Altersgruppen und Hintergründe in den kommenden Jahrzehnten Trost spenden wird. Mit darauf enthalten sind die bereits veröffentlichten Songs Eugene, Black Dog, Hurt, Green Eyes und Caroline der bereits Mitte Dezember hier auf SOML zu finden war. Hope ist dabei die sechste Songauskopplung und untermauert die Aussage des NME nochmals deutlich.

Fickle Friends - Weird Years (Season 1)

Fickle Friends – Quitschbunter Pop gegen den Lockdownblues

Zugegeben, manchmal kann man schon in den Moment verfallen, an dem man sich fragt, ob das quietschbunte Auftreten der Brightoner Band Fickle Friends nicht ein wenig zu viel ist. Doch gleichzeitig pustet auch der kindlich, frische Sound diese Gedanken sofort wieder weg. Denn Fickle Friends können es einfach – gute Laune mit ihren Songs verbreiten. Voller Energie springen sie auf der Bühne rum, jagen nach Festival-Auftritten durch die Menge und nehmen jeden Moment so mit, wie er kommt. Denn diese Momente sind es, die uns alle wieder verbinden und nach denen wir uns aktuell mehr denn je sehnen. Da passt es wunderbar, dass die vier Südengländer vor zwei Wochen mit Weird Years (Season 1) eine EP veröffentlicht haben, die das verrückte Jahr 2020 musikalisch zusammenfasst. Mit Season 1 in Klammern stehend, deuten die Briten dann auch die potentielle Möglichkeit einer Season 2 an, die uns Angst macht – wollen wir doch nicht noch ein volles Jahr mit Pandemie, Lockdown und Social-Distancing verbringen. Gleichzeitig weckt es aber auch die Vorfreude auf eine weitere Platte voller gut gelaunter Tracks. Auf ihrer aktuellen Single IRL singt sich Frontsängerin Nat Shiner über die Tücken des Datings in Zeiten von Social-Distancing. Da wischt man nach rechts und links, vergibt Herzchen, chattet mit einem interessanten Menschen und telefoniert oder videochattet zusammen.

Fickle Friends - IRL
Fickle Friends – IRL

Doch wie kann man herausfinden, ob die Chemie auch im echten Leben – in real life – stimmt? Denn dafür steht die Abkürzung IRL. Im dazugehörigen Video sehen sich die Bandmitglieder nach den ersten Lockerungen des harten Lockdowns im Sommer erstmals wieder und wollten ein Musikvideo machen, das die angestaute Energie der vergangenen Monate komplett rauslässt. Nach so einem Song und Video finden wir uns schlussendlich dann – wie schon bei Songs, wie Swim, Could Be Wrong, Say No More, Cry Baby, The Moment, Amateurs oder Eats Me Up – wieder in einem Moment der kindlichen Freude um einen Song, der es ganz locker schafft, uns um den Finger zu wickeln und den unbekümmerten Partygänger in uns zu wecken. Gleichzeitig steht für dieses Jahr auch das zweite Album der Band an, das den Titel Weird Years tragen und in Form einer Serie veröffentlicht wird. So planen Fickle Friends gerade, dass sie über die kommenden Monate mit mehreren EPs – wie bei einer Serie – einzelne Seasons veröffentlichen werden und am Ende daraus eine Art Box-Set, in der vielleicht bis zu 20 Songs landen können, entsteht. Doch ob es soweit kommt oder noch viel weiter geht, hält sich die Band offen und lässt es einfach auf sich zukommen. Wir können gespannt sein, womit uns die Briten dieses Jahr noch so überraschen werden.