CamelPhat feat. Foals - Hypercolour

CamelPhat feat. Foals – Rave mit Rockattitüde

Dass es über kurz oder lang zu einer Zusammenarbeit zwischen dem DJ-Duo CamelPhat und den Alternative-Rockern von Foals kommen musste, war nur eine Frage der Zeit. Was allerdings dabei rausgekommen ist – übertrifft selbst die kühnsten Vorstellungen. CamelPhat – die bekannt dafür sind, immer wieder mit anderen Künstlern – vorwiegend aus dem Indie-Genres – zusammenzuarbeiten, haben in den vergangenen Jahren ein äußerst gutes Händchen dafür gehabt, so richtig große Elektro-Anthems zu produzieren. Da waren Kollaborationen mit Elderbrook, Jake Bugg, Au/Ra oder Jem Cooke und Christoph. Allesamt bestimmten jeweils 2017, 2018 und 2019 die Festivalplaylisten und sorgten ausnahmslos für ekstatische Stimmung. Foals hingegen sind seit Mitte der 2000er für einen großartig, mitreißenden Indiesound bekannt, der sich von Songs, wie CassiusMy Number, Into The Surf, In Degrees, Mountain At My Gates oder What Went Down speist und jede Indiedisko zum Schwitzen bringt. Nach den Alben Antidotes (2008), Total Life Forever (2010), Holy Fire (2013) und What Went Down (2015) haben die Briten 2019 mit Everything Not Saved Will Be Lost – Part 1 und Part 2 gleich zwei Alben veröffentlicht und landeten schließlich mit der letzteren Version erstmals auf Platz 1 der britischen Albumcharts.

CamelPhat feat. Foals - Hypercolour

CamelPhat feat. Foals – Hypercolour

Damit auf einem ihrer kreativen Höhepunkte, scheint die Loslösung vom Gründungsmitglied und Bassisten Walter Gervers eine wahre Sturm und Drang Zeit der Band ausgelöst zu haben. So haben sie für Oktober 2020 mit Collected Reworks gleich drei Platten angekündigt, auf denen Acts, wie Rüfüs Du Sol – deren Remix von The Runner bereits veröffentlicht wurde – Purple Disco Machine, Hot Chip, Totally Enormous Extinct Dinosaurs, Mount Kimbie oder Mura Masa die Hits der Band remixen werden. Als erster Teil daraus ist mit Collected Reworks Part 1 bereits ein erster Eindruck veröffentlicht worden. Auf Hypercolour haben sich nun CamelPhat und Foals zusammengetan und damit eine langjährigen Wunsch des Liverpooler DJ-Duos in Erfüllung gehen lassen. Mit einem Entrée aus Synthies und wabernden Housebeats und dem warmen Gesang des Foals-Frontsängers Yannis Philippakis wandelt sich Hypercolour schließlich zu einem melancholischen Rave aus Deep House mit Indie-Note. Dabei ist Hypercolour einmal mehr der Beweis, dass CamelPhat immer auf die richtigen Stimmen setzen, um ihren Songs dieses ganz besondere Gefühl zu geben. Nach unzähligen EP-Veröffentlichungen arbeiten CamelPhat aktuell an ihrem Debütalbum, welches mit Sicherheit weitere spannende Kollaborationen bereithalten wird.

CamelPhat feat. Foals – Hypercolour

Markéta Irglová feat. Emiliana Torrini & Aukai - Quintessence

Markéta Irglová feat. Emiliana Torrini & Aukai – Ein Lied von einer Kurzgeschichte voller Gefühle

Es gibt nicht viele Künstlerinnen und Künstler, die eine Magie ausstrahlen, die alles und jeden mit sich zieht. Markéta Irglová ist so eine Künstlerin. Sie ist nicht nur eine begnadete Pianistin, sondern besitzt auch eine Aura, die von Unabhängigkeit, Sanftmütigkeit und Reinheit geprägt ist. Von Glen Hansard – dem irischen Frontsänger von The Frames – 2001 in Tschechien entdeckt, baute er die damals 13-jährige Musikerin immer weiter auf und nahm sie mit nach Irland. Als Irglová 18 Jahre alt war, veröffentlichten sie zusammen mit Hansard unter dem Bandnamen The Swell Season das gleichnamige Debütalbum. Nur ein Jahr später folgte mit dem Film Once ein packendes Drama darüber, wie die beiden Musizierenden sich versuchen über Wasser zu halten. Diese Zusammenarbeit mündete schließlich in eine Oscar-Prämierung für den besten Titelsong eines Films. Es folgte mit Strict Joy 2009 noch eine weitere Veröffentlichung unter dem Bandnamen The Swell Seasons, ehe Irglová 2011 nach New York zog und nur ein Jahr später nach Island. Seit ihrer Entdeckung durch Hansard hat die Musikerin – die man durchaus als Autodidaktin bezeichnen kann – viel gelernt. Neben den Sprachen Englisch und Isländisch – die sie jeweils fließend beherrscht – kam auch das Spielen unterschiedlichster Instrumente hinzu. In Island angekommen, ist sie mittlerweile verheiratet, hat drei Kinder und macht weiterhin Musik, die sich an Künstlern, wie Sigur Rós und Emiliana Torrini orientiert.

Mit Letzterer hat Irglová nun einen gemeinsamen Song aufgenommen der sich mit einem mächtigen Gefühl von Hilflosigkeit und Besinnung zu unserer Natur beschäftigt. Torrini ist bereits vor einigen Jahren eine gute Freundin Irglovás geworden und besitzt eine ganz ähnliche Magie, wie Irglová. Mit ihrer sanften Stimme, dem organischen Sound in ihrer Musik und dem unglaublich warmen Gefühl ihrer Lieder, war für Irglová klar, dass nur Torrini als Hauptstimme des Songs Quintessence in Frage kommen kann. Hier begleitet Irglová die isländische Sängerin ausschließlich im Chorus und möchte damit ein Gefühl von Verbündung in den Song bringen. Markus Sieber – der als Aukai für eine Ambient-Soundstimmung steht und bereits mehrfach als Fusion aus Gustavo Santaollala und Ludovica Einaudi betitelt wurde – steuert schließlich die Atmosphäre bei. Herausgekommen ist ein fast zehnminütiger Song, der sich mit einer leisen Gewalt in unser Herz arbeitet. Durch ihn können wir heraushören, was Irglová in den vergangenen Monaten – als die Menschheit durch die größte Gesundheitskrise der Neuzeit gegangen ist – durch den Kopf ging. Von Angst und Panik, bis hin zu Erinnerungen an ihre Kindheit – bei der sie sich vor der Pandemie das letzte Mal so ruhig und machtlos gefühlt hat – lässt uns die Sängerin an einem Stück Musik teilhaben, welches weitaus mehr ist, als nur ein Lied. Irglová schafft es tiefe Gefühle zu wecken, gibt ihnen einen Raum sich zu entfalten, ehe sie gleichermaßen angemessen den Rückzug antritt. Quintessence ist eine Kurzgeschichte unseres eigenen Gefühls und zeigt eindrucksvoll, warum von Irglová und Torrini so eine Magie ausgeht.

Regard & RAYE - Secrets

Regard & RAYE – Hymnischer Sommerhit

Sie haben etwas ganz großes und einzigartiges geschaffen – mit diesen Worten haben DJ Regard und die britische Singer/Songwriterin Rachel Agatha Keen – alias RAYE – ihre Zusammenarbeit auf der neuen Veröffentlichung Secret kommentiert. Dabei ist Regard in den Charts mit seinem Hit Ride It weiterhin äußerst erfolgreich und hat in 24 Ländern eine Platzierung in den Top-10 der Singlecharts erreicht. Dass dieses Sample des 2008er Jay-Sean-Hits für den Kosovaren Dardan Aliu – der sich hinter Regard verbirgt – zum Erfolg wurde, hat der DJ einer kontinuierlichen Steigerung seiner Musik zu verdanken – denn immerhin veröffentlicht Regard bereits seit 2008 Songs. Zusammen mit der Sängerin RAYE hat er nun einen Song der Britin neu produziert und eine ganz eigene Version veröffentlicht, die ursprünglich als langsame R&B-Songs gedacht war. Dabei spielt RAYEs Background eine große Rolle. Denn besuchte die Londonerin die BRIT School of Music – und damit die selbe Schule, von der auch Adele, Amy Winehouse, Ella Eyre, FKA Twigs, Freya Ridings, Imogen Heap, Katie Melua oder Leona Lewis abgingen – brach sie das Studium ab, weil es sie – trotz der vielen erlernten Dinge – zu sehr einengte. 2014 veröffentlicht RAYE mit Welcome to the Winter schließlich ihre Debüt-EP und machte damit Years & Years-Frontsänger Olly Alexander auf sich aufmerksam, der sie bei dem Plattenlabel – bei der Alexanders Band unter Vertrag steht – empfahl. Seitdem ist sie bei Polydor unter Vertrag und hat einen immensen Einfluss auf die Musik der vergangenen vier Jahre genommen. Denn obwohl die Sängerin mit eigenen Veröffentlichungen, wie Decline (2017), Love Me Again (feat. Jess Glynne, 2019) oder Tequila (mit Jax Jones und Martin Solveig, 2020) oder durch Kollaborationen mit Jonas Blue (By Your Side, 2016), Jax Jones (You Don’t Know Me, 2016) und David Guetta (Stay (Don’t Go Away), 2019) immer erfolgreicher wurde, sind es vor allem Songs –  die sie in ihrer Funktion als Songwriterin geschrieben hat – für die sie bekannt ist. Denn neben den selbst veröffentlichten Songs, hat sie Songs für alle großen Stars, wie Blonde, Matoma, SG Lewis, Charli XCX, Jax Jones, Little Mix, Rita Ora, John Legend, Major Lazer, Ellie Goulding, David Guetta oder Beyoncé, geschrieben. Da ist es nicht verwunderlich, dass DJ Regard dann auch über das Multitalent schreibt, dass jeder einmal mit ihr zusammengearbeitet haben sollte. Auf Secrets hat Regard einen ganz ähnlichen Aufbau genutzt, wie es sein Hit Ride It schon besaß und überzeugt mit House, der sich durch melancholisch, hymnische Gesangparts zu einem großartigen hochsommerlichen Hit entwickelt. Mit 80er Jahre Synthies und einem klassischen Drop, funktioniert Secrets darüberhinaus auch im Club und könnte zu einem der ersten Hits werden, zu dem wir – bei der Rückkehr der Parties in die europäischen Clubs – tanzen werden.

Kodaline - Sometimes

Kodaline – Kehren zurück

Mit dem starken Song All I Want hatte die Dubliner Band Kodaline 2012 plötzlich alle Augen auf sich gerichtet. Denn hier war nicht nur der Song mit seinen emotionalen Ebenen stark, sondern auch das dazugehörige Musikvideo – vielmehr, beide Musikvideos. Denn hier hatte das irische Quartett eine herzerwärmende Geschichte erschaffen, die zwei Kurzfilmen gleicht. Nach der großartigen Resonanz auf ihre Musik, folgte ein Jahr später mit In A Perfect World das Debütalbum der Band, sowie Platz 1 der irischen und Platz 3 der britischen Charts. Nach den Alben Coming Up For Air (2015) und Politics Of Living (2018) – die sich ebenfalls auf Platz 1 der irischen Charts positionieren konnten – haben die Jungs um Frontsänger Steve Garrigan nun mit Sometimes bereits die zweite Single, aus ihrem vierten Studioalbum One Day at a Time veröffentlicht – welches am kommenden Freitag erscheint. Entstanden ist der Song während einer Asientour im Hotelzimmer Garrigans – wie er schreibt. Dabei hatte der Sänger mit Angstzuständen zu kämpfen und schrieb den Song, um etwas Positives daraus zu ziehen und sich vor Augen zu halten, dass es immer wieder mal schwierige Zeiten gibt, die es zu überstehen gilt, man aber immer auch etwas Positives daraus ziehen kann. Sometimes kommt dabei äußerst folkig rüber und zeigt uns Kodaline wieder beim Sound des ersten Albums angekommen. Nicht viel mehr, als eine Gitarre und Schlagzeug unterstützen Garrigan, ehe zum Refrain kurzzeitig ein Chor aufflammt und den Song eine aufbauende Dynamik verleiht. Dabei hallen die Songzeilen All of my friends don’t understand. Maybe I’m crazy. Maybe I’m blind. Maybe we all get lost sometimes. Sometimes hallt auch noch nach, wenn der Song schon längst verstummt ist und erzählt von einem Aussenseiter, der in einer großen Band singt und gleichzeitig einsam ist, obwohl ständig Menschen um ihn herum sind. Während die Irish Times dem Album nur zwei von fünf möglichen Sternen vergibt und das Album als technisch fast schon perfekt, vom Gefühl allerdings vorhersehbar und einfallslos beschreibt, werden die bisher veröffentlichten Songs von den Fans äußerst positiv aufgenommen. Bleibt abzuwarten, ob es Kodaline ein weiteres mal schaffen, den Thron der irischen Albumcharts zu besteigen. Sometimes überzeugt auf jeden Fall bereits jetzt.

Sion Hill - Speak Up

Sion Hill – Die irische Tradition im Popsong tragen

Nach wie vor übt Berlin eine enorme Anziehungskraft auf Musikacts weltweit aus, um den Einstieg in das Business zu schaffen. Ob die Parcels oder Yates aus Australien, Travis‚ Frontsänger Fran Healy aus Großbritannien oder RY X – der einige Zeit in Berlin lebte – für viele Künstler gehört es mittlerweile dazu, sich für eine Zeit lang in der kulturellen Hauptstadt Europas aufzuhalten. Auch der Ire Sion Hill – der bürgerlich Nathan Johnston heißt – hat diesen Schritt vor einigen Jahren gewagt, ist in der Stadt geblieben und sollte dafür belohnt werden. Mit seiner 2017er Single Elephant konntet ihr hier auf SOML bereits früh über den Singer/Songwriter lesen. Damals noch im Pop zu Hause – der mit Gitarre angereichert sogar Pete Dorherty überzeugte, ihn als Support mit auf seine Tour zu nehmen – schaffte der Sänger es auch, die ersten Radioplays zu erhalten. Nun ist der 25-Jährige mit seiner neuesten Single Speak Up zurück und  bezieht sich noch stärker auf seine irischen Wurzeln. Nicht nur, dass sein Künstlername Sion Hill auf deutsch in etwas Himmel auf dem Hügel bedeutet, hat der Ire auf Speak Up nun auch traditionelle irische Folkmusik im Einsatz. Dabei dürfte der aktuelle Einfluss der irischen Musik international gerade in den letzten Jahren stetig gestiegen sein und bringt neben Dermot Kennedy, Hozier und Walking On Cars auch Songs, wie Galway Girl von so großen Künstlern, wie Ed Sheeran hervor. Mit einem wunderbaren Mix aus Pop, Folk und Tradition, streut der Sänger auch eine leichte Note elektronischer Musik unter die starke Instrumentierung. Ob die knapp 21.000 Einwohner große Stadt Mullingar – aus der Sion Hill kommt – weiss, wie großartig der Sänger in Deutschland ankommt, kann nur vermutet werden, seine irische Herkunft präsentiert der Singer/Songwriter mit seinem neuesten Song auf alle Fälle mit Stolz. Mit Speak Up hat der Ire es geschafft, einen Song zu veröffentlichen, der die traditionelle irische Musik mit Instrumenten, wie der Fidel, dem Dudelsack, dem Akkordeon oder der Flöte modern präsentiert, und damit für frischen Wind im Radio sorgt.

Two Door Cinema Club - Tiptoes

Two Door Cinema Club – Ein wenig Nostalgie

Vor knapp einem Jahr erst veröffentlichte das Nordirische Trio Two Door Cinema Club mit False Alarm ihr viertes Studioalbum und näherte sich wieder mehr dem Sound der frühen Jahre an. Mit dem dritten Album Gameshow (2016) schien schließlich doch einiges an Glas zerbrochen zu sein zwischen den Fans und er Band. Dabei ging es mit dem Debütalbum Tourist History (2010) erst steil bergauf und sorgte für absolute Gassenhauer, wie Something Good Can WorkI Can Talk und Undercover Martyn und mündete in top Platzierungen mit ihrem zweiten Album Beacon (2012). Ihr letztjähriges Album False Alarm erreichte mit Platz 28 nicht nur die schlechteste Chartplatzierung bisher, sondern konnte auch keine einzige Singleauskopplung in den Charts platzieren. Nun haben Frontsänger Alex Trimble, Gitarrist Kevin Baird und Bassist Sam Halliday allerdings in der Mottenkiste gekramt und mit der EP Lost Songs (Found) am gestrigen Freitag eine Platte voll mit Raritäten veröffentlicht. Mit dabei ist nicht nur eine Demoversion eines ihrer größten Hits Something Good Can Work, sondern auch der Song Tiptoes, den das Trio nun als Singleauskopplung veröffentlicht hat. Weitere B-Seiten aus der Zeit des Debütalbums wurden bisher entweder überhaupt noch nicht live gespielt, oder nur einmal auf einem Konzert in York. Tiptoes beginnt dabei mit einem ungewöhnlich harten Elektrobeat, der sich jedoch schnell in den typischen Gitarrensounds der Band auflöst und sofort zeigt, warum man sich einst so in die Musik der Band verliebt hatte. Dabei sollte Tiptoes eigentlich sogar auf dem Debütalbum landen, kam jedoch – aus Zeitmangel – nicht über eine Demoversion hinaus. Dabei hört man Tiptoes den charakteristischen Sound zum Ausrasten auf einem Konzert oder Festival an und fragt sich ungläubig, warum der Song es nie auf ein Album geschafft hat. Nun haben Two Door Cinema Club dem Song die Ehre erwiesen und uns eine EP geschenkt, die voll von Liedern ist, die aus der frühen Zeit der Nordirischen Band stammt. Tiptoes ruft uns unterdessen wieder auf die Tanzfläche und lässt uns ausflippen, als wäre es 2010.

Travis - A Ghost

Travis – Mit kreativen Lauf und voller Energie zurück

23 Jahre und acht Alben ist es her, dass die Schottische Band Travis erstmals in die britischen Charts einstieg. In den darauffolgenden Jahren ging es für Travis – bis zu ihrem Höhepunkt 2001 mit dem dritten Album The Invisible Band – immer schneller und höher hinaus. Alles fing mit einem denkwürdigen Auftritt auf dem Glastonbury Festival 1999 an. Bestand die Band da bereits neun Jahre, sollte es ihr Song Why Does It Always Rain On Me sein, der zur modernen Legende wurde. Denn als die Band um Frontsänger Fran Healy 1999 die Bühne betrat und diesen Song anstimmte, begann es auf dem Festival zu regnen. Dieser Moment wurde in Großbritannien schnell weitererzählt und entwickelte – ganz ohne Social Media – eine Dynamik, die der Band nicht nur eine erste Top-10 Platzierung in den Singlecharts einbrachte, sondern das Album in den nachfolgenden Wochen bis auf Platz 1 klettern ließ. Mit ihrem dritten Studioalbum The Invisible Band – auf dem Travis thematisierte, dass ihre Musik so viel größer sei, als die eigentlich Band dahinter (was sich am Albumtitel ableiten lässt) – gelangten sie schließlich in 15 Ländern in die Charts und schafften es in Großbritannien, Irland und Norwegen bis an die Spitze. Was folgte, waren die Alben 12 Memories (2003), The Boy With No Name (2007), Ode To J. Smith (2008), Where You Stand (2013) und Everything At Once (2016) die alle – bis auf Ode To J. Smith – die Top-5 der Albumcharts erreichten. Nun haben Travis, nach 4-jähriger Pause, mit 10 Songs ihr neuntes Studioalbum für den Oktober angekündigt und daraus die Single A Ghost veröffentlicht. Hierbei kehren Healy und die Band wieder zu dem alten Folksound ihrer Anfangszeit zurück, ohne dabei nostalgisch zu klingen. Mit einer schnellen Gitarre, einem erfrischenden Piano und Healys energischen Gesang bekommt A Ghost ein wunderbares Tempo, dass der Band gut tut. Healy selbst sagt über die Entstehung des Albums, dass er durch seinen Sohn – beide leben in Berlin – einen regelrechten Tritt in den Hintern bekommen hat und von ihm dazu gedrängt wurde, sich wieder der Musik zu widmen. So hat Healy in den vergangenen vier Jahren Material für 10 Alben geschrieben und daraus die stärksten zehn Songs auf das neue Album gepackt. A Ghost kommt nun mit einem Musikvideo auf den Markt, das von Healy selbst gezeichnet wurde und ihn wochenlang an den Schreibtisch fesselte. Denn hier hat er in mühsamer Arbeit täglich 16 Stunden verbracht, bei dem am Ende 10 Sekunden des Musikvideos herauskamen. Das Ergebnis ist mehr als sehenswert und wurde auch durch die Zusammenarbeit mit seinem Sohn erst realisierbar, der ihn mit seiner Drohne filmte. Travis sind wieder auf einem kreativen Hoch angekommen, das sich nicht nur im Musikvideo auszeichnet, sondern viel mehr auch in der Musik, die frisch und drängend klingt und voller Energie steckt.

Jónsi – Exhale

Jónsi – Neue Musik abseits von Sigur Rós

Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi ist der Frontsänger der legendären isländischen Post-Rockband Sigur Rós. Mit ihr hat der 45-jährige Sänger und Komponist in den vergangenen 26 Jahren für so wundervolle Songs, wie Svefn-g-englar (1999), Untitled #1 (2003), Hoppípolla (2005), Sæglópur (2006) oder Gobbledigook (2008) gesorgt. Dass Sigur Rós ihre Hochzeit in den 2000ern hatte, zeigt sich deutlich an den Veröffentlichungsrhythmen, den Chartplatzierungen und welche Songs die Musikgeschichte beeinflusst haben. Selbst ein Auftritt bei den Simpsons war 2013 drin. Gibt es seit 2013 – abgesehen von Remix-Alben – mit Óveður und Á nur zwei einzelne Songveröffentlichungen, ist es zunehmend ruhiger um die Band geworden. So tritt Frontsänger Jónsi nun, nach Riceboy Sleeps (2009) und Go (2010), ein weiteres Mal solo in Erscheinung und veröffentlicht mit Exhale einen neuen Song. Anders, als bei Sigur Rós singt Jónsi hier nicht auf isländisch oder gar in der eigens erfundenen Sprache Hopelandic, sondern nutzt Englisch als Sprache des Ausdrucks. Hierbei zeigt Jónsi sich musikalisch deutlich offener und verbindet den typischen Ambient und Post-Rock Sound mit einem schnelleren Beat, der einen Höhepunkt andeutet, jedoch nur zögerlich zum diesem führt. Schließlich geht Exhale in einem elektronischen Beat mit großer Instrumentierung auf und wird damit zu einer modernen Hymne, die durchaus überraschend und frisch klingt. Exhale führt den Sound Jónsis Solomusik wie auch dem seiner Band Sigur Rós fort und lässt diese in einem fast schon poppig klingenden Gewand aufgehen. Diese Kreativität lässt – abseits all seinen Nebenprojekte – auf ein großartiges neues Album hoffen.

 

Zola Blood – Satter Elektrobeat mit Tiefe

Es ist nun schon wieder drei Jahre her, dass das britische Quartett Zola Blood mit dem Debütalbum Infinite Games zum festen Bestandteil der Londoner Elektroszene geworden sind. Mit einem Mix aus Techno, Dream-Pop lastige Chants und typischen Elementen von House und Ambient lassen die Jungs um Frontsänger Matt West nichts anbrennen. Nun bereiten uns die Jungs mit einem neuen Song, auf die – am 22. Mai erscheinende – EP Two Hearts vor. Beginnt die gleichnamige Leadsingle Two Hearts mit einem anschwellenden Rauschen, welches an Loud Places von Jamie XX erinnert, geht der Song in einer Synthiewolke voller zuckender 80er-Jahre Beats auf. Als roter Faden zieht sich das Thema Zeit und wie wir mit ihr umgehen durch die EP. Dabei bedienen sich Zola Blood auf ihren Coverbildern zu Two Hearts der traditionellen japanischen Kitsungi, bei der man zerbrochenes Porzellan mit Hilfe von Gold wieder zusammensetzt. Gleichzeitig kommt der Band die philosophische Frage auf, ob wir Dinge nur dann schätzen, wenn sie unversehrt bleiben und wir ihnen dadurch aber auch die Möglichkeit nehmen, sich zu Wandeln? Diese Komplexität verbinden Zola Blood auf Two Hearts gleich in zweierlei Hinsicht äußerst interessant. Denn zum einen klingt Two Hearts derbe und rau – vorrangig durch sein Soundbett und zum anderen fügt sich Wests Stimme so wunderbar in die Produktion ein, dass man das Verschmelzen dieser beiden Elemente förmlich vor seinem Auge zu sehen scheint. Two Hearts ist die Schnittstelle zwischen Club und Homeparty, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft und zwischen Trauer und Euphorie und könnte zum festen Begleiter in die Tiefen der Nacht werden.

The Killers - Caution

The Killers – Als hätten sie es gewusst

Was für eine wunderbare Rückkehr der Alternative- und Indie-Rockband aus Las Vegas. The Killers sind zurück mit einer Hymne voller Pomp, Glamour und großartigen Gitarrenriffs. Dass Brandon Flowers noch nie ein Mann der leisen Worte war, wussten wir bereits seit Singles wie Mr. Brightside und Somebody Told Me. Doch erst durch ihre 2008er Single Human kam es in Deutschland zum absoluten Durchbruch. Von ihrem dazugehörigen Album Day & Age verkaufte die Band über drei Millionen Platten, doch danach wurde es unsteter bei den Jungs und veröffentlichten The Killers in den letzten zwölf Jahren mit Battle Born (2012) und Wonderful Wonderful (2017) gerade einmal zwei Alben. Nun sind The Killers mit Caution zurück und fegen uns regelrecht weg mit einem voluminösen Synthiesound, der durch einen ausufernden Einsatz des Schlagzeugs wieder zum typischen Bombastsong wird, den wir alle gewohnt sind und lieben. Vom Gefühl dürfte Caution sich bekannt anfühlen, legt der Song doch die gleiche Euphorie and den Tag, wie Human oder Mr. Brightside. Das dazugehörige Album Imploding The Mirage wird am 29. Mai veröffentlicht und überrascht mit einer erfrischend, hohen Anzahl an Gastmusikern. So sind, neben dem The War On Drugs-Produzenten Shawn Everett auch The War On Drugs-Frontsänger Adam Granduciel, k.d. lang, Fleetwood Mac-Gitarrist Lindsey Buckingham, sowie die New-Yorker-Indieband Lucius mit dabei und sorgen dafür, dass Imploding The Mirage eines der abwechslungsreichsten Alben der Bandgeschichte werden könnte. Mit Caution sorgen The Killers auf jeden Fall jetzt schon Mal dafür, dass wir die Tanzschuhe noch nicht all zu weit in den Schrank räumen werden. Und als hätten sie es gewusst, passt der Songtitel so treffend zur aktuellen Lage überall auf der Welt.