Debby Smith - Something Special (by Lea Braeuer)

Debby Smith – Das ist Pop in seiner besten Art

Eigentlich ist Debby Smith eine absolute Newcomerin – eigentlich. Denn auch wenn der Hörer sie auf ihrer Debütsingle Something Special zum allerersten Mal wahrnimmt, ist die Hamburgerin schon seit knapp zehn Jahren im Musikgeschäft unterwegs. Nicht nur, dass sie an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater ihren Bachelor in Gesang macht, sondern tritt sie seit Jahren auch auf Firmenfeiern, Hochzeiten und ähnlichen Veranstaltungen mit einem enormen Repertoire an Songs auf und war in Bandprojekten in Malaysia, Chile und den USA involviert. Hierher mag wohl auch die Verbindung zu Josh Groban stammen, der sie 2013 auf seiner Welttournee All That Echoes World Tour in Deutschland als Solosängerin engagierte. Nun will es Smith auch international wissen und hat mit ihrer Debüt-EP Peace Of Mind eine wunderbar leichte Interpretation von Pop veröffentlicht, die durch ein 80er und 90er Jahre Feeling und scheu verwendeten Hip-Hop Sounds so sehr in die sommerlichen Tagträume von all denen spielt, die den Herbst gerade vor Augen haben. Dabei ist Something Special eine satte Popnummer, die an die frühen 90er Jahre erinnert, in der Synthies nicht überbordend eingesetzt werden aber deutlich herauszuhören sind. Hiermit trifft sie genau den Nerv der aktuellen Newcomer-Landschaft, die ebenfalls durch Acts wie Shura und Girl In Red bedient werden. Trotz der internationalen Einflüsse bleibt Smith sich treu und schreibt ihre Songs und Texte selbst und produziert diese auch mit. Something Special ist eine wunderbar, warme Version des Sommers, der sich auf entspannte Tage mit Freunden und milden Nächten am Strand einlässt und das Gefühl der vergangenen Monate noch etwas länger versucht wachzuhalten.

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Bon Iver - Naeem

Bon Iver – Ein Evolution in vier Akten

Bon Iver ist ein Aussätziger unter den Musikern. Mit seinen Soundmustern, die sich mit jedem seiner Alben verändern, über die Art zu singen, bis hin zu seinen kryptischen Titeln – kaum etwas ist richtig greifbar. Mit seinem nun veröffentlichten I,I setzt der US-Amerikaner Justin Vernon seinem Alter Ego Bon Iver einen vierten Akt auf und komplettiert damit die Soundästhetik, der vier Jahreszeiten. Auf seiner nun veröffentlichten Single Naeem kehrt Venon zurück zu den Anfängen seines Sounds und lässt eindringliche Pianoklänge über sanfte Bässe zu einem kratzig fordernden Gesang des Sängers legen. Dabei wirkt Naeem wie eine Folkballade, die sich aus den Einflüssen von Sigur Rós, The Lumineers und The Slow Show zusammensetzt. Einmal mehr schafft es Bon Iver so, dass seine Musik eine Kunstform annimmt, die sich für viele immer wieder aufs Neue als völlig eigenständig etabliert und zum Einfluss vieler anderer Künstler wird und ist darüber hinaus der perfekte Begleiter für den rauen Ton des nahenden Herbstes.

Reyko - Lose Myself

Reyko – Wenn hauchend, dann vibrierend!

Mit ihrer Debütsingle Spinning Over You (2017) und der EP Midnight Sunshine (2018) hat in London lebende Duo Reyko in den vergangenen 24 Monaten ein paar verheißungsvolle Songs veröffentlicht. Das die Sängerin Soleil und der Produzent Igor – übrigens beide aus Spanien kommend – zusammengekommen sind, ist dem Auftritt eines gemeinsamen Freundes zu verdanken. Denn während der Freund auftrat, kamen die beiden ins Gespräch und formten die Grundlage der heutigen Band. Zum damaligen Zeitpunkt studierte Igor noch Musikproduktion an der University of West London und Soleil arbeitete als Osteopathin. Dass sich daraus so spannende Musik, wie auf ihrer neuen Single Lose Myself entwickelt, hatte wohl keine gedacht. Mit diesem, nun veröffentlichten, Song kommen die verschiedenen Ansätze und Einflüsse der beiden hervor und werden durch die sanft hauchende Stimme Soleils und den massiven Basslines Igors kaum greifbar. So fungiert Lose Myself als Dreampop, Housetrack und zeigt in seiner Struktur typische Anleihen von Popmusik. Spannend, knisternd, brechend – Reyko springen zwischen den Genres und lassen auf mehr hoffen.

Sultans Court - Shutdown

Sultans Court – Ihrem Vorbild immer näher

Bereits Ende Mai konntet Ihr hier über die Berliner Band Sultans Court lesen und erfahren, dass sie als einen ihrer Einflüsse die Band Alt-J nennen. Auf ihrer neuen Single Shutdown zeigen sie nun, dass sie dem Sound ihrer Vorbilder so nahe kommen, dass man den Song getrost auch auf einem Album der Briten vermuten würde. Dabei behandeln Sultans Court abermals ein Thema, welches in der Gesellschaft stattfindet, jedoch kaum thematisiert wird – dem des Hikikomori. Hinter diesem – doch recht niedlich klingenden – Wort verbirgt sich allerdings eine komplexe Form der Flucht aus der Realität. So finden sich vor allem in Japan viele Menschen, die sich in ihren eigenen vier Wänden einschließen und mitunter über Jahre nicht mehr das Haus verlassen, um aus der Realität zu flüchten. Dieses beängstigende Thema untermalen Sultans Court mit düsteren und fernöstlich angereicherten Soundelementen, die aus Bass, Gitarren und derben Trompeten bestehen. Dabei knistern die Membranen der Boxen nur so vom tiefen Sound, sorgen für eine dystopische Stimmung und animieren gleichzeitig zum tanzen. Sultans Court verpacken schwere Themen so gekonnt in große Sounds, dass man jedem Moment mit dem Zünden der Rakete rechnen muss.

Hugh - Sense To You

Hugh – Steht der große Sprung bevor?

Das Quartett Hugh hat uns 2017 mit den wunderbaren Songs This Is How It Starts und Go so richtig verzaubert. War es doch dieser verträumt, frickelige Sound auf This Is How It Starts und die wunderbar warmen Gesänge, sowie der Deep House Beat und 80er Jahre Vibe auf Go mit dem sich die Londoner Band präsentierte und in das wir uns verliebten. Nun sind Izzy Brooks, Andy Highmore, Joshua Idehen und Tino Kolarides mit neuem Material zurück und haben nach der, im April veröffentlichten, Single Sober nun mit Sense To You einen wunderbaren Sound produziert, der sich irgendwo zwischen Hot Chip, fernöstlichen Einflüssen und sattem 80er-Jahre-Computerspiel anhört und in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Produzentenduo Bonjay entstanden ist. Dabei klingt Idehens Stimme leicht nach Autotune und bleibt dennoch warm und entspannt. Schließlich setzt Brooks mit einem hallenden Gesang ein, der Sense To You erhaben klingen lässt. Idehens Gefühl hinter dem Song beschreibt der Sänger als etwas, dass Dir bekannt vorkommt. Du gehst abends mit Freunden etwas trinken, bist auf nichts bestimmtes aus und plötzlich treffen sich die Blicke mit einer Person, die Dich fasziniert. Deine Worte werden plötzlich zur Nebensache und Du vergisst Dich halb, dafür zählt aber der Moment. Und ehe Du Dich umsiehst, stolperst Du die Tür hinaus und verabschiedest Dich von Deinen Freunden. Dieser warme Sound, den Hugh dabei produzieren, wirkt vertraut und umgibt einen förmlich wie ein warmer Hauch. Also lassen wir uns darauf ein und genießen die musikalische Liebkosung.

The Bad Tones - Over Me

The Bad Tones – Musik, die alles vereint

Gleich vorneweg, die aktuelle Single Over Me von dem lettischen Quartett The Bad Tones ist eine Reise in die vergangenen 40 Jahre Musik. Dabei orientiert sich Over Me nicht direkt an einem Genre, sondern greift auf die Einflüsse aus Rock, Soul, Alternative, Blues und Singer/Songwriting zurück und vermischt das ganze zu einem Sound, der sich zwischen in Erinnerung an die ganz großen Songs schwelgen und modernem Rock und Blues befindet. The Bad Tones haben dabei schon eine lebendige Bandgeschichte vorzuweisen. Bereits unter dem Bandnamen The Pink Elephant hatten sie mit Mellowing (2015) und Cassette Concert (2016) Alben veröffentlicht. Nun als The Bad Tones unterwegs, gab es 2018 mit der EP Bad Tunes einen ersten Vorgeschmack. Jedoch soll für die Band aus Riga das Jahr 2019 als Wendepunkt fungieren. Denn am 5. Juli wird mit Is It Good Enough? ihr Debütalbum erscheinen, bei dem sie gleich vorneweg die Erfahrungen verarbeiten, die sie mit The Pink Elephant und The Bad Tones bisher gemacht haben. Over Me ist dabei eine clever arrangierte Soundkulisse, die auf verschiedenen Ebenen arbeitet. Kommen hier tiefe sowie klare Gitarrenriffs zum Einsatz, geht Sänger Edvards Broders so entspannt mit den Lyrics um, um diese schließlich in Synthiearrangements und Saxophonwolken einzubetten. Dadurch erinnern The Bad Tones an so viele Bands in nur einem Song. Hier kommen Assoziationen zu Bombay Bicycle Club, Tame Impala oder Fleet Foxes auf. Mit Over Me haben The Bad Tones den perfekten Song veröffentlicht, um sich als Band bei uns vorzustellen.

Bear's Den - So That You Might Hear Me

Bear’s Den – Berührend hoch 3

Nun ist es endlich soweit, nach drei Jahren ist heute das dritte Studioalbum So That You Might Hear Me von Bear’s Den erschienen. Damit präsentieren sich die Briten nach dem monumentalen Red Earth & Pouring Rain abwechslungsreicher denn je. Mit dem elektronischen Fuel On The Fire, den ruhigen Folksongs Laurel Wreath und Blankets Of Sorrow oder dem epischen Fossils haben sich Bear’s Den deutlich breiter aufgestellt, als noch auf Islands und Red Earth & Pouring Rain. Bei der aktuellen Single Crow haben Andrew Davie und Kevin Jones dann auch eine stripped-down Ballade auf dem Album, die so zurückhaltend ist, dass man sich voll und ganz darin verlieren kann. Für das Musikvideo haben die Jungs dann auch ihre Fans in den Städten São Paulo, Nashville, London und Brüssel zu einem First-Listening eingeladen und wurde mit den Fans ein Video erstellt, bei dem es darum ging familiäre Beziehungen zu präsentieren. Zusammengekommen, sind die verschiedensten Menschen mit ihren Liebsten oder auch Menschen, die nur ein Foto bei sich trugen, auf dem eine verstorbene Liebe gezeigt wird. Musikalisch geht Crow dabei in die einfühlsame Richtung und lässt viel Raum für Gefühle. Dabei zeichnet sich Crow durch das Zusammenspiel all dieser Einflüsse episch und monumental aus. Mit großem Pathos und einer gleichzeitigen Sensibilität lädt Crow unverkennbar ein, das neue Album zu hören und sich im Bear’s-Den-Sound zu verlieren – denn das schaffen die Briten wieder einmal hervorragend mit ihren neuen Songs.

Jade Bird - Love Has All Been Done Before

Jade Bird – Rasierklingen scharfer Rocksound

Jade Bird ist mit ihren 21 Jahren, als Britin, durchaus schon viel rumgekommen. Hatte sie doch mit ihrem Vater, der beim Militär arbeitete, immer wieder Umzüge erlebt. Mal nach Deutschland, mal in die USA und dann wieder zurück nach England. So begann sie diese Einflüsse zu verarbeiten und schrieb an ihren ersten Songtexten. Mit 12 Gitarre gelernt, studierte sie mit 16 darstellende Künste an der BRIT School in Croydon. Nach einem fulminanten Einstand mit ihrer 2017 veröffentlichten EP Something American und ihrem kleinen Hit Lottery steht sie nun kurz davor, ihren großen Durchbruch zu feiern. Bereits von der VOGUE und dem Rolling Stone als eine der Künstlerinnen betitelt, auf die es ein Auge zu haben gilt, hat Bird mit ihrer aktuellen Single Love Has All Been Done Before ein wahres Brett abgeliefert. Mit Einflüssen aus Rock & Roll, Indie, Blues und Country klingt Love Has All Been Done Before nach einer frischen Courtney Love und zählt als Einflüsse von Avril Lavigne über Bruce Springsteen auch Dolly Parton zu ihrer bisherigen Singer/Songwriter-Laufbahn. Nun steht mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum Jade Bird die Veröffentlichung für kommenden Freitag kurz bevor und zeigt bereits die Schlagzahl der Interviews und Berichte, dass dieses Album wohl sehr weit oben in den britischen Charts einsteigen wird. Das alles wäre mehr als gerechtfertigt – gab es doch so eine Rockröhre, wie Jade Bird es ist, seit mindestens 15 Jahren nicht mehr im Mainstream zu hören.

JNR Williams – Wenn eine Seele singt…

…steht die Welt still. Es überkommt einen, wie ein Schauer der Betroffenheit, wenn das erste Mal die unglaublich warme, sanfte und soulige Stimme des jungen Londoner Soulsängers JNR Williams (gesprochen Junior Williams) ertönt. Sie greift dich förmlich und lässt dich nicht mehr los. Dabei hat der Musiker gerade einmal zwei Songs veröffentlicht. War sein Debütsong im Dezember 2018 noch eine Neuinterpretation des über 80 Jahre alten Klassikers What A Difference, hat Williams nun mit A Prayer einen so unglaublich schöne Song veröffentlicht, dass man mit Sicherheit sagen kann, JNR Williams wird die Soulstimme 2019 werden! Er selbst ist eher introvertiert, auffällig ruhig und hat in seinem Heranwachsen als farbiger Mann immer gepredigt bekommen, auf keinen Fall Emotionen zu zeigen. Mit dem Musikvideo zu A Prayer stellt Williams nun visuell dar, wie es aussieht, wenn Vater und Sohn diese Gefühlsblockade nach und nach aufbrechen, um sich nicht voneinander zu entfernen. Williams‘ Stimme ist dabei vergleichbar mit Sampha und Rationale und sieht er sich selbst inspiriert von Künstlern, wie dem US-Amerikanischen Singer/Songwriters Moses Sumney oder dem Briten James Blake. Diese Einflüsse arbeitet er nun mit A Prayer auf und bereitet damit die Veröffentlichung seiner Debüt-EP Where We Start vor. Diese erscheint diesen Freitag und so heißt es nun nur noch ein paar Tage abzuwarten, bis sich der große JNR Williams-Siegeszug in Bewegung setzen wird.

Vampire Weekend – Die volle Ladung hoch 2!

Es scheint, als hätte sich der Indie-Herbst, in dem normalerweise immer alle hochkarätigen Künstler ihre Songs und Alben veröffentlichen, in den Winter verschoben. Hatten wir gestern erst zwei neue Songs von Florence + The Machine präsentiert bekommen, folgen nun Vampire Weekend mit ebenfalls zwei neuen Songs. Dabei steht hinter der Veröffentlichung der Plan, in den kommenden zwei Monaten bis zur Veröffentlichung des vierten Albums Father Of The Bride jeweils zwei weitere Songs pro Monat zu veröffentlichen. Somit wird die lange Zeit des Wartens – die nunmehr sechs Jahre dauerte – auf ein Minimum reduziert und macht gleichzeitig Lust auf die volle Ladung Vampire Weekend. Interessant ist hierbei, dass Rostam Batmanglij – der bis Januar 2016 fester Bestandteil der Band war und damals seinen Ausstieg bekannt gab, wieder auf dem Album vertreten sein wird, allerdings als Gastmusiker. Mit insgesamt 18 Songs, wird Father Of The Bride auch das Album mit den meisten Songs sein und klingen die beiden ersten Songs Harmony Hall und 2021 so lebendig, wie anders. Meint man auf Harmony Hall Einflüsse von Country zu hören erinnern der Song auch gleichzeitig ein wenig an alte Veröffentlichungen der Rolling Stones. 2021 dagegen ist eine reduzierte Ballade, die mit Soundelementen spielt und bei einer Länge von nur 1:40 Minute wie eine kleine Insel des Verschnaufens wirkt. Wir können also gespannt sein, zwischen welchen Songs Vampire Weekend diesen Song setzten werden und wie sich, im Vergleich, die kommenden Songs anhören werden.