Caravan Palace - Plume

Caravan Palace – Gewohnt vielseitig

Caravan Palace haben diesen ganz bestimmten Stil – mit Electroswing, Jazz und Pop, Musik zu erzeugen, die ins Ohr geht und darüber hinaus stets frisch und locker klingt. Mit Miracle konnten wir uns dieses Frühjahr bereits vom ersten Vorboten des kommenden, vierten Albums Chronologic, überzeugen und verliebten uns sofort. Nun sind Caravan Palace, um Frontsängerin Zoé Colotis, mit einer weiteren Singleauskopplung zurück, ehe am 30. August Chronologic in den Läden steht. Plume ist dabei eine Verschmelzung aus Spiritualität – hört man auf den Songtext, wird dies schnell klar – und tanzbaren Klängen. Herausgekommen ist ein hüpfender Beat, der durch Colotis‘ verträumten Gesang zu einer Art Gegenpol anschwillt. Hierbei wird man als Hörer zwischen der Tanzfläche und einem verträumten-auf-dem-Sofa-liegen-Moment hin- und hergerissen, doch entscheidet sich am Ende immer wieder für das, wofür Caravan Palace stehen – einen unglaublich tanzbaren und Freude-weckenden Sound zu kreieren.

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Bonobo - Linked

Bonobo – Der Wille sich treiben zu lassen

Simon Green – alias Bonobo – ist ein wahres Genie der elektronischen Musik. Mit seinen treibenden Dancebeats, dem Mix aus Instrumenten und Synthesizern und dem stets wohl bedachten Einsatz von Stimmen hat es Bonobo vor allem mit seinem fünften (The North Borders) und sechsten Album (Migration) geschafft eine derartige Popularität zu erlangen, dass man ihn getrost als einen der einflussreichsten elektronischen Künstler aus Großbritannien bezeichnen kann. Dabei ist seine Musik oftmals weder groß gedacht, noch für die breite Masse produziert und erreicht genau damit gerade so viele Menschen. Nun hat der britische Produzent, der seit einigen Jahren in Los Angeles lebt mit der neuen Single Linked für eine wahre Begeisterungswelle gesorgt. Dabei orientiert sich Linked wieder stärker am Clubsound und ist ein euphorisierender Track, der sich anschickt, uns in andere Sphären zu transportieren. Mit hallenden Gesängen und einem verspielt, energiereichen Beat ist Linked der Bereiter des Sommers und zeigt sich so facettenreich, wie frisch. Noch ist nicht sicher, ob Linked als Teil einer weiteren Compilation erscheinen wird, oder gar Vorbote eines neuen Albums sein wird. Fest steht bisher nur, dass uns Bonobo dieses Jahr auf dem MELT Festival mit einem Auftritt umhauen wird – dieses findet vom 19. bis 21. Juli in Gräfenhainichen statt.

Arizona - Nostalgic

Arizona – Der Sommer wird romantisch

Es ist einer der ehrlichsten Momente zu sich selbst – wenn man bereits mit einem neuen Partner zusammen ist und diesen Flashback in die vorangegangen Beziehung erlebt. Den Moment, bei dem zarte Momente, ein Satz oder der Geruch des Ex-Partners wieder präsent werden. Diesen so intimen Moment teilen wir in der Regel mit niemanden – noch nicht einmal mit den engsten Freunden und schon gar nicht mit dem neuen Partner. Das US-Amerikanische Trio Arizona hat über genau diesen Moment nun einen Song veröffentlicht. Mit Nostalgic schaffen es Frontsänger Zachary Charles, Gitarrist Nate Esquite und Keyboarder David Labuguen ein Gefühl der Wärme zu erzeugen, in dem sie einen verträumten EDM-Beat mit einem eindringlichen Gesang verbinden. Dabei kommen die Songzeilen Ich liege gerade neben jemand Andere, doch manchmal erinnere ich mich immer nach an Dinge, die Du sagtest, oder wie du dich anfühltest völlig authentisch rüber und legen die Jungs aus New Jersey mit dem Satz Aber das ist kein Problem, vielleicht bin ich etwas zu nostalgisch aber die Erinnerungen fluten manchmal regelecht meinen Kopf – und Baby, ich kann es nicht stoppen nochmal klar nach, was ihre Gefühle angeht. Dabei schaffen sie etwas versöhnliches zu erzeugen und blenden den Schmerz, den eine vergangenen Beziehungen haben kann, gänzlich aus. Nostalgic ist ein wunderbarer Sommersong, der weniger zum tanzen animiert, sondern deutlich mehr Romantik versprüht.

Hugh - Sense To You

Hugh – Steht der große Sprung bevor?

Das Quartett Hugh hat uns 2017 mit den wunderbaren Songs This Is How It Starts und Go so richtig verzaubert. War es doch dieser verträumt, frickelige Sound auf This Is How It Starts und die wunderbar warmen Gesänge, sowie der Deep House Beat und 80er Jahre Vibe auf Go mit dem sich die Londoner Band präsentierte und in das wir uns verliebten. Nun sind Izzy Brooks, Andy Highmore, Joshua Idehen und Tino Kolarides mit neuem Material zurück und haben nach der, im April veröffentlichten, Single Sober nun mit Sense To You einen wunderbaren Sound produziert, der sich irgendwo zwischen Hot Chip, fernöstlichen Einflüssen und sattem 80er-Jahre-Computerspiel anhört und in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Produzentenduo Bonjay entstanden ist. Dabei klingt Idehens Stimme leicht nach Autotune und bleibt dennoch warm und entspannt. Schließlich setzt Brooks mit einem hallenden Gesang ein, der Sense To You erhaben klingen lässt. Idehens Gefühl hinter dem Song beschreibt der Sänger als etwas, dass Dir bekannt vorkommt. Du gehst abends mit Freunden etwas trinken, bist auf nichts bestimmtes aus und plötzlich treffen sich die Blicke mit einer Person, die Dich fasziniert. Deine Worte werden plötzlich zur Nebensache und Du vergisst Dich halb, dafür zählt aber der Moment. Und ehe Du Dich umsiehst, stolperst Du die Tür hinaus und verabschiedest Dich von Deinen Freunden. Dieser warme Sound, den Hugh dabei produzieren, wirkt vertraut und umgibt einen förmlich wie ein warmer Hauch. Also lassen wir uns darauf ein und genießen die musikalische Liebkosung.

Flume feat. London Grammar - Let You Know

Flume feat. London Grammar – Eine Kollaboration der Mächte

Beide sind auf ihrem Gebiet absolute Ausnahmeerscheinungen. Während der australische Produzent Flume – alias Harley Streten – für einen Elektrosound steht, der fernab von allem Konventionellen funktioniert und er Grenzen von Genres sprengt, lässt die britische Band London Grammar um Hannah Reid ganz große Momente entstehen. Momente, die von einer Erhabenheit und der großartigen Stimme Reids getragen werden und ebenfalls immer wieder auch elektronische Elemente besitzen. Nun haben sich diese beiden Acts auf der Single Let You Know zusammengetan und einen Mix aus ihren einzigartigen Merkmalen gemacht. Dabei wirkt die Zusammenarbeit von Flume mit dem Londoner Trio anders, als die Kollaborationen mit seinen anderen Featuring-Acts. Denn auf Let You Know sind beide zu 50% vertreten und so kommt es, dass man nicht genau ausmachen kann, ob es sich nun um einen Flume-Song handelt, mit London Grammar als Gast-Act – oder es ein London Grammar-Song geremixt von Flum ist. Diese Tatsache verwirrt und verzaubert gleichermaßen – sind es doch die prägnantesten Merkmale der beiden Acts, die auf Let You Know präsent sind – Hannahs starke Stimme und Flumes experimenteller Beat. Womit London Grammar und Flume mit Sicherheit die nächsten Monate, die Clubs beherrschen werden.

Bat For Lashes - Kids In The Dark

Bat For Lashes – Mystisch und in Trance

Seit jeher gilt Natasha Khan alias Bat For Lashes, als ganz große Sängerin des Indie- und Dream-Pops. Mit ihren Alben Fur And Gold (2006), Two Suns (2009) und The Haunted Man (2012) hatte sie so wunderbare Songs, wie DanielLaura oder In God’s House, Bat For Lashes begeistert immer wieder mit ihrer klaren Stimme, einem dunklen Sound und mysteriösen Beats. Nachdem sich ihr 2015er Album The Bride etwas von diesem Sound wegbewegte, ist sie nun mit voller Kraft und der neuen Single Kids In The Dark zurück. Laut Kahn ist es ein Sound, der eine Hommage an Los Angeles darstellt, und die Zeit zelebriert, ein Kind der 80er Jahre und von Filmen beeinflusst worden zu sein, die einen berührten und veränderten. Das dazugehörige Album Lost Girls ist dabei als ein Album voller Romanzen zu sehen. Es wird am 6. September erscheinen und insgesamt zehn Songs beinhalten. Mit Kids In The Dark lässt sich Kahn ein weiteres Mal auf den wohltuenden Sound als Klangwolke ein, der uns Hörer umschließt und ähnlich kräftig – wie bei ihrem Berlin-Konzert im Huxley’s Neue Welt (2012) – in ihren Bann zieht. Mit einer Ausstrahlung weit größer als so einige Weltstars ist Bat For Lashes mit einer wunderbaren neuen Single zurück.

Lana Del Rey - Doin' Time

Lana Del Rey – Sommerlich heißes Cover

Das Original ist 84 Jahre und irgendwie auch erst zwölf Jahre alt. Lana Del Rey hat mit ihrer Version des 2007er Sublime Songs Doin‘ Time/Summertime am vergangenen Donnerstag für einen wahren Freudentanz gesorgt. Dabei haben sich Sublime selbst, beim schreiben des Songs, bei George Gershwins Summertime aus der Oper Porgy And Bess bedient. Denn gleich zu Beginn nutzen Sublime die Textzeilen Summertime, and the livin‘ is easy und gehen in einem Trip-Hop- und Reggaelastigen Beat auf, der uns den Sommer bis in die Wohnung transportiert. Auch Lana Del Rey hat ihrer Version ganz viel sommerliche Vibes hinzugefügt und daraus einen poppig und klebrig-süßen aber typischen Del Rey Song produziert. Hinzu kommt ihre schmachtend schöne Soundästhetik und ein kleiner Hauch von Desinteresse, der auch Doin‘ Time wieder zu einem unverwechselbaren Del Rey Song macht. Ob Doin‘ Time auf ihrem, für Sommer 2019
angekündigten, sechsten Studioalbum Norman Fucking Rockwell enthalten sein wird, ist bisher noch offen. Doch auch als einzelner Ausflug ist Doin‘ Time ein wahrlich gelungener Sommersong.

Moonlight Breakfast - Summer

Moonlight Breakfast – Die volle Ladung Leben

Am 17. Mai ist es endlich soweit und das dritte Album Affection, der rumänischen Band Moonlight Breakfast kommt auf den Markt. Bereits im Januar konntet Ihr hier auf SOML die Single Look Up entdecken. Denn in den luftig, leichten Elektropop des Trios musste man sich einfach verlieben. Nun steht zur Veröffentlichung des Albums mit Summer noch eine neue Single in den Startlöchern und erinnert dabei an Songs, wie Lykke Lis Little Bit und begeistert mit einem catchy Indiepopbeat, der durch seinen eingängigen Sound zu einem großartigen Sommersong avanciert. Dabei haben sich Moonlight Breakfast an die Erlebnisse der letzten Jahre gewagt und nicht nur das Lebensgefühl des Erlebten in dem Song verarbeitet, sondern auch einzelne Filmsequenzen, die in den vergangenen drei Jahren überall auf der Welt aufgezeichnet wurden, zu einem Musikvideo zusammengeschnitten. Herausgekommen ist ein Song, der das Leben zelebriert und für gute Laune sorgt.

Seeed – Eine neue Zeitrechnung

Man möchte seiner inneren Uhr kaum trauen – sieben Jahre ist es schon wieder her, dass die Berliner Dancehall-Kombo von Seeed mit dem Album Seeed einen Longplayer veröffentlichten. Danach folgten mit Cherry Oh (2014) und der Mitarbeit an der deutschen Version des Band Aid Songs Do They Know It’s Christmas? im Jahr 2014 nur noch zwei Veröffentlichungen. Mit ausverkauften Tourneen und Auftritten auf Festivals wie auf der Europapremiere des Lollapalooza Festivals in Berlin hatten sie gleichzeitig auch einen Konzertmarathon an den Tag gelegt, welcher eine Pause für zu verständlich werden ließ. Doch diese Pause sollte länger dauern, als es die Band beabsichtigt hatte. Denn kündigten Seeed bereits im Mai 2018 neue Konzerte an, folgte der Schock am 31. Mai. Mit dem Tod ihres Gründungsmitgliedes und Freundes Demba Nabé wurde eine Zäsur gesetzt, mit der die Band umzugehen lernen musste. Nun haben Seeed mit Ticket den ersten neuen Song, seit 2012 veröffentlicht und dabei den Tod des Sängers verarbeitet. Waren in der jüngeren Vergangenheit auch schon große Bands wie die Crystal Fighters oder Deichkind mit dem Tod eines Bandmitgliedes konfrontiert, stand für diese Bands fest, dass es weitergehen sollte. Und so kommt die Vermutung auf, dass Seeed gleich in der ersten Songzeile damit aufräumt und zu einem zurückhaltenden Beat den Text Frankie is am Telefon. Yeah Yeah let the music roll für sich sprechen lässt – und rufen somit Dellé im Himmel an, um zu fragen, ob sie weiter Musik machen sollten. Dabei formen Seeed einmal mehr einen Dancehallhit, der sich als fantastischer Sommersong entpuppt. Seeed bleiben sich treu und passen sich dennoch den neuen Gegebenheiten an. Mit Ticket lassen Seeed die Music Monks wieder los und stimmen uns auf einen heißen Sommer ein.

Ruti - Racing Cars

Ruti – Eine große Stimme ist geboren

Ruti Olajugbagbe – kurz Ruti – hat im vergangenen Jahr bei der britischen Version von The Voice alle überzeugt und ging am Ende als Gewinnerin raus. Mit der im Anschluss an die Sendung veröffentlichten Single Dreams – die eine Coverversion des The Cranberries Songs war – schaffte sie es bis auf Platz 14 der britischen Singlecharts. Nun, ein Jahr später, hat Ruti mit Racing Cars ihre erste EP veröffentlicht, die den gleichnamigen Song als Singleauskopplung hat. Dabei überzeugt sie mit einem vielschichtigen Sound, der zum großen Teil von Rutis Stimme lebt, allerdings auch mit einprägsamen Elektrobeats immer wieder für Clubatmosphäre sorgt. Dabei erinnert die Stimme der 19-Jährigen stark an die Frontsängerin von London Grammar – Hannah Reid – und hat selbst in den hohen Tönen die selbe dunkle Färbung. Zusätzlich klingt Racing Cars reduziert ehe der Beat immer wieder durchbricht und dem ganzen Song eine Art Herzschlag verleiht. Ruti ist – trotz des Fluches – das britische The Voice Gewinner keine Hits landen können – auf dem besten Weg in die Top-10 mit ihrer EP und hat für dieses Jahr bestimmt noch das ein oder andere heiße Eisen im Feuer.