AVEC – Mit warmer Stimme gegen die Stille

Im September hatte die Österreicherin AVEC – mit Heaven/Hell ihr zweites Studioalbum veröffentlicht. Nun kam sie am vergangenen Donnerstag zu einem Konzert in den Berliner Club Gretchen und präsentierte uns das Album in einer warmen und knisternd stillen Atmosphäre.

Als Support traten, die ebenfalls aus Österreich kommenden, We Love Silence auf. Mit ihrer Mischung aus selig, ruhigen Arrangements, Cello, sanften Synthies und Lukas Staudingers weicher Stimme, wurde das, über die letzten Jahre zum Trio angewachsene, Gespann zum perfekten Support-Act für die 23-jährige Sängerin. Hierbei schafften es We Love Silence eine Mischung aus Pop, klassischen Elementen und modernen elektronischen Einflüssen zu verarbeiten.

Schließlich kam AVEC mit ihren drei Jungs auf die Bühne und spielte mit ihrer Akustikgitarre sofort los. Gleich in den ersten Songs gab uns die Sängerin mit Love eine ihrer aktuellen Singles zum Besten und begeisterte mit Natürlichkeit und einer charmanten Art. Anfangs noch mit Jacke bekleidet, präsentierte sie sich im Laufe der Show mit einem schwarzen Oberteil, das ihre Tattoos an den Armen wie Marienkäferflecke hervorstechen ließ. Mit so wunderbaren Songs wie Over Now BreatheYours und Alone stimmte AVEC den Abend fast gänzlich in eine heimelige Atmosphäre. Immer wieder auch zum Publikum sprechend, bedankte sich AVEC für die Aufmerksamkeit, die hier so hoch war, dass selbst in den hintersten Reihen nicht gesprochen wurde. Die daraus entstandene Stille, ließ selbst die Sängerin staunen und so scherzte sie, dass man dann ja auch jeden Fehler hören würde. Natürlich gab es aber keine Fehler, die es zu hören möglich gewesen wäre. Bei Under Water und Close kam es dann zu einem schönen Sternenhimmel, der durch die überdimensionale Discokugel des Gretchens, die Decke zum Leuchten brachte. Schließlich kamen auch noch Ida Leidl mit ihrem Cello und Lukas Staudinger von We Love Silence auf die Bühne, um AVEC zu begleiten. Dabei begeisterte AVEC mit einer Stimme, die so warm, wie das Knistern eines Kaminfeuers war.

AVEC zeigte an diesem Donnerstagabend sehr viel von sich. Sinnlich, bestimmt, fragil, verletzlich und stark waren die vorherrschenden Emotionen, die hier auf der Bühne zum Vorschein kamen. Und immer mit dabei – ein Soundteppich, der vom Träumen und Sehnsucht geprägt war. Mit einer mal verführerisch tiefen, mal drängend klaren Stimme ließ uns AVEC an ihren Emotionen teilhaben und hatte damit den Abend im Gretchen in einen Moment der Geborgenheit verwandelt.

Eine so sympathische, bodenständige, wie starke Künstlerin live auf der Bühne zu sehen gehört auf jede Liste eines Konzertgängers und kann im Falle der österreichischen Sängerin nur wärmstens empfohlen werden.

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Martin Baltser – Mit Falsett direkt ins Herz

Es ist eine Geschichte über einen Kleinstadt-Jungen, der zu viel Angst davor hat, die Hand eines anderen Jungen zu halten – auch wenn er weiß, dass keiner in der Kleinstadt damit ein Problem hätte. Eine Geschichte eines Schuljungen, der Angst hat, nicht in das System zu passen und Angst vor der Einsamkeit hat, dass dieses Gefühl ihn selbst einsam fühlen lässt. Das ist die Geschichte, des aus Aarhus kommenden Martin Baltser, die er uns auf seinem wunderschönen Debütalbum The Wasteland Incident erzählt. Dabei ist die aktuelle Single Call My Wild ein emotionales Aufstehen, gegen die Erwartungshaltung an einen jungen Erwachsenen in der Schule. Hier hat der Däne selbst erfahren, dass Individualität und individuelle Stärken zurückgedrängt werden, um in ein Schema zu passen. Dabei kling Call Me Wild kaum greifbar aber unglaublich berührend. Mit frickeligen Soundfetzen, folkigen Gitarren und einer behutsam inszenierten Zerrissenheit, führt Baltser im Falsett durch den Song und lässt starke Assoziationen an Sigur Rós aufkommen. Call Me Wild klingt wie eine Katharsis von schlechten Erfahrungen. Baltser wirft alte Erfahrungen ab und will sich auf Call Me Wild neuen Erfahrungen öffnen. Und wir liegen ihm zu Füßen und lauschen, in geborgener Atmosphäre, den Geschichten seines Debütalbums.

Rüfüs Du Sol – Ein Name für Alle

Acht Jahre haben sie es durchgehalten, doch am Ende hat ein Name alles vereinfacht. Und so wird aus Rüfüs, Rüfüs Du Sol. Wurde der längere Name seit der Gründung 2010 ausschließlich für den US-Amerikanischen Markt verwendet, wird das australische Trio mit seinem dritten Studioalbum nun unter diesem Namen weltweit auftreten. Mit dieser Ankündigung einher, geht die Veröffentlichung des ersten Songs No Place, aus dem kommenden Album. War ihr Sound auf dem 2016er Album Bloom noch von Weite geprägt, klingt No Place nun deutlicher nach Club-Atmosphäre. Dabei greifen Rüfüs Du Sol in den ersten 40 Sekunden die Basis des Welthits Insomnia auf, welcher die britische Band Faithless über Nacht zu weltweiten Stars machte. Mit melodischen Bässen und mehrfachen Breaks geben Rüfüs Du Sol einmal mehr das, was wir von ihnen verlangen – treibende Beats und große, elektronische Emotionen.

She & Him – Freches Genderspiel

She & Him sind seit jeher für ihren folkigen Countrypop berüchtigt. Dieser klingt immer auch verschmitzt und ist mit einem Hauch von Süffisanz versetzt. Dabei lassen sich Zooey Deschanel und Matthew Ward nie irritieren und bleiben ihrem ganz eigenen Stil treu. Ist ihr letztes, selbst geschriebenes Studioalbum bereits fünf Jahre her, hatten sie mit den Interpretationen auf Classics und dem zweiten Weihnachtsalbum Christmas Party in den letzten Jahren dennoch Material veröffentlicht. Inspiriert durch die Compilation Universal Love, auf der Bob Dylan, Kesha, Kele Okereke, St. Vincent und Benjamin Gibbard große Klassiker uminterpretieren und jeweils immer das Geschlecht des Songs verändern, haben She & Him einen Song geschrieben, den sie nun in zweifacher Ausführung veröffentlicht haben. So gibt es die Versionen She Gives Her Love To Me und He Gives His Love To Me, die – wie auch Universal Love – als Soundtrack für gleichgeschlechtliche Hochzeiten fungieren soll. Mit Gitarren beginnend, hakt sich Deschanel harmonisch in den Song ein und singt in gewohnt herzlicher Manier. Dabei kommt die Atmosphäre eines Aufenthaltes auf einem Südstaaten-Rastplatz auf, bei dem alle friedlich zum Song mitgehen. She & Him schaffen es immer wieder, durch ihren ganz eigenen Stil, als Ausreißer, aus der Popwelt, zu fungieren und sind mit She Gives Her Love To Me/He Gives His Love To Me endlich wieder mit einem selbst produzierten Song zurück.

Hugh – Ein Sound der durch die Straße fegt

Hugh – Go

Bereits mit dem Song ‚This Is How It Starts‚, den das britische Quartett Hugh im Frühjahr veröffentlichte, begeisterten sie durch einen Slow-Beat der vor sich hin kroch. Dabei waren es die zusätzlichen Spielereien, die dem Song diese Note der Abwechslung verschaffte. Nun haben Izzy Brooks, Joshua Idehen, Andy Highmore und Tino Kolarides mit ‚Go‘ einen neuen Song bei Soundcloud hochgeladen und klingen damit sogar noch besser als schon auf ‚This Is How It Starts‘. Denn ‚Go‚ begeistert mit einem Retrosound, der an Soundtracks von Ghostbusters erinnert und einen unwiderstehlichen Refrain hat. Brooks und Idehen spielen sich hier gegenseitig die Takte zu und bleiben dabei intim und mystisch. ‚Go‚ passt perfekt in die Kulisse einer menschenleeren Straße in Großstädten, bei dem der nasse Asphalt und die schummrigen Laternen eine Atmosphäre erzeugen, die irgendwo Geister vermuten lassen.

Odesza – Die Elektrogötter sind zurück!

Odesza – Late Night

Mit Say My Name hatte das amerikanische DJ-Duo Odesza 2014 für einen absoluten Überraschungshit gesorgt. Wurde er doch in der Festivalsaison 2015 und 2016  überall gespielt und kam so bis in die deutschen Pop-Radiostationen. Dabei gelten Odesza bis heute immer noch als Duo fernab des Mainstreams – doch im sogenannten Underground sind sie auch nicht beheimatet – und so beschreibt genau diese Schwebe Odeszas Sound am besten. Scheinen die Songs doch zu schweben und dadurch eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Nun sind sie nach fast zwei Jahren ohne neues, eigenes Material zurück und haben gleich zwei Songs veröffentlicht. Während sich Line Of Sight mit der Stimme von Wynne & Mansionair sehr poppig anhört und viele Youtube-Kommentatoren in Vergleiche zu den Chainsmokers enden lässt, klingt der zweite Song Late Night deutlich mehr nach dieser Schwebe des ersten Albums. Opulente Synthies, lange, schillernde Beats und eine packende Euphorie ab der Mitte lassen Late Night, den Harrison Mills und Clayton Knight in Seattle aufgenommen haben zum absoluten Hit werden und so die beiden als Odesza genau dort weitermachen, wo sie 2014 aufgehört hatten.