Er klingt, als würde man einem Rennwagen auf einer endlos langen geraden Straße entgegenblicken. Erst, sieht man nur einen kleinen Punkt, der von Sekunde zu Sekunde größer wird und auf einen zu rast. Schließlich ist er nur noch einen Kilometer entfernt, 500 Meter, 50 Meter und plötzlich – wie in einem Comic – gibt es einen hellen Blitz und wir sitzen selbst im Wagen und rasen weitere Kilometer die Straße entlang. Vorbei an Wüstenlandschaften, Neon-Reklamen und beleuchteten Häusern á là Sin City. Das alles kommt auf, hört man sich die neue Single des britischen New Wave- und Indie-Rock Trios White Lies an. Nothing On Me heißt der Song und besticht mit intensiven Synthies, die gleich zu Beginn Vollgas geben, ehe Frontsänger Harry McVeigh zu singen beginnt. Auffallend hierbei ist, dass McVeigh seine Stimme auf Nothing On Me anders einsetzt und seine Stimmfarbe tiefer, heiserer und reifer klingt. Nicht etwa so, wie auf ihrem Debütalbum To Lose My Life…, bei dem McVeigh stets omnipräsent und deutlich zu hören war. Vielmehr ist es ein diffuser Tanz auf einem Vulkan – intensiv, hektisch, auspowernt und mit seinen 175 BPM unglaublich schnell.

Für die White Lies markiert Nothing On Me damit den Startschuss in ein neues Kapitel der Band, bei dem am Ende mit Sicherheit das siebte Studioalbum stehen wird. Dieses haben die drei Londoner bisher zwar noch nicht angekündigt, doch dürfte es noch vor den Konzerten rauskommen, welche die White Lies für die Zeit von Ende Januar bis ende Februar 2026 in Europa angekündigt haben. Über die Entstehung des Songs sagt die Band in einem Interview: Der Rhythmus basiert auf einem klassischen Motorik-Beat, inspiriert vom Krautrock, den wir alle lieben – ein Motiv, das sich durch unsere ganze Karriere von den White Lies zieht. Die Gitarrenmelodie ist fast fröhlich und absurd, erinnert an ein Kinderlied oder an die Melodie eines Eiswagens. Wir denken, dass das im Kontrast zur Stimmung im restlichen Songs steht. Inspiriert wurde das von Steve Hillage und seinem Album Motivation Radio, auf dem er oft ähnliche Melodien verwendet. All das ergibt eine Kakophonie – eine Informationsflut, die desorientiert und verwirrt – so die White Lies und fügen hinzu, dass die Lyrics; die Schwierigkeiten widerspiegeln, die wir alle manchmal haben, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten – selbst wenn sie uns nahestehen. Besonders in hitzigen Momenten oder Auseinandersetzungen, und wie überwältigend das sein kann. Damit übersetzen die White Lies die Wirrungen des Lebens in einen Song und geben die Richtung für das kommende Album vor.